Eigenwillige Ermittlerin
Rostiges GrabVor zehn Jahren wurde die junge Elena ermordet in der verlassenen Torffabrik ihrer Familie gefunden, Hauptverdächtiger ihr Ehemann. Bis heute fehlt von diesem aber jede Spur und der Fall liegt als Cold ...
Vor zehn Jahren wurde die junge Elena ermordet in der verlassenen Torffabrik ihrer Familie gefunden, Hauptverdächtiger ihr Ehemann. Bis heute fehlt von diesem aber jede Spur und der Fall liegt als Cold Case bei den Akten. Als zwei Influencer den Ort besuchen um Content für ihren Podcast zu filmen werden sie nicht nur von einem Unwetter überrascht, sondern auch von einer offensichtlich geistig verwirrten Frau, die zu allem Überfluss auch noch einen abgetrennten Finger bei sich hat. Einen Finger, der eindeutig zu Elena gehört.
Rostiges Grab ist bereits der dritte Band rund um die eigenwillige Ermittlerin Leo Asker. Ich kannte die ersten Bücher nicht und habe auch nicht wirklich etwas an Vorkenntnissen vermisst beim Lesen. Natürlich gibt es einige Hinweise auf Leos bisheriges Leben, die schwierige Beziehung zu ihrem Vater, der hier und auch in den vorigen Büchern eine wichtige Rolle spielt, die Hintergründe für ihre Versetzung in die "Abteilung für verlorene Seelen", ein Sammelbecken für Beamte, die aus den verschiedensten Gründen nicht mehr an vorderster Front ermitteln und hier, im Kellergeschoss, nun an Akten arbeiten, für die sich kein anderes Resort zuständig fühlt und natürlich ihre Beziehung zu Martin Hill, ihrem Jugendfreund. Was für den aktuellen Fall wichtig ist war für mich gut aus den enthaltenden Informationen herauszulesen und letztlich macht mich das, was ich noch nicht wirklich weiss, neugierig auf die anderen Bücher und da das Buch mit einem ziemlichen Cliffhanger im Bezug auf Leos Vater endet, deshalb denke ich, es wäre an diesem Punkt aber wirklich besser erst die Vorgänger zu lesen.
Andreas De La Motte schreibt fesselnd und schafft es gut Spannung aufzubauen, auch wenn mir dabei manchmal etwas Tempo gefehlt hat, das dann an anderer Stelle wieder zu flott ging. Die Geschichte läuft auf mehreren Ebenen, so folgt der Leser abwechselnd Asker und Hill bei ihren Ermittlungen und Alleingängen und taucht zusätzlich dazu durch die Gedanken des "Graumädchens" noch in die mysteriöse und bedrohliche Atmosphäre des Rostkogen ein, jenem düsteren, unheilbringenden Wald, in dem die Torffabrik steht. Der Autor verbindet hier geschickt verschiedene Elemente, den Cold Case um den Mord an Elena, den Aberglauben rund um heidnische Opferrituale, Korruption bei den Behörden, Vertuschung von Straftaten, Erpressung, Missbrauch, Gewalt, Bestechung und nicht zuletzt Askers komplizierte Familie. Vielleicht manchmal etwas viel, aber in der Gesamtheit passt es halt gut, weil viele dieser Themen sich aus den vorigen Büchern ableiten und auch in den folgenden noch eine Rolle spielen werden.
Der Einstieg in das Buch ist mir sehr leichtgefallen, Schwierigkeiten hatte ich kurz mit der Tatsache, das Leo und Martin meist mit ihrem Nachnamen betitelt werden und auch die einzelnen Kapitel so überschrieben sind, zu dem bin ich mir der Beziehung, die die Beiden zueinander haben nicht ganz warm geworden. Die ständigen Alleingänge wegen fehlender Kommunikation und verletztem Ego waren nervig und haben die Handlung natürlich unnötig, aber für den Spannungsbogen wichtig, verkompliziert. Hier war ich manchmal schon etwas genervt, verstehe aber, dass der Autor dieses Stilmittel bewusst gewählt hat und es numal auch zum Charakter seiner Figuren passt.
Mir hat die Lektüre gut gefallen und ich werde mir auf jeden Fall die anderen Bücher vornehmen, bevor ich die Reihe weiterverfolge.