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Veröffentlicht am 25.11.2022

Von wertvollen Geschichten, wichtigen Themen und besonderen Wörtern

Dark Ivy – Wenn ich falle
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„Aber es sind die Geschichten, die etwas wertvoll machen.“
Als Eden in Woodford ankommt wünscht sie sich nichts sehnlicher als einen Neuanfang. Sie hat unfassbar hart für ihr Stipendium gekämpft, und das ...

„Aber es sind die Geschichten, die etwas wertvoll machen.“
Als Eden in Woodford ankommt wünscht sie sich nichts sehnlicher als einen Neuanfang. Sie hat unfassbar hart für ihr Stipendium gekämpft, und das soll nicht umsonst gewesen sein. Doch Eden ist noch nicht mal ganz auf der Academy angekommen, da wird ihr schon bewusst, wie fehl am Platz sie dort ist. Allein in der Fremde zwischen Studenten, die schon zuvor auf Privatschulen waren – wie soll sie hier Anschluss finden? Doch was mit unangenehmen Missgeschicken und einigen Missverständnissen beginnt, wird bald zu etwas sehr Schönem.
Aber noch sind die Freundschaften sehr frisch und fragil – halten sie all die bedrückenden Geheimnisse aus, die Eden mit sich herumschleppt? Und kann Eden jemals wieder einen Mann küssen, nachdem ihr letzter Kuss ihr Leben in die Tiefe gerissen hat?

WENN ICH FALLE ist der erste Band der DARK IVY – Dilogie. Schon der Epilog verrät, wie spannend und herzzerreißend die Reihe werden wird, doch zunächst geht die Geschichte sehr entspannt los. Innerhalb von nur wenigen Sätzen war ich in der Geschichte drin. Sie wird ausschließlich aus Edens Perspektive erzählt und liest sich absolut flüssig. Das Buch war nicht das erste, welches ich von Nikola Hotel gelesen habe, aber es ist schon eine Weile her, seit ich zuletzt etwas von ihr gelesen habe. Nichtsdestotrotz war mir direkt wieder klar, weshalb ich ihre Romane so sehr liebe: Sie entwickeln sich innerhalb von nur wenigen Sekunden zu Pageturnern und man spürt von der ersten Seite an das Lieblingsbuch-Potential.

Die Figuren machen es einem sehr leicht, sich in sie und die Geschichte hineinzufühlen. Was mich an Eden direkt überzeugt hat, war ihr durchdachtes Handeln. Sie hat Hoffnung in den Neuanfang, aber diese Hoffnung macht sie nicht naiv. Eden hinterfragt und ist vorsichtig – und das macht sie zu einem sehr authentischen Charakter, den man sehr gerne über hunderte von Seiten hinweg begleitet.
Auch William war mir auf Anhieb sympathisch, obwohl ich dafür eigentlich keine Erklärung habe. Irgendwo zwischen den Zeilen vermittelt das Buch einfach direkt den Eindruck, dass er einer von den Guten ist. Und deshalb habe ich ihn direkt ins Herz geschlossen. Generell mag ich die Art, wie Nikola Hotel die männlichen (Haupt)Charaktere in ihren Romanen gestaltet. Sie haben kein Badboy-Image notwendig, um interessant zu sein. Im Gegenteil – William ist einfühlsam, zeigt Gefühle und ist rundum DER Bookboyfriend schlechthin.

Was ich an DARK IVY außerdem besonders hervorheben möchte, das ist die Atmosphäre. Dark-Academia-Romane sind für mich persönlich noch ziemliches Neuland. Ich war zugleich neugierig und ein wenig vorsichtig. Ich habe mir ein wenig dunkle Stimmung gewünscht – es passt einfach auch zur aktuellen Novemberstimmung. Zugleich aber fürchtete ich, dass es ZU düster werde könnte. Dem war allerdings nicht so. Die Autorin hat genau das richtige Maß an Altertümlichkeit gefunden, um Woodford und dem Buch eine majestätisch-dunkle Stimmung einzuhauchen. Zugleich wurde das aber mit ganz viel heiteren Szenen und unfassbar lustigen Dialogen aufgelockert. Sehr gefallen haben mir auch all die Beschreibungen, mit denen die Stimmung perfekt eingefangen wird. Hier wurde die Architektur erklärt, dort der Kleidungsstil, dann ein wenig Kunst und dazwischen ein paar historische Fakten. Das alles ergab eine super ausgewogene Mischung. Man erhielt immer nur so viele Infos, damit die Neugierde zwar weiter angestachelt, die Geschichte aber nicht langatmig wurde.

