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Veröffentlicht am 15.08.2024

Emotional schwer, aber auch schön

Alles, was ich geben kann – The Last Letter
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Während ich bei Rebecca Yarros' Fantasyreihe rund um die Drachenreiter noch zurückhänge, habe ich ihre Liebesromane, die nun nach und nach für den deutschen Buchmarkt übersetzt worden sind, immer sehr ...

Während ich bei Rebecca Yarros' Fantasyreihe rund um die Drachenreiter noch zurückhänge, habe ich ihre Liebesromane, die nun nach und nach für den deutschen Buchmarkt übersetzt worden sind, immer sehr zeitnah verschlungen. Sie haben für sie als Soldatenehefrau viele Parallelen, weil ich durchaus verstehen kann, dass dieses Leben den Blick auf die Liebe noch einmal anders schärft, aber auch wenn ich es selbst so nicht kenne, kann ich mich doch gut darin fallen lassen. „Alles, was ich geben kann“ ist ein Roman von Yarros aus 2019, der nun erschienen ist. Und auch wenn das nun schon deutlich zurückliegt, so habe ich bislang festgestellt, dass das nichts darüber aussagt, dass Yarros sich zum damaligen Zeitpunkt noch in den Anfängen befand.

Deswegen gelang für mich auch der Einstieg in „Alles, was ich geben kann“ sehr schnell. Da der englische Untertitel „The Last Letter“ lautet, passt es gut, dass es gleich mit einem Brief losgeht, der das Leben von Ella und Beckett für immer verändert. Die Briefe behalten den ganzen Rest über eine große Bedeutung und sind immer zu Kapitelanfang gesetzt. Was ich manchmal etwas irritierend fand, das ist eindeutig, dass die Briefe nicht in ihrer geschickten Reihenfolge platziert wurden. Mir ist klar, dass Yarros versucht hat, die Informationen aus den Briefen zu möglicherweise passenden Kapiteln zu packen, aber ich fand die Verbindungen nicht immer so offensichtlich, weswegen ich die Taktik nicht als gelungen bezeichnen würde. Auch wenn Raute plus Briefnummer ein wichtiger Hinweis waren und ich mich auch über den Inhalt dann einfinden konnte, aber es wäre einfacher gewesen, es stringent zu liefern, weil die beiden Protagonisten schließlich aufeinander reagieren und sie nicht aus einem Zeitkontinuum herausgelöst sind.

Letztlich habe ich noch einen Kritikpunkt, bevor ich dann aber begeisternd werde. Das Buch ist thematisch und damit emotional schon sehr schwer. Mir ist bewusst, dass es wirklich Menschen gibt, denen so viel Leid passiert, dass es für zehn weitere mitreicht und das ist auch wirklich schlimm. Es aber konkret zu lesen, puh, das hat was mit mir gemacht. So ganz nah am Ende dann nochmal ein Ereignis dieses Ausmaßes zu haben, woah, das musste ich nach dem Lesen erstmal abschütteln. Mir war es also wirklich etwas zu viel, gerade für das Genre. Dennoch muss ich umgekehrt loben, dass Yarros es geschafft hat, auch den sehr melancholischen und auch depressiven Phasen etwas mitzugeben, was einem reichenden Arm glich, was einen über Wasser hält. Zudem hat sie sich mit dem gesamten Buch mit dem Thema Schicksal auseinandergesetzt und ich konnte viele Ansichten sehr teilen. Deswegen habe ich verstanden, warum Yarros sich auch für so viel Leid entschieden hat, denn aus einem so tiefen Tal auf eine gewisse Weise auf Vorherbestimmung zu schauen, steht für mich für große Stärke. Denn in der Euphorie und inmitten der Glückssträhne an Schicksal zu glauben, das ist einfach, umgekehrt stellt es aber den eigentlichen Sinn dar.

