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Veröffentlicht am 19.02.2026

Kurzweilig, manchmal witzig, aber mit großem Logikfehler

Das Tagebuch von Edward dem Hamster 1990 - 1990
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Das Büchlein ist extrem kurz und eignet sich dadurch gut für eine Zwischendurch-Lektüre. Einige Stellen fand ich auch ziemlich witzig und kann verstehen, dass viele den philosophischen Aspekt in Edwards ...

Das Büchlein ist extrem kurz und eignet sich dadurch gut für eine Zwischendurch-Lektüre. Einige Stellen fand ich auch ziemlich witzig und kann verstehen, dass viele den philosophischen Aspekt in Edwards Gedanken sehen. Aber ich habe hier einfach ein Logikproblem, weil lediglich menschliche Überlegungen einem Hamster zugeschrieben wurden ohne dabei dessen tatsächlichen Bedürfnisse korrekt abzubilden.

Oberflächlich erinnert der Ansatz der Geschichte an „Farm der Tiere“ - über Tiere als Platzhalter werden menschliche Überlegungen/Widerstandsbewegungen verhandelt. Ich verstehe den Charme, Orwells Buch hat mir da auch gut gefallen. Aber gerade verglichen mit diesem historischen Werk kann der kleine Hamster nicht mithalten.

Das ist für mich zum einen der Kürze und dem Humor geschuldet, wodurch einfach Abstriche an der Tiefe hingenommen werden müssen. Vor allem hat mich aber geärgert, dass dann selbst in diesem Fantasieszenario nicht akkurat gearbeitet wurde. Die Käfighaltung, das eintönige Leben und der menschliche Umgang mit dem Tier lasse ich gelten, da sie durch Edwards Gedanken hoffentlich als grobe Fehler verstanden werden. Aber ein Partnertier?! Das endet in der Regel böse, erst recht auf so wenig Platz. Hamster sind i. d. R. Einzelgänger und da es bei Heimtieren sowieso schon so viel Falschwissen gibt, finde ich diese Darstellung im Buch gefährlich. An der Stelle kann ich dann auch kein Auge zudrücken, nur weil es ja ein „vermenschlichter“ Hamster ist.

Mich haben Edwards Gedanken jetzt ehrlich gesagt auch nicht zum Nachdenken angeregt, weil sie nicht sonderlich innovativ sind. Und da ich seit Jahren in der Tierrechtsbewegung verortet bin, geht mir hier Vieles aus Hamstersicht nicht weit genug. Eigentlich geht es hier ja doch wieder nur um Menschen - und damit hat das Buch sein Potenzial leider verfehlt.

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Richtig schönes Setting, guter Lesefluss, am Ende etwas over the top

Single All the Way. A Christmas Roadtrip
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Der Roman ist wirklich eine tolle Winter-/Weihnachtslektüre, die sich super flüssig lesen lässt. Die beiden Autorinnen haben es geschafft, die Atmosphäre richtig greifbar abzubilden und um eine humorvolle ...

Der Roman ist wirklich eine tolle Winter-/Weihnachtslektüre, die sich super flüssig lesen lässt. Die beiden Autorinnen haben es geschafft, die Atmosphäre richtig greifbar abzubilden und um eine humorvolle Komponente zu ergänzen. Die Dynamik von Grinch vs. Weihnachtsultras fand ich äußerst unterhaltsam.

Ich hatte meine üblichen Probleme mit so manchen stereotypen Beschreibungen. Zum einen der Casanova, der natürlich unwiderstehlich sexy aussieht und dem quasi jede Frau verfällt. Und zum anderen dann die zarte, gut duftende, niedliche und liebe Protagonistin. Trotzdem muss ich auch sagen, dass das Autorinnenduo es geschafft hat, die Stereotype zumindest an der ein oder anderen Stelle aufzubrechen.

Den Roadtrip mit all seinen Spannungen und humorvollen Szenen fand ich super. Nick als Zwillingsbruder des Protagonisten Tristan und bester Freund von Sam hat die Dynamik wirklich sehr gut ergänzt. Nach der Fahrt wurde es mir mit der Nebenhandlung zur Matriarchin der reichen Sterling-Familie ehrlich gesagt etwas zu schnell zu wild.

Ich hatte eine gute Zeit mit dem Buch und empfehle es für diese spezielle Jahreszeit auf jeden Fall, wenn ihr etwas überbordendes Drama und bestimmte Klischees nicht schlimm findet.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Ein unfassbar sensibel komponiertes Familienstück

Alle glücklich
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Wow, was für ein kraftvolles und süchtigmachendes Werk voller leiser Töne! Familiendramen sind für mich nahezu ein Garant für tolle Geschichten, aber sie müssen natürlich auch gut geschrieben sein. Gerade ...

Wow, was für ein kraftvolles und süchtigmachendes Werk voller leiser Töne! Familiendramen sind für mich nahezu ein Garant für tolle Geschichten, aber sie müssen natürlich auch gut geschrieben sein. Gerade diese Familiendynamiken erfordern ein feinfühliges Ertasten der Innenwelten aller Figuren. Und Kira Mohn ist das hervorragend gelungen.

Ich habe das Buch an zwei Tagen nahezu atemlos verschlungen. Mohn hat ein Händchen für ihre Figuren, gibt ihnen Raum für Wachstum und schlägt dabei auch einen gesellschaftskritischen Ton an. Der Familienvater, wenn wir ihn denn so nennen wollen, kommt als einzige Figur eher schlecht weg, aber Mohn verzerrt dabei keine Realitäten. Die Sicht vieler Männer auf Lohn- vs. Care Arbeit wird der von Alexander gleichen. Dafür gehören sie kritisiert und das macht die Autorin nicht zu knapp - ohne ihm dabei jedoch den Raum für Vielschichtigkeit zu verwehren.

Emilia und Ben, die beiden Kinder der Familie, sind so gut geschrieben, dass mir beim Lesen ganz eng in der Brust wurde. Emilias Selbstverortung in einer Beziehung zu einem etwas älteren Jungen ist sicherlich vielen schmerzlich vertraut. Dass sie die Erfahrung machen muss, die sie im Buch macht, habe ich befürchtet und mir gleichzeitig anders gewünscht. Ben ist so eine großartige Figur, ich kann Mohn dafür nur bewundern. Politisch sensibel, ein netter junger Mann, der sich in der absoluten Ambivalenz befindet zwischen seiner persönlichen Sozialisierung und dem, was von Männern in dieser Gesellschaft erwartet wird.

Mindestens ebenso begeistert bin ich von Nina. Sie ist eine literarisch nicht untypische Frauenfigur - Mutter, geringer verdienend als der Ehemann, frustriert und gleichzeitig festgefahren in den Routinen, die sie als Frau in der Rolle der emotionalen Versorgerin verorten. Ihr gegenüber steht ein Mann, der nicht überzeichnet misogyn ist, sondern in genau dem „richtigen“ Maß. Beide bedienen ein Beziehungsmuster, das sehr üblich ist. Doch Nina durchläuft einen Emanzipationsprozess, der sich unterscheidet von allem, was ich bisher lesen durfte, und der mich laut hat jubeln lassen.

Es gab etliche Stellen, an denen ich dachte „oh nein, bitte jetzt nicht nachgeben/einknicken/das machen“ und jedes einzelne Mal hat mich die Autorin positiv überrascht. Ihr denkt, die Figurenentwicklungen habt ihr schon etliche Male in ähnlicher Form gelesen? Ich denke tatsächlich nicht! 
Mohn tangiert etliche Themen, die wirklich wichtig sind: gesellschaftliche Erwartungen, 6ualisierte Gewalt, Incel-Kultur, Gender Care Gap und Misogynie allgemein. Ich bin ihr umso mehr dankbar, dass sie einen für mich sehr feinfühligen Weg gefunden hat, die Handlung zu einem ausreichend geschlossenen Ende zu bringen.

Der Text ist eine kluge Analyse komplexer Familienstrukturen, gibt seinen Figuren wunderbar viel Raum und drängt sich beim Lesen nicht auf. Ich war emotional ganz nah bei den Charakteren, wurde wütend und dann doch auch wieder ruhig. Und so kann ich nur sagen: Kira Mohn ist ein großes literarisches Talent mit einer wundervollen Balance zwischen herzzerreißendem Ernst und tiefer Liebe in verschiedener Hinsicht. Überzeugt euch selbst!

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Blieb leider weit hinter meinen Erwartungen zurück

Spielverderberin
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Das Cover hat so reizvoll ausgesehen, dass ich nun leider sehr unzufrieden zurückbleibe. Dabei klang diese Freundinnengeschichte wirklich vielversprechend, aber ehrlicherweise habe ich genau davon eben ...

Das Cover hat so reizvoll ausgesehen, dass ich nun leider sehr unzufrieden zurückbleibe. Dabei klang diese Freundinnengeschichte wirklich vielversprechend, aber ehrlicherweise habe ich genau davon eben einfach zu wenig gespürt beim Lesen.

Die Erzählstruktur wechselt immer zwischen der Gegenwart und der Zeit vor vier Jahren. In dieser Vergangenheit scheint etwas passiert zu sein, das unermüdlich angedeutet wird und sich scheinbar auf die Freundinnenschaft zwischen Sophie, Lotte und Romy ausgewirkt hat.

Grundsätzlich fand ich die langsame Entschlüsselung dieser Ereignisse vor vier Jahren gelungen. Aber bis dahin war es mir einfach zu langatmig, zu wirr, zu sehr ohne Sinn in der Geschichte. Die Figuren hatten für mich ganz wenig Profil - vor allem Sophie war als Erzählerin von obsessiv-depressiven Zügen geprägt und für mich schwer zu greifen. Romy war mir eigentlich durchgängig unsympathisch und unnahbar, Lotte blieb im Kontrast zu den beiden anderen ganz besonders blass.

Insbesondere gab es für mich aber deutliche Defizite im Bereich der Beziehungen. Da konnte ich nur in wenigen Momenten etwas Authentisches fühlen. Die meiste Zeit habe ich Zugewandtheit und offene Kommunikation schmerzlich vermisst. Die drei Frauen reden eigentlich fast immer komplett aneinander vorbei. Und solche Dialogmuster, die sich eher wie parallel geführte Monologe anfühlen, mag ich in Geschichten wirklich nie.

Ganz viel habe ich auch einfach nicht verstanden, Realität und Fantasie verschwimmen wiederholt, was schlicht nicht mein Fall ist. Zum Schluss wird es zwar endlich greifbar und konkret, aber dann ist die Geschichte eben auch zu Ende. Für mich hätte es im letzten Drittel gern erst losgehen und dann weiter vertieft werden können.

Positiv aufgefallen sind mir die Reibungspunkte von Stadt- und Landsozialisierung, auch wenn die Autorin hier gern noch hätte lauter werden dürfen. Neben all dem Verwirrenden, das passiert, wird die politische Aussagekraft nämlich spürbar verdrängt.

Ich kann Marie Menkes Roman also nicht wirklich empfehlen. Das Obsessive und irgendwie Flatterhafte der Geschichte war mir neben der fehlenden emotionalen Greifbarkeit schlicht zu viel. Die Handlung ist geprägt von Andeutungen, die dann irgendwann zwar auch aufgelöst werden, aber bis dahin ist es ein zähes Werk, das ich nur aus Neugier bis zum Ende gelesen habe.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Für mich leider noch einmal schwächer als Teil 1

A Monsoon Rising
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Auch hier wieder der Disclaimer: Ich bin keine erfahrene Fantasy-Leserin. Die Reihe empfinde ich schon als etwas komplexer und habe auch für den zweiten Teil wieder so 100 Seiten gebraucht, um mich einzufinden. ...

Auch hier wieder der Disclaimer: Ich bin keine erfahrene Fantasy-Leserin. Die Reihe empfinde ich schon als etwas komplexer und habe auch für den zweiten Teil wieder so 100 Seiten gebraucht, um mich einzufinden. Die Reihe am Stück zu lesen wäre sicherlich von Vorteil, aber ich wollte natürlich auch nicht so lange warten. 😃 Eine kurze Zusammenfassung zu Beginn wäre hier echt gut gewesen.

Bereits im Auftakt der Trilogie habe ich die Figurenzeichnung und -dynamik im Vergleich zur wirklich detaillierten, fantasievollen Welt bemängelt. Jetzt im Nachfolger habe ich eine ähnliche Kritik, lediglich umgekehrt. Der Fokus liegt deutlich mehr auf der Beziehung zwischen Talasyn und Alaric, dafür fällt der Ausbau der Welt meiner Meinung nach deutlich hinten runter.

Das finde ich schade, weil die Beziehungsdynamik für mein Empfinden etwas zu zäh, repetitiv und von Klischees geprägt war, als dass sie die Reduzierung magischer Elemente hätte aufwiegen können. Keine Ahnung, ob das nun an der Übersetzung oder dem Originaltext liegt, aber „Mädchen“ als Bezeichnung für eine erwachsene Frau, die zudem ihre Position als Thronfolgerin beansprucht hat, will ich einfach nicht mehr lesen! Keine weibliche Figur würde ihren Ehemann wohl je „Junge“ nennen…

Und auch sonst nerven mich die Klischees. Einerseits fand ich es charmant, dass die Sexualität der beiden von Unerfahrenheit geprägt ist, andererseits lief es mir dafür dann doch wieder zu rund ab. Wenn das schon Thema ist, hätte es für mich auch noch authentischer sein können. Beschreibungen der guten Bestückung des Protagonisten kann ich ehrlicherweise auch einfach nicht mehr hören - erst recht nicht als begeisterte Einschätzung der elfenhaften, zarten Protagonistin!! Naja, und dazu, dass die weibliche Hauptfigur gleichermaßen feminin-zart wie übermenschlich stark ist, muss ich wohl auch nichts mehr sagen..

Grundsätzlich finde ich die Welt immer noch toll und umso trauriger war ich, dass sie so wenig weiter ausgebaut wurde. Eigentlich dreht sich alles um die zentrale Rettung der Welt, ansonsten passiert (außer etlichen Andeutungen auf den drohenden Verrat) nicht wirklich etwas. Stattdessen besetzt der Romance-Teil das Zentrum der Handlung und auch, wenn ich nicht komplett abgeneigt bin und die spicy Szenen nicht total schlecht fand, hat sich das für mich über weite Strecken zäh angefühlt.

Ich bleibe der Reihe treu - wegen des miesen Cliffhangers, aber auch weil ich hoffe, dass der zweite Band jetzt einfach der ungnädige Mittelteil mit Schwächen war und das Finale noch einmal stärker anschließen kann. Aber ich kann nicht wirklich in der Bewertung aufrunden - dafür hat sich für mich im Plot zu wenig getan. Außerdem habe ich die politische Komponente zwischen den Zeilen, die mir in Teil 1 positiv aufgefallen ist, sehr vermisst.

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