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Veröffentlicht am 05.03.2026

Interessantes Gedankenexperiment

Die Namen
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Kennen wir nicht alle diese Momente, in denen wir bei einem Beruf denken: „Der Name passt perfekt dazu“? Ein Gedanke, zu dem es sogar Forschung gibt, dem ich aber in einem Roman bisher noch nie begegnet ...

Kennen wir nicht alle diese Momente, in denen wir bei einem Beruf denken: „Der Name passt perfekt dazu“? Ein Gedanke, zu dem es sogar Forschung gibt, dem ich aber in einem Roman bisher noch nie begegnet bin. Genau hier setzt dieses Buch an. Die Grundidee ist außergewöhnlich spannend, die Umsetzung erfrischend anders.

Der Vater möchte aus Tradition, dass sein Sohn Gordon heißt. Die kleine Tochter findet Bear wunderbar. Die Mutter hingegen wünscht sich einen Namen, der ihrem Sohn größtmögliche Freiheit zur eigenen Entwicklung lässt: Julian.

Der Roman entwickelt daraus ein faszinierendes Gedankenspiel. In siebenjährigen Abständen begleiten wir drei mögliche Lebenswege: Gordon, Julian und Bear wachsen in parallelen Realitäten auf. Und immer wieder ertappte ich mich dabei, wie stimmig mir die von der Autorin entworfenen Lebenswege zu den jeweiligen Namen erschienen. Dabei vermeidet sie es, eindeutige Zusammenhänge zu formulieren. Als Leser*in ist man selbst gefragt: Welche Bedeutung messe ich einem Namen bei? Wie sehr beeinflusst er meine Wahrnehmung?

Besonders eindrücklich ist die Figur des Vaters. Ein angesehener Arzt, der Traditionen hochhält und der selbst scheinbar keine Wahl hatte. Oder vielleicht doch? Früh zeigt sich seine gewaltvolle Seite, die für die weitere Entwicklung zentral wird. Plötzlich stehen die Namen nicht nur für Identität, sondern die Frage, ob Namen ein Teil unserer DNA sind: Der traditionsreiche Name wird mit Härte und Gewalt verknüpft, der neutrale mit Entscheidungsfreiheit, der kindlich-niedliche mit Sanftheit. Die Frage drängt sich auf, ob sich ein Lebensweg dem Namen beugt.

Ich habe das Buch sehr gern gelesen. Jeder der drei Lebenswege besitzt spannende wie auch ruhigere Passagen. Die kurzen Kapitel sind präzise erzählt und halten das Tempo hoch. Mitunter fiel es mir schwer, die einzelnen Entwicklungen auseinanderzuhalten, da sich stets drei Perspektiven über denselben Zeitraum entfalten.

Insgesamt ist es ein psychologisch kluger, nachhallender Roman. Ein spannender Blick auf Identität, Prägung und die Frage, wie viel unseres Lebens wir selbst bestimmen.

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Veröffentlicht am 05.03.2026

Gefährliche Spiele mit leichten Lösungen

To Cage a Wild Bird
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To Cage a Wild Bird war für mich zunächst eine Überraschungsentdeckung. Vor dem Release hatte ich kaum etwas über das Buch mitbekommen, doch die Beschreibung klang spannend und tatsächlich lassen sich ...

To Cage a Wild Bird war für mich zunächst eine Überraschungsentdeckung. Vor dem Release hatte ich kaum etwas über das Buch mitbekommen, doch die Beschreibung klang spannend und tatsächlich lassen sich schnell die versprochenen Die Tribute von Panem-Vibes erkennen.

Raven lebt im Dividium, einer Gesellschaft mit klaren Regeln: Wer ein Vergehen begeht, erhält einen Strike. Zu viele Strikes führen ins Gefängnis Endlock, wo es kein Entkommen gibt. Bevor die Insassen jedoch sterben, müssen sie zur Unterhaltung der reichen Elite in einer Arena gegeneinander antreten. Anders als in Panem müssen sie dabei nicht voneinander fliehen, sondern die Mitte erreichen. Trotz der Parallelen schafft es die Autorin, ihrer Welt genug Eigenständigkeit einzuhauchen, um eine grundsätzlich spannende Ausgangslage zu schaffen.

Der Weltenbau ist allerdings recht schlicht. Die Welt basiert auf wenigen Regeln und erweitert sich meist erst dann, wenn die Handlung es benötigt. Raven ist eine toughe Protagonistin mit Kampffähigkeiten, die sie einsetzt, um ihren Bruder zu schützen und ihr im Gefängnis Zeit verschaffen.

Das Gefängnis ist interessant angelegt und greift dabei stark auf bekannte Muster zurück. Manipulierbare Wächter, Schmuggel innerhalb der Mauern und typische Gefängnissituationen. Gleichzeitig wirkten die Gefangenen erstaunlich frei. Dinge ins Gefängnis hinein- oder herauszuschmuggeln scheint fast zu einfach zu sein.

