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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.08.2021

Langatmig aber mit Potenzial

Das Reich der Asche - Realm Breaker 1
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Zugegeben war ich kein Fan von Victoria Aveyards erster Reihe, da diese für mich zu jugendlich und klischeehaft war. Das Reich der Asche wurde nun damit beworben, dass es „erwachsener, düsterer und tiefgründiger“ ...

Zugegeben war ich kein Fan von Victoria Aveyards erster Reihe, da diese für mich zu jugendlich und klischeehaft war. Das Reich der Asche wurde nun damit beworben, dass es „erwachsener, düsterer und tiefgründiger“ sei, was ich definitiv bejahen kann.
An sich hat das Buch auch das Potenzial besessen mich zu begeistern. Es überzeugte direkt mit der tollen Karte, die eine große und komplexe Welt verspricht und beginnt mit einem düsteren Prolog, der mich zwar größtenteils verwirrt hat, aber auch eine gewisse Spannung erzeugen konnte. Anschließend lernen die Leserinnen nach und nach die unterschiedlichen Protagonistinnen kennen, die Perspektive springt dabei zwischen den wichtigsten Personen hin und her, wobei Corayne meist im Fokus stand. Der Wechsel zwischen so vielen Perspektiven sorgt dafür, dass ich die Beweggründe der einzelnen Charaktere besser verstehen und mich gut in die einzelnen Protagonistinnen hineinversetzen konnte, gleichzeitig dauerte es aber auch unheimlich lange bis ich in die Geschichte hineingefunden hatte. Immer neue Namen und Orte werden präsentiert und erst mit der Zeit finden die einzelnen Stränge zueinander und alles wird etwas verständlicher. Nachdem es kurzzeitig etwas spannender wurde, vieles endlich klar war und ich ein Gefühl für die Protagonistinnen bekommen habe zog sich das Buch leider wieder über hunderte Seiten in die Länge, bis der eigentliche Showdown auf knapp 30 Seiten abgehandelt wurde. Teilweise war das nachvollziehbar und lag daran, dass der Fokus auf den einzelnen Charakteren und ihrer Entwicklung lag, trotzdem sollte ein 600 Seiten langes Buch für meinen Geschmack etwas mehr Handlung mitbringen.

Die grundsätzliche Story beruht auf der klassischen Fantasyromanhandlung bei der eine Auserwählte das Ende der Welt verhindern muss. Corayne selbst blieb meiner Meinung nach jedoch die meiste Zeit eher im unscheinbar, obwohl ihr so viel Fläche eingeräumt wurde. Ihre Begleiterinnen konnten davor umso mehr hervorstechen und durch ihre interessanten Hintergründe oder ihre gelungenen Persönlichkeiten glänzen. Hier hätte ich mir bei einigen gewünscht mehr über sie und ihre Beweggründe zu erfahren, aber das kann natürlich in den Fortsetzungen noch passieren. Die Truppe aus der Piratentochter Corayne, einem Unsterblichen, einer Meuchelmörderin, einem Knappen und einigen weiteren Wegbegleitern war jedenfalls das Beste an dem Buch und hat einiges herausgeholt.

Der Schreibstil des Buches war um einiges anspruchsvoller als bei Aveyards erster Reihe, es gibt viele detaillierte Beschreibungen, ein ausgearbeitetes Worldbuilding und eine komplexere Handlung. Allerdings waren die Beschreibungen teilweise fast zu detailliert und insbesondere Dinge, die nicht wirklich relevant waren, wurden hervorgehoben, während es mir bei den Umgebungsbeschreibungen oft an Bildhaftigkeit fehlte. Trotzdem konnte man eine Entwicklung bei der Autorin sehen, was mir gut gefallen hat.

