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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.04.2017

Spannende Bücherjagd durch die Welten

Die Bibliothekare / Die flammende Welt
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Genevieve Cogman ist eine britische Fantasy-Autorin und ist vor allem für ihre beiden ersten Büchern "Die unsichtbare Bibliothek" und "Die maskierte Stadt" bekannt. Die flammende Welt ist nun der dritte ...

Genevieve Cogman ist eine britische Fantasy-Autorin und ist vor allem für ihre beiden ersten Büchern "Die unsichtbare Bibliothek" und "Die maskierte Stadt" bekannt. Die flammende Welt ist nun der dritte Teil dieser Reihe und lässt Irene alte Bekannt wieder sehen.

Die vereidigte Bibliothekarin Irene ist auf Bewährung und ist mit ihrem Lehrling Kai, einem Drachen, im Einsatz um ein Buch zu finden. Dabei werden die beiden fast getötet. Alte Bekannten begennen nun Irene und ihre Leben aber auch das der Bibiliothek ist in Gefahr.

Die Autorin schreibt auf sehr lustige und humorvolle Weise. Das Buch liest sich sehr fließend leicht. Vor allem die Szenen werden fantastisch umrahmt und die Geschichte ist in eine spannende und fantasievolle Idee eingebetet.

Weiters schafft es die Autorin durch ihre Dialoge und Gedankenmonologe den Leser zum Lesen zu animieren. Vor allem die unauffällige aber keines Wegs unscheinbare Irene wird sofort ins Herz geschlossen und auch ihre Mitprotagonisten sind auf ihre individuelle Art authentish.


Darüber hinaus ist die Geschichte wie auch die Welten in der sie spielt ein ewiges Hin und Her zwischen Chaos und Ordnung, Spannung und Entspannung, welches meiner Meinung nach erst den Charme dieser Reihe ausmacht.

Außerdem ist die Geschichte von der ersten Seite bis zum Ende spanend und vor allem unverhersehbar. Jedes Mal geschieht etwas neues, womit man definitiv nicht gerechnet hat. Dennoch werden ihre starke Ideen dieser Fantasiewelt leider in teilweise sehr verwirrenden und stark verwobenen Szenen gegen Ende hin eingebettet, wodurch sich in meinen Augen manche Zusammenhänge scheinbar nicht erschließen.

Schließlich ist das Ende fulminant und wiederum unerwartet überraschend. Bis zur letzten Seite hält der Spannungsbogen an und verschafft dem Leser ein wahres Lesevergnügen.

Fazit:
Die flammende Welt ist eine gelungene Fortsetzung der Reihe und ist vor allem für Fantasyfans sowie Buchliebhaber eine wunderbare Geschichte, welche auf magisch dramatische Weise die Leser fesselt.
Ich kann das Buch jedem empfehlen, der fesselnde und kreative Romane liebt, bei denen Bücher eindeutig im Vordergrund stehen.

Die flammende Welt erhält von mir 4,5 von 5 Sternen.

(Ein Dank an Lesejury.de für das Rezensionsexemplar.)

Veröffentlicht am 12.06.2017

Gefühlvolles und spektakuläres Finale der Trilogie

Feel Again
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Die deutsche Autorin Mona Kasten ist die Erfolgsschriftstellerin der dreiteiligen Again-Reihe. Im Juni 2017 ist der letzte Teil der Trilogie Feel Again erschienen und dieser Band handelt von der selbstbewussten ...

Die deutsche Autorin Mona Kasten ist die Erfolgsschriftstellerin der dreiteiligen Again-Reihe. Im Juni 2017 ist der letzte Teil der Trilogie Feel Again erschienen und dieser Band handelt von der selbstbewussten Fotografin Sawyer und dem schüchternen IT-Spezialisten Isaac.

Sawyer will nichts Festes haben und Isaac ist zu schüchtern um jemanden anzusprechen. Beide könnten nicht unterschiedlicher sein, doch dann beschließt Sawyer Isaac zu ihrem Abschlussprojekt zu machen und dabei geht ihr mehr unter die Haut als geplant.

Zu Beginn des Buches fällt einem sofort die tolle Playlist auf, die man bereits aus den Bänden Begin Again und Trust again kennt. Ich finde es eine schöne Idee, wobei ich selber keine Musik höre beim Lesen, da ich voll abtauche und diese somit nur ausblenden würde als bewusst wahrnehmen.