Auch der Handlungsverlauf fühlte sich stellenweise zu glatt an. Die Insassen erhalten viel Hilfe, ohne dass dies wirklich auffällt. Dadurch fehlt der Geschichte manchmal die Härte, die das Setting eigentlich verspricht. Besonders das Finale lief deutlich reibungsloser ab, als ich erwartet hätte. Die Fluchtidee ist zwar kreativ und auch der Twist funktioniert, doch insgesamt fehlte mir ein wirklicher Höhepunkt. Auch die Liebesgeschichte entwickelt sich einen Tick zu schnell.

Trotz der Kritik habe ich das Buch gern gelesen. Die Idee ist spannend und das Tempo hoch. Da sich bereits andeutet, dass Band zwei eine andere Richtung einschlagen könnte, bin ich neugierig, wie sich die Reihe weiterentwickelt.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Geschichte authentisch erzählen

Villa Rivolta
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Seit Bella Germania bin ich Fan von Daniel Speck und auch sein neuestes Werk hat mich nicht enttäuscht. Wieder erzählt er auf zwei Zeitebenen und verbindet persönliche Schicksale mit italienischer Zeitgeschichte.

Im ...

Seit Bella Germania bin ich Fan von Daniel Speck und auch sein neuestes Werk hat mich nicht enttäuscht. Wieder erzählt er auf zwei Zeitebenen und verbindet persönliche Schicksale mit italienischer Zeitgeschichte.

Im Mittelpunkt steht Valeria, die Tochter einer Angestellten der Rivoltas – jener Familie, die im 20. Jahrhundert in Italien Sportwagen produziert. Und ich wiederhole mich gern: Wenn mich jemand für Autos begeistern kann, dann Daniel Speck. Mit viel Detailwissen, aber nie überladen, beschreibt er die Entstehung der Maschinen. Von ersten Skizzen über einzelne Bauteile bis hin zu dem besonderen Lebensgefühl hinter dem Steuer.

Doch Villa Rivolta ist weit mehr als eine Hommage an italienische Ingenieurskunst. Im Zentrum steht die soziale Schere zwischen arm und reich. Piero Rivolta, der Sohn der Unternehmerfamilie, begegnet den Menschen offen und herzlich. Er hat Freundschaft mit Valeria geschlossen, sieht die Arbeiter als Teil einer großen Familie und führt mit jedem brüderliche Gespräche. Gleichzeitig bleibt ihm verborgen, welchen täglichen Kampf Menschen wie Valeria führen, die den Klassenunterschied schmerzhaft spüren.

Behutsam steuert der Roman auf die Anfänge gesellschaftlicher Unruhen zu. Speck zeigt eindrucksvoll, wie Unmut im Volk entsteht und wie unterschiedlich Lebensrealitäten sein können. Viele Sätze habe ich markiert: Worte, die aus einem Sprüchebuch stammen könnten, aber so klug eingebettet sind, dass sie nie klischeehaft wirken.

Besonders berührt haben mich die realen Bezüge. Speck führte lange Gespräche mit Piero Rivolta persönlich, reiste selbst an die Schauplätze und verleiht dem Setting dadurch spürbare Authentizität. Auch sprachlich schafft er Atmosphäre, indem er immer wieder italienische Begriffe einwebt. Leicht verständlich und doch voller Flair.

Lediglich das Ende ließ mich etwas unbefriedigt zurück. Alles fügt sich stimmig zusammen, doch ein klarer Höhepunkt fehlt. Vielleicht, weil es weniger um dramatische Wendungen geht als um die Erkenntnisse, die das Leben bereithält und darum, dass es eben nicht immer das erhoffte Ende schenkt.

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Veröffentlicht am 13.02.2026

Jedes Buch ein Highlight

Kein Kuchen für Vampire
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"Kein Kuchen für Vampire" ist der zweite Teil einer Spinoff-Reihe zur Hauptreihe "Spellbound" und spielt zeitlich parallel dazu. Wer die Welt von Tori und ihren drei Männern liebt, wird auch von Robin ...

"Kein Kuchen für Vampire" ist der zweite Teil einer Spinoff-Reihe zur Hauptreihe "Spellbound" und spielt zeitlich parallel dazu. Wer die Welt von Tori und ihren drei Männern liebt, wird auch von Robin nicht genug bekommen. Und wer sie noch gar nicht kennt, für den ist diese vierteilige Reihe ein ebenso guter Einstieg in die Welt wie die Hauptbücher.

