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Veröffentlicht am 22.07.2025

Ein fein beobachteter, stiller Roman über Selbstfindung - mit all ihrem Schmerzhaften und Schönen

Blaue Tage
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Als ich gelesen habe, dass es bei „Blaue Tage“ eine queere Storyline gibt, war ich sehr vorfreudig auf den Roman. Und er hat mich mit seiner stillen Beobachtungsgabe auch überzeugt, obwohl vielleicht besser ...

Als ich gelesen habe, dass es bei „Blaue Tage“ eine queere Storyline gibt, war ich sehr vorfreudig auf den Roman. Und er hat mich mit seiner stillen Beobachtungsgabe auch überzeugt, obwohl vielleicht besser vor der Lektüre klar sein sollte, dass es sich hier nicht um ein dramagetriebenes Werk handelt.

In diesem Kammerspiel befinden sich die beiden Schwestern Leo und Emma zusammen mit ihren Partnern und ihrem Vater 10 Tage lang auf einem Katamaran (ja, ich musste googeln, wie so etwas aussieht). Während der Vater in den vergangenen zwei Jahren eher mit Abwesenheit glänzte und die Beziehung zu seinen Töchtern entsprechend auf wackeligen Beinen steht, haben Leo und Emma ganz andere private Hürden, die sich zudem gegenseitig verstärken. Emma möchte nämlich unbedingt ein Kind mit Onur, doch scheint es nicht zu klappen. Karl wiederum möchte ein Kind mit Leo, deren innere Entwicklung wir als Lesende direkt miterleben dürfen.

Es kracht nicht in diesem Roman, die Konflikte sind unterschwellig, werden jedoch zeitnah adressiert. Gerade auch das Innenleben des Vaters hat mich überzeugt. Wer großes Familiendrama sucht, wird hier nicht fündig. Stattdessen beobachtet der Roman sehr fein die Dynamiken innerhalb von Familien und Beziehungen. Das macht ihn eher leise und das Lesen vielleicht etwas langsamer, doch eben auch sehr lebensnah.

Leo empfand ich als eine so unglaublich authentische Figur in ihren Reflexionen zur Kinderfrage und der eigenen Sexualität. Dank so mancher popkulturellen Referenz könnten wir nämlich denken, dass ein inneres Coming-Out mit einem großen Knall passiert, dabei ist es oft so viel subtiler und auch durchaus von ambivalenten Gefühlen begleitet. Auch die eigene Entscheidung zu Kindern, insbesondere eine gegen sie, wird wohl in den seltensten Fällen leichtfertig gefällt. Ich habe Leos Emotionen regelrecht greifen können und denke, dass der Roman gerade auch für Late Bloomers richtig heilsam sein kann.

Was mich beim Lesen etwas angestrengt hat, waren die Fachbegriffe zu Booten und zum Segeln. Ein kleines Glossar am Ende hätte mir hier gut gefallen, da es schon recht viel Raum einnimmt. Außerdem lebt die Geschichte durchaus relevant von ihren Leerstellen, die wir entweder selbst füllen oder akzeptieren müssen. Und nicht zuletzt hätte ich die Skipperin Alex gern noch etwas vielschichtiger kennengelernt - aber sie gehört natürlich auch nicht zur zentralen Familie, wenngleich sie auch eine enorm wichtige Rolle spielt.

Abgesehen davon ist „Blaue Tage“ ein sensibler, kurzer Roman über das Finden des eigenen Weges fern von gesellschaftlichen Normen und Erwartungen.

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Veröffentlicht am 22.07.2025

Eines der besten und unterhaltsamsten Hörbücher!

Single Mom Supper Club
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Jacinta Nandi kannte ich zuvor nur von ihren kurzen Texten im Missy Magazine, die ich bereits sehr mochte. Und das Hörbuch zu „Single Mom Supper Club“ ist wirklich eines der besten, die ich je gehört habe! ...