Die Geschichte ist in der dritten Person erzählt, das Geschehen wird aber aus Sicht der Protagonistin Sawyer geschildert. Die Handlung beginnt dort, wo Teil 2 endet – sprich als Dawns ihren Erfolg mit ihren Freunden feiert. Der Wiedereinstieg geschieht mühelos, weil man die Situation kennt und auch die Charaktere. In wenigen Sätzen taucht man in die Szene ein, was der Autorin sehr gut gelungen ist. Der Übergang zwischen den beiden Bänden ist sehr authentisch gemacht.

Sawyer ist eine melancholische, nach außen hin selbstbewusste und emanzipierte Frau, doch innerlich ist sie alleine und voller Selbstzweifel. Sie wird von Mona Kasten sehr stark beschrieben und man kann sich in ihre wieder finden, was ich sehr ansprechen finde. Sawyer hat über die gesamte Trilogie hinweg eine starke Entwicklung hingelegt. Wurde sie in Teil 1 noch gehasst, konnte sie in Band 2 schon einige mit ihrem Wandel überzeugen und im dritten Teil lernt man sie hinter ihrer erbauten Fassade kennen und man muss sie einfach lieben.

Isaac hingegen stellt einen starken Kontrast zu Sawyer mit seiner schrullig nervösen Art, seinem in sich gekehrten Verhalten. Andererseits ist er auf seine Weise süß, zuvorkommend und charmant, hat aber kaum Selbstvertrauen.

Beide Protagonisten durchleben in diesem Buch eine starke Entwicklung ihres Charakters – jeder auf seine Weise. Am Ende erkennt man die beiden fast gar nicht wieder, da sich die zuerst stark vorherrschenden Gegensätze beinahe aufheben und sie in ihren Rollen aufgehen. Mona Kasten hat dies meiner Meinung nach fantastisch und ausdrucksstark umgesetzt.

Mona Kastens Schreibstil zeichnet sich durch viel Humor aus - genau so, wie ich es mag. Sarkastische Bemerkungen gefolgt von Ironie triefenden Gegenargumenten sowie emotional geladenen Stimmungen und leidenschaftlicher Atmosphären machen das Buch zu einem gelungen Finale der Reihe. Unsicherheit und Verlegenheit gepaart mit Charme, der einen kapitulieren lässt sowie rapide Wendungen ohne Vorhersehbarkeit aber mit viel Leidenschaft und Dramatik runden das Ganze ab.

Der Fokus in der Erzählung liegt eindeutig auf Gefühlen und Gedanken, aber auch die Szenen werden mit liebevollen Details akkurat beschrieben. Vor allem Sawyers Herzblut für ihr Hobby ist nachvollziehbar, spürbar und gedanklich fassbar. Weiters regen die teilweise ernstes Themen in der Geschichte zum Nachdenken nach.

Heulen, Lachen und Verzweifeln – all diese Emotionen kommen beim Lesen auf. Vor allem das Ende bzw. bereits ab der Mitte hat mich das Buch wirklich emotional fertiggemacht. Ich habe fast durchgehend geheult und ich war so gefesselt von der Geschichte. Mich hat selten so ein Buch derart in den Bann gezogen und vor Rührung die Tränen in die Augen gedrückt, doch dieser letzte Band ist eindeutig für mich der beste Band der Reihe – Mona Kasten hat sich nochmals selbst übertroffen.

Fazit:
Monas Kasten letzter Band Feel Again ist eindeutig für mich persönlich der beste Band der Reihe und ein grandioses Finale der Again-Reihe. Vor allem die stark konträren Hauptprotagonisten versetzen den Leser in ein Leseerlebnis der besonderen Klasse. Man weint, man lacht und fiebert mit den Protagonisten weiter.
Ich kann wirklich nur jedem das Buch empfehlen, der auf eine herzzerreißende und gefühlsgeladene Geschichte mit viel Dramatik, Humor aber auch Herzschmerz steht.

Lieblingszitat:

"Not empty.
Not alone.
Not lost."


Feel again erhält von mir 5 von 5 Sternen.

(Ein Dank an lesejury.de für das Rezensionsexemplar.)

Veröffentlicht am 13.02.2017

Fantastische Achterbahnfahrt der Gefühle mit viel Herz

Das Leben zwischen Jetzt und Hier
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Emilia, kurz Mila, zieht von München die Großstadt Berlin um wie ihr Bruder Jojo Ärztin zuwerden. Sie ist eine der Hauptprotagonistinen im Roman Das Leben zwischen Jetzt und Hier von Cara Mattea.

