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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.03.2024

Atmosphärisch

Ich bin Anna
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Tom Saller ist selbst Psychiater und Psychotherapeut. Er erzählt eine fiktive Geschichte über den berühmten Psychoanalytiker und seine jüngste Tochter abwechselnd jeweils aus Sicht von Sigmund Freud und ...

Tom Saller ist selbst Psychiater und Psychotherapeut. Er erzählt eine fiktive Geschichte über den berühmten Psychoanalytiker und seine jüngste Tochter abwechselnd jeweils aus Sicht von Sigmund Freud und Anna als Ich-Erzähler. Verbindendes Glied ist Ludwig Stadlober, der nach einem Senfgasangriff im Ersten Weltkrieg blind ist. Dafür gibt es aber keine organischen Gründe, sodass er sich in Behandlung bei Sigmund Freud begibt. Dieser weiht seine Tochter Anna in den Fall ein, die sich - obwohl Lehrerin - sehr für die Arbeit ihres Vaters interessiert und macht Stadlober schließlich zu ihrem Lernfall. Ohne Wissen des Vaters treffen sich die beiden. Jahre später, sie ließ sich inzwischen ebenfalls von ihrem Vater analysieren, begegnet sie Stadlober erneut.

Bereits die vorhergehenden Bücher von Tom Saller konnten mich begeistern. Auch in "Ich bin Anna" bedient er sich wieder seines besonderen Erzählstils und erschafft so einen atmosphärischen Roman über die Tochter einer historischen Figur - ein Psychogramm einer Beziehung, eine erdachte Biografie.

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Veröffentlicht am 03.03.2024

Sehr gut recherchiert

Die Frau am Fenster - Ein Leben an der Seite von Caspar David Friedrich
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Caroline Bommer ist 24 als sie den deutlich älteren Caspar David Friedrich heiratet. Sie wünscht sich, dass er sie in einem Portät verewigen würde. Er sieht sich aber ausschließlich als Landschaftsmaler ...

Caroline Bommer ist 24 als sie den deutlich älteren Caspar David Friedrich heiratet. Sie wünscht sich, dass er sie in einem Portät verewigen würde. Er sieht sich aber ausschließlich als Landschaftsmaler und die Figuren, die Teil seiner Bilder sind, sind immer nur von hinten oder von weitem zu sehen. Auch das Gemälde "Die Frau am Fenster" zeigt lediglich die Rückenansicht einer Frau, seiner Frau Caroline, beim Blick aus dem Fenster. Caroline und Caspar sind in den über 20 Jahren ihrer Ehe sehr glücklich mit ihren drei Kindern, aber die Schicksalsschläge, die der Maler im Laufe seines Lebens verwinden muss, fordern ihren Tribut und machen ihn immer mehr zu einem schwierigen Menschen.

Birgit Poppe ist Kunsthistorikerin und hat dementsprechend sehr gut recherchiert. Sie möchte, wie sie in ihrem Nachwort schreibt, die unbekannte Frau des berühmten Malers Caspar David Friedrich vorstellen und die Beziehung zu ihrem eigenbrötlerischen, vermutlich depressiven Mann beleuchten. Verbrieftes verwebt sie mit Fiktivem und erschafft so eine Biografie Carolines, wie diese sie tatsächlich erlebt haben könnte. Dabei entsteht nicht nur ein deutliches Bild der Frau an der Seite von Caspar David Friedrich, sondern auch ein tieferer Einblick in sein Leben und das Entstehen seiner Kunstwerke.

"Die Frau am Fenster - Ein Leben an der Seite von Caspar David Friedrich" ist ein atmosphärischer Roman, mit dem es der Autorin gelingt, die Lebensumstände der damaligen Zeit glaubwürdig zu vermitteln und ihre Leserinnen und Leser in das frühe 19. Jahrhundert zu entführen.

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Veröffentlicht am 01.03.2024

Kurz, aber sehr intensiv

Was ich zurückließ
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In Dinslaken in einer Arbeiterfamlilie aufgewachsen, in der nie genug Geld da war, musste der Sohn oft Demütigungen durch seine Mitschüler hinnehmen. Wo es geht, versucht er seine Eltern zu verheimlichen. ...

In Dinslaken in einer Arbeiterfamlilie aufgewachsen, in der nie genug Geld da war, musste der Sohn oft Demütigungen durch seine Mitschüler hinnehmen. Wo es geht, versucht er seine Eltern zu verheimlichen. Er möchte raus aus diesem Milieu, möchte studieren und seinen großen Traum in der Hauptstadt verwirklichen. Auf dem Weg dorthin geht die Verbindung zu den Eltern verloren. Nach vielen Jahren versucht er die Entfremdung zu überwinden und wendet sich in einem Brief an seine Eltern.

Ich selber lebe seit ein paar Jahren in der Nähe von Dinslaken und kenne deshalb das soziale Umfeld, komme selber aber aus einer ganz anderen Welt - ohne finanzielle Sorgen und den "richtigen Kreisen",. Umso mehr hat mich das Buch sehr berührt. Man spürt die fast schon fanatische Suche nach dem eigenen Weg des Sohns, der unbedingt aus dem Gefängnis der Arbeiterfamilie fliehen möchte. Wenn das Eine nicht klappt, ist schnell was Neues gefunden. Hoffentlich ist es jetzt das Richtige - aber genau das scheint es nun zu sein. Und so ist vielleicht auch der vorsichtige Weg zurück zu den Eltern möglich.

"Was ich zurückließ" ist ein leidenschaftliches Debüt - autobiografisch, ein Brief, der tatsächlich von Marco Ott an seine Eltern gerichtet ist, wie ich der Widmung entnehme. Etwas anderes wäre für mich auch kaum vorstellbar bei dieser eindringlichen Sprache. Kurz, aber sehr intensiv.

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Veröffentlicht am 26.02.2024

Berührend und herzerwärmend

Dieses schöne Leben
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Clover wuchs nach dem Unfalltod ihrer Eltern bei ihrem Großvater auf und hatte eine sehr enge Beziehung zu ihm. Umso mehr traf es sie, als er völlig überraschend starb, und sie nicht bei ihm sein konnte, ...

Clover wuchs nach dem Unfalltod ihrer Eltern bei ihrem Großvater auf und hatte eine sehr enge Beziehung zu ihm. Umso mehr traf es sie, als er völlig überraschend starb, und sie nicht bei ihm sein konnte, da sie am anderen Ende der Welt war. Das versucht sie nun als Sterbebegeleiterin an anderen Menschen wieder gutzumachen. Allerdings schreckt diese Berufswahl die Meisten ab und so ist sie Einzelgängerin und lässt auch niemanden an sich heran. Eines Tages zieht Sylvie unter ihr ein und begegnet ihr völlig unvoreingenommen. Sie lernt Sebastian in einem Death Café kennen und wird von ihm beauftragt, sich um seine Großmutter Claudia zu kümmern.

Ich muss gestehen, dass ich hin und her gerissen war, ob ich das Buch lesen will. Sterben ist kein Thema, mit dem ich mich gerne beschäftige, dann hat aber die Neugier gesiegt. Trotzdem brauchte ich etwas Zeit, bis ich es endlich in die Hand genommen habe - und gar nicht mehr weglegen wollte.

Beeindruckend wie sich Mikki Brammer an dieses sensible und schwierige Thema in ihrem Debütroman heranwagt und auf so wunderbare Weise eine Geschichte darum herumspinnt - eine berührende, herzerwärmende Geschichte über das Sterben und den Tod, aber auch, und ganz besonders, über das Leben - "Dieses schöne Leben".

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Veröffentlicht am 26.02.2024

Was für ein grandioser Erzähler

Das kleine Haus am Sonnenhang
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Alex Capus kauft in den neunziger Jahren ein Haus im Piemont. Er verbringt dort sehr viel Zeit mit seiner damaligen Freundin - und jetzigen Frau - und Freunden. Er genießt aber auch die Einsamkeit und ...

Alex Capus kauft in den neunziger Jahren ein Haus im Piemont. Er verbringt dort sehr viel Zeit mit seiner damaligen Freundin - und jetzigen Frau - und Freunden. Er genießt aber auch die Einsamkeit und das Dorfleben mit Bar und schreibt dort seinen ersten Roman.

Was für ein grandioser Erzähler! Bei Alex Capus ist man sogar hingerissen, wenn er über das Tanken schreibt oder wiedergibt, welcher Dialog einer Pizzabestellung vorangeht, weil er ein Gewohnheitsmensch ist und seit 30 Jahren immer die gleiche nimmt, egal wie vielfältig die Speisekarte ist. Weil er an etwas festhält, wenn er etwas gefunden hat, was ihm gefällt, schmeckt oder glücklichmacht und nicht nach noch etwas besserem sucht.

"Das kleine Haus am Sonnenhang" ist ein wunderschönes Buch - humorvoll, klug, philosophisch. Es stellt einen sehr sympathischen Menschen vor und gibt Einblicke in das Leben eines großartigen Autors. Ich habe alle Romane von Alex Capus gelesen und war von allen begeistert, vom kleinen Haus am Sonnenhang vielleicht sogar am meisten.

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