Jacinta Nandi kannte ich zuvor nur von ihren kurzen Texten im Missy Magazine, die ich bereits sehr mochte. Und das Hörbuch zu „Single Mom Supper Club“ ist wirklich eines der besten, die ich je gehört habe! Britta Steffenhagen ist eine fantastische Sprecherin, die es wie kaum eine andere geschafft hat, den vielen Single Moms einen Charakter zu verleihen. Ihr Einsatz von Akzenten und Stimmvarianz ist schlicht bemerkenswert. Ich kann immer schwer einschätzen, ob mir das Buch beim Lesen genauso viel Freude bereitet hätte, aber das Hörbuch war ein absoluter Genuss!

Nandi hat hier eine episodenhafte Satire geschrieben, die einige Wahrheiten enthält - ohne diese aber je klar auszuformulieren. Die Perspektiven der kurzen Kapitel wechseln zwischen den verschiedenen Müttern, der grundlegende Ton bleibt aber vergleichbar. Die Autorin ist einfach witzig und das schlägt sich in ihren Figuren nieder. Die Frauen geraten über diverse Themen auf eine trockene, nüchterne und zugleich ernsthafte Art aneinander, die ich äußerst unterhaltsam finde.

Themen wie Rassismus, inklusive Sprache, AfD im Osten sowie Ostfeindlichkeit, Ungleichheit bei Care-Arbeit, das deutsche Steuersystem, Klassismus und natürlich Feminismus spielen eine Rolle. Manche Aussagen sind klar, aber meistens bleibt das endgültige Urteil den Lesenden vorbehalten. Einige Szenen darf mensch auch wirklich nicht so ernst nehmen (Ist ein bisschen Koks okay, wenn die Mutter gerade auf ihre Kinder aufpasst?), denn Nandi arbeitet oft mit einer extremen Überspitzung. Für mich war immer klar, wie ich die Szenen zu verstehen habe, sodass mich die skurrile Ernsthaftigkeit ihrer Figuren in diesen Situationen oft hat schallend lachen lassen.

Ich finde nicht, dass der Roman den Anspruch hat, besonders gesellschaftskritisch zu sein. Auf einige Dinge weist die Autorin mit ihrer ironischen Art auf jeden Fall hin, doch ich verstehe die Geschichte vor allem als äußerst unterhaltsame, kurzweilige Impulsgeberin. Und über so einige Dinge können wir schließlich nur noch lachen, weil wir sonst über sie weinen müssten. Große Empfehlung für diesen Roman und seine Autorin!

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Veröffentlicht am 22.07.2025

Psychologisch fesselnd und sehr unterhaltsam

Schattengrünes Tal
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Ich mag Filme wie „Nur ein kleiner Gefallen“ und „Gone Girl“ recht gern, weil ich in meinen Vermutungen gern überrascht werde. Literarisch fällt „Schattengrünes Tal“ für mich in die gleiche Kategorie, ...

Ich mag Filme wie „Nur ein kleiner Gefallen“ und „Gone Girl“ recht gern, weil ich in meinen Vermutungen gern überrascht werde. Literarisch fällt „Schattengrünes Tal“ für mich in die gleiche Kategorie, an der es sicher auch Grundlegendes zu kritisieren gibt, die mich aber einfach gut unterhält. Das Buch hat mich gepackt und ich hatte endlich mal wieder einen richtigen Lese-Flow.

Die Autorin wird auf dem Klappentext als „Meisterin des psychologischen Kammerspiels“ betitelt und ich würde mich dem anschließen. Die Geschichte hat mich mit ihren wechselnden Perspektiven, teils rasant im Tempo, absolut getrieben und ich wollte das Buch nicht aus der Hand legen. Dass wir hier, wie auch in den vergleichbaren Filmen, eine unheimliche und irgendwie verquere Frauenfigur haben, kann grundsätzlich kritisiert werden. Ich bin da hin- und hergerissen. Auf der einen Seite finde ich die Figur spannend geschrieben, mag auf der anderen Seite aber nicht, dass der Stereotyp der „verrückten Frau“ dadurch immer weiter verfestigt wird.

Wenn ich die grundlegende Kritik aber mal außen vor lasse (und danach ist mir gerade), dann finde ich die Handlung überwiegend genial geschrieben. Es bleibt über weite Strecken hinweg spannend und ich habe mehrfach mitgeraten. Manchmal lag ich richtig mit meiner Vermutung und manchmal falsch. Da ich Krimis und auch Thriller ingesamt nicht gern lese, sind diese thrillerhaften Elemente genau mein richtiges Maß.

