Cover-Bild Schöne Scham
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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 256
  • Ersterscheinung: 11.09.2025
  • ISBN: 9783627003326
Bianca Nawrath

Schöne Scham

Zwei Paare und eine Single-Freundin, ein Wochenende im Sommerhaus –
was soll da schon schief gehen?

Mit einem scharfsinnigen Blick auf toxische Machtstrukturen schreibt Bianca Nawrath über Schuldgefühle, Selbstermächtigung und weibliche Solidarität.


Zwei befreundete Paare fahren für ein gemeinsames Wochenende an die Ostsee, und zum ersten Mal ist auch Ola dabei. Ola ist Single, liebt Frauen und Männer und hat eine Biografie von Hildegard von Bingen im Gepäck. Für Amalias Freund Christian ist Ola mit ihren feministischen Bemerkungen eine einzige Katastrophe. Schon der erste Abend droht über der Frage, wem es gelingt, den Grill anzuzünden, und einem Gespräch über weibliche Selbstbefriedigung zum Fiasko zu werden. Das zweite Paar, Kata und Lenny, ist zunehmend irritiert von Christians Verhalten, aber weitgehend mit ihren eigenen unterdrückten Streitereien beschäftigt. Spätestens als Amalia und Ola plötzlich unauffindbar sind, eskaliert die Situation.


Wie befreie ich mich aus einer selbstzerstörerischen Beziehung, und ab wann ist Nicht-Einmischung Komplizenschaft? Bianca Nawrath beweist ein scharfes Auge für die Grauzonen innerhalb von Freundschaft und Liebe, für das leise Wirken von Scham- und Schuldgefühlen. Mit zugespitzten Dialogen, psychologischer Spannung und glaubhaften Figuren hinterfragt sie traditionelle Machtstrukturen und führt ihre Leser*innen über viele, oftmals hochamüsante Umwege zu der Erkenntnis, wie wertvoll weibliche Solidarität ist.


»Schöne Scham bewegt sich mit feinem Gespür durch das, was zwischen Menschen liegt: Begehren, Unsicherheit, Nähe, Herkunft, Körper. Es erzählt nicht von Lösungen, sondern von Widersprüchen – und schenkt gerade dort, wo Sprache oft stockt, einen Ton, der zärtlich und klar bleibt.« Sophia Fritz



»Bianca Nawrath trifft einen Nerv. Sie traut sich einiges und es ist, als würde sie einen dabei direkt anschauen.« Judith Poznan

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.09.2025

Toxische Beziehung

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Christian streicht Amalia eine Strähne hinters Ohr. Er ist gut drauf. Kata fragt sich laut, wann Lenny das letzte Mal so aufmerksam zu ihr war. Christian geht Katas Kompliment runter wie Erdnussbutter. ...

Christian streicht Amalia eine Strähne hinters Ohr. Er ist gut drauf. Kata fragt sich laut, wann Lenny das letzte Mal so aufmerksam zu ihr war. Christian geht Katas Kompliment runter wie Erdnussbutter. Kata will Lenny herausfordern, der den Kopf an die Scheibe gelehnt hat und döst. Sie könne sich wirklich nicht erinnern, wann Lenny zuletzt ihren Nacken liebkost habe. „Seit du dich über meine rauen Hände beschwert hast“, brummt Lenny.

Ola hat sich noch bei niemandem gemeldet. Sie wollen schnell bei ihr Halt machen und Klingeln, bevor sie sich alle zusammen auf die zweieinhalb Stunden Fahrt in das Wochenendhäuschen von Katas Eltern machen. Und da sehen sie Ola auch schon und laden sie ein.

Kata

Lenny ist Weltmeister in Prokrastination. Er ist der bequemste Mensch, den Kata kennt. Ein echtes Trödeltalent. Eigentlich sollte diese Fahrt ein reiner Mädelstrip werden, aber Kata hat sich durch Lennys stoisches Schmollen breitschlagen lassen, mit der Tradition zu brechen. Zum Dank hat er sie alles allein organisieren lassen und dann nicht einmal seinen Koffer gepackt.

