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Veröffentlicht am 07.04.2025

Neapel sehen und sterben

Commissario Gaetano und der lügende Fisch
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Dieses Sprichwort überlieferte der Dichter Johann Wolfgang von Goethe bereits bei seiner „Italienischen Reise“ 1786. Für Dottore Ianus Capuano wird es zur Realität.

Am 19. September, dem höchsten Feiertag ...

Dieses Sprichwort überlieferte der Dichter Johann Wolfgang von Goethe bereits bei seiner „Italienischen Reise“ 1786. Für Dottore Ianus Capuano wird es zur Realität.

Am 19. September, dem höchsten Feiertag Neapels, kommt ein gestresster Mann in die Questura, um einen geplanten Anschlag auf seine Person zu melden. Obwohl an diesem Tag die Hölle los ist und er die Ängste des unsympathischen Dr. Capuano nicht nachvollziehen kann, sagt Commissario Salvatore Gaetano widerwillig seine Hilfe zu. Noch ist ihm nicht bewusst, dass er vor den schwierigsten Ermittlungen seiner Karriere steht.

„Commissario Gaetano und der lügende Fisch“ ist der erste Band, der in Neapel spielenden Krimi-Reihe von Fabio Nola. Der Autor, ein deutscher Historiker, hat einige Jahre in der Stadt gelebt. Der ungewöhnliche Titel hat sofort mein Interesse geweckt und mir eine spannende Ermittlung in Neapel beschert.

Am 19. September jeden Jahres feiern die Neapolitaner ihren Stadtpatron San Gennaro. Im Dom von Neapel warten die Gläubigen auf das „Blutwunder“, das nach altem Volksglauben eine glückliche Zukunft für die Stadt verspricht. Für Ianus Capuano nimmt der Festtag kein gutes Ende. Er wird von der Streife, die Gaetano ihm versprochen hatte, tot in seiner Wohnung aufgefunden. Enthauptet – wie sein Namensvetter San Gennaro.

Die Geschichte hat mich schnell gefesselt. Während der Festa di San Gennaro wird ein anderer Januarius geköpft. Dieser Plot passt gut zu einer Stadt, in der schnell die Emotionen hochkochen und die Einwohner häufig abergläubisch sind. Wir lernen einige von ihnen kennen, allen voran den Commissario, der früher ein Winzer war und jetzt bei der Polizei arbeitet. Salvatore Gaetano kommt aus schwierigen familiären Verhältnissen, die ihn noch heute verfolgen. Über sein Ermittlungsgeschick bin ich mir noch nicht im Klaren, einerseits wird nur durch seine Sturheit der wahre Täter entlarvt, andererseits übersieht er wichtige Details oder lässt sich von einem attraktiven Äußeren ablenken. Seine Nichte Carla ist für mich eher schwierig. Ich kann ihre Ängste um den Vater verstehen, aber mit ihrem aufbrausenden Temperament, das in überzogenen Anschuldigungen und sogar Tätlichkeiten gipfelt, wenig anfangen. Gaetanos Team bleibt noch etwas blass, aber das finde ich bei einem Auftaktband nachvollziehbar. Insgesamt ist bei der Charakterzeichnung noch Luft nach oben.

Fabio Nola versteht es, Neapel mit all seinen Facetten zu beschreiben. Ich habe den Verkehrslärm gehört, die stechende Sonne auf meinen Armen gespürt, mal Meeresluft, mal Espresso gerochen und mich im bunten Gewühl der Neapolitaner und Touristen aus aller Welt vorwärts gekämpft. Ob es aber in der ganzen Stadt wirklich überall so dreckig ist, wie mehrfach beschrieben?

Missfallen hat mir das Verhör eines kleinwüchsigen Verdächtigen. Zwar wird erklärt, warum in Neapel Vorurteile gegenüber diesem Handikap entstanden sind, das entschuldigt den Umgangston der Polizisten aber nicht. Auch das Verhalten gegenüber Frauen ist dringend verbesserungsfähig. Zwei Beispiele: Eine Kollegin wird aus Faulheit oder Ignoranz konstant nicht mit ihrem richtigen Namen angesprochen. Es wird die Ansicht geäußert, nur sexuelle Übergriffe, die auch zur Anzeige kommen, fänden statt.

Zum Lektorat werde ich nichts weiter schreiben, da darauf hingewiesen wird, dass es noch nicht abgeschlossen sei. Das stimmt.