So wird WENN ICH FALLE zu einem Buch, das man gut und gerne innerhalb von ein, zwei Tagen liest. Die Woodford Academy heißt den Leser ebenso herzlich willkommen, wie Eden und William und die vielen Nebenfiguren. Und je weiter man liest, desto mehr wächst einem die schrullig-herzliche Truppe ans Herz. Daher ist es wenig wunderlich, dass die tragischen Thematiken einem sehr nahegehen. Dennoch bin ich auch großer Fan der Thematiken – egal ob es die zentralen sind, oder eher nur stellenweise erwähnte Themen. Nikola Hotel hat enorm wichtige Schwerpunkte gesetzt und ich finde es absolut richtig, dass diese Themen in Romanen behandelt werden. Trotzdem möchte ich erwähnen, dass der Roman nicht ohne Grund eine Triggerwarnung besitzt.

Wer schon das ein oder andere Buch der Autorin gelesen hat, weiß sicherlich, dass man sich nicht nur stets auf ein kleines Wiedersehen mit „alten Bekannten“ freue darf. Nein, davon abgesehen sind Hotels Bücher auch stets ein ganz eigenes Kunstwerk. Es gab bereits Handletterings und Daumenkinos. In DARK IVY erwartet den Leser nun wunderschöne Blackout Poetry. Ich selbst kannte mich mit dieser Kunst vor dem Buch noch gar nicht wirklich aus, aber ich habe die kunstvollen Seiten total geliebt und war fasziniert, wie die Autorin diese Kunstwerke in die Geschichte eingewoben hat.

Mein Fazit:
WENN ICH FALLE ist eine emotionsreiche Geschichte, die mich von der ersten bis zur letzten Seite gepackt hat. Sie ist reich an Emotionen jeglicher Art und spart auch nicht an spicy Szenen. Die lustigen Szenen sind so witzig und die traurigen Szenen so ergreifend, dass man beim Lesen oft den Tränen nahe ist. Es ist wohl kein Wunder, dass dieser erste Band mit einem emotionalen Cliffhanger endet – allerdings hat es mich dann doch kalt erwischt, dass wir noch FÜNF Monate auf ein Wiedersehen mit Eden und William warten müssen. Diese viel zu lange Wartezeit ist allerdings der einzige Kritikpunkt, den ich an der Geschichte haben könnte ;)
Von mir gibt es daher natürlich volle und wohlverdiente fünf Sterne und eine ausdrückliche Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 17.11.2022

Eine unvergleichbar intensive Geschichte

So viel Zorn und so viel Liebe
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Pakistan ist nicht mehr mein Zuhause. Juniper war es nie.
Aber Salahudin – Salahudin fühlt sich wie ein Zuhause an.
Also bleibe ich.
Salahudin und Noor waren schon immer anders als die anderen. Aber zusammen, ...

Pakistan ist nicht mehr mein Zuhause. Juniper war es nie.
Aber Salahudin – Salahudin fühlt sich wie ein Zuhause an.
Also bleibe ich.

Salahudin und Noor waren schon immer anders als die anderen. Aber zusammen, da waren sie unschlagbar. Salahudin akzeptierte, dass Noor nicht über alles sprechen wollte. Noor akzeptierte, dass Sal nicht angefasst werden wollte.
Aber dann war da dieser eine Sommerabend, der alles veränderte. Sie kamen sich so nahe – doch nun ertragen nun die Anwesenheit des anderen nicht mehr.
Dann jedoch stirbt Salahudins Mutter. Während er um die Existenz von ihm und seinem Vater kämpfen muss, kämpft Noor um ihre Zukunft. Immer wieder drohen sie beide zu scheitern. Nur zusammen bleiben sie stark.
Zumindest solange, bis sie einander gegenseitig in die Tiefe reißen.

