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Veröffentlicht am 04.09.2025

Ach herrje

Die Schrecken der anderen
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✨ REZENSION zu „Die Schrecken der anderen“ von Martina Clavadetscher, erschienen im @c.h.beckliteratur Verlag

📖 Inhalt (spoilerfrei): Ein Junge entdeckt eine Leiche im Eis und mit diesem verstörenden ...

✨ REZENSION zu „Die Schrecken der anderen“ von Martina Clavadetscher, erschienen im @c.h.beckliteratur Verlag

📖 Inhalt (spoilerfrei): Ein Junge entdeckt eine Leiche im Eis und mit diesem verstörenden Fund beginnt eine Geschichte über ein schweigendes Erbe, NS-Spuren, alte Drache-Legenden und Familiendrama.

🖋️ Erzählweise & -struktur: Die Geschichte wird in parallel verlaufende Erzählsträngen fragmentarisch aufgebaut, dabei wird in vielen kurzen Kapiteln aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Aus anfänglicher Zusammenhanglosigkeit wird später ein komplexes Gefüge, das sprachlich distanziert, bildgewaltig und surreal wiedergegeben wird. Stilistisch erinnert mich das Werk stark an Daniel Kehlmann, der ebenso bildlich eindrücklich und verwoben schreibt. Die wörtliche Rede ohne Anführungszeichen hat mich ein wenig rausgebracht, viele Passagen fand ich sperrig und überflüssig, gleichzeitig tragen sie zur unangenehmen Atmosphäre bei. Fast schon psychedelisch wirken manche Absätze; überfrachtet mit Adjektiven, ungewohnt personifiziert. Ähnlich wie bei Kehlmann schafft Clavadetscher es, Ekel nicht plakativ, sondern ästhetisch unangenehm darzustellen.

👥 Charaktere: Alle Figuren sind über rätselhafte Verbindungen miteinander verwoben, dabei ist eine undurchsichtiger als die nächste, niemand wirklich greifbar, und die Bedeutung dessen, was geschieht, bleibt oft in Andeutungen hängen. Es ist schwer, sich mit ihnen zu identifizieren oder Nähe aufzubauen. Zwei Ausnahmen gab es für mich: Boll und Rosa. Beide wirken wie Freigeister, bringen Leichtigkeit, Spiel und sogar eine gewisse Lebensfreude in die düstere Szenerie.

💡 Kurz und Knapp: Viele Elemente, die die Handlung antreiben, werden selbst nicht zentral erklärt. Schon fast ironisch wirkt es, dass die Autorin einer Figur den Namen McGuffin gibt, laut Wikipedia ein durch Hitchcock geprägter Begriff, der dazu dienen soll, „[…] die Handlung auszulösen oder voranzutreiben, ohne während der Handlung selbst von besonderem Nutzen zu sein.“ Für mich persönlich war es leider zu umständlich und zu wenig zugänglich, um mich wirklich abzuholen 🙈

2|5 ⭐️

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 04.09.2025

Neeeeein

Die Vegetarierin
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„Die Vegetarierin“ von Han Kang 🥩

⚠️ Triggerwarnung: Wer Erfahrungen mit Essstörungen gemacht hat (direkt oder als Angehörige:r) sollte dieses Buch mit Vorsicht lesen. Manche Szenen fand ich deshalb schwer ...

„Die Vegetarierin“ von Han Kang 🥩

⚠️ Triggerwarnung: Wer Erfahrungen mit Essstörungen gemacht hat (direkt oder als Angehörige:r) sollte dieses Buch mit Vorsicht lesen. Manche Szenen fand ich deshalb schwer zu ertragen.

Der Roman ist in drei Teile gegliedert, erzählt aus verschiedenen Außenperspektiven. Die Hauptfigur Yeong-hye (eine Frau, die beschließt, kein Fleisch mehr zu essen) bleibt über weite Strecken stumm. Ihre Gedankenwelt bleibt diffus, verborgen hinter albtraumhaften Traumbildern. Im ersten Abschnitt erleben wir die Geschichte aus Sicht ihres Ehemannes; einem unfassbar unempathischen, respektlosen Mann mit patriarchalem Frauenbild. Noch befremdlicher wird es im zweiten Teil: Der Schwager (ein Künstler in der Krise) entwickelt eine sexuelle Obsession für Yeong-hye, während der dritte Teil aus der Perspektive von Yeong-hyes Schwester erzählt.

Ich fand das Buch vor allem verstörend, abstoßend und nur schwer auszuhalten. Die Punkte Selbstbestimmung, Körper und Kontrolle wurden grob und metaphorisch thematisiert, aber die Umsetzung war für mich zu oberflächlich und nüchtern. Es konnte aufzeigen, wie komplex psychische Zustände und gesellschaftliche Zuschreibungen ineinander greifen, aber eher als eine Art grotesker Kommentar auf Erwartungen, Rollenbilder und Identitätsverlust, nicht als feministisches Statement. Durch alle Figuren hindurch erlebt man innere Zerrissenheit und psychische Gewalt, was unglaublich intensiv und belastend ist, aber auch ein bisschen random, wodurch es in seinen Motiven irgendwie an mir vorbei ging. Ich kann kaum nachvollziehen, warum dieses Buch so gefeiert wird oder wie es einen Preis gewinnen konnte. Ich fand es keineswegs poetisch, nur abstrus, kontextlos, verstörend und extrem sexualisiert.

1|5 ⭐️

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Bleib ein Detektiv, Großvater!

Die Bibliothek meines Großvaters
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✨ REZENSION zu „Die Bibliothek meines Großvaters“, Originaltitel „Meitantei no mama de ite Vol. 1 („Bleib ein Detektiv, Großvater“) von Masatero Kunishi, übersetzt von Peter Aichinger-Fankhauser und erschienen ...

✨ REZENSION zu „Die Bibliothek meines Großvaters“, Originaltitel „Meitantei no mama de ite Vol. 1 („Bleib ein Detektiv, Großvater“) von Masatero Kunishi, übersetzt von Peter Aichinger-Fankhauser und erschienen im @kiwi_verlag

⚠️ Triggerwarnung: Das Buch thematisiert die seltene Lewy-Körper-Demenz mit Gedächtnisstörungen, Halluzinationen und Parkinson-ähnlichen Symptomen, erzählt aus Angehörigenperspektive.

📖 Inhalt (spoilerfrei): Kaedes Großvater leidet unter einer seltenen Form Demenz, doch er verfügt über eine erstaunliche Kombinationsgabe. Gemeinsam teilen sie eine große Leidenschaft für Kriminalliteratur und diskutieren über Klassiker des Genres, spinnen Theorien und wenden dieses Wissen auf kleine und große Rätsel an, die in Kades Alltag auftauchen.

🖋️ Erzählstil: Der Roman ist über die ersten zwei Drittel ruhig erzählt, manchmal repetitiv, wenn es um das Rätselraten durch den Großvater geht, aber sehr atmosphärisch. Wir erleben nahezu aus Kaedes Perspektive und erfahren nur fragmentarisch von ihrer Familiengeschichte. Außerdem gibt es Skizzen zum Mitraten. Das letzte Drittel bringt überraschend viel Spannung, wirkt tonal aber etwas unpassend und ein wenig konstruiert.

👥 Figuren: Der Großvater ist die eindringlichste Figur, er wirkt trotz seiner gesundheitlichen Einschränkungen scharfsinnig und herzlich. Die Darstellung der Demenz, die auf den eigenen Erfahrungen des Autors beruht, hat mich sehr berührt. Kaede wirkt im Vergleich etwas blasser, aber vor allem die Nebenfiguren bleiben insgesamt eher flach, sodass die Beziehung zwischen Enkelin und Großvater das Herzstück bildet.

💡 Fazit: „Die Bibliothek meines Großvaters“ ist ein leises, ungewöhnliches Debüt, das atmosphärisch stark, aber nicht immer ausgewogen ist. Inhaltlich schwankt der Roman zwischen stiller Beobachtung und unerwartet actionreichem Finale (nicht so harmonisch, aber unterhaltsam). Die Kriminalfälle erinnerten mich ein bisschen an Agatha Christie, fühlten sich aber alle sehr konstruiert an. Kunishi plant zwei weitere Bücher dieser Art, aber ich bin mir unsicher, ob ich nochmal zu einem seiner Werke greifen würde.

3,5|5 ⭐️

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Ein wunderbar schmerzvolles Werk

Ein wenig Leben
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✨ REZENSION zu „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara, übersetzt von Stephan Kleiner, erschienen im @hanserberlin Verlag

⚠️ Triggerwarnung: enthält sehr explizite Darstellungen von Selbstverletzung, Suizidgedanken, ...

✨ REZENSION zu „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara, übersetzt von Stephan Kleiner, erschienen im @hanserberlin Verlag

⚠️ Triggerwarnung: enthält sehr explizite Darstellungen von Selbstverletzung, Suizidgedanken, sexuellem Missbrauch, körperlicher Gewalt und psychischer Krankheit

📖 Inhalt: in dem Buch begleiten wir die vier Freunde Jude, Willem, Malcolm und JB von ihrem gemeinsamen Studienbeginn in New York bis weit in ihr Erwachsenenleben hinein. Im Zentrum steht Jude, ein brillanter, aber zutiefst verletzter Mann, dessen Vergangenheit sich nur bruchstückhaft offenbart und in ihrer Grausamkeit kaum zu ertragen ist.

🖋️ Erzählstil: die Geschichte wird auktorial erzählt, aber stark fokussiert auf Jude und teils auf Willem. Die Perspektivwechsel erfolgen fließend und oft unvermittelt. Die Zeitebenen verschieben sich ständig. Die Sätze sind oft lang und verschachtelt, und es gibt wenig wörtliche Rede, dadurch ist man mitten in den Gedankenwelten der Figuren. Zeitlich spannt sich der Roman über mehrere Jahrzehnte. Besonders spannend ist die innere Zeit, also wie Jude Vergangenheit und Gegenwart emotional verarbeitet oder verdrängt.

👥 Figuren: Jude ist verschlossen, hochintelligent, gleichzeitig zerbrochen und überlebend. Seine Vergangenheit ist traumatisch, aber Yanagihara gibt ihm keine einfache Opferrolle, sondern einen Raum tiefer Ambivalenz. Für mich war es dennoch herausfordernd, emotional so tief in eine Figur hineingezogen zu werden, deren Leid so übermächtig ist und so bildlich erzählt wird, dass man sich kaum davon distanzieren kann. Auch Willem, JB und Malcolm tragen durch ihre Biografien Tiefe, Geschichte und Entwicklung.

💡 Fazit: „Ein wenig Leben“ ist ein extrem forderndes, aber literarisch beeindruckendes Werk. Es zieht einen hinein in Abgründe, die kaum zu ertragen sind und dabei ist es sprachlich kunstvoll und psychologisch tiefgründig. Es kann überfordern: durch die Themen, durch die Sprache, durch die Länge. Aber dennoch ist es einfach wundervoll.

6|5 ⭐️

🎶 Ich habe eine Spotify-Playlist für euch erstellt, die die Stimmung des Romans einfängt; voller trauriger, intensiver Songs, die ich auch selbst beim Lesen gehört habe!

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Etwas ganz besonderes

Girls
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✨ REZENSION zu „Girls“ von Kirsty Capes, übersetzt von Judith Schwaab und erschienen im @btb_verlag bzw. @penguinbuecher Verlag

📖 Inhalt (spoilerfrei): „Girls“ erzählt die bewegende Geschichte der Schwestern ...

✨ REZENSION zu „Girls“ von Kirsty Capes, übersetzt von Judith Schwaab und erschienen im @btb_verlag bzw. @penguinbuecher Verlag

📖 Inhalt (spoilerfrei): „Girls“ erzählt die bewegende Geschichte der Schwestern Matilda und Nora, die mit den traumatischen Erlebnissen ihrer Kindheit unter einer psychisch labilen Mutter und Künstlerin kämpfen. Auf einem spontanen Roadtrip durch Amerika, die Matilda, Nora und Matildas Tochter Beanie gemeinsam unternehmen, setzen sich die beiden Schwestern mit den ungelösten Konflikten aus ihrer Kindheit auseinander.

🖋️ Erzählstil: die Geschichte wird aus Matildas Perspektive erzählt und wechselt immer wieder zu Auszügen aus der Biografie von Ingrid Olssen, der Mutter der beiden, wodurch das Bild von Familie und Schmerz noch facettenreicher wird. Der Wechsel zwischen Matildas Perspektive und den Biografie-Ausschnitten sorgt für eine interessante Struktur und fügt zusätzliche Tiefen hinzu. Durch die langsame Erzählweise und den Fokus auf Details bleibt notwendiger Raum für die Entwicklung der Charaktere, wodurch die Geschichte sehr authentisch wirkt.

👥 Figuren: die „Girls“ Matilda und Nora sind unglaublich lebendig und vielschichtig. Matilda ist von Schuldgefühlen geplagt und kämpft für ihre Tochter sowie für eine bessere Zukunft, während Nora in ihren künstlerischen Ambitionen und ihren Selbstzweifeln gefangen ist. Die Entwicklung ihrer Beziehung, das Wiedersehen und die Möglichkeit des Abschließens mit der Vergangenheit, wird mit großer Sensibilität und Tiefe dargestellt. Auch Ingrid Olssen ist nicht eindimensional dargestellt: neben ihren Eskapaden wird sie manchmal als liebende Mutter dargestellt, wodurch sie komplex und überaus glaubhaft wirkt.

💡 Fazit: „Girls“ ist ein tief bewegendes und meisterhaft geschriebenes Buch, das auf berührende Weise die Komplexität von Familienbeziehungen und den Schmerz der Kindheit thematisiert. Die Figuren sind lebendig und authentisch, die Erzählweise sensibel und packend. Kirsty Capes gelingt mit diesem Werk eine eindrucksvolle und unvergessliche Geschichte, die sowohl tragisch als auch hoffnungsvoll ist. Für mich ein absolutes Highlight des Jahres!

5|5 ⭐️

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