Ola

Warum sie keinen Freund mitgebracht hat, will Christian wissen. Sie hat keinen. Was sie beruflich macht. Lkw-Fahrerin. Christian lacht schallend. „Jetzt mach mal keinen Quatsch, Lkw-Fahrerin.“ Ola betrachtet Christian vom Rücksitz aus, spottet innerlich über den nach Zimt stinkenden Wunderbaum nebst Rosenkranz am Rückspiegel. Wie die zwei wohl zusammengekommen sind Amalia und Christian, die immer noch so aneinanderkleben wie am Anfang ihrer Beziehung.

Amalia

Vor ihnen ein Auto, doppelter Auspuff, dominanter Spoiler, Rammstein-Sticker. Christian kündigt an, dass er es dem jetzt mal zeigen wird und startet ein rasantes Überholmanöver. Im Grunde freut sie sich auf das Wochenende. Christian war in letzter Zeit so unterkühlt und aufbrausend zu ihr. Vielleicht hilft das hier ihrer Beziehung auf die Sprünge.

Fazit: Bianca Nawrath hat eine fein austarierte Geschichte, ganz ähnlich einer Sitcom ohne die Lacher geschaffen, wie sie ganz sicher häufig passiert. Sie lässt mich den fünf Menschen, die das Wochenende miteinander verbringe werden, über die Schulter schauen und erzählt die Geschehnisse abwechselnd aus Sicht der drei Frauen. Obwohl Christian und Kata eine jahrzehntelange Freundschaft verbindet, ahnt niemand im Auto, wie er wirklich ist. Nur Amalia weiß das, weil sie mit ihm zusammen und mitten in einer toxischen Beziehung lebt. Die Autorin zeigt den Charakter Christians, der immer etwas drüber ist. Wie er Amalia mit und ohne Publikum behandelt. Die Geschichte steht stellvertretend für uns alle, bezieht uns gedanklich ein. Wie schnell wir uns blenden lassen. Unsere Zurückhaltung, weil wir in der Regel konfliktscheu sind, lieber die Augen vor den Tatsachen verschließen, als den anderen zu verärgern. In der Nachbarwohnung wird gebrüllt, etwas scheppert und wir drehen den Fernseher lauter. Die Betroffene zweifelt an sich selbst, versucht den Ball flach zu halten, ihn nicht zu verärgern. Die einzige, die den Täter glasklar durchschaut, ist Ola, aber sie steht ebenso allein da wie Amalia, die sich nicht mit ihr verbünden will, zu groß ist die Angst, alles noch schlimmer zu machen. Das Ende ist so krass wie tröstlich. Ein menschliches Desaster mit psychologischen Finessen gezeigt. Das war genau meins, solche Storys liebe ich und die Autorin merke ich mir ganz sicher.

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Veröffentlicht am 24.11.2025

Toxische Beziehung: Einmischen oder wegschauen?

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In „Schöne Scham“ von Bianca Nawrath fahren zwei Paare (Amalia und Christian sowie Kata und Lenny) zusammen mit einer Single-Freundin (Kata’s Cousine Ola) an die Ostsee. Anfangs ist die Stimmung gut im ...

In „Schöne Scham“ von Bianca Nawrath fahren zwei Paare (Amalia und Christian sowie Kata und Lenny) zusammen mit einer Single-Freundin (Kata’s Cousine Ola) an die Ostsee. Anfangs ist die Stimmung gut im Sommerhaus, auch wenn es schon mal etwas Streit gibt. Vor allem Ola provoziert sehr, vor allem Christian ist genervt von ihren feministischen Ansichten und ihrer Direktheit. Kata möchte um jeden Preis die Harmonie innerhalb der Gruppe wahren, obwohl sie selbst ein bisschen Streit mit Lenny hat. Christian scheint Amalia gegenüber überfürsorglich zu sein, doch nach und nach irritiert sein Verhalten die anderen, besondes Ola. Als eines Morgens Ola und Amalia unaufffindbar sind, eskaliert die Lage im Sommerhaus ...

Durch die wechselnden Erzählperspektiven bleibt das Buch abwechslundsreich und unterhaltsam.
Die Charaktere sind alle sehr authentisch; besonders Ola hat mir sehr gut gefallen. Und Christians Charakter ist sehr gut herausgearbeitet; lange Zeit nimmt man ihm den liebevollen Partner wirklich ab, erst nach und nach zeigt sich, was unter der Oberfläche brodelt.

