Profilbild von mimitatis_buecherkiste

mimitatis_buecherkiste

Lesejury Star
offline

mimitatis_buecherkiste ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit mimitatis_buecherkiste über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.01.2026

Höllisch gut!

The Puppet Master
0

Der Selbstmord eines Mannes gibt DCI Cara Elliot Rätsel auf, die Umstände scheinen mehr als verdächtig. Als ein weiterer Selbstmord hinzukommt, werden sie und ihre Mitarbeiter stutzig, die ersten Ergebnisse ...

Der Selbstmord eines Mannes gibt DCI Cara Elliot Rätsel auf, die Umstände scheinen mehr als verdächtig. Als ein weiterer Selbstmord hinzukommt, werden sie und ihre Mitarbeiter stutzig, die ersten Ergebnisse der Ermittlungen geben ihnen recht. Das Team der Major Crimes Unit arbeitet fieberhaft, kann den nächsten Todesfall aber nicht verhindern. Anscheinend ist ein Serienmörder am Werk und er ist noch lange nicht fertig.

»Als Mordermittler bekommt man im Leben vielleicht einen Serienmörder - und sie hat jetzt schon zwei. Drei, wenn man die Geschehnisse vom letzten Jahr dazuzählt, wobei sie die Ermittlungen nicht geleitet hat.« (Seite 131)

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den dritten Teil der Major Crimes Unit-Reihe, die bedauerlicherweise bisher nicht vollständig übersetzt worden ist. Der erste Band »The Echo Man« erscheint hierzulande im Herbst 2026, worüber ich mich nun leider nur mäßig freuen kann, denn im vorliegenden Buch wurden nicht nur Einzelheiten der Ermittlung gespoilert, sondern auch verraten, wer die Täterperson war. Auch die Lösung des zweiten Falles wird thematisiert, allerdings in einem Nebensatz, sodass dies leicht übersehen werden kann. Wer auf unfassbar spannende, einfalls- und wendungsreiche, brutale Thriller mit interessanten Beteiligten steht, greift hier zu, fängt allerdings am besten direkt von vorne an, um sich nicht um das Vergnügen zu bringen, mitraten und mitfiebern zu können. Diese Buchreihe ist übrigens so phänomenal gut, dass ich die Neuerscheinung im Herbst lesen werde, obwohl ich weiß, wer die Täterperson gewesen ist.

War ich beim ersten Band begeistert, bin ich es hier nicht weniger. Der Thriller hat das perfekte Maß an Brutalität, die Todesfälle sind ungewöhnlich und die Ermittlung spannend. Die privaten Beziehungen der beteiligten Personen ergänzen das Gesamtbild, auch hier hat die Autorin es perfekt umgesetzt, nicht zu übertreiben, was persönliche Dinge angeht. Das hohe Level an Spannung konnte bis zur letzten Seite gehalten werden und eine kleine Anmerkung in der Danksagung lässt mein Herz höher schlagen, wenn ich an die Fortsetzung denke, die dringend auf die Übersetzung wartet und Großes verspricht. Ich freue mich drauf!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.01.2026

Chronik eines Verrats

Die Verlorene
0

Als Lauras Großmutter Änne nach einem Sturz bewusstlos im Krankenhaus liegt, fällt ihr auf, dass sie so gut wie nichts über Änne weiß, obwohl diese oft von ihrer Kindheit während der Kriegsjahre in Schlesien ...

Als Lauras Großmutter Änne nach einem Sturz bewusstlos im Krankenhaus liegt, fällt ihr auf, dass sie so gut wie nichts über Änne weiß, obwohl diese oft von ihrer Kindheit während der Kriegsjahre in Schlesien erzählt hat. Trotz Einwände ihrer Mutter fährt Laura nach Polen, um den ehemaligen Gutshof der Familie zu suchen und mehr über die Vergangenheit zu erfahren. Dabei findet sie Unglaubliches heraus.

»Sie war stur, manchmal so mürrisch, dass man nicht mehr mit ihr reden konnte, meistens aber auf ruhige Art fröhlich, sie lachte nie laut, sondern gluckste immer nur leise vor sich hin. Sie war gutmütig und freundlich, eine Großmutter wie alle Großmütter. Laura hatte ihr Früher nicht wahrgenommen.« (Seite 185)

