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Veröffentlicht am 15.02.2026

Bezaubernd illustriertes Vorlesebuch über Verlust, Mut und Freundschaft

Herwig und Elsie – Wo ist der große Zauberer?
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Als Herwig Hase der Dritte eines Morgens aufwacht, ist Hokus van Pokus, der ihn jahrelang aus seinem Hut gezaubert hat und hat ihm nicht nur seine Zauberutensilien hinterlassen sondern ihn in einem Brief ...

Als Herwig Hase der Dritte eines Morgens aufwacht, ist Hokus van Pokus, der ihn jahrelang aus seinem Hut gezaubert hat und hat ihm nicht nur seine Zauberutensilien hinterlassen sondern ihn in einem Brief dazu aufgefordert, in die Welt hinauszugehen, mutig zu sein und die Dinge zu tun, die er liebt und von denen er immer geträumt hat. Herwig ist ratlos und beschließt, seinen Hokus zu suchen. Doch dann kommt er auf die Idee, seinen besten Freund einfach herbeizuzaubern. Das Haus zittert, der Putz bröckelt von der Decke und es steht plötzlich ein graues Ungeheuer vor ihm, welches sich als Elefantin Elsie herausstellt und das Abenteuer der beiden beginnt...

Ich habe das Buch zusammen mit meinem kleinen Neffen Emil gelesen, der vier Jahres alt ist. Es ist wunderschön illustriert und es macht Spaß, sich die Bilder anzuschauen. Auch die Geschichte hat uns sehr gut gefallen! Da die Kapitel weder zu kurz noch zu lang sind, konnten wir immer wieder mehrere Kapitel am Stück durchgehen. Emil mochte Herwig und besonders Elsie sehr gerne und war natürlich begeistert, als auch im Buch ein Emil vorkam. In Herwig konnte er sich sehr gut hineinversetzen und nachvollziehen, wie er sich gefühlt hat, als sein Freund Hokus plötzlich nicht mehr da war. Die Entwicklung vom kleinen "Hasenfüßchen" zum mutigen Hasen, der Herausforderungen annimmt, hat ihn sehr beeindruckt und beschäftigt ihn seitdem immer noch. Auch er möchte kein Hasenfüßchen mehr sein, sondern mutiger werden.

Die Geschichte selbst ist sehr unterhaltsam, enthält aber auch nachdenkliche Passagen. Die Themen Mut, Sich-Etwas-Zutrauen und Freundschaft werden hier sehr angenehm und kindgerecht vermittelt.

Wir können "Herwig & Elsie" sehr empfehlen und freuen uns schon auf weitere Abenteuer mit den beiden, die es hoffentlich geben wird.

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Veröffentlicht am 15.02.2026

Toller spannender Krimi mit viel Lokalkolorit

Die Tote von Nazaré
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"You can't stop the waves, but you can learn to surf" Jon Kabat-Zinn

Die deutsche Hauptkommissarin Maren Berger ist in den portugiesischen Küstenort Nazaré gereist, um sich von einer schlimmen Schussverletzung ...

"You can't stop the waves, but you can learn to surf" Jon Kabat-Zinn

Die deutsche Hauptkommissarin Maren Berger ist in den portugiesischen Küstenort Nazaré gereist, um sich von einer schlimmen Schussverletzung nach einem Banküberfall zu erholen. Dort findet findet sie während eines frühmorgendlichen Spaziergangs zum Praia do Norte eine tote Frau neben der Surferstatue. Als sie jedoch mit der örtlichen Polizei zurückkommt, um ihnen die Leiche zu zeigen, ist diese spurlos verschwunden...

Zum Buch:
"Die Tote von Nazaré" ist der Auftakt einer neuen Krimireihe des Autors Miguel Silva. Dieser Autorenname ist jedoch nur ein Pseudonym, den Klarnamen konnte ich leider (noch) nicht herausfinden. Lt. Verlagsinfo war er bereits als Lektor und Verlagsleiter tätig und hat schon mehrere Krimis veröffentlicht. Da er tlw. in Nazaré lebt, kennt er die Region und die Menschen und kann dadurch viel Lokalkolorit einbringen. Seine Hauptfiguren beschreibt er sehr gut, so dass ich sie mir gut vorstellen konnte und eine Verbindung zu ihnen aufbauen konnte.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und bildstark, vor allem aber ist die Spannung von Anfang an da und so bleibt es auch bis zum Ende. Es gibt zahlreiche Wendungen und obwohl mir als langjähriger Krimileserin bald klar war, wohin die Reise geht, war diese doch stets unterhaltsam und meistens auch nachvollziehbar. Es ist kein "perfekter" Krimi, einige Details waren nicht ganz schlüssig erklärt, doch die Charaktere und das Flair der portugiesischen Stadt der Wellen sind bei mir angekommen und ich glaube, das ist es letztlich, was Leser von Lokalkrimis erwarten.

