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Veröffentlicht am 05.05.2024

Das Befinden des Autors

Das Befinden auf dem Lande. Verortung einer Lebensart
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Wie ist denn nun das Befinden auf dem Lande?

Laut dem Autor nicht gut, hat er doch keine guten Erfahrungen mit dem Leben auf dem Lande gemacht.
Björn Vedder geht dem Phänomen Landflucht und dem Grund ...

Wie ist denn nun das Befinden auf dem Lande?

Laut dem Autor nicht gut, hat er doch keine guten Erfahrungen mit dem Leben auf dem Lande gemacht.
Björn Vedder geht dem Phänomen Landflucht und dem Grund für den verklärten Blick auf dem Lande nach, zumindest versucht er es.

Auf rund 160 Seiten nähert er sich dem Thema auf intellektuelle Weise mittels Zitaten von bekannten Denkern, wie z. B. Kant und Sokrates an und berichtet durchaus unterhaltsam und kurzweilig von seinen eigenen (negativ) gemachten Landerfahrungen.
Der Schreibstil richtet sich eher an das gebildete Bürgertum, deren falsches Bild vom Leben auf dem Lande Vedder entlarven will, und nicht das "einfache Landvolk".
Der Autor konnte mich von seinen Argumenten jedoch nicht überzeugen.

Bei dem Versuch, die realitätsfremde Vorstellung vom glücklichen Landleben zu zerstören, verliert er zu sehr die Objektivität und lässt sich so eher von seinen eigenen schlechten Landerlebnissen beeinflussen als zu einer differenzierten Analyse des wirklichen Landlebens mit all seinen Vor- und Nachteilen zu gelangen.

Ja, es ist nicht das Paradies auf Erden, wenn man auf dem Land lebt. Die Landbevölkerung tickt anders und die Gemeinschaft folgt anderen Regeln. Für Fremde oder Zugezogene ist es nicht leicht, Anschluss zu finden. Doch allgemeine Schlüsse über die Bevölkerung lassen sich dadurch nicht ziehen.
Land und Leute sind überall verschieden und so auch Einstellungen, Werte und politische Ansichten. Die Bandbreite und Vielfalt erstrecken sich von links bis rechts, von konservativ bis liberal und von feindlich bis offen, in der Stadt wie auch auf dem Land.
Eigene schlechte Erfahrungen lassen nicht auf die gesamte Landbevölkerung schließen.

Wenig gehaltvoller Inhalt, überdeckt mit ein paar Zitaten für den intellektuellen Touch und Verallgemeinerungen anstatt einer differenzierten Analyse - Das ist der Eindruck, der das "Sach"buch "Das Befinden auf dem Lande" hinterlässt.
Zudem ein Autor, der etwas zu naiv an das Thema Landleben herangegangen zu sein scheint und nun anstatt der rosaroten Brille alles nur noch schlecht sieht, argumentiert hier.
Eine tiefgehende Ergründung der verklärten Vorstellung vom glücklichen Landleben findet sich hier nicht.

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Veröffentlicht am 02.05.2024

Frust statt Lust mit Projekt Lotte

Fucking Famous
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"Fucking Famous" von Anne Hashagen startet stark, verliert dann zur Mitte hin den anfänglichen bissigen Schwung sowie auch an inhaltlicher Tiefe und lässt mich dann am Ende ratlos zurück.
So bin ich zwiegespalten, ...

"Fucking Famous" von Anne Hashagen startet stark, verliert dann zur Mitte hin den anfänglichen bissigen Schwung sowie auch an inhaltlicher Tiefe und lässt mich dann am Ende ratlos zurück.
So bin ich zwiegespalten, wie ich den kurzweilig geschriebenen Roman als Ganzes bewerten soll.

Gut gefallen hat mir der Anfang der Geschichte, hier lernt man noch Lotte, ihr Leben und weitere wichtige handelnde Personen näher kennen. Zudem sorgt der bitterböse Humor und der lockere sowie bissige Schreibstil der Autorin, dass man nur so durch die Seiten und das neue Leben der Ich-Erzählerin Lotte Hohenfeld als Influencer-Berühmtheit fliegt.

Weniger überzeugen konnte mich der inhaltliche Verlauf der anfangs vielversprechend klingenden Geschichte. Denn mit zunehmender Seitenzahl vergeht einem nämlich beim Lesen von Lottes unreifen und unsympathischen bis beleidigenden Gedanken und Kommentaren der Spaß am Lesen.
Anstatt tiefer in ihr jetziges Leben als Influencerin, ihrer Vergangenheit und der künstlichen Welt der Influencer und von Social Media einzutauchen, rast man von einer Szene zur nächsten oder verliert sich in ihren Gedanken. Die Handlung verbleibt an der Oberfläche, Nebencharaktere sind reine Schablonen und werden stereotyp dargestellt. Zunehmend verliert sich dann auch noch die Handlung in Absurditäten.

Eine glaubwürdige, humorvolle und kritische Geschichte über die Fake-Welt der Influencer liest sich für mich anders.

Insgesamt habe ich mir einfach viel mehr von "Fucking Famous" versprochen, besonders nach dem tollen Beginn.
Weniger Handlungsstränge und mehr Fokussierung auf Lotte als Person und als Influencerin hätte dem Roman gutgetan.

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Veröffentlicht am 26.04.2024

Rasanter Ritt durch die Welt der Reichen

9mm Cut
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"9 mm Cut" von Sybille Ruge ist kein 08/15-Roman, sondern einer, der zuerst auf einen wirken muss um dann einen in seinen Bann ziehen zu können. Denn der abgehackte, aufs Nötigste reduzierte Schreibstil ...

"9 mm Cut" von Sybille Ruge ist kein 08/15-Roman, sondern einer, der zuerst auf einen wirken muss um dann einen in seinen Bann ziehen zu können. Denn der abgehackte, aufs Nötigste reduzierte Schreibstil macht es einem zu Beginn nicht leicht in die Handlung zu kommen, sorgt aber für einen temporeichen Ritt durch die Welt der Reichen, die von Gier, Geld und kriminellen Machenschaften geprägt ist.

Eve Klein wird von ihrem Auftraggeber K2 in die Schweiz geschickt um bei "Interni", einer NGO Nachforschungen zu betreiben, denn dort scheint nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen.
Auf ihrer Suche nach Antworten streift ihr Weg Vermisste und Tote während man Einblicke in die Oberflächlichkeit ind Scheinheiligkeit der Finanzwelt und den Kunstmarkt bekommt.

Eve ist intelligent, abgebrüht und unsentimental und genau diese Charaktereigenschaften spiegeln sich auch in der Schreibweise bzw. in der Beschreibung der Handlung/Szenerie wieder.

Verschiedene gesellschaftliche und politische Themen werden nebenbei im Schnelldurchlauf angeschnitten und wirken trotz der Kürze hierbei nicht aufgesetzt.

Intelligent, voller sironie und einigen Spitzen, entwickelt die Handlung schnell einen eigenwilligen Sound.
Leider bleibt die Protagonistin einem seltsam fremd. Was zwar gut ihre Persönlichkeit wiedergibt, aber Eve eher als gefühlvolle puppe wirken lässt.

Kein Roman, den man seine ganze Aufmerksamkeit schenken sollte, um ihn in seiner Gänze genießen und schätzen lernen zu können.

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Veröffentlicht am 26.04.2024

Geheimnisse am Gardasee - Kurzweiliger Krimi

Was der See birgt
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“Was der See birgt” von Lenz Koppelstätter ist der kurzweilig geschriebene und durchaus packende Auftakt der neuen Krimireihe rund um die aufgeweckte Polizeireporterin Gianna Pitti.

Handlungsort ist der ...

“Was der See birgt” von Lenz Koppelstätter ist der kurzweilig geschriebene und durchaus packende Auftakt der neuen Krimireihe rund um die aufgeweckte Polizeireporterin Gianna Pitti.

Handlungsort ist der idyllische Gardasee, der zu Beginn des Kriminalromans so gar nicht idyllisch daherkommt. Eine männliche Leiche wurde im Jachthafen gefunden und als Gianna am Tatort ankommt, um erste Informationen für ihren Artikel zu sammeln, erkennt sie mit Schrecken, dass sie den Toten kannte. Sie beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Unterstützung erhält sie von ihrem Onkel und von Elvira, ihrer Chefin. Im Laufe ihrer Nachforschungen bekommt sie es nicht nur mit mysteriösen Fischanhängern und Geheimbünden zu tun, sondern erfährt auch mehr über ihren verschwundenen Vater.

Kurze und knappe Sätze wie auch Kapitel sorgen dafür, dass man von Beginn an regelrecht durch die Seiten fliegt, auch wenn die Spannung nach dem Leichenfund zu Beginn erst mal etwas abflacht. Ab der Mitte nimmt der Krimi jedoch wieder deutlich an Fahrt auf und zum Ende hin überschlagen sich nahezu die Ereignisse und Entwicklungen.
Mir gingen es persönlich dann etwas zu schnell, die Handlung verlor für mich deutlich an Tiefe. Zudem machen neue Entwicklungen zum Ende hin Lust auf den nächsten Band, lassen einen aber auch etwas unbefriedigt zurück.

Wer die Südtirolkrimis vom Autor schon kennt, weiß, dass auch die Landschaft und das italienische Essen eine wichtige Rolle spielen und dass das ein oder andere stereotype Element seinen Eingang in die Handlung findet.

"Was der See birgt" ist ein flüssig geschriebener Kriminalroman, der mit interessanten Charakteren und einer gut durchdachten Handlung aufwarten kann.
Nette Krimiunterhaltung für zwischendurch, mehr aber auch nicht.

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Veröffentlicht am 20.04.2024

Nach dem Abpfiff beginnen die wirklich interessanten Geschichten

Nachspielzeiten
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Die besten Geschichten schreibt der Fußball nicht auf dem Platz, sondern abseits davon bzw. nach dem Abpfiff. Zumindest ist es in dem lebendig und überraschend packend geschriebenen Buch "Nachspielzeiten" ...

Die besten Geschichten schreibt der Fußball nicht auf dem Platz, sondern abseits davon bzw. nach dem Abpfiff. Zumindest ist es in dem lebendig und überraschend packend geschriebenen Buch "Nachspielzeiten" von Lucas Vogelsang der Fall.

Selbst kein großartiger Fußballfan und abseits von den Meldungen in den Medien auch keine weiteren Berührungspunkte mit dem Geschehen in der Fußballwelt, hat der Autor es geschafft, mich mit auf seiner kurzweiligen Reise durch das Leben von, besonders dem Fußballfan bekannten, (ehemaligen) Größen, wie z.B. Pelé, Beckenbauer, Vinnie Jones oder Mehmet Scholl, zu nehmen und mich auf den knapp 300 Seiten gut zu unterhalten.

Während man sich durch die verschiedenen Biografien, großen oder kleine Fußballdramen bzw. -momente tanzt, boxt oder schauspielert, verbleibt der Autor trotz seiner spürbaren Leidenschaft für den Fußball und vor allem die Personen hinter den Namen, auch nicht unkritisch in seiner Darstellung, was stark zur Authentizität der Geschichten beiträgt.

Bedingt durch die Länge der einzelnen Kapitel lässt sich zwar tiefgehend in die jeweiligen Geschichten und Anekdoten eintauchen, schleichen sich aber auch die ein oder andere langatmige Passage ein. Dem Lesegenuss tut dies jedoch keinen Abbruch.

Nicht nur für Fußballfans lesenswert!

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