Zugegeben, meine Beschreibung des Inhalts klingt absolut abstrakt und poetisch. Aber ich fand es angemessen, die Geschichte auf diese Weise zu beschreiben, weil sie genau das ist: Poetisch. Und in gewisser Weise auch abstrakt. Alles an der Geschichte machte auf mich einen besonderen Eindruck.
Es fängt direkt beim Cover an, das es mir total angetan hat. Ich liebe die gedeckten Farben –umso mehr, seit ich das Buch gelesen habe. Das nächtliche Bild passt einfach perfekt zu der eher bedrückenden Grundstimmung. Und der Schimmer am Horizont – das sind Sal und Noor.
Eine weitere Auffälligkeit ist der Aufbau der Geschichte. Das Buch ist in fünf Teile gegliedert und vor jedem Teil findet sich die Strophe eines Gedichts. Doch erst mit der Zeit versteht man die Bedeutung des Gedichts für den Roman voll.

Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Sicht von Salahudin und Noor erzählt. Beide Perspektiven haben ganz eigene Schwerpunkte und doch liebte ich beide Perspektiven gleichermaßen. Zusätzlich gibt es eine dritte Perspektive – die Sicht von Salahudins Mutter in Form von Rückblicken. Auch diese POV habe ich von Anfang an sehr geschätzt, weil man nochmal ein tieferes Verständnis für Salahudins Familiengeschichte erhält. Aber auch hier wird erst mit der Zeit klar, dass noch viel mehr hinter den Rückblicken steht. Und erst am Ende zeigt sich das letzte Puzzlestück, dass die Bedeutung der gesamten Handlung nochmals komplett verändert.

Insgesamt haben mir an der Handlung ganz besonders die vielen Wendungen gefallen. Das Buch ist unvorhersehbar und spannend. Bis zum Ende war ich mir unsicher, wie es mit Salahudin und Noor ausgehen würde. Allerdings kommt es bei SO VIEL ZORN UND SO VIEL LIEBE nicht (nur) auf den Ausgang an. Es ist ein Buch, bei dem wirklich der Weg das Ziel ist.
Man liest die Geschichte zwar sehr gebannt. Ist total fasziniert von dem Schreibstil, welcher einen jugendlichen Unterton mit lyrischen Worten und bildhaften Beschreibungen verknüpft. Dennoch ist es kein Buch, das man eben mal an einem Tag durchliest. Stattdessen muss man immer wieder eine Pause einlegen, um die neuen Erkenntnisse zu verarbeiten und all die Emotionen, die das Buch in einem aufwirbelt, zu ordnen.
Die Geschichte hat eine Triggerwarnung zu diversen Themen, welche sie auch benötigt. Doch selbst wenn einen die einzelnen Themen nicht direkt triggern, sollte man vorbereitet sein auf die geballte Ladung an bedrückenden und ergreifenden Gefühlen, die einen in SO VIEL ZORN UND SOP VIEL LIEBE erwarten. Die Stimmung der Geschichte und die Schicksale der Figuren haben mich auf eine Weise berührt, gerührt und getroffen, wie ich es schon sehr, sehr lange in keinem Buch mehr erlebt habe. Vielleicht habe ich es sogar noch nie derart intensiv erlebt. Ich war beim Lesen an manchen Stellen mindesten so am Boden zerstört oder zornig aufgebracht, wie die Charaktere selbst.
Und mit all diesen Gefühlen kamen auch die Momente und Aspekte, die mich zum Nachdenken brachten. SO VIEL ZORN UND SO VIEL LIEBE macht es einem eigentlich unmöglich, NICHT nachzudenken. Und es stimmt den Leser auf eine prägende Weise nachdenklich. Dadurch ist dieser Roman einer, der den Leser wohl nie mehr so ganz loslassen wird und seine Spuren hinterlässt.