Meine Großmutter lebte in Schlesien, weder als Kind, noch später als Erwachsene war mir klar, was das bedeutet. Auch verstand ich nicht, warum in ihrem Haus eine alte Frau wohnte, die von allen nur verächtlich »Niemka«, was auf Polnisch deutsche Frau heißt, geschimpft wurde und über die allerhand gruselige Geschichten erzählt wurden, die selbstverständlich alle erfunden waren, wie mir meine Oma dann irgendwann verriet. Daran erinnerte ich mich beim Lesen sowie insbesondere an ein schwarzweißes Foto, das meine Oma wie einen Schatz gehütet hat, auf dem ein junger Mann zu sehen war in einer Uniform. Es war nicht mein Großvater auf dem Bild und obwohl meine Oma mir nie verraten hat, was es mit dieser Fotografie auf sich hat, wusste ich trotzdem schon damals mit Bestimmtheit, dass sie ihn geliebt hat, diesen unbekannten Mann auf dem Bild. Auch im vorliegenden Buch fängt alles mit einem Foto an, das zu Spekulationen und Fragen führt sowie dazu, dass Laura sich auf den Weg macht, um mehr über die Geschichte ihrer Familie herauszufinden.

Mit diesem Buch habe ich mein erstes Jahreshighlight für dieses Jahr gefunden. Dieses Buch ist Drama, Tragödie, Bericht über Kriegstraumata, Familiengeschichte und eine Prise Krimi in einem. Auch wenn es zu Beginn wegen der Zeitsprünge sowie der vorgestellten Personen für mich ein bisschen verwirrend war, entfaltete es bald einen Sog, dem ich mich bis zuletzt nicht entziehen konnte. In kleinen Schritten verriet die Autorin, was damals geschehen ist, sie füllte die Seiten mit Fiktion, die so nah an der seinerzeitigen Realität lag, dass es wehtat, manche Stellen zu lesen. Auf oberflächliche Effekthascherei wurde genauso verzichtet wie auf unnötige Beschreibungen von Gräueltaten, allerdings machte die Andeutung dieser das Grauen der damaligen Zeit nicht minder klein. Früh hatte ich einen Verdacht, den die Autorin aber kurz darauf zerstreuen konnte, wobei sich dieser letztendlich als zutreffend erwies, was dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch tat. Sogar auf den letzten Seiten konnte mich Miriam Georg mit Enthüllungen überraschen, ich klebte an den Seiten, wie eine Motte am Licht. Das sehr emotionale Finale ließ erneut die ein oder andere Träne fließen, und das Nachwort enthielt Informationen, die das Gelesene abgerundet haben. Große Leseempfehlung gibt es dafür von mir.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.01.2026

Wunderschön illustriert

Katzentage
0

Als die Bahn streikt, stranden die Kollegen Paula und Peter in einer fremden Stadt. Seit längerer Zeit gibt es eine Anziehungskraft zwischen ihnen, nun wird sich zeigen, ob diese bei der unfreiwilligen ...

Als die Bahn streikt, stranden die Kollegen Paula und Peter in einer fremden Stadt. Seit längerer Zeit gibt es eine Anziehungskraft zwischen ihnen, nun wird sich zeigen, ob diese bei der unfreiwilligen Auszeit weiterhin Bestand haben wird.

»Es prickelte, so zu tun, als seien sie ein Paar. Als hätten sie gemeinsame Rituale. Auf der einen Seite sich darüber lustig zu machen und auf der anderen Seite auszuprobieren, wie es sich anfühlte. Mit dir, Paula. Mit dir, Peter.« (Seite 25)

Ich muss zugeben, ich bin ein wenig enttäuscht von der Geschichte, die überwiegend ein fast schon peinlicher Balz-Tanz zwei erwachsener Menschen voller Selbstzweifel ist. Sie möchte am liebsten die Devise von Harald Juhnke umsetzen, der einst sagte: »Meine Definition von Glück? Keine Termine und leicht einen sitzen«. Er hingegen nach einer miteinander verbrachten Nacht das Eheversprechen erhalten. Es gibt zwar einige vielversprechende Ansätze, die aber letztendlich nicht umgesetzt werden. Die Illustrationen von Florian Bayer hingegen sind eine Augenweide und der Grund dafür, dass meine Bewertung nicht ins bodenlose fällt. Die wunderschönen Bilder ergänzen die Erzählung und bereichern diese. Insgesamt eine nette Kurzgeschichte für zwischendurch, passend und perfekt bebildert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.01.2026

Sprachliche Eleganz

Kein Geld Kein Glück Kein Sprit
0

»Er hatte so sehr gehofft, dass er irgendwie durchkommt, einfach sein Leben zu Ende leben darf. Wo er doch so gut wie keine Ansprüche stellt: Kein Sex, kein Fun, kein Geld, kein Alk. Nur rauchen und naschen ...

