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Veröffentlicht am 17.05.2021

Eine besondere Darstellung historischer Ereignisse in Romanform

Wenn Martha tanzt
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Enthält Spoiler (am Ende)
"Wenn Martha tanzt" erzählt die Lebensgeschichte von Martha, die 1900 in einem kleinen Dorf von Pommern aufgewachsen ist und anschließend im Bauhaus in Weimar ihre Leidenschaft ...

Enthält Spoiler (am Ende)
"Wenn Martha tanzt" erzählt die Lebensgeschichte von Martha, die 1900 in einem kleinen Dorf von Pommern aufgewachsen ist und anschließend im Bauhaus in Weimar ihre Leidenschaft zum Tanz entdeckt hat. Marthas Leben wird anhand einer Notizbuches, das Jahre später gefunden wird rekonstruiert. Dabei wird tatsächliches Geschehen, mit Fiktion verwoben.

Das Leben und die Erfahrungen von Martha haben mich berührt. Die Geschichte bringt einen in vielen Bereichen zum nachdenken. Es ist spannend zu erfahren, wie es im Bauhaus abgelaufen ist und wie der Nationalsozialismus sich auf Marthas Leben in dem kleinen Dorf Türnow ausgewirkt hat. Besonders gut gelungen finde ich die zwei Ebenen der Geschichte. Auf der einen Seite wird Marthas Leben dargestellt und auf der anderen Seite die Auswirkungen die der Fund des Notizbuches haben. Auch der Schreibstil hat mir grundsätzlich gut gefallen, lediglich die Darstellung von Marthas Kindheit erschien mir etwas wirr und hat mir den Einstieg in den Roman schwer gemacht. Zum Glück bin ich dran geblieben, denn ab Marthas Jugend ist der Erzählung gut zu folgen.

Abgesehen von dem schwierigen Einstieg stellt auch das Ende einen Kritikpunkt für mich dar. Ich empfinde nicht das ganze Ende als misslungen, ein Teil wird schon früh angeteasert und passt für mich sehr gut zu der gesamten Geschichte und Marthas Persönlichkeit. SPOILER: Ein bisschen zu viel war mir allerdings die Verbindung zu 09/11, dieser Part hat für mich nicht zu dem Buch gepasst und einen faden Beigeschmack hinterlassen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.05.2021

Ein vielschichtiges Jugendbuch

ONE OF US IS LYING
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Simon bricht während dem Nachsitzen zusammen und verstirbt kurz darauf im Krankenhaus. Nun geraten die vier Schüler die mit ihm zusammen beim Nachsitzen waren als Verdächtige in den Blick der Polizei. ...

Simon bricht während dem Nachsitzen zusammen und verstirbt kurz darauf im Krankenhaus. Nun geraten die vier Schüler die mit ihm zusammen beim Nachsitzen waren als Verdächtige in den Blick der Polizei. Simon hat eine App betrieben, in der er Geheimnisse von Schülern aufgedeckt hat. Auch dir vier Verdächtigen haben Geheimnisse, die nicht an die Öffentlichkeit dringen sollen. Die Geschichte wird abwechselnd aus den Blickwinkeln der vier Schüler/innen erzählt.
Ich habe lange kein so gutes Jugendbuch gelesen. Die Story war bis zum Ende spannend und hat viele unerwartete Wendungen genommen. Ich wollte das Buch gar nicht aus der Hand legen.
Neben der Spannung, die durch die Aufklärung des Todes von Simon hervorgebracht wurde, haben mir auch alle vier Protagonisten gut gefallen. Alle waren vielschichtig und hatten eine besondere Persönlichkeit. Sie wurden sehr greifbar und im Kontext ihres Lebens dargestellt. Jeder ist anders als zuerst angenommen, dadurch wird die wichtige Botschaft vermittelt, dass Menschen nicht so sind wie ihr Außenbild.
Jeder der vier Protagonisten entwickelt sich im Laufe des Buches. Diese Entwicklungen werden sehr nachvollziehbar gestaltet. Es werden wichtige Themen aufgegriffen und behutsam behandelt. Dabei wird auch die Dynamik der Highschool gut dargestellt.
Der Schreibstil ist sehr angenehm.
Ein sehr spannendes Buch, das aber so viel mehr ist als die Aufklärung eines Todesfalles.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.05.2021

Ein historischer Roman, mit einigen Schwächen

Die Walfängerin von Borkum
4

Die Walfängerin von Borkum spielt im Jahre 1653 auf der Insel Borkum. Nach der Verlobung von Fenja und Joris, macht sich Joris auf eine gefährliche Reise, denn er ist Commandeur auf einem Walfänger. Auf ...

Die Walfängerin von Borkum spielt im Jahre 1653 auf der Insel Borkum. Nach der Verlobung von Fenja und Joris, macht sich Joris auf eine gefährliche Reise, denn er ist Commandeur auf einem Walfänger. Auf Borkum gerät Fenja in eine schwierige Situation und Joris muss sich in dem hart umkämpften Feld des Walfangs behaupten.
Die Darstellung des Lebens auf der Insel und der Bedingungen der Seefahrt gelingen der Autorin außerordentlich gut. Man sieht die Situationen quasi vor sich. Die geschichtlichen Hintergründe scheinen gut recherchiert zu sein. Gerade die Thematik des Walfangs hat mich sehr interessiert, da ich bisher noch keine Berührungspunkte oder Kenntnisse diesbezüglich hatte. In Bezug auf die Thematik des Walfangs hat mich das Buch nicht enttäuscht.
Auch das Cover ist meiner Meinung nach gut gewählt und passt zur Stimmung der Geschichte.
Die Ausgangssituation ist spannend gewählt, sodass sich viele Entwicklungsmöglichkeiten für die Handlung ergeben. Das Buch lässt sich leicht lesen und bietet einen Unterhaltungswert. Die Lektüre ist an keiner Stelle langweilig oder langatmig. Es gelingt, durch fesselnde Szenen, Spannung aufzubauen und diese auch zu halten. Der Schreibstil ist sehr angenehm.
Anfangs war ich von den Charakteren sehr begeistert, allerdings kam mir die Charakterentwicklung von Fenja deutlich zu kurz. Sie stand während der ganzen Geschichte vor dem gleichen innerlichen Dilemma, welches sie selbst nicht aufzulösen vermochte und nur durch äußere Einwirkungen aus ihrer Situation befreit wurde. Das fand ich schade, vor allem da sie als "fest entschlossen" dargestellt wurde. Auch einige andere Charaktere bleiben im Verlaufe der Geschichte etwas zu blass. Einige Figuren wurden aber auch toll ausgearbeitet, ganz besonders Neele war für mich sehr greifbar.
Teilweise haben einige Entwicklungen oder Entscheidungen der Charaktere, vor allem am Ende des Buches, auf mich nicht nachvollziehbar gewirkt und manches geschah für mich zu plötzlich.
Mein größter Kritikpunkt ist aber definitiv der Klappentext, dieser verrät viel zu viel. Ich würde jedem Leser empfehlen den Klappentext vorher nicht zu lesen. Auch der Buchtitel ist meiner Meinung nach etwas irreführend gewählt.
Insgesamt ist es ein angenehm zu lesendes Buch, mit ein paar Schwächen, vor allem in der Charakterentwicklung.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 05.05.2021

Ein tolles Jugendbuch über den Umgang mit Trauer

Alles, was passieren wird
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Iris ist nach dem Tod ihrer Mutter verzweifelt und zieht sich in sich selbst zurück. Erst die Bekanntschaft der Stute Bellina und Lisa, die ihre Hilfe braucht, holen sie aus ihrem Schneckenhaus.

Ein wunderschönes ...

Iris ist nach dem Tod ihrer Mutter verzweifelt und zieht sich in sich selbst zurück. Erst die Bekanntschaft der Stute Bellina und Lisa, die ihre Hilfe braucht, holen sie aus ihrem Schneckenhaus.

Ein wunderschönes Jugendbuch über Verlust, Freundschaft, Trauer, Vertrauen und Hoffnung. Man erlebt den Heilungsweg von Iris. Dabei werden ihre Gefühle so nahbar und verständlich rübergebracht. Man fühlt sich richtig in dieses Mädchen und ihre Gedankengänge hinein. Dabei bleibt die Darstellung aber angenehm zurückhaltend und unaufgeregt.

Besonders begeistert hat mich der Zusammenhalt der Freunde und ihr Mut für ihre eigenen Ziele einzustehen. Auch die realistische Darstellung der Tierhaltung und sich daraus ergebenden Problemen hat mir gut gefallen. Die Liebe zu Tieren wurde wunderbar vermittelt.

Scheinbar ganz nebenbei, aber trotzdem passend, hat die Autorin wichtige Themen, wie Umweltschutz und Krankheiten mit in den Roman eingebaut. Das Ende ist offen, aber lässt einen doch nicht verloren, sondern voller Hoffnung zurück. Es bleibt, im Laufe der ganzen Geschichte, viel Interpretationsspielraum. Diese Möglichkeit die Geschehnisse selbst zu interpretieren fand ich besonders gut. Gab es eine besondere Verbindung oder etwas übersinnliches? Das kann der Lese für sich selbst entscheiden. An ein oder zwei Stellen, hätte ich mir aber tatsächlich etwas mehr Aufklärung gewünscht.

Ein tolles Jugendbuch, das zum Nachdenken anregt und Hoffnung schenkt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.05.2021

Ein spannender Kriminalroman

Der fremde Gast
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Rebecca Brandt wird von einem Bekannten in ihrem Haus in Südfrankreich besucht. Dieser bringt zwei trampende Studenten mit. In Deutschland wird ein grausames Verbrechen begangen. Im Laufe der Geschichte ...

Rebecca Brandt wird von einem Bekannten in ihrem Haus in Südfrankreich besucht. Dieser bringt zwei trampende Studenten mit. In Deutschland wird ein grausames Verbrechen begangen. Im Laufe der Geschichte werden die Zusammenhänge zwischen den Personen aufgedeckt.

Der Kriminalroman ist, wie man es von Charlotte Link gewohnt ist sehr spannend und voller unerwarteter Wendungen. Der Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm zu lesen. Die Autorin versteht es Spannung aufzubauen und den Leser in ihren Bann zu ziehen. Für mich war die Geschichte in sich schlüssig und nachvollziehbar, wenn auch überhaupt nicht vorhersehbar.

Leider war ich von der Darstellung der einzelnen Charaktere sehr enttäuscht. Fast alle Frauen wurden als schwach dargestellt und haben sich von ihren Männern abhängig gemacht. Jede der dargestellten Beziehungen wies die gleichen schrägen Machtverhältnisse aus. Eine Notwendigkeit alle Beziehungen auf diese Weise auszugestalten bestand meiner Meinung nach nicht. Aus diesem Grund gab es für mich einen faden Beigeschmack.

Der Kriminalroman ist angenehm zu lesen und wirklich fesselnd. Aus der feministischen Perspektive gibt es allerdings ein paar Kritikpunkte. Ob man während dem Lesen darüber hinwegsehen kann, oder das als nicht problematisch ansieht, ist eine persönliche Entscheidung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere