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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.04.2026

Als Kurzgeschichte betrachtet: Super Unterhaltung und tolles Setting

Two Can Play – Die spielerische Weiterentwicklung von Liebe
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Ich finde diese kurze Geschichte, die ja immerhin gerade einmal halb so viele Seiten umfasst wie übliche Bücher dieses Genres, wirklich gut gelungen für das, was sie sein möchte. Ja, natürlich kann auf ...

Ich finde diese kurze Geschichte, die ja immerhin gerade einmal halb so viele Seiten umfasst wie übliche Bücher dieses Genres, wirklich gut gelungen für das, was sie sein möchte. Ja, natürlich kann auf gut 200 Seiten nicht extrem tief auf die Gaming-Branche und auch die Figuren eingegangen werden. Aber dafür ist ja auch der Charme an kurzen Geschichten, dass sie vielleicht sogar in einem Rutsch gelesen werden können und so ein richtiges Eintauchen ermöglichen.

Ich fand den Schreibstil der Autorin wieder einmal sehr unterhaltsam, mit einem tollen Humor, der mich einfach an den Stil Ali Hazelwoods erinnert. Die Einblicke in diese männerdominierte Branche fand ich wieder sehr interessant und natürlich hätte ich da auch gerne noch mehr gelesen, aber siehe oben. Ich habe die Details dazu insgesamt als ausreichend empfunden und die Leidenschaft der beiden Protas fühlen können.

Die Dynamik zwischen Viola und Jesse ist aufgeladen, aber später dann auch echt lieb. Dass es sich am Ende in Bezug auf den Spice so verdichtet und drum herum nicht mehr so wirklich viel passiert, würde ich schon ein wenig kritisieren, und auch das absolute Begehren für die weibliche Hauptfigur war mir too much, aber insgesamt fand ich die Geschichte wirklich rund für die wenigen Seiten.

Vielleicht liegt es daran, dass ich den Roman als Hörbuch gehört habe, denn das hat auch den Nebenfiguren noch mal ein bestimmtes Profil gegeben, das mir gut gefallen hat. Ich bin angesichts der geringen Seitenzahl schon mit der Erwartung einer Art Kurzgeschichte rangegangen und das hat sich wirklich bewährt. Ein knackiges Vergnügen für alle, die Ali Hazelwoods Stil und Humor mögen.

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Veröffentlicht am 27.04.2026

Wirklich gute Unterhaltung mit politischer Aussagekraft

Frankie – Unter Menschen
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Diesen Roman kann mensch wirklich in sehr kurzer Zeit lesen und so hatte ich eine unterhaltsame Lektüre. Auch wenn ich den Vorgänger nicht kannte, habe ich mich sofort in die Handlung eingefunden. Der ...

Diesen Roman kann mensch wirklich in sehr kurzer Zeit lesen und so hatte ich eine unterhaltsame Lektüre. Auch wenn ich den Vorgänger nicht kannte, habe ich mich sofort in die Handlung eingefunden. Der Ton ist flapsig, ungefiltert und einfach ziemlich passend für den Kater. Seine Sicht auf die Welt war oft witzig und manchmal auch echt erschütternd.

Das ist auch der größte Punkt, den ich dem Roman explizit positiv anrechne: Die politischen Aussagen, vor denen der Autor nicht zurückschreckt. Aus Sicht des Katers kommen uns Dinge wie Ländergrenzen, Kriege und Intensivtierhaltung noch einmal doppelt so sinnlos und grausam vor. Ich erhoffe mir, dass über den Unterhaltungswert der Geschichte diese Ansichten auch in das Bewusstsein der Lesenden eindringen.

Für mich hätte es allerdings noch deutlich emotionaler sein dürfen. Die Katerperspektive sorgt durch ihre Nüchternheit leider auch für eine gewisse emotionale Distanz - was für mich ein eher negativer Nebeneffekt ist. Dennoch empfehle ich den Roman gern für eine unterhaltsame Lektüre mit Tiefgang und politischer Dimension.

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Veröffentlicht am 17.04.2026

Ganz große Unterhaltung, aber für mich passen die Männer dieser Reihe nicht

The Night We Met
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Ich weiß nicht, was genau es bei dieser Reihe ist, aber ich sehe hier schon eine leichte Veränderung im Stil der Autorin. Gleich bleibt natürlich, dass die Geschichten überhaupt nicht auf Spice bauen, ...

Ich weiß nicht, was genau es bei dieser Reihe ist, aber ich sehe hier schon eine leichte Veränderung im Stil der Autorin. Gleich bleibt natürlich, dass die Geschichten überhaupt nicht auf Spice bauen, sondern vielmehr auf aus dem Leben gegriffene Probleme, bei deren Bewältigung Therapie und psychische Stabilisierung eine Rolle spielen. Auch werden wie gewohnt ernste Themen angesprochen, die sehr passend in die romantische und gut lesbare Geschichte eingebettet werden.

