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Veröffentlicht am 29.01.2026

Wer tötete Mrs McGinty?

Vier Frauen und ein Mord
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Hercule Poirot langweilt sich und so kommt es ihm gerade recht, dass sein alter Bekannter Kommissar Spence mit einem Anliegen bei ihm vorspricht. Spence hat gerade den Fall um die Ermordung einer älteren ...

Hercule Poirot langweilt sich und so kommt es ihm gerade recht, dass sein alter Bekannter Kommissar Spence mit einem Anliegen bei ihm vorspricht. Spence hat gerade den Fall um die Ermordung einer älteren Dame abgeschlossen, verurteilt dafür ihr mittelloser Untermieter. Aber irgendetwas lässt Spence zweifeln und so bittet er Poirot sich den Fall noch einmal anzusehen.

Viele werden "Vier Frauen und ein Mord" eher durch die Verfilmung mit Margaret Rutherford in der Rolle der Miss Marple kennen. Wie man aber an der Tatsache, dass im Film Miss Marple ermittelt und nicht, wie im Buch Poirot, schon erahnen kann, sind sich Buch und Verfilmung nur bedingt ähnlich. Wer also Angst hat, den Täter zu früh zu entlarven, dem sei gesagt, das ist gar nicht so einfach.

In gewohnter Manier steigt man in die vermeintliche Idylle eines britischen Dörfchens ein, es wird geklatscht und getratscht als gebe es kein Morgen, jeder kennt irgendwie jeden und natürlich weiß auch jeder irgendwas über seine Nachbarn zu berichten. Das Buch strotzt nur so vor amüsanten Figuren, die sich natürlich auch alle im Verlauf der Geschichte mal verdächtig machen, einfach weil sie Poirot etwas verschweigen, sich merkwürdig benehmen, oder durch ihre Vergangenheit gut ins Profil passen würden. Es gibt AC typisch wieder zig Hinweise, Andeutungen und Nebenhandlungen, von denen man nie weiß, ob sie am Ende wichtig sein werden.

Ein wirkliches Miträtseln ist in diesem Gewirr nicht wirklich möglich und auch, wenn man durch den Film eigentlich in eine gewisse Richtung denkt, kommt die Auflösung dann doch eher überraschend. Trotzdem hat mir das Buch gefallen, es zeigt sehr eindringlich, wie stark Drehbuchautoren die Vorlage oft verändern und mit der Darstellung der etwas nervigen Schriftstellerin Ariadne Oliver hat Agatha Christie ihre Meinung zu diesem Thema auf humorvolle Art und Weise eingebracht. Das Buch fordert eine gewisse Aufmerksamkeit vom Leser, um den Faden nicht zu verlieren, zum Glück gibt es am Ende wieder Poirots typische detailreiche Auflösung und plötzlich ergibt alles einen Sinn.

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Veröffentlicht am 29.01.2026

Reality TV

Die Festung
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Bonnie ist eine der Teilnehmer*innen an einer neuen TV-Show, die sich am Escape Room Konzept orientiert. Schauplatz ist eine stillgelegte Militärfestung mitten im Ärmelkanal, in der Bonnie und ihre Mitstreiter ...

Bonnie ist eine der Teilnehmer*innen an einer neuen TV-Show, die sich am Escape Room Konzept orientiert. Schauplatz ist eine stillgelegte Militärfestung mitten im Ärmelkanal, in der Bonnie und ihre Mitstreiter sich unter ständiger Kamerabeobachtung durch verschiedenen Aufgaben und Rätsel arbeiten müssen. Vom ersten Moment an ist das Ganze irgendwie merkwürdig, es gibt keine Begrüßung bei der Ankunft, kein abschließendes Briefing und vor allem kein Produktionsteam, das das Ganze koordiniert, anscheind ist die Gruppe allein in der Festung.

Die Thematik des Buches ist nicht unbedingt neu, es gab vor einigen Jahren mal die Fernsehshow "Fort Boyard", in der Prominente die verschiedensten Aufgaben in einer alten Militärfestung lösen mussten und auch an Filme wie "Escape Room" fühlt man sich direkt beim Klappentext erinnert. Da ich solche Szenarien eigentlich sehr mag, wollte ich das Buch unbedingt lesen.

Die Figuren sind auf den ersten Blick eine bunt zusammengewürfelte Truppe, doch recht schnell merkt man, dass hier einem bewährten System gefolgt wird. Da gibt es die hübsche Influencerin, die nur auf Clicks aus ist, den großmäuligen Sportler, die schweigsame Außenseiterin, den Nerd, das graue Mäuschen, den Traum aller Schwiegermütter und eben Bonnie, die eher zufällig in das Ganze stolpert. Eine Mischung, wie man sie aus diversen Realityformaten kennt, die aber absolut austauschbar ist. Spannungen sind so natürlich vorprogrammiert, aber leider auch sehr vorhersehbar.

Wärend dem Leser recht schnell klar ist, dass hier so einiges mega falsch läuft, redet und trinkt die Gruppe sich erstmal alles schön und läuft so direkt in ihr vorprogrammiertes Verderben. Als dann bereits klar ist, dass es sich definitiv nicht mehr um ein Spiel handelt agieren die Figuren so, wie es ihre Rolle vorgibt, es gibt irgendwie keine Überraschung für den Leser, die Story plätschert vor sich hin, nur unterbrochen von einigen wenigen Effekthaschereien. Überrascht wurde ich dann allerdings von einer Wendung der Geschichte, die für mich zu einem total unpassenden Zeitpunkt kam. Sie bringt natürlich eine vollkommen neue Dynamik in die Geschichte, weckt zeitgleich eine unglaubliche Erwartungshaltung, die leider aber nicht erfüllt wurde. Ich kann den Gedanken dahinter nachvollziehen und das hätte auch richtig spannend werden können, mich hat es aber nicht überzeugt und irgendwie wirkte das folgende Finale dann auf mich eher gehetzt und unausgewogen.

Die Grundidee, wie gesagt, nicht neu, aber durchaus mit Potential, dass hier nicht ausgeschöpft wurde. Die Figuren flach, ohne Substanz und austauschbar. Die Story in Teilen durchaus spannend und unvorhersehbar, in Teilen aber dann auch wieder ohne Thrill und zu Mainstream. Für Leser, die es ein bisschen ruhiger mögen, oder die noch relativ neu im Genre sind sicher ein guter Einstieg, ich habe da schon weitaus spannenderes gelesen.

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Veröffentlicht am 29.01.2026

Winterliche Klassiker

Die Schneekönigin und andere Wintermärchen
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Ich bin ein ausgesprochener Märchenfan, waren Märchen doch das Erste mit dem ich was das Lesen, bzw Vorlesen betrifft, in Berührung gekommen bin. Märchen haben so quasi den Grundstein gelegt für eine Liebe, ...

Ich bin ein ausgesprochener Märchenfan, waren Märchen doch das Erste mit dem ich was das Lesen, bzw Vorlesen betrifft, in Berührung gekommen bin. Märchen haben so quasi den Grundstein gelegt für eine Liebe, die im Laufe der Jahre nur immer noch größer und größer geworden ist. Natürlich kennen wohl alle die Märchen der Gebrüder Grimm, ich mag aber die von Hans Christian Andersen fast noch mehr, weil sie nicht einfach nur schwarz weiß sind, sondern oft noch so viel mehr dahintersteckt und ganz besonders, weil es in ihnen eben nicht immer heißt - "und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Ende".

In diesem kleinen hübschen Buch aus dem Reclamverlag vereinen sich passend zur Winterzeit die Klassiker "Die Schneekönigin", "Der Tannenbaum" und "Der Schneemann" und natürlich auch "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern", aber auch das wenig bekannte "Der letzte Traum der alten Eiche", "Phantasiestück in eigener Manier", "Bilderbuch ohne Bilder" und das Gedicht "Die Schneekönigin". Abgerundet wird das Ganze durch eine Zeittafel und ein erklärendes Nachwort.

Die enthaltenen Geschichten sind gewohnt melancholisch, nachdenklich und berühren einen beim Lesen. Der Tannenbaum, der sein ganzes Leben davon träumt etwas Besonderes zu sein, der verliebte Schneemann, der einen mit seinen Sehnsüchten nach dem Sommer sehr an Olaf aus "Die Eiskönigin" erinnert und natürlich das kleine Waisenkind, das in einer eisigen Nacht von der Liebe und Geborgenheit einer Familie träumt.

Ein sehr schönes Geschenk für junge Leser, aber auch für erwachsenen Märchenliebhaber.

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Veröffentlicht am 07.01.2026

Neubetrachtung einer Königin

Kleopatra
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Kleopatra, eine der bekanntesten Frauenfiguren der Antike, letzte Königin Ägyptens, Geliebte von Julius Caesar und Marcus Antonius, Mutter von deren Kindern, klug, stark, von atemberaubender Schönheit, ...