Insgesamt hat mich der Krimi gut unterhalten, der Plot ist spannend und Neapel ein attraktiver Schauplatz. Der Autor schreibt flüssig und bildhaft. Seine Kenntnisse der Stadt, ihrer Geschichte und Einwohner sind jederzeit spürbar. Der Fall wird letztendlich nach einigen Wendungen gelöst.

Faszinierend finde ich das Napulitano, die eigene Sprache Neapels, die mittlerweile offiziell anerkannt ist. Ein kleines Glossar am Ende des Buches erklärt die im Krimi verwendeten Ausdrücke.

Ich vergebe 4 Sterne und eine Leseempfehlung an Fans leicht skurriler Krimis.

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Veröffentlicht am 05.04.2025

Zwei pfiffige Teenager und ein Cold Case

Tod im Samtmantel
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Grace und Suzy sind zwei sympathische Teenager und allerbeste Freundinnen. Ihr Alltag verläuft ziemlich typisch für Dreizehnjährige, wobei die Schule viel Zeit beansprucht. Das ändert sich jäh, nachdem ...

Grace und Suzy sind zwei sympathische Teenager und allerbeste Freundinnen. Ihr Alltag verläuft ziemlich typisch für Dreizehnjährige, wobei die Schule viel Zeit beansprucht. Das ändert sich jäh, nachdem Grace einen schicken Vintage-Samtmantel in einem Secondhand-Laden kauft. Das Kleidungsstück scheint bei Grace Visionen auszulösen, die sie Ereignisse aus dem Leben der Vorbesitzerin des Kleidungsstücks, Olivia, sehen lassen. Als wäre das nicht schon verstörend genug, erlebt Grace während einer weiteren Rückschau mit, wie Liv vor 50 Jahren ermordet wird. Was soll sie jetzt machen?

„Tod im Samtmantel“ ist ein Jugendkrimi der englischen Schriftstellerin und ehemaligen Grundschulpädagogin Sarah Wynne, Das sehr gelungene, ansprechende Cover hat mein Interesse geweckt. Nach dem Lesen des Buches sieht man es mit anderen Augen ...

Der Plot ist ungewöhnlich. Ein Secondhand-Kleidungsstück löst bei der Protagonistin Visionen aus. Es ist leicht vorstellbar, in welch schwieriger Situation sich Grace plötzlich befindet. Zuerst bewahrt sie Stillschweigen und versucht herauszufinden, was mit ihr passiert. Nur ein Traum? Bald erkennt sie die Magie des Samtmantels. Sehr schön fand ich, dass Grace mit Suzy eine Freundin hat, der sie selbst dieses schräge Geheimnis anvertrauen kann, ohne ausgelacht oder für verrückt erklärt zu werden. Überhaupt zieht sich die unerschütterliche Freundschaft der beiden wie ein roter Faden durch die Geschichte. Gemeinsam überstehen sie die schwierigsten Situationen.

Sarah Wynne hat mit Grace und Suzy zwei glaubwürdige mutige Dreizehnjährige gestaltet, die clever und kreativ Rätsel lösen, Spuren verfolgen und sich nicht beirren lassen. Dadurch gelingt es ihnen aufzuklären, was Liv vor Jahrzehnten widerfahren ist. Auch die Nebencharaktere überzeugen und das Ambiente wird bildhaft beschrieben.

Die Geschichte liest sich flüssig, ist spannend und altersgerecht. Die Visionen von Grace sind durch die kursive Schrift deutlich hervorgehoben. Eingestreute Dialoge und Gedankengänge der Täter erhöhen die Spannung und sind teilweise gruselig. Obwohl ich der Zielgruppe des Buchs absolut nicht entspreche, gelegentlich aber gern Jugendbücher lese, fühlte ich mich gut unterhalten. Die sympathischen Hauptfiguren haben mich überzeugt, sodass ich mitgefiebert und mit gezittert habe bei ihrem spannenden Abenteuer. Gut gefallen hat mir auch, dass Grace an Selbstbewusstsein gewonnen hat und der Klassenzicke Jill nunmehr Kontra gibt.

Es ist nur natürlich, dass ein Jugendkrimi für einen Erwachsenen in Teilen vorhersehbar sein mag, doch das hat mich zu keiner Zeit gestört. Vielmehr hoffe ich auf ein Wiedersehen mit Suzy und Grace. Ihren erneuten Einkauf im Secondhand-Laden, dieses Mal ein Ballkleid und ein Rucksack, interpretiere ich mal als Cliffhanger.

