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Veröffentlicht am 10.10.2020

Auf der Flucht

Baskische Tragödie
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„Doch das weiße Pulver schmeckte nicht süß. […] Es schmeckte nach fast nichts. Leicht bitter, irgendwie chemisch.“

„Baskische Tragödie“ von Alexander Oetker ist der vierte Teil einer Reihe rund ...

„Doch das weiße Pulver schmeckte nicht süß. […] Es schmeckte nach fast nichts. Leicht bitter, irgendwie chemisch.“

„Baskische Tragödie“ von Alexander Oetker ist der vierte Teil einer Reihe rund um einen französischen Polizisten, Luc Verlain.
Die optische Aufmachung der Reihe mag ich sehr gern, ich fühle mich bei dem Blick auf’s Cover an mein altes Französischlehrbuch erinnert, die französischen Einsprengsel im Text machen auch Sinn.
Alexander Oetker war Frankreichkorrespondent, er kennt also die Grande Nation recht gut.

Worum geht’s?

Luc Verlain wähnt sich am Ziel seiner Träume: Seine Traumfrau (und Kollegin) Anouk erwartet ein Kind von ihm, das Leben könnte nicht schöner sein, das Paar malt sich eine rosige Zukunft aus.
Doch als ein kleiner Junge aufgrund von Drogen an einem Strand in der Aquitaine zu Tode kommt, ist es mit der Idylle vorbei. Immer neue Päckchen werden angespült; außerdem geht Luc einer Spur nach, die ins Baskenland führt. Doch dies erweist sich als schwerer Fehler: Verlaine wird des Drogenschmuggels bezichtigt und als Mörder festgenommen. Doch ihm gelingt die Flucht, und es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit…
„Baskische Tragödie“ ist ein spannender, temporeicher Frankreichkrimi. Obwohl es sich bei dem Band bereits um den vierten Teil einer Serie handelt, kann man den Roman auch gut als stand alone lesen (natürlich kann es auch nicht schaden, zuerst den Auftaktband „Retour“ und die folgenden Bände zu lesen). Man kann aus dem Text Rückschlüsse ziehen. Ich fühlte mich gut unterhalten, ich muss aber sagen, dass mir die Raffinesse einer Fred Vargas fehlte, oder (was fast noch wichtiger ist) die literarische Qualität der Krimis von Bernard Minier (ich denke an „Schwestern im Tod“). Manche Formulierungen in „Baskische Tragödie“ waren mir persönlich definitiv zu kitschig, sodass ich das Ganze fast ein wenig seicht fand („Ihre unglaublichen Beine, schlank und muskulös“).

Davon abgesehen ist „Baskische Tragödie“ aber ein solider Krimi.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.10.2020

Blieb leider hinter meinen Erwartungen zurück

Audrey Hepburn und der Glanz der Sterne
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Romanbiographien sind populär. Im Aufbau Verlag wurde beispielsweise „Frida Kahlo und die Farben des Lebens“, ein Roman über das Leben der mexikanischen Ausnahmekünstlerin veröffentlicht. Bei der hier ...

Romanbiographien sind populär. Im Aufbau Verlag wurde beispielsweise „Frida Kahlo und die Farben des Lebens“, ein Roman über das Leben der mexikanischen Ausnahmekünstlerin veröffentlicht. Bei der hier vorliegenden Publikation aus dem Ullstein Verlag handelt es sich um die Romanbiographie der 1929 geborenen Schauspielerin Audrey Hepburn. Es ist also ein Mix aus fiktionalen und nicht-fiktionalen Elementen, der zweite Band der Reihe „Ikonen ihrer Zeit“ (Der erste Band heißt ‚Madame Curie und die Kraft zu träumen`). Der Roman ist gut gegliedert, die Kapitel werden mit Zitaten der Protagonistin eingeleitet.
Als großer Fan der Filme “Breakfast at Tiffany’s“ , “Sabrina“ oder “Roman Holiday“ musste ich das Buch unbedingt lesen!
Leider wirkt „Audrey Hepburn und der Glanz der Sterne“ aber eher wie eine Fleißarbeit und nicht wie eine Herzensangelegenheit der Autorin Juliana Weinberg auf mich.