Auch wenn das Buch mit gewissen Missverständnissen arbeitet, die nicht hätten sein müssen, aber ich musste beim Lesen doch manches Mal auch an die Netflix-Produktion „Love is Blind“ denken, denn die Briefe haben es nach und nach gezeigt, ja, man kann sich nur in die Charaktereigenschaften von jemandem verlieben und deswegen war auch gut nachzuvollziehen, warum Beckett und Ella so schnell schon richtig füreinander wirkten. Auch wenn sie nicht dasselbe Wissen hat, aber unterbewusst war da auch was. Aber diese beiden fangen nicht bei Null ein. Um sie herum sind dann weitere tolle Figuren geschrieben, vor allem natürlich Havoc und die Zwillinge Maisie und Colt. Ich fand es wirklich herzallerliebst, dass Yarros es auch außerhalb der Liebesgeschichte geschafft hat, sehr liebevolle Beziehungen zu zeichnen, die mich alle berührt haben. Die Zwillinge untereinander, aber auch Beckett mit seinem Hund und dann jeweils mit den Kindern. Es fühlte sich dadurch sehr schnell an, als sei ich ein Teil des Ganzen. Das hat natürlich das Erlebte in vielen Punkten auch noch schwerer gemacht, weil ich emotional investiert war.

Lustigerweise hatte ich in einigen Punkten manchmal noch mehr Drama vor Augen als das, wofür sich die Autorin letztlich entschieden hat. Faktor Jeff und seine Eltern als Beispiel. Dementsprechend muss ich auch sagen, dass Yarros sich oft auch für gemütliche und lustige Szenen entschieden hat, während sie manches einfacher gelöst hat. Dadurch ist die Balance auf eine gewisse Weise da. Letztlich mag ich auch große Teile des Handlungsverlaufs echt gerne, denn es war eine gute Mischung aus Auf und Ab, was an die Seiten gebunden hat. Demnach komme ich wieder da aus, dass Yarros für mich Liebesgeschichten schreibt, die mich alle berühren. Sie haben Kitsch, sie haben Drama, aber sie haben auch sehr echte Wurzeln.

Fazit: „Alles, was ich geben kann“ ist ein hochdramatischer Liebesroman, der schon einiges an emotionaler Schwere mit sich bringt. Eine locker-leichte Sommerlektüre ist es wahrlich nicht. Aber das Thema Vorherbestimmung/Schicksal, die süßen Beziehungen, die Briefe und all das, das hat für mich einen sehr runden Roman gebildet, der mich emotional sehr oft zu berühren wusste.

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Veröffentlicht am 17.07.2024

Emotionale Gegensatzthematik

Part of Your World
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Ganz ideal ist da bei dtv nun nicht gelaufen, denn auch wenn es im Marketing nicht offensiv als Dilogie angekündigt worden ist, so gehören „Part of Your World“ und „Yours Truly“ zusammen und spielen auch ...

Ganz ideal ist da bei dtv nun nicht gelaufen, denn auch wenn es im Marketing nicht offensiv als Dilogie angekündigt worden ist, so gehören „Part of Your World“ und „Yours Truly“ zusammen und spielen auch in der genannten Reihenfolge. Auf dem deutschen Buchmarkt ist aber zuerst das zweite Buch erschienen, so dass wir in „Yours Truly“ schon was über Alexis und Daniel erfahren haben und nun im Nachklang ihre Geschichte übersetzt bekommen haben. Auch wenn das sicherlich etwas ungeschickt gelaufen ist, aber bei Liebesgeschichten hat das für mich nicht eine solche Dramatik, denn das Happy End plane ich ja ohnehin ein.

Es war schön, so schnell wieder in eine Welt von Abby Jimenez einzutauchen, weil für mich sehr ansprechende Geschichten schreibt und bislang nach drei Büchern auch das Gefühl habe, dass sie immer einen anderen Schwerpunkt findet und sich einfach auf das einlässt, was sie gerade leitet. Wir haben bei „Part of Your World“ wie schon bei „Yours Truly“ die Krankenhausthematik, weil Alexis wie Bri Ärztin ist, aber wir haben durch Daniel, der kein Arzt ist, ein extremes Gegengewicht, denn während sie aus der Großstadt kommt, ist er in einer Kleinstadt zuhause, in der jeder jeden kennt und in der auch mit etwas Augenzwinkern betrachtend die Magie herrscht. Das Buch spielt auch größtenteils auf dem Land, was ich als sehr angenehm empfand, denn die Kleinstadtthematik hat immer etwas fürs Herz. Gleichzeitig wurde sie aber auch keinesfalls romantisiert. Auf das eine Thema, was darin einfließt, komme ich gleich näher, aber es wird auch mit der Versorgung und Abhängigkeit von Wetter gearbeitet, weswegen Alexis mit ihren Kenntnissen natürlich sehr ideal kommt. Bei „Yours Truly“ hatte ich etwas bemängelt, dass es mir fast schon zu wenig Medizin war, aber hier fand ich es sehr gut gelungen, wie Alexis irgendwann immer mehr in der Gemeinschaft übernimmt, als sie sich emotional auf das Leben dort einlässt.

Der Gegensatz ist es aber auch, der die Geschichte zum größten Teil inhaltlich antreibt, denn Alexis und Daniel haben auch einen Altersunterschied (wobei wir den am ehesten beiseite lassen können, denn im Verhalten war das in keiner Weise zu bemerken, da ist das Alter wirklich nur eine Zahl gewesen), aber sie sind in völlig fremden Welten groß geworden. Sie hat im Haushalt noch nie einen Finger rühren müssen und ist auf dem medizinischen Gebiet eine echte Koryphäe, während Daniel überall der Praktiker ist, der alles selbst einpackt. Dazu dann auch noch die krassen Erwartungen, die an Alexis als Erbin einer Ärzte-Dynastie gestellt wird. Auch Daniels Familie hat in Wakan einen Ruf, aber dort kann dennoch jeder seinen Weg wählen. Was die beide eint, ist aber eine sofortige Chemie und dass die Herzen in vielen Aspekten sofort in einem Takt schlagen. Die Liebesgeschichte hat mich da durchaus von Anfang an zu überzeugen gewusst. Natürlich gab es gewaltige Baustellen, so tat es mir oft für Daniel weh, dass er wirklich das Gefühl haben musste, Alexis schämt sich für ihn, aber umgekehrt kann ich ihr das auch nicht vorwerfen. Denn auch wenn es in der Außenperspektive einfach ist zu sagen, bau da alles ab und geh nach Wakan, aber es ist ihr Leben, ihre emotionale Gebundenheit an Familie und Vermächtnis. Sie ist in sich charakterlich gesehen konsequent gestaltet worden. Auch wenn ich sie manchmal schütteln wollte, aber es war dennoch verständlich.

Das Buch legt auch einen großen Schwerpunkt auf Missbrauch. Dabei fand ich besonders positiv, dass es sowohl um emotionalen als auch physischen Missbrauch geht. Dass es da einen Unterschied gibt, ist vielen nicht klar, und noch schlimmer: für beide Gruppen hat man oft wenig Verständnis, warum sie es nicht einfach hinter sich lassen können. Mit Alexis und Liz wurde das wirklich schön erzählt. Wir erleben Alexis zum Glück, als sie das schlimmste durch Neil bereits hinter sich gelassen hat, so dass sie ihm verdient kontra geben kann, aber dennoch wird es für sie konsequent aufgearbeitet und man kann viel lernen. Vor allem, weil Alexis ihre Erfahrungen dann auch an Liz weitergibt. Etwas, was ich etwas schade fand, dass ist für mich persönlich ein Ungleichgewicht bei dem Paar und was es durchmacht. Daniel hat zwar auch seine Mutter, die sich mit dem Erbe Geld erpresst, aber das war es eigentlich schon, während die sonstigen Dramen alleine Alexis trägt. Das hätte man noch etwas ausgeglichener gestalten können, denn so war Daniel mir manchmal zu glatt. Ein paar Ecken und Kanten mehr wären besser gewesen und hätten die Geschichte wahrscheinlich noch besser gemacht.

Fazit: „Part of Your World“ ist wieder ein sehr gut zu lesendes Buch von Abby Jimenez. Die Zusammenstellung aus Gegensätzen, süßer Darstellung von Kleinstadtleben und auch das Miteinander hat sehr gut funktioniert. Es gab ganz wenig zu meckern, aber insgesamt eindeutig eine Liebesgeschichte, mit der man sich leicht wegträumen kann.

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Veröffentlicht am 01.07.2024

Saskia Louis in etwas ernster und dennoch gleich gut

Unlock My Heart. Golden-Heights-Reihe, Band 1 (humorvolle New-Adult-Romance für alle Fans von Stella Tack)
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Wenn man sich mal die Veröffentlichlungsliste von Saskia Louis anschaut, dann muss man echt staunen, denn die Autorin liefert und liefert ab. Umso größer mein Verbrechen, dass ich sie nach der „Baseball ...