»Er hatte so sehr gehofft, dass er irgendwie durchkommt, einfach sein Leben zu Ende leben darf. Wo er doch so gut wie keine Ansprüche stellt: Kein Sex, kein Fun, kein Geld, kein Alk. Nur rauchen und naschen und Mezzomix. Und selbst das wird ihm jetzt gestrichen.« (Seite 73)

In dem vorliegenden Buch sind Kurzgeschichten versammelt, es sind welche dabei, wie das Leben sie schreibt, aber auch solche, die man sich nur ausdenken kann, wenn man eine sehr, sehr lebhafte Fantasie hat. Manche sind so kurz, gerade angefangen sind sie schon zu Ende, andere wiederum schaffen es, dass ich das Gefühl habe, ein halbes Leben sei vorbei, obwohl nur wenige Seiten hinter mir liegen. Gemeinsam haben alle einen großen Unterhaltungswert sowie den Umstand, dass ich anerkennen muss, wie gut Heinz Strunk mit der Sprache umgehen kann.

Heinz Strunk gibt den unterschiedlichsten Menschen eine Stimme, besonders den Verletzten, den Versehrten, den Kaputten und den Verzweifelten. Niemand wird verschont, er kennt keine Gnade. Virtuos jongliert er mit Wörtern und Sätzen, er verbindet, benennt und ordnet, dass es eine Freude ist. Für mich als Fan von Kurzgeschichten ist dieser Band ein Glücksgriff, aber auch bei einem Roman des Autors wäre ich ab sofort gerne dabei. Wer Ungewöhnliches mag, wird die Sammlung lieben. Lesenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.12.2025

Spannend bis zur letzten Seite

Die Farbe des Schattens
0

Der elfjährige Matti Beck wird gesucht, mitten in einem Wohngebiet verschwand der Junge spurlos, die unmittelbar hinzugezogene Polizei tappt im Dunkeln, bis Kriminalhauptkommissar Arno Groth eine Spur ...

Der elfjährige Matti Beck wird gesucht, mitten in einem Wohngebiet verschwand der Junge spurlos, die unmittelbar hinzugezogene Polizei tappt im Dunkeln, bis Kriminalhauptkommissar Arno Groth eine Spur findet, die zu einem zurückliegenden Verbrechen führt. Nicht alle sind von dieser Fährte überzeugt, aber Groth gräbt beharrlich weiter und stößt auf Parallelen, die nicht von der Hand zu weisen sind.

»Auf Groths Klopfen öffnen die Becks die Tür, die schlaflose Nacht steht beiden ins Gesicht geschrieben. Im undichten Fass der Hoffnung haben sie an diesem Morgen den Bodensatz erreicht.« (Seite 62)

Susanne Tägder wurde für »Das Schweigen des Wassers« mit dem Wittwer-Thalia-Debütkrimipreis ausgezeichnet und für den Glauser-Preis in der Sparte Debüt nominiert. Mit der vorliegenden Fortsetzung knüpft sie an diesen Erfolg an und legt einen atmosphärischen und tiefgründigen Kriminalroman vor, der sich nicht hinter dem ersten Band zu verstecken braucht. Die Figur des Kriminalhauptkommissars ist gebrochen, aber nicht zerbrochen, er selbst ein akribischer, um nicht zu sagen genialer Ermittler, der sich selbst nicht in den Vordergrund stellt. Man muss den ersten Teil nicht unbedingt gelesen haben, die wichtigsten Informationen werden beiläufig eingestreut, verpasst dann allerdings einen phantastischen Kriminalroman.

»Die Wohnung atmet schwer unter dem Gewicht der Nachlässigkeit. Groth schaut sich um und nimmt wahr, dass sich der Alltag der Becks an den verstreuten Habseligkeiten ablesen lässt. An der Garderobe haben sich die letzten Monate in Schichten angesammelt.« (Seite 19)

Ich bin Team Arno Groth, war nach der Lektüre des ersten Buches bereits mehr als begeistert vom Schreibstil und Plot. Das Wissen um die echten Fälle, die den fiktiven Geschichten zugrundeliegen, verstärkt den Sog der Erzählung und fördert einen Nervenkitzel, dem ich mich kaum entziehen kann. Bereits nach den ersten Seiten kommt bei mir das Gefühl auf, dass dies eines dieser Bücher wird, die man am liebsten sofort erneut lesen möchte, obwohl man sie gerade erst begonnen hat. Und ich werde nicht enttäuscht, außer dadurch, dass ich viel zu schnell am Ende angekommen und nun zum Warten verdammt bin. Ausgezeichnet mit dem dritten Platz beim 42. Deutschen Krimipreis 2025 national. Phänomenal!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere