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Veröffentlicht am 02.04.2026

Starker Anfang, dann aber zunehmend mit Schwächen

Keeping it casual
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Das pola-Verlagsprogramm ist für mich eigentlich ein Garant für tolle Geschichten - entweder mit literarischem Anspruch oder mit gutem Unterhaltungswert. Im ersten Drittel dieser Geschichte habe ich mich ...

Das pola-Verlagsprogramm ist für mich eigentlich ein Garant für tolle Geschichten - entweder mit literarischem Anspruch oder mit gutem Unterhaltungswert. Im ersten Drittel dieser Geschichte habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt und das war genau das, was ich zu diesem Zeitpunkt brauchte. Doch danach ging es für mich leider nur noch bergab.

Die Geschichte bot zu Beginn vieles, das ich schätze: das Potenzial emotionalen Tiefgangs, tolle Chemie zwischen den Protas, nette Nebenfiguren und einen angenehmen Humor. Die Tinder-Beziehung zwischen Max und Johnny hatte einen super Drive und es gab den ein oder anderen Hint, auf dessen Auflösung ich hingefiebert habe.

Doch dann verlor mich die Autorin sehr drastisch, als sich die Protagonistin nach ihrer OP auf eine Art Selbstfindungsreise begibt, die mir sehr gewollt erschien und authentischen Tiefgang vermissen ließ. Es wirkte zu rund und inszeniert, weswegen ich wenig Freude hatte. Hinzu kamen die absolut tierproduktlastigen Rezepte, die jegliche Progressivität vermissen lassen. Unabhängig von der eigenen Lebensweise habe ich an Kunst einfach einen höheren Anspruch - erst recht, wenn es Werke mit progressivem Fundament sind, die marginalisierte Gruppen sichtbar machen. Ausbeutung hört nicht auf dem Teller auf und die kognitive Dissonanz im Buch („Ich liebe Enten und esse sie gerne“) hat mich richtig verärgert. Das kann pola wirklich besser!

Auch im letzten Drittel ging es für mich nicht positiv weiter. Zurück von der Inspirationsreise ist die Chemie zwischen Max und Johnny einfach plötzlich verschwunden. Beide Figuren empfand ich als blass, die Gespräche konstruiert. Es wirkte auf mich, als hätte sich die Autorin vorher genau überlegt, welche Dialoge und Charaktereigenschaften sie gerne verwenden möchte, ohne zu prüfen, ob die Chemie zwischen den beiden passt.

Ich bin also eher frustriert nach dieser Lektüre. Es ist kein Werk mit hohem literarischen Anspruch und das ist sehr in Ordnung. Der Autorin gelingt es für mich jedoch auch nicht, den Unterhaltungswert vom Anfang zu halten. Es ist also auch keine RomCom und eine andere Unterhaltung konnte ich ebenso nicht finden. Auf mich wirkte es beim Lesen so, als hätte Karina May eigentlich zwei Bücher schreiben wollen und sie dann in einen Topf geworfen. Es fehlte der rote Faden und nebenbei auch die emotionale Tiefe, obwohl die Geschichte echtes Potenzial gehabt hätte.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Interessante Ausgangslage, aber zu nüchtern-distanziert weitergedacht

Toyboy
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Das Debüt von Jonas Theresia hat mich stark an ähnliche Bücher junger, männlicher, politisch links anmutender Männer erinnert (zuletzt bspw. an „Super einsam“). Und sie eint leider alle etwas, das ich ...

Das Debüt von Jonas Theresia hat mich stark an ähnliche Bücher junger, männlicher, politisch links anmutender Männer erinnert (zuletzt bspw. an „Super einsam“). Und sie eint leider alle etwas, das ich in Büchern einfach nicht so gern mag - eine nüchterne Erzählweise mit emotionaler Distanz und skurril-trippigen Elementen.

Das ist mir auch bei diesem Werk wieder zum Verhängnis geworden, sodass ich ziemlich lange und mit großen Pausen an ihm gelesen habe. Ich konnte einfach keine Verbindung zum Protagonisten herstellen. In manchen Szenen blitzte seine Emotionalität auf, aber viel zu schnell härtete der Charakter sich wieder ab.

Dabei gab es auf dem Klappentext durchaus Elemente, die mich sehr interessiert haben. Die 6arbeitskomponente bei Männern spricht mich an und die wackelnde Beziehung zum jüngeren, sozial abgeschotteten Bruder hätte viel Potenzial gehabt, mich emotional zu ergreifen. Aber beides wurde für mich nicht zufriedenstellend umgesetzt. Der Job wirkte ziemlich fad und irgendwie irrelevant, die Beziehung ging mir nur selten unter die Haut. Levins Unsicherheit im Umgang mit seinem Bruder Gregor hat mich manchmal wirklich berührt, aber insgesamt einfach zu selten.

Und ich muss ehrlich sagen, dass diese Art Erzählung beginnt mich etwas zu langweilen. Warum bleibt es so oberflächlich, warum wird mehr Wert auf eine ziemlich trippige, weirde Szene am Ende gelegt als auf den emotionalen Ausbau des Protagonisten? Mich hat die Geschichte somit leider mehr deprimiert als berührt oder unterhalten.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Ein inhaltlicher Donnerschlag - aber sprachlich wirklich (!) anspruchsvoll

Die Routinen
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Ich war so begeistert von den ersten Besprechungen und dem Inhalt des Romans, dass ich ihn unbedingt lesen wollte. Und er ist für mich unheimlich schwer zu greifen, weil da zwei sehr widersprüchliche Bewertungen ...

Ich war so begeistert von den ersten Besprechungen und dem Inhalt des Romans, dass ich ihn unbedingt lesen wollte. Und er ist für mich unheimlich schwer zu greifen, weil da zwei sehr widersprüchliche Bewertungen in mir sind.

Das Werk ist sprachlich unglaublich anspruchsvoll! Poetisch-verschnörkelt und zugleich roh reiht Son Lewandowski ihre Worte aneinander. Sie springt so rasant zwischen Realem und Fiktivem, zwischen konkreter Handlung und Gedankenschnipseln, dass der Text oft unmöglich zu greifen ist. Mit Sprachstilen, die schon kompliziert sind, habe ich es wirklich überhaupt nicht. Ich brauche eine direkte Sprache ebenso wie eine klare Struktur.

Doch während ich bei anderen Büchern an dieser Stelle schon längst abgebrochen hätte, hat mich Lewandowski irgendwie doch halten können und ich verstehe es zwar nicht, rechne es ihr aber hoch an. Was ich ebenso bemerkenswert finde, ist die Nähe zum Thema, die die Autorin hier schafft. Würde ich es nicht besser wissen, würde ich sicher davon ausgehen, dass sie selbst Kunstturnerin war. Sie schreibt so dermaßen detailliert über diese Welt, dass ich nur meinen Hut ziehen kann vor ihrer Rechercheleistung.

Einerseits erzählt Lewandowski die fiktive Geschichte der Turnerin Amik, webt in diese aber gleichzeitig reale Ereignisse mit ein. Ob Nadia Comăneci, Olga Korbut, Dominique Moceanu, Kerri Strug oder Simone Biles - über Zitate und Berichte werden ihre Erlebnisse eingebunden in eine fundierte Systemkritik. Diese formuliert die Autorin jedoch selten für uns aus, bleibt vage und wird doch deutlich genug.

Es geht um ein System, dass Leistung über absolut alles stellt, Essstörungen sowie Missbrauch auf verschiedenen Ebenen Tür und Tor öffnet, alles Weibliche gleichermaßen voyeuristisch zur Schau stellt wie verachtet. Einige Sätze der Autorin waren schlicht ein Donnerschlag, so poetisch sie manchmal auch daherkamen. Ich hatte oft das Gefühl, der Handlung nicht wirklich folgen zu können, und trotzdem immer wieder Tränen in den Augen oder brennende Wut in der Brust.

Am Ende bleibe ich so unschlüssig wie nur irgend möglich zurück. Ich wünsche mir so sehr, dass gesellschaftlich über Leistungssport und sein zerstörerisches System gesprochen wird. Dass Mädchen und junge Frauen sich nicht in missbräuchlichen Strukturen wiederfinden. Und dass dieses Buch die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient. Aber ich finde es sprachlich auch wirklich so schwer, dass es Hürden hinstellt, wo es keine geben sollte - dafür ist das Thema viel zu wichtig. Ich bewerte dennoch wohlwollend, weil Lewandowski hier ein herausstechendes Stück Literatur geschrieben hat.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Ein greifbares, gut lesbares und wichtiges Memoir

Trotzdem zuhause
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Tupoka Ogette ist zweifelsfrei eine Person, die in Sachen Rassismuskritik eine nicht wegzudenkende Rolle im deutschen Diskurs einnimmt. Ich durfte so viel von ihr lernen und habe schon vorher ihren sehr ...

Tupoka Ogette ist zweifelsfrei eine Person, die in Sachen Rassismuskritik eine nicht wegzudenkende Rolle im deutschen Diskurs einnimmt. Ich durfte so viel von ihr lernen und habe schon vorher ihren sehr verständlichen, menschlichen Ton geschätzt. Der prägt nun auch ihr Memoir und macht es zu einem weiteren Stück Pflichtlektüre.

Es ist kaum begreiflich, was in Ogettes Leben alles so zusammengekommen ist. Sie schildert eine Lebensrealität geprägt von einem „Nicht ganz hier, aber auch nicht ganz da“. Die Feindlichkeit gegenüber ihr als in Ostdeutschland geborenes, mixed-race Kind einer queeren und systemkritischen Mutter ist unermesslich. Die Autorin findet prägnante und emotional greifbare Worte für den Hass, aber auch die Liebe, die sie in ihrem Leben erfahren hat.

Für ihre Leser*innen dürfte es unmöglich sein, keine Emotionen zu empfinden. Mein Herz tat weh bei all den gewaltvollen Erfahrungen und der ein oder anderen von Schuldgefühlen geprägten Anekdote. Dann wieder war es einfach so toll zu lesen, wie liebevoll ihr direktes familiäres und später auch freundschaftliches Umfeld war.

Die Kapitel sind kurz, weswegen sich das Buch noch flüssiger lesen lässt als dank der klaren Sprache sowieso schon. Alle haben ihren Raum und die allermeisten haben mich tief bewegt. Was mir besonders in Erinnerung bleibt, ist die Art, wie Ogette die von ihr erlebte (physische, psychische und 6ualisierte) Gewalt beschreibt. Sie macht subtil und doch mehr als eindrücklich klar, dass gerade letztere nicht selten von eigentlich freundlichen Männern im Nahumfeld ausgeübt wird. Was ihr widerfahren ist und dass es für die Täter keinerlei Konsequenzen zu geben scheint, ist nur zum Schreien und ich kann nur aufrichtig bewundern, dass sie das alles so offen thematisiert.

Das Memoir sollte einfach von allen Menschen gelesen werden, denn obwohl es natürlich um das Leben dieser wichtigen Person geht, bekommen wir so deutlich wie nur möglich Einblicke in das, was bspw. Rassismus in Menschen auslöst. Ich bin beeindruckt von dieser Autorin und habe dank des Lesens ein sehr klares Gefühl dafür bekommen dürfen, warum sie zu dem Menschen wurde, der sie ist.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Ganz wichtiges Fundament, aber in der Ausführung schwer zu folgen

M.O.M.: Mother of Madness
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Ich finde Emilia Clarke ganz zauberhaft (ohne je „Game of Thrones“ geschaut zu haben) und war darüber hinaus auch neugierig auf diesen feministischen Comic - sooo viele gibt es da ja schließlich nicht ...

Ich finde Emilia Clarke ganz zauberhaft (ohne je „Game of Thrones“ geschaut zu haben) und war darüber hinaus auch neugierig auf diesen feministischen Comic - sooo viele gibt es da ja schließlich nicht auf dem Markt.

Die Superheldin ist wirklich witzig und innovativ erdacht. Dass ihre von der Gesellschaft als Schwächen ausgelegten Emotionen zu Superkräften werden, ist klug gemacht. Ich muss allerdings sagen, dass mir der Aufbau nicht logisch genug war. Die Superkräfte erschienen schon einige Male, ohne dass ich verstehen konnte, was ich da sehe. Auch die Handlung rund um die Antagonistin mit ihren kriminellen Machenschaften fand ich zu durcheinander - und ehrlicherweise etwas platt.

Mir war bis zum Ende nicht wirklich klar, was genau passiert ist und wie die Hintergründe sind. Das ist schade, stecken doch so viele wichtige gesellschaftskritische Ansätze in diesem Werk. So kommt weißer sowie Girlboss-Feminismus berechtigterweise ganz schlecht weg und nebenbei werden verschiedene Körpertypen, Ethnien sowie Geschlechter als ein völlig normaler Teil einer pluralen Gesellschaft abgebildet.

Doch auch, wenn ich mich darüber gefreut habe, erscheint mir der Inhalt dieses wunderschönen und passend wild-bunt gestalteten Comics nicht rund. Den Sprechblasen konnte ich wiederholt nicht richtig folgen, Zeit- sowie Ortssprünge haben das weiter erschwert.

Sicherlich ist dies kein Werk für Anfänger*innen in Bezug auf Inhalt und Form, ich möchte trotzdem seinen Platz in der Bücherwelt würdigen und bewerte wohlwollend für die Idee.

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