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Veröffentlicht am 07.01.2026

Was fürs Herz

Der kleine Lord
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Der kleine Cedric lebt mit seiner Mutter in einfachen Verhältnissen in New York und bemüht sich rührend um sie, seit der Vater verstorben ist. Die Nachricht, dass sein Vater ein Lord und der einzige verbliebene ...

Der kleine Cedric lebt mit seiner Mutter in einfachen Verhältnissen in New York und bemüht sich rührend um sie, seit der Vater verstorben ist. Die Nachricht, dass sein Vater ein Lord und der einzige verbliebene Erbe des englischen Familienbesitzes war, bringt das Leben der kleinen Familie gehörig durcheinander, schließlich war Cedrics Großvater bisher nicht begeistert von der wenig standesgemäßen Heirat seines Sohnes, muss nun aber, aus der Not heraus einen Erben zu bestimmen, Kontakt aufnehmen.

Jeder kennt wahrscheinlich die bekannte Verfilmung des Stoffes mit Alec Guinness als kaltherzigen englischen Adligen, der den Enkel als Erben nach England kommen lässt und dabei die Mutter des Jungen so absolut und vollkommen ignoriert, wie es nur irgend geht und wie dieser kleine Junge, engelsgleich das Herz des Alten erobert und diesen zu einem besseren Menschen macht. Reichlich rührselig, aber so ans Herz gehend, dass der Film natürlich perfekt in die Weihnachtszeit passt und daher im deutschen Fernsehen ebenso Tradition ist, wie die Verfilmung von "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel". Ich muss gestehen, dass ich mich dem Film lange verweigert habe, das war mir zu viel offenkundiger Kitsch und zu viel Herzschmerz und überhaupt zu viel von allem. Nachdem ich ihn dann aber doch gesehen habe, konnte ich die Anziehungskraft dahinter durchaus nachvollziehen, stillt die Geschichte doch in unvergleichlicher Art das Bedürfnis nach Harmonie und heile Welt.

Die ursprüngliche Geschichte hat jetzt zwar gar nichts mir Weihnachten zu tun, das tut dem Leseerlebnis allerdings keinen Abbruch. Natürlich merkt man der Geschichte ihr Alter in Stil und Sprache sehr an, stellenweise kann sie sogar etwas anstrengend werden, aber das ist bei Jane Austen auch manchmal der Fall. Was mich allerdings doch mehr als einmal hat stocken lassen ist einfach die doch sehr plakative Darstellung von Gut und Böse, der engelsgleiche blonde Cedric, seine ebenso engelsgleiche, gütige, hilfsbereite, aufopfernde Mutter, die ihr Wohl absolut und uneingeschränkt dem ihres Kindes unterordnet und dem gegenüber der kaltherzige Großvater, blind gegenüber den Nöten und Bedürfnissen seiner Pächter, unversöhnlich was die Lebensentscheidungen seiner verstorbenen Kinder angeht, selbst nie in der Lage ihnen gegenüber Liebe zu empfinden und später im Buch auch noch die vermeintliche Witwe seines anderen Sohnes, die Ansprüche für ihr eigenes Kind anmeldet und als absolut verdorben dargestellt wird. Sicher entspricht all dies dem Empfinden der Zeit, kann aber auch leicht zu viel werden aus moderner Sicht.

Das Buch ist unbestreitbar ein Klassiker, den man nicht nur zur Weihnachtszeit lesen kann und auch sollte. Natürlich muss man ein bisschen auf Kitsch und dieses heile Welt Gefühl stehen, aber letztlich tut ein bisschen Kitsch keinem weh und was fürs Herz ist der kleine Lord Fauntleroy allemal.

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Veröffentlicht am 07.01.2026

Schwieriger Ermittler

Sieben Gräber für den Winter
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Constable David Maratse, Ermittler der grönländischen Polizei hat bei seinem letzten Einsatz schreckliches erlebt und ist von den Folgen noch deutlich gezeichnet, seelisch wie körperlich. Um endlich zur ...

