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Veröffentlicht am 16.10.2025

Nette Idee, zu seichte Umsetzung

Es könnte so einfach sein
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Grundsätzlich fand ich die Ausgangssituation und das Versprechen, aus weiblicher Sicht Einblicke in den Literaturbetrieb zu bekommen, reizvoll. Doch schon nach einem Drittel des Buches habe ich gemerkt, ...

Grundsätzlich fand ich die Ausgangssituation und das Versprechen, aus weiblicher Sicht Einblicke in den Literaturbetrieb zu bekommen, reizvoll. Doch schon nach einem Drittel des Buches habe ich gemerkt, wie ich mich fast zur Aufmerksamkeit zwingen musste, weil mir der Inhalt zunehmend belanglos vorkam.

Die Erzählung auf zwei Zeitebenen mochte ich grundlegend, hätte mir zur präziseren Einordnung beim Lesen aber einen visuellen Hinweis gewünscht, etwa eine kleine Abtrennung. Die Kapitel beginnen in der Vergangenheit und gehen dann recht nahtlos auf einmal in die Gegenwart über. Die bloße Trennung über Absätze geht mir da nicht weit genug und ich war wiederholt irritiert.

Die Einblicke in das Leben einer Schriftstellerin sowie den sexistischen Literaturbetrieb erscheinen mir zwar authentisch, aber auch etwas oberflächlich abgehandelt. Gern hätte ich Vera emotional tiefer kennengelernt, doch sie blieb mir eigentlich durch die Bank weg wenig greifbar. Das ein oder andere Thema, das mit etwas Willen als feministisch eingeordnet werden könnte, wurde zwar noch angeschnitten. Doch auch hier fehlte mir eine tiefgehende Systemkritik.

Und dann gibt es noch die Absätze, in denen Vera ihr Buch schreibt und wir parallel sozusagen in ihrem Roman lesen. So interessant das vielleicht hätte sein können, fand ich es doch einfach nur irritierend und ehrlicherweise recht uninteressant. Es sind zwar insgesamt gesehen umfängliche Passagen aus der Geschichte in die Haupthandlung eingebettet, aber logischerweise nicht einmal ansatzweise so umfänglich wie in einem echten Buch. Und das lässt diese Nebenerzählung für mich ziemlich irrelevant wirken.

Zum Ende hin fiel mir die Lektüre leider zunehmend schwer. Das liegt nicht so sehr am Erzählstil, denn grundsätzlich wurde hier auf eine zugängliche Sprache gesetzt. Aber es blieb für meinen Geschmack zu oberflächlich, zu sehr seichte Unterhaltung. Da ist das Buch meinem Anspruch nicht gerecht geworden. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass ich nicht ganz die passende Zielgruppe bin, da ich mich alterstechnisch der Protagonistin oft fern gefühlt habe. Immerhin liegen auch 2 Generationen zwischen uns.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Unglaublich effizient geschriebene Gesellschaftssatire

Das Geschenk
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An den Anfang meiner Rezension stellen möchte ich meine absolute Genervtheit angesichts des Covers. KI-generierte Cover sind meiner Meinung nach ein Albtraum für die Literaturlandschaft, künstliche Intelligenz ...

An den Anfang meiner Rezension stellen möchte ich meine absolute Genervtheit angesichts des Covers. KI-generierte Cover sind meiner Meinung nach ein Albtraum für die Literaturlandschaft, künstliche Intelligenz hat in diesem Feld mal so gar nichts verloren - auch nicht bei der künstlerischen Gestaltung eines Buches. Das k*tzt mich also sowieso schon an, in Kontrast zum gesellschaftskritischen Ton des Textes ist die Wahl des deutschen Verlags aber noch einmal besonders absurd. Einen halben Stern ziehe ich dafür ab.

Nun aber zum Buch: Es war mein erstes von Gaea Schoeters und sicher nicht das letzte! Die Autorin hat mich enorm begeistert mit ihrer präzisen Sprache, die doch gleichzeitig so viel Raum für Doppeldeutigkeiten lässt.

