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Veröffentlicht am 06.02.2026

Heimatgefühl über drei Generationen hinweg

Die Riesinnen
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Gehen, oder bleiben? Die Frage jeder Generation und ihre Parallelen und Unterschiede.

Das Buch beginnt aus der Sicht von Liese. Poetisch sind die ersten Seiten und durch diese Art zu schreiben zunächst ...

Gehen, oder bleiben? Die Frage jeder Generation und ihre Parallelen und Unterschiede.

Das Buch beginnt aus der Sicht von Liese. Poetisch sind die ersten Seiten und durch diese Art zu schreiben zunächst gewöhnungsbedürftig und holprig. Liese gehört einer alten Generation an. Mit ihren roten Haaren und ihrer schlaksigen Statur ist sie im Dorfleben nicht beliebt. Es treten deutlich die veralteten Strukturen kleiner Gemeinschaften hervor, für die Aberglaube noch einen hohen Stellenwert hat. Dennoch setzt Liese sich mit starkem Charakter durch und bekommt ihr Kind: Cora.

Die zweite Generation ist geboren, genauso schlaksig und rothaarig wie die erste. Hier ändert sich der Schreibstil. Wird etwas jugendlicher, da sich auch die Altersspanne verändert und wir begleiten Cora beim erwachsen werden, sich selbst finden und bei Fehlern und Errungenschaften in ihrem Leben. Die Sicht, aus der geschrieben wird, hat sich geändert. Dennoch ist Liese allgegenwärtig und der Leser entdeckt schnell, wo sich Tochter Cora unterscheidet und ähnelt.

Mit der letzten Generation nähern wir uns unserem aktuellen Zeitalter an. Die Veränderungen - auch im Dorfleben - sind spürbar. Und was Eva mitbringt ist vor allem eins: ein tief verwurzeltes Heimatgefühl.

Begeistert hat mich, wie herausgestellt wird, dass eine neue Generation die Gepflogenheiten der alten nicht zwangsläufig durchbrechen muss. Jede Generation geht ihren eigenen Weg, für jede Person bedeutet Heimat und Ankommen etwas anderes und wichtig ist es, sich nicht von eigenen Ängsten unterkriegen zu lassen.

Häffner hat ein Gespür für Generationen. Alle drei waren in ihrer Sichtweise klar voneinander zu unterscheiden. Mir gefiel, wie auch der Wandel der Welt durch die Seiten spürbar war, ohne dass dieser explizit angesprochen werden musste. Schade fand ich die Aufklärung des Titels. Dachte ich zunächst, dass "Riesinnen" als Synonym für etwas stünde - z.B.: über sich hinauszuwachsen - war die Erklärung viel simpler. Eine tiefe Bedeutung kann es natürlich trotzdem geben.

Ein ruhiger Roman, gut herausgearbeitet, der die Frage des Lebens vielleicht ein Stück zu beantworten weiß: Was ist Heimat?

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Veröffentlicht am 29.01.2026

Selbstfindung in der Stadt der Liebe

Les Bouttiers – Wir sind jetzt
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Nach einer neuen Staffel 'Emily in Paris' entführt uns nun Antonia Wesseling in die Stadt der Liebe und nennt dazu noch ihren einen Love Interest Gabriel. Doch statt einer amerikanischen Praktikantin im ...

Nach einer neuen Staffel 'Emily in Paris' entführt uns nun Antonia Wesseling in die Stadt der Liebe und nennt dazu noch ihren einen Love Interest Gabriel. Doch statt einer amerikanischen Praktikantin im Modelabel begleiten wir hier direkt die Tochter eines ganzen Modeimperiums, umgeben von Intrigen und gut gehüteten Geheimnissen.

Elodie studiert eigentlich Sport in Zürich und möchte mit dem familiären Modebusiness nur wenig zu tun haben. Ihr Trip nach Paris soll nur kurz sein...eigentlich. Sie wird vom Pariser Leben eingesogen und wir bekommen die volle Dosis Amour. Statt eines Love Interests gibt es direkt zwei: einen unverschämt gut aussehenden One-Night-Stand, der dummerweise der Sohn des Moderivalen ist, und ihren Adoptivcousin, der öffentlich als ihr leiblicher Cousin gilt.

Normalerweise bin ich kein Fan von Love Triangles. Auch hier funktioniert es nur bedingt. Vor allem, weil Elodie nach außen emanzipiert und selbstbewusst wirkt, innerlich aber aus Unsicherheit von einem fragwürdigen Typen zum nächsten stolpert. Adam versteckt seine Unsicherheiten hinter Humor, reflektiert sich immerhin selbst und arbeitet an sich. Gabriel hingegen blockt ab, wird ausfallend und stößt Elodie bewusst von sich weg. Kein Charmeur, den ich mir als Endgame wünsche – sorry!

Neben der Lovestory spielt Mode eine große Rolle. Besonders gefallen haben mir die detailreichen, kreativen Beschreibungen der Fashion Shows. Sanft wird Elodie in diese Welt und ihre ursprüngliche Leidenschaft eingeführt. Wir bekommen spannende Einblicke hinter die Kulissen, inklusive Druck und Herausforderungen einer erfolgreichen Marke. Schön fand ich auch, dass Elodie nicht plötzlich das Genie ist, sondern sich alles langsam entwickelt.

Abgerundet wird die Geschichte durch Familiengeheimnisse, Drama und Freundschaft. Was mir jedoch gefehlt hat, ist Elodies persönliche Entwicklung. Die Reflexion über ihre Verhaltensmuster und ihre Zukunft kommt zwar vor, aber viel zu kurz. Schade, denn ich hätte mir gewünscht, Elodie in Paris wirklich aufblühen zu sehen. Vielleicht ja in Band 2.

Insgesamt ein kurzweiliges Buch, mit einem schönen Schreibstil.

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Starkes Konzept mit kleinen Stolpersteinen

The Ordeals
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Kluge, actionreiche Prüfungen, Magie und eine Schule – ein Konzept, das man schon oft gelesen hat, aber immer wieder neu interpretiert wird. Auch The Ordeals reiht sich in diese Tradition ein und schafft ...

Kluge, actionreiche Prüfungen, Magie und eine Schule – ein Konzept, das man schon oft gelesen hat, aber immer wieder neu interpretiert wird. Auch The Ordeals reiht sich in diese Tradition ein und schafft es dennoch, bekannte Elemente zu einem eigenständigen Leseerlebnis zu verbinden.

Wir landen in einem düsteren Setting: Die Protagonistin erledigt Aufträge für ihren Onkel, hält sich in zwielichtigen Bars auf und der Tod ist ein ständiger Begleiter. Genau diese dunkle Atmosphäre mochte ich besonders gern und war erfreut, dass sie sich konsequent durch das gesamte Buch zog.

Entsprechend habe ich jedem einzelnen Ordeal entgegengefiebert. Die Prüfungen waren nicht nur spannend, sondern verlangten auch Geschick, Logik und Empathie. Sie fesselten mich regelrecht an die Seiten. Positiv überrascht hat mich, dass viele der Studierenden ihre Magie nur rudimentär beherrschen. Es wird explizit betont, dass das in Ordnung ist, schließlich wird in einer Schule gelernt.
Widersprüchlich wirkte dabei allerdings, dass die Ordeals dennoch darauf ausgelegt sind, nur die Stärksten aufzunehmen. Wer seine Magie nicht kontrollieren kann, ist nahezu chancenlos. Gleichzeitig ist es in Ordnung, Lehrkräfte ab einem gewissen Punkt zu duzen. Ein Detail, das wenig an eine elitäre Universität erinnert. Über solche Inkonsistenzen bin ich immer wieder gestolpert. Beispielsweise bei einigen Zeiteinschätzungen, die nicht ganz stimmig wirkten.

Anfangs dachte ich, die Handlung sei vorhersehbar. Doch auch hier wurde ich positiv überrascht. Die Autorin legt immer wieder eine Schippe drauf und streut Unerwartetes ein, sodass ich als Leserin ständig hinterfragte, wem man trauen kann.

Überraschend war zudem das Auftauchen verschiedener Kreaturen, die im Klappentext nicht erwähnt werden: Vampire, Werwölfe und vor allem Gargoyles, die viel zu selten in Büchern und Filmen vorkommen.

Der Romance-Anteil beginnt fast wie bei Enemies-to-Lovers, entwickelt sich dann jedoch sehr rasant. Innerhalb eines Semesters sind die Gefühle bereits unsterblich.

Auch wenn das Buch an einigen Stellen hakt, würde ich es aufgrund der Spannung und des Schreibstils dennoch weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 07.01.2026

Nach wahrer Begebenheit

Ein Kranich unter Wölfen
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Ein neuer, packender Roman aus der Feder von June Hur: Ein Kranich unter Wölfen wird als „historische Fantasy“ eingeordnet und fesselt bis zur letzten Seite.

Der Roman beginnt mit einer Liste an Triggern, ...

Ein neuer, packender Roman aus der Feder von June Hur: Ein Kranich unter Wölfen wird als „historische Fantasy“ eingeordnet und fesselt bis zur letzten Seite.

Der Roman beginnt mit einer Liste an Triggern, die einige harte Themen aufzählt. Beim Lesen empfand ich vieles davon jedoch als weniger drastisch dargestellt als erwartet. Lediglich Tiergewalt wird in einer Szene sehr deutlich inszeniert.