Mila ...

Emilia, kurz Mila, zieht von München die Großstadt Berlin um wie ihr Bruder Jojo Ärztin zuwerden. Sie ist eine der Hauptprotagonistinen im Roman Das Leben zwischen Jetzt und Hier von Cara Mattea.

Mila ist in einer neuen Stadt, in einer neuen Wohnung und der Start ins neue Leben geschieht eher holprig - das Studium ist anstrengend, die Mitbewohnerin wortkarg und der Anschluss zu den Kommilitonen schwierig.
Und das Sahnehäubchen zum Schluss: Eines Abends steht ohne Vorwarnung der attraktive Student (Modedesign) Leo in ihrer Wohnung und bringt ihr chaotisches Leben noch weiter aus den Fugen.

Mila mit ihrer schüchternen extrovertierten Art und Leo mit seiner offenen introvertierten Weise geben einen guten Kontrast ab. Doch irgendwie scheint sich ein Schatten über die Geschichte zu legen - irgendetwas ist los...Es ist definitiv ein Buch bei dem man Taschentücher braucht.

Eifersucht und unerwiderte Liebe sowie heimliche Gefühle und die erste Liebe stehen sich stetig gegenüber und das verleiht dem Buch Würze und Charme.

Die Geschichte wird aus zwei Erzählperspektiven erzählt - einmal aus Milas Sicht und einmal aus Leos Sicht. Dies ist sehr zum Lesen anregend, da man beide Protagonisten schnell kennenlernt und auch ihre Sicht ihres Kennenlernens schnell auffasst.

Der Schreibstil ist sehr locker, man kommt schnell in die Geschichte rein und man muss sich öfters ein Schmunzeln verkneifen. Vorallem werden die Gefühle und Situationen der beiden aus jeder Sicht sehr detailliert erläutert, als ob man selbst dort und es seine eigenen Gefühle wären.

Darüber hinaus ist das ganze Buch eine Achterbahnfahrt der Gefühle - von Humor zu Liebe über Eifersucht zurück zu Einsamkeit. Das reinste Gefühlschaos, aber verpackt in eine humorvolle Story bei dir sich beiden auf unterschiedliche Art und Weisen versuchen gegenseitig zu erobern, ohne das es jemand mitkriegt.

Insgesamt sind die Handlungen sehr stimmig und authentisch. Lockere und ernste Themen wechseln sich ab und es ist kein klischeehafter Liebesroman sondern eine seriöse und herzzerreisende Geschichte mit einem schönen Cliffhänger am Ende, der förmlich nach einen zweiten Teil schreit.

Fazit:
Das Buch von Cara Mattea ist die reinste Achterbahnfahrt der Gefühle und es hat mir richtig gut gefallen - vorallem habe ich schon lange nicht mehr so viel gelacht und geheult auf einmal.

Ich kann das Buch jedem empfehlen, der auf individuelle, hurmorvolle und gefühlsgeladene Liebesgeschichten steht. Vorallem Leute, die "Ein ganzes halbes Jahr" von Jojo Moyes lieben, werden dieses Buch verschlingen und Mila mit Leo ins Herz schließen.

Das Leben zwischen jetzt und hier erhält von mir 5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 23.09.2017

Liebevoll - Interaktiv - Lustig

10 Tage in Vancouver - Jahre später / 10 Tage in Vancouver
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Jutie Getzler ist eine in Deutschland geborene Autorin, die eigentlich als chemisch-technische Assistentin sowie Yoga- &Pilates-Trainerin arbeitet. Sie hat vor zwei Jahren ihr Buch 10 Tage in Vancouver ...

Jutie Getzler ist eine in Deutschland geborene Autorin, die eigentlich als chemisch-technische Assistentin sowie Yoga- &Pilates-Trainerin arbeitet. Sie hat vor zwei Jahren ihr Buch 10 Tage in Vancouver veröffentlich, welcher ein interaktiver Liebesroman mit drei möglichen Geschichten darstellt und sich rund um die Singledame Lara dreht.

Zu aller erst fällt auf, dass der Klappentext etwas sehr lang ist und fast zu viel verratet. Das man drei mögliche Geschichten haben kann, muss in meinen Augen nicht vor erwähnt werden, da dadurch der Überraschungseffekt etwas verloren geht. Dennoch finde ich die Idee mit einer Wahlmöglichkeit für eine von drei Geschichten wirklich fantastisch. Ich habe mich im Laufe der Geschichte für die zweite Variante entschieden (Warum könnt ihr nur herausfinden, wenn ihr das Buch selber lest! Also findet es heraus!).

Die einzelnen Abschnitte sind mit Zeitangaben versehen, damit man weiß, wie viele Tage (insgesamt 10) noch von Laras Urlaub übrig sind. Aus der Perspektive von Lara wird in der Ich-Form erzählt. Dadurch gelingt vor allem der Einstieg sehr schnell und locker, vor allem da Laras sonniges und fröhliches Gemüt den Leser sofort in ihren Bann schlägt sowie ihre leicht naive und teils träumerische Art auf Anhieb sympathisch wirkt.

Weiter spricht Lara bei manchen Themen sicherlich jeden aus der Seele mit ihrer herrlich emotional erheiternden sowie erfrischenden Art. Lou, Laras Gegenpart in der zweiten Geschichte, ist offen, ehrlich, charmant sowie vertrauensselig, aber durch und durch unsicher was Frauen angeht. Vor allem die Einblicke in seine Vergangenheit geben viel Aufschluss und lassen Lou schnell in das Herz des Lesers fliegen.

Ein herrlich lockerer und erfrischend humorvoller Schreibstil zeichnet Jutie Getzler aus. Sie schafft es mit ihrem fesselnden und fließenden Erzählstil einen großen Fokus auf Gedanken und Gefühle zurichten, erst danach kommt die Handlung und Szenenbeschreibung. Die Autorin verwendet eine einfache fast jugendlich moderne Sprache. Viele rhetorische Fragen bzw. Fragen, dessen Antwort man nicht kennen kann werden als Stilmittel gekonnt eingesetzt und regen zum Nachdenken an.

Tolle und nicht enden wollende aber nie langweilig werdende Gedankenmonologe sowie Einblicke in die Emotionen mit viel Leidenschaft, Ironie, Sarkasmus sowie Komik und natürlich einer tiefgängigen Botschaft wechseln sich mit einer starken Introspektion der Protagonistin ab. Außerdem setzt die Autorin auf anekdotenreiche Metaphern und man fühlt die innere Zerrissenheit, die Gefühlsachterbahnen sowie emotionale Ausbrüche und Illusionen.

Darüber hinaus schafft es Jutie Getzler, dass man sich den Bauch bei lustigen Kommentaren halten muss sowie das oft herrschende Skurrile und Surreale lassen einen nur den Kopf schütteln. Ein rapider aber dennoch leichter Einstieg deckt sich mit dem Charakter der Hauptfigur, da dieses Erzähltempo sich mit dem Temperament der Protagonistin deckt.

Der Entscheidungspunkt mit der Frage, was würde man selbst tun würde, finde ich super gemacht, und ich wusste zuerst wirklich nicht, welche Option ich wählen sollte. Je nach Wahl landet man dann in einer von drei möglichen Erzählversionen. Außerdem fällt auf, dass die Szenenwechsel schön stimmig und galant gesetzt wurden und man fliegt förmlich durch die Seiten. Am Schluss platzt dann letztendlich die Bombe und das Ende ist ja mehr als „fies“ und offen, aber trotzdem so gut gemacht.

Fazit:
10 Tage in Vancouver ist ein hochwertiger und liebevoll umgesetzter Liebesroman mit Interaktion seitens des Lesers. Man durchlebt Laras Geschichte in einer von drei möglichen Geschichten, fliegt durch die Seiten, hält sich den Bauch vor Lachen und schüttelt manchmal den Kopf vor surrealen Ansichten der Hauptprotagonisten sowie derer rhetorischen Fragen und Gedankenmonologen.
Jedem Fan von Liebesroman mit vielen Up and Downs kann ich diesen interaktiven Roman nur ans Herz legen.


10 Tage in Vancouver erhält von mir 5 von 5 Sternen.

(Ein Dank an den Bookshouse-Verlag für das Rezensionsexemplar.)

Veröffentlicht am 18.09.2017

Fast wie im Märchen mit schönen Perspektiven

Sion - Finde die Wahrheit
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Sion - Finde die Wahrheit ist der Debütroman von der österreichischen Autorin Julia Lindenmair. Das Landleben und der Bauernhof beflügeln ihre Kreativität. Sie arbeitet im Büro und mit Finanzen, aber vor ...

Sion - Finde die Wahrheit ist der Debütroman von der österreichischen Autorin Julia Lindenmair. Das Landleben und der Bauernhof beflügeln ihre Kreativität. Sie arbeitet im Büro und mit Finanzen, aber vor allem Fantasy hat es ihr angetan, dass sie in ihrer Karenz die Geschichte von Anne und Lycra geschrieben hat.

Das letzte Worte von Annes Großmutter beschäftigen das Mädchen sehr. Sie will herausfinden wer oder was Sion ist und dessen Bedeutung kennenlernen. Dabei schließt sie sich den Gesetzlosen Lyca an, der ihr helfen soll zu überleben, eine Lüge auszudenken und sie vor der drohenden Gefahr zu beschützen.

Im Mittelalter, ungefähr in der Ritterzeit aber in einer eigenen anderen Welt spielt die Geschichte. Sie wird in der Ich-Form abwechselnd aus der Perspektive von Anne und Lycra erläutert. Es ist durch Kapitelüberschrift klar sichtbar, wer gerade erzählt und es wechselt jedes Kapitel. Dieser Erzählstil ist gut gewählt um beide Seiten der Medaille zu kennen und auch andere Eindrücke einer weiteren Person auf Szene und Handlung zu haben.

Die Autorin hat einen plätschernden Erzählstil mit einer locker leichten Sprache. Sie verwendet viele malerische Metaphern, hat fließende Übergänge und scheint ihre Szenen detailverliebt sowie bezaubernd zu beschreiben. Vor allem Umgebung und Landschaft werden auf faszinierende Weise geschildert.

Insgesamt gibt es irgendwie zwei Schreibstil. Der Männliche strotzt vor derber Sprache, wirkt in sich kälter und gewalthaltiger, aber dennoch gefühlvoll. Lycra, dessen Erzählperspektive dieser Schreibstil zu Grunde liegt ist ebenso stark, kräftig aber in sich unzufrieden, aber dennoch leidenschaftlich, innerlich zerrissen, frech und einfühlsam. Der feminine Part ist umso emotionsgeladener und leidenschaftlicher, hat eine gehobene Sprache und strotzt vor Gedankenketten. Dies spiegelt sich auch im Charakter von Anne: ängstlich aber neugierig, rebellierend, impulsive aber dennoch selbstbewusst und teils verloren.

Weiters werden Gefühle gehaltvoll, tiefsinnig, intensiv und ergreifend eingesetzt und es herrscht das reinste Gefühlschaos. Gedankenmonologe sind eingängig, stimmig, man versinkt gerne in ihnen. Hypnotisierende Erläuterungen sind spannend und man kommt durch die mysteriöse sowie geheimnisvolle Grundstimmung Herzklopfen vor Aufregung.

Die Autorin verwendet sehr aktuelle Themen wie Sklavenhandel, Gewalt, Krieg oder Armut trotz des eher ritterlichen Zeitalters. Vor allem die Moral und Botschaft der Geschichte, bei der Hilfe und Halt über alles geht, ist sehr schön in die Erzählung verpackt. Man taucht in die Geschichte ein.

Der Einstieg ist schnell und einfach durch die Perspektiven und die tollen sowie expliziten Erläuterungen zu Beginn helfen einem den Ausgangspunkt der Erzählung zu verstehen. Weiters ergänzen sie sich gut und man freundet sich mit beiden Erzählstilen gut an. Ebenso sind sie stimmig mit dem Charakter der Figuren, obwohl diese eher wie jünger rüberkommen als wie um die 20 Jahre.

Im Allgemeinen wird die Erzählung nicht langweilig. Ab der Mitte wird es richtig spannend, ein Auf und Ab von Lösung und Anspannung, Dramatik sowie unvorstellbaren Wendungen. Vorallem kurz vor einem Wendepunkt oder Enthüllung wird nochmals dramatisiert und ausgeholt, bevor die Kernaussage offenbart wird - tolles Stilmittel. Das Ende war insbesondere nervenaufreibend, aber dennoch für meinen Geschmack etwas zu idealistisch.



Fazit:

Sion – Finde die Wahrheit ist fast wie ein Märchen – Ein Mädchen trifft einen Jungen, sie hegen Gefühle zueinander und versuchen ein tiefes Geheimnis ähnlich wie bei Cinderella oder Aschenputtel zu lüften. Julia Lindenmair glänzt in ihrem Debütroman mit formschönen Metaphern, tollen Perspektiven sowie einer dramatischen Geschichte.



Sion – Finde die Wahrheit erhält von mir 4 von 5 Sternen.

(Ein Dank an den Bookshouse-Verlag für das Rezensionsexemplar.)