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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.05.2026

Aus dem Leben gegriffen

Deep Dive im Alltag
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„...Nun wird es spannend: So eine Brille ist eben nicht festgewachsen. Es steht mir jeder Zeit frei, sie aufzusetzen oder beiseitezulegen. Auch eine geistgeführte Perspektive ist etwas, was wir erwählen ...

„...Nun wird es spannend: So eine Brille ist eben nicht festgewachsen. Es steht mir jeder Zeit frei, sie aufzusetzen oder beiseitezulegen. Auch eine geistgeführte Perspektive ist etwas, was wir erwählen oder beiseitelegen können…“

Das Zitat aus der ersten Geschichte zeigt schon, worum es im Buch geht. Die Autorin erzählt Erlebnisse aus ihrem Alltag und verbindet sie mit Glaubensfragen.
Das Buch enthält 40 Geschichten. Sie können als Andacht betrachtet werden, müssen es aber nicht. Der Schriftstil ist locker und ab und an mit einem feinem Humor durchsetzt.
Jedes Kapitel hat den gleichen Aufbau. Es beginnt mit einer Überschrift und einem Bibelvers unter Angabe der Bibelstelle. Danach folgen die Ausführungen der Autorin auf etwa drei bis sechs Seiten. Dem schließt sich ein Gebet an, das durch seine besondere Schriftart hervorgehoben wird. Dann gibt es ganz praktische Hinweise, wie man die Erkenntnisse im eigenen Leben umsetzen könnte. Den Abschluss bildet eine Gebet aus fünf Worten. Die Autorin nennt es „Fünf-Finger-Gebet“.
Die Themen sind sehr vielfältig. Meist stammen sie aus dem Familienleben der Autorin. Häufig findet man sich bei den Ausführungen als Leser wieder:

„...Wir treffen zu viele Entscheidungen bei zu hoher Geschwindigkeit. Das Leben ist schnell. Innehalten ist selten. Erst recht in der zwischenmenschlichen Raserei. Wir brauchen die Kontrolle unseres Innenlebens, damit wir nicht unachtsam werden...“

Hier geht es auch darum, wie schnell durch Unachtsamkeit der Frieden flöten geht. In anderen Geschichten stehen Kleinigkeiten im Mittelpunkt, die uns nerven können und damit die innere Ruhe rauben. Ab und an kann es nötig sein, etwas loszulassen, was uns nicht weiterbringt. Dazu hat die Autorin eine nachdenkenswertes Zitat eingeflochten.

„...Bevor du jemand heilst, frage ihn, ob er bereit ist, die Dinge aufzugeben, die ihn krank gemacht haben…“

Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es ist lebensnah und regt zum Nachdenken an.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Die Fragendes Lebens

Der kleine Derwisch und die sieben Fragen des Lebens
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„...Die Zeit verliert ihren gewohnten Lauf; die Vergangenheit schmilzt und die Zukunft ist nur ein flüchtiger Traum…“

Diese Zeilen im Vorwort reduzieren alles auf einen Moment, den Moment, wo sich der ...

„...Die Zeit verliert ihren gewohnten Lauf; die Vergangenheit schmilzt und die Zukunft ist nur ein flüchtiger Traum…“

Diese Zeilen im Vorwort reduzieren alles auf einen Moment, den Moment, wo sich der kleine Derwisch im Tanze dreht und über das Leben nachdenkt. Es sind sieben Fragen, die ihn bewegen.
Der Autor hat ein stimmungsvolles und besinnliches Büchlein geschrieben. Das Buch besticht durch seine hochwertige Aufmachung. Das betrifft das in Brauntönen gehaltene Cover mit der zarten Umrahmung und die künstlerisch gestaltete Doppelseite vor jedem neuen Kapitel, aber auch die Papierqualität.
Das erste Kapitel beschäftigt sich mit der Unruhe des kleinen Derwisch. Ihm kommen die ersten fast philosophischen Gedanken.

„...Das Leben ist wie ein Fluss. Es fließt ständig, ohne Rücksicht auf das, was einmal war…“

In den Kapiteln zwei bis acht wendet sich der kleine Derwisch wichtigen Fragen des Lebens zu. Er durchdenkt sie und gibt Anregungen, aber häufig keine endgültigen Antworten. Die zu finden, ist dem Leser vorbehalten. Ab und zu fließt eine alte Geschichte in die Gedanken des kleinen Derwisch mit ein, die zum Thema passt.
Der Schriftstil ist fein ausgearbeitet. Er wirkt kurz und prägnant und kommt schnell auf den Punkt.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es vermittelt Hoffnung und eine gewisse Leichtigkeit.

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Veröffentlicht am 05.05.2026

Berührende Geschichte

Der Hund, der dem Mond folgte
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„...Amaya, zum ersten Mal in ihrem Leben allein,durchstreifte auf der Suche nach ihren Eltern die Landschaft…“

Im Wintersturm hatte die junge Hündin ihre Eltern verloren. Dann trifft sie auf ein Rudel ...

„...Amaya, zum ersten Mal in ihrem Leben allein,durchstreifte auf der Suche nach ihren Eltern die Landschaft…“

Im Wintersturm hatte die junge Hündin ihre Eltern verloren. Dann trifft sie auf ein Rudel Wölfe und hofft, dass die sie freundlich aufnehmen.
Der Autor hat ein berührendes und traurig-schönes Buch geschrieben. Die kurzen, inhaltsreichen Texte werden mit anschaulichen Illustrationen versehen.
Ein alter Wolf rettet die Hündin vom Rudel. Er geht mit ihr den Weg auf der Suche nach den Eltern. Die Hündin erinnert sich an die Worte ihrer Mutter, dass sie dem Mond folgen sollen.

„...Du hast mir etwas gegeben, von dm ich nicht einmal wusste, dass es mir fehlte. Und ich hoffe, ich konnte dir helfen…“

Mit diesen Worten wendet sich der Wolf an den Welpen. Er weiß, dass seine Zeit begrenzt ist, dass der nahe Abschied bevorsteht.
Das Buch hat mich tief berührt. Die Geschichte spricht von Freundschaft und Zusammenhalt, aber auch vom Schmerz der Trennung.

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Veröffentlicht am 05.05.2026

Berührender Briefroman

Die Worte, die ich niemals schrieb
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„...Ich bin mir sicher, dass diese Entwicklungen verstörend ist und Vater sich in seinem Bürgermeisterbüro den ganzen Tag mit erbosten Einwohnern herumschlagen muss. Aber dafür hat er sich ja schließlich ...

„...Ich bin mir sicher, dass diese Entwicklungen verstörend ist und Vater sich in seinem Bürgermeisterbüro den ganzen Tag mit erbosten Einwohnern herumschlagen muss. Aber dafür hat er sich ja schließlich entschieden, als er die Hühner verkauft und sich der Politik zugewandt hat. Man könnte sagen, er hat das eine Gegacker gegen das andere getauscht…“

Diese Zeilen stammen aus einem Brief von Johanna Berglund an ihre Eltern, nachdem sie erfahren hat, dass in ihrem Heimatort ein Lager für deutsche Kriegsgefangene eingerichtet wird. Das dies auch ihr Leben verändern wird, ahnt sie in diesem Moment noch nicht.
Die Autorin hat eine bewegenden Roman geschrieben. Ich würde ihn als Briefroman bezeichnen, denn die Handlung wird zum einen durch eine Reihe von Briefen, zum anderen durch Zeitungsausschnitte oder Reden dargelegt. Dabei unterscheidet sich die Schriftart zwischen den Briefen und den anderen Teilen des Romans. Das gilt auch für den Schriftstil. Immer wieder schwingt trotz der ernstes Thematik ein leiser Humor mit.
Wir schreiben das Jahr 1944. Im Mittelpunkt steht Johanna. Die junge Frau ist hochbegabt, hat ihren Heimatort verlassen, studiert Linguistik und spricht mehrere Fremdsprachen. Dazu gehört auch Deutsch.. Sie träumt von einer Arbeit in Oxford. Sie möchte Klassiker übersetzen. Sie ist selbstbewusst, sagt, was sie denkt und weiß, was sie will. Das beschert ihr selten Freunde.
Major J. E. Davies möchte, dass Johanna als Übersetzerin im Lager arbeitet. Die lehnt ab. In einem Brief an ihren Freund Peter formuliert sie das so.

„...Es ist schrecklich lästig, wenn man vom wahren Leben immer wieder aus dem Lesen gerissen wird…“

Peter Ito ist der Nachkomme japanischer Einwanderer. Er hat wegen des Krieges selbst Probleme, denn seine Eltern wurden interniert. Er arbeitet für das Militär an einer Sprachschule.
Die Umstände zwingen Johanna, in den Heimatort zurückzukehren und die Arbeit im Lager anzunehmen. Ihre ersten Eindrücke beschreibt sie mit Humor.

„...Während er (Anmerkung: der Major) die Statistiken über den Speisesaal und die Quartiere der Wachen heruntergerattert hat, die dank der Genfer Konvention genau die gleiche Beschaffenheit haben müssen wie die der Gefangenen, habe ich Spinnen gezählt. Neunundzwanzig Sichtungen!...“

Die Arbeit und die Zustände im Lager werden gut beschrieben. Johanna setzt sich für eine menschliche Behandlung der Gefangenen ein. Die Bevölkerung steht ihrer Arbeit gespalten gegenüber. Natürlich macht Johanna auch Fehler, denn die Arbeit mit Menschen ist anders als das Übersetzen von Literatur.
In ihrem Briefen wird deutlich, wie sie sich im Laufe der Zeit verändert. Es geht immer mal wieder um Vergebung und Versöhnung. Doch gerade ihr Einsatz für die Gefangenen macht sie angreifbar. Außerdem ist nicht jeder ehrlich zu ihr.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen, auch wenn die eine oder andere Frage offen geblieben ist.Damit meine ich insbesondere, dass ich das Verhalten eines der Protagonisten nicht nachvollziehen konnte. Es bleibt mir unerklärlich.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Schöner historischer Roman

Das Mädchen aus den Träumen
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„...Jeder Ackergaul, den sie beschlagen, hat mehr Grips im Kopf als diese Rohlinge. Gütiger Himmel, ich hätte ihnen längst Stubenverbot erteilen müssen…“

Wir schreiben das Jahr 1278. Der Wirt der Schenke ...

„...Jeder Ackergaul, den sie beschlagen, hat mehr Grips im Kopf als diese Rohlinge. Gütiger Himmel, ich hätte ihnen längst Stubenverbot erteilen müssen…“

Wir schreiben das Jahr 1278. Der Wirt der Schenke „Zum Löwen“ in Jülich ist sauer, weil sich zwei Hufschmiede geprügelt und dabei sein Mobiliar zerschlagen haben.
Der Autor hat einen spannenden historischen Roman geschrieben. Der Schriftstil passt zu den Zeitverhältnissen. Er lässt sich flott lesen.
Im Mittelpunkt stehen Eva, die Tochter des Wirtes, und Martin, ein Kaufmannssohn aus Aachen. Zwei Männer werben um Evas Gunst. Das ist der Faßbinder Paul, der sich wortkarg und verschlossen gibt, und der Tischler Adam, der witzig und schlagfertig ist. Warum sich die beiden, die einst Freunde waren, zerstritten haben, bleibt lange im Dunkeln. Eva möchte Paul ehelichen.
Martin wächst nach dem Tod seiner Eltern beim Onkel auf. Der verlangt, dass er Irene heiratet. Die junge Frau ist raffiniert. Sie weiß genau, was sie will.
Doch menschliche Wünsche spielen selten eine Rolle, wen die große Politik ins Spiel kommt. Als Wilhelm von Jülich im Auftrag des Kaisers nach Aachen reist, werden er und seine Mannen ermordet. Unter den Kämpfern ist Martin. Das Geschehen verändert ihn.

„...Er hatte sich im Kampf bewährt, endlich. Aber das große Glücksgefühl blieb aus. Stattdessen fühlte er sich leer, so leer….“

Siegfried von Köln sieht seine Chance gekommen, nun auch Jülich unter seine Fittiche zu bringen. Aachen stellt Männer dafür. Wieder ist Martin dabei. Er erinnert sich an ein Wort seines Lehrers.

„...Tapfer sind die, die auch Schwächen zulassen, wenn es dem Wohle aller dient...“

Jülich ergibt sich. Trotzdem ist danach nichts mehr wie zuvor. Martin sieht Eva im Gasthaus und erkennt in ihr die Frau seiner Träume. Als der Alkohol in Strömen fließt, lässt sich Martin zu einer Tat hinreißen, die nicht rückgängig gemacht werden kann.
Ich darf den Lebensweg der beiden über die nächsten zwei Jahre verfolgen. Dadurch lerne ich das Leben in Aachen, aber auch auf den Dörfern kennen. Gleichzeitig erfahre ich, welche Folgen der Mord am Graf von Jülich für Aachen hat.
Während sich Eva als selbstbewusste Frau erweist, die ihren Weg trotz aller Probleme geht, wirkt Martin bislang auf mich wie ein Getriebener. Er hat nur ein Ziel – und dem ordnet er alles unter, koste es, was es wolle.

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