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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.11.2025

Das Ende mit Humor gedacht

Aus! Die Wissenschaft vom Ende
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Gegenüber dem Anfang kommt das Ende häufig zu kurz, aber dass das Ende von Dingen, dem Leben, der Erde oder des Weltalls auch durchaus spannend und humorvoll sein kann, beweisen die Science Busters in ...

Gegenüber dem Anfang kommt das Ende häufig zu kurz, aber dass das Ende von Dingen, dem Leben, der Erde oder des Weltalls auch durchaus spannend und humorvoll sein kann, beweisen die Science Busters in "Aus! Die Wissenschaft vom Ende".

Kurzweilig und mit viel Verve nähern sich die Science Busters in ihrem neusten Sachbuch dem Ende, mit besonderm Schwerpunkt auf Astronomie. Kenntnisse in diesem Wissenschaftsgebiet sind definitiv von Vorteil, aber auch nicht zwingend notwendig, denn anhand anschaulicher Beispiele und verständlicher Erklärungen werden auch komplizierte Sachverhalte (z. B. Relativitätstheorie, Heisenberg’sche Unschärferelation) einem nähergebracht.

Da es viele Bereiche in der Wissenschaft gibt, die enden oder auch nicht, werden unterschiedliche Themenbereiche beleuchtet, leider leidet darunter manchmal die Tiefe etwas. Hier und da hätte ich mir etwas mehr Informationen bzw. eine wissenschaftliche Auseinandersetzung gewünscht.

Bezug nehmen die Autorinnen und Autoren auch auf aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen und schaffen es so auch gekonnt darzustellen, wieso die Auseinandersetzung mit dem Ende von Bedeutung ist.

Unterhaltsame Wissenschaftsvermittlung, die zu fesseln weiß, findet sich in "Aus! Die Wissenschaft vom Ende". Es hätte gerne mehr davon sein können!

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Veröffentlicht am 13.11.2025

Mit Schwächen, aber trotzdem lesenswert

Das Antiquariat am alten Friedhof
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Auch in "Das Antiquariat am alten Friedhof" entführt Kai Meyer den Leser wieder in das Graphische Viertel von Leipzig. Diesmal jedoch ist der Roman weniger fesselnd und überzeugend, als man es von den ...

Auch in "Das Antiquariat am alten Friedhof" entführt Kai Meyer den Leser wieder in das Graphische Viertel von Leipzig. Diesmal jedoch ist der Roman weniger fesselnd und überzeugend, als man es von den vorherigen Bänden der Reihe "Die Geheimnisse des Graphischen Viertels" gewohnt ist.

Im Mittelpunkt der lebendig erzählten Geschichte steht Felix, der 1930 gemeinsam mit seinen drei Freunden Eddie, Julius und Vadim den "Club Casaubon" in einem alten Leipziger Antiquariat gründet. Sie werden zu Bücherdieben, die es auf teure, okkulte Bücher abgesehen haben. Bald stößt Eddies Schwester Eva dazu, und aus Spaß wird schnell tödlicher Ernst.

Nach dem Ende des Krieges im Jahr 1945 lebt Felix auf einer griechischen Insel und arbeitet in einer Bibliothek für einen Amerikaner. Er wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert, als ihn ein Auftrag zurück nach Leipzig schickt. Dort gerät er in die Ermittlungen um eine rätselhafte Mordserie, und totgeglaubte alte Bekannte tauchen wieder auf.

"Das Antiquariat am alten Friedhof" hat alle Elemente eines spannenden Romans: eine geheimnisvolle Handlung und Charaktere vor einem historischen Hintergrund, gepaart mit einem atmosphärischen und kurzweiligen Schreibstil. Doch im Gegensatz zu den Vorgängerbänden fügt sich diesmal nicht alles stimmig zusammen.

Die Handlung wirkt teils überfrachtet, was zulasten der Personenentwicklung und der inhaltlichen Tiefe geht. Abgesehen von Felix, aus dessen Sicht der Großteil der Geschichte zu verschiedenen Zeitpunkten erzählt wird, bleiben die handelnden Figuren blass. Besonders Eva wurde für mich nicht wirklich greifbar – und das hat nichts mit ihrer mysteriösen Rolle in der Geschichte zu tun. Die Beweggründe der wichtigsten Akteure und deren Innenleben finden kaum Eingang in die Erzählung und treten in den Hintergrund. Ein vielschichtiges Personenbild kann so nur schwer entstehen.

