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pia_leinchen

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Veröffentlicht am 08.12.2019

Mitreißende Geschichte mit unglücklichem Ende

Bring Down the Stars
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Bring down the stars ist ein weiterer Roman von Emma Scott, welcher 2018 ersterschienen ist und 2019 bei Bastei Lübbe in der deutschen Ausgabe herausgegeben wird.

Autumn ist eine ehrgeizige, junge Frau. ...

Bring down the stars ist ein weiterer Roman von Emma Scott, welcher 2018 ersterschienen ist und 2019 bei Bastei Lübbe in der deutschen Ausgabe herausgegeben wird.

Autumn ist eine ehrgeizige, junge Frau. Während ihres Studiums in einer amerikanischen Kleinstadt, arbeitet sie ziemlich ehrgeizig an der Verwirklichung ihrer Träume. Und in einer Bäckerei.
Als jedoch die beiden besten Freunde Weston und Connor auftauchen, weiß Autumn nicht mehr so richtig, was zu tun ist. Mit jedem Wort wird wortwörtlich alles komplizierter und der ruhige Alltag wird durch ein Hin und Her der Gefühle und Tatsachen abgelöst.

Der optische Eindruck des Buches ist sehr ansprechend. Das Cover ist hübsch gestaltet und die feine, serifenlose Schrift passt mit ihrer Klarheit vor allem zu den Protagonisten am Anfang der Geschichte.

Auch die Spannung ist sehr gut über die gesamte Handlung aufgeteilt. Oft weiß man ja am Anfang schon, wie es am Ende ausgeht. Hier definitiv nicht. Allerdings sind manche Abschnitte zu sehr in die Länge gezogen, sodass die Spannung zwischenzeitlich etwas abnimmt.
Die Geschichte war in erster Linie fesselnd. Durch die Einführung von Weston und Connor zu Beginn in einer „Rückblende“ kann man die beiden schon von Anfang an gut verstehen und ihre Handlungen und Gedanken einordnen.
Die Storyline ist kontinuierlich durchgezogen. Mir sind keine Logikfehler oder ähnliches aufgefallen.
Meiner Meinung nach kam das Ende allerdings zu unerwartet und passte nicht recht zum Rest der sonst großartigen Geschichte. Das hat mich etwas enttäuscht, habe ich mir doch eine ganz andere Lösung vorgestellt und erhofft.
Insgesamt ist aber alles dabei, was eine realistische Geschichte ausmacht. Sie lässt sich sehr gut verfolgen und auch nach einer kurzen Pause ist man schnell wieder in das Geschehen eingetaucht.

Die Figuren an sich sind sehr gut ausgearbeitet und haben auch einen klaren Hintergrund. Man merkt, dass sich Emma Scott dabei viel Mühe gegeben hat und jede Figur ein „komplettes“ Leben hat.
Autumn konnte ich sehr gut nachvollziehen und bin auch der Meinung, dass sie sehr realistisch ist. Ihr Handeln und Denken passt zu den Situationen und wirkt nicht überspitzt. Dass ich ihr gelegentlich gerne in den Allerwertesten getreten hätte, gehört zur Story und macht diese umso besser 😊
Auch Weston war sehr gut ausgearbeitet. Besonders gefallen hat mir das Laufen. Es gibt der ganzen Figur einen Rahmen, in welchem sie sich auslebt und reagieren kann. Auch die Emotionen findet man bei Weston hauptsächlich im Laufen. Er IST Laufen…
Connor dagegen war mir zu klischeehaft. Natürlich gibt es überall reiche Familien. Ich finde allerdings, dass er viel zu sehr auf sein naives „Alles läuft gut, wenn man es bezahlen kann“ reduziert wird. Warum darf er sich nicht ausleben, wie die beiden anderen Protagonisten? Hat er keine Leidenschaft, welcher er in seiner Freizeit nachgeht? Ist er wirklich der unsensible Mädchenschwarm, der die offensichtlichsten Dinge in seinem direkten Umfeld nicht bemerkt? Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen.
Leider ist die Figur Ruby gegen Ende des Buches immer unwichtiger geworden. Als Gegenpol zu der ehrgeizigen und fleißigen Autumn, hätte sie der Geschichte sicher gutgetan.

