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Veröffentlicht am 04.09.2025

Oje

Frauen im Sanatorium
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✨ REZENSION zu „Frauen im Sanatorium“ von Anna Prizkau, erschienen im @rowohltverlag

📖 Inhalt (spoilerfrei): Anna verbringt nach einem Suizidversuch mehrere Wochen in einem Sanatorium. Während ihres ...

✨ REZENSION zu „Frauen im Sanatorium“ von Anna Prizkau, erschienen im @rowohltverlag

📖 Inhalt (spoilerfrei): Anna verbringt nach einem Suizidversuch mehrere Wochen in einem Sanatorium. Während ihres Aufenthalts begegnet sie anderen Patient:innen, deren Lebensgeschichten diese teilen, wobei unklar ist, welche wahr und welche womöglich Annas eigene Projektionen sind, da sie stets durch Annas gebrochene Perspektive vermittelt werden.

✒️ Erzählweise und Stil: Annas Geschichte wird, so wie die der anderen Patientinnen, fragmentarisch erzählt, aber sind trotzdem von enormer emotionaler Wucht. Vieles bleibt vage, einige Erinnerungen enden abrupt oder werden nur angedeutet. Die Erzählinstanz bleibt nah an Annas Innenleben, ohne durchgängig verlässlich zu sein. Die Grenze zwischen Realität, Erinnerung und Einbildung verschwimmt zunehmend.

👥 Figuren: alle Charaktere bleiben skizzenhaft. Auch die Protagonistin ist kaum greifbar, denn sie distanziert sich oft selbst von ihren Gedanken und Handlungen und fokussiert sich auf die Erfahrungen ihrer Mitpatient
innen. Diese (wie etwa Marija, Elif, Katharina, David) werden aber nur in Ausschnitten dargestellt, oftmals im Rückblick oder durch Gespräche, deren Wahrheitsgehalt infrage steht. Ich konnte mich mit keiner Figur identifizieren, was m.E. aber auch mit den schweren, traumatischen Berichten zusammenhängt.

🌀 Symbole und Motive: Trauma, Identität und Wahrnehmung durchziehen das Buch als zentrale Motive. Auch das Erinnern oder das Verdrängen von Kindheit spielt eine tragende Rolle. Auch der Einfluss anderer Menschen auf die eigene Selbstwahrnehmung (z. B. durch Nachahmung oder Ablehnung) zieht sich als roter Faden durch den Text.

💡 Fazit: leider blieb vieles für mich zu diffus. Der fragmentarische Stil, die Vielzahl an Schicksalen, die bruchstückhafte Figurengestaltung und die unzuverlässige Erzählweise ließen mich zunehmend ratlos zurück. Zwar steckt emotionales Potenzial in der Geschichte, aber vieles wirkte für mich zu gewollt, zu konfus, zu wenig greifbar. Ich hätte mir mehr Fokus, Tiefe und Klarheit gewünscht, besonders in der Figurenzeichnung.

2|5 ⭐️

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.09.2025

Liebte und liebe es

Wedding People (deutsche Ausgabe)
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✨ REZENSION zu „The Wedding People“ von Alison Espach, übersetzt von Verena Ludorff

⚠️ Triggerwarnung: in diesem Buch geht es u. a. um Depressionen, Suizidgedanken und einen Suizidversuch, Fehlgeburten, ...

✨ REZENSION zu „The Wedding People“ von Alison Espach, übersetzt von Verena Ludorff

⚠️ Triggerwarnung: in diesem Buch geht es u. a. um Depressionen, Suizidgedanken und einen Suizidversuch, Fehlgeburten, Unfruchtbarkeit, Scheidung und Verlust (eines Haustieres)

📖 Inhalt (spoilerfrei): nach einem sehr schmerzhaften Kapitel in ihrem Leben fährt Phoebe allein in ein elegantes Hotel in Newport. In ihrem Koffer befinden sich die Medikamente ihres verstorbene Katers, mit welchen sie plant, sich das Leben zu nehmen. Doch im Hotel angekommen findet sie sich inmitten einer Hochzeitsgesellschaft wieder und wird in die Feierlichkeiten verwickelt.

✒️ Besonderheiten: der Roman ist sehr feinfühlig und mit einer sprachlichen Leichtigkeit erzählt, die heiter wirkt, obwohl der Stoff tieftraurig und komplex ist. Fragmentarisch wird aus Phoebes Perspektive mit Rückblicken und inneren Monologen gearbeitet, die sehr gut in die Haupthandlung eingewoben sind. Phoebe ist eine der rundesten und glaubwürdigsten Protagonistinnen, die ich seit Langem gelesen habe. Ihre Perfektion, ihr innerer Rückzug, ihr übersteigerter Anspruch an sich selbst, das Aufschieben von Entscheidungen, das Zögern und Reflektieren; all das machte sie für mich extrem nachvollziehbar. Ihre Sprache war manchmal wunderbar salopp, das machte sie für mich umso authentischer.

