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Veröffentlicht am 21.07.2021

High School Musical?

Kate in Waiting
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„In Wahrheit ist es nämlich so: Ohne Andy verknallt zu sein, ist sinnlos.“

„Kate in Waiting – Liebe ist (nicht) nur Theater“ ist ein witziger Liebesroman. Als Leser/in hat man das Gefühl, mittendrin statt ...

„In Wahrheit ist es nämlich so: Ohne Andy verknallt zu sein, ist sinnlos.“

„Kate in Waiting – Liebe ist (nicht) nur Theater“ ist ein witziger Liebesroman. Als Leser/in hat man das Gefühl, mittendrin statt nur dabei zu sein, da eine Ich-Erzählerin durch das Geschehen führt. Die Handlung ist in den USA angesiedelt.

Worum geht’s?

Anderson ist Kates bester Freund. Gemeinsam besuchen sie die Theater – AG an der Highschool, Musicals sind ihre Leidenschaft. Nie hätte Kate Garfield gedacht, dass sie einmal mit dem feinsinnigen Anderson streiten würde, als jedoch der Beau Matt Olson auftaucht, hängt der Haussegen schief: Sowohl Kate als auch Anderson (der laut Kate einen exzellenten Geschmack in allen Dingen hat) haben ein Auge auf den Jungschauspieler geworfen…
„Kate in Waiting“ ist typischer Jugendroman. Nerds vs. Sportler, Highschooldrama, Freund &Feind, wechselnde Allianzen: Diese Themen gehören zum Genre wie die Faust auf’s Auge. Neu ist der LGBTIA-Aspekt, der bewirkt, dass die Geschichte am Puls der Zeit ist. Die Figuren sind divers, die Handlung ist zwar abwechslungsreich, aber auch ein wenig vorhersehbar. Ich mochte die Sprache und den humorvollen Stil der Autorin. „Kate in Waiting – Liebe ist (nicht) nur Theater“ ist eine Erzählung, die sehr unterhaltsam ist, das Tempo erinnert an Netflix – Teenie – Dramen oder auch an die Serie „Glee“. Die Kapitelüberschriften („Ouvertüre“) passen perfekt zum Thema, die liebevolle Ausarbeitung durch Becky Albertalli (die Autorin war mir vor der Lektüre unbekannt) überzeugt. Die Figuren haben Ecken & Kanten, sie verhalten sich nicht immer logisch oder rational, als Leser/in kann man sich auf eine geballte Portion Drama gefasst machen, es gibt aber auch lustige Szenen: Teenager in Nöten! Wie die Geschichte endet, soll an dieser Stelle nicht verraten werden.
Fazit: Dieses Jugendbuch ist für die Hauptzielgruppe genau das Richtige.
„Kate in Waiting – Liebe ist (nicht) nur Theater“ von Becky Albertalli ist ein Roman über das Erwachsenwerden, in welchem die Sorgen & Nöte von Teenagern mit sehr viel Empathie in den Mittelpunkt gerückt werden. Von mir gibt’s dreieinhalb von insgesamt fünf möglichen Sternen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.07.2021

La Goulue

Die Tänzerin vom Moulin Rouge
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Vorab:
Das Cover ist ein absoluter „Hingucker“, in der Buchhandlung möchte man den Roman sofort in die Hand nehmen und in ihm blättern! Die liebevolle Umschlaggestaltung ist eine schöne Einstimmung auf ...