Mein Fazit:
SO VIEL ZORN UND SO VIEL LIEBE habe ich mit einer Neugier auf die, mir fremde, pakistanische Kultur begonnen. Außerdem wollte ich mehr über die Freundschaft von Noor und Salahudin erfahren und darüber, ob da mehr als Freundschaft zwischen ihnen ist. All das habe ich auch erfahren – aber zudem soviel darüber hinaus. Auf jede erdenkliche Art und Weise beweist die Geschichte, dass das Leben nicht nur schwarz und weiß ist. Das ist einigen bestimmt schon klar, aber wirklich verstehen lehren uns das erst Noor und Salahudin. Dabei besitzt das Buch eine unvergleichliche Schönheit, die es zu einem Highlight macht. Eine Schönheit, die sich aus Schmerz und Traurigkeit und der bitteren Realität zusammensetzt. Aber eben auch aus der Kraft von Freundschaft, Familie, Gerechtigkeit und Liebe.
Ich könnte noch ewig weiter über das Buch schwärmen und würde doch nie Worte finden, die der Geschichte gerecht werden. Daher ganz kurz und knackig: Volle fünf Sterne und eine ausdrückliche Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 14.11.2022

Vom Leben und Sterben zwischen Hoffnung und Schicksal

CATAN - Der Roman (Band 1)
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Wenn ich an Catan denke, dann denke ich an lange, spaßige und diskussionsreiche Spieleabende – und damit bin ich sicherlich nicht die Einzige. Sehr viele, die das hier lesen, sind vermutlich mit dem Spiel ...

Wenn ich an Catan denke, dann denke ich an lange, spaßige und diskussionsreiche Spieleabende – und damit bin ich sicherlich nicht die Einzige. Sehr viele, die das hier lesen, sind vermutlich mit dem Spiel aufgewachsen oder haben es mit ihren Kindern gespielt. Ich würde sogar sagen, dass Catan eines meiner liebsten Brettspiele war, beziehungsweise noch immer ist. Als ich dann gesehen habe, dass es ein Buch dazu geben wird, war mir sofort klar, dass ich es lesen muss. Meine Neugier war einfach zu groß. Ich habe den Klappentext nicht wirklich angeschaut, bevor ich zu lesen begonnen habe. Doch wie es sich für meine Rezensionen gehört, werde ich natürlich mit einer kurzen Beschreibung des Inhalts beginnen.

Darum geht’s:
Björn lebt auf Catan. Er ist ein Nachfahre der mutigen Siedler, die vor einigen Jahren ihre Heimat im hohen Norden verlassen haben, um auf Catan ein neues Leben zu beginnen. Doch sind wir ehrlich: Es war nicht der Mut, der sie dorthin getrieben hat, sondern der Kampf um ihre Existenz.
Alles begann mit einer Liebe, die nicht sein durfte. Thorolf liebt Asla, Asla liebt Thorolf – aber sie ist einem anderen Fürsten versprochen. Asla sieht ihren einzigen Ausweg in einer Flucht von Zuhause. Dass ihr dabei ihre jüngere Schwester folgt, war allerdings kein Teil ihres Planes. Ebenso wenig, dass ihr Vater derart außer sich ist, dass er Thorolfs Kopf fordert und dessen Dorf verwüstet.
In einem Kampf auf Leben und Tod, zwischen Hoffnung und Schicksal sticht Thorolf zusammen mit seinen beiden Brüdern Digur und Yngvi, sowie Asla und einigen Dorfbewohnern in See.

