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Veröffentlicht am 15.10.2021

Auf Augenhöhe

Liebe Angst, Zeit, dass du gehst
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Annett Möller kannte ich vor der Lektüre als routinierte TV-Nachrichtensprecherin. Nie hätte ich gedacht, dass die sympathische Frau unter einer Angsterkrankung litt. Mittlerweile arbeitet Möller als ...


Annett Möller kannte ich vor der Lektüre als routinierte TV-Nachrichtensprecherin. Nie hätte ich gedacht, dass die sympathische Frau unter einer Angsterkrankung litt. Mittlerweile arbeitet Möller als Systemischer Coach & als Auftritts - und Motivationscoach. Gemeinsam mit Judith Schneiberg hat sie ein Sachbuch verfasst: „Liebe Angst, Zeit, dass Du gehst. Wie ich mich von Angst und Panikattacken befreite“ ist ein Ratgeber mit stark autobiographischen Zügen. Formal ist das Buch in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil erzählt Möller ihre Krankheitsgeschichte, als Leserin (oder Leser) leidet man richtig „mit“! Sehr offen und emotional berichtet Möller von ihrem Martyrium. Doch das Buch ist kein reiner „Seelenstriptease“, da es im zweiten Teil einen 10-Punkte-Plan mit praktischen Übungen gibt. Kompetente Experten steuern medizinisch-psychologisches Fachwissen bei, und es gibt sogar Online -Bonus – Material. Besonders gut gefiel mir auch der Quellennachweis oder die Tatsache, dass eingeräumt wird, dass nicht jede Übung für jeden Menschen geeignet sein muss. Erfolgsdruck ade! Möller möchte Mut machen, dies gelingt ihr meines Erachtens auch. Die Formalia (beziehungsweise die Verlagspolitik) sehe ich jedoch kritisch – wenn in dem Buch schon gegendert wird, und die Autorin als „Systemische Coachin (sic!)“ bezeichnet wird, wäre es nur konsequent gewesen, eine Triggerwarnung zu integrieren. Menschen mit akuten Beschwerden könnten Teile des Buches womöglich als belastend empfinden, obwohl der zweite große Abschnitt lebensbejahend und motivierend klingt. Der Terminus „Coachin“ klingt arg nach ‚Denglisch`, aus dem Englischen kennt man den Begriff “coach“.
Annett Möllers Buch ist sicherlich die beste Werbung für ihren beruflichen Neuanfang und es ist nicht verwunderlich, dass das Sachbuch bereits einen Platz in der Spiegel – Bestsellerliste erobert hat. „Liebe Angst, Zeit, dass Du gehst“ ist kein 08/15 – Promibuch, sondern eine Publikation, der man die inhaltliche Recherche(tiefe) mit jeder Seite anmerkt. Der Ratgeber kann eine medizinische Untersuchung nicht ersetzen, aber er gibt Hilfe zur Selbsthilfe. Der Ansatz „Von einer Betroffenen für Betroffene“ ist dabei besonders wertvoll.

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Veröffentlicht am 13.10.2021

Das Streben nach Glück

Schöne Welt, wo bist du
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Sally Rooney studierte am Trinity College Politikwissenschaften & Literatur. Ist die 1991 geborene Autorin die „Stimme ihrer Generation“? Regelmäßig stürmt sie mit ihren Büchern die Bestsellerlisten. Mit ...

Sally Rooney studierte am Trinity College Politikwissenschaften & Literatur. Ist die 1991 geborene Autorin die „Stimme ihrer Generation“? Regelmäßig stürmt sie mit ihren Büchern die Bestsellerlisten. Mit „Schöne Welt, wo bist Du“ hat sie ihren dritten Roman vorgelegt.

Worum geht’s?