Ebenso leidet der Spannungsaufbau unter der Vielzahl an Handlungssträngen, die der Autor entspinnt. Zwar werden diese glaubwürdig miteinander verknüpft, jedoch ohne dabei tiefergehend behandelt zu werden.

Nichtsdestoweniger ist "Das Antiquariat am alten Friedhof" die gewohnt packende Unterhaltung von Kai Meyer. Historisch fundiert sowie sprachlich lebendig und stimmungsvoll erzählt, präsentiert sich der Roman. Er ist schwächer als die anderen Bände, aber für Fans der Reihe trotzdem eine lesenswerte Verbindung einer fantastischen Geschichte mit historischen Ereignissen.

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Veröffentlicht am 11.10.2025

Freunde mit Geheimnissen - fesselnder Krimi aus dem kalten Schweden

Lügennebel
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In "Lügennebel" von Viveva Sten folgt man Hanna und Daniel schon zum vierten Mal bei ihren polizeilichen Ermittlungen.
Diesmal müssen sie den Tod an einer jungen Studentin aufklären. Die junge Frau war ...

In "Lügennebel" von Viveva Sten folgt man Hanna und Daniel schon zum vierten Mal bei ihren polizeilichen Ermittlungen.
Diesmal müssen sie den Tod an einer jungen Studentin aufklären. Die junge Frau war gemeinsam mit fünf weiteren Studenten in Åre Ski fahren und übernachteten dort auch in einem Gästehaus. Neben der Frage, ob es ein Unfall oder Mord waren, steigen allmählich die Spannungen in der Gruppe. Die Freunde stehen sich gegenüber, da niemand erklären kann, was in dieser Unglücksnacht passiert ist. Und dann gibt es noch einen Brand...
Neben den Ermittlungen, spielt auch schon wie in den Vorgängerbänden auch das Privatleben von Hanna, Daniel und diesmal auch Anton, eine wichtige Rolle. Hanna ist hin- und hergerissen zwischen ihren Gefühlen für Daniel und ihrem neuen steinreichen Freund. Daniel versucht für seine Tochter ein besserer Vater zu sein und Antons Verheimlichen seiner Beziehung zu Carl, droht ihrer Liebe zueinander immer mehr Schaden zuzufügen.

Anfangs geht es noch etwas gemächlicher zu, man lernt zunächst Olivia, eine der Studenten kennen und mit ihr die fünf weiteren, sowie Fanny, die spätere Tote, kennen. Auch bei Hanna und Daniel steht das Privatleben zuerst im Vordergrund.
Als dann aber die Tote aufgefunden wird, nimmt die deutlich zu und lässt bis zum Ende nicht nach.

Dank des stimmungsvollen und lebendigen Schreibstils der Autorin, kann man sich gut in die Personen hineinversetzen und erhält so einen umfassenden und vielschichtigen Eindruck von ihnen als Mensch.

Neben des flüssigen Schreibstils sorgen auch die kurzen und aus unterschiedlichen Charakterperspektiven geschriebenen Kapitel dafür, dass es schwerfällt, mit dem Lesen aufzuhören. Die Konflikte und Spannungen in der Freundesgruppe, aber auch bei den Ermittlern, tragen ihren Teil dazu bei.
Die Autorin schafft es gut, die Balance zwischen Ermittlerarbeit und den privaten Nebenhandlungen der Figuren zu halten, sodass auch hier keine Langeweile aufkommt.

Einzig die Auflösung, wie die junge Frau gestorben ist und was hinter dem Brand steckt, konnten mich nicht so ganz überzeugen. Nach dem vorangegangenen Spannungsaufbau habe ich mir mehr erwartet.

Trotzdem ist auch "Lügennebel" ein gelungener und fesselnder Krimi und weiß, wie schon die vorherigen Bände zu überzeugen. Es macht einfach Spaß Hanna und Daniel, privat und als Ermittlerduo, zu folgen. Sie sind einem schon richtig vertraut. An ihren Gefühlen müssen sie aber noch arbeiten...

Gewohnt gute Krimispannung mit Kältekick aus der Feder von Viveca Sten!

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Veröffentlicht am 11.10.2025

Diagnose Brustkrebs - sehr persönlich und ehrlich erzählt

Amazonenbrüste
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Reyhan Şahin wartet nicht lange, gleich im ersten Kapitel von "Amazonenbrüste" begleitet man sie dabei, wie sie die Verdachtsdiagnose auf Brustkrebs erhält, die sich dann auch bestätigt. Im Verlauf ihrer ...

