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Veröffentlicht am 06.03.2026

Action, Chaos und ein ziemlich mutiger Junge

Action Dude 1: Zoff im Freizeitpark
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„Action Dude – Zoff im Freizeitpark“ von Andy Riley ist der Auftakt zu einer neuen Comicreihe für Kinder – und ein Buch, das bei uns zu Hause direkt für Begeisterung gesorgt hat. Mein neunjähriger Sohn ...

„Action Dude – Zoff im Freizeitpark“ von Andy Riley ist der Auftakt zu einer neuen Comicreihe für Kinder – und ein Buch, das bei uns zu Hause direkt für Begeisterung gesorgt hat. Mein neunjähriger Sohn hat den Comic an einem Nachmittag regelrecht verschlungen und hatte dabei sichtlich Spaß.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Charlie, der allerdings auf keinen Fall Charlie genannt werden möchte. Für ihn ist klar: Er ist Action Dude, ein Superheld, der jederzeit bereit ist, sich in gefährliche Missionen zu stürzen. Schon einfache Alltagsaufgaben können bei ihm zu actionreichen Abenteuern werden. Richtig turbulent wird es jedoch, als in einem Freizeitpark plötzlich die Roboter verrücktspielen und die Besucher in Gefahr geraten. Natürlich ist das genau der richtige Moment für Action Dude, um zu zeigen, was in ihm steckt.

Der Comic überzeugt vor allem durch seine dynamische Erzählweise. Die Panels sind abwechslungsreich gestaltet, wechseln Perspektiven und sorgen dafür, dass die Geschichte ständig in Bewegung bleibt. Dadurch wirkt das Ganze sehr lebendig und selten langweilig. Der Zeichenstil ist bewusst einfach und reduziert, was gut zum Humor und zum schnellen Erzähltempo passt. Gleichzeitig sind die Figuren sehr ausdrucksstark.

Besonders gelungen ist die Hauptfigur. Action Dude ist kein perfekter Held, sondern ein neunjähriger Junge mit Fantasie, Mut und auch einigen Unsicherheiten. Man bekommt schnell ein Gefühl dafür, warum er so gern in die Rolle des Superhelden schlüpft: Der Alltag erscheint ihm oft zu banal, während Abenteuer und Action viel spannender sind. Gleichzeitig zeigt die Geschichte auch seine verletzliche Seite – etwa wenn er mit seinen Ängsten umgehen muss. Diese Mischung macht den Charakter überraschend vielschichtig.

Die Handlung selbst ist rasant erzählt und baut eine schöne Spannung auf. Vom Einstieg mit der Vorstellung der Figur bis zum großen Chaos im Freizeitpark entwickelt sich die Geschichte in mehreren Etappen, mit einigen unerwarteten Wendungen. Der Humor ist dabei angenehm trocken und funktioniert oft über übertriebene Situationen oder kleine Details in den Bildern.

Auch als Erwachsener kann man beim Mitlesen immer wieder schmunzeln. Gleichzeitig bleibt der Text einfach und gut verständlich, sodass sich der Comic besonders für Kinder etwa ab neun Jahren eignet.

Mein Sohn hatte beim Lesen jedenfalls großen Spaß und musste an mehreren Stellen lachen. Für Kinder, die Comics mögen oder sonst eher wenig lesen, ist „Action Dude – Zoff im Freizeitpark“ eine sehr unterhaltsame Möglichkeit, Freude am Lesen zu entwickeln.

Fazit: Ein rasanter, witziger Comic mit viel Action, trockenem Humor und einer sympathischen Hauptfigur. Besonders für Kinder um die neun Jahre ist das Buch ein großer Lesespaß – bei uns jedenfalls kam es hervorragend an.

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Veröffentlicht am 06.03.2026

Alt genug für unbequeme Wahrheiten – und für mehr Gelassenheit

Alt genug
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„Alt genug“ ist das erste Buch, das ich von Ildikó von Kürthy gelesen habe – und es hat mich überrascht. Ich hatte mit einem klassischen Roman gerechnet, bekam stattdessen aber etwas viel Persönlicheres: ...