Vier junge Menschen stehen im Mittelpunkt der Erzählung. Die erfolgsverwöhnte Schriftstellerin Alice zieht sich nach einem Zusammenbruch auf’s Land zurück. Mit ihrer Freundin Eileen tauscht sie lange E-mails aus. Der Briefroman lässt grüßen! Eileen arbeitet auch in der Literaturbranche, sie ist jedoch nicht so erfolgreich wie Alice (die Frauen lernten sich während des Studiums kennen, die Figuren im Roman sind circa 30 Jahre alt); in der irischen Metropole versucht sie, über die Runden zu kommen. Auf Tinder lernt Alice den Lagerarbeiter Felix kennen. Er ist unglücklich mit seinem Job, doch die Miete will schließlich bezahlt sein. Eileen kreist um ihren (Ex)freund Simon.
Vordergründig passiert nicht viel im Roman, da er eher character- driven als plot- driven ist, wie man auf Englisch so schön sagt. Sex & Liebe wirken nicht unbedingt verbindend. Es geht um die Beziehung beziehungsweise Beziehungslosigkeit der Figuren zueinander, es geht um existenzielle Fragen und um soziale Ungerechtigkeit, die Figuren blicken pessimistisch in die Zukunft, einerseits steht ihnen die Welt offen, andererseits ist ihr Alltag bestimmt von Unsicherheit und Ungewissheit. Das Verhältnis der Generationen ist gestört, Eltern halten ihre Kinder für undankbar und egoistisch. Die Kinder leiden unter dem Desinteresse ihrer Erzeuger. Diese explosive Mischung führt zu Depressionen. Das Phänomen zieht sich durch alle Schichten, auch der eher bodenständige Felix ist nicht so robust, wie es scheint. Ein kluger Schachzug der Autorin, da psychische Krankheiten im Arbeitermilieu tabu sind und gerne mal als „Wehwehchen“ abgetan werden.
Sally Rooney verfügt über eine scharfe Beobachtungsgabe und manche Gedanken sind durchaus schlau, manchmal schrammt die Erzählung jedoch haarscharf am Banalen vorbei. Böse Zungen würden von Nabelschau und Wohlstandsproblemen sprechen. Stilistisch konnte mich der Roman absolut überzeugen, auch wenn ich den plot etwas gestrafft hätte; die Autorin verzichtet konsequent auf wörtliche Rede, dieses Stilmittel lässt die Geschichte frisch und modern erscheinen.
Insgesamt blieb der Roman aber leider hinter meinen Erwartungen zurück, da er auf mich wie eine Synthese aus Rooneys früheren Arbeiten wirkt, wobei sich das Alter der Protagonisten natürlich geändert hat. Während der Lektüre musste ich oft an Connell und Marianne aus „Normale Menschen“ denken, was per se nichts Schlechtes ist. Neu ist das Ganze aber nicht, und teilweise ist „Schöne Welt, wo bist Du“ eine recht deprimierende Angelegenheit & sicher keine Wohlfühllektüre, man muss in der richtigen Stimmung sein, um die Geschichte zu lesen; zum Glück gibt es einen Silberstreif am (Erzähl)Horizont.
„Schöne Welt, wo bist Du“ von Sally Rooney bewerte ich mit dreieinhalb von insgesamt fünf möglichen Sternen.

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Veröffentlicht am 04.10.2021

melancholische Chick-Lit

Du hast mir gerade noch gefehlt
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„Ich vermisse Dich.“
Das Cover von „Du hast mir gerade noch gefehlt“ versprüht durch die Farbgebung und die Motive auf dem Umschlag definitiv Retro-Charme. Ich hatte mich beim Blick auf’s Buch ...

„Ich vermisse Dich.“
Das Cover von „Du hast mir gerade noch gefehlt“ versprüht durch die Farbgebung und die Motive auf dem Umschlag definitiv Retro-Charme. Ich hatte mich beim Blick auf’s Buch auf heitere Chick-Lit gefreut. Mhairi McFarlane steht eigentlich für gute Unterhaltung. Die deutsche Übersetzung „Du hast mir gerade noch gefehlt“ erinnert an Screwball-Komödien-Titel, der englische Originaltitel „Last Night“ klingt ernst & mysteriös.