Reyhan Şahin wartet nicht lange, gleich im ersten Kapitel von "Amazonenbrüste" begleitet man sie dabei, wie sie die Verdachtsdiagnose auf Brustkrebs erhält, die sich dann auch bestätigt. Im Verlauf ihrer Krebsdiagnose und -therapie, nimmt sie einen dann mit zu den ärztlichen und psychotherapeutischen Behandlungen bzw. Gesprächen, man lernt weitere Brustkrebspatientinnen kennen, folgt ihre durch die Chemotherapie und weitere Behandlungen und ihre Zeit danach.

Das alles liest sich so, als wäre man direkt dabei. Sie nimmt hierbei kein Blatt vor den Mund und spricht auch einige gesellschaftskritische Themen in Bezug auf Frauen, Migration und den Umgang mit Krebs an, ohne jedoch wirklich in die Tiefe zu gehen.
Im Fokus stehen ihr Leben mit der Diagnose und die Krebsbehandlung im Vordergrund. Schonungslos ehrlich und offen erzählt sie von ihren Gedanken, Gefühlen, Ängsten sowie Sorgen und verleiht dem Buch so eine intime und sehr persönliche Note. Sie präsentiert sich zugleich stark, aber auch verletzlich und schafft es so durchaus hoffnungsvoll zu sein.

Der Schreibstil der Autorin ist flott, direkt und spiegelt ihre Persönlichkeit wider, was man mögen muss.

Insgesamt ist "Amazonenbrüste" von Rahin Şahin ein sehr persönliches und berührendes Buch über ihre Diagnose Brustkrebs und ihr Leben damit, das Mut macht.

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Veröffentlicht am 27.09.2025

Spritzig geschriebener Roman über den Verfall einer adligen ungarischen Familie

Lázár
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Eine fiktionale Familiengeschichte, die mehrere Generationen umfasst und deren Zeitraum vom Beginn des 20. Jahrhunderts an bis zur Mitte der 1950er-Jahre reicht, soll auf knapp 340 Seiten ihren Platz finden.
Kann ...

Eine fiktionale Familiengeschichte, die mehrere Generationen umfasst und deren Zeitraum vom Beginn des 20. Jahrhunderts an bis zur Mitte der 1950er-Jahre reicht, soll auf knapp 340 Seiten ihren Platz finden.
Kann das gelingen?
Und wie!
Der junge Nelio Biedermann zeigt, dass ein Familienroman kein Brocken sein muss, sondern dass man auf wenigen Seiten mittels eines präzisen und atmosphärischen Schreibstils den Ruin einer adligen ungarischen Familie darstellen kann.

Der Beginn des Romans mutet noch etwas seltsam an. Da wird ein Junge geboren, der eine durchscheinende Haut zu haben scheint, und auch im Laufe des Handlungsverlaufs, kommen das ein oder andere mystische bzw. schaurige Element vor.

Was sich dann auf den weiteren Seiten abspielt, ist ein wilder Ritt, der so lebendig geschrieben ist, als säße man direkt am Tisch des Barons und Patriarchen Lajos.
Man folgt fesselnd, wie er und seine Familie zerfallen, vor dem historischen Hintergrund des 20. Jahrhunderts. Man erlebt gemeinsam mit ihnen den Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie, die Nazizeit und die Diktatur der Sowjets, als die Familie ihre Länder und Güter verliert. Die geschichtlichen Ereignisse und Entwicklungen stehen hierbei jedoch nicht im Vordergrund, sondern bilden eher den Rahmen der Erzählung ab.

Episodenhaft gestaltet sich auch die Erzählung über die Familie. Man verweilt nur bei manchen wichtigen Momenten. Die Familiengeschichte ist stark verdichtet, was dazu führt, dass man bei manchen Personen und Szenen nur kurz bleibt, manchmal leider etwas zu kurz.
Dass das nicht zum Schaden des Romans ist, liegt an der differenzierten Personenzeichnung und stimmungsvollen Landschaftsbeschreibung.

"Lázár" ist ein moderner Familienroman, auch wenn er nicht in der heutigen Zeit spielt. Er ist zeitlos geschrieben, atmosphärisch und nicht ohne Humor. Manchen Szenen oder Personen hätte gerne etwas weniger Verdichtung gutgetan, aber alles in allem ist dem Autor ein überzeugendes und vielversprechendes Erstlingswerk gelungen. Gerne mehr davon!

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