💡 Fazit: ich hatte ja keine Ahnung, was mich erwartet! Das Buch hat mich schon nach wenigen Seiten komplett mitgerissen. Ich konnte mich so gut mit Phoebe und ihrer Trauer identifizieren. Der feine Humor, die zarten Begegnungen, die leisen Wendepunkte haben mich tief berührt; für mich war dieses Buch ein echtes Geschenk. Ein Roman über den leisen Weg zurück ins Leben.

5|5 ⭐️

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.09.2025

So lala

Gesellschaftsspiel
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✨ REZENSION zu „Gesellschaftsspiel“ von Dora Zwickau, erschienen im @piperverlag

📖 Inhalt (spoilerfrei): In ihrem Debütroman entwirft Zwickau ein Szenario, das sich mit den Möglichkeiten einer direkten ...

✨ REZENSION zu „Gesellschaftsspiel“ von Dora Zwickau, erschienen im @piperverlag

📖 Inhalt (spoilerfrei): In ihrem Debütroman entwirft Zwickau ein Szenario, das sich mit den Möglichkeiten einer direkten Demokratie auseinandersetzt. Im Zentrum stehen drei Frauen aus derselben Familie, die sich trotz persönlicher Konflikte gemeinsam politisch engagieren. Sie beteiligen sich an einem partizipativen Gesellschaftsprojekt, bei dem Bürger:innen per App über politische Entscheidungen abstimmen können, um das hypothetische gesellschaftliche Miteinander aktiv zu gestalten. Dabei werden politische, familiäre und persönliche Konflikte miteinander verwoben, ebenso wie aktuelle gesellschaftliche Diskurse rund um Radikalisierung, Teilhabe, Medien und Gerechtigkeit.

🖋️ Erzählstil: Der Inhalt besteht aus wechselnden Perspektiven der drei Protagonistinnen Dagmar, Isabelle und Annika. Außerdem wird ihr Erleben durch zahlreiche mediale Einschübe ergänzt: Chatverläufe, X-Posts, Podcast-Transkripte und Forenbeiträge durchziehen den Text und verleihen ihm einen fast schon einen interaktiven Charakter.

👥 Figuren und Symbole: Isabelle, ihre Schwester Annika und ihre Tante Dagmar spiegeln unterschiedliche Generationen, Lebensmodelle und politische Haltungen wider. Isabelles Engagement für ihre Schüler:innen und ihre emotionale Entwicklung sind eindrücklich gezeichnet. Annika hingegen bleibt m.E. stellenweise unauthentisch, ihre Essstörung eher randständig und nicht so gut integriert. Dagmar wiederum überzeugt als charismatische, eigenwillige Frau mit klaren Positionen. Das Zusammenspiel der drei Frauen bildet das Herzstück des Romans. Es dient als Projektionsfläche für Utopien, Ängste und politische Wünsche. Leider bleibt dieses Konzept im Verlauf des Romans etwas blass und austauschbar. Statt tiefere Einblicke in gesellschaftliche Prozesse zu ermöglichen, scheint es manchmal nur Kulisse für politische Kritik und eine grobe Abrechnung mit rechten Kräften.

💡Fazit: spannender, extrem aktueller politisch aufgeladener Roman mit emotionaler Tiefe! Am Ende bleibt mir das Gesamtbild doch etwas zu vage.

3|5 ⭐️

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.09.2025

Schade

Hey guten Morgen, wie geht es dir?
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✨ REZENSION zu „Hey, guten Morgen, wie geht es dir?“ von Martina Hefter, erschienen im @klettcottaverlag

📖 Inhalt (spoilerfrei): Juno ist Künstlerin, sie tanzt und spielt Theater, und ist Lebenspartnerin ...

✨ REZENSION zu „Hey, guten Morgen, wie geht es dir?“ von Martina Hefter, erschienen im @klettcottaverlag

📖 Inhalt (spoilerfrei): Juno ist Künstlerin, sie tanzt und spielt Theater, und ist Lebenspartnerin von Jupiter, einem schwerkranken Mann, dessen Alltag sie maßgeblich mitträgt. Während sie tagsüber probt, organisiert und funktioniert, kann sie nachts nicht schlafen, weshalb sie beginnt, auf Instagram mit sogenannten Love Scammern zu schreiben (Männern, die online Frauen Liebe vorspielen, um an ihr Geld zu kommen). Juno durchschaut die Masche und spielt mit, indem sie sie ebenso belügt und die Kontrolle dabei genießt, sich selbst völlig neu zu erfinden, bis sie dann auf Benu trifft.

🖋️ Erzählweise und -struktur: Hefters Roman ist literarisch ungewöhnlich, denn es gibt irgendwie keinen linearen Plot, eher ein Fluss aus Eindrücken, Gedankenfetzen, kurzen Momenten oder Chatverläufen. Vieles bleibt unausgesprochen, manches bewusst vage. Der Text arbeitet mit Flattersatz und Absätzen, die das Gefühl von Fragmentiertheit verstärken und die
poetische Sprache rahmen. Manchmal schreibt Hefter nüchtern, manchmal sehr verletzlich. Der Lesefluss ist ausgezeichnet.

👥 Figuren: Ich finde, die Protagonistin Juno ist ein sehr runder und spannender Charakter. Sie wirkt wunderbar authentisch; getrieben und zugleich kontrolliert. Sie reflektiert über Alter, Sichtbarkeit, Körper und die Frage, wer sie heute noch sieht, jenseits der Rolle der „helfenden Partnerin“. Jupiter, ihr kranker Partner, bleibt als flache Figur eher im Hintergrund. Die Scammer sind eher Projektionsflächen, um schließlich die leise Diskrepanz zu Benu darzustellen, einem Mann, der Junos Spiel durchschaut, aber sich nicht von ihr abwendet. Es ist spannend, wie die distanziere Verbindung zwischen ihnen über ihrem Alltag zu schweben scheinen. Es ist völlig unklar, wohin Hefter hier möchte.

💡 Kurz & Knapp: viele Ideen fühlten sich stellenweise recht zufällig an. Manche Themen wie Rassismus, mentale Gesundheit, oder auch digitale Abhängigkeit, Armut, Care-Arbeit, Identität im Alter werden nur oberflächlich angerissen. Am Ende war das Buch für mich leider eher nett als nachhaltig berührend.

2,5|5 ⭐️

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Einfach mitreißend

Perlen
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✨ REZENSION zu „Perlen“ von Siân Hughes, erschienen im @dumontbuchverlag und übersetzt von Tanja Handels

„Vergessen ist nicht das Schlimmste. Auch Erinnern nicht. Das Schlimmste ist, vergessen zu haben ...

✨ REZENSION zu „Perlen“ von Siân Hughes, erschienen im @dumontbuchverlag und übersetzt von Tanja Handels

„Vergessen ist nicht das Schlimmste. Auch Erinnern nicht. Das Schlimmste ist, vergessen zu haben und sich dann wieder zu erinnern.“

⚠️ Triggerwarnung: es werden unter anderem die Themen Essstörungen, Selbstverletzung, Depressionen und andere psychische Erkrankungen behandelt.

📖 Inhalt (spoilerfrei): der Roman erzählt die Geschichte von Marianne, die mit ihrem kleinen Bruder und dem Vater auf dem englischen Land aufwächst. Als ihre Mutter eines Tages spurlos verschwindet, bleiben nur bruchstückhafte Erinnerungen zurück, die Marianne durch Kindheit, Jugend und frühes Erwachsenenalter begleiten, die sie versucht, zu ordnen und zu verstehen, ohne dabei sich selbst zu verlieren.

🖋️ Erzählstruktur & -stil: der Roman ist fragmentarisch aufgebaut, es gibt keinen konsekutiven Handlungsstrang. Die Erzählung wird von vielen Pro- und einigen Analepsen beherrscht. Außerdem wirkt das Erzählte tagebuchartig/introspektiv und dadurch sehr intim, die Sprache ist dabei mal nüchtern mal poetisch.

🗝️ Symbole: die Perlen ziehen sich durch die gesamte Erzählung. Einerseits sind Kapitel mit Zitaten aus dem mittelalterlichen Gedicht „Pearl“ versehen, andererseits reihen sich Mariannes bruchstückhafte Erinnerung wie einzelne Perlen aneinander, auf einen unsichtbaren Faden, der sich quer durch die Geschichte zieht. Weiterhin gibt es Situationen, in denen Mariannes Erleben wie das Auseinanderreißen einer Perlenkette symbolisch für den schmerzhaften Verlust und des Suchens stehen könnte.

💡 Kurz und Knapp: Hughes Debütroman ist unglaublich feinfühlig und hat mich zu Tränen gerührt. Besonders eindrücklich fand ich, wie Marianne die Perlen verschluckt, die ihre Mutter einst in ihren Pullover eingenäht hat. Perle für Perle wandern sie durch ihren Körper, wie ein stiller Akt der Trauer, Schuld und Sehnsucht. Indem sie den Verlust in sich aufnimmt, verarbeitet und ausscheidet, versucht sie, mit dem Schmerz umzugehen und verliert sich dabei selbst, bevor sie langsam wieder zu sich findet.

4|5 ⭐️

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