Für einen flüssigen Einstieg in die Reihe gab es leider zu viele Perspektiven und zu wenig Handlung für meinen Geschmack. Einige Protagonist
innen und die grundsätzliche Handlung bieten viel Potenzial für die Fortsetzungen, allerdings hoffe ich, dass das Erzähltempo in diesen angezogen wird. Fans von „die rote Königin“ würde ich das Buch nur bedingt weiterempfehlen, da die beiden Reihen nicht viel gemeinsam haben und „das Reich der Asche“ wesentlich stärker an High Fantasy orientiert ist als die Vorgängerreihe. Insgesamt gebe ich 3 Sterne.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.08.2021

Lohnenswert

The Watchers - Wissen kann tödlich sein
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„The Watchers“ ist bereits der dritte Near Future Thriller, den John Marrs in dieser wage zusammenhängenden Reihe veröffentlicht hat. Der Roman beschäftigt sich mit den technologischen Fortschritten, die ...

„The Watchers“ ist bereits der dritte Near Future Thriller, den John Marrs in dieser wage zusammenhängenden Reihe veröffentlicht hat. Der Roman beschäftigt sich mit den technologischen Fortschritten, die es möglicherweise in den nächsten Jahren geben könnte und dreht sich nach Partner finden per DNA-Match (The One) und autonomen Fahrzeugen (The Passengers) nun um die Möglichkeiten Staatsgeheimnisse sicher vor Hackern zu verstecken.

Nachdem vorherige Versuche, die Geheimnisse sicher zu lagern, gescheitert sind beschließt die britische Regierung die Informationen in genetischen Code umzuwandeln und ausgewählten Zivilisten zu implantieren. Im Austausch dürfen die so genannten Wächter mit einer neuen Identität und ohne Geldprobleme ihr Leben verbringen. Allerdings macht schon bald jemand Jagd auf sie, sodass sie niemandem mehr vertrauen können.

Die Handlung wird, wie bereits von Marrs bekannt, abwechselnd aus den verschiedenen Perspektiven der einzelnen Wächter erzählt. Dadurch bekommen die Leser*innen einen umfangreichen Rundumblick über die Gründe für den Eintritt der einzelnen Personen in das Programm, insbesondere aber auch auf die unterschiedlichen Auswirkungen, die die Implantation auf sie hat und wie sie mit ihrem neuen Leben umgehen. Die kurzen Kapitel mit den vielen Perspektivwechseln sorgen dafür, dass die Handlung schnell voranschreitet und keine größeren Längen entstehen, gleichzeitig dauerte es aber bis ich einen Überblick über die einzelnen Charaktere hatte und sie richtig zuordnen konnte.

Im Buch gibt es zahlreiche Anspielungen auf die beiden Vorgängerbände, die teilweise Spoiler enthalten, sodass ich nur empfehlen kann die Bücher in der Veröffentlichungsreihenfolge zu lesen. Trotzdem werden die Inhalte aus den Vorgängern so integriert, dass das Buch auch als Einzelband lesbar ist.

The Watchers besitzt eine konstante Spannung, da es immer wieder Vorgeschichten gibt, die nach und nach enthüllt werden, während die Bedrohung für die Wächter immer größer wird. Im Mittelteil wurde es kurzzeitig etwas ruhiger, im Gesamtbild war dieser Abschnitt aber trotzdem notwendig um den Übergang in das neue Leben der Wächter zu zeigen.

Insgesamt ist es ein lohnenswerter Near-Future-Thriller, bei dem die einzelnen Erzählstränge gelungen verknüpft sind, immer wieder spannende Wendungen auftreten und der eine unheimliche Aktualität mitbringt. Von mir gibt es daher 4,5 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.08.2021

Grandioser Auftakt

Skyward - Der Ruf der Sterne
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Ich wollte schon lange mal ein Buch von Brandon Sanderson lesen, das wunderschöne Cover und der Klappentext seines neusten Werkes haben mich aber endgültig überzeugt, sodass endlich der richtige Zeitpunkt ...

Ich wollte schon lange mal ein Buch von Brandon Sanderson lesen, das wunderschöne Cover und der Klappentext seines neusten Werkes haben mich aber endgültig überzeugt, sodass endlich der richtige Zeitpunkt gekommen war.