Vorab:
Das Cover ist ein absoluter „Hingucker“, in der Buchhandlung möchte man den Roman sofort in die Hand nehmen und in ihm blättern! Die liebevolle Umschlaggestaltung ist eine schöne Einstimmung auf die Geschichte.
Worum geht’s ?
Romanbiographien sind derzeit populär. Mit „Die Tänzerin vom Moulin Rouge“ widmet sich die Autorin Tanja Steinlechner Louise Weber. Diese avancierte im neunzehnten Jahrhundert zur gefeierten Tänzerin in Paris. Unter dem Spitznamen „La Goulue“ wurde sie zur Personifikation des Cancan. Als Leser/in erfährt man, dass Louise aus einfachsten Verhältnissen stammt. Vor ihrer Karriere kämpfte sie um’s Überleben, als Wäscherin verdiente sie nicht genug, um sich und ihre Mutter zu ernähren. Diese Erfahrung sollte die Diva prägen…

Der Beginn des Romans gefiel mir unheimlich gut, die Exposition ist gelungen. Ein auktorialer Erzähler führt durch das Geschehen, so wird eine gewisse Distanz erzeugt. Figuren werden eingeführt, dramatische Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Der Mittelteil des Romans ist leider etwas zäh, es gibt Längen in der Erzählung & die Spannung nimmt deutlich ab. Das Ende der Geschichte konnte mich jedoch versöhnlich stimmen. Louise Weber war mir vor der Lektüre unbekannt, daher fand ich es interessant, etwas über die berühmte Künstlerin zu erfahren und die Atmosphäre rund um die legendäre „Rote Mühle“ zu erleben. Historische Persönlichkeiten wie Henri de Toulouse – Lautrec treten auf. Stilistisch hatte ich vor der Lektüre jedoch mehr erwartet; als Autorin hätte ich die Erzählung stellenweise gestrafft, als Leserin wünsche ich mir einen Tick mehr Tiefgang. Die Sprache der Figuren klingt in meinen Ohren zu „modern“, die französischen Einsprengsel im Text mochte ich jedoch. Mit der Tatsache, dass Louise nicht immer eine Sympathieträgerin ist, hatte ich kein Problem. Sie wird als schwierige Persönlichkeit porträtiert, nicht immer ist sie die strahlende Heldin. Diese Art der Darstellung halte ich für realistisch.

Fazit:
„Die Tänzerin vom Moulin Rouge“ ist eine Romanbiographie mit kleinen Schwächen. Es handelt sich um ein fiktionales Werk, daher darf man hier keine hundertprozentige historische Genauigkeit oder die Sorgfalt eines Geschichtswissenschaftlers erwarten, da biographische Fiktion primär unterhalten will. Der Roman ist gut geeignet, um Einblick in das Leben von Luise Weber zu geben, da er „zum Weiterlesen“ animiert.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.07.2021

Gespenster

Gespenster
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„Ich legte mich ins Bett und lud mir zum ersten Mal überhaupt eine Dating -App herunter.“

Die 32jährige Ich – Erzählerin Nina George Dean führt durch das Geschehen. Ihren Mittelnamen verdankt sie George ...

„Ich legte mich ins Bett und lud mir zum ersten Mal überhaupt eine Dating -App herunter.“

Die 32jährige Ich – Erzählerin Nina George Dean führt durch das Geschehen. Ihren Mittelnamen verdankt sie George Michael – „Wham!“lässt grüßen.
Beruflich ist die junge Frau sehr erfolgreich, daher kann sie sich als Food-Autorin sogar eine eigene Wohnung in der britischen Metropole leisten. Im Privatleben ist Nina jedoch nicht glücklich, ihre Freundinnen haben Kinder, die Lebenswege sind unterschiedlich verlaufen. Glücklicherweise hat Nina jedoch auch eine Freundin, die das Los der Single-Frau teilt. Der Alterungsprozess der Eltern macht Nina Sorgen, als ihr Vater an Demenz erkrankt, und die Londonerin erkennt, dass das Leben endlich ist. Auf Anraten einer Freundin probiert die Protagonistin das Online – Dating aus & landet gleich einen Volltreffer: Max ist ein absoluter Traummann und ein Gegenpol zu Ninas nervtötendem Nachbarn. Die junge Frau hört schon die Hochzeitsglocken läuten. Als Max sie ohne Vorwarnung aus seinem Leben „löscht“, fällt die ehemalige Lehrerin aus allen Wolken…