Persönliche Meinung:
Mir haben bei diesem Krimi vor allem die Charaktere gefallen, allen voran die Hauptfigur Maren Berger, die im portugiesischen Küstenort Nazaré eigentlich nur Ruhe, Erholung und Abstand sucht. Aus ihr unerfindlichen Gründen zieht es sie in diese Stadt der Wellen, denn eine große Welle hat sie gefühlt aus dem Koma wieder ins Leben gespült. Vier Monate nach dem Überfall kämpft sie immer noch mit den Nachwirkungen der Kopfschussverletzung, vor allem aber unter der Amnesie, denn sie kann sich an die letzten vier Monate vor dem Schuss an nichts mehr erinnern. Ich konnte ihre Unsicherheit, ihre Misstrauen und Hinterfragen der eigenen Wahrnehmungen deshalb gut nachempfinden. Hier ist (endlich) einmal keine toughe Polizistin, sondern eine verletzliche Frau, die versucht, wieder Ordnung und Kontrolle in ihr Leben zu bringen und sich selbst wiederzufinden.
Die Chemie zwischen ihr und dem portugiesischen Inspetor Ferreira passt und sowohl Maren als auch ihm scheint das bewusst zu sein. Doch Maren ist noch liiert mit Peer, den sie aber nie wirklich geliebt hat, wie ihr während ihrer Zeit in Nazaré immer bewusster wird.

Ein großes Highlight für mich war das Setting in Portugal. Nazaré ist nicht nur Kulisse, sondern fühlt sich lebendig und präsent an. Das Meer, die Küste, die besondere Atmosphäre des Ortes. All das bildet einen starken Kontrast zu Marens innerer Unruhe und verleiht der Geschichte eine ganz eigene Stimmung. Ich konnte mir die Schauplätze sehr gut vorstellen und hatte beim Lesen immer wieder das Gefühl, selbst dort zu sein. Das portugiesische Setting hebt den Krimi für mich deutlich von vielen anderen ab und ich habe große Lust bekommen, Nazaré im Winter zu besuchen, auf die großen Wellen zu warten und in einem Straßencafè einen Galao zu trinken... und natürlich abends dem Fado zu lauschen und Saudade zu spüren. Natürlich ganz ohne Tote, wenn möglich.

Cover und Gestaltung:
Ja, es war das Cover, welches mich ursprünglich neugierig auf diesen Krimi gemacht hat. Der Titel ist nicht gerade einfallsreich, aber umgeben von den typischen portugiesischen Azulejos und dem Bild von Nazaré hinter der wellenumtosten Felsspitze hat es mich sofort angezogen. Im Innenteil gibt es noch eine grobe Karte von Portugal und im hinteren Teil ein tolles Wellenbild.


Fazit:
Ein toller kurzweiliger Krimi, der Spannung, Lokalkolorit und Emotionen in der richtigen Mischung miteinander verbindet. Ich freue mich auf eine baldige Fortsetzung und vergebe 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 30.12.2025

Wo Thriller auf dem Cover steht, ist nicht immer einer drin

The Woman in Suite 11
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Laura Blacklock aus New York wird zur Eröffnung eines Luxuxhotels am Genfer See eingeladen. Zunächst zögerlich nimmt sie die Einladung an, in der Hoffnung, nach ihrer Familienpause wieder in ihrem Job ...

Laura Blacklock aus New York wird zur Eröffnung eines Luxuxhotels am Genfer See eingeladen. Zunächst zögerlich nimmt sie die Einladung an, in der Hoffnung, nach ihrer Familienpause wieder in ihrem Job als Reisejournalistin Fuss fassen zu können.`Am Gala-Abend im Grandhotel stellt sie fest, dass nicht nur drei alte Bekannte, die mit ihr vor zehn Jahren auf dem Schiff Aurora waren, anwesend sind - sonder auch die Frau, die sie seit damals bis in ihre Albträume verfolgt und die seitdem auf der Flucht ist: Carrie, die Frau aus Suite 11 und seit Jahren geheimgehaltene Geliebte des Millionärs Marcus Leidmann, dem Eigentümer des Grandhotels. Carrie bringt sie dazu, mithilfe von Laura's britischen Passes nach England zu kommen, da sie ihr glaubhaft versichert, seit Jahren unter Leidmann zu leiden, der von ihrer Vergangenheit weiß und es als Druckmittel gegen sie verwendet. In dem Hotel in England kommt es zu einem Todesfall, ausgerechnet Marcus Leidmann stirbt in der Hotelwanne und verdächtigt wird Laura, denn Carrie hat ja niemand dort gesehen, da sie sich in Laura's Zimmer versteckt. Wie kann Laura beweisen, dass sie nichts mit dem Mord zu tun hat?

Zum Buch:
Dies ist der Nachfolgeroman von Ruth Ware's "The Woman in Cabin 10", der auf einem Schiff in den norwegischen Fjorden spielte. Sollte man den Vorgänger gelesen haben? Ja, in diesem Fall wäre das auf jeden Fall hilfreich! Ich kenne die Vorgeschichte nicht und war zunehmend irritiert, weil die Autorin ständig Bezug auf damalige Geschehnisse nimmt, allerdings immer nur andeutungsweise, so dass ich mir bis zum Schluss auf vieles keinen Reim machen konnte.
Da es sich lt. Cover um einen Thriller handelt, habe ich natürlich eine spannende
Handlung erwartet, musste jedoch bald feststellen, dass von Spannung durchweg bis zum Ende nichts zu spüren war. Die Handlung dümpelte zäh vor sich hin, selbst an sich spannende Szenen wie die Reise aus der Schweiz nach England war relativ nüchtern und spannungsarm beschrieben. So viel mehr hätte man aus Passagen wie diesen herausholen können bzw. müssen.
Mit vielen Charakteren hat man es in diesem Roman nicht zu tun, doch diese sind leider recht oberflächlich ausgearbeitet, es fehlt den meisten dadurch an Tiefe und Glaubwürdigkeit, allen voran der Hauptperson Laura.

Persönliche Meinung:
Wie man meiner o.a. Buchbeschreibung wahrscheinlich schon entnehmen kann, hat mich dieses Buch eher enttäuscht als gut unterhalten.
Zum einen ist es die Hauptperson Laura, die mir zu Beginn noch sehr sympathisch war, deren weiteres geradezu naives Verhalten im Verlauf der Geschichte für mich immer weniger nachvollziehbar war, so dass sie mich zum Ende hin nur noch nervte.
Die Handlung selbst hatte auch einige Schwachpunkte, die nicht gut ausgearbeitet und einfach zu sehr konstruiert war, um noch als glaubhaft durchzugehen. Dazu noch das törichte Verhalten von Laura, die nach ihren traumatischen Erfahrungen mit tlw. ihr bereits bekannten Personen noch immer gutgläubig von einer in die nächste Misere stolpert...
Letztlich hätte ich vielleicht über einiges hinwegsehen können, wenn nicht das wichtigste bei einem "Thriller" gefehlt hätte: Spannung! So ist leider nur ein spannungsarmer Krimi daraus geworden, keinesfalls aber ein Thriller. Schade!

Fazit:
Nette Geschichte für zwischendurch. Wer allerdings einen spannungs- und wendungsreichen Thriller erwartet, wird mit diesem Buch wahrscheinlich nicht ganz zufriedengestellt.

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Ein Agententhriller, der mich etwas zwiegespalten hinterlässt

Kälter
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Im Herbst 1989 zieht ein heftiger Sturm über Amrum auf, als mit der letzten Fähre ein Killerkommando auf die Insel kommt, um einen Auftrag zu erledigen. Luzy Morgenroth, die dort seit acht Jahren ein beschauliches ...

Im Herbst 1989 zieht ein heftiger Sturm über Amrum auf, als mit der letzten Fähre ein Killerkommando auf die Insel kommt, um einen Auftrag zu erledigen. Luzy Morgenroth, die dort seit acht Jahren ein beschauliches Leben als Inselpolizistin führt, wird jäh an ihr altes Leben erinnert, als der Bruder ihrer Freundin von eben jener Fähre verschwindet und tot aufgefunden und ihr Kollege Jörgen von den Killern umgebracht wird. Als Luzy beim Anführer des Killerkommandos einen Hinweis auf "Babel" findet, einem totgeglaubten Geist aus ihrer Vergangenheit, macht sie sich auf den Weg, ihn endlich zur Strecke zu bringen, auch wenn sie sich dafür in ihr altes Ich zurückverwandeln und um die halbe Welt jagen muss.

Zum Buch:
Mit „Kälter“ hat Andreas Pflüger einen rasanten, actionreichen Agententhriller geschrieben, der die Story aus wechselnden Perspektiven und auf zwei Zeitebenen erzählt. Es passt momenten leider absolut in unsere Zeit, denn es greift das aktuelle Thema des Nahostkonflikts auf. Ein Teil der Geschichte ist in Israel verortet, weitere Schauplätze sind u.a. Wien und Berlin zur Zeit des Mauerfalls.
Luzy Morgenroth als Hauptfigur ist genauso komplex wie die Handlung selbst.
Zum einen ist sie empathisch und loyal, gibt alles für die, die ihr am Herzen liegen. Doch da ist auch eine gnadenlose Kampfmaschine in ihr, die ohne Rücksicht auf Verluste alle Gegner aus dem Weg räumt, um ans Ziel zu kommen.
Als Leser erfährt man zudem viel über den kalten Krieg, Geheimdienste aus aller Welt, Agenten und Killerkommandos. Die vielen (Deck)Namen, Organisationen und Gruppen mit ebenso vielen Bezeichnungen schaffen mitunter Verwirrung und machen das Geschehen noch komplexer zu verstehen, besonders, wenn man mit diesem Genre nicht so vertraut ist.

Persönliche Meinung:
Ich habe gut 100 Seiten gebraucht, um in der Geschichte wirklich anzukommen. Ehrlich gesagt, bin ich auch nach der Lektüre noch ziemlich ambivalent: Die Story an sich war durchaus fesselnd und es war spannend, mehr über diese Zeit zu erfahren. Gleichzeitig finde ich die zwei Gesichter von Luzy schwer nachvollziehbar: zum einen so empathisch und fürsorglich, auf der anderen Seite eine gnadenlose Kampfmaschine, die im Vorbeigehen einem das Genick bricht und einem anderen das Gesicht wegpustet? Dazu der Schreibstil, der dem Titel des Thrillers alle Ehre macht: "sie schießt ihm zwischen seine verwunderten Kinderaugen" ... kälter geht es nicht, diese kalte und abgehobene Beschreibung des tötens hat mich oft abgestoßen, hier darf man also nicht zimperlich sein. Der Schreibstil von Andreas Pflüger ist eine Welt für sich: im Präsens gehalten, kurz und knackig (ich würde schon sagen: sehr maskulin), stakkatomäßig, vieles wird nur angedeutet, woraus man sich dann selbst einen Reim machen muss. Pflüger hat auch einen sehr eigenen Sinn für Humor, den man entweder mag oder nicht. Die Vermischung aus Realität und Fiktion fand ich sehr gelungen.
Es hat mich jedenfalls dazu gebracht, noch etwas tiefer in diese Zeit einzutauchen und über die Fakten nachzulesen, die in diesem Thriller beschrieben werden.

Mein Fazit:
Ein spannendes Stück Zeitgeschichte, aber definitiv keine leichte Kost.
Sehr komplex und auch brutal, dennoch ein sehr unterhaltsamer und interessanter Thriller.

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Veröffentlicht am 22.10.2025

Eiskalte Spannung von Anfang bis Ende

Lügennebel
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Zum Inhalt:
Im kleinen, beschaulichen Wintersportort Åre kommen die sechs Studenten Wille, Pontus, Amir, Emil, Olivia und Fanny für eine gemeinsame Skiwoche an. Im exklusiven Ferienhaus von Wille's Eltern ...

Zum Inhalt:
Im kleinen, beschaulichen Wintersportort Åre kommen die sechs Studenten Wille, Pontus, Amir, Emil, Olivia und Fanny für eine gemeinsame Skiwoche an. Im exklusiven Ferienhaus von Wille's Eltern wird schon am ersten Abend viel getrunken und z.T. auch Drogen konsumiert, während die Studenten Pflicht oder Wahrheit spielen. Am nächsten Morgen liegt Fanny nur leichtbekleidet tot in einer Schneewehe vor dem Haus. Was ist passiert, war es ein Unfall oder doch Mord? Jeder beginnt jedem zu misstrauen und die Stimmung im Haus wird immer vergifteter. Hanna Ahlander und ihre Kollegen ermitteln, während in ihrem eigenen Privatleben auch einiges zu brodeln beginnt...

Zum Buch:
"Lügennebel" ist der vierte Band der beliebten Bestseller-Autorin Viveca Sten mit der Hauptprotagonistin Hanna Ahlander. Die Handlung spielt in Åre, einem beliebten Skiort im Norden Schwedens, nahe der Grenze zu Norwegen. Die Spannung baut sich auch in diesem Fall wieder kontinuierlich bis zum fesselnden Ende hin auf. Wie es sich für einen guten Krimi gehört, legt die Autorin verschiedene Fährten aus und somit gibt es gleich mehrere Verdächtige, die in Frage kämen, Fanny getötet zu haben. Wie im wahren Leben auch, ist jedoch nichts so, wie es auf den ersten Blick erscheint und die wahren Hintergründe - und menschlichen Abgründe - entblättern sich nach und nach.
Das Ermittlerteam besteht aus Hanna Ahlander, die seit kurzem mit einem reichen Investor liiert ist, der in Band drei eine Rolle gespielt hat und deren Beziehung nun ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt wird. Daniel Lindskog ist ihr Vorgesetzter, mit dem sie eng zusammenarbeitet und die Ermittler Raffe und Anton vervollständigen das starke Kleeblatt. Die atmosphärische Dichte kommt bei Viveca Sten ebenfalls nie zu kurz: angefangen vom stimmigen Cover schafft sie es, die Schönheit der Natur und die Unbarmherzigkeit der eisigen, schneereichen Tage und Nächte im hohen Norden zu beschreiben, was der Story noch das gewisse Extra an Stimmung verleiht. Durch die Zeitform Präsens ist alles sehr direkt und unmittelbar und durch die kurzen Kapitel wird das Tempo der Geschichte deutlich forciert.

Persönliche Meinung:
Mit Hanna hat die Autorin einfach eine sympathische Figur geschaffen: auf den ersten Blick wirkt sie etwas introvertiert, doch je besser man sie kennenlernt, umso mehr erwärmt man sich für sie, denn sie hat das Herz auf dem rechten Fleck, brennt für ihren Job und hat eine sichere Intuition, wem sie trauen kann oder nicht. Auch der Ermittlungsleiter Daniel Lindskog ist einer der Hauptfiguren und wie Hanna ein Charakter mit Ecken und Kanten. Man fühlt mit, wie er den Spagat hinzubekommen versucht, für seine kleine Tochter dazusein und mit der Trennung von Ida zurechtzukommen. Hanna und Daniel sind schnell zu einem Team zusammengewachsen und empfinden mehr füreinander, doch keiner hat dies je dem anderen gegenüber gezeigt. Auch Anton hat seine Probleme, denn er muss sich endlich entscheiden, ob er zu seinem Freund Carl - und zu seiner Homosexualität - offen stehen kann oder nicht, womit er den Bruch mit seinen sehr konservativen Eltern riskiert. Ja, das Privatleben von Hanna, Daniel und Anton nehmen recht viel Raum ein. Das ist sicher nicht jedermanns Sache bei einem Krimi, bei dem es in erster Linie um Opfer, Täter und Motive geht. Dennoch mag ich persönlich gerade das sehr gerne, da auch Polizisten schließlich nur Menschen sind und somit menschlich (und nicht immer rational) handeln.
Übrigens: wer die ersten drei Bände nicht gelesen hat, dürfte trotzdem problemlos mitkommen, da die wesentlichen Dinge, die das Verständnis erleichtern, im vorliegenden Band gut eingearbeitet wurden.
Ich habe mich wieder bestens unterhalten gefühlt und hoffe, die Forsetzung lässt nicht allzu lange auf sich warten. Auch kann ich mir eine Verfilmung dieser Serie jetzt schon gut vorstellen. Mir ist diese Serie inzwischen wirklich ans Herz gewachsen und ich freue mich schon auf den nächsten Fall.

Fazit:
Fesselnder und komplexer Krimi von einer Autorin, die ihr Handwerk versteht wie kaum eine andere. Spannende und unterhaltsame Lesestunden sind garantiert.
Absolute Leseempfehlung!

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