Kleopatra, eine der bekanntesten Frauenfiguren der Antike, letzte Königin Ägyptens, Geliebte von Julius Caesar und Marcus Antonius, Mutter von deren Kindern, klug, stark, von atemberaubender Schönheit, die Verführung in Person, aber angeblich auch skrupellos, prunksüchtig, manipulativ, berechnend, gehasst, gefürchtet und der Hexerei bezichtigt. Eine große Herrscherin in einer von Männern dominierten Welt, über die so vieles erzählt wird, über die wir aber eigentlich so wenig wirklich wissen und das was wir wissen ist wiederum fast ausschließlich aus der Sicht von Männern überliefert.

Autorin Saara El-Arifi nähert sich der sagenumwobenen Pharaonin nun von einer neuen Seite an und lässt sie in diesem Buch selbst zu Wort kommen und ihre Geschichte erzählen. Der Leser bekommt einen neuen Blick auf die mächtigste Frau Ägyptens, auf ihre Wünsche, ihre Sorgen, Ängste und Nöte, auf ihre Gefühle, auf ihre Familie, auf die Hierarchien der antiken Welt, auf Kleopatra die Tochter, die Schwester, die Freundin, die Mutter, die Geliebte, die Frau. Ein sehr interessanter Blick, ein sehr persönlicher Blick, aber für mich leider auch ein sehr idealisierter und romantisierter Blick. Ein Blick, wie ich ihn in dieser Form nicht erwartet habe.

Ich kannte bisher keines der Bücher der Autorin, vielleicht liegt darin meine Enttäuschung begründet, hätte ich doch sonst eher geahnt was mich hier erwartet. Es ist nicht so, dass mich die Autorin nicht fesseln konnte, ganz im Gegenteil. Sie versteht es auf unglaublich virtuose Weise die Geschichte eines orientalischen Traums zu erzählen, ihre Bilder sind üppig wie Kleopatras Reichtum, ihre Sprache fließt dahin wie der göttliche Nil, sie versteht es eine Epoche und die Menschen darin auferstehen zu lassen und obwohl sie sich an viele historisch belegte Fakten hält, ist mir ihre Darstellung zu frei interpretiert.

Natürlich wusste ich von vornherein, dass ich hier keine Dokumentation vor mir habe, kein geschichtliches Sachbuch, oder eine historisch korrekte Biographie, aber irgendwie hatte ich eben trotzdem eine ganz andere Erwartungshaltung. Irgendwie habe ich eher an etwas in Richtung der Bücher von Madeline Miller gedacht, ein neuer Blick auf eine missverstandenen Frauenfigur, deren Leben ausschließlich von Männern erzählt und bewertet wird. Bekommen habe ich die Erzählung einer zweifellos starken Frau, die sich immer etwas anderes für ihr Leben gewünscht hat, die als mächtigste Frau ihres Landes so viele Möglichkeiten gehabt hätte und die sich am Ende doch wieder nur über die Männer in ihrem Leben definiert. Allein dieses sich Fügen in die aufgezwungene Rolle der machtgierigen Verführerin, ganz so als hätten die Männer so gar keinen Anteil an dem Ganzen, als wären sie willenlose Opfer, dieses - sie halten mich eh für eine Hu..., also kann ich mich auch wie eine benehmen. Ich weiß auch nicht, da sträubt sich was in mir und kollidiert mit dem Bild das ich von Kleopatra habe.

Wie schon gesagt, ich habe das Buch in der Gesamtheit unglaublich gern gelesen und wäre es die Geschichte einer fiktiven ägyptischen Prinzessin, super, dann hätte ich das Buch sicher mehr gefühlt, auch wenn das Ende, bei dem sich die Autorin doch stark bei Shakespear bedient, so gar nicht meins war. So aber, mit dem Anspruch ein neues Bild von Kleopatra zu zeichnen, ist mir das ganze zu sehr auf die Romantasy Schiene geraten und eher etwas das meine Töchter gerade lesen würden. Schreiben kann die Autorin ohne Frage und das Buch wird mit Sicherheit seine Fanbase finden, ich war wahrscheinlich einfach nicht ganz der passende Leser.

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Veröffentlicht am 07.01.2026

Eingeschneit mit einem Mörder?

Gravewater Lake
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Eine junge Frau erwacht verletzt am Ufer eines Sees, es ist mitten im Winter, eisig kalt und sie hat keine Ahnung, wer sie ist und was ihr passiert ist, sie weiß nur eins, wenn sie nicht schnell von hier ...

