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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.03.2020

Minout, eine tapfere Frau zur Zeit der Hugenottenkriege

Die brennenden Kammern
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Minout, eine junge Frau und ihre beiden Geschwister wachsen in Carcassonne behütet bei ihrem katholischen Vater, einem Buchhändler, auf. Eines Tages werden sie von der Vergangenheit eingeholt und plötzlich ...

Minout, eine junge Frau und ihre beiden Geschwister wachsen in Carcassonne behütet bei ihrem katholischen Vater, einem Buchhändler, auf. Eines Tages werden sie von der Vergangenheit eingeholt und plötzlich verändert sich das Leben einiger Personen und die Ereignisse überschlagen sich. Minout lernt Piet kennen, ihr Leben wird völlig auf den Kopf gestellt - wer ist sie eigentlich?

Bei "Die brennenden Kammern" handelt es sich um den Auftakt einer Reihe über den Glaubenskrieg zwischen Katholiken und Hugenotten. Zwei weitere Teile sind wohl noch geplant. Die Autorin schafft es die Atmosphäre der damaligen Zeit gut rüber zu bringen. Die Charaktere sind im Großen und Ganzen gut gezeichnet, allerdings fehlt mir ein wenig die Tiefe, die Facetten, in den Charakteren. Personen haben immer mindestens zwei Seiten - sie sind nicht nur gut oder böse - und das kam bei den Charakteren für mich nicht so wirklich zum Ausdruck. Einige Verhaltensweisen konnte ich nicht so ganz nachvollziehen und es gab mir ein paar Zufälle zuviel.

Der Roman beginnt sehr vielversprechend, ein Spannungsbogen baut sich auf und man kann als Leser die Gefahren der Zeit regelrecht spüren. Allerdings fehlte mir am Ende der Tiefgang in der Geschichte.
Was mir gut gefallen hat, waren die detaillierten Beschreibungen der Handlungsorte, man sieht die Gegenden regelrecht vor sich und kann sich hineinversetzen. Auch hat die Autorin gut recherchiert und sie zeigt uns das Leben der Menschen in der damaligen Zeit.

Was mir nicht so wirklich gefallen hat, der Zwang die nächsten Teile lesen zu müssen, da der Prolog zum Beispiel nicht aufgelöst wurde (wird er dann wahrscheinlich erst im letzten Teil).

Meiner Meinung nach handelt es sich um einen gut geschriebenen, sehr gut recherchierten, mittelmäßigen historischen Fortsetzungsroman. Bei mir hat es die Autorin leider nicht geschafft, die Spannung so weit aufzubauen, dass ich die nächsten Teile unbedingt lesen muss. Das ist aber nur meine persönliche Meinung - der Roman ist gut geschrieben und gut zu lesen, aber ich bin historische Romane mit mehr Tiefgang und mehr Komplexität gewöhnt (a la Ken Follett und Sabine Ebert).

  • Cover
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 11.01.2020

Der 2. Weltkrieg aus Sicht einer Schwedin

Die Menschheit hat den Verstand verloren
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„Die Menschheit hat den Verstand verloren“ ist ein autobiographische Werk von Astrid Lindgren. Eigentlich kennen wir sie als Schriftstellering von Büchern wie „Pippi Langstrumpf“, „Kinder von Bullerbü“ ...

„Die Menschheit hat den Verstand verloren“ ist ein autobiographische Werk von Astrid Lindgren. Eigentlich kennen wir sie als Schriftstellering von Büchern wie „Pippi Langstrumpf“, „Kinder von Bullerbü“ oder „Kalle Blomquist“. Bevor aber all diese Bücher entstanden, schrieb sie Tagebücher, welche 2015 unter diesem Titel veröffentlicht wurden.

Sie beginnt mit den Tagebucheintragungen am 01.September 1939 mit den Worten: “Oh! Heute hat der Krieg begonnen. Niemand wollte es glauben.“ Sie dokumentiert den 2. Weltkrieg mit Hilfe von Zeitungsartikeln und Briefen, zwischendurch vervollständigt durch ihre eigenen Erlebnisse und Eindrücke. Dabei geht sie aber nicht nur auf die Bedrohung durch Hitler und die Deutschen ein, sondern zeigt auch die anderen Seiten auf, beispielsweise die Bedrohung Finnlands durch Stalin. Lindgren führt dieses Tagebuch vom 01.September 1939 bis in das Jahr 1945 mehr oder weniger vollständig.

Zu Beginn des Buches war Astrid Lindgren 32 Jahre und lebte mit ihrem Ehemann Sture und ihren Kindern in Stockholm. Ab 1940 begann sie im Auftrag des schwedischen Geheimdienstes deutsche Briefe zu lesen. Durch diese Tätigkeit erhielt sie sehr viel Einblick und auch Hintergrundwissen, welches sie in ihrem Tagebuch nutzte.

Obwohl sie durchaus auch Einblick in ihr Privatleben gibt, finde ich ihre eigenen Gefühle und Befindlichkeiten sind in diesem Buch etwas kurz gekommen. In einem Tagebuch schreibt man doch vermehrt über seine eigenen Gefühle und Gedanken – Dinge welche einem durch den Kopf gehen, wie man über bestimmte Sachen und Menschen denkt. Das hat mir in diesen Tagebüchern etwas gefehlt. Es war mehr eine Aufzählung und genauere Beschreibung von Kriegsereignissen.

Das Buch ist reich bebildert, mit Kopien von Briefen und Zeitungsausschnitten, welche mir das Lesen allerdings etwas erschwerten, da sie komplett an das Ende eines Jahres gehängt wurden und man somit immer hin und her blättern musste – mit hätte es besser gefallen, wenn sie beim jeweiligen Eintrag im Tagebuch gewesen wären.

Auch wenn mir ein wenig der Einblick in Ihre persönliche Sichtweise gefehlt hat, fand ich dieses Buch doch sehr interessant, da ich verstärkt Einblicke erhielt in die Stellung der skandinavischen Länder im Krieg. Es ist ein sehr informatives aber auch emotionales Kriegstagebuch einer Außenstehenden, da Schweden ja in den Krieg nicht direkt involviert war.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.08.2019

Spritzige Geschichte aus dem wahren Leben

Liebeskummer ist ein Arschloch
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Das erste Mal sah ich dieses Buch bei Vorablesen.de und war schon neugierig darauf. Leider gewann ich es dort nicht und kaufte es mir wenig später. Und ich wurde nicht enttäuscht. Wer jetzt einen professionellen ...

Das erste Mal sah ich dieses Buch bei Vorablesen.de und war schon neugierig darauf. Leider gewann ich es dort nicht und kaufte es mir wenig später. Und ich wurde nicht enttäuscht. Wer jetzt einen professionellen Liebesratgeber erwartet liegt mit diesem Buch völlig falsch. Senna Gammour erzählt viel mehr aus ihren Leben und über ihre eigenen Erfahrungen mit den unterschiedlichen Männertypen.

Eigentlich lese ich selten solche Bücher, mich interessieren die Lebensgeschichten von Promis und Möchtegernpromis eigentlich reichlich wenig. Aber dieses Buch ist mit so viel Liebe und so real geschrieben, dass man sich selber oft wieder findet. Jeden dieser Männertypen habe ich in meinem Leben auch schon getroffen und viele Verhaltensweisen kommen mir doch sehr bekannt vor. An vielen Stellen musste ich sehr schmunzeln und andere Abschnitte ließen mich nachdenklich werden.

Der Schreibstil ist amüsant, ironisch - so dass man das Buch sofort zu Ende lesen möchte und nicht mehr aus der Hand legen kann.
Senna macht Frauen mit diesem Buch Mut zu sicher selber zu stehen und auch mal nein zu sagen. Sie steht offen dazu, dass auch sie durch Naivität in früheren Jahren einige Dinge erlebt hat, welche nicht hätten sein müssen - aber nur durch solche Erfahrungen wachsen wir und werden gestärkt. In diesem Buch findet man auf humorvolle nicht ganz so ernste Weise viele Wahrheiten - z.Bsp. dass eine Frau durchaus auch ohne Partner glücklich sein kann, wenn sie sich nur annimmt und nicht in Selbstmitleid zerfließt. Sie zeigt uns wie wichtig es ist, zu sich selber zu stehen und sich nicht von anderen (seien es nun Männer oder auch andere Menschen) klein machen zu lassen. Jeder hat seine Stärken und ein Recht darauf glücklich zu sein.

Als Fazit aus diesem Buch habe ich mitgenommen: Sei einfach du selber und liebe dich. Trenne dich von Menschen, die dich runter ziehen und halte fest an denen, die dir gut tun.

Veröffentlicht am 30.07.2019

Spannender Roman mit mystischen Elementen

Kalte Wasser
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Lauren, gerade Mutter von Zwillingen geworden, sollte eigentlich glücklich sein und sich mit ihrem Mann über den Nachwuchs freuen. Aber da taucht plötzlich eine Frau im Krankenhaus auf und schlägt ihr ...

Lauren, gerade Mutter von Zwillingen geworden, sollte eigentlich glücklich sein und sich mit ihrem Mann über den Nachwuchs freuen. Aber da taucht plötzlich eine Frau im Krankenhaus auf und schlägt ihr einen Deal vor, welchen Lauren unmöglich annehmen kann. Lauren kann sich und ihre Zwillinge erst einmal retten, aber bei der Polizei wird sie nicht ernst genommen. Nur Harper, die junge Polizistin, sieht, dass mehr an der Geschichte dran ist als im ersten Moment angenommen. Und dann werden die Zwillinge entführt.

Auf Grund der Beschreibung und des Klappentextes habe ich ein ein völlig anderes Buch erwartet. Dieses Buch und die Geschichte fand ich dann doch etwas merkwürdig, aber nicht uninteressant. Zum Schluss war ich ein wenig hin- und hergerissen und wusste nicht so genau, was ich vom Ende halten sollte. Den Schreibstil fand ich flüssig und gut zu lesen, auch die Charaktere fand ich gut umrissen. Lauren konnte ich vollauf verstehen - plötzlich Mutter zwei Kinder und die meiste Zeit damit allein. Patrick war mir unsympathisch - ein wenig mehr Unterstützung für Lauren wäre nicht falsch gewesen. Auch Harper hat keine besonders leichte Vergangenheit hinter sich, aber ihre Geschichte nahm wenig Platz im Buch ein - sie zerfloss nicht im Selbstmitleid und hielt sich zurück, so dass Lauren und die Zwillinge eindeutig im Vordergrund der Geschichte standen.

Ich habe dieses Buch gerne gelesen und fand die Geschichte spannend, aber beim Lesen wurde es für mich manchmal undurchschaubar und zu mystisch. Bestimmte Vorgänge konnte ich nicht mehr mit einer Wochenbettdepression in Einklang bringen. Die Wendungen im Buch fand ich wieder gut gelungen und ich war neugierig auf das Ende, wenn ich auch bei knapp der Hälfte des Buches bereits wusste, worauf es hinausläuft.

Die Verbindung der Geschichte mit alten Mythen und Sagen fand ich interessant und sehr gut gelungen. Mir haben die Beschreibungen der alten Sagen und ihre teilweisen Grausamkeiten sehr gut gefallen. Die Erklärungen dazu rundeten das Bild der Geschichte für mich ab.

Veröffentlicht am 02.07.2019

Interessantes Thema, emotionslose Umsetzung

Im Schatten des Schleiers
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Das Thema dieses Buches interessierte mich sehr, daher freute ich mich riesig es im Zuge einer Leserunde lesen zu dürfen. Das Cover mit den geheimnisvollen, aber doch ausdrucksstarken Augen und dem verschleierten ...

Das Thema dieses Buches interessierte mich sehr, daher freute ich mich riesig es im Zuge einer Leserunde lesen zu dürfen. Das Cover mit den geheimnisvollen, aber doch ausdrucksstarken Augen und dem verschleierten Gesicht versprach ein zum Thema passendes emotionales Buch, aber leider dann schwach umgesetzt.

Ich tue mich etwas schwer damit, das Buch zu kritisieren, da es sich um einen Erfahrungsbericht handelt und Maryam für sie schwere Zeiten durchgemacht hat, aber ich beurteile ja nur das Buch und nicht ihre Erfahrungen. Bei diesem Thema hätte ich doch mehr Emotionen in dem Buch erwartet, da ich mir nicht vorstellen kann, dass solche Erfahrungen völlig emotionslos an einem vorbei gehen, aber vielleicht ist es Maryams Art mit dem erlebten klar zu kommen und es zu verarbeiten.

Aber jetzt zum Buch: Maryam Heidari Ahwazi schreibt und verarbeitet in diesem Buch ihre Erlebnisse in ihrer Heimat im Iran und erzählt über ihre Flucht aus der Heimat. Wir erfahren wie Ihre Kindheit im islamisch geprägten Land verläuft und sie im Laufe des erwachsen werden`s durch diverse Einflüsse zum katholischen Glauben findet. Sie findet Halt im katholischen Glauben, muss ihn aber selbst vor ihrem Ehemann verheimlichen. Sie wird sogar verhaftet und geht eine Zeit lang ins Gefängnis. Wieder entlassen flieht sie mit ihrer Familie und findet in Deutschland ein neues Zuhause.

Ich lese sehr gerne Erfahrungsberichte und leide fast immer mit den Protagonisten der Bücher entsprechend mit. Mitunter kommen mir sogar die Tränen, wenn in den Berichten entsprechende Emotionen frei gesetzt werden. Leider fehlten mir selbige Momente in diesem Buch komplett. Bei dem Thema und dem Martyrium, welches Maryam durchlebte hätte ich da viel mehr erwartet. Durch den Schreibstil des Buches kam mir das Erlebte im Gegenteil eher harmlos vor - und das ist es ja nun wahrlich nicht. Die Autorin hat es leider nicht geschafft mich mitzureißen und bei mir entsprechende Emotionen aufzubauen.

Die kurzen Sätze gefielen mir gar nicht, da es für mich etwas wirr wurde, weil die Sätze teilweise auch unzusammenhängend aneinandergereiht wurden. Den Aufbau in kurze Kapitel fand ich wieder sehr gut, da man so in der Geschichte drin blieb und die einzelnen Erlebnisse voneinander abgegrenzt wurden.
Am wenigsten gefallen hat mir, dass der Abschnitt wie sie zum christlichen Glauben fand einen zu großen Teil des Buches einnahm und zum Beispiel die Flucht nur einen ganz kurzen Abschnitt - dadurch erschien die Flucht harmlos und als Leser hat man das Gefühl, dass selbige innerhalb weniger Tage erledigt war. Und sie war doch bestimmt wochen- wenn nicht gar monatelang unterwegs und harmlos war die Flucht bestimmt auch nicht.

Als Fazit kann ich nur sagen: ein Buch über ein interessantes und ernstes Thema, leider schwach umgesetzt. Wenn ich die Lage von Maryam nicht aus den Medien und auch durch Gespräche mit Flüchtlingen in unserer Region einschätzen könnte, würde ich nach diesem Buch den Ernst der Lage von Frauen in islamischen Ländern völlig falsch einschätzen und denken, es ist doch alles gar nicht so schlimm.

  • Cover