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Frauen im Sanatorium✨ REZENSION zu „Frauen im Sanatorium“ von Anna Prizkau, erschienen im @rowohltverlag
📖 Inhalt (spoilerfrei): Anna verbringt nach einem Suizidversuch mehrere Wochen in einem Sanatorium. Während ihres ...
✨ REZENSION zu „Frauen im Sanatorium“ von Anna Prizkau, erschienen im @rowohltverlag
📖 Inhalt (spoilerfrei): Anna verbringt nach einem Suizidversuch mehrere Wochen in einem Sanatorium. Während ihres Aufenthalts begegnet sie anderen Patient:innen, deren Lebensgeschichten diese teilen, wobei unklar ist, welche wahr und welche womöglich Annas eigene Projektionen sind, da sie stets durch Annas gebrochene Perspektive vermittelt werden.
✒️ Erzählweise und Stil: Annas Geschichte wird, so wie die der anderen Patientinnen, fragmentarisch erzählt, aber sind trotzdem von enormer emotionaler Wucht. Vieles bleibt vage, einige Erinnerungen enden abrupt oder werden nur angedeutet. Die Erzählinstanz bleibt nah an Annas Innenleben, ohne durchgängig verlässlich zu sein. Die Grenze zwischen Realität, Erinnerung und Einbildung verschwimmt zunehmend.
👥 Figuren: alle Charaktere bleiben skizzenhaft. Auch die Protagonistin ist kaum greifbar, denn sie distanziert sich oft selbst von ihren Gedanken und Handlungen und fokussiert sich auf die Erfahrungen ihrer Mitpatientinnen. Diese (wie etwa Marija, Elif, Katharina, David) werden aber nur in Ausschnitten dargestellt, oftmals im Rückblick oder durch Gespräche, deren Wahrheitsgehalt infrage steht. Ich konnte mich mit keiner Figur identifizieren, was m.E. aber auch mit den schweren, traumatischen Berichten zusammenhängt.
🌀 Symbole und Motive: Trauma, Identität und Wahrnehmung durchziehen das Buch als zentrale Motive. Auch das Erinnern oder das Verdrängen von Kindheit spielt eine tragende Rolle. Auch der Einfluss anderer Menschen auf die eigene Selbstwahrnehmung (z. B. durch Nachahmung oder Ablehnung) zieht sich als roter Faden durch den Text.
💡 Fazit: leider blieb vieles für mich zu diffus. Der fragmentarische Stil, die Vielzahl an Schicksalen, die bruchstückhafte Figurengestaltung und die unzuverlässige Erzählweise ließen mich zunehmend ratlos zurück. Zwar steckt emotionales Potenzial in der Geschichte, aber vieles wirkte für mich zu gewollt, zu konfus, zu wenig greifbar. Ich hätte mir mehr Fokus, Tiefe und Klarheit gewünscht, besonders in der Figurenzeichnung.
2|5 ⭐️