Worum geht’s?
Eine Ich – Erzählerin führt durch das Geschehen. Diese Erzählperspektive mag ich sehr!
Im Mittelpunkt der Handlung stehen zunächst vier Freunde. Susie, Eve, Justin und Ed sind seit ihrer Collegezeit eine verschworene Gemeinschaft. Als Eds Freundin Hester ihm einen Heiratsantrag macht, ist Eve sehr unglücklich, da sie schon lange heimlich in Ed verknallt ist. Ein Unfall zerstört die Idylle, und Susies älterer Bruder Finlay taucht auf. Nach anfänglicher Skepsis merkt Eve, dass der spröde Bruder ihrer Freundin unter der harten Schale einen weichen Kern verbirgt; dies findet Eve durchaus attraktiv. Da kommt es zu einer unverhofften Wendung – plötzlich spielt Ed mit dem Gedanken, die anstehende Hochzeit zu canceln, und stürzt die Erzählerin Eve in’s Gefühlschaos…

Während der Lektüre hatte ich das Gefühl, dass es dauerte, bis die Geschichte richtig in Fahrt kam. McFarlane braucht in „Du hast mir gerade noch gefehlt“ sehr lange, um auf den (romantischen) Punkt zu kommen. Als Autorin hätte ich den plot gestrafft, der britische Humor gefiel mir jedoch gut. Ich wollte eine spritzige story zum Träumen & Entspannen lesen, der Roman ist jedoch eine eigentümliche Mischung aus Frauenliteratur und Drama, die nicht immer stimmig ist. Ich verstehe, dass Mhairi eine Lovestory mit Tiefgang präsentieren wollte, ich hatte mich aber (wie bereits erwähnt) auf eine heitere Erzählung gefreut, die traurigen Elemente nahmen für meinen Geschmack zu viel Raum ein. Man muss in der richtigen Stimmung sein, um das Buch zu lesen, witzige (ein wenig hirnlose) Chick-Lit im Stil einer Sophie Kinsella oder Helen Fielding bekommt man als Leser/in hier nicht serviert. Natürlich baut Mhairi McFarlane auch klassische Elemente des Genres ein. Ein love triangle darf selbstverständlich nicht fehlen. Eine routinierte Erzählerin ist die gebürtige Schottin allemal.

Fazit:
„Du hast mir gerade noch gefehlt“ konnte meine Erwartungen leider nicht ganz erfüllen. Der Roman ist trotzdem nicht schlecht, ich vergebe daher gute drei von insgesamt fünf möglichen Sternen für Mhairi McFarlanes neuestes Werk!

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Veröffentlicht am 29.09.2021

Eine runde Sache

Frei von Angst durch die Heilung der Mitte
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„Der Ansatz des Westens ist es, gegen die Angst direkt vorzugehen, der Ansatz des Ostens ist es, den Körper und den Geist so zu stärken, dass die Angst verschwindet.“

Dr.med. Georg Weidinger studierte ...

„Der Ansatz des Westens ist es, gegen die Angst direkt vorzugehen, der Ansatz des Ostens ist es, den Körper und den Geist so zu stärken, dass die Angst verschwindet.“

Dr.med. Georg Weidinger studierte Medizin &Psychologie in Wien, außerdem Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) an der MedChin (in Europa). Er ist Präsident der Österreichischen Gesellschaft für TCM.
Mit „Frei von Angst durch die Heilung der Mitte“ hat er einen Ratgeber vorgelegt, in welchem er dem Patienten (m/f) auf Augenhöhe begegnet. Westliche Behandlungsmethoden und östliche Heilungsansätze werden gut verständlich präsentiert, das Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf der TCM. Die Umschlaggestaltung des Buches finde ich klasse, der Band liegt gut in der Hand und er besitzt die richtige Größe.
Es gibt praktische Tipps, die nicht nur die vielzitierten Atemübungen umfassen, dies gefiel mir sehr gut. Überhaupt ist die Gliederung des Buches sehr gelungen, der Autor spricht kein Fachchinesisch, da das Sachbuch sich nicht nur an Mediziner wendet, es soll eben kein Aufsatz in einer Fachpublikation sein. Georg Weidinger integriert Yogaübungen & eine gesunde Lebensführung in das von ihm präsentierte Pyramidenmodell, er lehnt jedoch die Schulmedizin nicht ab und betont, dass in manchen Fällen Medikamente nötig seien. Bravo! Hier wird kein esoterischer Quatsch propagiert, sondern auf seriöse Weise Hilfe angeboten.
Manche Tipps werde ich sicher ausprobieren. Ein warmes Frühstück etwa soll Körper und Geist stärken. Die klugen und treffenden Analysen des Autors -
„Eine Tablette aus einer Pflanze ist nicht dasselbe wie die Pflanze selbst.“ - haben mich positiv überrascht.
Die zur Auflockerung eingestreuten Illustrationen habe ich aber leider als störend empfunden, ich hätte auf die Bilder verzichten können. Daher ziehe ich bei meiner Bewertung einen halben Stern ab. Ansonsten ist das Buch aber eine runde Sache, daher empfehle ich „Frei von Angst durch die Heilung der Mitte“ von Dr. med. Georg Weidinger gerne zur Lektüre.