Die Geschichte auf ein Thema festzulegen ist fast nicht möglich. Das offensichtlichste ist sicher die Liebe. Eine Dreiecksbeziehung, die für alle Beteiligten unterschiedlich schwer zu verstehen und zu leben ist.
Ein weiteres, wichtiges Thema ist das Glück. Sowohl das persönliche als auch das Glück anderer. An verschiedenen Zeitpunkten der Geschichte ist das Thema mehr oder weniger präsent, ist allerdings ein wirklich wichtiger Aspekt in der Story. Mir fällt dazu der Spruch „jeder ist seines Glückes Schmied“ ein.

Was die Umsetzung der Geschichte angeht, bin ich zwiegespalten.
Der ganze Roman hat sehr viel Spaß gemacht. Gerade die vielen Perspektivwechsel machen es möglich, die Geschichte als allwissender Beobachter zu erleben. Bei solchen Themen ist das meiner Meinung nach sehr wichtig.
Mir gefällt bei Romanen von Emma Scott auch immer die Playlist. Damit kann man sich wunderbar in die richtige Stimmung versetzen.
Weiter hat mir sehr gut gefallen, dass die Stadt Amherst auch in der Geschichte mit Dichtung und Literatur in Verbindung gebracht wird. Als Heimat von Emily Dickinson hat sie ja auch in der „realen“ Welt viel damit zu tun. Dass dieser Bezug gewahrt wurde, finde ich klasse.
Das Ende hingegen hat mir, wie schon geschrieben, überhaupt nicht gefallen. Es war noch so viel Potential in verschiedensten Beziehungen. Warum kommt das nicht mehr zum Zug?
Ja, es müssen auch Themen angesprochen werden, welche nicht in die Traumvorstellung der Leser passen. Aber kann man da das Ende nicht vielleicht ein bisschen anpassen? So, dass es zum Rest der Geschichte passt? Dann wäre die Umsetzung nämlich wirklich klasse.

Wie immer hat Emma Scott wieder ihren klaren, aber doch emotionalen Schreibstil ausgepackt. So bekommt der Leser schon sehr schnell viele Informationen. Zuerst unbewusst, später dann immer deutlicher.
Auch an Originalität mangelt es der Geschichte sicher nicht. Sowohl die offensichtlichen Themen als auch die kleinen „Nebengeschichten“ werden so erzählt, dass fast nichts voraussehbar ist. Durch das ungünstige Ende (hatte ich schon erwähnt, oder? 😊) wird auch kein anderer Roman so schnell mit einer vergleichbaren Storyline daherkommen.

Insgesamt hatte ich beim Lesen sehr viel Spaß. Der Roman hat mich bei Bahnfahrten unterhalten und abends auch mal zum Nachdenken gebracht. Ein paar kleine Wermutstropfen hier und da, aber der Gesamteindruck ist und bleibt sehr gut.
Ich freue mich auf weitere Bücher von Emma Scott und hoffe, dass sich diese wieder so gut lesen lassen.

  • Handlung
  • Charaktere
  • Cover
  • Erzählstil
  • Gefühl/Erotik
Veröffentlicht am 01.11.2018

zerbrechliches Universum

All In - Tausend Augenblicke
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Eine junge Frau kurz vor dem Durchbruch zum Weltstar und ein ebenso junger Mann, der wie besessen an seinem Projekt arbeitet. Die kompletten Gegensätze also und doch ziehen sie sich an. Emma Scott und ...

