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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.01.2026

Drei ist eine zuviel

Spielverderberin
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Marie Menkes Debütroman "Spielverderberin" erzählt von der komplizierten Freundschaft zwischen Sophie und Lotte, die vom Land kommen, und Romy, die aus München dazugezogen ist. Vermeintliche Unterschiede ...

Marie Menkes Debütroman "Spielverderberin" erzählt von der komplizierten Freundschaft zwischen Sophie und Lotte, die vom Land kommen, und Romy, die aus München dazugezogen ist. Vermeintliche Unterschiede zwischen ländlicher Herkunft und städtischem Leben und sozialen Prägungen werden im Roman immer wieder aufgegriffen.

Die Geschichte der drei Mädchen entfaltet sich in Rückblicken und Gegenwartsszenen, in denen vor allem Neid, Eifersucht, Unsicherheit und Schuldgefühle aufeinanderprallen. Konflikte kommen nach und nach zum Vorschein.

Spannend ist das langsame Enthüllen eines dunklen Geheimnisses, das die Freundschaft der drei Freundinnen tief erschüttert. Bis zum Schluss ist nicht ganz klar, was genau zwischen ihnen vorgefallen ist. Der Spannungsaufbau ist hier wirklich gelungen. Ansonsten setzt der Coming-of-Age-Roman eher auf Stimmungen, Erinnerungen und inneren Konflikten.

Gefallen hat mir, dass der Roman nicht auf einfache Lösungen setzt. Er zeigt die Grauzonen menschlicher Beziehungen und die Schattenseiten von Freundschaften. Die Autorin setzt auf zwischenmenschliche Dynamiken und geheime Konflikte.

Weniger gefallen hat mir, dass die Geschichte sich in meinen Augen nur langsam entfaltet und dadurch etwas langatmig ist. Außerdem konnte ich zu den Figuren kaum Zugang finden. Die Charaktere sind zwar ambivalent, vielschichtig und menschlich, dennoch wurde ich nicht so richtig warm mit ihnen. Romy und Sophie finde ich persönlich sehr unsympathisch. Viele Verhaltensweisen der beiden kann ich einfach nicht nachvollziehen.

"Spielverderberin" eignet sich vor allem für Leserinnen und Leser, die psychologisch tiefgehende, emotionale Geschichten mit realistischen Figuren mögen, die zwischen Drama, subtiler Spannung und einer melancholischen Grundstimmung pendeln.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Absoluter Volltreffer!

kicker Kids, Profi-Wissen Fußball
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So ein toll aufbereitetes Buch rund um das Thema "Fußball" für Selberleser der 2. Klasse!

Das Buch enthält alle wichtigen und spannenden Fakten auf 71 Seiten. Fachwissen wird kindgerecht, verständlich ...

So ein toll aufbereitetes Buch rund um das Thema "Fußball" für Selberleser der 2. Klasse!

Das Buch enthält alle wichtigen und spannenden Fakten auf 71 Seiten. Fachwissen wird kindgerecht, verständlich und altersangemessen vermittelt. Viele bunte und ansprechende Illustrationen unterstützen das Fachwissen.

Die Sprache ist einfach gehalten und damit zugänglich für Grundschüler. Außerdem sind die große Fibelschrift und die übersichtlich gestalteten Kapitel hervorzuheben. Thematisch greift es zahlreiche Themen rund um "Fußball" auf: die Entstehungsgeschichte, die Regeln, wichtige Turniere, berühmte Stadien, Maskottchen und spektakuläre Tore.

Meinem Sohn gefielen vor allem die Seiten, auf denen erklärt wird, wie man wie Jamal Musiala dribbelt oder einen Pass spielt wie Florian Wirtz. Das ist motivierend und regt zum Mitmachen an.

Auch sind mehrere Seiten Nachwuchsspielern gewidmet, die für kleine Nachwuchs-Fußballer natürlich sehr interessant und motivierend sind.

Was meinem Sohn und mir außerdem besonders gefallen hat, sind die vielen Rätsel. Sie lockern die Texte auf und halten die Motivation hoch.

Ein rundum gelungenes Sachbuch für fußballbegeisterte Kinder der 2. Klasse! Aus Elternsicht überzeugt das Buch auch durch seinen pädagogischen Mehrwert: Leseförderung und Sachwissen wird perfekt kombiniert. Klare Empfehlung für fußballbegeisterte Leseanfänger!

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Eine Freundschaft zweier Mädchen in den 80er Jahren in Moskau

Das Leben vor uns
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"Das Leben vor uns" von Kristina Gorcheva-Newberry erzählt die Geschichte von Anja und Milka, die in den 1980er Jahren in einer Plattenbausiedlung am Rand von Moskau aufwachsen. Ihr Leben ist geprägt ...


"Das Leben vor uns" von Kristina Gorcheva-Newberry erzählt die Geschichte von Anja und Milka, die in den 1980er Jahren in einer Plattenbausiedlung am Rand von Moskau aufwachsen. Ihr Leben ist geprägt von Enge und Unsicherheit. Die Datscha mit dem Apfelgarten von Anjas Eltern wird für die 2 Jugendlichen ein Zufluchtsort. Die Sowjetunion steht kurz vor dem Zerfall.

Der Roman ist in zwei Teile geteilt. Im 1. Teil wird von Anjas und Milkas Kindheit und Jugend erzählt. Wir erfahren von ihrem Alltag, ihren ersten Liebeserfahrungen mit den beiden Jungen Trifonow und Lapotin, ihren innersten Sehnsüchten und ihrem großen Wunsch nach Freiheit. Sie diskutieren über Politik und Literatur. Tschechows Werk "Der Kirschgarten", dass die Jugendlichen diskutieren, spiegelt sich auch in der Handlung des Romans wider. Beide Werke zeigen Figuren, die an Vertrautem festhalten und tief verunsichert sind, während gesellschaftliche und historische Veränderungen unaufhaltsam voranschreiten. Die Datscha mit dem Apfelgarten und auch die ähnlichen Namen zeigen Parallelen auf.

Im 2. Teil wird von Anjas Heimatbesuch erzählt. Anja lebt mittlerweile in den USA, unterrichtet an einer Universität und ist mit einem Amerikaner verheiratet. 20 Jahre war sie nicht in ihrer Heimat und wird mit einem völlig veränderten Russland konfrontiert. Ihre Vergangenheit beschäftigt sie immer noch sehr und vor allem Milkas tragisches Schicksal.

Ich habe den Roman sehr gern gelesen, da ich einen guten Einblick in das Leben und den Alltag junger Menschen in der Sowjetunion erhalten habe. Der Coming-of-Age- und Gesellschaftsroman zeigt die Unsicherheiten und politischen Spannungen. Den Roman durchzieht eine düstere Grundstimmung. Politische Restriktionen werden nüchtern beschrieben. Man spürt als Leser die bedrückende, rohe und kalte Welt.

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Grausam und schön zugleich

Im Herzen der Katze
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Dieses Buch lässt niemanden kalt. Es trifft mit voller Wucht und zwingt hinzusehen, hin nach Iran, zu den Stimmen und Schreien derer, die zum jetzigen Zeitpunkt um Freiheit, Leben und Selbstbestimmung ...

Dieses Buch lässt niemanden kalt. Es trifft mit voller Wucht und zwingt hinzusehen, hin nach Iran, zu den Stimmen und Schreien derer, die zum jetzigen Zeitpunkt um Freiheit, Leben und Selbstbestimmung kämpfen.

"Im Herzen der Katze" von Jina Khayyer ist ein tief berührender autobiographischer Roman, der die persönlichen Erinnerungen der Autorin mit den aktuellen gesellschaftlichen und politischen Ereignissen im Iran verknüpft.

Der grausame Mord an der jungen Iranerin Jina Mahsa Amin durch die strenge Sittenpolizei im Jahr 2022 ist Ausgangspunkt. Dieser brutale Mord führt die Ich-Erzählerin zurück in ihre eigene Vergangenheit im Iran. Jina Khayyer verwebt so private Erinnerungen mit realen politischen Ereignissen.

Ihr Schreibstil ist außergewöhnlich. Einerseits erzählt sie liebevoll und mit bildhafter Sprache von der Gastfreundschaft auf ihrer Reise durch den Iran, von kulturellen Erlebnissen und gibt Einblicke in die wunderschöne Dichtung persischer Dichter: "Hafis sagt, Unrecht liegt mit offenen Flügeln über dem ganzen Land, wie ein ungeheurer Raubvogel, wo ist Pfeil, wo ist Bogen? Warum schießt ihn keiner ab?" (S.157)

Andererseits verschleiert Jina Khayyer nichts. Sie schreibt radikal über die Brutalität des iranischen Regimes: von der Unterdrückung, dem Sexismus und der erschütternden Gewalt. Sie setzt sich mit den Protesten und dem Schicksal der Frauen im Iran auseinander. Khayyer ist dabei unglaublich reflktiert und schonungslos.

Jina Khayyer zeigt ein vielfältiges Bild. Man spürt ihre tiefe Liebe und Verbundenheit zu ihrem Heimatland, zu den Leuten, zu der bildhaften und wunderschönen Sprache und der jahrtausendalten Kultur.

Der Roman hat mich tief berührt. Mir stockte der Atem, wie unvorstellbar Menschen brutal misshandelt, vergewaltigt und zu Tode geprügelt werden. Das Buch lässt einen sprachlos zurück und zeigt, wie nah Hoffnung und Hoffnungslosigkeit beieinander liegen. Jeder sollte den Roman lesen. Er ist von aktueller politischer Brisanz.

"Wir sollten uns auf jede erdenkliche Weise mit der Kraft der Gerechtigkeit, mit Würde und Anstand verbünden. Jetzt, in diesem kritischen Moment der Geschichte, beobachtet die gesamte Menschheit, wie das iranische Volk mit leeren Händen, mit vorbildlichem Mut und Tapferkeit gegen die Mächte des Bösen kämpft. Wahre Macht liegt im Denken. (...) Freie Menschen dieser Welt, seid mit uns, steht an unserer Seite, fordern Sie ihre Regierungen auf, dieses mörderische und Kinder tötende Regime nicht länger zu unterstützen, fordern Sie ihre Regierungen auf, keine Geschäfte mehr mit diesen Mördern zu machen." (S. 246)

"FRAU - LEBEN - FREIHEIT!"

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Veröffentlicht am 16.01.2026

Erinnerungen, die weh tun

Wiederholung
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Kurzmeinung: Der Roman zeigt, wie eine Frau durch die Wiederholung von Erinnerungen, ihre traumatische Vergangenheit und sich selbst neu begreift.
Erinnerungen, die weh tun

In "Wiederholung" von Vigdis ...

Kurzmeinung: Der Roman zeigt, wie eine Frau durch die Wiederholung von Erinnerungen, ihre traumatische Vergangenheit und sich selbst neu begreift.
Erinnerungen, die weh tun

In "Wiederholung" von Vigdis Hjorth kehrt eine Frau gedanklich immer wieder in ihre traumatische Jugend zurück. Auslöser ist der Wunsch, ein lang verdrängtes Erlebnis neu zu betrachten und zu bewerten und sich die eigene Geschichte zurückzuerzählen. Dabei kreist sie vor allem um die Beziehung zu ihren Eltern.

Es geht um Loyalität, Schuld und vor allem um das Schweigen innerhalb einer Familie.

Im typischem Hjorth-Stil erzählt die Autorin sehr nüchtern und ohne große Ausschmückungen. Die Erinnerungen machen sichtbar, wie fest Schuld, Scham und auch Wut in einem sitzen können. Der Roman verzichtet weitgehend auf äußere Handlungen und konzentriert sich voll ganz auf den inneren Prozess der Protagonistin.

Meiner Meinung nach ist dieses Buch das schwächste von Vigdis Hjorth.

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