Constable David Maratse, Ermittler der grönländischen Polizei hat bei seinem letzten Einsatz schreckliches erlebt und ist von den Folgen noch deutlich gezeichnet, seelisch wie körperlich. Um endlich zur Ruhe zu kommen zieht er sich in eine abgelegene Siedlung zurück, doch auch hier bleibt er nicht lange vor Gewalt und Tod geschützt, den als die übel zugerichtete Leiche der siebzehnjährigen Tinka aus dem Meer gezogen wird beginnt er wieder zu ermitteln und das auf direkten Wunsch ihrer Mutter, der amtierenden Ministerpräsidentin.

Ich liebe eigenwillige, schwierige Charaktere, gerade in Krimis und so war ich von Maratses Beschreibung direkt angesprochen. Auch meine Liebe zu nordischen Krimis und Thrillern mit ihrer einzigartigen Athmosphäre war der Grund dafür, warum ich mich für dieses Buch entschieden habe. Die Atmosphäre ist dann auch besonders, man bekommt als Leser einen schönen, aber leider auch etwas desillusionierend Blick auf die wundervolle eisige Landschaft, denn der Autor lässt keinen Zweifel daran, wie hart das Leben für die Menschen im Winter hier sein kann. Desillusionierend ist aber auch der Blick auf die politische Atmosphäre im Land, die für den Kriminalfall eine große Rolle spielt, den hier gibt es große Spannungen im Bezug auf die Zugehörigkeit Grönlands zu Dänemark. Leider kommt einem hier Einiges durchaus bekannt vor, den die populistischen Phrasen zur nationalen Identität bekommt man auch andernorts zu hören.

Politik und Krimi sind nun leider zwei Thematiken, die bei mir nur bedingt zusammen funktionieren, es kann passen, wird mir aber auch schnell zu viel und das war hier leider der Fall. Diese ganzen Intriegen und Machtspiele nur um sein politisches Image aufzubessern und bei der anstehenden Wahl besser dazustehen und dafür sogar sprichwörtlich über Leichen zu gehen, das ganze Saubermann Getue für die Öffentlichkeit, um dann im Privaten förmlich im Schlamm zu baden und das in Verbindung mit einem Kriminalfall und der kauzig, abweisenden Art der Ermittlerfigur konnte mich nicht wirklich fesseln. Mir mangelt es an der Tiefe der Figuren im Hinblick auf ihre Motive und leider auch an Spannung. Klar kann ich von einem körperlich beeinträchtigten Ermittler keine spritzige Verfolgungsjagd erwarten, aber Spannung kann man auch auf andere, subtilere Art erzeugen.

Maratse ist eigentlich eine Figur ganz nach meinem Geschmack, ich bin mir aber nicht sicher, ob ich seinen Werdegang weiterverfolgen werde.

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Veröffentlicht am 07.01.2026

Eigenwillige Ermittlerin

Rostiges Grab
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Vor zehn Jahren wurde die junge Elena ermordet in der verlassenen Torffabrik ihrer Familie gefunden, Hauptverdächtiger ihr Ehemann. Bis heute fehlt von diesem aber jede Spur und der Fall liegt als Cold ...

Vor zehn Jahren wurde die junge Elena ermordet in der verlassenen Torffabrik ihrer Familie gefunden, Hauptverdächtiger ihr Ehemann. Bis heute fehlt von diesem aber jede Spur und der Fall liegt als Cold Case bei den Akten. Als zwei Influencer den Ort besuchen um Content für ihren Podcast zu filmen werden sie nicht nur von einem Unwetter überrascht, sondern auch von einer offensichtlich geistig verwirrten Frau, die zu allem Überfluss auch noch einen abgetrennten Finger bei sich hat. Einen Finger, der eindeutig zu Elena gehört.

Rostiges Grab ist bereits der dritte Band rund um die eigenwillige Ermittlerin Leo Asker. Ich kannte die ersten Bücher nicht und habe auch nicht wirklich etwas an Vorkenntnissen vermisst beim Lesen. Natürlich gibt es einige Hinweise auf Leos bisheriges Leben, die schwierige Beziehung zu ihrem Vater, der hier und auch in den vorigen Büchern eine wichtige Rolle spielt, die Hintergründe für ihre Versetzung in die "Abteilung für verlorene Seelen", ein Sammelbecken für Beamte, die aus den verschiedensten Gründen nicht mehr an vorderster Front ermitteln und hier, im Kellergeschoss, nun an Akten arbeiten, für die sich kein anderes Resort zuständig fühlt und natürlich ihre Beziehung zu Martin Hill, ihrem Jugendfreund. Was für den aktuellen Fall wichtig ist war für mich gut aus den enthaltenden Informationen herauszulesen und letztlich macht mich das, was ich noch nicht wirklich weiss, neugierig auf die anderen Bücher und da das Buch mit einem ziemlichen Cliffhanger im Bezug auf Leos Vater endet, deshalb denke ich, es wäre an diesem Punkt aber wirklich besser erst die Vorgänger zu lesen.

Andreas De La Motte schreibt fesselnd und schafft es gut Spannung aufzubauen, auch wenn mir dabei manchmal etwas Tempo gefehlt hat, das dann an anderer Stelle wieder zu flott ging. Die Geschichte läuft auf mehreren Ebenen, so folgt der Leser abwechselnd Asker und Hill bei ihren Ermittlungen und Alleingängen und taucht zusätzlich dazu durch die Gedanken des "Graumädchens" noch in die mysteriöse und bedrohliche Atmosphäre des Rostkogen ein, jenem düsteren, unheilbringenden Wald, in dem die Torffabrik steht. Der Autor verbindet hier geschickt verschiedene Elemente, den Cold Case um den Mord an Elena, den Aberglauben rund um heidnische Opferrituale, Korruption bei den Behörden, Vertuschung von Straftaten, Erpressung, Missbrauch, Gewalt, Bestechung und nicht zuletzt Askers komplizierte Familie. Vielleicht manchmal etwas viel, aber in der Gesamtheit passt es halt gut, weil viele dieser Themen sich aus den vorigen Büchern ableiten und auch in den folgenden noch eine Rolle spielen werden.

Der Einstieg in das Buch ist mir sehr leichtgefallen, Schwierigkeiten hatte ich kurz mit der Tatsache, das Leo und Martin meist mit ihrem Nachnamen betitelt werden und auch die einzelnen Kapitel so überschrieben sind, zu dem bin ich mir der Beziehung, die die Beiden zueinander haben nicht ganz warm geworden. Die ständigen Alleingänge wegen fehlender Kommunikation und verletztem Ego waren nervig und haben die Handlung natürlich unnötig, aber für den Spannungsbogen wichtig, verkompliziert. Hier war ich manchmal schon etwas genervt, verstehe aber, dass der Autor dieses Stilmittel bewusst gewählt hat und es numal auch zum Charakter seiner Figuren passt.

Mir hat die Lektüre gut gefallen und ich werde mir auf jeden Fall die anderen Bücher vornehmen, bevor ich die Reihe weiterverfolge.

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Veröffentlicht am 20.11.2025

Fünf vor zwölf?

Am Kipppunkt
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Wann wirds mal wieder richtig Sommer heißt es in einem Schlager, ein Sommer wie er früher einmal war? Wenn man sich die aktuelle Entwicklung einmal ansieht wahrscheinlich nie wieder, haben wir es doch ...

Wann wirds mal wieder richtig Sommer heißt es in einem Schlager, ein Sommer wie er früher einmal war? Wenn man sich die aktuelle Entwicklung einmal ansieht wahrscheinlich nie wieder, haben wir es doch in den letzten Jahren recht erfolgreich geschafft unser Klima negativ zu beeinflussen. Da werden Kinder ohne schlechtes Gewissen im SUV die 500m bis zur Schule gefahren, Kreuzfahrten mit dieselfressenden Megaschiffen in die letzten intakten Ökosysteme der Welt unternommen, Regenwälder abgeholzt um Platz für Sojaplantagen zu schaffen, oder Monokulturen angepflanzt um ausreichend Futtermittel für Nutztiere zu bekommen, die letztlich als Schnitzel auf unserem Teller landen. Schon heute sind die Auswirkungen unseres Raubbaus an der Natur überall zu spüren, schmelzende Polkappen, Überschwemmungen, Stürme, Dürreperioden hier, sintflutartige Regenfälle dort, Waldbrände, sterbende Korallen, auftauender Permafrostboden, die Liste ist lang und beängstigend.