Von mir gibt es 4,5 Sterne und eine Leseempfehlung für alle Fans von Jugendkrimis mit einem Schuss Mystery.


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Veröffentlicht am 27.03.2025

Lässt sich ein Mordfall nach 39 Jahren lösen?

NordOstAngst (Flensburg-Krimi)
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Bei der Renovierung des Flensburger Stadttheaters wird ein menschliches Skelett gefunden. Überraschend schnell kann die Identität des Opfers geklärt werden. Die junge dänische Kunststudentin Bjarka Nielsen ...

Bei der Renovierung des Flensburger Stadttheaters wird ein menschliches Skelett gefunden. Überraschend schnell kann die Identität des Opfers geklärt werden. Die junge dänische Kunststudentin Bjarka Nielsen ist vor 39 Jahren in Flensburg spurlos verschwunden. Jetzt steht fest, sie wurde damals ermordet und eingemauert. Die Kommissare Anne Anders und Hendryk Larsson übernehmen den Cold Case. Zunächst besteht wenig Aussicht auf einen Ermittlungserfolg, aber dann werden nacheinander zwei wichtige Zeugen vergiftet. Wer will nach so langer Zeit die Aufklärung des Mordfalls Nielsen verhindern?

„NordOstAngst“ ist der sechste Küstenkrimi von Nele Bruun und der zweite Fall aus Flensburg. Der Lesespaß ist größer, wenn man die ganze Reihe kennt, aber die Bände können gut unabhängig voneinander gelesen werden.

1979 wurde die Verjährungsfrist für Mord, vor dem Hintergrund der Verbrechen in der NS-Zeit, abgeschafft. Seither schließt die deutsche Polizei ungelöste Tötungsdelikte nie vollständig ab. Mit einem solchen Cold Case sehen sich die Flensburger Kommissare Anne Anders und Hendryk Larsson konfrontiert. Obwohl das Ermittlerteam sehr gut harmoniert, erweist sich die Wiederaufnahme des Falls Bjarka Nielsen als schwierig. Die beiden Kommissare werden nicht nur von ihrem schwierigen Chef Peter Dünke unter Druck gesetzt. Vielmehr treibt sie der Wunsch an, den hochbetagten Eltern Nielsen, den Mörder ihres einzigen Kindes präsentieren zu können und dem Opfer nach so vielen Jahren Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Nele Bruun schafft es wie gewohnt, den Leser bereits nach wenigen Seiten zu fesseln. Dazu tragen das gut gewählte Setting, der flüssige Schreibstil der Autorin und vor allem ihre überzeugenden Charaktere bei. Da sind das sympathische Ermittlerteam, das auch über etwas Privatleben verfügt, Originale wie Opa Nissen oder „der Stadtlautsprecher“ Anneliese Runge und Zeugen wie die Garderobiere Emma Schulz, die seinerzeit nur oberflächlich befragt wurde.

Der Leser bekommt den Ablauf der Ermittlungen hautnah mit, die Schwierigkeiten, nach so langer Zeit verwertbare Zeugenaussagen zu bekommen und die Verbindungen zwischen dem Altfall und den aktuellen Morden herzustellen. Nicht jeder Verdacht hat Bestand, aber auch nicht jedes Alibi. Die Spannung nimmt kontinuierlich zu. Lange Zeit hat mich die Autorin an der Nase herumgeführt. Nach einigen Verwicklungen und Wendungen gelingt es Anders und Larsson den Fall restlos aufzuklären und alle Fragen zu beantworten.

Ich wurde bestens unterhalten, wobei auch der Humor nicht zu kurz kam. Eine meiner Lieblingsszenen war die Begegnung des Schauspielers Michael "Zicken-Michi" Kronenberg, nach eigenem Verständnis Topstar des Theaters, mit einem Bauarbeiter auf der Bühne. Das Küsten-Feeling und die liebenswerten Originale, die ich oben schon erwähnte, runden die Geschichte ab. Ich freue mich schon auf eine Fortsetzung mit dem sympathischen Ermittlerteam. Mein einziger, kleiner Kritikpunkt sind das für mich etwas abrupte Ende und ein paar Längen im Mittelteil.

Von mir gibt es 4,5 Sterne und eine Leseempfehlung an alle Fans guter, nicht zu blutiger, Krimis mit Küstenflair.

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Veröffentlicht am 27.03.2025

Wer ermordete Sir Mark?

Mord auf Westwater Manor
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Sally und Johnny Heldar, ein junges Buchhändlerpaar aus London, wird von Sir Mark Mercator beauftragt, die Bibliothek von Westwater Manor zu taxieren. Sie sollen klären, welche Teile der Bibliothek ihm ...