Beim ersten Aufschlagen des Romans sind mir direkt die Landkarte auf der Innenseite des Buchdeckels aufgefallen. Hier finden sich - auf anschauliche Weise - neben der Verortung auch die ein oder anderen hilfreichen Details. Ein paar Seiten weitergeblättert sticht dann das Inhaltsverzeichnis ins Auge. Der Roman ist sehr durchdacht strukturiert. Das Buch ist in Teile eingeteilt, diese wiederum in relativ lange Kapitel. Die Kapitel sind in Absätze mit einer angenehmen Länge unterteilt – so wirkt die recht umfangreiche Geschichte doch sehr „handlich“.
Allerdings ist CATAN definitiv ist kein Buch, das sich einfach mal an einem Stück liest. Aber darum geht es bei diesem Buch auch nicht. CATAN ist ein Roman für neblige Sonntage und lange Winterabende. Es ist eine Geschichte, die einen innerhalb von nur einem Satz packt – egal ob man gleich hundert Seiten auf einmal oder immer wieder nur ein halbes Kapitel liest.
Der Schreibstil trägt hierzu sicherlich einen großen Teil bei. Er besitzt das richtige Maß an Spannung um Abenteuer-Feeling aufkommen zu lassen. Zugleich beschreibt er alles sehr detailreich – aber immer nur so viel wie notwendig. Dadurch erlebt man alles hautnah und doch wird es nie langatmig. Ebenso werden genau die richtigen Stellen mit einer Portion Humor gewürzt, was das Leseerlebnis noch vielfältiger gestaltet. Der Humor ist dabei so trocken, dass man gar nicht anderes kann als laut aufzulachen.

Das Buch wird zum größten Teil aus der dritten Person erzählt und beleuchtet dabei viele verschiedene Figuren. Tatsächlich gibt es sehr viele Hauptfiguren und noch mehr Nebenfiguren. Es dauert ein paar Seiten, bis man die vielen Namen zuordnen kann; aber irgendwann macht es dann klick und man denkt gar nicht mehr darüber nach, wie viele verschiedene Figuren es gibt. (Als kleiner Tipp: Am Ende der Danksagung gibt eine Figurenliste und einen Stammbaum)
Im Mittelpunkt stehen besonders die drei Halbbrüder Digur, Thorolf und Yngvi, sowie Asla. Sie leben in einer komplett anderen Zeit und auch die Sitten waren damals anderes - schließlich entstammen sie einer Wikinger-Familie. Dennoch fiel es mir erstaunlich leicht, mit den Figuren zu sympathisieren. Ich mochte ihr authentisches, nachvollziehbares Handeln sehr. Und auch ihre – sehr unterschiedlichen – Charakterzüge machen die Geschichte vielfältig.
Asla ist eine sehr junge Frau, doch das vergisst man schnell, wenn man bedenkt, womit sie zu kämpfen hat und was sie alles meistert. Sie arbeitet als Heilerin, was eine interessante Thematik darstellt. Ich mochte an ihr besonders ihre Klugheit und Selbstsicherheit.
Thorolf ist ein äußerst vielschichtiger Mann. Es sticht in nichts besonders heraus und ich mochte sein ausgeglichenes Gemüt sehr. Wie stark seine Liebe zu Asla ist, hat mich beeindruckt.
Digur ist der Inbegriff von „stille Wasser sind tief“. Er stellt einen spannenden Kontrast dar, denn obwohl er im Kampf ohne mit der Wimper zu zucken seine Gegner tötet, hat er ein unfassbar großes, weiches Herz.
Yngvi ist der Sonnenschein der Geschichte. Ob es in den Moment passt oder nicht – Yngvi hat immer einen Scherz parat. Doch taktlos ist er niemals – denn Yngvi weiß in den richtigen Situationen mit Ernsthaftigkeit zu überzeugen.

Insgesamt ist CATAN ein durch und durch facettenreicher Roman. Sämtlicher Aspekte des Lebens als Wikinger, Händler und Siedler wurden anschaulich und ausführlich belichtet. Alles ist gut recherchiert und nichts kommt zu kurz. Es geht um die Männer- und Frauenbilder jener Zeit. Die Stellung der Knechte und Mägde. Der ständige Kampf ums Überleben. Drohende Gefahren. Glückliche Fügungen. Handwerk und Kämpfe. Und ja, auch um die Liebe. Nur um ein paar Beispiel zu nennen…

Mein Fazit:
CATAN ist für mich auf jeden Fall ein Highlight, das ich bestimmt noch ein paar Male re-readen werde. Es überzeugt beim Lesen in praktisch jeder Kategorie. Zugleich findet der Autor immer ein Gleichgewicht – zwischen Spannung und Humor, Abenteuer und Gefühl, Detaillierung und Kurzweiligkeit. Das Buch mag zwar kein Schnäppchen sein, doch es ist die Investition wert oder auch ein sehr geeignetes Geschenk für die anstehenden Feiertage. Von mir gibt es zusammen mit vollen 5 Sternen eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 01.11.2022

Zugleich zu viel und zu wenig für einen Auftaktband

The Witches of Silent Creek 1: Unendliche Macht
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Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber wenn ich an Herbst denke, dann denke ich automatisch an düstere Nebeltage, Kürbisgeister und ein wenig Gruseln. Und was passt da besser, als ein Buch mit Gruselelementen, ...

Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber wenn ich an Herbst denke, dann denke ich automatisch an düstere Nebeltage, Kürbisgeister und ein wenig Gruseln. Und was passt da besser, als ein Buch mit Gruselelementen, Hexen und Geistern? Dazu ein paar Drachen und die schaurig-schöne Kulisse Schottlands et voilà – das perfekte Herbstbuch. Entsprechend vorfreudig begann ich THE WITCHES OF SILENT CREEK zu lesen. Und darum geht es:

Helenas Eltern sind beide tot. Es gibt nichts mehr, was sie in ihrer Heimat hält. Dafür umso mehr, was sie in die Ferne zieht – tausend Fragen, auf die sie endlich Antworten will. Wieso hat ihre Mutter vor all den Jahren Silent verlassen? Wieso ist sie nie mehr dorthin zurückgekehrt? Helena beschließt ihr Studium genau dort zu beginnen, wo sie selbst noch nie war – bei ihrem Großvater in Silent Creek. Doch schon bei ihrer Ankunft muss sie feststellen, wie seltsam der Ort ist. Schön zwar, aber auch beunruhig. Und es gehen seltsame Dinge vor sich. Geradezu übernatürliches. Und ob sie will oder nicht – bald schon ist sie mittendrin…
Ich habe das Buch zu lesen begonnen und war eigentlich direkt fasziniert. Erst ein vielversprechender Prolog, dann das beeindruckende Setting und auch Helena war mir direkt sympathisch. Ich habe weiter und weiter gelesen. Die Seiten vergingen, dann die Kapitel. Aber irgendetwas passte für mich nicht. Es dauerte ein wenig, bis mir auffiel, dass ich selbst nach über 100 Seiten noch nicht wirklich in der Geschichte angekommen war. Das war es, was mich verwirrt hat. Das, und noch so viel mehr.

Bald schon offenbart sich die erste Besonderheit – das Buch wird nicht aus einer einzigen Perspektive erzählt. Auch nicht aus zwei oder drei. Es sind ganze vier Stück: Tyrael, der Helena vom ersten Moment an loshaben will, dazu sein Kumpel Emille und nicht zuletzt die unscheinbare Didre.
Das mag etwas kompliziert wirken und für mich war es auch genau das. Ich freue mich normalerweise über Perspektiv- oder Zeitsprünge in Büchern. Das bringt Spannung ins Buch – unter der Voraussetzung, dass der Leser nachvollziehen kann, weshalb wann welche Perspektive eingesetzt wird. Doch genau das ist mir bei THE WITCHES OF SILENT CREEK nicht gelungen. Bis zum Schluss habe ich vergeblich nach einem roten Faden gesucht, der alle Perspektiven irgendwie miteinander vereint. Am Ende blieb nur eine Vermutung und die Vertröstung auf Band zwei.
In anderen Bereichen, praktisch bei allen angesprochenen Themen gelang es mir ebenfalls zu keinem Zeitpunkt durchzublicken. Mit jedem Kapitel kamen weitere Problematiken und einige weitere Figuren hinzu – alles lose Enden. Einen Zusammenhang dazwischen habe ich nicht gefunden. Was ich dagegen gefunden habe, waren einige Plotholes. Anders kann ich die Logik im Buch, die sich mir leider entzog, nicht nennen. Und ich bezweifle, dass sämtliche Schwachstellen aus Band eins wiederaufgegriffen werden können – es sind einfach zu viele, dass sie ohne weitere Handlung schon einen extra Band ergeben.
Leider haben es mir die Figuren ebenfalls nicht leicht gemacht. Helena handelte zumeist reflektiert, aber in den entscheidenden Momenten war sie unrealistisch leichtgläubig. Zugleich war sie die einzige Figur, der man wirklich trauen konnte. Alle anderen bin ich beim Lesen mit zunehmendem Misstrauen begegnet, denn Anzeichen dafür, wer gut und wer böse ist, gab es einfach nicht. Und diese Unsicherheit hielt mich auf Distanz zu den Figuren und zwangsläufig auf Distanz zur gesamten Story.

Mir ist bewusst, dass das sehr viele Kritikpunkte sind, aber um ehrlich zu sein, hat mich die Geschichte schlichtweg enttäuscht. Sie ist so undurchsichtig und unverständlich, dass mir nicht wirklich etwas davon hängen geblieben ist. Es schien mir, als wäre die Schreibregel „Show, don’t tell“ ein wenig zu wörtlich genommen worden. Denn Erklärungen waren rar und wenn sie dann doch kamen zu kompliziert und geballt. Weitergelesen habe ich nicht aufgrund von Spannung, sondern in der Hoffnung, dass es sich bessert und ich wenigstens einen Hauch von Ahnung erhalte, was der Kern der Geschichte ist.
Was ich an dieser Stelle positiv hervorheben kann, ist der Schreibstil. Das Buch liest sich unerwartet flüssig und zügig und ich hatte kein Problem weiterzulesen - selbst als ich mit der Handlung völlig uneins war. Allerdings komme ich auch bei diesem Aspekt nicht ohne ein ABER aus. Denn ein Teil des Schreibstils sind die Beschreibungen, und die haben mich vollkommen abgeschreckt. Dieser Punkt ist eng verbunden mit der Handlung, schließlich ist es nun einmal so, dass das Buch sehr ekelerregende Passagen besitzt. Wenn man schon im ersten Drittel angewidert war, so ist das nichts im Vergleich dazu, was einen zum Schluss hin erwartete.

Mein Fazit:
Wer die Rezension bis hierher gelesen hat, wird schon wissen was nun folgt. Von mir gibt es keine Leseempfehlung für THE WITCHES OF SILENT CREEK – UNENDLICHE MACHT. Es ist nicht meine Absicht, die Geschichte komplett niederzumachen oder ähnliches. Es ist nur so, dass mir das Buch nicht einfach „nicht gefallen hat“. Mein Problem bestand darin, dass ich gar nicht genug verstanden habe, um direkt beurteilen zu können, wie gut es mir denn nun gefallen hat. Ich glaube bei diesem Buch wäre weniger einfach mehr gewesen. Von mir gibt es nur 2 von 5 Sternen – diese sind für Lesefluss und Cover. Obwohl das Buch mit einem Cliffhanger endet, werde ich Band zwei wohl nicht lesen. Die Wendung am Ende war vorhersehbar und ich bezweifle, dass der Abschlussband mehr Spannung und ausreichend Erklärungen enthält.

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Veröffentlicht am 01.11.2022

Eine Liebe zwischen Dunkelheit und Licht

Maple-Creek-Reihe, Band 1: Meet Me in Maple Creek (der SPIEGEL-Bestseller-Erfolg von Alexandra Flint)
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Gibt es für euch schon dieses eine Buch, das ihr mit dem Herbst verbindet? Eine Geschichte, die ebenso die cozy Stimmung bei Pumpkin Spice, sowie auch den spannungsvollen Gruselfaktor von düsteren Nebelnächten ...