Die Kapitel aus Amalias Perspektive waren oft schwer erträglich:
„.... vorbei an den blauen Flecken. Löst ihr Anblick etwas in Christian aus? Мitleid, Schuldgefühl oder ist das einfach nur Begehren in seinem Blick? An guten Tagen betrachte ich meine blauen Flecken selbst mit leisem Stolz wie eine Handwerkerin nach getaner harter Arbeit die Hornhaut an ihren Händen. Es ist eine merkwürdige Art von Stolz, der zartbitter in der Kehle schmeckt. Mein Mann begehrt mich so sehr, dass er die Kontrolle über sich verliert, denke ich dann und lächle meinem Spiegelbild triumphierend zu. Manche Paare haben gar keinen S•x, wir sogar wilden. An schlechten Tagen sind die blauen Flecken einfach nur blaue Flecken, die wehtun und mich daran erinnern, dass ich doch Nein sagen wollte, wenn ich Nein denke. So schnell wird Stolz zu Scham. Aber warum eigentlich? Solange ich nicht Nein sage, ist es doch irgendwie immer noch meine Entscheidung.“

Und gerade im Wechsel mit Olas Passagen kommt das besonders stark rüber:
„Ich kann nicht fassen, dass Amalia tatsächlich Richtung Treppe läuft. Ich trete an sie heran, doch sie macht eine abwehrende Geste.
„Du weißt nicht, was Christian alles durchgemacht hat, er ist kein schlechter Мensch.“
Eigentlich will sie sagen: Ich bin nicht dumm. Ich sehe die Scham in ihrem Blick, in den Falten auf ihrer Stirn. Auch nicht naiv. Bevor mir eine Erwiderung einfällt, die weniger kindisch ist als die Beleidigungen, die mir Christian gegenüber rausrutschen, hat sich Amalia bereits abgewandt und auf den Weg nach oben gemacht.
‚Мacht der so was öfter?‘, frage ich Kata, in der Hoffnung, dass sie aufwacht. Keine Antwort ist auch eine Antwort. »Seht ihr, was hier passiert?!« Ich habe eine Weile verdrängt, wie sich die Verzweiflung früher angefühlt hat. Doch plötzlich ist es, als wäre ich wieder Kind und würde an Мamas Schlafanzug zerren.
‚Wie wäre es, wenn wir jetzt alle ins Bett gehen?‘, fragt Lenny, der ewige Diplomat. Das Beben in der Stimme kann er nicht verstecken. ‚Мorgen sieht die Welt bestimmt schon ganz anders aus.‘
Lenny und ich müssen in unterschiedlichen Welten leben. In meiner Welt gehört Christian nicht ins Bett, sondern in Therapie. ‚Können wir bitte die Freunde sein, die ich meiner Мama gewünscht hätte?‘, frage ich Lenny und Kata.
Sie antworten nicht. Sie sehen mich nicht an.“

Ein Buch, das micht sehr gefesselt hat, auch wenn es zum Ende hin leider etwas schwächer wurde.
Mit dem recht abrupten Ende bin ich nicht ganz glücklich, aber insgesamt hat mir Bianca Nawraths Umsetzung der Themen „Gewalt in Beziehungen“, patriarchale Strukturen, Scham und Schuld, Freundschaft und Liebe gut gefallen. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

Vielen Dank an die Frankfurter Verlagsanstalt und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!

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Veröffentlicht am 15.09.2025

Psychologische Zwischentöne und Zwischenmenschliches

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Die befreundeten Pärchen Katha & Lenny und Christian & Amalia fahren mit ihrer Single-Freundin Ola für ein Wochenende ins Sommerhaus von Kathas Eltern. Was als entspannte Alltagsflucht beginnt, wird zunehmend ...