Sally und Johnny Heldar, ein junges Buchhändlerpaar aus London, wird von Sir Mark Mercator beauftragt, die Bibliothek von Westwater Manor zu taxieren. Sie sollen klären, welche Teile der Bibliothek ihm und welche Bücher seinem Großneffen Richard Thaxton zustehen. Bald entdecken Sally und Johnny, dass eine wertvolle Erstausgabe der Sammlung gegen eine schlechte Kopie ausgetauscht wurde. Dann hat Sir Mark einen Unfall, den er mit einer schweren Gehirnerschütterung übersteht. Doch nur eine Woche später wird er ermordet. Richard Thaxton bittet die Heldars auf Westwater Manor zu bleiben und bei der Aufklärung des Verbrechens zu helfen.

Die Originalausgabe von „Mord auf Westwater Manor“ ist bereits 1957 unter dem Titel „Death at One Blow“ erschienen. Es handelt sich um den zweiten Band von Henrietta Hamiltons wieder entdeckter fünfteiliger Krimiklassikerreihe rund um das sympathische Ermittlerpaar Sally und Johnny Heldar, der jetzt ins Deutsche übersetzt wurde. Die Bände können unabhängig voneinander gelesen werden.

Henrietta Hamilton, eigentlich Hester Denne Shepherd, war im Zweiten Weltkrieg beim Women’s Royal Naval Service, dem britischen Marinedienst für Frauen, und arbeitete später in einer antiquarischen Buchhandlung in London. Ich finde, dass sich diese Erfahrungen in ihren Krimis widerspiegeln.

Bereits im ersten Teil „Mord in der Charing Cross Road“ hat sich das Buchhändlerpaar Heldar seine ersten Sporen als Ermittler verdient. In Anspielung auf diesen Fall werden die beiden vom Hausherren um ihre Mithilfe gebeten. Akribisch versuchen sie einen Zeitplan für den Ablauf des Verbrechens aufzustellen und mit den Alibis der Verdächtigen abzugleichen. Doch dann liegt ihr Hauptverdächtiger tot im Stausee und der Verdacht richtet sich ausgerechnet gegen die Person, die sie für unschuldig halten.

Bei „Mord auf Westwater Manor“ handelt es sich um einen klassischen britischen Kriminalroman, der in den 1950er Jahren spielt. Dank der behutsamen Übersetzung und einer vorsichtigen Modernisierung wirkt der Schreibstil zwar etwas altmodisch, aber nicht antiquiert. Also genau so, dass man sich bei den Beschreibungen und Gesprächen vorübergehend in die damalige Zeit versetzt fühlt. Die Charaktere wirken teilweise exzentrisch und das Aufgebot an Personal erstaunt. Erwartungsgemäß ist das Frauenbild ein anderes, aber nicht abschätzig oder herabwürdigend. Atmosphäre und Ambiente stimmen, die Geschichte verläuft ruhig und gänzlich ohne Hektik. Das eher gemächliche Erzähltempo ist zwar ungewohnt, macht aber einen Teil des Charmes dieses Krimiklassikers aus, wenn man sich darauf einlassen kann.

Henrietta Hamilton erzählt uns von einem Mord im Stil einer Agatha Christie oder Dorothy L.Sayers, auch wenn sie deren Klasse nicht ganz erreicht. Unterhaltsam und spannend ist „Mord auf Westwater Manor“ auf jeden Fall. Die Ermittler Sally und Johnny können das Verbrechen logisch und nachvollziehbar auflösen. Ihre Gespräche und Recherchen regen zum Mitraten an. Dass ich mit meinem Verdacht dieses Mal richtig lag, hat meinen Lesespaß nicht getrübt. Vielmehr freue ich mich, dass sich ein Verlag gefunden hat, der diese Krimiklassikerreihe nach Deutschland bringt. Den ersten Band habe ich bereits gelesen und harre nun auf das Erscheinen von Band drei.

Ich vergebe 4,5 Sterne und eine Leseempfehlung an alle, die nostalgische Krimiklassiker schätzen.

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Veröffentlicht am 23.03.2025

Noch 107 Stunden bis zum Aussterben der Menschheit

Der letzte Mord am Ende der Welt
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Vor neunzig Jahren hat eine Katastrophe die Erde weitgehend verwüstet. Es gab nur Wenige, die auf einer Mittelmeerinsel überlebt haben. Von drei Wissenschaftlern unterstützt, haben diese sich im Schutz ...

Vor neunzig Jahren hat eine Katastrophe die Erde weitgehend verwüstet. Es gab nur Wenige, die auf einer Mittelmeerinsel überlebt haben. Von drei Wissenschaftlern unterstützt, haben diese sich im Schutz einer undurchdringlichen Sicherheitsbarriere ein einfaches Leben aufgebaut. Über allem wacht schützend die KI Abi, die gleichzeitig als eine Art Erzählerin fungiert. Sie ist nur gegenüber der ältesten der Wissenschaftler, Niema Mandripilias, weisungsgebunden und kann mit den Insulanern gedanklich kommunizieren. Alles wirkt beinahe paradiesisch. Dieses Idyll weist nur geringe Makel auf, wie die Tatsache, dass die Inselbewohner stets mit Erreichen des 60. Lebensjahrs sterben, während die drei Ältesten die Hundert deutlich überschritten haben. Doch die Privilegien der Wissenschaftler hinterfragt keiner der Inselbewohner – außer Emory.

Dann wird die Älteste, Niema, tot aufgefunden, scheinbar ermordet. Ausgelöst durch den Todesfall schaltet sich das Sicherheitssystem ab, sodass nur noch wenige Tage bis zur Katastrophe bleiben. Laut Abi kann die Barriere gegen den drohenden giftigen Nebel nur durch das Entlarven des Täters reaktiviert werden. Querdenkerin und Krimifan Emory erhält den Auftrag, umgehend den Mörder zu finden. Während ihrer Ermittlungen fördert sie unglaubliche Fakten und unbequeme Wahrheiten ans Licht. Wird sie die Katastrophe verhindern können?

Als Sciencefiction-Apokalypse-Roman bezeichnet der Autor Stuart Turton
sein neues Buch „Der letzte Mord am Ende der Welt“. Ich würde noch Krimi hinzufügen, was den Genre-Mix komplettiert.

Stuart Turtons Setting, sein Weltenbau, ist sehr überzeugend. Er bevölkert seine kleine Insel mit glaubwürdigen Charakteren. Die leicht rebellische Emory, die häufig aneckt, weil sie alles hinterfragt, ist eine sympathische Hauptfigur, die hervorragend in die Rolle der Ermittlerin passt. Auch die weiteren Protagonisten überzeugen, wie Clara, die ihre Angst durch besonders mutiges Verhalten bekämpft, die komplizierte Niema, die schwer zu durchschauen ist, Emorys Vater Seth, der längst nicht so stur ist, wie gedacht oder Adril, der Ausgestoßene.

Die Geschichte spielt in der Zukunft. Vor dem ultimativen Gau verfügte die Menschheit über technische Errungenschaften, die unseren weit überlegen sind. Trotzdem war die Kluft zwischen Arm und Reich unverändert groß, Kriege und Umweltzerstörung an der Tagesordnung. Bis ein giftiger Nebel voll tödlicher Insekten die Erde unbewohnbar machte. Jetzt führen die Nachfahren der Überlebenden ein einfaches, arbeitsreiches Leben, das dem Wohl der Gemeinschaft gewidmet ist.

Turton schreibt flüssig und sehr bildhaft. Manche Szene löste mein Kopfkino aus. Überhaupt kann ich mir das Buch gut als Vorlage für eine Verfilmung vorstellen. Die Erzählung beginnt verhalten, allmählich baut sich Spannung auf, die nicht nur bis zum Ende anhält, sondern sich sogar kontinuierlich steigert. Zahlreiche Wendungen und Enthüllungen sorgen für anhaltendes Lesevergnügen, sodass ich das Buch nicht aus der Hand legen wollte.

„Der letzte Mord am Ende der Welt“ hat mich hervorragend unterhalten. Der Genre-Mix aus Krimi, Dystopie und Sciencefiction ist sehr gut gelungen. Themen wie Umweltzerstörung, KI, Umgang mit künstlichen Lebensformen oder skrupellose Wissenschaft, verarbeitet der Autor spannend und nachvollziehbar. Immer wieder dachte ich, dem Täter auf der Spur zu sein und wurde schließlich doch überrascht.

Am Autor fasziniert mich, dass bisher jedes seiner Bücher einem anderen Genre zuzurechnen ist und trotzdem oder gerade deswegen sehr gut unterhält. Als nächstes Buch hat Stuart Turton einen wilden Gegenwart-Thriller angekündigt. Ich bin gespannt.

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