Man erfährt jedoch Interessantes. Audreys Kindheit in den Niederlanden war geprägt von Entbehrungen und dem Verlust des Vaters. Er verließ die Familie, als Audrey noch klein war. Ihre Mutter war Audrey jedoch eine große Stütze und sie förderte auch den Traum ihrer Tochter vom Tanzen. Zwar wurde die zierliche Frau dann nicht Primaballerina, aber eine Schauspielerin in Hollywood, die durch ihre Eleganz und die Kreationen von Givenchy zur Stilikone wurde. Diese Details machen die Lektüre spannend; sprachlich und stilistisch kann die Autorin Juliana Weinberg jedoch nicht überzeugen; es ist alles recht einfach gehalten und manche Formulierungen fand ich regelrecht kitschig. Schade, denn das Sujet ist wirklich faszinierend!
Trotzdem habe ich es nicht bereut, „Audrey Hepburn und der Glanz der Sterne“ gelesen zu haben, eine uneingeschränkte Empfehlung kann ich aber leider nicht aussprechen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.09.2020

Klasse Krimi

Mord in Highgate
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„Ich glaubte ihm kein Wort. Hawthorne war der Prototyp eines Einzelkämpfers.“



Ich liebe Metafiktion! Daher ist „Mord in Highgate“ genau das Richtige für mich. Der Privatdetektiv Daniel Hawthorne ermittelt ...

„Ich glaubte ihm kein Wort. Hawthorne war der Prototyp eines Einzelkämpfers.“



Ich liebe Metafiktion! Daher ist „Mord in Highgate“ genau das Richtige für mich. Der Privatdetektiv Daniel Hawthorne ermittelt wieder, zum zweiten Mal.





Worum geht’s?



Als der Promianwalt Richard Pryce tot in seinem Haus aufgefunden wird, scheint der Fall klar:

Die Tatwaffe? Eine Weinflasche (verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Pryce Abstinenzler war), und die Tat wurde sogar in fiktionalisierter Form angekündigt, hatte doch die feministische Autorin Akira Anno seit ihrer Scheidung ein Hühnchen mit dem Opfer zu rupfen. Doch ein weiteres Verbrechen lässt die Ermittler bald zweifeln…



Ich habe bereits den ersten Teil der Reihe- „Ein perfider Plan“ - sehr gerne gelesen. Anthony Horowitz spielt bewusst mit den Erwartungen der Leser – Daniel Hawthorne ist ein Ex-Polizist, Holmes & Watson, Star und Sidekick, das kennt man bereits, die Protagonisten sind mitnichten best buddies, auch die Form ist altbewährt: Whodunit! Aber es gibt auch frische Figuren, etwa DI Cara Grunshaw.



Neu ist die metatextuelle Ebene, man muss dies als Leser jedoch mögen. Der Ich-Erzähler, ein True – Crime - Autor, mischt kräftig mit, das Ganze ist auch eine Hommage an den guten alten englischen Krimi, ein augenzwinkernder Verweis auf die Literaturgeschichte, ein Seitenhieb gegen den Literaturbetrieb, gemixt mit etwas (immerhin selbstironischer) Koketterie. Keine der Figuren ist ein Sympathieträger, dies gefiel mir gut. Der Roman ist trotz seiner popkulturellen Bezüge völlig frei von Kitsch. Hawthorne benimmt sich sogar wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen und auch Frauen sind nicht die besseren Menschen. Manchmal ist das Ganze ein ironischer Kommentar zum Zeitgeist. London ist der (mehr oder weniger) heimliche Star der Geschichte.

Es gibt skurrile Szenen und den bösen britischen Humor. Dichtung und Wahrheit, ist alles Konstruktion? Über den eigentlichen Handlungsverlauf will ich an dieser Stelle nicht viel verraten, um potentiellen Lesern den Spass nicht zu verderben. „Mord in Highgate“ ist aber definitiv ein Roman zum Mitfiebern! Des Rätsels Lösung liegt, wie so oft, in der Vergangenheit. Alles wird schlüssig erklärt.





Fazit:



„Mord in Highgate“ ist ein spannender, clever geplotteter Krimi.



Trotz gewisser Längen hat mich „Mord in Highgate“ von Anthony Horowitz bestens unterhalten. Der Ich – Erzähler ist mit all seinen (fiktiven und realen) Facetten präsent, die literarischen Querverweise und die Situationskomik machen einfach Spaß! Ich freue mich schon auf den dritten Teil der Reihe!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.09.2020

Besser als "Factually married", schlechter als "Friends without benefits"

The Logic of Kissing
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Der Strickkreis aus Chicago lässt nichts anbrennen! Die Protagonistin Dr. Sandra Fielding kenne ich schon aus dem Band „Friends without benefits“.
Sie arbeitet als erfolgreiche Kinder- und Jugendpsychiaterin ...

Der Strickkreis aus Chicago lässt nichts anbrennen! Die Protagonistin Dr. Sandra Fielding kenne ich schon aus dem Band „Friends without benefits“.
Sie arbeitet als erfolgreiche Kinder- und Jugendpsychiaterin in einem Krankenhaus der Windy City. Leider ist sie in ihrem Privatleben nicht so erfolgreich. Ihre Dates im indischen Restaurant der Patels enden regelmässig mit einer Heulorgie ihrer potentiellen Partner, da Sandra es sich nicht verkneifen kann, die Männer zu analysieren. Sie möchte endlich eine Familie gründen und sie steht total auf „Hedgefonds-Manager“. Eines Tages spricht der gutaussehende Kellner Alexander sie an. Obwohl er jünger als sie ist, beginnen die beiden eine Beziehung miteinander. Der geheimnisvolle Alex gibt der Menschenkennerin Sandra Rätsel auf…

Ich liebe die „Knitting in the City“-Reihe von Penny Reid & ich habe alle bereits auf Deutsch publizierten Bände der Serie gelesen. Der Wert der Freundschaft ist in den Geschichten ebenso wichtig wie die Macht der Liebe.
„The Logic of Kissing“ war zu Beginn meiner Lektüre ein absoluter Volltreffer. Es gab ein Wiedersehen mit dem Strickkreis aus Chicago, der Star Wars – Fan Sandra war mir auch sympathisch, es gibt lustige Passagen und Sandras Vorliebe für Motto -Shirts macht sie menschlich.
Penny Reid beschreibt jedoch gleich im ersten Drittel das gute Aussehen des männlichen Protagonisten en détail, was ich schade finde, da es schwierig ist, Tiefe in einer Figur zu erkennen, wenn sie gleich als überirdisch gutaussehend beschrieben wird. Alex ist ein Mensch mit Problemen, mir war aber Vieles in diesem Roman einfach zu konstruiert. Reid folgt in ihrer Reihe scheinbar dem immer gleichen „Strickmuster“: Frau trifft einen gutaussehenden Kerl, es gibt einen Konflikt, dieser wird schnell aufgelöst, dann gibt es noch einen viel größeren Konflikt und einen Kriminalfall. Dies funktioniert in den Stephanie-Plum-Romanen von Janet Evanovich sehr gut, da bei Evanovich schon die „Grundzutaten“ sehr skurril sind (eine Kopfgeldjägerin, ihre Kollegin ist eine Ex – Bordsteinschwalbe). Bei Penny Reid sind alle Protagonistinnen Karrierefrauen in absolut respektablen Berufen: sie sind Ärztinnen, Krankenschwestern, Psychiaterinnen und IT-Spezialistinnen (wie Janie). Daher wirken die Unterwelt/Geheimdienstelemente in den Erzählungen irgendwie unpassend auf mich. Man muss die Romane daher wie Erotik-Märchen lesen, und man muss explizite Szenen mögen, sonst wird man beim Lesen keine Freude haben. „The Logic of Kissing“ gefiel mir zu Beginn richtig gut; manche Kapitel wurden mit Horoskopen eingeleitet, da Sandra auf die Macht der Sterne schwört. Die locker – leichte Erzählung weist keinerlei Längen auf. Ich war stets gespannt auf das nächste Kapitel. Leider änderte sich mein Leseeindruck nach der Hälfte des Romans, da die Autorin einfach viel zu dick auftrug und regelrecht melodramatische Szenen präsentierte, in denen vor Liebe geweint wurde. Außerdem fand ich Sandras pseudofranzösische Weisheiten nicht geistreich, sondern blöde. Sie passen für mich nicht zum Bild einer superschlauen Medizinerin. Ich will auch nichts über Männer lesen, die ihre Einrichtung zertrümmern. Auch Sandras Ausführungen über ihren texanischen Vater fand ich nervtötend, da bediente sie jedes Klischee über Texaner: „Nicht alle Texaner sind so, aber er hat ganz bestimmte Vorstellungen darüber, wie die Welt zu sein hat“.
Auch über den Tippfehler - „Ich Blick war wach und aufmerksam“ (43 % im E-book)- ärgerte ich mich, da das E-book nicht von einem Selfpublisher veröffentlicht wurde. Nennt mich „Rechtschreibnazi“ (bzw. „Druckfehlernazi“), aber ich erwarte auch in einem Buch, das kein Printexemplar ist, ein tadelloses Korrektorat. Toll fand ich aber die Nebenfiguren, etwa den Arzt Thomas. Und am Schluß, wie könnte es in dem Genre anders sein, gibt es ein glückliches Ende.