„Alt genug“ ist das erste Buch, das ich von Ildikó von Kürthy gelesen habe – und es hat mich überrascht. Ich hatte mit einem klassischen Roman gerechnet, bekam stattdessen aber etwas viel Persönlicheres: eine Mischung aus Memoir, Gedankensammlung und sehr ehrlicher Selbstreflexion über das Älterwerden.

Eine klassische Handlung gibt es kaum. Das Buch wird lose von einer Situation zusammengehalten: Die Autorin macht sich auf den Weg zu einer Geburtstagsparty. Während sie sich vorbereitet, unterwegs ist und später wieder nach Hause kommt, schweifen ihre Gedanken immer wieder ab. Sie denkt über ihr Leben nach, über Freundschaften, über Ängste, über körperliche Veränderungen und darüber, was es eigentlich bedeutet, älter zu werden. Dadurch wirkt das Buch fast wie ein langes, offenes Gespräch.

Besonders beeindruckt hat mich die Offenheit, mit der von Kürthy über sich selbst schreibt. Sie spricht über Angststörungen, über Selbstzweifel, über gesellschaftliche Erwartungen an Frauen und darüber, wie befreiend es sein kann, irgendwann nicht mehr allem entsprechen zu wollen. Viele Beobachtungen sind selbstironisch und humorvoll, andere wiederum nachdenklich und manchmal auch melancholisch. Gerade diese Mischung macht das Buch sehr nahbar.

Der Ton ist warm, ehrlich und oft überraschend direkt. Immer wieder beschreibt die Autorin Situationen aus ihrem Leben – etwa Begegnungen mit Freundinnen, berufliche Erfahrungen oder Reisen – und nutzt diese als Ausgangspunkt für größere Gedanken über das Leben in der zweiten Hälfte. Dabei geht es viel um Freundschaft, um Verlust, um Abschiede und um die Erkenntnis, dass mit zunehmendem Alter nicht nur Einschränkungen kommen, sondern auch eine neue Form von Freiheit.

Was mir besonders gefallen hat, ist, dass „Alt genug“ kein klassischer Ratgeber ist. Die Autorin erklärt nicht, wie man leben sollte. Stattdessen teilt sie ihre eigenen Erfahrungen – manchmal klug, manchmal widersprüchlich, aber immer ehrlich. Man merkt beim Lesen, dass hier jemand versucht, sich selbst besser zu verstehen und dabei die Leserinnen und Leser an diesem Prozess teilhaben lässt.

Der Stil liest sich sehr flüssig und oft auch sehr humorvoll. Gleichzeitig gibt es einige Passagen, in denen Gedanken etwas ausführlicher ausgebreitet werden, als nötig wäre. Manchmal drehen sich die Überlegungen ein wenig im Kreis. Das stört den Lesefluss gelegentlich, nimmt dem Buch aber nicht seine Stärke.

Fazit:
„Alt genug“ ist ein persönliches, kluges und oft sehr unterhaltsames Buch über das Älterwerden und das Ankommen bei sich selbst. Es verbindet Humor, Selbstironie und ehrliche Selbstbeobachtung auf eine Weise, die beim Lesen immer wieder zum Nachdenken anregt. Für mich war es ein überraschend intensiver erster Kontakt mit der Autorin – und ein Buch, das noch eine Weile nachwirkt.

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Veröffentlicht am 15.01.2026

Lesen lernen und den Wald verstehen

Wieso? Weshalb? Warum? Erstleser, Band 17 - Im Wald
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In vier klar strukturierten Kapiteln führt das Buch durch das Thema Wald: Was ein Wald ist, wie Bäume funktionieren, wie alles miteinander zusammenhängt und warum der Wald heute in Gefahr ist. Die Kapitel ...

