Einmal Hölle und zurück
Weil sie lügtAnnas ältere Schwester Juli ist seit anderthalb Jahren spurlos verschwunden, ihr Vater wurde des Mordes an ihr verdächtigt und sitzt seitdem im Gefängnis. Weil die Mutter psychisch schwer angeschlagen ...
Annas ältere Schwester Juli ist seit anderthalb Jahren spurlos verschwunden, ihr Vater wurde des Mordes an ihr verdächtigt und sitzt seitdem im Gefängnis. Weil die Mutter psychisch schwer angeschlagen ist, kümmert sich Anna um sie und ihren siebenjährigen Bruder Leon, eine Mammutaufgabe für die junge Frau. Dann verliert sie auch noch ihren Job als Kindermädchen und muss mit massiven Geldproblemen zurechtkommen. Die Situation eskaliert, als ein Mithäftling ihren Vater schwer belastet. Angeblich hat dieser ihm gestanden, Juli getötet und im Keller des Hauses verscharrt zu haben. Die Polizei geht diesem Hinweis nach. Und findet dort menschliche Knochen.
Dieser engmaschige Thriller hat zwei Erzählerinnen: Anna und die ermittelnde Kripobeamtin Katharina. Den Anfang fand ich extrem düster und hoffnungslos. Manche Szenen erschienen mir konstruiert, allzu melodramatisch und nicht immer realistisch. Da hat die Autorin ihrer Fantasie freien Lauf gelassen. Nach etwa einem Drittel des Buches jedoch entwickelte sich Anna von der Gejagten zur Jägerin, fast jedes Kapitel endete mit einem zündenden Cliffhanger. Zum Schluss hin folgte ein dramatischer Twist auf den nächsten, es fühlte sich an wie eine Achterbahnfahrt mit lauter Loopings, und es fiel mir immer schwerer, dann und wann mit dem Lesen aufzuhören. Das Wort Spannung bekam hier eine neue Dimension, in einer Szene dachte ich, mein Herz bliebe stehen.
Das Ende ließ für mich ein paar Fragen offen. Das eine und andere Detail, das zur Auflösung des Kriminalfalls führte, erschien mir ein bisschen an den Haaren herbeigezogen. Das Cover ist nicht der Brüller, und der Sinn des Titels hat sich mir bis zum Schluss nicht eröffnet. Dennoch gehört dieser Thriller zu den aufregendsten, die ich je gelesen habe.
Wir folgen auf 379 Seiten einer megacoolen Heldin, deren wahre Stärke sich erst im Laufe der Handlung offenbart. Man muss das triste erste Drittel überwinden, dann geht die Handlung ab wie Brause. Und der Schluss hinterlässt trotz der genannten Schwachstellen ein gutes Gefühl. Denn Aufgeben ist nach Annas Worten niemals eine Option.