Die befreundeten Pärchen Katha & Lenny und Christian & Amalia fahren mit ihrer Single-Freundin Ola für ein Wochenende ins Sommerhaus von Kathas Eltern. Was als entspannte Alltagsflucht beginnt, wird zunehmend explosiver. Ola, generell sehr weltoffen und feministisch unterwegs, hinterfragt einige Dinge und rührt dabei an bislang Unausgesprochenem, was zu allererst Christian die Contenance verlieren und lässt. Als dann Ola und Amalia verschwunden sind, kochen die Emotionen hoch…
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Diese Geschichte fängt langsam an mit der Schilderung des beginnenden Urlaubs und doch hinterfrage ich als Leserin relativ früh die Beziehungen der einzelnen Charaktere. Das liegt ich vor allem am Schreibstil. Bianca Nawrath lässt alle Protagonistinnen abwechselnd zu Wort kommen. Abwechselnd bekomme ich so einen Eindruck davon, was Amalia, Katha und Ola von den anderen und ihren Beziehungen denken. Anfangs war das etwas gewöhnungsbedürftig, weil ich manchmal nicht mehr so genau wusste, wer hier gerade „denkt“, hatte aber positiven Einfluss auf die Tiefe und Atmosphäre des Geschehens.

„Nichts ist für den Menschen so schwer zu ertragen wie Kontrollverlust, ,weshalb sich sogar die Opfer gern einreden, keine Opfer zu sein, um dafür im Gegenzug das Gefühl von Kontrolle zurückzuerlangen, anstatt einzusehen, dass das Leben, dass Menschen unberechenbar bleiben.“ (S. 167)

Amalia, die sich für Christian total verbiegt und möglichst nichts sagen will, was ihn vielleicht verärgern könnte, hätte ich gern geschüttelt. Christian hingegen, der es meisterhaft versteht zu manipulieren, hätte ich gern umgehend aus dem Sommerhaus geworfen. Ola ging es da vermutlich ähnlich, denn selbstverständlich hat Christian mit ihr ein großes Problem, weil sie genau die Fragen stellt, die er nicht hören will. Katha und Lenny wirken oft wie Zaungäste, die zwar wissen, dass bei Amalia und Christian irgendwas nicht rund läuft, sich aber nicht einmischen wollen.
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„Schöne Scham“ ist ein Buch der feinen Zwischentöne und glänzt durch seine Spitzfindigkeiten. Die Dialoge sind teilweise messerscharf. Bianca Nawrath lenkt die Aufmerksamkeit auf das Zwischenmenschliche und stellt die richtigen Fragen.
Wie befreit man sich aus einer toxischen Beziehung?
Darf man sich als Außenstehende in eine andere Beziehung einmischen oder soll man es sogar?

Genau diese Zwischentöne machen den Reiz des Romans aus. Ein Buch über Ehrlichkeit in Freundschaften, weibliche Solidarität und (falsche?) Scham. Wer gern psychologisch tiefgehende, feministische Bücher liest, ist bei „Schöne Scham“ gut aufgehoben! Und ich verspreche, das Ihr herausfinden werdet, was es mit dem Cover auf sich hat 😉

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Veröffentlicht am 11.11.2025

Ein Sommer, der alles verändert

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In „Schöne Scham“ erzählt Bianca Nawrath – Schauspielerin und Autorin mit polnischen Wurzeln – von einem Wochenende, das harmlos beginnt und mit einem Knall endet. Zwei Paare, eine Singlefreundin, ein ...

In „Schöne Scham“ erzählt Bianca Nawrath – Schauspielerin und Autorin mit polnischen Wurzeln – von einem Wochenende, das harmlos beginnt und mit einem Knall endet. Zwei Paare, eine Singlefreundin, ein Sommerhaus an der Ostsee: Grillabende, Gespräche, Nähe, Streit. Doch unter der scheinbaren Leichtigkeit brodelt es. Das Buch ist am 28.08.2025 bei der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen.

Meine Meinung

Nawrath schreibt mit einem klaren, unaufgeregten Ton, der gerade dadurch unter die Haut geht. Ihre Figuren sind keine Klischees, sondern vielschichtige Menschen voller Widersprüche. Besonders die Figur Amalia, gefangen in einer Beziehung mit dem kontrollierenden Christian, ist eindrucksvoll gezeichnet: „Für die Scham hat Christian mit seinem Verhalten gesorgt, für die Schuld meine stumme Akzeptanz.“ (S. 148).

Was mich beeindruckt hat, ist, wie fein Nawrath die Dynamik zwischen den Figuren beobachtet. Wie aus kleinen Kommentaren, Schweigen und Gesten Macht entsteht. Wie Scham zum Werkzeug wird, besonders für Frauen. Gleichzeitig ist da Ola, die Feministin und Freundin, die mit Humor, Mut und einem gesunden Maß an Widerspruch auftritt. Sie bringt Licht und Reibung zugleich und stellt unbequeme Fragen: „Ich möchte am liebsten einwerfen, dass es einen Unterschied gibt, ob man zu jemandem gehört oder jemandem gehört.“ (S. 152)

Der Roman ist leicht zu lesen, sprachlich zugänglich, und doch voller kluger Gedanken über Geschlechterrollen, Herkunft und Selbstermächtigung. Manchmal hätte ich mir noch mehr Tiefe oder Perspektivwechsel gewünscht, aber die psychologische Spannung, die Dialoge und die Ehrlichkeit machen das mehr als wett.

Fazit
Ein Buch, das zeigt, wie komplex Beziehungen sind – und wie unbewusst Gewalt geschehen kann. Für alle, die sich für feministische Themen, Machtstrukturen und psychologische Spannung interessieren. Kein Wohlfühlroman, aber ein wichtiges Buch. Danke an Frankfurter Verlagsanstalt und netgalley.de für das Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 27.09.2025

Spannende Ausgangslage, insgesamt aber zu seicht

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Der Klappentext dieses Romans hat mich richtig neugierig gemacht. Das Aufeinandertreffen verschiedener Personen mit so unterschiedlichen Weltansichten versprach mir ein unterhaltsames Spektakel mit klar ...

Der Klappentext dieses Romans hat mich richtig neugierig gemacht. Das Aufeinandertreffen verschiedener Personen mit so unterschiedlichen Weltansichten versprach mir ein unterhaltsames Spektakel mit klar feministischem Ton. Dieses Versprechen konnte das Buch für mich nur bedingt halten.

Bianca Nawrath ist mir vorher noch nicht begegnet. Die Autorin hat eine zugängliche Art zu schreiben und hält ihre Leser:innen damit dicht an den Figuren. Dank schneller Perspektivwechsel und kurzer Kapitel entsteht ein schöner Lesefluss.

Wirklich fein herausgearbeitet fand ich das zentrale Thema manipulativer und gewaltvoller Beziehungen. Dass Christian lange so zuvorkommend und liebevoll wirkt (in den Augen der anderen, aber auch seiner Partnerin), ist so präzise wie beklemmend dargestellt. Nach und nach verdichten sich die Hinweise auch für uns als Lesende, wobei die Wahrnehmung seiner Freund:innen durchaus variiert. Ola ist als deutlich feministisch geprägte Neue in der Runde scheinbar die einzige, die diese Signale frühzeitig zu erkennen vermag.

Darüber hinaus muss ich jedoch sagen, dass ich den Roman zwar unterhaltsam fand, mir die angekündigte Reibung aber zu wenig Raum eingenommen hat. Themen, zu denen besonders Ola und Christian hätten aneinander geraten können, wurden eher nur angeschnitten oder traten gar nicht so zahlreich auf wie erwartet.

Auch auf Figurenebene passte es für mich nicht so recht. Ich habe mir viel tiefere Figuren erhofft, hatte aber oft das Gefühl, dass die Charaktere eher oberflächlich gezeichnet wurden. Sicherlich haben dazu auch die schnellen Perspektivwechsel beigetragen, aber für einen feministischen Roman war es mir doch überwiegend zu seicht bzw. der große Knall wiederum zu extrem. Außerdem wurde mir persönlich einfach zu viel ausformuliert. Es gab etliche Stellen, an denen mich eine Andeutung viel mehr gereizt und zum Mitdenken animiert hätte. Der Roman fordert seine Lesenden irgendwie nicht so richtig heraus, was ich doch recht schade finde.

Eine Geschichte, die problemlos gelesen werden kann und dabei durchaus unterhält. Im Bereich feministischer Literatur zu toxischen Beziehungen gibt es meiner Meinung nach aber deutlich schlagkräftigere Werke. Wer literarisch anspruchsvolle Lektüre sucht, ist hier eher nicht an der richtigen Stelle. Ein unterhaltsamer Roman mit wichtigem Thema ist es aber in jedem Fall - wer sich das wünscht, kann sorglos zu „Schöne Scham“ greifen.

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