Spensa lebt gemeinsam mit zahlreichen anderen Menschen seit einem Raumschiffabsturz vor vielen Jahren in einem Höhlensystem auf einem verlassenen Planeten. Durch den Verrat, der ihrem Vater vorgeworfen wird, ist sie nur motivierter eine ruhmreiche Pilotin zu werden und die Menschen vor den Krell zu verteidigen. Trotz ihrer guten Leistungen steht dem jedoch einiges im Wege. Anfangs war sie für meinen Geschmack etwas zu draufgängerisch und hat meistens gesagt und getan, was ihr in dem Moment in den Sinn kam. Mit der Zeit hatte ich aber das Gefühl, dass sie charakterlich aus der Situation gelernt hat, reflektierter wurde, auch mal ihre eigene Meinung überdacht hat, sich entschuldigen konnte und insgesamt gewachsen ist. Dadurch konnte sie mir immer mehr ans Herz wachsen.

Da sie einen Großteil der Handlung relativ isoliert verbringt, hat es lange gedauert bis die Nebencharaktere einen größeren Raum bekamen. Trotzdem hatte ich nicht das Gefühl das etwas fehlte und besonders gegen Ende auch langsam eine Bindung zu einigen anderen Protagonist*innen. Schön fand ich aber auch, dass dieses Buch, trotz der Zielgruppe „junge Erwachsene“ keine Liebesgeschichte enthält, sondern der Fokus auf der Charakterentwicklung und der Handlung liegt.

Die Handlung selbst braucht eine Weile um in den Gang zu kommen, konnte mich aber durch die Details und den interessanten Weltaufbau von Anfang an packen. Natürlich kommt ein Sci-Fi Buch nicht ohne technische Details aus, diese wurden aber verständlich erklärt und wiederholten sich auch öfters in der Handlung, sodass ich schnell ein gutes Verständnis für die einzigen Funktionen der Raumschiffe bekommen konnte. Die Handlung rund um den laufenden Krieg bleibt lange eher wage, erst gegen Ende erfährt man mehr, allerdings ist klar erkennbar, dass der Fokus in Band 2 mehr darauf liegen wird. Insgesamt war die Handlung aber logisch und hatte eine passende Komplexität. Auch gab es immer mal wieder sehr humorvolle Szenen, die genau meinem trockenen Humor entsprochen haben und dem Buch nochmal das gewisse Etwas gegeben haben.

Insgesamt war es ein gelungener Auftakt, der das richtige Maß an Komplexität, technischen Erklärungen, Charakterentwicklung und Humor hatte um mich zu begeistern. Daher gibt es 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 02.08.2021

Gelungene Mischung aus Space-Opera und Krimi

Der dunkle Schwarm
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Der dunkle Schwarm ist bereits vor einem Jahr als Hörbuch auf Audible erschienen und wurde nun auch als Buch veröffentlicht. Da die Story als Hörbuch konzipiert ist besteht das Buch aus 10 Folgen, die ...

Der dunkle Schwarm ist bereits vor einem Jahr als Hörbuch auf Audible erschienen und wurde nun auch als Buch veröffentlicht. Da die Story als Hörbuch konzipiert ist besteht das Buch aus 10 Folgen, die jeweils 4 Unterkapitel besitzen und auch in sich teilweise kleine Spannungsbögen besitzen, auch wenn das gesamte Buch auf einen großen Showdown hinarbeitet.

Das Worldbuilding ist, wie auch bei Neon Birds, unheimlich gut gelungen und die futuristische Welt hat mich von Anfang an fasziniert. Besonders die Grundidee der Vernetzung durch Hives, die sämtliche altmodische Kommunikations-Technologien ersetzen hat mir gut gefallen.

Die Protagonist*innen wurden mit der Zeit immer sympathischer. Anfangs wirkt Atlas ziemlich egoistisch und nutzt ihre Fähigkeit sich in Hive-Implantate zu hacken für alle möglichen zwielichtigen Geschäfte, solange diese genug Geld einbringen, entwickelt sich dann aber doch zu einer Protagonistin, die für ihre Meinung einsteht und jedes Risiko eingeht um ihrem ungewohnten Kunden Noah zu helfen. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Androiden Julien, der sie auch groß gezogen hat.

