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Veröffentlicht am 04.09.2025

So informativ!

Witches, Bitches, It-Girls
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✨ REZENSION zu „Bitches, Witches, It-Girls“ vom Rebekka Endler, erschienen im Rowohlt Verlag

📖 Inhalt (spoilerfrei):

In diesem Sachbuch macht sich die Autorin schlagfertig auf die Suche nach den Wurzeln ...

✨ REZENSION zu „Bitches, Witches, It-Girls“ vom Rebekka Endler, erschienen im Rowohlt Verlag

📖 Inhalt (spoilerfrei):

In diesem Sachbuch macht sich die Autorin schlagfertig auf die Suche nach den Wurzeln des Patriarchats und deckt dabei auf humorvolle Weise auf, welche misogynen Mythen bis heute unser Denken und Handeln bestimmen ‼️

🔎 Struktur und Zugänglichkeit:

Die Sprache ist flapsig, salopp und stellenweise ironisch, gleichzeitig ist die Informationsdichte enorm. Der Kontrast hat mich manchmal etwas irritiert. Der Ton ist unterhaltsam, aber der Lesefluss gerät oft durch Fachbegriffe und theoretische Konzepte ins Stocken. Obwohl ich meine Thesis zur Geschlechterforschung geschrieben habe, fand ich es nicht wirklich zugänglich 🙈 Ich glaube, wer sich vorher noch nie mit feministischen oder kulturkritischen Themen beschäftigt hat, wird hier überfordert sein 🙌🏼 Die Kapitel sind wohl irgendwie thematisch sortiert, springen aber von historischen zu aktuellen Phänomenen. Ich hätte mir hier eine klarere, vielleicht sogar chronologische Struktur gewünscht.

💡 Kurz & Knapp:

Viele Fakten haben mich überrascht und nachhaltig beschäftigt. Besonders beeindruckt hat mich Endlers Analyse von Body Horror; einem Genre, das sie als Spiegel patriarchaler Angst- und Machtfantasien beschreibt. Am Beispiel des Films „The Substance“ (den ich kürzlich gesehen habe) macht sie deutlich, wie sehr Frauen mit ihrem Körper kämpfen, um gesellschaftlichen Schönheitsnormen zu genügen. Weniger gelungen finde ich, dass das Buch sich manchmal im Ton verliert. Der Wechsel zwischen Umgangssprache und Theorie ist nicht immer geglückt, der Humor wirkt stellenweise sehr zynisch, ohne einen wirklich abzuholen. Es ist kein niederschwelliger Einstieg in den Feminismus (auch wenn der lockere Stil das anfangs vermuten lässt), aber es ist fundiert recherchiert, hochaktuell und thematisch breit aufgestellt. Endler schafft es, Themen aus Jahrhunderten zu verbinden und gleichzeitig topaktuelle gesellschaftliche Debatten einzuordnen und wagt sogar einen Blick in die Zukunft.

3|5 ⭐️

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Ach herrje

Die Schrecken der anderen
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✨ REZENSION zu „Die Schrecken der anderen“ von Martina Clavadetscher, erschienen im @c.h.beckliteratur Verlag

📖 Inhalt (spoilerfrei): Ein Junge entdeckt eine Leiche im Eis und mit diesem verstörenden ...

✨ REZENSION zu „Die Schrecken der anderen“ von Martina Clavadetscher, erschienen im @c.h.beckliteratur Verlag

📖 Inhalt (spoilerfrei): Ein Junge entdeckt eine Leiche im Eis und mit diesem verstörenden Fund beginnt eine Geschichte über ein schweigendes Erbe, NS-Spuren, alte Drache-Legenden und Familiendrama.

🖋️ Erzählweise & -struktur: Die Geschichte wird in parallel verlaufende Erzählsträngen fragmentarisch aufgebaut, dabei wird in vielen kurzen Kapiteln aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Aus anfänglicher Zusammenhanglosigkeit wird später ein komplexes Gefüge, das sprachlich distanziert, bildgewaltig und surreal wiedergegeben wird. Stilistisch erinnert mich das Werk stark an Daniel Kehlmann, der ebenso bildlich eindrücklich und verwoben schreibt. Die wörtliche Rede ohne Anführungszeichen hat mich ein wenig rausgebracht, viele Passagen fand ich sperrig und überflüssig, gleichzeitig tragen sie zur unangenehmen Atmosphäre bei. Fast schon psychedelisch wirken manche Absätze; überfrachtet mit Adjektiven, ungewohnt personifiziert. Ähnlich wie bei Kehlmann schafft Clavadetscher es, Ekel nicht plakativ, sondern ästhetisch unangenehm darzustellen.

