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Veröffentlicht am 13.03.2026

Tolle Romance mit trockenem Humor und viel Charme

Morbidly Yours
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4,25 ⭐️ Nach einem schmerzhaften Verlust beschließt die erfolgreiche Animationsdesignerin Lark einen Neuanfang in Irland zu wagen und trifft auf den irischen Bestatter Callum, der es mit seiner grummeligen, ...

4,25 ⭐️ Nach einem schmerzhaften Verlust beschließt die erfolgreiche Animationsdesignerin Lark einen Neuanfang in Irland zu wagen und trifft auf den irischen Bestatter Callum, der es mit seiner grummeligen, zurückgezogenen Art schwer hat eine Frau zu finden. Aber genau die braucht er dringend, wenn er das Familienunternehmen übernehmen möchte, denn nur wenn er verheiratet ist, kann Callum das Bestattungsunternehmen seiner Großeltern erben. Schon die Ausgangslage von Morbidly Yours klang für mich einfach zu gut, um das Buch nicht lesen zu wollen. Was als ungewöhnliche Zweckgemeinschaft beginnt, entwickelt sich zu einer Freundschaft und mit der Zeit zu etwas deutlich Komplizierterem, als beide ursprünglich geplant hatten.

Die doch eher ungewöhnlichen Berufe der beiden Protagonisten (vor allem in dieser Kombi) hat mich direkt gereizt, weil diese Gegensätze eine sehr lustige Dynamik versprechen, die das Buch auch genau erfüllt hat. Es entstehen immer wieder witzige Situationen und Dialoge durch diese Dynamik.

Mein persönliches Highlight war aber ganz klar der Humor, der sich durch das ganze Buch zieht. Vor allem Callums extrem trockene Art hat mich wirklich oft zum Lachen gebracht. Das ist definitiv eine Art Humor, die man mögen muss, aber für mich hat es perfekt funktioniert. Zusammen mit der Situationskomik in manchen Szenen war das Buch stellenweise wirklich überraschend lustig, auch wenn es ernste Themen behandelt.

Auch der Grumpy x Sunshine-Trope funktioniert hier richtig gut. Callum ist eher ruhig, reserviert und manchmal etwas unbeholfen, während Lark deutlich offener und lebensfroher ist. Die Dynamik zwischen den beiden fühlt sich dadurch sehr natürlich an und passt einfach zu ihren Persönlichkeiten. Ein weiteres großes Plus war für mich das Setting in Galway. Die Stadt und ihre Umgebung werden so gemütlich und malerisch beschrieben, dass beim Lesen sofort eine sehr cozy Atmosphäre entsteht.

Was ich außerdem besonders angenehm fand: Die Protagonisten sind beide über 30 und verhalten sich auch entsprechend erwachsen. In vielen Romance- oder New-Adult-Büchern sind die Figuren deutlich jünger, weshalb ich mich manchmal schwerer mit ihnen identifizieren kann. Hier bringen beide schon Lebenserfahrung mit, was die Geschichte für mich deutlich greifbarer gemacht hat.
Die Lovestory selbst entwickelt sich ebenfalls sehr angenehm. Sie wirkt realistisch und nahbar, ohne dass plötzlich nach wenigen Kapiteln große Liebesgeständnisse fallen. Gleichzeitig passiert die emotionale Entwicklung aber auch nicht erst auf den letzten Seiten, sondern baut sich über das Buch hinweg glaubwürdig auf.
Der Spice war nicht ganz mein Geschmack, aber für mich absolut okay. Es waren auch nicht übermäßig viele Szenen. Wer solche Szenen generell nicht gerne liest, kann sie meiner Meinung nach problemlos überspringen, ohne dass etwas Wichtiges für die Handlung verloren geht.

Besonders schön fand ich außerdem die Repräsentation im Buch. Callum bewegt sich gefühlt im leichten A-Spektrum und sein Charakter wirkt teilweise auch neurodivergent angelegt. Diese Aspekte werden aber nicht übermäßig hervorgehoben oder erklärt, sondern fügen sich ganz natürlich in die Geschichte ein. Genau diese unaufdringliche Art der Darstellung hat mir sehr gut gefallen.
Der Schreibstil von Ivy Fairbanks ist insgesamt leicht, locker und sehr angenehm zu lesen, wodurch man schnell durch die Geschichte kommt.

