Ein schonungslos ehrlicher Roman über familiären Alkoholismus
Das Schwarz an den Händen meines VatersEine Familie, geprägt vom generationsübergreifenden Alkoholismus - im Mittelpunkt die Protagonistin, von ihrem Vater liebevoll Motte genannt. Zwischen den beiden besteht eine enge Verbindung - getragen ...
Eine Familie, geprägt vom generationsübergreifenden Alkoholismus - im Mittelpunkt die Protagonistin, von ihrem Vater liebevoll Motte genannt. Zwischen den beiden besteht eine enge Verbindung - getragen von Liebe, aber auch gezeichnet von Schmerz.
Motte schildert ihr Heranwachsen in einem familiären Umfeld, das stark von der Alkoholsucht des Vaters geprägt ist. Als junge Erwachsene gerät auch sie selbst in ein problematisches Trinkverhalten und findet sich in teils prekären Lebenssituationen wieder. Erst als ihr Vater mit Krebs im Endstadium diagnostiziert wird, beginnt sie, ihr eigenes Leben kritisch zu hinterfragen und neue Wege zu suchen.
Der Schreibstil ist klar, nüchtern und ehrlich. Lena Schätte beschönigt nichts - Konflikte, Scham, Ohnmacht und emotionale Ambivalenz werden offen benannt. Gerade dadurch entsteht ein intensiver, mitunter verstörender Einblick in das familiäre Zusammenleben mit einem suchtkranken Elternteil, insbesondere aus der Perspektive derer, die mitleiden, aber oft schweigen. Ein besonderes Augenmerk liegt hier auf der Rolle der Frauen innerhalb dieser Familienstruktur, die in diesem Roman als Hauptleidtragenden sichtbar werden.
Trotz aller Schwere spart die Autorin die kleinen, liebevollen Momente nicht aus - jene Augenblicke, in denen Nähe, Liebe und echte Verbindungen spürbar sind. Gerade diese machen den Roman nicht nur schmerzhaft, sondern auch berührend schön.
Mottes Gefühlswelt - Zerrissenheit, Wut, Scham, Fürsorge, Mitgefühl und tiefe Liebe - ist durchweg greifbar. Man begleitet sie durch Krisen und Selbstzweifel und entwickelt ein tiefes Verständnis für ihre Geschichte.
Das Schwarz an den Händen meines Vaters hat mich tief bewegt - ein Roman, der schmerzt, berührt und lange nachhallt.
Eine klare Leseempfehlung für alle, die sich von ehrlicher, tiefgründiger Literatur bewegen lassen wollen.