„Gespenster“ von Dolly Alderton hat mich prima unterhalten. Jeder, der schon einmal geghostet wurde, wird Ninas Verwirrung verstehen können, da Alderton die Ohnmacht der Protagonistin präzise und treffend beschreibt. Die Schattenseiten der digitalen Spaßgesellschaft werden sichtbar gemacht, Das „anything goes“-Mantra entpuppt sich als Lüge. Obwohl es chicklit – Elemente im Roman gibt, fand ich den plot lebensnah und definitiv nicht unrealistisch. Es gibt traurige Textpassagen und lustige Lebensweisheiten, der Stil der Autorin ist flüssig und gut lesbar, es gibt jedoch auch Längen im plot. Ob der Roman ein „Bridget Jones“ – Upgrade ist, muss jede Leserin selbst entscheiden, die Heiterkeit einer Helen Fielding kann Alderton allerdings nicht kopieren.

Fazit:
„Gespenster“ ist ein Unterhaltungsroman, in welchem neben lustigen auch ernste Themen gestreift werden. Die Hauptfigur durchlebt eine Krise, wie gerne wäre sie wieder ein unbeschwerter Teenager, es bleibt ihr jedoch nichts anderes übrig, als ihr Schicksal anzunehmen. Also lässt sie sich nicht unterkriegen & geht im Großstadtdschungel ihren Weg.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.07.2021

Eine Liebe in London

Dein Herz in tausend Worten.
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„Warum bist Du eigentlich so menschenscheu?“
Auf 248 Seiten erzählt Judith Pinnow ihre Geschichte. Daher ist „Dein Herz in tausend Worten“ die perfekte Strandlektüre, da man den Roman flott lesen kann. ...

„Warum bist Du eigentlich so menschenscheu?“
Auf 248 Seiten erzählt Judith Pinnow ihre Geschichte. Daher ist „Dein Herz in tausend Worten“ die perfekte Strandlektüre, da man den Roman flott lesen kann.
Worum geht’s?
Ein Blick auf den Untertitel verrät den Handlungsort: „Eine Liebesgeschichte in Notting Hill.“
Die Verlagsassistentin Millie ist introvertiert und sehr schüchtern, an ihrem Arbeitsplatz ist sie daher das Mädchen für alles. Neben ihren offiziellen Aufgaben rettet sie heimlich abgelehnte Manuskripte. Ein Manuskript gefällt ihr so gut, dass sie beschließt, Auszüge des Romans in Zettelform in Cafés zu deponieren. Als der Autor J. Abberwock alias William Winter entdeckt, dass Exzerpte seines Werks die Runde machen, fühlt er sich veräppelt, er glaubt an einen grausamen Scherz. „Dein Herz in tausend Worten“ ist eine Liebesgeschichte, in der sein ganzes Herzblut steckt. Eine Begegnung mit Millie ändert jedoch alles, denn die sensible junge Frau lebt für die Literatur…
Der Beginn des Romans gefiel mir unheimlich gut. Die Figuren sind interessant. Felix, Millies Bruder, ist ein echter Sympathieträger. Er unterstützt und ermutigt „Milliepanilli“ und versucht, sie aus ihrem Schneckenhaus zu locken. Wenn Millie bemerkt, dass ihr „eine Freundin“ fehlt, kann man das als Leser/in nachvollziehen; Pinnow beschreibt die Schwierigkeiten, die zurückhaltende Menschen haben, mit scharfem Blick. Auch das setting - London – ist perfekt. Stilistisch und sprachlich hatte ich mir vor der Lektüre jedoch mehr erhofft. Die Perspektivwechsel fand ich nicht wirklich gelungen, es wird aus Sicht einer Ich-Erzählerin und aus dem Blickwinkel eines auktorialen Erzählers berichtet. Meines Erachtens gerät der Erzählfluss durch diese Technik ins Stocken, auch inhaltlich ging es im Mittelteil der Geschichte langsam voran, daher hätte ich als Autorin den plot (trotz der Kürze des Romans) gestrafft. Die Idee, Außenseiter als Protagonisten ins Rennen zu schicken, finde ich dennoch kreativ, da die melancholischen Aspekte zu Beginn verhindern, dass das Ganze zur zuckersüßen Farce gerät. „Dein Herz in tausend Worten – eine Liebesgeschichte in Notting Hill“ ist ein kurzer Liebesroman, der mit einer guten Grundidee punkten kann. Tolle Schauplätze laden zum Träumen ein, die Protagonisten sind Menschen mit Stärken und Schwächen, dies macht sie als Figuren glaubwürdig.
„Dein Herz in tausend Worten“ ist eine bittersüße Lovestory für Zwischendurch.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.07.2021