Insgesamt gebe ich dem Buch 4,25 von 5 Sternen. Morbidly Yours ist eine wirklich schöne Romance mit einem tollen Setting und einer interessanten Handlung neben der Lovestory. Mein persönliches Highlight war aber definitiv der trockene Humor in Kombination mit der gelungenen Repräsentation. Dadurch hat sich das Buch für mich deutlich von vielen anderen Romance-Geschichten abgehoben. Klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 20.10.2025

Starker Romantasy-Auftakt mit düsterer Magie, Intrigen und verbotener Liebe

Heartless Hunter. Der rote Nachtfalter, Band 1
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In Heartless Hunter begegnet uns eine düstere Welt, in der Hexen nach der Revolution gnadenlos verfolgt werden. Rune Winters, die tagsüber als Adlige lebt, nachts aber als „roter Nachtfalter“ agiert, gerät ...

In Heartless Hunter begegnet uns eine düstere Welt, in der Hexen nach der Revolution gnadenlos verfolgt werden. Rune Winters, die tagsüber als Adlige lebt, nachts aber als „roter Nachtfalter“ agiert, gerät sie ins Visier des Hexenjägers Gideon Sharpe, weil bei einer Mission etwas schiefgeht. Zwischen den beiden entwickelt sich ein gefährliches Spiel aus Täuschung, Loyalität und wachsendem Vertrauen, das mehr mit ihnen selbst zu tun hat, als sie zunächst ahnen. Heartless Hunter ist der Auftakt einer neuen Romantasy-Dilogie, der eine Enemies-to-Lovers-Dynamik mit politischer Spannung, Magie und moralischen Fragen verbindet.

Was mir besonders gefallen hat, ist die Welt, die Kristen Ciccarelli erschaffen hat: atmosphärisch, von „religiösem“ Fanatismus, Angst und Macht geprägt, und doch gibt es immer wieder Momente leiser Hoffnung. Die Thematik der Hexenverfolgung und Runes gefährlichem Doppelleben hat mir richtig gut gefallen, vor allem weil die Autorin es schafft, die gesellschaftlichen und emotionalen Konflikte glaubwürdig miteinander zu verweben. Auch sprachlich hat mich das Buch überzeugt. Ciccarellis Stil ist klar, flüssig und anschaulich, ohne überladen zu wirken. Sie hat ein gutes Gespür für Stimmungen und für Spannungen zwischen den Figuren, die einander nicht trauen dürfen und trotzdem voneinander angezogen werden.

Trotz dieser Stärken kam die Handlung für mich etwas zu langsam in Fahrt. Der Einstieg ist atmosphärisch und spannend, aber nach ca. 10% hat mich die Handlung zunächst nicht komplett mitreißen können. Erst nach der Hälfte des Buches hatte sie mich wieder vollends gepackt. Danach steigert sich die Spannung spürbar an und man möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Mit den Figuren bin ich grundsätzlich gut zurechtgekommen, auch wenn mich die Protagonistin Rune nicht restlos überzeugt hat. Sie ist interessant und komplex, doch mir fehlte etwas die emotionale Nähe, um wirklich mit ihr mitzufühlen. Sie muss keine klassische Sympathieträgerin sein, aber an manchen Stellen blieb sie mir zu unnahbar. Gideon hingegen fand ich greifbarer – sein innerer Konflikt, zwischen Pflicht und Zweifel zu stehen, ist glaubwürdig und bringt eine gewisse Tiefe in die Beziehung der beiden. Der große Plottwist am Ende war für mich zwar vorhersehbar, das hat mich aber nicht wirklich gestört, da die Entwicklung bis dahin stimmig und logisch aufgebaut war.

Insgesamt ist Heartless Hunter ein sehr gelungenes Buch, das zwar etwas Zeit braucht, um seine volle Wirkung zu entfalten, dann aber mit Atmosphäre, Spannung und emotionaler Komplexität belohnt. Die Mischung aus düsterem Magiesystem, Gesellschaftskritik und verbotener Romantik funktioniert gut, und auch wenn ich mir anfangs mehr Tempo und Nähe zur Hauptfigur gewünscht hätte, hat mich das Buch letztlich überzeugt.

Ich würde Heartless Hunter mit 4 von 5 Sternen bewerten. Ein starkes, fesselndes Fantasy-Buch mit großem Potenzial, das nicht sofort zündet, aber im Verlauf immer stärker wird. Ich freue mich schon sehr auf Band 2!

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Veröffentlicht am 21.09.2025

Dark Academia trifft Höllen Mythos

Katabasis
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In Katabasis erzählt R. F. Kuang die Geschichte von Alice Law, einer Doktorandin in Cambridge, deren Betreuer und Mentor, Professor Grimes, bei einem missglückten magischen Experiment stirbt. Da Alice ...

In Katabasis erzählt R. F. Kuang die Geschichte von Alice Law, einer Doktorandin in Cambridge, deren Betreuer und Mentor, Professor Grimes, bei einem missglückten magischen Experiment stirbt. Da Alice auf sein Empfehlungsschreiben angewiesen ist, beschließt sie, zusammen mit ihrem Rivalen Peter Murdoch in die Unterwelt hinabzusteigen, um seine Seele zurückzuholen. Was zunächst wie eine Rettungsmission wirkt, wird schnell zu einer Prüfung, die über eine Rettung hinausgeht.

R. F. Kuang verbindet in Katabasis klassische Motive des „Katabasis-Mythos“ mit Kritik an Strukturen der akademischen Welt, ähnlich wie wir es aus Babel von ihr kennen. Die Unterwelt wird hier nicht nur als Ort mythischer Prüfungen geschildert, sondern auch als Spiegel der Universitätslandschaft, in der Konkurrenz, Machtmissbrauch, Abhängigkeit und Imagepflege einen ebenso großen Einfluss haben wie Wissen. Besonders beeindruckend fand ich, wie die Zerrissenheit von Akademikern zwischen Ehrgeiz, Selbstzweifeln und dem Streben nach Anerkennung dargestellt wird. Die Unterweltreise wirkt so weniger wie ein Abenteuer im eigentlichen Sinn, sondern eher wie ein Spiegel für das Universitätssystem, das allen Personen darin zu viel abverlangt.

Sprachlich hat mich Katabasis wieder vollends überzeugt. R. F. Kuang schreibt analytisch, sachlich und gleichzeitig humorvoll. Es gibt sehr viele Anspielungen und Referenzen, was eine gewisse Aufmerksamkeit beim Lesen erfordert. Besonders gelungen fand ich, wie sie akademische Sprache mit mythischen Bildern kombiniert und dabei immer wieder humorvolle Stellen einstreut. Zwischendurch kann die anspruchsvolle Schreibweise jedoch auch ermüden, vor allem, wenn sich längere Rückblicke über einige Seiten ziehen und die Handlung dadurch ins Stocken gerät.

Auch das Thema und die Handlung haben mich in diesem Buch sehr überzeugt. Der Abstieg in die Hölle auf „wissenschaftlicher Basis“ hat mich schon beim Klappentext wahnsinnig interessiert und auch die weiteren Themen, die Kuang in die Handlung miteinbaut, machen Katabasis zu einem vielschichtigen, spannenden Buch, das zum nachdenken anregt. Immer wieder stellt sich die Frage, was man bereit ist für den Erfolg zu opfern - Selbstachtung, Integrität, den eigenen Ruf, Freundschaft und Liebe?

Trotz dieser Stärken konnte ich persönlich keinen wirklichen Zugang zu den Figuren finden. Weder Alice noch Peter wurden für mich greifbar genug, um eine emotionale Bindung aufzubauen. Ihre Handlungen und Konflikte sind zwar nachvollziehbar, aber sie blieben für mich unnahbar. Durch die Distanz zu den Figuren habe ich die Handlung zwar mit Interesse verfolgt und fand das Buch während des Lesens auch gut, aber die Leidenschaft und das Gefühl „wirklich im Buch zu sein“ haben mir gefehlt.
Das Gefühl hat sich noch dadurch verstärkt, dass sich das Buch an einigen Stellen spürbar zog, insbesondere wenn die Umgebung sehr ausführlich ohne erkennbaren Mehrwert beschrieben wurde oder die Rückblicke zu ausschweifend erzählt wurden. Das hätte es meiner Meinung nach nicht immer gebraucht.

Insgesamt ist Katabasis ein beeindruckendes Buch mit origineller Prämisse und spannender Grundhandlung, das sprachlich glänzen kann. Gleichzeitig bleiben die Figuren distanziert. Das kann Leserinnen und Leser, die eine emotionale Nähe zu Figuren brauchen sehr enttäuschen. Für alle, die Freude an Dark Academia, literarischen Anspielungen, Mythologie und kritischen Reflexionen über die akademische Welt haben, ist es aber eine ideale Wahl.

Ich persönlich konnte das Buch die meiste Zeit genießen, auch wenn mir der emotionale Zugang fehlte und mir das Tempo an manchen Stellen schleppend vorkam. Deshalb würde ich das Buch insgesamt mit 3,5 bis 4 von 5 Sternen bewerten.

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Veröffentlicht am 10.09.2025

Romantasy-Highlight mit spannendem Magiesystem und politischen Intrigen

Glow of the Everflame
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Glow of the Everflame ist der zweite Band (Achtung Spoiler für Band 1) der Kindred’s Curie Saga und punktet weiterhin mit slowburn enemies-to-lovers Romantasy sowie einem einzigartigen Magiesystem und ...

Glow of the Everflame ist der zweite Band (Achtung Spoiler für Band 1) der Kindred’s Curie Saga und punktet weiterhin mit slowburn enemies-to-lovers Romantasy sowie einem einzigartigen Magiesystem und politischen Intrigen.

Als ersten ganz besonderen Pluspunkt empfand ich die Zusammenfassung des ersten Bandes zu Beginn des Buches, das wünsche ich mir für jedes Fantasybuch!

Die Geschehnisse in Band 2 knüpfen nahtlos an die Handlung von Teil 1 an, in dem Diem Bellator nach dem Tod des Königs als neue Crown von Lumnos erwählt wird, da sie scheinbar eine große Macht in sich trägt. Wie Diem mit ihrer Gabe und der damit einhergehenden neuen Aufgabe als Königin, den Intrigen am Hof, ihrer potentiellen Verlobung mit Henry und einem drohenden Krieg zwischen Descended und Mortals umgeht, erfahrt ihr in Glow of the Everflame.

Da Band 2 direkt nach den Handlungen von Band 1 weitergeht (und wir eine Zusammenfassung im Buch haben), kam ich sofort wieder super in die Geschichte und die Welt rein. Wie schon im ersten teil, wollte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Es ist mit seinen 700 Seiten wirklich kein schneller Read, aber man merkt beim Lesen nicht, dass das Buch so lang ist. Es zieht sich auch überhaupt nicht, weil so viel passiert und auch mehrere neue Handlungsstränge aufgemacht werden — dadurch wird es nie langweilig. Der Schreibstil ist wie gewohnt super flüssig und das Buch lässt sich trotz kleiner Rechtschreibfehler wunderbar lesen. Durch die intensiven Beschreibungen kann man sich die Welt sehr gut vorstellen, das gibt mir immer das Gefühl richtig in die Geschichte hineingesogen zu werden.

Besonders überzeugt hat mich die Handlung rund um die Intrigen am Hof, mit denen Diem konfrontiert wird. Manche Ränkeschmiede durchschaut man relativ schnell, andere werden erst nach und nach klarer.
Auch die Beziehung zu Luther nimmt im Laufe des Buches endlich ein wenig Fahrt auf, darauf warte ich seit der ersten Segnung der beiden sehnsüchtig! Aber es ist bisher wirklich nur „ein wenig“, denn hier steht nicht nur „slow burn“ drauf, es ist auch „slow burn“ drin. Wer hier Spice sucht, wird mächtig enttäuscht. Dafür bekommen wir aber eine unfassbare Tension zwischen Diem und Luther, sodass es einen beim Lesen verrückt macht.

Dass wir etwas über Luthers Beweggründe erfahren, lässt ihn als Charakter deutlich nahbarer und realer erscheinen, als in Band 1. Er kommt im zweiten Band der Reihe durchweg gut rüber und man bekommt ein richtig gutes Gefühl für ihn und seinen Charakter.
Wohingegen Diems Charakterentwicklung mein einziger Kritikpunkt an Glow of the Everflame bleibt. Da hatte ich mir einem zweiten Band (von vier) einfach mehr erhofft. Sie bleibt leider über weite Teile ein recht naiver Charakter, dessen Entscheidungen keiner richtigen Logik folgen — vor allem was die Verlobung mit Henry betrifft. Natürlich glaubt sie an das Gute in ihm, aber es ist als Leser so offensichtlich, dass er ihr nicht gut tut und sie nicht gut behandelt. Das habe ich teilweise als anstrengend empfunden, aber es hat mich beim Lesen selbst nicht all zu sehr gestört. Außerdem bleiben noch zwei Bände für Diems Entwicklung, die dann hoffentlich genutzt werden.

Für mich war auch Glow of the Everflame wieder ein Jahreshighlight, das mich wieder vor allem mit dem Fantasy-Teil, der Welt und den politischen Machtspielen überzeugen konnte. Diesmal hat mich aber auch die slow burn Romance zwischen Luther und Diem in seinen Bann gezogen und zum Kichern gebracht. Die Reihe gefällt mir immer besser und ich kann es kaum Abwarten, bis Teil 3 rauskommt, allein schon wegen den letzten paar Seiten, die natürlich wieder einen ordentlichen Plottwist bereit halten.

Wer Fantasy mit politischen Intrigen, richtigem Slow Burn und einem besonderen Magiesystem und ausgeprägtem Worldbuilding mag, wird diese Reihe zu 100% lieben.

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Veröffentlicht am 18.07.2025

Atmosphärisches Romeo & Julia Retelling

Für immer dein Feind
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Romantasy mit zwei rivalisierende Hexenclans in New York City, die an Romeo und Julia angelehnt ist — das klingt vielversprechend und darum musste ich Für immer dein Feind von Olivia Blake unbedingt lesen. ...

Romantasy mit zwei rivalisierende Hexenclans in New York City, die an Romeo und Julia angelehnt ist — das klingt vielversprechend und darum musste ich Für immer dein Feind von Olivia Blake unbedingt lesen.

Die Antonova-Familie leitet ein nicht ganz legales Familien-Imperium, das magischen Drogen herstellt. Ihre „Rivals in Crime“ sind Brüder Fedorov und der mächtige Patriarch der Familie. Der bislang geltende Frieden zwischen den Familien steht auf der Kippe und bringt sowohl die Antonovas, als auch die Fedorovs in Gefahr. Umso schlimmer, dass in all den Verstrickungen die beiden jüngsten Geschwister der Familien Gefühle füreinander entwickeln. Diese Liebe birgt sehr viel Potential beide Familien in eine noch blutigere Fehde zu führen, als sie es bisher kannten.

Die Geschichte rund um die Familien Fedorov und Antonova ist sehr komplex aufgebaut, was man schon zu beginn an der Charakterübersicht im Buch merkt. Es spielen viele Personen eine große Rolle und die Schauplätze wechseln ständig. Der gesamte Aufbau des Buches ist mehr ein Theaterstück (Akte, Szenen), als ein typischer Roman, was mir persönlich in diesem Kontext sehr gut gefallen hat. Es sollte einem beim Kauf aber bewusst sein, dass der Lesefluss und Schreibstil dadurch etwas anders ist als vielleicht für das Romantasy-Genre üblich. Auch die Originalzitate aus Romeo und Julia zu Beginn jedes Aktes haben mir sehr gut gefallen. Ein besonderes Highlight in diesem Buch sind wieder die unfassbar schönen Illustrationen und Artworks im Buch, allein dafür lohnt sich die Print-Ausgabe.

Der Schreibstil von Olivia Blake ist trotz Erzählerperspektive sehr nahbar, flüssig und vor allem atmosphärisch. Das hat direkt zu Beginn das Setting perfekt gesetzt und ich war überzeugt, dass dieses Buch ein 5-Sterne-Highlight wird.

Auch die Handlung hat mich bis zur Hälfte des Buches komplett überzeugen können. Die Konflikte und Intrigen wurden alle logisch und gut nachvollziehbar aufgebaut, es hat Spaß gemacht die Fehde der Familie zu verfolgen und ich war neugierig was als nächstes passiert. Jedoch empfand ich den Kreislauf aus „Jemand tut Familie 2 etwas an - Konsequenzen - Rache an Familie 1 - Rache an Familie 2“ nach ca. der Hälfte wirklich nur noch als chaotisch und langweilig. Dadurch zog sich die Handlung meiner Meinung nach unnötig in die Länge, das hätte deutlich kürzer sein können und trotzdem wäre derselbe Output dabei rausgekommen. Vor allem, da irgendwann die folgenden Handlungen aus immer absurderen Gründen entstanden und ich den Antrieb dafür nicht mehr ganz nachvollziehen konnte.
Zum Ende konnte mich das Buch aber wieder deutlich mehr catchen und ich hatte wieder das Gefühl vom Anfang zurück, dass ich wissen will, wie es weitergeht und mit den Figuren mitfiebere. Das Ende bzw. die Auflösung hat mir dann (entgegen meiner Erwartung) sogar richtig richtig gut gefallen, da ich das so nicht unbedingt erwartet habe.

Abschließend gebe ich dem Buch 4 Sterne, da allein der besondere Aufbau des Buches und die insgesamt sehr spannende Geschichte für eine sehr einzigartige Atmosphäre sorgen, was „Für immer dein Feind“ sehr aus der Masse an Romantasy-Büchern hervorhebt. Auch, wenn das Buch vor allem im Mittelteil so einige Schwächen aufweist, habe ich es gern gelesen und die positiven Effekte überwiegen die negativen für mich. Man sollte nur wissen, dass es kein typisches fast-paced Romantasy Buch ist, sondern eher ein komplexes Theaterstück mit magischen Elementen. Mit der richtigen Erwartungshaltung kann man dieses Buch sehr genießen.

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