Noah stammt aus reichem Elternhaus, misstraut aber seiner Familie und möchte herausfinden, warum seine Schwester ermordet wurde. Statt sich wie Atlas` normale Auftragsgeber im Hintergrund zu halten, möchte der etwas naive und idealistische Künstler trotz mangelnder Erfahrung in Ermittlungs- und Kampfsituationen immer mit dabei sein und geht Atlas dadurch zunächst ziemlich auf die Nerven. Mit der Zeit entwickelt sich aber eine gelungene Beziehungsstruktur zwischen den beiden, besonders gut hat mir hier mal wieder gefallen, dass zwar Potenzial für eine Lovestory da ist, dieses aber zunächst noch nicht genutzt wurde und der Fokus auf der Handlung und der Charakterentwicklung lag.

Die Handlung selbst ist eine Mischung aus Space Opera und Krimi und hat damit gleich zwei Genres bedient, die ich liebe. Sie war durchweg handlungsreich, hatte immer wieder spannende Momente und überraschende Wendungen, sodass ich das Buch kaum beiseitelegen wollte.

Besonders gelungen, fand ich die Art und Weise, wie Gesellschaftskritik in die Geschichte mit eingewoben wurde und Themen wie die Klimaerwärmung und Kritik an modernen Technologien in einem Maße eingebracht wurden, in dem sie zwar präsent, aber nicht dominierend in der Geschichte waren.

Obwohl die Haupthandlung zunächst einen Abschluss findet, bietet die Story noch viel Potenzial für Band 2, sodass ich mich jetzt schon darauf freue und etwas traurig bin, dass dieser zunächst wieder als reine Audible-Produktion erscheint. Für Band 1 gibt es von mir 4,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 02.08.2021

Authentischer Jugendroman

Nur fast am Boden zerstört
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Ich habe mich sehr gefreut, als ich gehört habe, dass das Buch übersetzt wird, habe aber auch daran gezweifelt ob es mich begeistern könnte, da es mit knapp über 300 Seiten doch recht kurz ist und die ...

Ich habe mich sehr gefreut, als ich gehört habe, dass das Buch übersetzt wird, habe aber auch daran gezweifelt ob es mich begeistern könnte, da es mit knapp über 300 Seiten doch recht kurz ist und die Protagonistinnen noch zur Schule gehen. Glücklicherweise war meine Sorge umsonst, denn das Buch hat mich komplett begeistern können.

Ollie hat mir als Protagonist sehr gut gefallen, nicht nur weil er sehr offen mit seiner Sexualität umgeht, sehr einfühlsam und selbstironisch ist, sondern auch weil er sich vieles nicht bieten lässt und für sich selbst einsteht, wenn es nötig ist. Die Story dreht sich natürlich vor allem um seine Beziehung zu Will, in Rückblicken wird gezeigt, wie sich die beiden im Sommer kennengelernt und verliebt haben, doch dadurch, dass sich dieser nicht outen will und Angst hat sein Image zu ruinieren lernt man ihn als Leser
in nochmal ganz anders kennen. Hier fand ich es besonders schön, dass Ollie ihm nicht alles sofort verziehen hat, dass über Probleme auch mal gesprochen wurde und nicht immer alles sofort gegessen war. Auch die Tatsache, dass es nicht nur so dargestellt wird, dass Will sich entwickeln „muss“, sondern auch Ollie an der Situation wächst und sich selbst reflektiert hat seinen Teil dazu beigetragen.

Eines der Herzstücke des Buches ist aber gar nicht die Beziehung der beiden, sondern der tolle Freundeskreis, den Ollie sich an seiner neuen Schule aufbaut. Jeder Nebencharakter besitzt eine eigentliche Persönlichkeit, wird facettenreich beschrieben und bringt eigene Probleme und Eigenschaften mit, die die einzelnen Personen hervorheben. Gleichzeitig stehen sie alle in kritischen Situationen füreinander ein und geben dem Buch ein ganz besonderes Feeling.

Der Schreibstil war Größtenteils locker-leicht und witzig, durch die Krebserkrankung von Ollies Tante bekam die Story aber auch einen sehr traurigen und ernsten Anteil.

„Nur fast am Boden zerstört“ ist eine authentische Story übers Coming-Out, Homophobie, Freundschaft, Familie und Trauer, in der die Protagonist*innen reflektiert mit Problemen umgehen und miteinander sprechen, statt unnötiges Drama zu produzieren. Dafür gibt es von mir 5 Sterne!

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