Ich möchte eigentlich gar nicht so viel zum Inhalt sagen, denn mit seinen 140 Seiten ist das Werk meines Erachtens eines, bei dem mensch nicht wirklich etwas falsch machen kann. Wir befinden uns stets an der Seite von Bundeskanzler Winkler und damit mitten in einem Machtzentrum. Entsprechende Dynamiken sowie Diplomatie finde ich sehr authentisch und zugleich unkompliziert herausgearbeitet. Ich hing einfach an Schoeters Worten, anders kann ich es nicht sagen.

Die Doppeldeutigkeiten nehmen auch kein Ende. Klar, es geht hier um 20.000 Elefanten, mit denen Deutschland nun zu leben lernen muss. Ich sehe hier sehr viel Spielraum für eigene Interpretationen und sicher ist das von der Autorin auch so gewollt. Ich habe z. B. einige Parallelen zum Umgang mit Geflüchteten gesehen. Das Ganze lässt sich aber problemlos auch übertragen auf einen allgemeinen Umgang sogenannter westlicher Staaten mit globalen Krisen: immer schön wegreden und symptomatisch bekämpfen. Welche Tragweite eine kleine Entscheidung heute in der Zukunft haben kann, wird hier mehr als deutlich.

Ich bin begeistert von Schoeters intelligentem Schreiben, ihrem Gespür für Komplexität und der gleichzeitigen Gabe, diese Dinge verständlich zu formulieren. Die Antagonistin unseres Protagonisten ist eine wirklich toll geschriebene Person, die mich beeindruckt und ermutigt hat.

„Das Geschenk“ ist inhaltlich kein Buch, das ich als leicht bezeichnen würde. Es ist ein Paukenschlag, der jedoch mit einem guten Maß an Humor und einer enormen Sogkraft daherkommt. Der Roman lässt sich zwar super leicht weglesen, hallt aber definitiv nach und zwingt uns dazu, uns mit unserer globalen Verantwortung auseinanderzusetzen. Eine Satire, die alles andere als platt ist und deren Lektüre ich allen dringend ans Herz lege.

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Veröffentlicht am 01.10.2025

Ein würdiger Nachfolger des Debüts

Unbeugsam wie die See
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Ich mochte das Debüt von Emilia Hart unglaublich gerne. Magischer Realismus, Hexen und weibliche Wut sind Elemente, die ich sehr zu schätzen weiß. In ihrem neuen Roman greift die Autorin auf vieles davon ...

Ich mochte das Debüt von Emilia Hart unglaublich gerne. Magischer Realismus, Hexen und weibliche Wut sind Elemente, die ich sehr zu schätzen weiß. In ihrem neuen Roman greift die Autorin auf vieles davon zurück und schafft es, einen würdigen Nachfolger zu schreiben, der aber doch nicht ganz mit der Stärke ihres Erstlings mithalten kann.

Was ich bei Hart wirklich sehr mag, ist ihre spannungsvolle und leicht lesbare Art zu schreiben. Mit den schon aus „Die Unbändigen“ bekannten mehreren Zeitebenen und Erzählperspektiven, die im weiteren Verlauf ineinanderfließen, gelingt ihr auch dieses Mal ein packendes und vor allem vielschichtiges Werk. Die Protagonistinnen der Vergangenheit und Gegenwart sind stets authentisch geschrieben.

Das neue Buch hat einen etwas anderen Fokus, der mir persönlich einfach weniger gut gefällt. In meiner Erinnerung ist das Debüt getrieben von den verschiedenen und doch geteilten Gewalterfahrungen der Frauen sowie deren Widerstand. Diese Elemente prägen die Handlung dieses Mal deutlich weniger. Patriarchale Gewalt ist auf jeden Fall auch hier Thema, aber die Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte sowie der eigenen Andersartigkeit steht deutlich mehr im Zentrum. Dadurch ist der Aufbau etwas länger, auch wenn ich ihn keinesfalls als zäh bezeichnen würde.

Im Mittelteil gelingt es Hart dann wirklich hervorragend, ihre Lesenden in die Handlung einzusaugen. Lucys Recherche, begleitet von Jess’ Tagebuch, ist präzise und total spannend geschrieben. Manche Twists der Geschichte konnte ich erahnen, bei anderen ist mir buchstäblich die Kinnlade heruntergeklappt. Hart hat wirklich ein Händchen für Details!