Allerdings habe ich hier ein ähnliches Problem wie schon beim Vorgänger „Say You’ll Remember Me“: Die männliche Hauptfigur kippt mir zu sehr in ein Aufopfern. Es wird wortwörtlich gesagt: „So sollte es mit den Menschen sein, die man liebte. Dass man permanent das Bedürfnis verspürte, sich um sie zu kümmern.“ Das sehe ich nicht so und ich finde diesen Ansatz ehrlicherweise auch sehr problematisch. Ich verstehe, dass er in Romance funktioniert. Allerdings mag ich die Autorin ja gerade dafür, dass sie derartig platte Rollenbilder nicht nötig hat und ihre Figuren authentisch und aus dem Leben gegriffen sind.

Chris opfert einfach alles auf, macht jeden kleinen Handgriff für Larissa und auch wenn ich das gerade in Bezug auf ihre finanzielle Notlage teilweise verstehen kann, finde ich es deutlich übertrieben. Denn es wird zum Beispiel überhaupt nicht klar, was Larissa zur Beziehung der beiden beiträgt. Irgendwie erinnert mich das an typisches Männlichkeitsgehabe, bei dem die Männer „heldenhaft“ alles für ihre Partnerin übernehmen, während diese Partnerin gleichzeitig eher als eine Art Schatz fungiert, deren eigene Rolle in der Beziehung weitestgehend unklar bleibt. Aber eine gute Beziehung baut ja darauf, dass beide voneinander profitieren und sich nicht eine Seite aufopfern muss.

Das Problem hatte ich beim Vorgänger auch schon und ich bedaure sehr, dass die Autorin hier diese etwas platte, unkreative Richtung einschlägt. Ich hoffe wirklich, dass sie bald wieder auf vielschichtigere Charaktere setzt, die wirklich auf Augenhöhe sind. Denn Larissa ist eine echt gut geschriebene Figur und ihre Lebenssituation hat mich berührt. Nur innerhalb der Beziehung verblasst sie leider spürbar.

Auch wenn ich diesen Teil der Reihe etwas besser fand als den Vorgänger, ist mir auch hier wieder die kognitive Dissonanz in Bezug auf Tiere bitter aufgestoßen. Es wird sich liebevoll um einen (übrigens übertrieben brutalen!) Straßenhund gekümmert, während zu jeder Mahlzeit tote Tiere zu gehören scheinen. Mir hat das Lesen trotz dieser Kritikpunkte aber großen Spaß gemacht und ich bleibe Abby Jimenez aufgrund ihrer ernsten und gleichzeitig unterhaltsamen Schreibweise auf jeden Fall treu.

Ein lobendes Wort möchte ich noch verlieren für die Thematisierung von Alkoholismus, Depression und mentaler Gesundheit sowie ehrlichen Freundschaften zwischen cis Männern. Zwischendrin war ich etwas genervt davon, wie sich die Freundschaft zwischen Chris und Mike zu entwickeln schien. Das Ende hat mich aber wieder versöhnt und ich finde, solche erwachsenen Beziehungen zwischen Männern sollte es in Büchern öfter geben.

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Veröffentlicht am 17.04.2026

Ein toller Unterhaltungsroman, der an manchen Stellen etwas überzeichnet ist

This isn't happiness
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Ich habe ein mehrheitlich positives Bild vom pola-Verlagsprogramm und dieser Titel versprach wieder eine tolle Lektüre. Dem war auch so, das Buch eignet sich ganz toll zum Durchrauschen. Ich habe allerdings ...

Ich habe ein mehrheitlich positives Bild vom pola-Verlagsprogramm und dieser Titel versprach wieder eine tolle Lektüre. Dem war auch so, das Buch eignet sich ganz toll zum Durchrauschen. Ich habe allerdings auch ein paar kleine Kritikpunkte.

Mary Newnham überzeugt mit tollem Witz und einem ganz flüssigen Schreibstil, sodass ich super unterhalten wurde. Amy ist als Figur sympathisch und ich habe sie gerne begleitet. Ich muss aber schon sagen, dass der Klappentext für mich nicht ganz den Inhalt wiedergibt. Ja, das Sexleben von Amy und Josh ist inexistent und ja, sie versucht einiges, um das zu ändern. Aber der Fokus der Handlung lag für mich viel deutlicher auf dem allgemeinen Leben Amys als auf den Problemen in ihrer Partnerschaft. So ist sie z. B. eine ganz tolle Lehrerin und den Umgang mit ihren Schülerinnen empfand ich als sehr warmherzig und auf Augenhöhe.

