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Veröffentlicht am 15.03.2023

Sperrig und eigen

Dschomba
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Im Jahre 1954 geschieht es, dass ein halbnackter Mann auf dem Eferdinger Pfarrfriedhof zwischen den Gräbern tanzt. Der Gendarm und der Bestatter holen den Dechant (Dekan), damit dieser den Fremden zur ...

Im Jahre 1954 geschieht es, dass ein halbnackter Mann auf dem Eferdinger Pfarrfriedhof zwischen den Gräbern tanzt. Der Gendarm und der Bestatter holen den Dechant (Dekan), damit dieser den Fremden zur Vernunft bringt. Es ist ein kalter Novembertag und Dragan Dzomba, wie der Eindringling heißt, wird am Ende des Tages mit dem Dechant mitgehen, der ihm im Pfarrhof ein Quartier gibt. Der Fremde bleibt fremd, was auch geschieht, obwohl er nun ein alter Mann ist, der viele Jahre später immer noch da ist und sogar regelmäßig im Gasthof am Stammtisch sitzt.

Dieses Buch hat es mir nicht leicht gemacht. Sperrig und eigen die Sprache, seltsam unvollendet die Sätze, Worte und Ausdrücke wie aus einer anderen Zeit. Auch die österreichische Mundart hat es mir erschwert, der Geschichte zu folgen, die zwischen Personen und Dingen springt, zwischen Orten und Jahren. Es geht um Heimat, das Fremdsein und die Zugehörigkeit. Es geht um Freundschaft, Ausgrenzung, aber auch um die Nachkriegszeit. Wer Spannung erwartet, wird hier nicht bedient, mir fehlte ein wenig der rote Faden, der Grund für das Ganze und ein Sinn. Letztendlich war es für das Buch und mich kein Vergnügen, wahrscheinlich war es der falsche Zeitpunkt für die Art der Lektüre. Schade, aber vielleicht klappt es beim nächsten mal.

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Veröffentlicht am 13.03.2023

Fremde Heimat

Salomés Zorn
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Die sechzehnjährige Salomé lebt zusammen mit ihrer Familie in einem niederländischen Dorf, ihr Vater kommt aus Kamerun, die Mutter ist Niederländerin. Auf dem Gymnasium, das sie besucht, ist sie immer ...

Die sechzehnjährige Salomé lebt zusammen mit ihrer Familie in einem niederländischen Dorf, ihr Vater kommt aus Kamerun, die Mutter ist Niederländerin. Auf dem Gymnasium, das sie besucht, ist sie immer wieder Anfeindungen ausgesetzt, die Situation spitzt sich zu. Salomés Vater kauft einen Punchingball und bringt seinen Töchtern bei, sich zu verteidigen. Salomé aber kann ihre Wut kaum kontrollieren; als sie zum wiederholten Male bedrängt wird, eskaliert die Situation, was damit endet, dass Salomé in der Jugendstrafanstalt landet, wo sie lernen soll, ihren Zorn im Zaum zu halten. Ihr Therapeut aber ist ausgerechnet ein Mann, der als Kandidat in einer fremdenfeindlichen Fernsehsendung aufgetreten ist.

„Ich brülle, weil ich nicht weinen will. Und dann flippe ich aus.“ (Seite 58)

Salomé ist die Ich-Erzählerin in diesem Debütroman und ihre Wut und ihr Zorn ziehen sich durch das ganze Buch. Welcher Vorfall dazu geführt hat, dass sie für sechs Monate in die Jugendstrafanstalt muss, wird erst spät enthüllt, davor gibt es immer nur kleine Andeutungen, Versuche einer Erklärung und die Suche nach einer Antwort, ohne die Frage zu kennen. Der unterschwellige und auch der offene Rassismus waren schwer zu ertragen, manche Ausdrücke fand ich so schlimm, dass es mich förmlich geschüttelt hat beim lesen. Was das mit einem jungen Menschen macht, wage ich mir gar nicht vorzustellen, zumal wenn dieser auch so schon auf der nicht einfachen Suche nach Identität und Zugehörigkeit ist.

Ich habe ein wenig gebraucht, um ins Buch zu finden, fand den Schreibstil speziell und die Erzählweise sehr gewöhnungsbedürftig. Die Gedanken der Jugendlichen waren manchmal wirr, wache Momente, Erinnerungen und Träume wechselten sich ab, Wünsche, Sehnsüchte und Hoffnungen standen im Raum und fanden dennoch keinen Platz. Im Laufe der Geschichte wurde dies anders, ich konnte Salomé verstehen, mit ihr fühlen, hatte Verständnis für ihre Ohnmacht, ihren Zorn und diese große Wut. Ein Buch mit einem wichtigen Thema, aktueller denn je, auf das man sich einlassen muss, denn einfach macht es die Autorin der Leserschaft nicht.

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Veröffentlicht am 10.03.2023

Eiskalte Berechnung

In blaukalter Tiefe
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Der Wirtschaftsstrafverteidiger Andreas Kepler erfüllt seiner Frau Caroline und sich den Traum, in die schwedischen Schären zu segeln. Da die Romantik in seiner Ehe ein wenig auf der Strecke geblieben ...

Der Wirtschaftsstrafverteidiger Andreas Kepler erfüllt seiner Frau Caroline und sich den Traum, in die schwedischen Schären zu segeln. Da die Romantik in seiner Ehe ein wenig auf der Strecke geblieben ist, erhofft er sich zudem das Aufflammen romantischer Gefühle seitens seiner Frau. Er lädt zu dem Segeltörn zusätzlich noch den jungen Anwalt Daniel, der kurz davor steht, Partner in der Kanzlei von Andreas zu werden, sowie dessen Freundin Tanja ein. Zusammen mit dem wortkargen Skipper Eric werden die zwei Paare zehn Tage auf engstem Raum miteinander verbringen müssen, wobei die ersten Konflikte nicht lange auf sich warten lassen.

Zu Beginn wusste ich gar nicht so genau, was auf mich zukommt, war zuerst einmal aber angenehm überrascht, dass die Perspektive immer wieder zwischen den Beteiligten wechselte, was ich gerne mag. Von jeder Person bekam ich anfangs nur einen kleinen Teil ihres Wesens zu sehen, im Dunkeln blieb aber genug, um meine Neugier ins Unermessliche steigen zu lassen. Dadurch hat die Autorin es geschafft, von Anfang an eine gewisse Spannung in die Geschichte einzubauen, die sich durch das ganze Buch zog. Feine Spitzen, böse Bemerkungen, Andeutungen und fiese Spielchen, nichts ließen die vier aus. Die Emotionen kochten hoch, Animositäten entstanden, Wut und Zorn entluden sich. Die Geschichte steuerte auf einen Höhepunkt zu, aber was dann tatsächlich passierte, das war schon ziemlich krass. Den Ausgang habe ich so nicht erwartet, mir gefiel die Wendung sehr, die das Buch genommen hat. Für mich ein toller Spannungsroman, der meine Nerven strapaziert und mir sehr unterhaltsame Lesestunden beschert hat. Volle Punktzahl und eine Leseempfehlung gibt es dafür von mir.

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Veröffentlicht am 08.03.2023

Nervenkitzel garantiert

Die Herzchirurgin
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Als die Herzchirurgin Anna Jones nach Hause kommt, erwartet sie eine böse Überraschung. Fremde Männer sind in ihrem Haus und installieren Kameras, um sie zu überwachen, ihre Babysitterin ist tot und ihr ...

Als die Herzchirurgin Anna Jones nach Hause kommt, erwartet sie eine böse Überraschung. Fremde Männer sind in ihrem Haus und installieren Kameras, um sie zu überwachen, ihre Babysitterin ist tot und ihr kleiner Sohn verschwunden. Die Entführer stellen Anna ein Ultimatum; entweder sie tötet den beliebten Politiker Ahmed Shabir bei der bevorstehenden Operation auf dem OP-Tisch, oder ihr Sohn stirbt.

Das Buch handelt von drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da ist die renommierte Herzchirurgin Anna, die in eine fast ausweglose Situation gerät. Daneben gibt es Krankenschwester Margot, die bereits in einer ausweglosen Situation ist, sowie Detective Inspector Rachel Conaty, deren Ermittlung die Wege der beiden Frauen kreuzt und die ebenfalls vorbelastet ist. Für alle drei Charaktere gab es meinerseits Verständnis, allerdings für zwei der Frauen wenig Sympathie. Alle drei fungieren als Ich-Erzählerinnen, immer wieder springt die Geschichte hin und her, wobei dies mit Namen und Zeitangaben kenntlich gemacht worden ist. Durch diese Sprünge wird kontinuierlich eine Spannung aufgebaut, die irgendwann unerträglich wird. Ich war das eine oder andere Mal kurz davor, vorzublättern, weil ich den Nervenkitzel kaum noch ausgehalten habe.

Die Wendung, die die Story irgendwann nahm, kam unerwartet. Als ich mich gerade darauf eingestellt hatte, gab es erneut einen Twist, der mich staunen ließ. Der Einfallsreichtum des Autors war unglaublich, zu keinem Zeitpunkt kam Langeweile auf, meine Nerven waren zum zerreißen gespannt und ich sehr neugierig darauf, wie das Buch ausgeht. Das Finale setzte noch einmal einen drauf, ich konnte kaum fassen, wie die Geschichte ausging. Wer tempo- und wendungsreiche Thriller mag, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Fünf Sterne mit Sternchen und eine Leseempfehlung gibt es dafür von mir.

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Veröffentlicht am 06.03.2023

Ein ergreifendes Debüt

Isidor
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In diesem Buch erzählt die in Tel Aviv geborene Journalistin Shelly Kupferberg die Geschichte ihres Urgroßonkels Israel Isidor Geller, der im Jahre 1938 von den in Österreich einmarschierten Nazis in den ...

In diesem Buch erzählt die in Tel Aviv geborene Journalistin Shelly Kupferberg die Geschichte ihres Urgroßonkels Israel Isidor Geller, der im Jahre 1938 von den in Österreich einmarschierten Nazis in den Tod getrieben wurde. Sie erzählt von seiner Kindheit in ärmlichen Verhältnissen, von seinen Eltern und Geschwistern, von seinen Träumen und Wünschen, dieser Welt zu entfliehen. Mit Ehrgeiz und Fleiß schafft es Isidor in die oberen Kreise, wird Kommerzialrat, Beraters des österreichischen Staates und Multimillionär. Er liebt die schönen Künste und die Frauen, Bescheidenheit ist ihm fremd. Als die Anzeichen sich mehren, dass ein Auswandern sicherer wäre als zu bleiben, schlägt Isidor alle Warnungen in den Wind, schließlich ist er Jemand und von seiner Stellung in der Gesellschaft überzeugt. Dies erweist sich als Fehler.

Die Art und Weise der Erzählung hat mir sehr gefallen, denn die Autorin konzentriert sich nicht nur auf Isidor, sondern bezieht seine Familie, Freunde, Weggefährten und viele andere Personen in die Geschichte mit ein. Ihre penibel recherchierten Ergebnisse teilt sie mit uns und dies tut sie auf solch interessante Weise, dass es mir schwergefallen ist, das Buch aus der Hand zu legen. Der Roman ist nicht chronologisch geordnet und dies machte einen großen Reiz für mich aus, den oft dachte ich, dass da eine interessante Person war, über die ich gerne mehr erfahren würde, und schon ging es mit dieser im nächsten Kapitel weiter. Was sich chaotisch anhört, war das Gegenteil davon, denn die eingefügten Geschichten ergänzten die Erzählung so wunderbar, dass jede Frage sich erübrigte und ein Gesamtbild entstand.

Vieles wusste ich aus dieser Zeit, einiges war mir aber auch neu. Es gab mehrere Stellen im Buch, an denen ich vor Emotionen überfloss und nicht wusste, wohin mit meinen Gefühlen. Ich kann mir nicht mal annähernd vorstellen, wie dies für Shelly Kupferberg gewesen sein muss, deren Familiengeschichte dies ist. Ein grandioses Debüt und ein Buch, das mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Von mir gibt es fünf Sterne mit Sternchen und eine Leseempfehlung.

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