Das Ende finde ich persönlich im Vergleich zur vorherigen Handlung recht schwach. Es fällt schon deutlich ab und ist für mich schlicht zu versöhnlich und rund geschrieben. Ein paar mehr Ecken hätte es ruhig haben dürfen. Daniela hat mich in ihrer Zeichnung manchmal etwas wütend gemacht - auch explizit für sie, denn ich lese hier gewisse psychologische Störungsbilder heraus, für die sie in mehrerlei Hinsicht Unterstützung verdient hätte.

Wer einen stimmungsvollen, düsteren und psychologisch verstrickten Roman sucht, ist hier wirklich gut beraten. Wer sich über „verrückte“ Frauenfiguren, die scheinbar alle mühelos um den Finger wickeln können, eher aufregt (was ich sehr verständlich finde), wird hier eher weniger Freude haben. Für mich hat es gerade total gepasst und ich möchte diese explizite Kritik bereitwillig ausblenden, weil mich der Roman aus einer kleinen Leseflaute geholt hat. Für das etwas schwache Ende ziehe ich ein wenig von der Wertung ab.

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Veröffentlicht am 22.07.2025

Brutal, schonungslos, fragmentarisch - in der Umsetzung aber nicht mein Fall

Hero
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Ganz an den Anfang möchte ich den dringenden Rat stellen, sich hier gar nicht vom Klappentext leiten zu lassen. Mir hat der nämlich eine Beziehungsgeschichte suggeriert, die irgendwie linear fortschreitet. ...

Ganz an den Anfang möchte ich den dringenden Rat stellen, sich hier gar nicht vom Klappentext leiten zu lassen. Mir hat der nämlich eine Beziehungsgeschichte suggeriert, die irgendwie linear fortschreitet. Das ist „Hero“ aber überhaupt nicht! Stattdessen ist es ein Werk, das fragmentarisch Erfahrungen sowie Überlegungen der Protagonistin aneinanderreiht - rasche Themensprünge und stilistische Wechsel inklusive.

Ich präferiere ganz klar figurengetriebene Geschichten. Und obwohl Hero hier als Erzählerin ganz klar im Zentrum steht, habe ich am Ende kein wirkliches Gefühl zu ihr. Sie erzählt aus ihrer Vergangenheit, listet teilweise schonungslos und brutal ehrlich ihre Erfahrungen mit Männern auf. Kernaussage: Vor patriarchaler Prägung sind selbst Green Flags nicht gefeit und diese sind sowieso schonmal selten.

Eine wichtige Aussage und ich mochte die brutale Nüchternheit, mit der durchaus gewaltvolle Themen hier transportiert werden. Genau aus diesem Grund sollten das Buch eigentlich vor allem cis Männer lesen, denn ich fand es am Ende primär bedrückend. Eine Empowerment-Story ist es für mich vielleicht phasenweise, aber keinesfalls im Gesamten.

Stilistisch ist der Roman eher experimentell: Wechsel zwischen dritter und zweiter Person Singular (wobei ich dieses Element tatsächlich sinnvoll fand, da die thematisierten Männer ansonsten weitgehend anonym und damit ununterscheidbar bleiben), viele Metaphern, direkte Rede ohne Interpunktionszeichen. Meins ist das definitiv nicht, weil für mich durch zu viele stilistische Elemente die Nähe zu den Figuren verloren geht.

Vorrangig bin ich wahrscheinlich enttäuscht, weil der Klappentext so gut klang. Aber es gibt keine Liebesgeschichte und keine ernsthaft greifbare Figureninteraktion, stattdessen teilweise schwer verständliche Ausschweifungen. Andere Passagen fand ich wiederum enorm eindrücklich und mochte die schonungslose Ehrlichkeit mancher Nebenfiguren in ihrem Blick auf patriarchale Strukturen. FLINTA wird das Buch sicher berühren und bedrücken, deshalb weiß ich nicht so recht, ob ich es so richtig empfehlen kann, weil erfahrungsgemäß eher wenige cis Männer zu solcher Literatur greifen - obwohl besonders ihnen die Augen geöffnet werden müssten. Und ich persönlich kann schlicht nicht wirklich viel für mich aus der Geschichte mitnehmen, außer Wut und Frustration über die Verhältnisse. Trotz einiger guter Gedanken, manche davon auch augenöffnend, bleibe ich also eher unzufrieden zurück.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Gut lesbar, reizvolle Ausgangslage und interessante Figuren - aber zu wenig auserzählt

Ungebetene Gäste
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Während mir „Löwen wecken“, das ich erst kurz vor diesem Roman gelesen habe, noch zu lang war, schien mir „Ungebetene Gäste“ fast zu kurz zu sein. Obwohl ich die Länge grundsätzlich ausreichend fand, hat ...

Während mir „Löwen wecken“, das ich erst kurz vor diesem Roman gelesen habe, noch zu lang war, schien mir „Ungebetene Gäste“ fast zu kurz zu sein. Obwohl ich die Länge grundsätzlich ausreichend fand, hat die Autorin für mich zu viele Handlungsstränge nicht zu Ende geführt und thematisch vielleicht ein wenig zu viel gewollt.

Wie bei all ihren Büchern, spielt Ayelet Gundar-Goshen auch hier wieder mit der vermeintlichen Klarheit, was unser menschliches Urteilsvermögen angeht. Die Figurenzeichnung gefiel mir deutlich besser als in ihrem früheren Roman. Sie sind mir zwar wieder überwiegend unsympathisch und wiederholt fand ich ihre Handlungen einfach nur erschütternd, aber zumindest waren sie nicht so platt ekelhaft geschrieben. Besonders im Mittelteil, der mich zu Beginn allerdings auch erstmal verwirrte, bekommen wir ein deutlich vielschichtigeres Bild der Haupt- sowie einiger Nebenfiguren.

Gleichzeitig verschwinden andere Nebenfiguren aus dem ersten Teil völlig von der Bildfläche und werden im kurzen dritten Teil noch einmal aufgewärmt. Neue Figuren tauchen zwischendrin auf, während sich mir am Ende nicht immer ganz erschloss, warum sie wichtig waren. Auch das ein oder andere Klischee wird bedient, die Kommunikation zwischen den Figuren ist meist katastrophal.

Trotzdem hat mir gefallen, wie fein die Autorin mit unserer Sympathie und Empathie spielt - dafür hat sie schon wirklich ein ausgesprochenes Talent. Die Figuren sind zwischendrin so unangenehm, dass ich kaum weiterlesen wollte, und doch bringe ich einige Kapitel weiter Mitgefühl für sie auf. Auch das Thema Schuld/Schuldgefühle sowie der Rassismus weißer Israelis werden wieder behandelt. So einige Sätze waren für mich richtige Banger - etwa dazu, wie gut Persönlichkeitsrechte verschiedener Gruppen beim Veröffentlichen von Fotos geachtet werden.

Doch auch, wenn mir dieser Roman in Bezug auf Lesefluss und Figurenzeichnung gut gefallen hat, gehe ich ernüchtert aus dem Buch. Das Ende ist super offen, so viel bleibt auch einfach ungesagt oder wird kurz vor Schluss noch einmal angeschnitten. Ich habe außerdem meine Schwierigkeiten damit, wenn so gar keine Figur nahbar und mir sympathisch ist, auch wenn ich moralisch graue Figuren durchaus schätze.

Definitiv eine spannende Autorin mit einem guten Repertoire an Überraschungsmomenten im Kleinen. Doch ich muss auch hier wieder sagen, dass mir einiges zu konstruiert war, die moralische Ebene an einigen Stellen zu forciert. Ich habe mir vom Klappentext wieder so viel erhofft und bin nun nicht vollends zufrieden. Es ist dennoch alles andere als ein schlechtes Buch und Fans der Autorin kommen hier ganz sicher auf ihre Kosten. Bei 1-2 weiteren Werken bin auch ich neugierig, werde mir aber erstmal ein bisschen Abstand gönnen, da zwischen den Büchern schon eine gewisse Ähnlichkeit besteht.

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