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Veröffentlicht am 02.09.2021

Perfekt für den Strandkorb

Bis ans Ende aller Fragen
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„Und interessant, ja, das ist mein Retter durchaus."

Hinter dem Pseudonym „Anne Hertz" verbirgt sich ein patentes Autorinnenduo. Beim Blick auf das Cover von „Bis ans Ende aller Fragen“ habe ...

„Und interessant, ja, das ist mein Retter durchaus."

Hinter dem Pseudonym „Anne Hertz" verbirgt sich ein patentes Autorinnenduo. Beim Blick auf das Cover von „Bis ans Ende aller Fragen“ habe ich sofort Lust auf die Lektüre des Unterhaltungsromans, der sich wohl primär an eine weibliche Leserschaft richtet, bekommen. Die Umschlaggestaltung ist unaufdringlich, aber ansprechend. Man wird nicht mit Nackenbeisser-Ästhetik belästigt, da hat der HarperCollins- Verlag ganze Arbeit geleistet.
Worum geht's in der Geschichte?
Wir erhalten Einblick in das Leben von Maxi. Die Protagonistin ist Anfang vierzig, und ihre Bilanz fällt ernüchternd aus. Ihr Freund hat ihr den Laufpass gegeben und sie gegen eine jüngere Gespielin eingetauscht. Ihren Kinderwunsch kann die sympathische Frau wohl zu den Akten legen. Karriere gemacht hat Maxi auch nicht, sie arbeitet in einem stinknormalen Café in Norddeutschland. Sie ist nicht „Kinderärztin mit eigener Praxis“ geworden, wie sie es sich einst erträumte. Null Glamour! Da kommt Maxis Nichte die Idee, ihre Tante in eine Trauergruppe einzuschleusen. Und tatsächlich gibt es in dieser Gruppe einen Witwer, der Maxi gefällt. Als sie jedoch flunkern muss und selbst die trauernde Witwe mimt (was natürlich gelogen ist), überschlagen sich die Ereignisse…
Geht es nicht vielen Frauen so wie Maxi? „Bis ans Ende aller Fragen“ ist jedoch keine deprimierende Angelegenheit. Die Erzählung ist durchaus humorvoll, verzichtet jedoch auf dümmliche Kalauer; dies gefiel mir ausgesprochen gut. Eine Ich-Erzählerin führt durch das Geschehen, über die Tagebucheinträge einer Teenie-Maxi musste ich richtig schmunzeln! Jugendlicher Enthusiasmus aus dem Jahr 1991 trifft auf die Realität eines neuen Jahrtausends. Den schwärmerisch-naiven Ton eines Teenagers hat Anne Hertz (es handelt sich wie gesagt um zwei Schriftstellerinnen) perfekt getroffen. Die Figuren sind liebevoll ausgearbeitet. Maxis Objekt(ihre Nichte nennt ihn „Mcsexy") der Begierde, Gregor Blomberg, ist ein kultivierter Familienvater, der sich rührend um seine zwei Kinder kümmert. Maxi ist eine Chaotin, die das Herz am rechten Fleck hat. Die Handlung ist abwechslungsreich und spannend. Der Stil ist eher simpel. Trotz dieses kleinen Wermutstropfens hat mich die Geschichte prima unterhalten, es ist eine Story zum Träumen und Entspannen, einfach perfekt für den Strandkorb!

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