Kismet

Schicksal
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„Die Dämpfe hüllten sich um ihren Körper wie ein aus der Flasche gelassener Geist, und es schien, als würde sie gleich schmelzen und nur eine kleine Pfütze hinterlassen, die ihre Schwiegermutter triumphierend ...


„Die Dämpfe hüllten sich um ihren Körper wie ein aus der Flasche gelassener Geist, und es schien, als würde sie gleich schmelzen und nur eine kleine Pfütze hinterlassen, die ihre Schwiegermutter triumphierend die Treppe hinunterwischen würde.“
Seit der Lektüre von „Liebesleben“ bin ich ein großer Fan der Autorin Zeruya Shalev. In ihrem Werk thematisiert sie komplizierte Liebesbeziehungen im Staat Israel. Es geht um Narrative,um das kollektive Gedächtnis in Verbindung mit nation-building, um Schuld & Sühne.
„Schicksal“ ist jedoch kein blutleeres Manifest, geschickt verbindet Shalev das Politische mit dem Privaten, indem sie zwei Frauen in das Zentrum des Geschehens stellt: Atara ist verzweifelt, da ihr Sohn das Haus nicht mehr verlässt. Der Elitesoldat ist offenkundig traumatisiert. Auch Ataras große Liebe Alex verhält sich seltsam distanziert. Atara glaubt, dass die Schwierigkeiten in ihrem Leben unmittelbar mit ihrer diffizilen familiären Vergangenheit zusammenhängen, der Gewalttätigkeit ihres Vaters Meno konnte sich Atara nie entziehen. Daher kontaktiert sie Rachel, die erste Frau ihres Vaters. Diese hatte mit dem Patriarchen vor der Staatsgründung gegen die Engländer gekämpft. Die Begegnung mit der Ex-Guerillakämpferin soll jedoch nicht zur Lösung von Ataras Problemen beitragen…

Ataras Problematik erinnert an Ja’aras Konflikte in „Liebesleben“ – Familiengeheimnisse der Vergangenheit beeinflussen mehrere Generationen, prägen die Psyche.
„Schicksal“ ist stilistisch und sprachlich jedoch ausgereifter; es gibt mehrere Ebenen& wechselnde Perspektiven; die Problematik ist komplexer, die Erzählweise der Autorin ist bildgewaltig und kraftvoll. Shalev nimmt sich Zeit, um die Geschichte zu entfalten, daher bleiben Längen nicht aus, und man muss sich als Leser konzentrieren, um alle Nuancen zu erfassen. Mich hat die Erzählung dennoch gefesselt, ich konnte auch mein Wissen erweitern, da mir die zionistische Untergrundorganisation „Lechi“ zuvor unbekannt war. „Schicksal“ ist keine Wohlfühllektüre, Zeruya Shalev lässt vieles offen. Wie im wahren Leben gibt es in diesem Roman keine einfachen Lösungen, dies macht das Buch ganz klar zu einer 5 – Sterne – Lektüre.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere