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Veröffentlicht am 05.12.2025

Die Kraft des Erzählens

Elf ist eine gerade Zahl
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Puh, eine Rezension zu dem Buch "Elf ist eine gerade Zahl" von Martin Beyer fällt mir nicht leicht. Dies liegt definitiv an der Schwere des Themas.

Paula, ist ein 14-jähriges Mädchen, das schwer erkrankt ...

Puh, eine Rezension zu dem Buch "Elf ist eine gerade Zahl" von Martin Beyer fällt mir nicht leicht. Dies liegt definitiv an der Schwere des Themas.

Paula, ist ein 14-jähriges Mädchen, das schwer erkrankt ist. Der Autor erzählt von dem Krankenhausaufenthalt, den Schmerzen, denen Paula ausgesetzt ist, vom Hoffen und Bangen. In dieser schweren Zeit wird Paula von ihrer Mutter Katja unterstützt und begleitet. Vor allem erfährt man als Leser, wie es in Katja aussieht. Die Hilflosigkeit und die seelische Belastung, die mit der tückischen Krankheit einhergehen, schildert Beyer authentisch und menschlich. Das Innenleben Paulas kommt, meiner Meinung nach, etwas zu kurz.

In aller Unbegreiflichkeit dieses Schicksals fängt Katja an, eine Geschichte zu erzählen, um ihrer Tochter Trost und Hoffnung zu spenden und wieder einen Zugang zu ihr zu finden, da sich beide durch die Krankheit und die einhergehende Pubertät immer mehr voneinander entfernt haben.
Diese fantastische Parallgeschichte nimmt die zweite Erzählebene ein. Es sind dann quasi zwei Geschichten in einem Buch.

Der Roman verbindet somit die harte Realität mit einer fantastischen Parallelgeschichte, die Trost und Hoffnung spendet.

Alle Gefühle und Gedanken sind so menschlich beschrieben und nachvollziehbar. Martin Beyer zeigt in dem Roman, wie stark, aber auch zerbrechlich die Beziehung zwischen Eltern und Kindern sein kann. Zugleich wird man mit den Fragen konfrontiert, wie viel Last man als Elternteil tragen kann und wie viel ein Kind ertragen muss. Wie kann man so etwas Unbegreifliches überhaupt aushalten? Wie würde man nach einem so schweren Verlust weiterleben?


Der Roman ist keine leichte Kost. Er ist vor allem für Leserinnen und Leser geeignet, die emotionale und authentische Geschichten mögen. Auf gar keinen Fall ist das Buch für jemanden geeignet, der bedrückende Themen wie "Krankheit" oder "Verlust" nur schwer ertragen oder verkraften kann.

Auch die märchenhafte Parallelgeschichte ist bestimmt nicht für jedermann. Da ich überhaupt nicht gern Fantasy o.ä. lese, empfand ich die Parallelgeschichte als zu langatmig. Dennoch ist die Idee gut umgesetzt und zeigt, was für eine Kraft im Erzählen steckt.

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Veröffentlicht am 23.11.2025

Die Kraft der Freundschaft und des Neubeginns

Lass uns noch bleiben
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"Lass uns noch bleiben" von Saskia Luka ist ein ruhiger, unaufgeregter Roman über die Kraft der Freundschaft und des Neubeginns. Mich hat das Buch leider nicht überzeugt. Die Handlung war nicht ...


"Lass uns noch bleiben" von Saskia Luka ist ein ruhiger, unaufgeregter Roman über die Kraft der Freundschaft und des Neubeginns. Mich hat das Buch leider nicht überzeugt. Die Handlung war nicht sonderlich spektakulär und wird bei mir nicht lange nachhallen.

Der Anfang des Romans beginnt so vielversprechend. Anna hat einen wundervollen Pflanzenladen und lebt ein isoliertes Leben in Berlin. Der einzige tägliche Kontakt besteht zu Henning. Henning besitzt ein Bücher-Antiquariat in Annas Nachbarschaft. Beide Figuren wirken authentisch und ich kann ihre Verlorenheit in der Welt nachvollziehen. Auch die Atmosphäre in dem Pflanzenladen und dem Antiquariat ist wundervoll beschrieben.

Die Handlung nimmt dann aber kaum Fahrt auf. Der Leser erfährt, dass Anna ihrer Freundin Vinka hinterhertrauert. Eines Tages taucht der lebensbejahende Bar-Besitzer Alex auf und langsam kommt Anna immer mehr aus ihrem Schneckenhaus heraus und macht sich auf die Suche nach Vinka. Anna findet langsam wieder zurück ins Leben.

Die Geschichte hat mich gelangweilt. Ich kann auch die Melancholie, die Anna durch den Verlust Vinkas umgibt, nicht ganz nachvollziehen. Anna kannte Vinka nicht lang. Sie weiß nicht einmal ihren Nachnamen. Generell wussten sie nicht viel voneinander. Die Trauer um Vinka finde ich hier einfach unrealistisch.

Trotz der Kürze des Romans (190 Seiten) waren mir manche Abschnitte zu langatmig. Das Ende war vorhersehbar und mir persönlich zu kitschig.

Saskia Luka setzt vor allem auf Stimmungen. Hier gelingt ihr eine einfühlsame Erzählweise und überzeugt durch eine bildhafte Sprache. Folgenden metaphorischen Vergleich finde ich besonders gelungen:

"Der zahme Vogel singt von Freiheit, der wilde Vogel fliegt." (S.97)


Oder auch diese Stelle im Buch fand ich wunderschön:


"Wusstest du, dass es Pflanzen gibt, die nur an einem ganz bestimmten Ort wachsen, unter ganz speziellen Bedingungen? (...) In einem bestimmten Gebirge zum Beispiel. Egal wie weit der Wind die Samen trägt, sie wachsen ausschließlich dort. Manchmal denke ich, ich bin so eine Pflanze. Ich versuche zu wachsen, aber am falschen Ort." (S. 138)

Die bildhafte, präzise und poetische Sprache finde ich wirklich gelungen. Hier schafft Saskia Luka es, Stimmungen und Momente für einen kurzen Moment lebendig wirken zu lassen.

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Veröffentlicht am 18.11.2025

Ein Jahreshighlight

Der Schlaf der Anderen
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"Der Schlaf der Anderen" von Tamar Noort gehört zu einen meiner gelesenen Bücher-Highlights in diesem Jahr.

Es ist ein berührender Roman zweier Frauen, die langsam eine Freundschaft aufbauen. Sina und ...


"Der Schlaf der Anderen" von Tamar Noort gehört zu einen meiner gelesenen Bücher-Highlights in diesem Jahr.

Es ist ein berührender Roman zweier Frauen, die langsam eine Freundschaft aufbauen. Sina und Janis lernen sich im Schlaflabor kennen. Sina leidet unter Schlaflosigkeit und Janis arbeitet im Schlaflabor.

Janis lebt ein total zurückgezogenes Leben, während Sina als junge Mutter und Lehrerin immer mehr an ihre Grenzen kommt. Es entsteht eine Verbindung zwischen ihnen. Beide Leben fangen an, sich langsam zu ändern. Es zeigt, wie zwei Menschen, die beide an einem Wendepunkt angekommen sind und allein nicht weiterkommen, sich gegenseitig ein Stück weiterbringen können.
Besonders gefallen hat mir, wie Noort herausgearbeitet hat, dass die Begegenung und der Austausch mit anderen viel bewirken und verändern kann, um wieder zu sich selbst zu finden.

Überzeugt haben mich vor allem die herausgearbeiteten Frauenfiguren. Sina und Janis kommen authentisch rüber, ihre menschlichen Probleme sind nachvollziehbar.

Noorts Roman ist kein "lauter" Roman. Die Geschichte lebt von den Zwischentönen und von Reflektionen. Das meiste passiert zwischen den Zeilen und weniger in der Handlung.

Der Roman ist vor allem für Leserinnen und Leser geeignet, die Geschichten über zwischenmenschliche Beziehungen, Lebensumbrüche, Veränderung und menschliches Miteinander mögen.

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Veröffentlicht am 17.11.2025

Der Jubiläumsband - chaotisch und witzig

Gregs Tagebuch 20 - Bock auf Party?
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Dies ist nun bereits der 20. Band aus der beliebten Comicroman-Reihe. Jeff Kinney setzt auch hier auf altbewährte Erfolgsgaranten. Wie auch in allen anderen Bänden der Reihe, geht es auch hier um das tägliche ...

Dies ist nun bereits der 20. Band aus der beliebten Comicroman-Reihe. Jeff Kinney setzt auch hier auf altbewährte Erfolgsgaranten. Wie auch in allen anderen Bänden der Reihe, geht es auch hier um das tägliche Chaos und die vielen Missgeschicke, die Greg Heffley erlebt. Diese sorgen natürlich für viele Lacher.

Ich denke "Gregs Tagebuch" ist unter anderem so beliebt, weil sich Kinder gut in Gregs Lebenswelt hineinversetzen können. Diese Mischung aus Selbstüberschätzung und peinlicher Realität ist einfach so gut nachvollziehbar.

Die Geschichte wird wie gewohnt aus Gregs Sicht als Tagebucheintrag erzählt, ergänzt durch kleine lustige, oft selbstironische Comicbilder, die seine Erlebnisse noch anschaulicher und witziger machen.

Was mir persönlich besonders gut gefällt ist, dass sich Greg charakterlich weiterentwickelt. Er ist und bleibt zwar ein wenig tollpatschig und erlebt zahlreiche Missgeschicke und peinliche Momente. Aber auffallend ist, dass er nun über seine eigenen Unsicherheiten und Ängste nachdenkt. Mit einer Portion Humor werden typische Teenagerprobleme, Freundschaft und Selbstakzeptanz in den Blick genommen.

Insgesamt ist es ein gelungener Band für alle Fans dieser Reihe. Es gibt keine großen Überraschungen, aber das ist auch nicht nötig. Greg wird auch mit diesen Band wieder viele Kinder zum Lachen bringen.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Frausein und Körperlichkeit

Wie die Gorillas
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Der Coming-of-Age-Roman enthält kurzweilige Episoden dreier Freundinnen, die gemeinsam erwachsen werden. Zentrale Themen sind die Solidarität und Freundschaft der Freundinnen und die gesellschaftlichen ...

Der Coming-of-Age-Roman enthält kurzweilige Episoden dreier Freundinnen, die gemeinsam erwachsen werden. Zentrale Themen sind die Solidarität und Freundschaft der Freundinnen und die gesellschaftlichen Erwartungen, denen sie als junge Frauen ausgesetzt sind, die zu einer großen Belastung werden.

In 32 Episoden erzählt Esther Becker von unterschiedlichen körperlichen Erfahrungen. Die drei Mädchen wollen herausfinden, wer sie sind, wie sie aussehen wollen bzw. sollen und wie sie sich als Mädchen verhalten zu haben. Die Scham und der Leistungsdruck, die auf den jungen Mädchen lastet, wird fragementarisch angedeuet und lässt mir als Leserin Raum zum Nachdenken.

Esther Becker gelingt mit "Wie die Gorillas" ein authentischer gesellschaftskritischer Roman, der sich mit Selbstoptimierung, Körperlichkeit und dem Druck, perfekt sein zu wollen, auseinandersetzt. Der wiederkehrende Satz "Was machst du, wenn deine Kinder Frauen werden?" bringt die Frage nach Verantwortung und Generationenwechsel auf den Punkt, legt die Mechanismen unserer Gesellschaft offen und übt damit eine subtile Kritik an Körpernormen und Rollenbildern.

Der schmale Gegenwartsroman (154 Seiten) lässt nicht viel Raum für eine vielschichtige Figurenausarbeitung und tiefe Dialoge. Dies ist meiner Meinung nach auch nicht nötig, da die thematische Tiefe im vielschichtigen Bild von "Frauwerden" liegt und eine ganze Generation junger Frauen sichtbar macht.

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