Was mich weniger überzeugt hat, war die gewählte Ausgestaltung des magischen Realismus. Hier bekommt eher etwas Monsterhaftes Raum, während es im Debüt mehr um die Verbindung zu unserer pflanzlichen und tierischen Mitwelt ging. Der englische Originaltitel („The Sirens“) gibt einen deutlicheren Hinweis auf den Inhalt als der deutsche. Wer sich für diese mythische Figur interessiert, wird begeistert sein. Meins ist es nicht zu 100 % und doch fand ich die Geschichte bildhaft und packend geschrieben.

Emilia Hart ist eine sympathische Autorin, die sehr talentiert darin ist, vielschichtige und fantasievolle Geschichten mit viel Liebe zum Detail zu schreiben. Dabei bezieht sie auch immer klar Stellung zu feministischen und antikolonialen Kämpfen, besonders letztere sind in ihrem aktuellen Buch von Bedeutung. Hier fließen nämlich die Kolonisierungsgeschichten Irlands und Australiens zusammen. Für ihre Sensibilität, die sich schon im Vorwort des Romans zeigt, schätze ich die Autorin wirklich sehr.

„Unbeugsam wie die See“ ist mystischer und dunkler als sein Vorgänger, doch nicht weniger emotional greifbar. Ich persönlich fand das Debüt stärker und würde es auch für den Einstieg empfehlen. Wer Hart schon kennt und mag, macht mit ihrem aktuellen Buch definitiv nichts falsch. Weibliche Solidarität und Kraft über die Jahrhunderte hinweg findet sich in beiden Werken.

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Veröffentlicht am 01.10.2025

Leider eine sehr ernüchternde Lektüre

Deep Cuts
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Ich fand das Cover dieses Romans sehr besonders und seine Idee innovativ. Deshalb bin ich neugierig in die Lektüre gestartet, wurde aber relativ schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Holly ...

Ich fand das Cover dieses Romans sehr besonders und seine Idee innovativ. Deshalb bin ich neugierig in die Lektüre gestartet, wurde aber relativ schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Holly Brickley hat sich sicherlich zu einem gewissen Maß selbst in ihren Roman eingeschrieben. Umso schwerer finde ich es, ihn zu kritisieren. Aber doch finde ich leider wenig Positives in dieser Geschichte, was teilweise an ihr selbst und teilweise an mir als Zielgruppenperson liegt.

Das Buch lässt sich okay flüssig lesen. Es ist sprachlich für mich nichts besonderes, phasenweise war das Eintauchen in Musikanalyse aber recht interessant. Manche Elemente waren humorvoll, andere angenehm gesellschaftskritisch. Woran es für mich jedoch klar scheitert, ist die Figurenzeichnung. Percy als Protagonistin bleibt mir bis auf ihre Liebe zu Musik und ihr Händchen für Musikanalyse bis zum Ende fremd. Ich kann ihre Verlorenheit und ihre Emotionen einfach nicht greifen. Und was bei ihr schon nicht zufriedenstellend geschrieben ist, trifft auf die Nebenfiguren erst recht zu. Da wäre meiner Meinung nach so viel mehr Tiefe möglich gewesen, doch aus irgendeinem Grund hat die Autorin darauf verzichtet.

Dann geht es für mich weiter mit der Liebesgeschichte, mit welcher das Buch schließlich beworben wird. Die habe ich von Beginn an so gar nicht gefühlt und das hat sich auch bis zum Ende nicht verändert. Ich fand diese Beziehung eher ziemlich toxisch und bin mit dem Schluss völlig unzufrieden. Weder erscheint er mir logisch bei allem, was davor passiert ist, noch finde ich ihn für Percy als Figur zufriedenstellen. Sie beginnt innerhalb der Handlung nämlich, sich von einigen ungesunden Mustern zu befreien, was ich gern gelesen habe. Doch so richtig zu Ende gedacht fand ich die Entwicklung dann nicht.

