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Veröffentlicht am 23.05.2020

Blieb leider hinter meinen Erwartungen zurück

Das Buch der gelöschten Wörter - Der erste Federstrich
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Ich liebe Metafiktion. „Das Buch der gelöschten Wörter- Der erste Federstrich“ von Mary E. Garner wanderte nach seinem Erscheinen daher direkt auf meine Wunschliste. Außerdem gefiel mir die Tatsache, ...

Ich liebe Metafiktion. „Das Buch der gelöschten Wörter- Der erste Federstrich“ von Mary E. Garner wanderte nach seinem Erscheinen daher direkt auf meine Wunschliste. Außerdem gefiel mir die Tatsache, dass die Protagonistin (zumindest altersmäßig) kein Teenager mehr ist, und das Cover des Buches ist auch ein richtiger „Hingucker“.

Worum geht’s?

- Hope Turner arbeitet in London als Lockvogel für die Partnervermittlungsagentur „Herz trifft Herz“. Sprich, sie ist ein Köder, da sie verschiedene Identitäten annimmt, um interessierte Männer bei der Stange zu halten, bis sich wirklich eine Frau mit Interesse bei den Kandidaten meldet (Ob das jetzt logisch oder bei seriösen Agenturen Usus ist, sei mal dahingestellt). So fies, wie sich das anhört, ist die Heldin jedoch nicht, ganz im Gegenteil Die Protagonistin ist 42 Jahre alt und seit der Trennung von ihrem Freund Christian Single. Regelmässig besucht Hope ihre Mutter, die unter Demenz leidet, im Pflegeheim.

In der Buchhandlung Mrs. Gateway’s Fine Books begegnet sie einem attraktiven Mann, der plötzlich verschwindet, und auch ihrem späteren Mentor Rufus Walker, und dann erfährt Hope, dass die Buchhandlung eigentlich ein Portal in die Welt der Bücher ist. Romanfiguren führen darin ein Eigenleben, und die bedrohte Welt kann nur Hope retten, da sie eine „Verwandlerin“ ist, die „gelöschte Wörter“ (potentiell bedrohliche Wörter) umwandeln und unschädlich machen kann. Die gelöschten Wörter sind jedoch nicht nur für Hope von Interesse – es gibt einen Antagonisten, der Böses im Sinn hat…

Die Grundidee finde ich genial! Und jeder Leser wird sich über die literarischen Querverweise freuen (ich mochte etwa die Anspielung auf Wuthering Heights sehr gerne). Es gibt „neue Versionen“ von Romanfiguren, und man reist als Leser/in mit Hope unter anderem auch nach Pemberley, trifft Lassie oder Anna Karenina.

Manche Figuren wirkten auf mich allerdings eher wie Comicfiguren, etwa Gwen (Guinevere).

Wie gesagt – eine tolle Grundidee! Ich fand es auch (be)rührend, wie sich Hope um ihre Mutter kümmerte. Im Verlauf der Handlung sollte auch die Liebe noch eine Rolle spielen, dies störte mich überhaupt nicht. Da es sich bei dem Roman um einen Auftaktband zu einer Trilogie handelt, fand ich auch den Cliffhanger am Ende nicht schlecht, da bei potentiellen Lesern so die Neugier auf den zweiten Band der Reihe („Das Buch der gelöschten Wörter – Zwischen den Seiten“) geweckt wird.

Sprachlich und stilistisch konnte mich der Roman leider nur bedingt überzeugen. Oft war mir der Stil zu flapsig, Sätze wie "Vermaledeit und dreimal auf den Gral geschissen" – waren mir wirklich zu platt. Sorry. Manche Formulierungen behinderten irgendwie den Lesefluss, etwa wenn Lance (Lancelot) "pflaumt[e]“. Oder wenn Gwen "reizend" bat. Außerdem fragte ich mich, ob Hopes Mutter, eine Britin, ihren Pfleger statt „Micki“ nicht eher „Mickie“ oder „Mickey“ rufen würde? Mit einem guten (Verlags) Lektorat hätte man aus dem Roman noch mehr machen können, finde ich, denn Potential ist zweifellos vorhanden, ich persönlich hätte die Erzählung als Lektorin auch ein bisschen gestrafft.

Der Roman wird aber definitiv viele neue Leser für die Klassiker begeistern. Ich sehe schon eine neue Generation „Anna Karenina“ oder „Stolz und Vorurteil" auf die Wunschliste setzen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.05.2020

Leben und lieben im Elsass

Wie uns die Liebe fand
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„Wie uns die Liebe fand“ ist ein Debutroman von Claire Stihlé, in welchem im Wesentlichen eine Familiengeschichte erzählt wird. Ein flüssiger Stil und fein gezeichnete Figuren machen das Buch aus.
Mit ...


„Wie uns die Liebe fand“ ist ein Debutroman von Claire Stihlé, in welchem im Wesentlichen eine Familiengeschichte erzählt wird. Ein flüssiger Stil und fein gezeichnete Figuren machen das Buch aus.
Mit einem Augenzwinkern führt eine Ich – Erzählerin durch das Geschehen:
Hier wird eine Geschichte vor dem Hintergrund der wechselhaften deutsch-französischen Historie erzählt, was besonders anhand dieser Sätze deutlich wird:
„Wie oft mussten meine Kinder den Satz Je ne parle plus l’alsacien [Ich spreche kein elsässisch mehr] niederschreiben[…]“
Die Elsässer mussten sich also immer dem jeweiligen Machthaber unterwerfen. Mal war ihr Idiom „zu deutsch“, mal „zu französisch“:
„Oft wissen die jungen Leute von heute gar nicht mehr, dass es uns auch während der Besatzung verboten war, elsässisch zu sprechen.“
Madame Nanon („Nan“) ist zweiundneunzig Jahre alt und lebt in einem kleinen Ort im Elsass, Bois-de-Val, sie lässt das Leben Revue passieren.
Madame Nan ist wohl das, was man heutzutage eine „Powerfrau“ nennen würde, denn sie zog allein vier Töchter groß, da ihr Ehemann Bertrand früh verstarb. Wie nehmen als Leser am Dorfleben teil, werden Zeugen von Trennungen und Liebesaffären, Neuerungen und Moden. Maries (Madame Nans Tochter) „Liebesbomben“ sind bei ihrer Erfindung der „Hit“ bei der Dorfbevölkerung.
Auch die Liebe tritt noch einmal in das Leben der Elsässerin, als sich die Hauptprotagonistin in ihren Nachbarn Monsieur Boberschram verliebt. Wieso ist dieser jedoch so zurückhaltend? Der Schlüssel zu seinem Verhalten liegt (wie so oft) in der Vergangenheit…
„Wie uns die Liebe fand“ ist meines Erachtens eine Wohlfühllektüre, trotz ernster Untertöne! Eine Familiengeschichte, die mit mystischen Elementen angereichert ist – mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.
Sehr gut gefielen mir auch die beigefügten Rezepte und die mundartlichen Einsprengsel.

Fazit:
„Wie uns die Liebe fand“ ist ein richtig schöner Schmöker, den ich gerne gelesen habe.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.05.2020

Lese-Tipp

Das Museum der Welt
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Bartholomäus wächst 1854 in einem Waisenhaus in Bombay auf, er ist mindestens zwölf Jahre alt. Der Leiter des Waisenhauses, ein katholischer Geistlicher, fördert den altklugen Jungen. Die anderen Kinder ...

Bartholomäus wächst 1854 in einem Waisenhaus in Bombay auf, er ist mindestens zwölf Jahre alt. Der Leiter des Waisenhauses, ein katholischer Geistlicher, fördert den altklugen Jungen. Die anderen Kinder (der Protagonist nennt sie nur „die Anderen“) piesacken ihn.
Eines Tages tauchen die bayerischen Brüder Schlagintweit in Bombay auf. Der sprachbegabte Dolmetscher Bartholomäus soll die Forscher, die im Auftrag des preußischen Königs und der britischen East India Company unterwegs sind, auf ihrer Reise durch Indien begleiten. Während der Expedition wird das Waisenkind, das zu Höherem berufen scheint (das Stilmittel erinnert an Dickens) erwachsen. Es dokumentiert die Reise in seinem Notizbuch – Bart nennt es „Museum“, und so muss man sich als Leser/in auf den Ich – Erzähler verlassen. Ist Bartholomäus gar ein unzuverlässiger Erzähler?
Für „Das Museum der Welt“ muss man als Leser/in schon über etwas Sitzfleisch verfügen, aber es lohnt sich!
Für viele Menschen ist code – switching ganz normal, daher habe ich mich über die Hindi – Einsprengsel im Text sehr gefreut! Zwar gibt es kein Glossar, man kann sich die Bedeutung der Worte jedoch aus dem Kontext „zusammenreimen“.
Ich habe den Roman sehr gerne gelesen, da mich die Erzählung nicht nur inhaltlich, sondern auch stilistisch „packen“ konnte. Der Kolonialismus wird äußerst kritisch beleuchtet – gut so! Es ist sicher kein Zufall, dass auch die indische Unabhängigkeitsbewegung eine nicht unerhebliche Rolle im Roman spielt. Gerade in Zeiten von „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ ist ein Buch wie „Das Museum der Welt“ wichtig.
Bartholomäus ist meines Erachtens ein absolut „runder“, da ambivalenter Charakter. Die Figurenzeichnung ist eine große Stärke des (Abenteuer)Romans. Der indische Vielvölkerstaat mit seinem Kastenwesen trifft auf das chauvinistisch-rassistische Überlegenheitsgefühl der Kolonialherren. Und es gab zu der Zeit viele! Man kann während der Lektüre unheimlich viel lernen, es lohnt sich also, das Buch zu lesen. Die Brüder Schlagintweit waren mir vor der Lektüre unbekannt und ich wusste nicht, dass es auch dänische Kolonien in Indien gab. Jeder wollte ein Stück vom Kuchen, nicht nur die Briten und Portugiesen.