Die Geschichte setzt direkt im Geschehen ein. Die Protagonistin leidet, wie viele andere, unter dem herrschenden Regime. Aus diesem Leid heraus beschließt sie, in die Stadt zu gehen, um nach ihrer Schwester zu suchen. Was genau geschehen ist, bleibt zunächst unausgesprochen und hängt wie ein kleines, ungelöstes Geheimnis über der Handlung.

Wie schon in ihrem vorherigen Werk gleicht dieser Roman eher einem Krimi als einem klassischen Fantasybuch. Zwar ist die Geschichte historisch angelegt und orientiert sich, soweit möglich, an realen Begebenheiten, doch echte Fantasyelemente sucht man vergeblich. Der Titel Ein Kranich unter Wölfen ist vielmehr eine Symbolik. Der historische Aspekt wird am Ende näher beleuchtet.

Am Ort, an den die Protagonistin Iseul gelangt, erschüttern mehrere Mordfälle die Bevölkerung. Gemeinsam mit einem Ermittler beginnt sie, diese aufzuklären. Ein erzählerisches Element, das June Hur bereits in Der rote Palast genutzt hat.

Typisch für viele asiatische Romane ist die sehr subtile Liebesgeschichte. Wo im europäischen Raum oft explizite Romantik dominiert, entwickelt sich hier eine zarte, kaum benannte Nähe. Gerade diese Zurückhaltung macht für mich einen Teil der besonderen Atmosphäre aus.

Die Handlung entfaltet sich langsam und bietet dabei vielfältige Perspektiven: Iseuls Blick als Beteiligte an den Ermittlungen, die Sicht des unterdrückten Volkes und Passagen, in denen der Herrscher selbst auftritt und das Grauen greifbar macht. Persönlich mochte ich die Protagonistin nicht immer – ihre Sturheit und eine gewisse Verwöhntheit sind spürbar –, doch genau das passt zu ihrem Hintergrund.

Ein Kranich unter Wölfen ist insgesamt ein besonderes und eindrückliches Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 12.12.2025

Dark-Romantasy, die Grenzen austestet

Rabid
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“Rabid” hat mich auf eine Weise abgeholt, die ich beim Lesen von Dark Romantasy kaum erwartet hätte. Eigentlich greife ich nie zu Dark Romance, wohl aber zu dunklen, atmosphärischen Fantasywelten. Der ...

“Rabid” hat mich auf eine Weise abgeholt, die ich beim Lesen von Dark Romantasy kaum erwartet hätte. Eigentlich greife ich nie zu Dark Romance, wohl aber zu dunklen, atmosphärischen Fantasywelten. Der Klappentext klang so unwiderstehlich und das Buch hat mich tatsächlich nicht enttäuscht. Die Geschichte rund um Gestaltwandler besitzt einen hohen Fantasyanteil, der konsequent einen bedrückenden, spannungsgeladenen Ton hält. Jede Seite trägt diesen dunklen Vibe, der mich als Leserin permanent in Alarmbereitschaft hielt. Kaum ein Moment bietet echte Ruhe, stattdessen drängen sich Geheimnisse, Intrigen und die Brutalität der Rudelstrukturen immer weiter in den Vordergrund.

Einige typische Herausforderungen des Shifter-Genres wurden nur angerissen, etwa die Frage, was bei der Verwandlung mit Kleidung passiert oder wie genau der körperliche Prozess abläuft. Diese Aspekte blieben eher oberflächlich, doch im Gegenzug wurde viel Energie in die Darstellung von Ritualen, Hierarchien und Machtverhältnissen der Wölfe gesteckt. Gerade diese Weltmechanik verleiht dem Roman eine kraftvolle Dynamik, die mich stark in die Geschichte gezogen hat.

Auch der Romance-Anteil ist intensiv und fordert heraus. Die weibliche Protagonistin ist gebrochen, ungezähmt und dennoch voller innerer Stärke. Aus ihrer Perspektive wird spürbar, wie Machtgefälle wirken, wie sehr Angst und Selbstschutz das Handeln beeinflussen und wie komplex ein Nein in toxischen Strukturen werden kann. Besonders angenehm war für mich, dass das Buch ohne explizite sexualisierte Gewalt auskommt. Dennoch gab es Szenen, die auf den ersten Blick kritisch wirken könnten, in denen sie Ablehnung äußert, später aber doch bereit ist. Für mich funktionierte dies nur, weil ich Einblicke in die Gedanken der Protagonistin hatte. Wer Dominanz sucht, findet hier eine sehr explizite, kraftvolle und wenig romantisierte Form davon.

Insgesamt hält “Rabid” genau das, was der Klappentext verspricht: Spannung, innere und äußere Kämpfe, eine eindringliche Atmosphäre und emotionsgeladene Szenen. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Eine neue und intensive Leseerfahrung.

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