Die perfekte Strandlektüre?
Summer Tides Ich gebe es zu - das Cover des Romans „Summer Tides“ macht neugierig. Die verspielte Umschlaggestaltung lädt zum Lesen ein.
Worum geht’s ?
Schauplatz Cornwall: Scarlett hat das Großstadtleben ...
Ich gebe es zu - das Cover des Romans „Summer Tides“ macht neugierig. Die verspielte Umschlaggestaltung lädt zum Lesen ein.
Worum geht’s ?
Schauplatz Cornwall: Scarlett hat das Großstadtleben in London satt und will im malerischen St. Ives durchstarten, indem sie in der Saison ein Strand-Kiosk anmietet, die Touristen wollen im Küstenstädtchen auf Cornwall schließlich versorgt werden. Dumm nur, dass sie einer Hochstaplerin ins Netz gegangen ist, der das Kiosk gar nicht gehört. Da ist guter Rat teuer! Zum Glück gibt es viele nette Leute auf der Halbinsel– Scarlett erfährt vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben, was Rückhalt wirklich bedeutet:
„In dieser Familie wird wohl miteinander gesprochen. Dinge werden besprochen und geklärt, und auch das kenne ich nur aus Fernsehserien.“
Die junge Frau ist voller Selbstzweifel, was dazu führt, dass sie sich in Beziehungsdingen mit breadcrumbing zufrieden gibt:
„Und seine Aufmerksamkeit hat sich so gut angefühlt. Sie war wie eine flauschige, warme Decke, die sich über meinen Schmerz und meine Unsicherheit gelegt hat.“
Das Desinteresse ihres Freundes entschuldigt Scarlett mit den Worten: „Eric ist nun mal ein freiheitsliebender Mensch.“
Zunächst hat die Protagonistin kein Interesse am Rettungsschwimmer Jonah, der sich seinerseits an jede Kleinigkeit aus der Vergangenheit erinnert („Hattest Du früher nicht rote Haare?“).
Doch da ist dieses Knistern, das Scarlett nicht ignorieren kann …
„Summer Tides“ ist vielleicht die perfekte Strandlektüre. Die ausführlichen Landschaftsbeschreibungen bewirken, dass man als Leser ‚mittendrin statt nur dabei‘ ist. Erzähltechnisch ist der (Liebes)Roman einigermaßen konventionell aufgebaut:
Die Geschichte wird abwechselnd aus Scarletts und Jonahs Perspektive erzählt, was in dem Genre definitiv keine Seltenheit ist. Auch thematisch setzt die Autorin auf Altbewährtes: second chances meets found family & slow burn.
Die Figurenzeichnung und – konstellation folgt bekannten Mustern, es gibt zum Beispiel die sprichwörtliche bff und die Hauptpersonen sind natürlich schöne Menschen, wie könnte es anders sein. Das Äußere spiegelt aber nicht die innere Haltung der Helden wider.
Es gefällt mir, dass die Protagonisten nicht perfekt sind. Beide wollen einen Neuanfang wagen, wobei sie eigentlich nicht damit gerechnet haben, ausgerechnet im jeweils anderen einen Seelenpartner zu finden. Jonah muss seinen Fluchtreflex „abstellen“, während Scarlett an ihrem Selbstwertgefühl arbeiten muss.
Nicht so gut gefällt mir die finale Ausarbeitung der Geschichte. Die Formulierungen sind für meinen Geschmack stellenweise zu salopp („Vorhin erst die Präsi abgeschickt.“); insofern fällt es mir beim Lesen stellenweise schwer zu glauben, dass britische Figuren auf Cornwall agieren. In meinen Ohren klingen manche Sätze einfach „zu Deutsch“, das stört den Lesefluss.
Aber es gibt – wie bereits erwähnt- auch positive Aspekte:
In der Erzählung geht es darum, dass es im Leben manchmal anders kommt, als man denkt. Selbstliebe ist ein zentrales Motiv.
Als Autorin hätte ich die Geschichte stellenweise jedoch definitiv gestrafft, um Dinge pointierter darzustellen. Ein wenig mehr Spannung hätte dem Handlungsverlauf nicht geschadet. Es hapert in meinen Augen am Handwerklichen; daher habe ich relativ lange gebraucht, um das Buch zu lesen. Die Grundidee ist dennoch prima.
Fazit:
„Summer Tides“ ist die ideale Lektüre für Zwischendurch. Definitiv ein summer read mit einem Touch Tiefgang. Auch wenn der Roman insgesamt hinter meinen Erwartungen zurückblieb, habe ich ihn gerne gelesen.