Ein Buch, das tief berührt
Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104Es gibt so viele unglaubliche Dinge, die sich nach dem Krieg in deutschen Kinderheimen abspielten. „Du musst meine Hand fester halten Nummer104“ hat diese übelsten Unsitten zum Thema. Ein Junge verliert ...
Es gibt so viele unglaubliche Dinge, die sich nach dem Krieg in deutschen Kinderheimen abspielten. „Du musst meine Hand fester halten Nummer104“ hat diese übelsten Unsitten zum Thema. Ein Junge verliert im Krieg seine Familie und landet in einem Heim. Hier bekommt er zwar einen Namen, wird aber von den strengen Schwestern nur mit 104 gerufen. Welch eine Qual für den Kleinen. Die sogenannte Erziehung ist streng und vereinbart sich absolut nicht mit dem Gebaren derjenigen, die für die Kinder verantwortlich sind. Bei kleinsten Unregelmäßigkeiten warten drakonische Strafen auf alle Kinder. Nur Sonntags versammeln sich alle in der Kapelle und beten gemeinsam für ihr Seelenheil. Welch eine Farce.
Hartmut, so heißt Nr. 104, macht Misshandlungen bis zu sexuellem Missbrauch mit. Wäre nicht seine große Freundin Margret an seiner Seite, er hätte seinem Leben schon längst ein Ende gesetzt. Was die beiden an Schikanen durchlitten, das können sie nie vergessen. Ist es ein Wunder, dass sie nicht so sind, wie Menschen, die ähnliches Leid nicht hinnehmen mussten? Leider erkennt ihre Tochter, Enkelin und ihre Urenkelin nicht, was in den beiden schlummert.
Vera Teltz ist eine Sprecherin, die das Hörbuch perfekt vermittelt. Das führte dazu, dass mich die Geschichte völlig gefangen nahm. Diese Grausamkeit gegenüber den Kleinen, das war für mich schwer auszuhalten. Nicht ohne Grund gibt die Autorin vorab eine Triggerwarnung. Und ich denke, dass sie gerechtfertigt ist. Nein, es ist keineswegs ein Buch, das zur Unterhaltung geschrieben wurde.