Eine junge Frau kurz vor dem Durchbruch zum Weltstar und ein ebenso junger Mann, der wie besessen an seinem Projekt arbeitet. Die kompletten Gegensätze also und doch ziehen sie sich an. Emma Scott und der Lyx Verlag haben es auf 420 Seiten geschafft, aus Kacey und Jonah ein Paar zu machen, welches sich die meisten von uns nur erträumen.
Trotz den so unterschiedlichen Charaktern der beiden halten sie zusammen, selbst, als ihre schwierigste Zeit anbricht. So sehr, dass alle Beteiligten garnicht anders können, als sich für die beiden zu freuen. Die Geschichte spielt in Las Vegas.
Das Cover des Buches gefällt mir sehr gut. Die matten Farben spiegeln wunderbar Kaceys Stimmung am Anfang wieder. Auch die Zigarette passt super zum Thema, denn sie steht auch für den Verzicht, den Kacey für Jonah auf sich nimmt. Die bunten Lichter erinnern an die Glaskunstwerke, welche Jonah schafft.
Der Spannungsbogen ist an sich gut gelungen, für meine Begriffe allerdings etwas zu weit nach hinten geschoben. Dadurch, dass der Ausgang der Geschichte schon relativ früh zu erahnen ist, wird es zwischendurch etwas zäh. Das ist aber definitiv noch im Rahmen und stört die Spannung auch nicht.
Durch die beiden Perspektiven von Jonah und Kacey ist die Geschichte sehr gut zu lesen. Wir bekommen einen Einblick in beide Seiten der Beziehung und wissen so viel mehr als das, was die beiden voneinander wissen.
Die Geschichte an sich ist mal etwas anderes. Diesmal ist nicht der Mann der Draufgänger und die Frau, die zurückstecken muss. Die beiden Welten die hier aufeinander treffen verschmelzen mit der Zeit zu etwas neuem, wunderschönen. Genauso, wie die Glasbläsereinen von Jonah. Auch die Tatsache, dass jeder ein Packet mit sich rum zu tragen hat, macht alles noch viel sympathischer.
Jonah geht mit seinem Schicksal ziemlich rational um. Er weiß, was ihn erwartet und hat einen genauen Plan im Kopf. Aber das zeigt auch, dass er ziemlich festgelegt denkt. Es hat ja doch eine ganze Zeit gedauert, bis er sich auf Kacey einlassen konnte. Und selbst, als er seine Installation beendet hat, scheint er nicht richtig glücklich zu sein.
Mit Kacey konnte ich zu Beginn nicht wirklich viel anfangen. Das kann aber auch daran liegen, dass ich Alkohol und rauchen generell einfach nicht gut finde. Sie zeigt aber im Laufe der Geschichte, dass sie durchaus liebenswürdig ist und sie sich für andere einsetzt. Die Liebe zu Jonah macht einen ganz anderen Menschen aus ihr.
Auch die Familie von Jonah kann ich in jeder Hinsicht gut verstehen. Jeder geht auf seine Weise mit der schwierigen Situation um. Und dabei entstehen eben auch Situationen, die im ersten Moment vielleicht nicht unter Höflichkeit fallen.
Im Gegensatz dazu widert mich Kaceys Familie richtig an. Wie kann ein Mensch nur so viel Ignoranz verteilen, wie ihr Vater? Alles in allem sind die Figuren wunderbar gelungen und es macht Spaß, sich in sie hinein zu versetzen.
Das Thema des Buches, nämlich die Liebe trotz einer riesigen Hürde kommt in diesem Roman wunderbar zur Geltung. Hierbei einmal ein Dank an Emma Scott. Denn ich die Recherche zu diesem Thema muss wirklich an die Nerven gehen.
Wie anfangs schon erwähnt, finde ich die wechselnden Sichtweisen echt klasse. Ich hatte nur ab und zu Probleme sie zuzuordnen. Denkt jetzt Kacey? Und warum will sie auf einmal in die Werkstatt? Das kann sie doch gar nicht? Aber das Problem lässt sich gottseidank ja schnell lösen. Auch die Glasbläserei als roter Faden ist super gewählt. Sie zeigt einfach, wie wunderschön und zerbrechlich doch alles ist.
Durch die Kombination aus ungewöhnlichem Thema und klasse Schreibstil hat der Roman ein großes Alleinstellungsmerkmal.
Außerdem macht es einfach Spaß dabei zu sein, wie die beiden sich selbst und gegenseitig kennen lernen.
Der Roman ist meiner Meinung nach bis auf wenige Ausnahmen super gelungen. Es macht eine riesen Freude zu lesen und selbst mitzufiebern. Und ganz nebenbei habe ich auch noch etwas über mich gelernt.
Danke Emma Scott!!

  • Cover
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Gefühl
Veröffentlicht am 09.01.2018

Ich kann gar nicht mehr aufhören...

Die Nightingale-Schwestern
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Auch in diesem dritten Band von Donna Douglas´"Nightingale Schwestern" erfahren wir Leser eine Menge Dinge über die Krankenschwestern Milli, Dora und Helen und lernen das Leben in 1936 noch besser kennen.

Jetzt, ...

Auch in diesem dritten Band von Donna Douglas´"Nightingale Schwestern" erfahren wir Leser eine Menge Dinge über die Krankenschwestern Milli, Dora und Helen und lernen das Leben in 1936 noch besser kennen.

Jetzt, nach dem dritten Band, fällt es mir sofort auf. Die Charaktere auf dem Cover sind genau so dargestellt, wie es ihrem Charakter entspricht. Außerdem haben wir wieder ein sehr schönes, altes Haus zu sehen. Auf diese Weise hilft uns das Cover gleich in die Geschichte herein und gibt den nötigen Rahmen. Allerdings finde ich dieses Mal den Klappentext etwas zu reißerisch.

Der "rote Faden" der Geschichte ist wie immer das Nightinale Hospital und die angehenden Krankenschwestern. Geprägt ist gerade dieser Band von viel Liebe. Erfüllter und unerfüllter, tragischen Wendungen und eigentlich schon lange herbeigesehnten. So lernen die jungen Damen sich, ihre Familien, die Männerwelt und den Spagat zwischen Anstand und Spaß noch besser kennen, schätzen und hassen. Sie werden aber auch reifer und stehen alle öfter zu sich selbst. Das beste Beispiel ist hier Helen. Sie merkt auf einen Schlag, dass allein sie über ihr Leben entscheiden kann. Und bald darauf entspannt sich so einiges bei ihr. Aber auch Dora und Milli stellen sich ihren Problemen. Sie werden enttäuscht, enttäuschen selber und verhalten sich, wie sich junge Damen eben manchmal verhalten ;) Aber zum Schluss sind auch sie wieder über sich hinaus gewachsen.

Dafür wurden die gesellschaftlichen Grenzen immer verschwommener, was sicher auch an der Offenheit der Mädchen liegt.

Die Figuren sind alle wieder sehr authentisch und durch die gute Beschreibung kann man sich gut in sie hinein fühlen (Memo an mich: das Buch hauen hilft bei Aggressionen auch nicht...). Auch kann sich der Leser oft selbst erkennen, weil auch Gedankengänge gut nachzuvollziehen sind.

Durch die vielen Handlungsstränge welche parallel laufen, passiert immer etwas und der Spannungsbogen bleibt immer auf einem Level.

In "Sturm der Gefühle" hat Donna Douglas dieses Mal besonders viel Wert auf persönliche Stärke gelegt. Nahezu jede Figur war gefordert, ihre Komfortzone zu verlassen. Das finde ich gerade heute so wichtig. Wir stehen eigentlich jeden Tag vor neuen Herausforderungen. Da hilft es ungemein, ein Vorbild zu haben und zu sehen, was man alles erreichen kann.

Danke für diesen Denkanstoß!

Veröffentlicht am 27.11.2017

historischer Roman mit verzweigter Handlung

Das Geheimnis des Winterhauses
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Sarah Lark hat wieder einmal losgelegt. In ihrem Roman „das Geheimnis des Winterhauses“ erzählt sie, wie Elinor durch die Krankheit ihrer vermeintlichen Cousine ungeahnte Wendungen in ihrer Familiengeschichte ...

Sarah Lark hat wieder einmal losgelegt. In ihrem Roman „das Geheimnis des Winterhauses“ erzählt sie, wie Elinor durch die Krankheit ihrer vermeintlichen Cousine ungeahnte Wendungen in ihrer Familiengeschichte entdeckt. Gemeinsam mit ihrem Mann Gernot macht sie sich auf die Reise, um die Unklarheiten aufzuklären. Dabei finden sich so manche Parallelen zwischen der Vergangenheit vor gut 100 Jahren und der Gegenwart.

Das Buch hat ein schön gestaltetes Cover, hat mich jetzt beim Lesen aber nicht weiter beeinflusst. Dafür war der Spannungsbogen aber nahezu perfekt. Die Spannung ist stetig angestiegen und es gibt keine Seite, auf der die Geschichte nicht doch noch einen Kick bekommt. Das zieht sich bis zum großen Knall am Ende hin. Im großen und ganzen finde ich die Geschichte sehr authentisch, allerdings muss es schon ein großer Zufall sein, dass gleich mehrere Leute gleichzeitig an der gleichen Familiengeschichte forschen. Aber gut, sonst hätten wir das Buch nicht lesen können.

Wir lernen durch die Handlung sehr viel über das Leben in Neuseeland in den frühen 1900ern. Außerdem gibt uns Sarah Lark verschiedene Blickwinkel, mit denen wir uns ein mehrschichtiges Bild aufbauen können. Aber auch in der Gegenwart ist die Geschichte durch Elinors und Gernots Liebesleben sehr interessant gehalten.

Die Figuren sind alle ziemlich gut beschrieben und lassen keine Fragen offen. Elinor zum Beispiel war mir von Anfang an sehr sympathisch. sie ist wissbegierig und hilfsbereit, kann sich aber auch sehr gut durchsetzen. Da passt sie sehr gut zu Rebecca am Anfang ihrer gemeinsamen Reise. Denn diese ist auch freundlich, hilfsbereit und sofort an der Familiengeschichte interessiert. Das ändert sich mit der Zeit allerdings, da sie irgendwann keine Lust mehr aufs Forschen hat und Gernot bei allem nachplappert. So wirkt sie eigentlich den Großteil des Romans desinteressiert und verärgert Elinor und den Leser.

Auch Gernot war mir am Anfang eigentlich nicht unsympathisch. Seine kleineren Zickereien würde ich mal dem eigenen Selbstschutz in die Schuhe schieben, denn ich denke, er hatte einfach angst hinter seiner erfolgreichen Frau zu verschwinden. Melvin mag ich von Anfang an total gerne. Er ist ehrlich, diplomatisch und schlau und hat die gleichen Interessen wie Elinor. Alison und Frano möchte ich stellvertretend für alle Geschichtlichen Personen behandeln. Denn alle haben einen eigenen Charakter, der sehr gut ausgearbeitet ist und dem sie auch immer treu bleiben. So ist Frano der sprunghafte, unehrlich Typ, während Alison eigendlich gerne Familie und Mann haben möchte. Also ein geregeltes Leben anstrebt. Dadurch, dass alle Beteiligten so gut in ihre Rolle passen, vermitteln sie ein sehr gutes Bild von früher.

Die Umsetzung des Themas „Familienforschung“ ist Sarah Lark sehr gut gelungen. Der Leser wird mitgenommen auf einen Streifzug durch die Geschichte Neuseelands und auch das Thema „Rechte der Frau“ wird thematisiert. Durch die Geschichte in der Gegenwart wird ein guter Ausgleich geschaffen und wir bekommen einen Bezug dazu. Außerdem haben wir in Frano eine „Leitperson“, die uns immer begleitet. Erwähnenswert finde ich außerdem, dass die Gegenwart unklarer wird je klarer die Vergangenheit wird.

Durch Sarah Larks Schreibstil erlebt man die Geschichte mit und bekommt sie nicht nur erzählt. Da die verschiedenen „Stationen“ von Franos Leben als „Buch im Buch“ erzählt werden, bekommt man eine ganz neue Weise gezeigt, mit solchen Handlungen umzugehen. Und genau das macht das Buch besonders, denn mir ist dieser Stil noch nicht so oft unter gekommen.

Ich finde auch, dass Karla ein guter Rahmen für die Geschichte ist. Denn sie ist der Grund, warum der Stein ins Rollen geraten ist. Sie ist während der Zeit in Neuseeland immer für Elinor da und hilft ihr und zu Schluss ist sie es, die mit Elinor dem Großen Glück entgegen fliegt. Mich würde allerdings auch interessieren, wie Gernot so manche Sachen gesehen hat. Hatte er gründe für sein Handeln und warum war er sofort Feuer und Flamme in Neuseeland auszustellen, auch wenn er in Deutschland noch keinen Erfolg hatte? Mir fehlen eben dazu ein paar Informationen, denn so wirkt alles ein bisschen einseitig. Vielleicht ist Gernot ja doch nicht so ein Depp wie wir den Eindruck bekommen?

Ich hatte beim Lesen großen Spaß, obwohl ich manchmal echt sauer geworden bin.

Zum Schluss kann ich sagen, dass gerade die Schreibweise dieses Buches ihr übriges für das tolle Leserelebnis gegeben hat. Die beiden Handlungsstränge entwickeln sich getrennt voneinander weiter und trotzdem gibt es einige Parallelen. Allerdings hatte ich auch teilweise Probleme die Personen der richtigen Familie zuzuordnen. Da würde ein Stammbaum vorne im Buch sicher helfen.

Nichtsdestotrotz regt die Geschichte zum Nachdenken über die Vergangenheit an und zeigt, dass blindes Vertrauen auch seine Schattenseiten hat.

Hier ist Sarah Lark wieder mal eine geniale Erzählung gelungen.

  • Cover
  • Atmosphäre
  • Gefühl
  • Charaktere
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 29.10.2017

Zeitreise und gleichzeitig Gegenwart

Die Nightingale Schwestern
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im zweiten Teil ihrer Reihe "die Nightingale Schwestern" zeigt uns Donna Douglas mit und anhand der Protagonistinnen Dora, Millie, Helen und Violet, welche Themen die Jugendlichen 1935 beschäftigten und ...

im zweiten Teil ihrer Reihe "die Nightingale Schwestern" zeigt uns Donna Douglas mit und anhand der Protagonistinnen Dora, Millie, Helen und Violet, welche Themen die Jugendlichen 1935 beschäftigten und wie man als alleinerziehende Frau in der Gesellschaft aufgenommen wird
Das Cover dieses Teils steht dem des ersten in nichts nach. Die perfekt passende Schrift wurde genau so übernommen und die Einteilung des Hintergrundbildes gibt auch deutlich zu erkennen, dass diese Bücher zusammen gehören. Da ich die Charaktere ja nun schon kannte habe ich mir gleich überlegt, wer wohl in dem edlen Haus zu Hause sein könnte.
Im ersten Teil des Buches werden die Charaktere aus Band eins kurz und prägnant wieder eingeführt, sodass man sofort wieder weiß, was Sache ist. Und auch die Handlung ansich ist so geschickt wiederholt worden, dass man es fast nicht gemerkt hast. Durch die stückchenweise Einführung, immer passend zur Situation, habe ich nie den Eindruck von einem "was bisher geschah" bekommen.
Auch im Buch "Geheimnisse des Herzens" sind die Kapitel kurz und somit gut zu lesen. ("Nurnoch das eine Kapitel" ist also gar nicht so schlimm )
Wenn man sich die Geschichten der Protagonisten durchliest, merkt man schnell, dass dieses Buch wohl den Vorteilen, Problemen und Tücken der Liebe gewidmet ist. So wird Dora immer wieder von ihrer Vergangenheit eingeholt und steht sich so in Liebesdingen selbst im Weg, Millie hat die Qual der Wahl und Violet hat mit dem zu kämpfen, mit dem damals niemand kämpfen wollte. Sie ist eine Vernunftsehe eingegangen und hat noch Jahre später große Probleme damit.
Man merkt aber sehr gut, wie alle Beteiligten im Laufe des Buches mit ihren Aufgaben wachsen. Denn neben der Liebe verlangt die Ausbildung bzw. ihre Arbeit als Krankenschwester alles von ihnen ab. Jetzt zeigt sich aber auch deutlich, dass alle genau das machen, was sie möchten. Denn auch private Probleme, finanzielle Engpässe zu Hause oder ein Auftritt, der "nicht standeswürdig" war, bringt sie zwar ins Trudeln, sie kommen aber immer wieder auf ihre eigenen Bahn zurück.
Gerade diese Fehlbarkeit macht die Figuren für mich so berührbar. Ich kann die Eifersucht von Sebastian absolut nachvollziehen und auch verstehen, warum Violet gehandelt hat wie sie gehandelt hat. Keine der Figuren kommt mir aufgesetzt oder ausgedacht vor (obwohl sie das natürlich alle sind)
Die Spannung war zwar eigentlich immer da und auch ganz gut verteilt, allerdings gab es einige Seiten, in denen es etwas dahin geplätschert ist. Sicher kann nicht dauerhaft etwas passieren, aber an manchen Punkten wurde ich zu ungeduldig.
Das Thema des Buches greift wieder die gesellschaftlichen Normen auf und zeigt dieses mal auch mehr als deutlich, dass in den größten Tollpatschen auch so viel Menschenkenntniss stecken kann, um sich blind zu verstehen. Denn Fassade ist nicht alles.
Themen wie Verlust und Trauer kommen neben Festen, Freude und Liebe aber auch nicht zu kurz. So entsteht ein ausgeglichenes Bild, welches die Lebensumstände von damals ziemlich gut wiederspiegelt.

Ich konnte mich in jede Figur hineinversetzen und hatte somit auch sehr viel Spaß beim Lesen. Für das nächste Buch würde ich mir allerdings noch ein Thema abseits der Liebe wünschen, um auch noch einen anderen Aspekt des damaligen Lebens kennen zu lernen. Die Geschichte hat mich allerdings dazu gebracht meine eigene Denkweise zu Überdenken und ich habe mir vorgenommen, mal öfter mien Herz in die Hand zu nehmen und einfach mal zu machen. Denn das Buch hat mir gezeigt, dass dabei nicht viel schief gehen kann. Danke Donna Douglas und eine fette Leseempfehlung!