Eine junge Frau erwacht verletzt am Ufer eines Sees, es ist mitten im Winter, eisig kalt und sie hat keine Ahnung, wer sie ist und was ihr passiert ist, sie weiß nur eins, wenn sie nicht schnell von hier wegkommt, wird sie erfrieren. Mit letzter Kraft schleppt sie sich auf ein Licht in der Nähe zu, das sie glücklicherweise zu einem Haus führt und direkt in die Arme dessen Besitzers. Gregg ist sichtlich überrascht von der nächtlichen Besucherin, um so mehr, da diese anscheinend nach einem heftigen Schlag auf den Hinterkopf unter Amnesie leidet.

Gravewater Lake ist ein klassisches "Locked Room" Szenario, eine kleine Gruppe von Personen, hier Gregg und Anna, wie man beschließt die mysteriöse Frau zu nennen, sind durch einen Schneesturm von der Außenwelt abgeschnitten und versuchen herauszufinden, was mit Anna passiert ist. Handyempfang gibt es natürlich nicht, Internet und Fernsehempfang ist ausgefallen, die Straße durch den Schnee unpassierbar und ein Räumfahrzeug in der abgelegenen Gegend nicht in Sicht. Wenn es einen Angriff auf Anna gegeben hat, dann muss sich der Täter in der Nähe befinden und natürlich suggeriert alles an der Geschichte, dass es sich dabei durchaus um Gregg handeln könnte.

Das Autorenduo hat es eigentlich recht schnell geschafft mich in die Story hineinzuziehen, ich mag diese Art Geschichte sehr gern, diese Mischung aus klassischer Crimestory, ein bisschen Mystery, ein bisschen Grusel und viel Psychothrill. Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen und ich habe das Buch tatsächlich an einem Sonntag weggelesen. Die Geschichte gliedert sich in zwei Handlungsstränge, einmal die Geschehnisse um Anna und Gregg und einmal um Adria, eine junge Frau, die herausfindet, dass ihr Mann offenbar nicht der ist, der er vorgibt zu sein. An diesem Punkt fängt es für mich nun an kompliziert zu werden und ich muss unglaublich aufpassen nicht zu spoilern, denn das wäre absolut fatal.

Wie schon gesagt, die Story ist vom Grund her ganz meins, die Kurzbeschreibung hat mich direkt neugierig gemacht und ich bin richtig gut ins Buch gestartet. Die Atmosphäre nimmt einen gleich gefangen, man ist als Leser sofort bei Anna und Adria, nimmt Anteil an ihren Problemen, möchte ihnen beistehen, sie vor Gefahren warnen, sie beschützen. Leider machen es die Beiden dem Leser nicht einfach, denn natürlich handeln sie wider jeglicher Vernunft und begeben sich sehenden Auges in Gefahr. Hier hat mich die Geschichte dann auch etwas verloren, denn das Verhalten von Anna, so allein mit einem Fremden, war mir dann doch zu arglos und leichtsinnig, für mich nicht unbedingt passend zu einer Person, die gerade angegriffen wurde und unter Gedächtnisverlust leidet. Hier wird mir die Geschichte dann mehr und mehr unrealistisch und bedient dann auch promt noch ein paar Klischees, die ich nicht unbedingt gebraucht hätte. Natürlich bin ich mir bewusst, dass ich hier Fiktion vor mir habe, aber es stößt mir halt immer etwas auf, wenn sich die Figuren dann so extra realitätsfern verhalten, oder noch ein Detail dazukommt. Das kann halt leider schnell zu viel werden und eher die Verwirrung fördern, als die Spannung und das kann dann auch der wendungsreiche Showdown nicht mehr rausreißen.

Gravewater Lake ist ein Buch, dass man glaubt recht schnell durchschaut zu haben, das einen aber eines Besseren belehrt. Die Geschichte ist stellenweise wirklich gut konstruiert, verliert sich aber auch schnell in immer neuen Details, wirkliche Spannung kommt bis zum Finale nur selten auf und wenn dann eher auf der subtilen, psychologischen Ebene. Ich habe das Buch nicht ungern gelesen, wurde gut unterhalten und habe mich am Ende sogar an ein, zwei Storys meines Lieblingsautors erinnert gefühlt, konkret könnte ich nicht genau sagen an welchem Punkt die Story für mich abgedriftet ist, nur eben, dass es im Rückblick so war.

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