Fazit:

Spannung meets Romantik:
„ The Logic of Kissing“ gefiel mir sehr viel besser als der Auftaktband der Reihe („Love factually“), aber er gefiel mir nicht so gut wie der Band „Friends without benefits“. Dennoch habe ich mich über das Wiedersehen mit den strickbegeisterten Freundinnen aus Chicago gefreut. „The Logic of Kissing“ ist genau das Richtige, wenn man Lust auf einen Liebesroman hat (Auch wenn die Liebesszenen nicht immer mein Fall waren). Ich hatte den Roman nach wenigen Tagen ausgelesen, der locker-leichte Stil der Autorin passt perfekt zum Genre. Daher vergebe ich für „The Logic of Kissing“ 3,5 von insgesamt fünf möglichen Sternen.

  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.09.2020

Dystopie

Zugvögel
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„Zugvögel“ ist in seinem Kern ein dystopischer Roman. Eine Ich- Erzählerin führt durch das Geschehen. Die Protagonistin ist ein ruheloser Mensch, eine getriebene Seele. Franny ist den Küstenseeschwalben ...

„Zugvögel“ ist in seinem Kern ein dystopischer Roman. Eine Ich- Erzählerin führt durch das Geschehen. Die Protagonistin ist ein ruheloser Mensch, eine getriebene Seele. Franny ist den Küstenseeschwalben auf der Spur, sind sie die letzten ihrer Art? Hier spiegelt die Natur teilweise das Innenleben der Protagonisten wider. Obwohl das Ganze in der Zukunft spielt, gibt es doch auch Zeitsprünge. Fanny scheint ein schwieriger Charakter zu sein, was es anfangs nicht leicht macht, sie zu verstehen. Die Entwicklung der Figur ist jedoch spannend. Wie fast jede Dystopie ist auch „Zugvögel“ eigentlich eine Art Parabel, die auf die menschlichen Verfehlungen der Gegenwart hinweist. Dies muss man als Leser mögen, da auch unangenehme Wahrheiten angedeutet, wenn nicht gar explizit deutlich gemacht werden.

Fazit: „Zugvögel“ ist eine Dystopie am Puls der Zeit. Eine unkonventionelle Ornithologin führt durch das Geschehen. Wenn man sich für das Genre begeistern kann, wird man das Buch nicht mehr aus der Hand legen können!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere