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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.09.2025

Phänomenal gut!

Gym
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Die sechsunddreißigjährige Protagonistin braucht einen Job. Aus Gründen. Eher zufällig als zielgerichtet stellt sie sich im MEGA GYM vor, erklärt ihre heruntergekommene Erscheinung mit einer spontan erfundenen ...

Die sechsunddreißigjährige Protagonistin braucht einen Job. Aus Gründen. Eher zufällig als zielgerichtet stellt sie sich im MEGA GYM vor, erklärt ihre heruntergekommene Erscheinung mit einer spontan erfundenen Entbindung und bekommt die Stelle, der Inhaber Ferhat ist Feminist und gibt ihr eine Chance. Die Arbeit am Tresen, das Training im Studio und das nicht vorhandene Kind wachsen ihr bald über den Kopf. Als die Bodybuilderin Vick ins Spiel kommt, verschwimmen die Grenzen und ans Licht kommt eine ungesunde Obsession.

»Es war ungewohnt, wieder den ganzen Tag unter Menschen zu sein, ich hatte vergessen, wie sehr man sich dafür zusammenreißen musste. Ständig verspürte ich den Drang, mich an Stellen zu kratzen, an denen man sich in der Öffentlichkeit nicht berührte, und musste aufpassen, mir beim Gähnen die Hand vor den Mund zu halten.« (Seite 14)

Dieses Drama in drei Akten lässt mich restlos begeistert zurück. Die namenlose Ich-Erzählerin war fürchterlich unzuverlässig, das merkte ich schnell. Schon früh gab es Andeutungen, dass etwas geschehen war, was sie aus der Bahn geworfen hatte, aber erst allmählich kam ich dahinter, was genau dies war. Schleichend und unaufhaltsam schlitterten wir gemeinsam auf einen ungewissen Höhepunkt zu, der Weg dahin abstoßend und faszinierend, ihr Verhalten völlig losgelöst, der Abgrund ganz nah. Der feine Humor, mehr verzweifelt als lustig, ergänzte das Bild, es kam wie es kommen musste. Aber lest selbst. Große Empfehlung gibt es dafür von mir.

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Veröffentlicht am 06.09.2025

Die Tücken der Vaterschaft

Der Silberriese
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Patrick ist alleinerziehend, früher Leistungssportler, konzentriert er sich heute ganz auf seine Tochter Ada, die gerade mit dem Geräteturnen angefangen hat. Je mehr er die Nähe seiner Tochter sucht, desto ...

Patrick ist alleinerziehend, früher Leistungssportler, konzentriert er sich heute ganz auf seine Tochter Ada, die gerade mit dem Geräteturnen angefangen hat. Je mehr er die Nähe seiner Tochter sucht, desto mehr entgleitet sie ihm. Patrick merkt, dass die Frage nach Adas Mutter, der er immer ausgewichen ist, immer mehr in den Vordergrund rückt.

»Soll er ihr sagen, dass er nicht weiß, was er sonst machen soll, dass es besser ist, in der Dunkelheit zu stehen und sie heimlich zu beobachten, besser, im Regen zu stehen, mit ihr hinter Glas, als allein in der Wohnung zu sitzen?« (Seite 236)

Eine Geschichte aus der Sicht eines Mannes, von einem Mann geschrieben, das ist an sich nicht besonders, aber Andreas Moster schafft es, seine Figur absolut authentisch zu erschaffen und dem alleinerziehenden Vater ein Gesicht und eine Seele zu geben. Die Sorgen und Ängste, die Zweifel und die Zuversicht, die nicht immer, aber dennoch vorhanden war, sind förmlich spürbar und ich kann die Gefühlswelt von Patrick sehr gut nachvollziehen. Seinen Umgang mit Ada, der zeitweise fast schon obsessiv ist, empfinde ich nicht immer als gesund, kann aber selbstverständlich verstehen, warum er so geworden ist.

Insgesamt eine tolle Geschichte übers Vatersein, in der mir der Anteil den Leistungssport betreffend einfach zu viel war. Dies riss mich permanent aus dem Buch, weil ich mit einer solchen Fülle nicht gerechnet habe, manchmal hatte ich das Gefühl, ein Motivationsbuch zu lesen und keinen Roman. Ansonsten aber ein lesenswertes Buch, das ich gerne empfehle.

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Veröffentlicht am 05.09.2025

Art Mayer ist zurück

Die Nacht (Art Mayer-Serie 3)
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Der BKA-Ermittler Art Mayer macht sich erneut auf die Suche nach seiner Nachbarin Dana Karasch, die vor eineinhalb Jahren verschwand. Ihre mittlerweile achtjährige Tochter Milla hat Art um den kleinen ...

Der BKA-Ermittler Art Mayer macht sich erneut auf die Suche nach seiner Nachbarin Dana Karasch, die vor eineinhalb Jahren verschwand. Ihre mittlerweile achtjährige Tochter Milla hat Art um den kleinen Finger gewickelt, wegen der Demenz der Großmutter, mit der sie lebt, spitzt sich die Situation zu. Art fordert einen Gefallen ein und kurze Zeit später bekommt er einen anonymen Hinweis, dem er mit seiner Kollegin Nele Tschaikowski folgt. In einer verlassenen Wohnwagensiedlung finden sie einen Toten, bei dem es sich um einen bekannten Berliner Richter handelt. Bald beginnen die Rangeleien darum, wer die Ermittlungen führen soll, nach dem BKA schaltet sich das LKA sowie die Terrorabwehr ein. Anscheinend hat Art mit seinen Nachforschungen ins Wespennest gestochen.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den dritten Teil der Reihe mit Art Mayer und seiner mittlerweile nicht mehr als Anfängerin geltenden Kollegin Nele Tschaikowski. Man muss die ersten beiden Bücher nicht unbedingt gelesen haben, um folgen zu können, zum besseren Verständnis und weil es großartige Thriller sind, würde ich allerdings dazu raten. Die Beziehungen der Personen zueinander und auch deren Lebensumstände erschließen sich zudem erst, wenn das Gesamtbild vollständig ist.

Nun also Art Mayer zum Dritten und wieder einmal konnte mich Marc Raabe so sehr ans Buch fesseln, dass ich alles andere um mich vergaß. Diese unglaublich komplexe Geschichte zog mich sofort in ihren Bann, der Einfallsreichtum des Autors kannte keine Grenzen. Zwischen der laufenden Ermittlung gab es Rückblenden aus der Sicht der Verschwundenen, die so detailliert waren, dass es mich verrückt machte, weil ich es nicht erwarten konnte, endlich zu erfahren, was seinerzeit vor sich ging. So einfach hat es Marc Raabe mir aber nicht gemacht, denn das letzte Stück des Weges blieb mir nichts anderes übrig, als mit Art und Nele zu ermitteln, um die Lösung zu finden. Mein Verdacht bestätigte sich natürlich nicht - man stelle sich vor, wie ich mit den Augen rollte, weil ich auf eine falsche Fährte reingefallen bin. Das Ende war genial, die Wendung gleichermaßen überraschend wie perfide, ein Showdown, der mich begeistert hat. Insgesamt ein grandioser Thriller, der mich bereits jetzt auf die Fortsetzung nächstes Frühjahr hinfiebern lässt. Lesen!

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Großartiges Debüt

Amphibium
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»Meine Aufgabe ist auch, Mou vor dem zu beschützen, was andere Leute von ihr denken. Ich weiß, dass Mou mich eigentlich nicht vergessen sollte.« (Seite 42)

Die elfjährige Sissy ist mit ihrer psychisch ...

»Meine Aufgabe ist auch, Mou vor dem zu beschützen, was andere Leute von ihr denken. Ich weiß, dass Mou mich eigentlich nicht vergessen sollte.« (Seite 42)

Die elfjährige Sissy ist mit ihrer psychisch labilen alleinerziehenden Mutter kürzlich nach Südwestengland gezogen, ein Neuanfang musste her. Nun ist sie die Neue an der Schule, den Anschluss zu finden fällt ihr schwer. Als sie sich mit der ein Jahr älteren Tegan anfreundet, werden beide ziemlich schnell beste Freundinnen, erkunden zusammen ihren Körper, flüchten sich in eine Scheinwelt, in der alles möglich ist. Als in ihrer Umgebung Mädchen verschwinden, malen sie sich aus, welche Fotos von ihnen auf den Suchplakaten hängen könnten. Welche Konsequenzen dies zur Folge hätte, ist beiden nicht klar, sie unterschätzen die Gefahr.

»Ich weiß, dass es Kinder gibt, deren Eltern sich nicht um sie kümmern können, sodass sie ihnen weggenommen werden und bei anderen Leuten aufwachsen, die nicht ihre richtigen Eltern sind. Das weiß ich, solange ich denken kann. Das ist unsere größte Angst.« (Seite 113)

Auf dem Weg zur Frau, kein Kind mehr, aber ein Mädchen, bald erwachsen, aber noch nicht jetzt. Auf der Suche nach Identität, nach Geborgenheit und Liebe, den eigenen Körper entdeckend, noch nicht wissend, was erlaubt ist, was richtig und was falsch. Mit einer Mutter, die sich selbst wie ein Kind benimmt, nicht in der Lage ist, für sich zu sorgen, geschweige denn für ein Kind. Einerseits so unreif, andererseits so stark, sich kümmernd, eine Mauer hochziehend, wenn dies notwendig ist. Dies alles und noch viel mehr ist die Ich-Erzählerin und dies ist so authentisch, dass es wehtut. Dieses Debüt hat mich eingesogen, mich durchgeschüttelt und ergriffen, es war lebendig, erschütternd und echt. Bis zuletzt war ich mir nicht sicher, worauf wir zusteuern, aber der gewählte Abschluss war perfekt. Für alle, die nah an der Realität bleiben wollen und sich daran erinnern, wie es war, erwachsen zu werden. Lesen!

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Veröffentlicht am 02.09.2025

Kate Burkholders persönlichster Fall

Aschetod
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Polizeichefin Kate Burkholder wird zu einem grausamen Tatort gerufen: Ein Mann wurde in einem abgelegenen Waldstück an einen Pfahl gefesselt und angezündet, er verbrannte bei lebendigem Leib. Die Ermittlungen ...

Polizeichefin Kate Burkholder wird zu einem grausamen Tatort gerufen: Ein Mann wurde in einem abgelegenen Waldstück an einen Pfahl gefesselt und angezündet, er verbrannte bei lebendigem Leib. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf die Gemeinde der Amischen, die Kate gut kennt, weil sie einmal eine von ihnen war. Bald ist sie einer Wahrheit auf der Spur, die sie in Lebensgefahr bringt.

»Im Herzen von Amish Country liegt Painters Mill, eine hübsche Kleinstadt mit fünftausenddreihundert Einwohnern, von denen ein Drittel amisch ist. Ich bin als Amische geboren, habe die Glaubensgemeinschaft aber im Alter von achtzehn Jahren verlassen, als das Schicksal mir den Boden unter den Füßen weggezogen hatte.«

Bereits zum sechzehnten Mal ermittelt Kate Burkholder und wieder einmal ist es ein an Grausamkeit fast nicht zu überbietendes Verbrechen, das sie aufzuklären hat. Nie wurde es so persönlich wie im vorliegenden Buch, nie war die Gefahr für sie und diejenigen, die sie liebt, größer. Ein verabscheuungswürdiges Opfer, das trotzdem Gerechtigkeit fordert, unerwartete Wendungen und eine Ermittlung, die sich schwierig gestaltet, weil es Verwicklungen gibt und eine Menge Menschen lieber schweigt. Für mich persönlich nicht der beste Teil der großartigen Reihe, aber einer, der spannend war und mich gewohnt gut unterhalten hat. Ich hoffe auf viele weitere Bände und freue mich darauf!

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