👥 Charaktere: Alle Figuren sind über rätselhafte Verbindungen miteinander verwoben, dabei ist eine undurchsichtiger als die nächste, niemand wirklich greifbar, und die Bedeutung dessen, was geschieht, bleibt oft in Andeutungen hängen. Es ist schwer, sich mit ihnen zu identifizieren oder Nähe aufzubauen. Zwei Ausnahmen gab es für mich: Boll und Rosa. Beide wirken wie Freigeister, bringen Leichtigkeit, Spiel und sogar eine gewisse Lebensfreude in die düstere Szenerie.

💡 Kurz und Knapp: Viele Elemente, die die Handlung antreiben, werden selbst nicht zentral erklärt. Schon fast ironisch wirkt es, dass die Autorin einer Figur den Namen McGuffin gibt, laut Wikipedia ein durch Hitchcock geprägter Begriff, der dazu dienen soll, „[…] die Handlung auszulösen oder voranzutreiben, ohne während der Handlung selbst von besonderem Nutzen zu sein.“ Für mich persönlich war es leider zu umständlich und zu wenig zugänglich, um mich wirklich abzuholen 🙈

2|5 ⭐️

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Neeeeein

Die Vegetarierin
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„Die Vegetarierin“ von Han Kang 🥩

⚠️ Triggerwarnung: Wer Erfahrungen mit Essstörungen gemacht hat (direkt oder als Angehörige:r) sollte dieses Buch mit Vorsicht lesen. Manche Szenen fand ich deshalb schwer ...

„Die Vegetarierin“ von Han Kang 🥩

⚠️ Triggerwarnung: Wer Erfahrungen mit Essstörungen gemacht hat (direkt oder als Angehörige:r) sollte dieses Buch mit Vorsicht lesen. Manche Szenen fand ich deshalb schwer zu ertragen.

Der Roman ist in drei Teile gegliedert, erzählt aus verschiedenen Außenperspektiven. Die Hauptfigur Yeong-hye (eine Frau, die beschließt, kein Fleisch mehr zu essen) bleibt über weite Strecken stumm. Ihre Gedankenwelt bleibt diffus, verborgen hinter albtraumhaften Traumbildern. Im ersten Abschnitt erleben wir die Geschichte aus Sicht ihres Ehemannes; einem unfassbar unempathischen, respektlosen Mann mit patriarchalem Frauenbild. Noch befremdlicher wird es im zweiten Teil: Der Schwager (ein Künstler in der Krise) entwickelt eine sexuelle Obsession für Yeong-hye, während der dritte Teil aus der Perspektive von Yeong-hyes Schwester erzählt.

Ich fand das Buch vor allem verstörend, abstoßend und nur schwer auszuhalten. Die Punkte Selbstbestimmung, Körper und Kontrolle wurden grob und metaphorisch thematisiert, aber die Umsetzung war für mich zu oberflächlich und nüchtern. Es konnte aufzeigen, wie komplex psychische Zustände und gesellschaftliche Zuschreibungen ineinander greifen, aber eher als eine Art grotesker Kommentar auf Erwartungen, Rollenbilder und Identitätsverlust, nicht als feministisches Statement. Durch alle Figuren hindurch erlebt man innere Zerrissenheit und psychische Gewalt, was unglaublich intensiv und belastend ist, aber auch ein bisschen random, wodurch es in seinen Motiven irgendwie an mir vorbei ging. Ich kann kaum nachvollziehen, warum dieses Buch so gefeiert wird oder wie es einen Preis gewinnen konnte. Ich fand es keineswegs poetisch, nur abstrus, kontextlos, verstörend und extrem sexualisiert.

1|5 ⭐️

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Bleib ein Detektiv, Großvater!

Die Bibliothek meines Großvaters
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✨ REZENSION zu „Die Bibliothek meines Großvaters“, Originaltitel „Meitantei no mama de ite Vol. 1 („Bleib ein Detektiv, Großvater“) von Masatero Kunishi, übersetzt von Peter Aichinger-Fankhauser und erschienen ...

✨ REZENSION zu „Die Bibliothek meines Großvaters“, Originaltitel „Meitantei no mama de ite Vol. 1 („Bleib ein Detektiv, Großvater“) von Masatero Kunishi, übersetzt von Peter Aichinger-Fankhauser und erschienen im @kiwi_verlag

⚠️ Triggerwarnung: Das Buch thematisiert die seltene Lewy-Körper-Demenz mit Gedächtnisstörungen, Halluzinationen und Parkinson-ähnlichen Symptomen, erzählt aus Angehörigenperspektive.

📖 Inhalt (spoilerfrei): Kaedes Großvater leidet unter einer seltenen Form Demenz, doch er verfügt über eine erstaunliche Kombinationsgabe. Gemeinsam teilen sie eine große Leidenschaft für Kriminalliteratur und diskutieren über Klassiker des Genres, spinnen Theorien und wenden dieses Wissen auf kleine und große Rätsel an, die in Kades Alltag auftauchen.

🖋️ Erzählstil: Der Roman ist über die ersten zwei Drittel ruhig erzählt, manchmal repetitiv, wenn es um das Rätselraten durch den Großvater geht, aber sehr atmosphärisch. Wir erleben nahezu aus Kaedes Perspektive und erfahren nur fragmentarisch von ihrer Familiengeschichte. Außerdem gibt es Skizzen zum Mitraten. Das letzte Drittel bringt überraschend viel Spannung, wirkt tonal aber etwas unpassend und ein wenig konstruiert.

👥 Figuren: Der Großvater ist die eindringlichste Figur, er wirkt trotz seiner gesundheitlichen Einschränkungen scharfsinnig und herzlich. Die Darstellung der Demenz, die auf den eigenen Erfahrungen des Autors beruht, hat mich sehr berührt. Kaede wirkt im Vergleich etwas blasser, aber vor allem die Nebenfiguren bleiben insgesamt eher flach, sodass die Beziehung zwischen Enkelin und Großvater das Herzstück bildet.

💡 Fazit: „Die Bibliothek meines Großvaters“ ist ein leises, ungewöhnliches Debüt, das atmosphärisch stark, aber nicht immer ausgewogen ist. Inhaltlich schwankt der Roman zwischen stiller Beobachtung und unerwartet actionreichem Finale (nicht so harmonisch, aber unterhaltsam). Die Kriminalfälle erinnerten mich ein bisschen an Agatha Christie, fühlten sich aber alle sehr konstruiert an. Kunishi plant zwei weitere Bücher dieser Art, aber ich bin mir unsicher, ob ich nochmal zu einem seiner Werke greifen würde.

3,5|5 ⭐️

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Ein wunderbar schmerzvolles Werk

Ein wenig Leben
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✨ REZENSION zu „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara, übersetzt von Stephan Kleiner, erschienen im @hanserberlin Verlag

⚠️ Triggerwarnung: enthält sehr explizite Darstellungen von Selbstverletzung, Suizidgedanken, ...

✨ REZENSION zu „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara, übersetzt von Stephan Kleiner, erschienen im @hanserberlin Verlag

⚠️ Triggerwarnung: enthält sehr explizite Darstellungen von Selbstverletzung, Suizidgedanken, sexuellem Missbrauch, körperlicher Gewalt und psychischer Krankheit

📖 Inhalt: in dem Buch begleiten wir die vier Freunde Jude, Willem, Malcolm und JB von ihrem gemeinsamen Studienbeginn in New York bis weit in ihr Erwachsenenleben hinein. Im Zentrum steht Jude, ein brillanter, aber zutiefst verletzter Mann, dessen Vergangenheit sich nur bruchstückhaft offenbart und in ihrer Grausamkeit kaum zu ertragen ist.

🖋️ Erzählstil: die Geschichte wird auktorial erzählt, aber stark fokussiert auf Jude und teils auf Willem. Die Perspektivwechsel erfolgen fließend und oft unvermittelt. Die Zeitebenen verschieben sich ständig. Die Sätze sind oft lang und verschachtelt, und es gibt wenig wörtliche Rede, dadurch ist man mitten in den Gedankenwelten der Figuren. Zeitlich spannt sich der Roman über mehrere Jahrzehnte. Besonders spannend ist die innere Zeit, also wie Jude Vergangenheit und Gegenwart emotional verarbeitet oder verdrängt.

👥 Figuren: Jude ist verschlossen, hochintelligent, gleichzeitig zerbrochen und überlebend. Seine Vergangenheit ist traumatisch, aber Yanagihara gibt ihm keine einfache Opferrolle, sondern einen Raum tiefer Ambivalenz. Für mich war es dennoch herausfordernd, emotional so tief in eine Figur hineingezogen zu werden, deren Leid so übermächtig ist und so bildlich erzählt wird, dass man sich kaum davon distanzieren kann. Auch Willem, JB und Malcolm tragen durch ihre Biografien Tiefe, Geschichte und Entwicklung.

💡 Fazit: „Ein wenig Leben“ ist ein extrem forderndes, aber literarisch beeindruckendes Werk. Es zieht einen hinein in Abgründe, die kaum zu ertragen sind und dabei ist es sprachlich kunstvoll und psychologisch tiefgründig. Es kann überfordern: durch die Themen, durch die Sprache, durch die Länge. Aber dennoch ist es einfach wundervoll.

6|5 ⭐️

🎶 Ich habe eine Spotify-Playlist für euch erstellt, die die Stimmung des Romans einfängt; voller trauriger, intensiver Songs, die ich auch selbst beim Lesen gehört habe!

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