Fazit:
Stichwort Kolonialismus – zuerst denkt man an „Deutsch – Südwestafrika“, an die Herero und Nama im heutigen Namibia.
Dass die Deutschen aber auch in Indien zumindest als Forschungsreisende präsent waren (Alexander von Humboldt hielt große Stücke auf die bayerischen Gebrüder Schlagintweit), ist im kollektiven Gedächtnis nicht so verankert.
Christopher Kloeble präsentiert mit „Das Museum der Welt“ einen gelungenen Genremix und kombiniert reale historische Ereignisse und Personen mit fiktionalen Figuren. Trotz kleiner Schwächen ist dieser historische Roman absolut lesenswert!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.05.2020

Beatrice trifft Romeo

Friends without benefits
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Elizabeth Finney liebt Star Trek, Boygroups und ihren Strickkreis. Die junge Ärztin arbeitet in einem Krankenhaus in Chicago, und zum Stressabbau spielt sie –sehr zum Leidwesen ihres Vorgesetzten Dr. Botstein- ...

Elizabeth Finney liebt Star Trek, Boygroups und ihren Strickkreis. Die junge Ärztin arbeitet in einem Krankenhaus in Chicago, und zum Stressabbau spielt sie –sehr zum Leidwesen ihres Vorgesetzten Dr. Botstein- ihren Kollegen den einen oder anderen Streich. Außerdem versucht sie, ihrer Konkurrentin Meg aus dem Weg zu gehen und mit „Dr. Ken Miles“ warm zu werden.
Als sie eines Tages zu einer neuen Patientin gerufen wird, trifft sie auf den charismatischen Italo-Amerikaner Nico Manganiello/Moretti, mit dem sie seit der Highschool eine Art Hassliebe verbindet.
Nicos Interesse verwirrt die junge Frau, da “The Face“ mittlerweile ein Promi mit einer eigenen (laut Elizabeth „frauenfeindlichen“) Show ist.
Elizabeth zweifelt an sich und an ihren Gefühlen. Doch die Mädels aus dem Strickkreis lassen sich nicht lumpen, wenn es um das Glück einer guten Freundin geht…

„Friends without benefits“ ist der zweite Teil der Reihe „Knitting in the city“. Dieser Band gefiel mir viel besser als der Auftaktband („Love Factually“).
Elizabeth ist eine liebenswerte Protagonistin und die Figuren haben insgesamt mehr Tiefe als die Charaktere aus Band eins (es gibt natürlich auch ein Wiedersehen mit Quinn und Janie aus dem Auftaktband). Der Liebesroman liest sich stellenweise allerdings wie ein Erotikmärchen, dies muss man mögen. Es gibt witzige Szenen und humorvolle Passagen – als „Lizzybella“ während eines Klassentreffens vor versammelter Mannschaft auf einen Stuhl stieg und „das Kind ist von Dir“ brüllte, musste ich richtig lachen. Auch die Wortgefechte, die sich die Protagonisten liefern, gefielen mir gut.
Der Roman war mir bis zum letzten Drittel fünf Sterne wert, dann trug Penny Reid für meinen Geschmack leider zu dick auf. Sätze wie „Anscheinend waren meine Vagina, mein Uterus und meine Eierstöcke Italienerinnen, […]“ sind nicht nach meinem Geschmack, auch wenn das Ganze auf Englisch vielleicht lustiger klingt als auf Deutsch. Außerdem wurde mir die Handlung dann doch ein wenig zu kitschig und auf den Epilog hätte ich auch verzichten können.
Es gab auch unlogische Elemente, etwa eine medizinische Behandlung, die aus einer sterilen Krankenhausatmosphäre in eine (desinfizierte) Wohnung verlegt wurde. Von Chicklit erwarte ich keinem Mann’schen Tiefgang, aber Plausibilität. Auch die „schicke Stalkerin“ fand ich zu überzeichnet. Die Spezialistin für skurrile Figuren in Liebesromanen ist für mich definitiv nicht Penny Reid, sondern Janet Evanovich.
Penny Reids Roman macht aber trotzdem Spaß & ich fühlte mich gut unterhalten! Es geht neben Herzeleid auch um die Kraft der Freundschaft.
„Friends without benefits“ ist ein romantischer Wohlfühlroman - ein wenig Eskapismus kann manchmal nicht schaden.

Fazit:
Ein Liebesroman nicht ohne Tiefgang, es geht neben Liebe und Freundschaft auch um Verlustängste, Gesundheit und Krankheit. Diese Dinge thematisiert die Autorin auf sensible Art und Weise. Auch wenn man zu Beginn der Lektüre schon ahnt, wie das Ganze enden wird, fiebert man doch mit den sympathischen Figuren mit.
Daher vergebe ich vier von insgesamt fünf möglichen Sternen für „Friends without benefits“ und ich spreche trotz aller Kritikpunkte eine Leseempfehlung für Chicklit-Fans aus.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.05.2020

Trauerarbeit mit Tanzbär

Pandatage
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An diesem Roman könnten auch Nick Hornby – Fans Gefallen finden. Ein auktorialer Erzähler führt durch das Geschehen, der Stil des Autors liest sich flüssig & einfach.
Der Protagonist Danny Malooney arbeitet ...

An diesem Roman könnten auch Nick Hornby – Fans Gefallen finden. Ein auktorialer Erzähler führt durch das Geschehen, der Stil des Autors liest sich flüssig & einfach.
Der Protagonist Danny Malooney arbeitet auf einer Baustelle, sein Sohn Will wird gemobbt. Es gibt wie im echten Leben Figuren mit Migrationshintergrund, etwa den Ukrainer Ivan, 'Danylos' Kumpel von der Baustelle, oder Mohammed, den Freund seines Sohnes.
Danny ist alleinerziehender Vater, seit seine Frau starb. Als es finanziell eng wird, heuert er als Tanzbär an. In einem Pandakostüm! Erst in diesem Kostüm findet er Zugang zu seinem Sohn Will, der seit der Tragödie regelrecht verstummt ist (Mutter Liz starb bei einem Autounfall, Will saß im Wagen). Trauerbewältigung ist ein zentrales Motiv in „Pandatage“. Der Roman ist lustig, herzerwärmend, stellenweise traurig, jedoch nie kitschig! Es gefiel mir gut, dass hier das ganz normale Leben abgebildet wird, der Kampf der working class. Dabei macht der Autor jedoch nicht den Fehler, sich über die Figuren lustig zu machen, sie werden nie zu Abziehbildern, auch wenn die Gefahr theoretisch besteht. Dannys Tanzkünste verbessern sich erst, als Krystal, die an der Stange tanzt, ihm Nachhilfe gibt. „Pandatage“ würde dem sozialkritischen Regisseur Ken Loach eine gute Vorlage bieten!
Klassenunterschiede, Diskriminierung und Mobbing werden tangiert, das Ganze wird jedoch nie in klischeehafter Weise thematisiert.

Fazit:
Ein herzerwärmender, tragikomischer Roman! Mit dem rosigen Ende konnte ich gut leben, da es neben aller Komik auch Tiefgang gibt. Stilistisch ist es vielleicht nicht der ganz große Wurf, die liebenswerten Figuren und der interessante plot machen dies jedoch wieder wett.
Auch wenn die Geschichte in gewisser Weise vorhersehbar ist, hat mich der Roman gut unterhalten. Daher vergebe ich für „Pandatage“ von James Gold-Bourn vier von insgesamt fünf möglichen Sternen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere