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Veröffentlicht am 29.06.2022

Groh behält auch für NA ihren unverwechselbaren Humor

Alles, was ich in dir sehe (Alles-Trilogie - Band 1)
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Von Kyra Groh habe ich schon vielfältig Bücher gelesen und dabei hat mir immer besonders gefallen, dass diese einen speziellen Humor hatten. Ein wenig musste ich immer daran denken, dass sie die Kerstin ...

Von Kyra Groh habe ich schon vielfältig Bücher gelesen und dabei hat mir immer besonders gefallen, dass diese einen speziellen Humor hatten. Ein wenig musste ich immer daran denken, dass sie die Kerstin Gier für eine etwas jüngere Generation ist. Deswegen war ich auch ein wenig überrascht, sie nun mit dem mir inzwischen sehr lieb gewonnenen New Adult-Genre zu entdecken und das in einem neuen Programm vom Loewe-Verlag, das unter „Intense“ läuft. Denn natürlich hat Groh auch Liebesgeschichten erzählt, aber dennoch lag ein großer Teil des Fokus immer auf dem Humor, weswegen ich dementsprechend gespannt die Lektüre der Alles-Trilogie begonnen habe.

„Alles, was ich in dir sehe“ erzählt die Geschichte von Anna und Fynn, die sich auf einer Hunderettestation in Portugal kennenlernen. Allgemein kann man sagen, dass Kyra Groh immer noch einwandfrei zu erkennen ist. Dennoch hat sie sich für die Reihe auch ein wenig neu erfunden, was ich aber durchaus positiv finde. Denn sie schafft es immer noch, auf eine unaufdringliche und doch immer sitzende Art und Weise ihren Humor in den Schreibstil einzubauen und gleichzeitig merkt man auch, dass sie sich mehr Raum lässt, dass es emotional für ihre Figuren wirklich in die Tiefe gehen kann. Dementsprechend wird das von Loewe ausgerufene „Intense“ definitiv auch erfüllt, denn die Autorin nimmt sich in dieser Reihe vielen aktuellen Themen an, was generell eine der großen Stärken in den letzten Jahren von New Adult geworden ist. Hier steht im Fokus nun der Umgang mit Social Media, mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Dass ich mich inzwischen immer dafür einsetzen würde, dass beide Protagonisten einer Liebesgeschichte ihre Erzählperspektive bekommen, ist sicherlich kein Geheimnis mehr, weswegen ich es hier logischerweise schade fand, dass wir Fynn nur aus Annas Sicht erlebt haben, denn er bleibt in der Darstellung damit stets deutlich hinter ihr zurück. Natürlich begreift man ihn als Persönlichkeit alles in allem gut und dennoch könnte ich mir vorstellen, dass bei ihm als Verweigerer von vielen modernen Erfindungen mehr rauszuholen gewesen wäre. Auch die Geschichte mit seiner jüngeren Schwester hatte sehr wichtige Ansätze, ist aber ohne seine Perspektive etwas oberflächlich gewesen. Andererseits muss ich auch bei Anna sagen, dass es trotz ihrer durchgängigen Erzählperspektive nicht überall tief genug ging. So hätte ich definitiv gerne einen besseren Einblick in ihre Vergangenheit als Gesicht der Firma ihrer Eltern bekommen. Es wurde einiges angedeutet und den Rest kann man sich denken, wenn man ein wenig Ahnung von Social Media hat, aber warum es nicht viel konkreter darstellen? Denn ohne diese Darstellung hat ein wenig die Brücke zu Annas inneren Zweifeln gefehlt und warum sie sich so unsicher fühlte, was wohl die Zukunft für sie bereit hält. Anna war also alles in allem gut ausgearbeitet und sympathisch, aber wichtige 10% fehlten.

Das Setting für diesen Auftakt ist gut gewählt. Portugal im Sommer macht definitiv Laune und dieses Urlaubsgefühl bleibt auch durchgängig erhalten, obwohl es mit der Rettungsstation definitiv sehr kümmerlich auch wird. Hier wurde aber die Balance zwischen Erfolgs- und Verlusterlebnissen gut gehalten und bildet somit authentisch den Alltag bei so einer Station ab. Zuvor war auch schon gut, dass mit Annas erstem Urlaubsflirt auf unspektakuläre Art und Weise das Themas Sexismus/Übergriffigkeit angegangen wird. Kyra Groh muss hier nicht gleich zur Vergewaltigung greifen, um ihren Standunkt klar zu machen, denn auch auf der Ebene, wo alles gut ausgeht, setzen schon Mechanismen an, die hier gut dargestellt und verarbeitet werden. Auch wenn Anna alles gut überstanden hat, dennoch ist sie vom Kleinen schon schwer erschüttert worden und das hat mich hier tief bewegt. Es ist auch der Ausgangspunkt für den nächsten intensiven Kontakt zwischen ihr und Fynn, bei dem man gleich merkt, er hat das Herz auf dem rechten Fleck. Dennoch war der Weg zu ihrem Happy End hin schwierig, denn nach anfänglichem ständigem Streiten, was mir ein wenig zu viel war, weil es immer gleich in das Verletzende gehen musste statt auf einer netten foppenden Ebene zu bleiben, kommen sie sich näher und im Rahmen der Hundestation mit der sympathischen Helena und den lustigen besten Freundinnen Polly und Anouk hat das alles Freude bereitet. Auch weil dann das Thema Social Media von der anderen, von der positiven, Seite beleuchtet wurde, was das Bild vervollständigt hat. Erst am Ende war es wieder zu dramatisch, spätestens da stand fest, Anna und Fynn gibt es nur in Extremen. Das ist für mich nicht so entscheidend, aber dennoch hatten sie insgesamt eine süße Geschichte miteinander.

Fazit: "Alles, was ich in dir sehe" ist Kyra Grohs erster Ausflug in das New Adult Genre und ich würde sagen, das hat sich gelohnt. Verbunden mit wichtigen Themen unserer Zeit schafft sie es definitiv, das von Loewe ausgerufene Intense zu bedienen, ohne dabei aber ihren speziellen Stil beim Humor aus den Augen zu verlieren. An manchen Stellen ist es leider etwas zu oberflächlich geworden, auch weil Fynns Perspektive fehlt, aber insgesamt habe ich diesen Auftaktband gerne gelesen.

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Veröffentlicht am 17.06.2022

Schon besser an der Dunbridge Academy

Dunbridge Academy - Anyone
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Der Umstieg von Sarah Sprinz mit ihrer ersten NA-Reihe hin zu der neuen YA-Reihe an der Dunbridge Academy ist mir nicht so leicht gefallen. Ich fand das Setting zwar großartig und der ganze Internatsalltag ...

Der Umstieg von Sarah Sprinz mit ihrer ersten NA-Reihe hin zu der neuen YA-Reihe an der Dunbridge Academy ist mir nicht so leicht gefallen. Ich fand das Setting zwar großartig und der ganze Internatsalltag hatte auch etwas Interessantes, aber die Figuren wirkten für mich im Alter nicht immer so konsequent, die Handlung ging manchmal auf Kosten der Logik oder des Verständnisses und so war mein Eindruck zum ersten Band wahrlich nicht begeisternd. Deswegen bin ich schon froh, dass „Anyone“ eine konsequentere Richtung einschlägt.

Tori und Sinclair sind das Paar, zu denen schon im ersten Band viel angeteasert wurde und ich habe mich auf ihre Geschichte auch schon deutlich gefreut. Bei beiden hat man auch deutlich gemerkt, dass sie wirklich wie Jugendliche wirkten. Es gab nicht ständig ein Hin und Her zwischen kindischem und sehr reflektierten Verhalten, sondern es war in sich konsistent und das hat mich sehr überzeugt. Natürlich ist es mit jugendlichen Charakteren manchmal nerviger wie hier die Tatsache, dass Tori und Sinclair absolut nicht miteinander reden und sich daher gegenseitig im Weg stehen, aber dennoch habe ich sofort geglaubt, dass das knapp 18-jährige Figuren sind. Auch die einzelnen Gedankengänge, wie sie sich immer wieder eingeredet haben, dass sie die jeweils einzigen mit den Gefühlen sind oder wie sie an einem Punkt der Versöhnung dann doch sich für das unbequeme entschieden, das hat einfach gepasst. Zudem muss man auch sagen, dass sie weniger wie Personen von Welt wirkten, dass der ganze Handlungskreis enger wirkte, so dass mir auch die Theatergruppe, der Reitstall und die Bäckerei als Settingergänzungen gut gefallen haben.

Tori und Sinclair sind auch als Personen wirklich sehr sympathisch und das obwohl ich sie gerne mal geschüttelt hätte, aber ich habe es verstanden, weil ich so auch schon oft genug gedacht und agiert habe. Bei Tori war der interessante Aspekt sicherlich ihre toxische Beziehung zu Ward, auch weil das Thema behutsam angegangen wurde. Tori wusste genau, was toxische Beziehungen sind und sie ist dennoch hineingeraten, was für so viele Menschen auf der Welt gilt. Dementsprechend war es nur konsequent, wie sie einige rote Flaggen ignoriert hat, bis es irgendwann für sie nicht mehr ging. Aber auch der Alkoholismus der Mutter ist interessant gewesen, wenn auch zu wenig ausgebaut, weil er erst ganz am Ende wieder aufgenommen wurde. Bei Sinclair wiederum hat man gemerkt, dass er eigene Handlungen nicht so recht haben durfte, was etwas schade ist, weil er eben als Sohn der Schulleiterin natürlich ganz anderes Potenzial hat, aber mit dem Reiten und Backen gab es Ansätze. Beim Theater und bei ersten gemeinsamen Mal sind sie es zusammen, die auf die Reise geschickt werden und es war schon interessant, wie die so aufgeweckte Tori sich in ihren Träumen hat verunsichern lassen, während es Sinclair war, der dort völlig aufgegangen ist. Dadurch haben sie sich als Charaktere in allen wichtigen Punkten ergänzt, auch wenn sie eben lange brauchten, um das zu kapieren.

Das Theaterstück war unser durchgängigster roter Faden und ich fand es auch generell gut, dass sich viel mit modernen Themen auseinandergesetzt wurde. Das Theaterstück sollte moderner werden, die Klamotten sollten von den strikten Regeln weg und hinter all dem steckte etwas, wo ich hinterstehe. Dennoch musste ich bei dem Theaterstück doch auch mal grinsen, denn manchmal ist es so modern geworden in den Ausdrücken, dass es zu der anderen gehobenen Ausdrucksweise null passte. Keine Ahnung, ob das beabsichtigt war oder ob es dem Lektorat durchgerutscht ist, aber ich habe da schon öfters drüber nachgedacht.

Fazit: Mit „Anyone“ hat mich Sprinz schon deutlich besser überzeugen können von ihrer Dunbridge-Reihe, denn die Charaktere wirkten dem Alter entsprechend sowie auch die Themen, die sie bewegten. Sie haben es sich zwar echt schwer gemacht, aber es war dennoch eine bessere Reise mit ihnen. Gewisse logische Brüche und fehlende Konsequenz sind dennoch weiterhin Begleiter der Reihe.

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Veröffentlicht am 15.06.2022

Leistungskurve nach oben

The Feeling Of Forever
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Von Ivy Kazi hatte ich bis zu ihrer St. Clair Campus-Reihe noch nichts gehört, die dann aber genau meinem Beuteschema entsprach, weswegen ich mich gerne darauf eingelassen habe. Bei den ersten beiden Bänden ...

Von Ivy Kazi hatte ich bis zu ihrer St. Clair Campus-Reihe noch nichts gehört, die dann aber genau meinem Beuteschema entsprach, weswegen ich mich gerne darauf eingelassen habe. Bei den ersten beiden Bänden hatte ich dennoch deutliche Kritik anzubringen, was vor allem auf der inhaltlichen Ebene und bei ein paar stilistischen Schwächen zu konstatieren war und dennoch war eine Verbesserung zu sehen und diese Leistungskurve zeigt mit „The Feeling of Forever“ deutlich nach oben.

Bei der gemeinsamen Geschichte von Penelope und Cam war für mich vor allem die positive Entdeckung, dass ihre Geschichte regelrecht ‚erwachsen‘ wirkte, was nicht nur der Tatsache entsprach, dass Cam eben schon in jungen Jahren Vater geworden ist und daher nicht der Protagonist sein kann, der das Leben völlig locker nimmt, sondern dass sie auch miteinander auf eine Ebene kommuniziert haben, die zwar Konflikte zugelassen hat, diese aber auch unaufgeregt wieder aus dem Weg räumen ließ. Die beiden haben sich auch wirklich zugehört, was man manchmal kaum noch für möglich hielt. Sie haben immer miteinander gesprochen und ihr Konfliktpotenzial zur Sprache gebracht und dabei erkannt, dass sie sich wichtiger sind, als dass sie sich keine Chance geben würde und das war wirklich erfrischend, zumal es auch nicht mit einer Langeweile gleichkam. Wendungen waren auch mit optimaler Kommunikation möglich.

