Heimatgefühl über drei Generationen hinweg
Die RiesinnenGehen, oder bleiben? Die Frage jeder Generation und ihre Parallelen und Unterschiede.
Das Buch beginnt aus der Sicht von Liese. Poetisch sind die ersten Seiten und durch diese Art zu schreiben zunächst ...
Gehen, oder bleiben? Die Frage jeder Generation und ihre Parallelen und Unterschiede.
Das Buch beginnt aus der Sicht von Liese. Poetisch sind die ersten Seiten und durch diese Art zu schreiben zunächst gewöhnungsbedürftig und holprig. Liese gehört einer alten Generation an. Mit ihren roten Haaren und ihrer schlaksigen Statur ist sie im Dorfleben nicht beliebt. Es treten deutlich die veralteten Strukturen kleiner Gemeinschaften hervor, für die Aberglaube noch einen hohen Stellenwert hat. Dennoch setzt Liese sich mit starkem Charakter durch und bekommt ihr Kind: Cora.
Die zweite Generation ist geboren, genauso schlaksig und rothaarig wie die erste. Hier ändert sich der Schreibstil. Wird etwas jugendlicher, da sich auch die Altersspanne verändert und wir begleiten Cora beim erwachsen werden, sich selbst finden und bei Fehlern und Errungenschaften in ihrem Leben. Die Sicht, aus der geschrieben wird, hat sich geändert. Dennoch ist Liese allgegenwärtig und der Leser entdeckt schnell, wo sich Tochter Cora unterscheidet und ähnelt.
Mit der letzten Generation nähern wir uns unserem aktuellen Zeitalter an. Die Veränderungen - auch im Dorfleben - sind spürbar. Und was Eva mitbringt ist vor allem eins: ein tief verwurzeltes Heimatgefühl.
Begeistert hat mich, wie herausgestellt wird, dass eine neue Generation die Gepflogenheiten der alten nicht zwangsläufig durchbrechen muss. Jede Generation geht ihren eigenen Weg, für jede Person bedeutet Heimat und Ankommen etwas anderes und wichtig ist es, sich nicht von eigenen Ängsten unterkriegen zu lassen.
Häffner hat ein Gespür für Generationen. Alle drei waren in ihrer Sichtweise klar voneinander zu unterscheiden. Mir gefiel, wie auch der Wandel der Welt durch die Seiten spürbar war, ohne dass dieser explizit angesprochen werden musste. Schade fand ich die Aufklärung des Titels. Dachte ich zunächst, dass "Riesinnen" als Synonym für etwas stünde - z.B.: über sich hinauszuwachsen - war die Erklärung viel simpler. Eine tiefe Bedeutung kann es natürlich trotzdem geben.
Ein ruhiger Roman, gut herausgearbeitet, der die Frage des Lebens vielleicht ein Stück zu beantworten weiß: Was ist Heimat?