In vier klar strukturierten Kapiteln führt das Buch durch das Thema Wald: Was ein Wald ist, wie Bäume funktionieren, wie alles miteinander zusammenhängt und warum der Wald heute in Gefahr ist. Die Kapitel sind übersichtlich gegliedert, jede Doppelseite greift eine konkrete Frage auf und beantwortet sie in kurzen, einfachen Sätzen.

Besonders überzeugend ist die Verbindung von Sachwissen und Lesetraining. Die große Fibelschrift, die klaren Satzstrukturen und der begrenzte Wortschatz machen es Leseanfängern leicht, selbstständig zu lesen, ohne sich überfordert zu fühlen. Gleichzeitig wird inhaltlich erstaunlich viel vermittelt: Baumarten, Tiere, Stockwerke des Waldes, Photosynthese, Nahrungskreisläufe, die Kommunikation von Bäumen und auch globale Themen wie Klimaschutz und Waldgefährdung finden ihren Platz – alles konsequent kindgerecht erklärt und ohne unnötige Fachbegriffe.

Sehr gelungen ist auch die visuelle Gestaltung. Fotografien und naturgetreue Illustrationen wechseln sich ab und ergänzen den Text sinnvoll. Viele Bilder sind beschriftet und helfen dabei, Begriffe direkt zuzuordnen. Der kleine comicartige Fuchs, der durch das Buch begleitet, lockert die Sachtexte zusätzlich auf und sorgt für Wiedererkennung und Motivation.

Nach jedem größeren Kapitel warten Leserätsel in unterschiedlichen Formaten, am Ende kommen ein Lesequiz, Stickerseiten und ein Leselotto hinzu. Diese Elemente wirken nicht beliebig, sondern sind didaktisch sinnvoll eingebunden: Sie sichern das Textverständnis, fördern das genaue Lesen und machen das Buch abwechslungsreich. Positiv fällt außerdem auf, dass der Blick nicht nur auf den heimischen Wald beschränkt bleibt, sondern auch Wälder weltweit thematisiert werden.

Insgesamt ist „Im Wald“ ein sehr durchdachtes Erstleser-Sachbuch. Es vermittelt Wissen, stärkt Lesesicherheit und weckt Interesse an Natur und Umwelt – ohne belehrend zu wirken. Ein Buch, das sich sowohl zum Vorlesen als auch zum Selberlesen eignet und bei dem Lernen und Lesefreude wirklich zusammenkommen.

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Veröffentlicht am 26.09.2025

Liebe, Schicksal und Selbstbestimmung in einer gefährlichen Welt

Soulmates and Other Ways to Die
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Schon die Grundidee dieses Romans hat mich sofort gepackt: Menschen sind genetisch so miteinander verbunden, dass sie unweigerlich Seelenpartner haben – KinTwins. Wer seinen KinTwin verliert, stirbt mit, ...

Schon die Grundidee dieses Romans hat mich sofort gepackt: Menschen sind genetisch so miteinander verbunden, dass sie unweigerlich Seelenpartner haben – KinTwins. Wer seinen KinTwin verliert, stirbt mit, Schmerzen und Gefühle werden geteilt. Eine Vorstellung, die gleichermaßen faszinierend wie beängstigend ist.

Im Mittelpunkt stehen Zoe und Milo – zwei Jugendliche, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Zoe ist vorsichtig, regelorientiert und möchte alles unter Kontrolle behalten. Milo dagegen ist impulsiv, risikofreudig und lebt am Limit. Als klar wird, dass ausgerechnet die beiden KinTwins sind, beginnt eine Geschichte voller Spannung, Gefahren und innerer Kämpfe. Gerade dieser Gegensatz macht den Reiz aus: Hier prallen zwei Lebenshaltungen aufeinander, die sich nicht einfach harmonisieren lassen.

Besonders gefallen hat mir der Wechsel der Perspektiven. Abwechselnd erzählt Zoe, dann Milo, und so konnte ich mich in beide Figuren hineinversetzen – in ihre Ängste, ihre Wut, ihre Hoffnung. Die Verbindung zwischen ihnen wird spürbar, aber auch die enorme Last, die damit einhergeht.

Das Buch ist schnell, packend und flüssig geschrieben. Es gibt actionreiche Szenen, emotionale Momente und überraschende Wendungen. Gleichzeitig stellt es Fragen, die weit über eine Liebesgeschichte hinausgehen: Was bedeutet Freiheit, wenn man gezwungen ist, mit einer bestimmten Person verbunden zu sein? Wie viel Wahl hat man in der Liebe? Und was macht Identität aus, wenn ein Teil von dir immer an jemand anderen geknüpft ist?

Natürlich lebt die Geschichte stark von der Beziehung zwischen Zoe und Milo. Wer Romantik nicht mag, wird hier weniger Freude haben. Für mich aber war es genau die Mischung aus Dystopie, Spannung und intensiver Gefühlswelt, die das Lesen so fesselnd gemacht hat.

Mein Fazit:
„Soulmates and Other Ways to Die“ ist ein origineller, emotionaler Jugendroman, der sowohl unterhält als auch nachdenklich stimmt. Er ist romantisch, spannend und tiefgründig zugleich – und bleibt auch nach dem Zuschlagen im Kopf. Eine klare Empfehlung für alle, die Geschichten über Liebe, Identität und Selbstbestimmung mögen.

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Frech, bunt, klug – Aufklärung ohne Scham

Penis!
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Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an überrascht – und begeistert. Selten habe ich ein Aufklärungsbuch in der Hand gehabt, das so mutig, direkt und gleichzeitig humorvoll mit einem Thema umgeht, ...

Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an überrascht – und begeistert. Selten habe ich ein Aufklärungsbuch in der Hand gehabt, das so mutig, direkt und gleichzeitig humorvoll mit einem Thema umgeht, das in vielen Familien noch immer mit Scham belegt ist.

Das Cover ist bunt, laut und witzig – genau die richtige Einladung, um Jugendliche neugierig zu machen. Innen setzt sich dieser Stil fort: Comicartige Illustrationen, bunte Kästen mit Zusatzinfos und kleine Mitmach-Elemente, die zum Nachdenken oder Ausprobieren anregen. Trotz aller Lockerheit bleibt das Buch fachlich fundiert und sachlich korrekt.

Inhaltlich wird ein sehr breites Spektrum abgedeckt: Von Anatomie, Hygiene und Selbstbefriedigung über Verhütung und Geschlechtskrankheiten bis hin zu Themen wie Sexting, Geschlechtsidentität, Körperbildern oder der Frage, was eigentlich „Männlichkeit“ bedeutet. Besonders gut gefällt mir, dass das Buch nicht nur für Jungs interessant ist, sondern bewusst inklusiv angelegt ist: Vielfalt wird selbstverständlich dargestellt.

Die Texte sind kurz, verständlich und auf den Punkt – genau richtig für Jugendliche, die vielleicht eher querlesen als sich durch lange Kapitel zu arbeiten. Gleichzeitig habe auch ich als Erwachsene noch einiges Neues gelernt und an der einen oder anderen Stelle schmunzeln müssen.

Hervorzuheben ist außerdem die Haltung des Buches: Es vermittelt Respekt, ermutigt zu Selbstbestimmung und zeigt, dass Aufklärung mehr ist als Biologie. Es geht auch um Gefühle, um Grenzen, um Einverständnis und Kommunikation – also um das, was Jugendliche heute wirklich brauchen.

Unterm Strich: „Penis! Wissen für unter der Gürtellinie“ ist ein kluges, freches und wertvolles Buch. Es räumt mit Mythen auf, macht Wissen zugänglich und gibt Jugendlichen einen unverkrampften Zugang zu ihrem Körper. Für mich eine absolute Empfehlung – nicht nur für Jungs ab etwa 11 oder 12 Jahren, sondern für alle, die neugierig sind, Fragen haben oder mitreden wollen.

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