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Veröffentlicht am 25.08.2025

Ein schonungslos ehrlicher Roman über familiären Alkoholismus

Das Schwarz an den Händen meines Vaters
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Eine Familie, geprägt vom generationsübergreifenden Alkoholismus - im Mittelpunkt die Protagonistin, von ihrem Vater liebevoll Motte genannt. Zwischen den beiden besteht eine enge Verbindung - getragen ...

Eine Familie, geprägt vom generationsübergreifenden Alkoholismus - im Mittelpunkt die Protagonistin, von ihrem Vater liebevoll Motte genannt. Zwischen den beiden besteht eine enge Verbindung - getragen von Liebe, aber auch gezeichnet von Schmerz.

Motte schildert ihr Heranwachsen in einem familiären Umfeld, das stark von der Alkoholsucht des Vaters geprägt ist. Als junge Erwachsene gerät auch sie selbst in ein problematisches Trinkverhalten und findet sich in teils prekären Lebenssituationen wieder. Erst als ihr Vater mit Krebs im Endstadium diagnostiziert wird, beginnt sie, ihr eigenes Leben kritisch zu hinterfragen und neue Wege zu suchen.

Der Schreibstil ist klar, nüchtern und ehrlich. Lena Schätte beschönigt nichts - Konflikte, Scham, Ohnmacht und emotionale Ambivalenz werden offen benannt. Gerade dadurch entsteht ein intensiver, mitunter verstörender Einblick in das familiäre Zusammenleben mit einem suchtkranken Elternteil, insbesondere aus der Perspektive derer, die mitleiden, aber oft schweigen. Ein besonderes Augenmerk liegt hier auf der Rolle der Frauen innerhalb dieser Familienstruktur, die in diesem Roman als Hauptleidtragenden sichtbar werden.
Trotz aller Schwere spart die Autorin die kleinen, liebevollen Momente nicht aus - jene Augenblicke, in denen Nähe, Liebe und echte Verbindungen spürbar sind. Gerade diese machen den Roman nicht nur schmerzhaft, sondern auch berührend schön.

Mottes Gefühlswelt - Zerrissenheit, Wut, Scham, Fürsorge, Mitgefühl und tiefe Liebe - ist durchweg greifbar. Man begleitet sie durch Krisen und Selbstzweifel und entwickelt ein tiefes Verständnis für ihre Geschichte.

Das Schwarz an den Händen meines Vaters hat mich tief bewegt - ein Roman, der schmerzt, berührt und lange nachhallt.

Eine klare Leseempfehlung für alle, die sich von ehrlicher, tiefgründiger Literatur bewegen lassen wollen.

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Veröffentlicht am 24.08.2025

„Das Meer gibt, und das Meer nimmt“ – ein Roman über weibliche Stärke, Schicksal und Verbundenheit

Unbeugsam wie die See
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Das Cover hat mich sofort angesprochen: düster, mystisch und mit liebevollen Details versehen, die eine geheimnisvolle Unterwasserwelt andeuten. Auch die Haptik des Einbands - rau und ungewöhnlich - macht ...

Das Cover hat mich sofort angesprochen: düster, mystisch und mit liebevollen Details versehen, die eine geheimnisvolle Unterwasserwelt andeuten. Auch die Haptik des Einbands - rau und ungewöhnlich - macht das Buch nicht nur optisch, sondern auch physisch zu einem Erlebnis. In Kombination mit dem poetischen Titel Unbeugsam wie die See war meine Neugier geweckt – ich wollte wissen, welche Geschichte sich dahinter verbirgt.

Der Roman erzählt von zwei Schwesternpaaren in drei Zeitebenen:

2019 flieht die Journalistik-Studentin Lucy an die australische Küste zu ihrer Schwester Jess, nachdem sie im Schlaf ihren Ex-Freund gewürgt hat – eine beängstigende Erfahrung, deren Konsequenzen sie nun fürchtet. Doch Jess ist spurlos verschwunden und Lucy begibt sich auf Spurensuche. Dabei stößt sie auf die rätselhafte Geschichte der Küstenstadt: versunkene Schiffe, verschwundene Männer, ein in einer Höhle gefundenes Baby und Gerüchte über Frauengesang aus dem Meer.

1999 erleben wir die sechzehnjährige Jess, die sich in ihrer Andersartigkeit einsam und unverstanden fühlt. Sie spürt, dass ihre Familie ein Geheimnis verbirgt und findet Trost in der Malerei.

1800 begegnen wir Mary und Eliza – zwei Frauen, die nach einem Vorfall von Irland nach Australien deportiert wurden und auf einem Gefangenenschiff um ihre Zukunft bangen.

Doch Unbeugsam wie die See erzählt von so viel me(e)hr. Im Mittelpunkt steht die weibliche Selbstbestimmung in einer von patriarchalen Strukturen geprägten Welt. Themen wie Familie, Zusammenhalt, Gerechtigkeit, Anderssein, Schmerz, Liebe und eine Prise Magie ziehen sich durch die Erzählung.

Emilia Harts Schreibstil ist flüssig, angenehm zu lesen und schafft eine atmosphärische Stimmung in der das Meer eine zentrale, verbindende Rolle spielt. Besonders die Passagen in der Vergangenheit sind eindrucksvoll und emotional und haben mich tief berührt.

Auch wenn einige Entwicklungen vorhersehbar waren - hier hätte ich mir gelegentlich mehr Überraschung und Tiefe gewünscht - hat mich die Geschichte dennoch gefesselt.

Das Ende kam für meinen Geschmack etwas abrupt und ließ ein paar Fragen offen - ein etwas ausführlicher Ausklang hätte die Geschichte für mich runder gemacht.

Fazit:
Ein atmosphärischer, feministisch geprägter Roman über generationsübergreifende Verbundenheit, innere Stärke und das Meer als Symbol für Veränderung und Freiheit. Ich empfehle Unbeugsam wie die See allen Leserinnen und Lesern, die gerne tiefgründige, leicht mystische Geschichten über starke Frauenfiguren lesen.

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Ein berührender Roman über Liebe, Verlust, Familiengeheimnisse und die Macht der Vergangenheit.

Ehemänner & Liebhaber
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Als Mallory erfährt, dass ihr Sohn dringend eine Spenderniere braucht, wird sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert – denn weder sie noch ihre Schwester kommen als Spender infrage. Die einzige Hoffnung: ...

Als Mallory erfährt, dass ihr Sohn dringend eine Spenderniere braucht, wird sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert – denn weder sie noch ihre Schwester kommen als Spender infrage. Die einzige Hoffnung: Monk Adams, der berühmte Sänger und Vater ihres Sohnes, der bislang nichts von seiner Vaterschaft wusste. Parallel dazu entfaltet sich die Geschichte der ungarischen Kriegsflüchtigen Hannah im Kairo der 1950er-Jahre – zwei Leben, zwei Zeiten, geschickt miteinander verwoben.

Der Schreibstil ist klar und flüssig. In der E-Book-Version sind mir jedoch einige grammatikalische Fehler aufgefallen, die den Lesefluss stellenweise etwas beeinträchtigt haben.

Trotz einiger vorhersehbarer Wendungen bleibt die Handlung fesselnd - vor allem dank der beiden Hauptfiguren Mallory und Hannah, die lebendig, nahbar und einfühlsam gezeichnet sind. Man leidet, hofft und fühlt mit ihnen – ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und war tief gerührt von ihren Geschichten. Besonders Hannahs Geschichte hat mich bewegt: Der historische Bezug und die vielen Schicksalsschläge, die sie erleiden muss, gehen unter die Haut.

Fazit:
Ein empfehlenswerter Roman für alle, die tiefgründige, gefühlvolle Liebesgeschichten mit einem historischen Hintergrund mögen. Emotionen, Familiengeheimnisse und ein Hauch Dramatik machen Ehemänner und Liebhaber zu einem bewegenden Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Wenn der Schein trügt

Blaues Wunder
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Eine Luxusyacht in den Philippinen. Drei Paare. Traumhaftes Wetter und aufmerksames Personal, das beinahe jeden Wunsch zu erahnen scheint. Es könnte der perfekte Urlaub sein - wären da nicht die Geheimnisse, ...

Eine Luxusyacht in den Philippinen. Drei Paare. Traumhaftes Wetter und aufmerksames Personal, das beinahe jeden Wunsch zu erahnen scheint. Es könnte der perfekte Urlaub sein - wären da nicht die Geheimnisse, Machtspiele, Intrigen und schwelende Konflikte, die das Idyll zunehmend trüben.
Schließlich sieht sich jedes Paar - vor allem aber jede Frau - mit ganz eigenen Krisen konfrontiert, denen sie sich stellen muss. Und das tut jede Frau auf ihre eigene Art und Weise…

Anne Freytag hat mich durch ihren flüssigen, klaren und atmosphärischen Schreibstil sofort in den Bann ihrer Geschichte gezogen. Die kurzen Kapitel, jeweils erzählt aus der Perspektive einer der drei Frauen, verleihen dem Erzählfluss Tempo und ermöglichen einen vielschichtigen Blick auf das Geschehen. Dabei schafft es die Autorin, ihre Protagonistinnen durch innere Monologe nahbar und interessant zu gestalten. Ihre Gedanken, Wünsche, Zweifel und innere Wunden werden auf eindrucksvolle Weise offengelegt und ein tiefer Einblick in ihre Innenwelten gewährt.

Blaues Wunder ist für mich ein Lesehighlight: intensiv, spannend und psychologisch feinfühlig. Ein fesselnder, klug konstruierter Roman, den ich kaum aus der Hand legen konnte.

Eine klare Empfehlung für alle, die vielschichtige Geschichten über zwischenmenschliche Beziehungen, weibliche Selbstbestimmung und gesellschaftliche Machtstrukturen lieben.

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