Sie setzt sich außerdem mit ihrer grauenhaft misogynen Chefin, der Helikopter-Schwiegerfamilie sowie den eigenen zerrütteten Eltern auseinander und trifft nebenbei auf Lace, die eine anfangs wirklich eigenartige Figur zu sein scheint und deren Bedeutung ich auch nicht vollends entschlüsseln konnte.

An der Stelle setzt auch meine Kritik an - die Figuren waren mir teilweise zu karikiert und nicht immer konsistent dargestellt. Josh wirkt eigentlich wie ein sehr sensibler Partner, Amy betont das in ihren Schilderungen auch. Dann ist er aber auch sowas von unreflektiert und unfähig, im Haushalt eine erwachsene Rolle einzunehmen, dass ich Amy regelrecht schütteln wollte. Auch ihre Freundinnen haben da für meinen Geschmack zu wenig interveniert - das schien mir für die Altersklasse irgendwie nicht ganz glaubwürdig zu sein. Am schlimmsten ist es bei Joshs Familie und Amys Chefin - diese Figuren sind so dermaßen überzeichnet, da wäre weniger deutlich mehr gewesen.

Dennoch empfehle ich diesen Unterhaltungsroman, der mir phasenweise zwar zu karikativ war, insgesamt aber auch Spaß gemacht hat. Wer keine Maximalanforderungen an vielschichtige und konsistente Nebenfiguren hat, wird hier sicher fündig.

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Ein sprachlicher und inhaltlicher Donnerschlag, der mich noch immer festhält

Der Fährmann
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Ich schreibe diese Rezension drei Wochen nach Ende der Lektüre und mein Körper reagiert beim Hineindenken direkt wieder intensiv auf die Geschichte. Mit historischen Romanen hab ich sprachlich oft meine ...

Ich schreibe diese Rezension drei Wochen nach Ende der Lektüre und mein Körper reagiert beim Hineindenken direkt wieder intensiv auf die Geschichte. Mit historischen Romanen hab ich sprachlich oft meine Schwierigkeiten, aber Regina Denk ist nun schon wiederholt so positiv besprochen worden, dass ich ihrem neuen Werk gern eine Chance geben wollte. Und diese hätte gar nicht besser genutzt werden können!

Denk beherrscht ihr Handwerk auf schlicht bemerkenswerte Weise. Sie schafft sprachlich eine dichte Atmosphäre, der sich ihre Leser*innen unmöglich entziehen können. Dabei trifft sie nicht nur den Ton dieser Zeit mit bewundernswerter Präzision, sondern transportiert auch zwischen den Zeilen eine Fülle an Details und Emotionen.

Die Geschichte ist dabei alles andere als leicht und in ihrer Danksagung bzw. auf Social Media erklärt Denk auch, warum sie sich für diese in jedem Sinne gewaltige Erzählung entschieden hat. Ich habe übrigens erst nach dem Lesen erfahren, dass sie mit dem Titel in Kontrast zum Inhalt (der sich weniger um Männer als um die Frauen dreht) auch schon eine politische Botschaft vermitteln will. Denn wem wird am ehesten eine Heldenrolle zugeschrieben, unabhängig von der tatsächlichen Leistung?

Und das führt sie makellos auf 380 Seiten fort. Sie bleibt als Autorin zwar im Hintergrund, aber ich habe immer wieder ein gutes Gefühl dafür bekommen, was ihre Meinung zu Dingen wie Krieg, Militärdienst, Nationalismus und patriarchale Prägung ist. Diesen Bogen so elegant zu schlagen zwischen einer historischen Geschichte und allem, was heute in ähnlicher Weise wieder oder immer noch Relevanz hat, zeugt von purem Talent.

Die Handlung ist spannend gestrickt und wechselt in gutem Tempo zwischen den vier Figuren mit einem starken Fokus auf die Frauen der Geschichte. Ihre Resilienz, Solidarität und Beständigkeit haben mir viel abverlangt - vor allem aber die Gewalt, die sie erfahren.

Und das ist für mich wirklich der einzige Grund, aus dem ich nicht mit vollen 5 Sternen bewerte. Ich kann total verstehen, warum Regina Denk hier auch explizit geworden ist. Mich hat es aber besonders am Ende schlicht ein wenig überfordert. Die Intensität ist enorm, was allerdings auch dazu führt, dass ich die Geschichte nicht mehr vergessen werde. Deshalb verbleibe ich mit einer unbedingten Empfehlung und dem Hinweis, sich zu wappnen. Diese Autorin hat einen Platz auf allen Bühnen dieser Welt verdient - schaut sie euch an, auch wenn ihr mit historischen Settings wie ich vielleicht gar nicht so viel anfangen könnt.

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