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Veröffentlicht am 03.03.2019

Literarisch hochwertig und zu Herzen gehend

Fünf Tage im Mai
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Der erste Blick auf das Buch Fünf Tage im Mai zeigt, dass hier ein besonderes Werk vor einem liegt. Das Cover ist einzigartig gestaltet und fällt aus dem Rahmen der momentan üblichen Fotos. Wer den Schutzumschlag ...

Der erste Blick auf das Buch Fünf Tage im Mai zeigt, dass hier ein besonderes Werk vor einem liegt. Das Cover ist einzigartig gestaltet und fällt aus dem Rahmen der momentan üblichen Fotos. Wer den Schutzumschlag nicht haben möchte, wird sich an dem geschmackvollen Einband erfreuen. Decke und Rücken schauen aus, als seien sie in dünnes Holz gefasst. Die Maserung ist gut zu erkennen. Den Rücken zieren Titel und Name der Autorin in hellroter, glänzender Schrift.

Fünf Tage im Mai fängt mit der Kommunion der Hauptperson Illy an. Der Leser erfährt, warum der Urgroßvater Tat´ka heißt und was die beiden verbindet. Sofort ist klar, wie sehr die Kleine an ihm hängt, und, was noch viel wichtiger ist, warum dies der Fall ist.

Die Autorin beschreibt fünf Tage im Mai, die nicht in einem Zeitabschnitt stattfinden. Es liegen etliche Jahre dazwischen, jedoch ist jeder dieser Tage ein Meilenstein im Leben Illys. Es sind insgesamt 20 Jahre, die von Freude und großem Leid geprägt sind. Obwohl Illy zwischenzeitlich wenig Zeit für ihren Urgroßvater hat, er versteht sie sehr gut, und das besser als sie sich vorstellen kann.

Das Buch Fünf Tage im Mai las ich an einem Tag durch. Ich war dermaßen gefesselt, dass ich es nicht aus der Hand legen konnte. Die liebevolle Beschreibung der Eigenarten des Seniors (er putzte sein Gebiss mit Zeitungspapier und verlegte es hin und wieder) war nur ein Grund dafür. Auch die konsequente Haltung von Illy gefiel mir gut, obwohl es zwischendurch nicht so aussah als hätte sie Rückgrat.

Der Roman beweist, was Vertrauen bedeutet und dass Liebe viel mehr ist, als nur der Austausch von Körperflüssigkeiten. Die Sprache ist so lebendig, dass ich mir alle Orte des Geschehens vor meinen inneren Augen sehen konnte. Auch die Sorge des Urgroßvaters über die Schäden an der Natur konnte ich nachvollziehen. Er ist in einer Gegend aufgewachsen, die nicht von Touristen besucht wurde. Das änderte sich in den letzten Jahren rapide und es wurde Raubbau an der Natur betrieben. Kein Wunder, dass er am liebsten für sich war und oft nur Illy neben sich duldete.

Veröffentlicht am 02.03.2019

Sehr berührend und aufwühlend

Annas Rückkehr
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Tausende Kinder, Jugendliche und Erwachsene wurden zwangssterilisiert und ermordet, weil sie in den Augen der Machthaber nicht der „Norm“ entsprachen und nur als Kostenverursacher angesehen wurden.

In ...

Tausende Kinder, Jugendliche und Erwachsene wurden zwangssterilisiert und ermordet, weil sie in den Augen der Machthaber nicht der „Norm“ entsprachen und nur als Kostenverursacher angesehen wurden.

In dem Buch Annas Rückkehr von Rose Philipps geht es um Anna, die nach Jahren wieder in ihre Heimatstadt Berlin zurückkehrt. Sie lebt in den USA und ist dort eine gefeierte Opernsängerin. 1955 liegt die heutige Hauptstadt noch immer an vielen Orten in Schutt und Asche, aber das Elternhaus Annas steht noch. Obwohl sie seit ihrer erzwungenen Auswanderung keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern und dem Bruder Anton hatte, möchte sie ihnen einen Besuch abstatten.

Annas Rückkehr wird in zwei Zeitebenen erzählt. Das ist die grausame Epoche in der die Nationalsozialisten unter Hitler ihre Macht auf perfide Weise zum Morden nutzen und das Jahr 1955, in dem Anna ihre Mutter und den Bruder wieder sieht. Zunächst berichtet Grete (die Mutter), wie sie mit Anton in die Berge nach Marndorf fährt und dort mit ihm eine gute Zeit verbringt. Als Hebamme hilft sie nicht nur ihrer Pensionswirtin, sie wird auch zu einer Geburt gerufen, die nicht glücklich verläuft. Die Ehefrau eines Hitlerfreundes und Parteimitglieds der ersten Stunde, liegt in den Wehen und Greta hilft so gut sie es vermag. Das Kind stirbt, aber die junge Frau mit Namen Elli kann durch das beherzte Eingreifen Gretas gerettet werden.

Greta und Elli verbindet eine innige Freundschaft, die sich in harten Prüfungen zu bewähren hat. Nach dem raschen Tod der Mutter begeben Anna und ihr Bruder sich auf die Suche nach Zeitzeugen, die ihnen mehr über Grete und deren Freundin Ella berichten können. Diese Spurensuche zeigt, dass die jungen Leute nur sehr wenig über die Eltern wussten und erst jetzt, nach deren Tod, die ganze Wahrheit erfahren.

Annas Rückkehr ist ein Buch, welches mich sofort in seinen Bann zog. Die klare Sprache und die perfekt dargestellten Charaktere machten den Roman für mich zu einem Hochgenuss. Aber auch die Beschreibung der Euthanasie. Und das nicht bei Juden oder Roma, nein, es waren „arische“ Kinder. Wie viele wurden ohne eingehende Untersuchung als „idiotisch“ oder „Krüppel“ oder „minderwertig“ beurteilt. Und das völlig haltlos und nur vom Schreibtisch aus. Wer heute sagt, dass es wieder einen „kleinen Hitler“ geben müsse, der sollte sich schämen. Was damals geschah, darf niemals vergessen oder gar verharmlost werden.

Beim Lesen des Buches fiel mir ebenfalls auf, dass die Huldigungen für den „Führer“ durchaus normal waren. Wer Kritik übte durfte das nur ganz leise und im Verborgenen. Und was war danach? Als die Gräueltaten herauskamen und der Adolf sich das Leben nahm? Keiner wusste etwas und selbst die Ehefrauen der Akteure hatten die berühmten Scheuklappen auf. Das wird im Buch Annas Rückkehr sehr gut dargestellt.

AnnasRückkehr

NetGalleyDE

Veröffentlicht am 27.02.2019

(K)ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Das wilde Herz des Westens
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Das wilde Herz des Westens ist ein Roman, der aus der Feder von Alexandra Fischer stammt. Es ist nicht ihr erstes Buch und wird, so hoffe ich, auch nicht ihr letztes sein. Sie ist im Internet zu finden ...

Das wilde Herz des Westens ist ein Roman, der aus der Feder von Alexandra Fischer stammt. Es ist nicht ihr erstes Buch und wird, so hoffe ich, auch nicht ihr letztes sein. Sie ist im Internet zu finden und das unter dem Namen „Wortfischerin“. Das passt und bedarf keiner großen Erklärung meinerseits.

Das wilde Herz des Westens beschreibt historische Ereignisse und handelt von den relativ unbekannten Mail order brides. Alleinstehende Frauen möchten dem Einerlei des Alltags entfliehen und melden sich auf Zeitungsannoncen heiratswilliger Männer. Diese ziehen in den Westen Amerikas und suchen Frauen, die sie dabei begleiten. Montana ist das Ziel und hier möchten die Siedler sich eine Existenz aufbauen.

Phoebe ist ein Mädel, welches von ihren Eltern verwöhnt wurde. Ihre beste Freundin Briana lebt seit ihrer Kindheit bei ihr und sie verbindet eine innige Freundschaft. Phoebe zieht es zu einem Mann, den sie per Annonce kennenlernte und den sie heiraten möchte. Briana soll sie auf dem Weg zu ihm begleiten. So weit, so gut. Der nette Bräutigam entpuppt sich als gesuchter Bandit und trotzdem bleibt Phoebe dabei, dass sie mit ihm in Montana leben möchte.

Der Weg im Treck gestaltet sich beschwerlich und es gibt einige gefährliche Situationen, die zu bewältigen sind. Es zeigt sich schnell, wem die Reisenden ihr Vertrauen schenken können und wer sie betrügen möchte. Die Überfälle der Ureinwohner, der Indianer, machen den Treck zu einem riskanten Unterfangen.

Das wilde Herz des Westens gefiel mir aus mehreren Gründen so gut. Die Autorin hat die Indianer nicht als „wilde Horde“ oder einseitig böse beschrieben. Sie erläuterte auch deren Situation, die mit Sicherheit nicht einfach war. Die historischen Fakten kommen in dem Roman nicht zu kurz und die Strapazen der Siedler werden authentisch geschildert. Der Stil gefiel mir ebenfalls und auch die Tatsache, dass Alexandra Fischer für ihr Buch ein Thema wählte, welches nur wenigen bekannt sein dürfte. Das wilde Herz des Westens empfehle ich allen Lesern, die sich für die Geschichte der USA interessieren.

Veröffentlicht am 25.02.2019

Sehr schöne Fortsetzung der Reihe

Das Gutshaus in der Toskana
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Es kam schon oft vor, dass ich Reihen las und nur der erste Band mich wirklich begeistern konnte. Beim zweiten Buch war ich dann froh, als ich es endlich ausgelesen hatte. Nicht bei dieser Reihe rund um ...

Es kam schon oft vor, dass ich Reihen las und nur der erste Band mich wirklich begeistern konnte. Beim zweiten Buch war ich dann froh, als ich es endlich ausgelesen hatte. Nicht bei dieser Reihe rund um die Toskana. Die Tochter der Toskana gefiel mir ausgesprochen gut und ich ging mit großer Erwartung ans Lesen von Das Gutshaus in der Toskana heran. Und wie schön, dass ich nicht enttäuscht wurde.

Im Gutshaus in der Toskana wird das Leben der beiden Hauptpersonen Marco und Antonella weiter erzählt. Sie müssen einige Schicksalsschläge hinnehmen, was beiden fast das Leben kostet. Zum Glück haben sie bei allem Leid aber immer auch Menschen, die ihnen hilfreich zur Seite stehen. Und, was noch wichtiger ist, sie verlieren nicht ihr Vertrauen zueinander. Dass das nicht ohne Tränen oder gar Streit durchlebt werden kann, ist normal. Aber beiden hilft es, über ihre Ängste und Sorgen zu reden.

Auch der zweite Band der Toskana Sage von Karin Seemayer hat mich restlos überzeugt. Ich war noch nie in Italien, aber dank der bildhaften Beschreibung der Landschaft kann ich mir diese tatsächlich vorstellen. Was mir ebenfalls sehr imponierte ist, dass die Autorin das Pflanzen und die Pflege von Weinreben perfekt beschrieben hat.

Das Gutshaus in der Toskana ist ein historischer Roman, der diese Bezeichnung wirklich verdient hat. Zudem ist er spannend und im ansprechenden Stil geschrieben. Das Cover gefällt mir besser, als beim ersten Band. Wer Die Tochter der Toskana schon las, sollte nicht versäumen, Das Gutshaus in der Toskana zu lesen. Aber auch Leser, die den ersten Band nicht kennen, können mit dem zweiten beginnen. Die Autorin wiederholt die wichtigen Ereignisse auch dort und es fällt nicht schwer, der Story zu folgen.