Der zweite Band knüpft nahezu nahtlos an Teil 1 an. Wir begegnen erneut unserem charismatischen Dämon, der mit seinen emotionslosen Fragen bei mir häufig für Lacher sorgt. Er versteht die emotionale Welt der Menschen nicht und lebt nach rein rationalen Regeln. Dieser Zwiespalt zwischen Robin und ihm ergibt eine perfekte Symbiose.

Teil der Geschichte ist auch Robins Gilde, das "Crow & Hammer". Dort treffen wir auf alte Bekannte wie Tori aus der Hauptreihe. Besonders gefreut hat mich, dass Robin als Dämonenbeschwörerin mit anderen Leuten der Gilde abhängt als Tori. So bekommen wir einen erweiterten Blick auf die Mitglieder. Robin wird Teil einer kleinen Gruppenmission, die Vampire jagt. Schon früh gerät sie in Situationen, die mir den Puls in die Höhe treiben. Die Autorin hat ein Talent für eine Vielfalt actiongeladener Szenen. Trotz sieben gelesener Teile entdecke ich kaum große Wiederholungen. Die Orte wechseln regelmäßig, und ich tauche immer tiefer in diese vielfältige Welt ein. An jeder Ecke, in jedem Buch, gibt es etwas Neues zu entdecken. Diesmal gab es Einblicke in die Erstellung von Runen, mit Vampiren eine neue mystische Spezies und ein wenig Geschichtswissen rundet das Erlebnis ab.

Band 2 schließt einige offene Fragen und eröffnet gleichzeitig neue. Ich war zufrieden mit dem Ende, das in sich stimmig ist und Hunger auf Band 3 macht. Lediglich der Titel passt diesmal nicht ganz: Es geht um Vampire, aber nicht um kulinarische Vorlieben. Der Verlag wollte sicher bei seiner Struktur bleiben, mit dem englischen Titel hat es jedoch wenig gemein. Schade, da ich regelrecht auf die Erklärung im Buch gewartet habe.

Also: Lest diese Reihen! Sie sind ein Erlebnis.

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Veröffentlicht am 06.02.2026

Heimatgefühl über drei Generationen hinweg

Die Riesinnen
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Gehen, oder bleiben? Die Frage jeder Generation und ihre Parallelen und Unterschiede.

Das Buch beginnt aus der Sicht von Liese. Poetisch sind die ersten Seiten und durch diese Art zu schreiben zunächst ...

Gehen, oder bleiben? Die Frage jeder Generation und ihre Parallelen und Unterschiede.

Das Buch beginnt aus der Sicht von Liese. Poetisch sind die ersten Seiten und durch diese Art zu schreiben zunächst gewöhnungsbedürftig und holprig. Liese gehört einer alten Generation an. Mit ihren roten Haaren und ihrer schlaksigen Statur ist sie im Dorfleben nicht beliebt. Es treten deutlich die veralteten Strukturen kleiner Gemeinschaften hervor, für die Aberglaube noch einen hohen Stellenwert hat. Dennoch setzt Liese sich mit starkem Charakter durch und bekommt ihr Kind: Cora.

Die zweite Generation ist geboren, genauso schlaksig und rothaarig wie die erste. Hier ändert sich der Schreibstil. Wird etwas jugendlicher, da sich auch die Altersspanne verändert und wir begleiten Cora beim erwachsen werden, sich selbst finden und bei Fehlern und Errungenschaften in ihrem Leben. Die Sicht, aus der geschrieben wird, hat sich geändert. Dennoch ist Liese allgegenwärtig und der Leser entdeckt schnell, wo sich Tochter Cora unterscheidet und ähnelt.

Mit der letzten Generation nähern wir uns unserem aktuellen Zeitalter an. Die Veränderungen - auch im Dorfleben - sind spürbar. Und was Eva mitbringt ist vor allem eins: ein tief verwurzeltes Heimatgefühl.

Begeistert hat mich, wie herausgestellt wird, dass eine neue Generation die Gepflogenheiten der alten nicht zwangsläufig durchbrechen muss. Jede Generation geht ihren eigenen Weg, für jede Person bedeutet Heimat und Ankommen etwas anderes und wichtig ist es, sich nicht von eigenen Ängsten unterkriegen zu lassen.

Häffner hat ein Gespür für Generationen. Alle drei waren in ihrer Sichtweise klar voneinander zu unterscheiden. Mir gefiel, wie auch der Wandel der Welt durch die Seiten spürbar war, ohne dass dieser explizit angesprochen werden musste. Schade fand ich die Aufklärung des Titels. Dachte ich zunächst, dass "Riesinnen" als Synonym für etwas stünde - z.B.: über sich hinauszuwachsen - war die Erklärung viel simpler. Eine tiefe Bedeutung kann es natürlich trotzdem geben.

Ein ruhiger Roman, gut herausgearbeitet, der die Frage des Lebens vielleicht ein Stück zu beantworten weiß: Was ist Heimat?

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