Wenn man sich mal die Veröffentlichlungsliste von Saskia Louis anschaut, dann muss man echt staunen, denn die Autorin liefert und liefert ab. Umso größer mein Verbrechen, dass ich sie nach der „Baseball Love“-Reihe völlig aus den Augen verloren habe, denn die habe ich echt geliebt. Vielleicht war in mir auch eine gewisse Unruhe, weil ich schon auch gemerkt habe, dass sich mein Lesegeschmack nochmal verändert hat und ich eigentlich nicht wollte, dass Louis damit nicht mehr dazu gehört. Eigentlich echt blödsinnig. Aber gut, dass ihre Golden Heights-Reihe nun neu veröffentlicht wurde, denn da habe ich mir den Namen selbst wieder in Erinnerung gerufen und da ich Louis auch viel mit sommerlich-entspannter Lektüre verbinde, erschien mir die aktuelle Jahreszeit als ideal.

„Unlock my Heart“ habe ich als Hörbuch durchgesuchtet und das wird von Juliane Hempel und Max Rauch gelesen. Ich fand Hempel noch einmal besser fürs Ohr, auch wenn mir beide sehr gut gefallen haben, aber sie hat für mich irgendwie ideal das ausgestrahlt, was ich zu Lexie wahrgenommen habe. Lexie hat in ihrem Leben nämlich ganz schön viel schon durchgemacht und sie hat dazu eine sehr lässige, coole und mutige Attitüde. All das kam in der Stimme rüber, weswegen ich ihre Kapitel noch einmal ein Stück lieber gehört habe. Insgesamt dennoch sehr gut aufgenommen und hörenswert.

Zum konkreten Inhalt: Hätte ich nicht gewusst, dass Louis sich hinter „Unlock my Heart“ befindet, dann hätte ich die Autorin wohl nicht unbedingt erkannt. Die „Baseball Love“-Reihe war schon echt völlig anders, sie war alleine inhaltlich viel leichter und noch mehr auf Humor ausgerichtet. Einige lustige Stellen hat „Unlock my Heart“ auch, aber es ist eindeutig nicht der Schwerpunkt, er kommt eher nebenbei durch, wie Lexie mit einigen Menschen in ihrem Leben umgeht, aber natürlich auch durch Logans Mitbewohner Aiden, der als Sportler eine Liebe fürs Backen hat. Das sind dann so die kleinen Details mir ungewöhnlichen Ideen, die mir doch gezeigt haben, ja, es ist die Autorin, die ich einst kennen- und lieben gelernt habe. Dennoch ist die andere Art dieses Buchs keinesfalls ein Manko, denn wir waren ja beim veränderten Lesegeschmack und ich finde, dass der Auftakt zur Golden Heights-Reihe das gut repräsentiert, denn die Charakterarbeit zu Logan und Lexie war schon sehr gut. Sie haben beide mit ihren individuellen Zügen viel Ausarbeitung bekommen und ich habe beide für sich jeweils gut kennengelernt. Aber auch in die Nebencharaktere wie Maze, Ty und Carly wurde viel gesteckt. Selbst Logans Eltern haben mir gefallen, denn es passiert durchaus öfters, wenn ein oder beide Elternteile eher die Antagonisten sind, dass es schwer ist, sie wieder einzufangen, aber das ist auch gut gelungen.

Mir hat inhaltlich sicherlich am meisten gefallen, dass Lexie aus so einer düsteren Vergangenheit kommt und sich auch mit illegalen Aktivitäten über Wasser halten muss. Dazu lernen sie und Logan sich besser kennen, weil er genau so einen kleinen kriminellen Mastermind braucht. Daher war es einfach cool, dass diese Seite von Lexie kein großes Geheimnis bleiben musste, sondern dass offensiv damit umgegangen wurde und sich Logan auch mit dem Wissen darum in sie verliebt hat. Die beiden begegnen sich zwar mit vielen Vorurteilen, aber sie reden auch so offensiv darüber, dass es umgekehrt wieder zeigt, dass Vorurteile auch schnell wieder abgebaut werden können und das wurde auch positiv gezeigt. Die ganze Handlungsentwicklung hat gut gepasst. Das Kennenlernen, dann das Herantasten, die große Gala und von dort aus eine weiter komplexe Geschichte, die am Ende noch ein echt spannendes Element hat, was ich aber angemessen fand. Angesichts von Lexies Geschichte war es nur konsequent, dazu etwas hochkommen zu lassen. Zudem wird augenscheinlich, dass es im zweiten Teil, in dem es um Ty gehen wird, es weiter gesponnen werden kann, was ich ebenfalls positiv finde.

Aber das wichtigste ist natürlich die Chemie der beiden Protagonisten und das wurde gut aufgebaut. Schon alleine, als Lexie ihn von der anderen Seite aus sieht und sich beobachtet fühlt, der erste Zusammenstoß. Es wird nach und nach mehr. Faszination und auch ganz langsames Kennenlernen. Ich habe an den beiden als Paar wirklich viel Spaß entwickelt. Ich fand es aber auch toll, wie sie füreinander eingestanden sind und dass es sich zum Schluss auch richtig gleichberechtigt anfühlte. Logan hat mehr etwas zu seiner eigenen Identität durchzustehen, bei dem Lexie den letzten Schubs geht und sie wiederum muss sich vor der eigenen Vergangenheit fürchten, für die dann Logan seine Privilegien einsetzt und sich damit auch mal im Reinen empfindet.

Fazit: Man hat es in meiner Review wohl bemerkt. Meine Freude an Saskia Louis als Erzählerin hat sich nicht gemindert. Auch wenn ich jetzt auch eine völlig andere Seite von ihr kennen, aber die hat mich nicht minder zu unterhalten gewusst. Und eine Autorin, die wandelbar mehrere Seiten hat, ist sowieso eine große Sache. Ich bin froh, dass ich wieder auf sie aufmerksam wurde und kann auch diesen Liebesroman mit etwas ernsteren Tönen nur sehr empfehlen.

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Veröffentlicht am 06.06.2024

Inhaltlich andere Schwerpunkte

Der Totenarzt (Ein Hunter-und-Garcia-Thriller 13)
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Bald zwei Jahre sind seit dem letzten Chris Carter-Thriller vergangen. Aber vielleicht war das auch gar nicht mal schlecht, denn der Autor hatte wirklich ein absurdes Tempo offenbar im Schreiben und wenn ...

Bald zwei Jahre sind seit dem letzten Chris Carter-Thriller vergangen. Aber vielleicht war das auch gar nicht mal schlecht, denn der Autor hatte wirklich ein absurdes Tempo offenbar im Schreiben und wenn man über eine so lange Zeit Figuren begleitet, dann birgt das natürlich gewisse Gefahren. Zu „Der Totenarzt“ hat es nun also etwas länger gedauert und ich finde durchaus, dass dieser 13. Band andere Seiten aufzieht.

Man kann nicht wahrlich behaupten, dass Chris Carter immer Kopien erstellt, so war beispielsweise auch der 10. Jubiläumsband deutlich von gewissen Mustern abgewandelt. Aber insgesamt weiß man, was man bei dem Autor bekommt. Brutale Fälle, kurze Kapitel, eine brillante Hauptfigur mit dem Namen Robert Hunter und dann Adrenalin pur. Im Grunde behält „Der Totenarzt“ diese Erfolgszutaten immer noch bei und dennoch hatte ich bei diesem Band zwischendurch ganz neue Eindrücke. Zum einen war die Opferzahl, die wir konkret miterleben, sehr niedrig gehalten. Normalerweise begleiten wir über einen Band hinweg immer einige Opfer, wo oft auch der Eindruck entstand, es muss sich immer nochmal übertreffen. Das war hier gar nicht. Zum anderen hatte ich überhaupt den Eindruck, dass diesmal das Marketing nicht beabsichtigt hat zu tun, als könne Carter sich immer nochmal übertreffen. Denn das ist irgendwann nicht mehr möglich. Nicht nach 12 Bänden, in denen wir wirklich unheimlich viel Ekelhaftes, Gruseliges und Brutales erlebt haben. Aber ich brauche es auch gar nicht, dass es immer noch mehr ist. Dementsprechend fiel mir auch mehr auf, dass „Der Totenarzt“ eine sehr psychologische Komponente hatte.

Der Band hat sich allgemein in seiner 13. Runde sehr viel Zeit gelassen. Alleine die Sequenz in der Gerichtsmedizin der Uni, in der wir einer Lehrstunde beiwohnen, war sehr lange aufgebaut, aber ich mochte es. Es ist genau die Stilistik von Carter, die wir sonst eher durch die Augen des Täters oder Opfers erleben, hier ist es mal eine vorwitzige Medizinstudentin, die mal eine großartige Pathologin werden wird. Dann wieder lohnt sich auch der Blick auf den Täter selbst, der nicht gleich als der Brutalste überhaupt inszeniert wird und er will es auch gar nicht sein. Wenn man bedenkt, wie er die Morde tarnen wollte, da wird schnell eine andere Mission deutlich und das ist auch ein Täterprofil, das wir von Carter so oft noch nicht angeboten bekommen haben. Seine Serientäter wollen zwar nicht geschnappt werden, aber doch etwas Bestimmtes in der öffentlichen Wahrnehmung erreichen. Aber nicht dieser hier. Er war die clevere Wahl, um einen ruhigeren Eindruck mit mehr Tiefgang zu vermitteln. Während Hunter und sein Partner Carlos Garcia nämlich den Spuren folgen, gibt es viele Passagen, die sich ausführlich dem Thema Missbrauch in allerlei Formen widmet. Es sind bedrückende Passagen, aber mit so viel Respekt geschrieben, dass es unweigerlich berührt. Auch wenn es lange dabei um die Opfer geht, geht es auch um den Täter und es war eine gelungene Symbiose.

Zuletzt habe ich noch einen Aspekt, der für mich auch hervorstach. Auch wenn sich Hunter als Marketinggesicht für die Reihe durchgesetzt hat. Garcia ist auch wichtig und ich habe mich oft über seine Rolle aufgeregt, weil er immer nur dieses Beiwerk war. Hier nimmt er eine sehr prominente Rolle ein. Generell fand ich es auch gut, dass Hunter und Garcia viel isoliert voneinander gearbeitet haben, weil es auch zeigt, dass Hunter seinem Partner vertraut, auch wenn sie so unterschiedlich sind, aber er traut ihm zu, die Ermittlungen genauso zu einem Ende zu bringen, wie er die Fähigkeiten hat. Dazu war dann auch spitze, dass Garcias ganze humorvolle Art sehr gut durchgekommen ist. Ich kann an dem Punkt wirklich nicht mehr sagen, aber es war tolle Garcia-Arbeit hier, was ich sehr zu schätzen weiß.

„Der Totenarzt“ war das erste Mal, dass ich Hunter in Hörbuch-Form hatte. Uve Teschner war für mich also eine neue Erfahrung, aber ich muss sagen, dass er stimmlich sehr gut zu der Atmosphäre der Reihe passt. Auch wenn die Wahl schon vor vielen Bänden getroffen wurde, aber auch mehr als 13 Jahre später kann ich es noch lobend festhalten.

Fazit: Reihen können sich abnutzen und auch Chris Carter hat in seiner Thrillerreihe zur UV-Einheit des LAPDs viele Höhen und Tiefen erlebt. „Der Totenarzt“ bleibt mir nun als einer der besseren Bände in Erinnerung, weil er vieles anders macht und dennoch Carter erkennen lässt. Es war mehr psychologisch und diesmal auch Spielfläche für Garcia. Also Daumen hoch!

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Veröffentlicht am 06.05.2024

In der Tat 'funny' und gefühlvoll

Funny Story
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Nachdem ich „Book Lovers“ von Emily Henry im vergangenen Jahr für mich entdeckt habe, war ich bei der Ankündigung zu „Funny Story“ sofort sehr interessiert dabei, um mal überprüfen zu können, ob mich die ...

Nachdem ich „Book Lovers“ von Emily Henry im vergangenen Jahr für mich entdeckt habe, war ich bei der Ankündigung zu „Funny Story“ sofort sehr interessiert dabei, um mal überprüfen zu können, ob mich die Stilistik der Autorin auch weiterhin begeistern kann.

Es ist in jedem Fall schnell zu erkennen, dass Henry ein gewisses Muster hat. Bücher sind ihre Leidenschaft, sowie von uns Lesern auch, weswegen Hauptfigur Daphne in einer Bibliothek arbeitet und sich um die Heranführung der Jüngsten an das Medium kümmert. Zudem ist auch die ganze Geschichte wieder voll von Anspielungen auf Bücher jeglicher Art. Wer also sehr belesen ist und sich generell in der Welt der Bücher wie einem zweiten Zuhause bewegt, der findet alleine auf dieser Ebene wieder viel in „Funny Story“. Eine weitere Sache ist, dass Henry es für mich wieder gut meistert, Humor und Ernst unter einen Hut zu bringen. Ich hatte zwar den Eindruck, dass es viel lustiger anfing und sich dann immer mehr eine gewisse Melancholie eingeschlichen hat, aber dennoch kommen die Witze und Wortspiele dann doch wieder um die Ecke. Im deutschsprachigen Raum gibt es beispielsweise Kyra Groh, die mir sofort als Autorin einfällt, die immer einen Clown gefrühstückt hat. Bei Henry ist die Gagdichte nicht ganz so hoch, aber ich finde dennoch, dass sie durchgängig einen reizvollen Charme anbietet.

Der Einstieg in das Buch hat mir aus einem bestimmten Grund sehr gefallen. Normalerweise kennt man es in Liebesgeschichten, dass die Protagonistin ihren Traummann in den schillerndsten Farben und Ausschmückungen sieht und man erstmal selbst einen Realitätscheck vornehmen muss. Das ist hier mal ganz anders. Ich hatte den Klappentext zwar im Vorfeld mal gelesen, aber ich hatte mich dann vor allem für die Autorin entschieden, so dass ich bis zur eigentlichen Lektüre dann den Inhalt schon gar nicht mehr auf dem Schirm hatte. Deswegen konnte ich die Figur Myles auch erstmal nicht so recht einordnen. Als Mitbewohner, der etwas melodramatisch, stoned und schludrig dargestellt wird, hatte ich ihn erstmal als Nebenfigur auf dem Schirm. Umso positiver überraschter war ich, dass er letztlich der zentrale Protagonist wurde. Denn ich fand es genau richtig, dass es mal nicht der märchenhafte Prinz ist, der die Frau auf Dauer glücklich macht, sondern ein ganz normaler Kerl, dem durch ein Beziehungsende auch der Boden unter den Füßen weggezogen werden kann und dessen Fehler und Mäkel genauso präsent ausgespielt werden wie seine Stärken und Leidenschaften.

Ich mochte dann auch sehr das Tempo, in dem die gemeinsame Geschichte vorangetrieben wird. Es ist wahrlich nicht das direkte chemische, das eine Knallreaktion hervorruft, sondern es ist erst eine Freundschaft, die sich aufbaut und dann immer mehr Tiefe gewinnt. Dabei sind beide Charaktere toll ausgestaltet worden. Ich will aber auch Ashleigh und Julia nicht vergessen, die auch sehr große Rollen spielen und die ebenfalls ihren Beitrag für eine tolle Lektüre leisten. Da wir nur Daphnes Perspektive habe, wird ihr Geschichte folglich etwas intensiv beleuchtet und ich fand die ganze Herleitung über ihren Vater, warum sie was an Peter geschätzt hat und wie sich mit Myles dann anders gefunden hat, total logisch und mitreißend. Viele ihrer Gedankengänge kamen mir auch sehr bekannt vor oder aber ich habe mich durch eigene Familie oder Freunde mit den Themen schon auseinandergesetzt. Das eine war die Wertigkeit einer Person und wie man sich immer verlassen fühlen kann, aber auch wenn die Partnerschaft einen so konsumiert, das man mehr Wir als ein Ich ist. Es hat alles wirklich gut zusammengespielt und mir von Anfang bis Ende eine Geschichte geboten, die ich sehr gerne gelesen habe und deren Welt ich nur ungerne verlassen habe.

Fazit: Emily Henry werde ich eindeutig auf dem Schirm behalten. „Funny Story“ teilt mit „Book Lovers“ die Stärken und ist dennoch eine ganz eigene Geschichte geworden. Viele Themen fühlten sich für mich persönlich an, aber ich mochte auch, wie Myles so fernab vom Märchenprinz eingeführt wurde, aber dann im Sturm mein Herz eroberte. Dazu ist Humor immer dabei.

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