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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.08.2022

Oberflächliches Porträt einer Freundschaft

Freundin bleibst du immer
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„Freundin bleibst du immer“ von Tomi Obaro ist die Geschichte der drei besten Freundinnen Enitan, Zainab und Funmi, die nach etwa 30 Jahren Trennung in Lagos wieder zusammenkommen, um die Hochzeit von ...

„Freundin bleibst du immer“ von Tomi Obaro ist die Geschichte der drei besten Freundinnen Enitan, Zainab und Funmi, die nach etwa 30 Jahren Trennung in Lagos wieder zusammenkommen, um die Hochzeit von Funmis Tochter Destiny zu feiern. Die zurückhaltende Zainab, die forsche Funmi und Enitan lernten sich gemeinsam an der Universität kennen und wurden mit der Zeit beste Freundinnen und waren unzertrennlich. Doch dann trennten sich ihre drei Leben. Zainab und Funmi blieben in Nigeria, wo Funmi einen wohlhabenden Geschäftsmann und Zainab einen Akademiker heiratete, um den sie sich nun nach einem Schlaganfall kümmert. Enitan zog wegen eines Mannes nach New York, heiratete diesen und will sich nun ihm scheiden lassen.

Aus der Sicht von jeder der drei Frauen erzählt, werden Themen wie nigerianische Kultur, Mutterschaft, Ehe und Freundschaft behandelt.

Während ich es gut fand, etwas über die nigerianische Kultur, Geschichte und Politik zu erfahren, konnte mich der Roman als Ganzes nicht so wirklich begeistern. Zum einen lag es daran, dass bedingt durch die Themenfülle vielfach nur an deren Oberfläche gekratzt wurde und zum anderen, dass das große Thema der Freundschaft für mich nicht wirklich greifbar war. Auch das Ende kam ziemlich abrupt.
Der Anfang und die erste Hälfte des Rückblicks in die 80er-Jahre, als sich Enitan, Zainab und Funmi an der Universität kennenlernten und Freundinnen wurden, haben mir noch gut gefallen, doch auf halben Weg ihrer Universitätsjahre verlor die Handlung für mich an Fahrt und verlor sich in Oberflächlichkeiten sowie Nebensächlichkeiten. Zu keinem Zeitpunkt war für mich richtig greifbar, warum die drei Freundinnen wurden, es wurden einem eher erzählt, dass sie gute Freundinnen sind, anstatt es richtig zu zeigen, sodass keine tiefe gehende emotionale Verbindung zwischen den dreien sowie auch zum Leser aufgebaut werden konnte.
Ich habe mir einfach mehr tolle Freundschaftsmomente und Szenen gewünscht, aus denen klar ersichtlich hervorgeht, was ihre Freundschaft ausmacht. Stattdessen blieb dieser Aspekt eher unterentwickelt. Auch hatte ich beim Lesen teilweise das Gefühl, dass ich mehr über ihre Männer weiß als über die drei Frauen.

Einzig allein die tollen Beschreibungen der nigerianischen Kultur, des Landes, des Essens und der Hochzeit sprachen mich wirklich an sowie der unterhaltsame und angenehme Schreibstil. Ansonsten hatte „Freundin bleibst du immer“ das Potenzial, das es hatte leider nicht wirklich ausgeschöpft und hinterlässt nicht den bleibenden Eindruck, den ich mir erhofft hatte.

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Veröffentlicht am 15.08.2022

Eine Kreuzfahrt voller Geheimnisse

Die Passage nach Maskat
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„Die Passage nach Maskat“ von Cay Rademacher ist ein spannender, kurzweiliger historischer Kriminalroman, der in den 1920er-Jahren größtenteils auf dem Luxusliner Champollion spielt und gut den Zeitgeist ...

„Die Passage nach Maskat“ von Cay Rademacher ist ein spannender, kurzweiliger historischer Kriminalroman, der in den 1920er-Jahren größtenteils auf dem Luxusliner Champollion spielt und gut den Zeitgeist zwischen Ende des 1. Weltkriegs und der Weltwirtschaftskrise 1929 einfängt. Der Autor beschreibt hierbei sehr bildlich und detailgetreu die Kreuzfahrtreise von Theodor Jung, seiner Frau Dora und seiner Schwiegerfamilie Rosterg nach Maskat, sodass man beim Lesen das Gefühl bekommt, man wäre selbst dabei.