Abseits dieser kleinen Lobeshymne muss ich aber auch sagen, dass sie als Figuren jeweils wirklich einen sehr sympathischen Eindruck gemacht haben. Penelope aus der dritten Perspektive, wie wir sie in den ersten beiden Bänden erlebt haben, war sicherlich schon vielversprechend, sie hat mich aber auch skeptisch gemacht und all das wurde aus dem Weg geräumt, denn vor allem ihre Art zu denken, dennoch ihrer Familie treu zu bleiben, all das kam mir sehr vertraut vor und ich habe mich da wirklich mit ihr verstanden gefühlt. Bei Cam war wiederum sympathisch, wie unaufgeregt er war, wie realistisch und wie toll als junger Vater, weil er so zukunftsorientiert und verantwortungsbewusst denkt. Vielleicht hätte ich mir manches Mal eine klarere Kante gegen seine Babymama gewünscht, aber gleichzeitig gestehe ich ihm auch zu, dass er in einer schwierigen Lage steckte. Bei ihm fand ich aber auch die ganzen Selbstzweifel sehr nachvollziehbar dargestellt, denn er hat viel einstecken müssen, er weiß, wie der Hase läuft und deswegen ist es mehr als verständlich, wie oft er sich selbst sabotieren wollte, um sich den Schmerz zu ersparen. Bei Penelope wiederum war es auch gut, wie sie das Kapitel toxische Beziehung in ihrem Leben abgehakt hat. Und die Mischung der beiden zusammen hat der Geschichte wirklich gut getan, auch weil die anderen bis dato glücklich entstandenen Paare gut scheinen durften.

Erst zum Ende hin wurde das Dramalevel in einer Art hochgeschraubt, dass ich mich dann doch wieder sehr an die ersten beiden Bände erinnert fühlte, dort hatte es sich aber durch deutlich größere Teile gezogen. Hier ist es wirklich nur ganz am Ende etwas zu viel, aber zum Glück dann auch recht erwachsen aufgelöst. Aber man merkt hier wohl deutlich, dass das mein Hauptkritikpunkt bei Kazi ist, dass ihre Art, Konflikte zu kreieren, oft etwas zu viel ist, so dass es auf Kosten der Authentizität geht, was nicht sein muss. Aber wie gesagt, die Leistungskurve geht nach oben, deswegen sage ich nichts weiter.

Fazit: Ivy Kazi schließt ihre erste Lyx-Reihe sehr zufriedenstellend ab, denn sie hebt sich das Beste für den Schluss auf. Zwischen Penelope und Cam gibt es eine sehr erwachsene Liebesgeschichte, was nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf die Kommunikation zwischen ihnen bezogen ist. So habe ich den sehr sympathischen Figuren ihr Happy End wirklich von Herzen gegönnt.

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Veröffentlicht am 31.05.2022

Oseman erzählt die wichtigen Geschichten

Loveless
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Auf Alice Oseman wird derzeit jeder aufmerksam, der bei Netflix die überaus charmante und ergreifende Jugendserie „Heartstopper“ gesehen hat. Diese beruht auf der gleichnamigen Graphic Novel-Reihe. Oseman ...

Auf Alice Oseman wird derzeit jeder aufmerksam, der bei Netflix die überaus charmante und ergreifende Jugendserie „Heartstopper“ gesehen hat. Diese beruht auf der gleichnamigen Graphic Novel-Reihe. Oseman hat aber auch schon ausformulierte Jugendbücher geschrieben und dazu gehört „Loveless“, das ich neugierig jetzt gerne mal lesen wollte und dass ich begeistert bin, wäre noch untertrieben, weswegen ich mir schon jetzt wünschen würde, Netflix plant hier auch mit einer Adaption.

In den Stil des Buchs musste ich erstmal einfinden, auch wenn er mir in modernen Jugendbüchern schon öfters begegnet ist, aber es ist für mich doch so selten, dass es immer eine Einfindungsphase ist. Die Kapitel sind relativ kurz und die jeweiligen Überschriften häufig ein Zitat daraus und da ist es auch egal, dass es fast ein ganzer Satz manchmal ist. Durch diesen Stil fegt man zunächst durch das Buch, denn es sind viele Informationen, die Emotionen wirken noch etwas oberflächlich und mittendrin die völlig überforderte Protagonistin Georgia. Nach und nach lichtet sich der Nebel aber und nach der etwas seltsamen Episode zum Abschluss der Schulzeit geht es ans College, wo die eigentliche Geschichte erst richtig losgeht.

Georgia ist zwar schon in der High School damit konfrontiert worden, dass sie noch ungeküsst und eine Jungfrau ist, aber spätestens im College hat sie nur noch einen Gedanken, dass sie die Themen endlich abhaken will, um ihre romantische Liebesgeschichte zu bekommen, denn Georgia liebt Liebesfilme, sie ist großer Fan von Fan Fiction, die auch gerne mal erotischer zugehen darf. Doch das Problem ist, dass Georgia körperliche Nähe, die auf sexuelle Interaktionen hinsteuern, abstoßend findet. Dennoch probiert und probiert sie, mal dieses, mal jenes Geschlecht und immer weiter, weil sie nicht glauben kann, dass Sex und Liebesbeziehungen für sie nichts sind. Was man als Leser und Leserin schnell ahnt, dass sie nämlich asexuell ist, ist für Georgia eine lange Reise zu sich selbst, die in diesem Jugendbuch wirklich sehr einfühlsam dargestellt wird. Sie landet eher zufällig bei der Pride Community, aber eigentlich will sie sich damit gar nicht beschäftigen, denn mit ihr soll ja schließlich alles normal sein, oder? Nach und nach kommt Georgia der Wahrheit auf der Spur, aber auch als die Erkenntnis einmal da ist, ist das nicht gleich einhergehend mit einer Erleichterung, weil sie sich sofort Vorwürfe macht, nicht so wie andere zu empfinden. Die Geschichte von Georgia hat mich wirklich berührt, denn sie ist trotz der spezifischen sexuellen Orientierung dennoch auch universell zu verstehen, wie es vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen (teilweise ja auch Erwachsenen) geht. Deswegen hatte ich „Heartstopper“ schon gelobt, weil es genau die Serie war, die sich meine Generation auch gewünscht hätte und das ist bei „Loveless“ nicht anders, weil es auch thematisch unglaublich den Horizont erweitert.

Das liegt auch an den ganzen Nebenfiguren, denn das Figurenspektrum ist mit Ethnien und sexueller Neigung sehr breit gestreut und jede Figur bekommt eine gleichwertige Geschichte erzählt. Natürlich liegt der Fokus auf Georgia, auch durch ihre Ich-Perspektive und dennoch ist es mir nicht schwer gefallen, mich in die anderen wie Pip, Jason, Sunil und Rooney reinzuversetzen. Georgia ist auch eine empathische Protagonistin, die zwar auch viele verletzte Gefühle hinterlässt, aber das wahrlich nicht absichtlich, sondern aus Überforderung mit sich selbst, aber man merkt deutlich, wie wichtig ihr die ganzen Menschen sind und dass sie ihnen genauso Raum gibt, wie sie ihn für sich selbst erhofft. Insgesamt wird natürlich nur ein sehr kleiner Abschnitt aus Georgias Leben erzählt, der aber sicherlich zu den wichtigsten zählen wird, weil sie sich selbst gefunden hat. Dennoch ist natürlich klar, dass damit nicht ein pauschales Happy End einhergeht und man ahnt, dass sie noch viele Baustellen zu überwinden hat, auch mit dem, was von außen an sie herangetragen wird, und dennoch ist dieser Abschnitt trostspendend. Denn die Figuren werden als wundervolle Familie dargestellt und es wird auch der Fokus generell auf Beziehungen gelegt, ganz abseits von einer oft nur rein romantisch ausgelegten Definition, weswegen das Buch auch voll von tollen Zitaten ist. Für mich ist das wirklich eine Herzensgeschichte gewesen.

Fazit: Wie auch „Heartstopper“ kann man „Loveless“ von Alice Oseman bedingungslos empfehlen, denn die Autorin beschäftigt sich wirklich mit Themen auf eine so einfühlsame und auch geduldige Art und Weise, dass man sich sofort verstanden wird, auch wenn es gar nicht zu 100% die eigene Geschichte ist. Georgias Reise steht aber für uns alle in irgendeiner Form, weswegen wirklich alle etwas mitnehmen werden können, deswegen ran an die Seiten!

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Veröffentlicht am 30.05.2022

Starkes Ende, wo alle Fäden zusammenführen

Das Gold der Krähen
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Für die Netflix-Serie „Shadow & Bones“ bin ich in die literarische Welt von Leigh Bardugo eingetaucht und auch wenn die Grisha-Reihe mehr magischer war, so war die Krähen-Dilogie komplexer und vor allem ...

Für die Netflix-Serie „Shadow & Bones“ bin ich in die literarische Welt von Leigh Bardugo eingetaucht und auch wenn die Grisha-Reihe mehr magischer war, so war die Krähen-Dilogie komplexer und vor allem bei der Charakterarbeit viel intensiver, weswegen sich auch alleine die Seitenzahl extrem unterschieden hat. Deswegen war schon „Das Lied der Krähen“ eine große Herausforderung, denn ich lese inzwischen doch deutlich seltener echte Schinken, während das früher noch deutlich normaler war. Deswegen habe ich „Das Gold der Krähen“ wirklich über einen sehr langen Zeitraum gelesen, was aber gar nicht so schlimm war, denn diese Welt ist trotz ihrer Komplexität sehr vertraut, auch weil inzwischen eben auch die Serienversion besteht, so dass noch mehr Bilder im Kopf sind. Dennoch finde ich den zweiten Band und zugleich Abschluss der Reihe etwas schwächer.

Die Dilogie ist alleine schon so komplex, weil mit den einzelnen Figuren oft tief in die Vergangenheit eingetaucht wurde. Im zweiten Band ist das etwas weniger, weil wir die wichtigsten Grundgeschichten kennen, aber gerade bei Jasper und Wylan gab es noch viel zu entdecken. Dennoch haben sich die einzelnen Kapitel auch ohne Eintauchen in die Vergangenheit manchmal gezogen. Gerade wenn es an die richtig spannenden Stellen geht, wo nicht mehr geplant wird, sondern wirklich gehandelt wird, dann sollte auch die Handlung wirklich im Vordergrund stehen. Da ist dann aber manchmal noch ein Schlenker zu viel mitgenommen worden. Das war im ersten Band etwas besser gelöst, weil da die Erzählweise konsequenter war.

Definitiv waren aber wieder sehr viele Wendungen und Überraschungen möglich. Diesmal ging es auch weniger um den einen großen Coup, sondern es waren ja oft Herausforderungen, die sich spontan ergeben haben, so dass Kaz nicht im Vorfeld schon einen klaren Plan haben konnte. Das hat etwas von der Genialität weggenommen, die im ersten Band so herausgestochen hat, weil Kaz eben für alles ein Ass im Ärmel hatte und dennoch hatte dieser etwas andere Schwerpunkt natürlich auch seine Reize, weil es noch mal ein anderes Mitfiebern war, weil eben auch Kaz an seine Grenzen gekommen ist und nicht jeder Plan in trockenen Tüchern war. Dieser Band hatte aber auch mehr Emotionen zu bieten, weil die einzelnen Liebesgeschichten forciert wurden. Nina und Matthias waren das Highlight im ersten Band und durften jetzt weiter zusammen wachsen, bei Kaz und Inez war es eben so zart und behutsam auf ihre eigene Art und Weise und bei Wylan und Jasper war es wiederum völlig anders. Es gab zwar gerade beim letzten Pärchen ein paar Vorhersehbarkeiten, die mir nicht so gefallen haben, auch weil es zu klischeehaft war, aber dennoch hat dieser starke Liebesaspekt etwas für sich gehabt.

Insgesamt kann ich auch sagen, dass es wirklich zufriedenstellend zu einem Ende gebracht wurde. Die großen Handlungsbögen haben alle ihren Abschluss bekommen, die großen Widersacher haben bekommen, was sie verdient haben und dennoch ist es natürlich keine klassische Heldengeschichte, weil die Protagonisten natürlich auch in der Welt des Verbrechens zuhause ist. Deswegen mussten auch dort Konsequenzen getragen werden und Entscheidungen getroffen werden. Es war auch gut, dass es kein völliges Happy End geworden ist, denn das hätte einfach nicht zu der Atmosphäre gepasst, wofür die Krähendilogie eben steht. Zudem ist auch die Geschichte der Protagonisten eher offen gehalten. Es gibt klare Richtungen, aber vieles bleibt auch spekulativ und das hat wirklich gut gepasst, weil es offene Fragen sind, mit denen ich leben kann.

Fazit: Leigh Bardugo hat ihren Krähen-Dilogie definitiv zufriedenstellend zu einem Ende gebracht und dabei auch auf Realismus und genau die Atmosphäre gesetzt, die sie die ganze Zeit über beabsichtigt hat. Dennoch ist der zweite Band etwas schwächer als der Abschluss, aber das ist rein vom Geschmack her, denn insgesamt ist es natürlich erzählerisch ein echtes Brett.

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