Gibt es für euch schon dieses eine Buch, das ihr mit dem Herbst verbindet? Eine Geschichte, die ebenso die cozy Stimmung bei Pumpkin Spice, sowie auch den spannungsvollen Gruselfaktor von düsteren Nebelnächten einfängt? Ich persönlich habe eine solche Geschichte bisher noch nicht gefunden – weshalb ich mich besonders auf MEET ME IN MAPLE CREEK gefreut habe. Das wunderschöne Cover verspricht Herbststimmung pur – idyllische Atmosphäre. Der Klappentext dagegen erzählt von einer spannungsvollen Lovestory mit Nervenkitzel. Und zugleich ist da Buch noch ganz viel mehr:

Mira lebt schon immer in Maple Creek, der wohl gemütlichsten Kleinstadt der Welt. Sie hat alles, was sie braucht – einen Dad, mit dem sie sich super versteht. Ihren Hund Flex, mit dem sie gerne lange Spaziergänge und Wanderungen durch die Natur unternimmt. Und ihre besten Freunde Tami und Eli, die zu ihr halten, egal was passiert. Mira ist glücklich – obwohl da eine kleine Stimme in ihr sagt, dass mehr auf sie wartet.
Dass dieses „mehr“ aber ausgerechnet ein Zwillingsbruder sein soll, der in New York und völlig gegensätzlich zu ihr selbst aufgewachsen ist, damit hätte sie nicht gerechnet. Und erst recht nicht damit, dass Lilac nicht allein in Maple Creek auftaucht, sondern einen Freund – Joshka – mitbringt, der Lilacs düsteren Blick um Welten übertrifft.
Die Situation ist völlig verworren und fremd – aber noch lange nicht kompliziert genug. Die Dunkelheit, welche die beiden New Yorker mit in Miras Heimatstadt gebracht haben, klopft schon bald sehr dringlich an…

Das Buch ist extrem vielschichtig. Das sieht man allein schon an meiner nicht gerade knappen Beschreibung des Inhalts, die noch lange nicht vollständig ist. Was ich etwa noch gar nicht erwähnt habe, ist die Lovestory, die sich mit der Zeit zwischen Mira und Joshka anbahnt. Ich sage bewusst mit der Zeit, denn MEET ME IN MAPLE CREEK ist Slow-Burn pur. Mira ist lange hin und hergerissen zwischen der Furcht vor Joshkas durchdringendem Blick und dem behüteten Gefühl in seiner Nähe. Außerdem ist da noch die Tatsache, dass Joshka nicht für immer in Maple bleiben wird – er gehört durch und durch nach New York.
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Mira und Josh erzählt. Plus, es gibt das ein oder andere Kapitel aus Lilacs Sicht. Welcher Sinn dahinter steckt, werdet ihr wohl selbst herausfinden müssen. Nur so viel: Alle drei Geschichten haben ihre eigenen Töne und zusammen ergeben sie eine ganz besondere Melodie.
Joshkas Geschichte verspricht hierbei besonderen Nervenkitzel und ist der perfekte Gegenpart zur Idylle und den leisen Gefühlen.

Thematisch hat mich das Buch von der ersten bis zur letzten Seite – sowie darüber hinaus – gefesselt. Es geht um viel verschiedenes und vieles bleibt lange als Rätsel verpackt. Es gab zwar nicht allzu viele Plottwists, aber besonders der Schluss hatte es in sich. Meine Empfehlung daher: Wenn ihr die Geschichte lesen möchtet, dann holt euch Band zwei gleich dazu ;)
Generell würde ich sagen, die Geschichte hat mich sehr gut unterhalten. Der Schreibstil war sehr angenehm, die Handlung interessant. Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass das Tempo etwas zurückgeschraubt wird. Oder dass die Handlung das Setting nicht übertrumpft.
Joshka hatte ich trotz seiner dunklen Seite schnell sehr gern. Zwar war in seiner Geschichte nicht jede Wendung ganz Stimmung, aber ich bin schon jetzt gespannt, wie sie in Band zwei weitergeht. Mira hat es mir nicht immer leicht gemacht. Sie unterschätzt die Situation und überschätz sich selbst gerne mal – das hat mich ein wenig gestört.

Mein Fazit:
MEET ME IN MAPLE CREEK bereitet sehr aufregende Lesestunden. Es geht um sehr viel mehr als um eine Liebesgeschichte – und doch ist das Buch eines der Sorte, die einem das Herz brechen kann. Nicht alle Passagen waren gleich stark, lesenswert ist das Buch jedoch allemal. Daher vergebe ich 4 von 5 Sterne und klemme mich nun direkt hinter Band zwei ;)

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