Theodor Jung ist Fotograf und die Seereise von Marseille nach Maskat sollte neben Fotos für seinen Arbeitgeber, eine bekannte Berliner Zeitschrift, auch dazu dienen, seine kriselnde Ehe mit Dora zu retten. Doch dann verschwindet nicht lange nach Reisebeginn plötzlich Dora. Als Theodor nachfragt, ob jemand seine Frau gesehen hätte, will sie keiner der Gäste überhaupt auf dem Schiff gesehen haben und seine Schwiegereltern behaupten außerdem, Dora sei noch in Berlin. Zunächst lässt sich überhaupt keine Spur von Dora auf dem Schiff finden und Jung fragt sich, ob er nicht langsam wahnsinnig wird, obwohl er sich sicher ist, dass Dora auf dem Schiff war. Er begibt sich auf die Suche nach ihr, dabei erhält er Unterstützung von der Fanny, einer Stewardess auf dem Schiff. Im Verlauf ihrer Suche werden immer mehr Geheimnisse um Dora, deren Familie und deren Gewürzhandelsgeschäft aufgedeckt. Doch nicht nur sie haben etwas zu verbergen, so tummeln sich auch noch weitere zwielichtige Gestalten auf der Champollion und tragen zu dem Mysterium um Doras Verschwinden bei.

Steht am Anfang noch die Beschreibung der illustren Gäste und der allgemeinen Stimmung an Bord im Vordergrund, so nimmt der Kriminalroman ab dem Verschwinden von Dora merklich an Fahrt und Spannung auf, die bis zum Ende dann hochgehalten wird. Insgesamt handelt es sich bei „Der Passage nach Maskat“ um einen fesselnd geschriebenen historischen Kriminalroman, der durch seine authentischen Orts- und Charakterbeschreibungen sowie seiner gut konstruierten und teils überraschenden Handlung zu überzeugen weiß.

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Veröffentlicht am 12.08.2022

Ein Satz, der alles verändert

Sanfte Einführung ins Chaos
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Dani und Marta sind seit relativ kurzer Zeit ein Liebespaar und leben zusammen in Barcelona. Er ist Drehbuchautor und sie Fotografin und leben ein normales Leben ohne große Zukunftspläne, bis Marta erfährt, ...

Dani und Marta sind seit relativ kurzer Zeit ein Liebespaar und leben zusammen in Barcelona. Er ist Drehbuchautor und sie Fotografin und leben ein normales Leben ohne große Zukunftspläne, bis Marta erfährt, dass sie schwanger. Sie will das Kind nicht behalten und abtreiben, was bei Dani und Marta zunächst unterschiedliche Gefühle hervorruft. Die Nachricht stürzt sie in einen Schwebezustand von Zweifeln, der sie zum Nachdenken darüber bringt, was sie als Paar und als Einzelperson wirklich wollen.
Dani, der früh seinen Vater verloren hat und somit vaterlos aufgewachsen ist, muss sich aufgrund der Entscheidung von Marta seinem Versprechen stellen, sein Kind niemals im Stich zu lassen. Er würde lieber wollen, dass Marta das Kind behält und sieht sich schon als Vater. Marta hingegen möchte nicht Mutter werden und will nach Berlin ziehen, um dort sich ihren beruflichen Traum zu erfüllen.

Mit einer natürlichen Sprache wird zugleich feinfühlig und ausdrucksstark die schwierige Entscheidungsfindung von Dani und Marta beschrieben. Sie müssen eine Entscheidung treffen, die ihr Leben verändern wird und sich fragen, was sie von ihrer (gemeinsamen) Zukunft wollen und was wichtiger ist, Karriere oder Familie. Das Gedanken- und Gefühlschaos wird aus Sicht von Dani und Marta offen, authentisch und brutal ehrlich erzählt. Es wird beiden schnell klar, dass die Dinge nicht schwarz und weiß sind, dass es Nuancen gibt und das beide Seiten berücksichtigt und geschätzt werden müssen.

Ich bin gerne Dani und Marta über die sechs Tage hinweg ihren Gedanken und Gefühlen gefolgt, die die Nachricht von Martas Schwangerschaft in ihnen ausgelöst hat. Ein Buch, das noch nach Beenden des Lesens nachwirkt und das insbesondere wenn man sich im gleichen Alter wie die Hauptpersonen befindet, einen zum Nachdenken anregt, darüber was man selber vom Leben will.

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Veröffentlicht am 11.08.2022

Eine Liebe zwischen Freiheit und Eifersucht

Ingeborg Bachmann und Max Frisch – Die Poesie der Liebe
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Die Liebe zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch war eine große Liebe, die 1958 in Paris beginnt und 1962 endet. Es war eine Liebe zwischen Extremen und geprägt von Widersprüchen.
Anfangs bringt die ...

Die Liebe zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch war eine große Liebe, die 1958 in Paris beginnt und 1962 endet. Es war eine Liebe zwischen Extremen und geprägt von Widersprüchen.
Anfangs bringt die leidenschaftliche Liebe, die beide füreinander empfinden, sie näher, aber als ihre gegensätzlichen Lebenseinstellungen immer mehr aufeinanderprallen (Frisch ordnungsliebend und zutiefst eifersüchtig, Bachmann freiheitsliebend), beginnt die schleichende Entfremdung zwischen ihnen. Dementsprechend ist „Ingeborg Bachmann und Max Frisch – Die Poesie der Liebe“ von Bettina Storks auch keine glücklich endende Liebesgeschichte, sondern vielmehr eine einfühlsam geschriebene Annäherung an zwei Größen der Literatur mit komplexen Persönlichkeiten.

Erzählt aus der Sicht von Bachmann und Frisch ermöglicht den Leser*innen einen Einblick in das Innenleben der beiden, man kommt ihnen so näher, lernt sie mit all ihren Gedanken und Gefühlen kennen und versteht dadurch, wieso ihre Liebesbeziehung scheiterte.

„Ingeborg Bachmann und Max Frisch – Die Poesie der Liebe“ ist ein poetisch wundervoll erzählter Roman, der neben der Liebesgeschichte zwischen Bachmann und Frisch auch Einblick in den Literaturbetrieb der 1950er-Jahre gibt und einen die beiden als Schriftsteller und als Mensch glaubwürdig näherbringt. Spannend und bewegend erzählt und nicht nur für Fans von Bachmann und Frisch lesenswert.

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Veröffentlicht am 11.08.2022

Debbies Reise vom Land in die Stadt und zu sich selbst

Snowflake
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Dieser zarte Coming-of-Age Roman fängt die Geschichte einer jungen Irin namens Debbie ein, der die Veränderungen von ihrem Landleben auf einer Milchfarm zum College in der Großstadt erzählt und wie sie ...

Dieser zarte Coming-of-Age Roman fängt die Geschichte einer jungen Irin namens Debbie ein, der die Veränderungen von ihrem Landleben auf einer Milchfarm zum College in der Großstadt erzählt und wie sie versucht, neue Freundschaften zu schließen, einen Ort zu finden, an dem sie dazugehört, lernt in einer städtischen Umgebung zurechtzukommen sowie ihre Familie zu verstehen. Der Roman ist aus Sicht der 18-jährigen Debbie geschrieben. Man lernt ihre Mutter Maeve kennen, die einen Großteil ihrer Tage damit verbringt, in ihrer eigenen Welt zu leben und daran glaubt, dass ihre Träume wahr sind und ihren Onkel, der auf der Milchfarm lebt. Dann ist da noch Xanthe, mit der sich Debbie anfreundet und die ihr zeigt, wie unterschiedlich Debbies Leben von denen ist, die in der Stadt aufgewachsen sind.

Die Geschichte wird in einem schnellen Tempo erzählt und ist in einem leicht zu lesenden und teils humorvollen Ton geschrieben. Eingestreut in die Hauptgeschichte sind kleine Anekdote und Rückblicke, die der Handlung noch einen besonderen Reiz geben. Ebenso ist die Hauptfigur Debbie gut gezeichnet, sie kommt authentisch und menschlich rüber, ebenso wie ihre Beziehungen zu Familie und Freunden. Auch hat der Roman ernstere Momente und einiges über psychische Gesundheit zu sagen, so wird z. B. bipolare Störung, Depressionen und Suizid angesprochen. Trotz der manchmal schwierigen und traurigen Themen strahlt der Roman eine allgemeine Positivität aus.
Weniger gut gefallen hat mir das Element des magischen Realismus, der sich in Debbies Träumen über andere Menschen, die dann auf irgendeine Art und Weise dann wahr werden, äußert. Für mich war dieser Handlungsaspekt nicht wirklich entwickelt oder sogar notwendig. Die Geschichte hätte genauso gut ohne funktionieren können.

„Snowflake“ von Louise Nealon ist eine ehrliche und einfühlsame Geschichte über die ersten Schritte einer 18-Jährigen ins Erwachsenenleben fängt gekonnt die peinliche Angst eines naiven Teenager-Mädchens aus dem ländlichen Irland ein, das sich nach einem Leben jenseits seiner Familie ausstreckt, um eine neue Zukunft für sich selbst zu gestalten.

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