Und nicht zuletzt hatte ich riesige Schwierigkeiten mit der Musik. Ich bin Anfang der 90er geboren und dachte, dass ich einigen bekannten Stücken begegnen werde, denn zumindest die 00er haben mich dahingehend sehr geprägt. Dem war überhaupt nicht so! Ich kannte vielleicht 2-3 Lieder und viele sind auch einfach deutlich älter. Auch das „Lebensgefühl der 2000er Jahre“ begrenzt sich schon sehr auf die USA oder noch konkreter New York. Für Menschen, die zu dieser Zeit dort gelebt haben, ist das Buch vielleicht auch deutlich greifbarer. Mir wiederum war fast alles fremd, sodass ich zunehmend genervt war beim Lesen.

Grundlegend fand ich die Musikanalyse reizvoll und phasenweise war sie interessant beschrieben. Viel zu oft habe ich mich aber der Handlung und dem generellen Vibe fremd gefühlt. Wenn dazu noch die Figuren oberflächlich und unpersönlich bleiben, ist die Geschichte für mich leider verloren. An einigen Stellen hätte ich lieber abgebrochen, wollte dann aber den Ausgang schon noch lesen. Rückblickend hätte ich es lieber gelassen, denn die zunehmend zusammenhangslosen Schnipsel haben mich wirklich frustriert.

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Veröffentlicht am 27.09.2025

Spannende Ausgangslage, insgesamt aber zu seicht

Schöne Scham
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Der Klappentext dieses Romans hat mich richtig neugierig gemacht. Das Aufeinandertreffen verschiedener Personen mit so unterschiedlichen Weltansichten versprach mir ein unterhaltsames Spektakel mit klar ...

Der Klappentext dieses Romans hat mich richtig neugierig gemacht. Das Aufeinandertreffen verschiedener Personen mit so unterschiedlichen Weltansichten versprach mir ein unterhaltsames Spektakel mit klar feministischem Ton. Dieses Versprechen konnte das Buch für mich nur bedingt halten.

Bianca Nawrath ist mir vorher noch nicht begegnet. Die Autorin hat eine zugängliche Art zu schreiben und hält ihre Leser:innen damit dicht an den Figuren. Dank schneller Perspektivwechsel und kurzer Kapitel entsteht ein schöner Lesefluss.

Wirklich fein herausgearbeitet fand ich das zentrale Thema manipulativer und gewaltvoller Beziehungen. Dass Christian lange so zuvorkommend und liebevoll wirkt (in den Augen der anderen, aber auch seiner Partnerin), ist so präzise wie beklemmend dargestellt. Nach und nach verdichten sich die Hinweise auch für uns als Lesende, wobei die Wahrnehmung seiner Freund:innen durchaus variiert. Ola ist als deutlich feministisch geprägte Neue in der Runde scheinbar die einzige, die diese Signale frühzeitig zu erkennen vermag.

Darüber hinaus muss ich jedoch sagen, dass ich den Roman zwar unterhaltsam fand, mir die angekündigte Reibung aber zu wenig Raum eingenommen hat. Themen, zu denen besonders Ola und Christian hätten aneinander geraten können, wurden eher nur angeschnitten oder traten gar nicht so zahlreich auf wie erwartet.

Auch auf Figurenebene passte es für mich nicht so recht. Ich habe mir viel tiefere Figuren erhofft, hatte aber oft das Gefühl, dass die Charaktere eher oberflächlich gezeichnet wurden. Sicherlich haben dazu auch die schnellen Perspektivwechsel beigetragen, aber für einen feministischen Roman war es mir doch überwiegend zu seicht bzw. der große Knall wiederum zu extrem. Außerdem wurde mir persönlich einfach zu viel ausformuliert. Es gab etliche Stellen, an denen mich eine Andeutung viel mehr gereizt und zum Mitdenken animiert hätte. Der Roman fordert seine Lesenden irgendwie nicht so richtig heraus, was ich doch recht schade finde.

Eine Geschichte, die problemlos gelesen werden kann und dabei durchaus unterhält. Im Bereich feministischer Literatur zu toxischen Beziehungen gibt es meiner Meinung nach aber deutlich schlagkräftigere Werke. Wer literarisch anspruchsvolle Lektüre sucht, ist hier eher nicht an der richtigen Stelle. Ein unterhaltsamer Roman mit wichtigem Thema ist es aber in jedem Fall - wer sich das wünscht, kann sorglos zu „Schöne Scham“ greifen.

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