"Am Kippunkt" geht nun der Frage nach, ob die Menschheit sich schon ihr eigenes Grab geschaufelt hat und es quasi eigentlich egal ist, was wir noch versuchen, hilft eh nichts mehr, oder, ob all diese Bemühungen das Ruder vielleicht doch noch herumreißen können. Die Autoren nähern sich der Thematik von mehreren Seiten und haben zu den verschiedenen Punkten unglaublich detailliert recherchiert. Das Wissen, das so im Buch vermittelt wird, ist unglaublich umfangreich und interessant, liest sich dabei aber sehr anschaulich und verständlich. So erfährt man zb mehr über die Entstehung von Gletschern und den Faktoren, die ihren Rückgang bedingen, über das Zusammenspiel der Meeresströmungen, ihre Bedeutung für die Temperaturen in den verschiedensten Regionen, über die Prozesse, die das Eis in der Polarregion schmelzen lassen, oder wie empfindlich Korallen auf die kleinsten Temperaturschwankungen reagieren. Es werden aktuelle Forschungsergebnisse analysiert, die beteiligten Wissenschaftler kommen zu Wort, auch, wenn sie mit ihrer Forschung nicht unbedingt zu einheitlichen Ergebnissen kommen.

Einheitliche Ergebnisse, bzw konkrete Aussagen liefert das Buch nicht, es wird schnell klar, dass es diese eine Lösung des Problems, dieses eine Parameter, das wir ändern müssen, diese exakte Obergrenze bei der Erderwärmung, die es zu halten gilt, eben nicht gibt. Wir haben unwiderruflich Prozesse in Gang gesetzt, die nun nicht mehr umkehrbar sind, die aber deshalb nicht gleich den Untergang der Menschheit bedeuten. Fest steht, dass sich unser Leben grundlegend verändern wird, für unsere Generation nicht unbedingt mehr so radikal spürbar, für folgende dagegen sehr.

In dieser Beziehung macht das Buch ein klein wenig Hoffnung, denn auch wen ich beim Lesen ständig das Szenario von Roland Emmerichs "The Day after Tomorrow" vor Augen hatte, das sich an einigen sehr realen Problemen orientiert, sind wir hiervor erstmal sicher. Trotzdem kein Grund um aufzuatmen, oder den Klimawandel gar zu leugnen, im Grunde ist es nicht fünf vor zwölf, sondern eher fünf nach. Sehr interessant war es für mich zu lesen, wie andere Länder mit der Problematik umgehen, denn auch wenn Deutschland unter Angela Merkel schon recht früh Klimaziele definiert hat, sind wir in der Umsetzung ganz weit hinten und über den Boom bei Photovoltaik leider nicht hinausgekommen. Lernen können wir hier von den skandinavischen Ländern, von sogenannte Dritte Welt Ländern wie Äthiopien, oder der ungeliebten Weltmacht China.

Ich müsste lügen, würde ich sagen, dass sich das Buch nicht manchmal auch etwas gezogen hätte. Die Autoren schaffen es aber immer wieder mich mit ihren Erkenntnissen und der Gegenüberstellung positiver und negativer Möglichkeiten zurück ins Geschehen zu holen. Das Buch vermittelt viel Wissen, gibt unzählige Denkanstöße, unterstreicht die Dringlichkeit, ohne dabei aber die ganze Zeit mit dem erhobenen Zeigefinger zu drohen. Für alle Interessierten definitiv zu empfehlen und wenn man mitreden können will sowieso.

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Veröffentlicht am 20.11.2025

Krimi der besonderen Art

Der Schneider von London
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Achille Perrot findet es wird mal wieder Zeit seinem Londoner Schneider einen Besuch abzustatten, unerfreulich nur, als zum vereinbarten Termin eben dieser verhindert ist und Achille sich unvermittelt ...

Achille Perrot findet es wird mal wieder Zeit seinem Londoner Schneider einen Besuch abzustatten, unerfreulich nur, als zum vereinbarten Termin eben dieser verhindert ist und Achille sich unvermittelt dessen Bruder gegenübersieht. Unverrichteter Dinge verlässt Perrot das Geschäft, natürlich mit der Ankündigung seiner baldigen Rückkehr und mit dem Geruch von Amber in der Nase, nicht ahnend, dass ihn dieser Duft in den nächsten Tagen verfolgen wird.

Im vierten Buch der Reihe, rund um den fiktiven Enkel des berühmten Hercule Poirot, lässt Autorin Crysta Winter ihre Hauptfigur erstmals selbst zu Wort kommen und als Ich - Erzähler agieren. Wenn man Achille bereits kennt, bekommt man so einen ganz anderen, intensiveren, aber oft auch frustrierenden und verwirrenden Einblick in dessen Gedankenwelt, sollte man ihn mit diesem Buch erst kennenlernen, dann bitte nicht abschrecken lassen, es lohnt sich wirklich seine Bekanntschaft zu machen. Achille ist, wie auch sein berühmter Großvater eine ganz spezielle Persönlichkeit, ein loyaler, leider nicht unbedingt immer mitteilsam Freund und natürlich ein brillanter Ermittler.

Wer, so wie ich, auf spezielle Ermittlerfiguren steht, wird dies hier definitiv finden und auch das Setting der Geschichte tut hier ihr Übriges. Passend zu Perrot Wesen wird der Leser in ein London entführt, das anmutet wie zu Zeiten Jack the Rippers, oder Sherlock Holmes. Der Leser besucht nicht nur eine fantastisch anmutende Menagerie der Künste, sondern macht auch die Bekanntschaft mit einer, wie aus der Zeit gefallen wirkenden, geheimnisvollen Dame und tauch tief ab in die düstere, viktorianisch angehauchte Atmosphäre verwinkelter Gassen und Parks. Beim Lesen verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion noch stärker, als sie es ohnehin schon tun, denn man vergisst fast, dass das Buch eigentlich im Jetzt spielt und ist immer wieder übereascht, wenn man darauf durch ein kleines Detail hingewiesen wird.

Das Buch entwickelt einen ganz eigenen und unvergleichlichen Charme, den die Autorin noch durch ihre besondere Art zu Schreiben unterstützt. Anfangs hatte ich damit etwas Schwierigkeiten, obwohl ich schon die anderen Bücher der Autorin kenne. Der Schreibstil ist sehr präzise und direkt, kommt oft mit ganz kurzen, manchmal sogar nur aus einem Wort bestehenden Sätzen aus und ist schon auch etwas anspruchsvoll. Mich hat er stellenweise in meinem Lesefluss ausgebremst, wobei das durchaus ein positiver Effekt ist, wurde ich doch hier zur Konzentration gezwungen, dazu, mich auf die Geschichte einzulassen, der Tiefe und den Nuancen nachzuspüren, um nichts zu überlesen. Das ist anstrengend, ungewohnt, aber eben absolut passend zu Perrots Figur und dem Kriminalfall.

Wer bei diesem Kriminalfall ein spannungsgeladenens Feuerwerk inklusive Verfolgungsjagd und Schießerei erwartet, wird leider enttäuscht. Auch hier folgt Perrot ganz seinem berühmten Vorfahren, die Ermittlungsarbeit ist geprägt vom Einsatz der kleinen grauen Zellen, die zur Regeneration natürlich ausreichend Schlaf, gutes Essen und anregende Gespräche benötigen.

Crysta Winter liefert hier einen Krimi mit allen klassischen Elementen, wie man sie auch bei Agatha Christie, oder Arthur Connan Doyle und ihren Figuren findet, individualisiert das aber durch ihre ganz eigene Art eine Geschichte zu erzählen. Vielleicht trifft sie damit nicht unbedingt den Geschmack der breiten Masse, aber das ist vollkommen okay, ich gehöre gern zu einer elitären kleinen Minderheit.

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