Vom Aufbrechen und dem Wunsch endlich anzukommen
Where We BelongErste Gedanken: Liebesgeschichten mit migrantischen Protagonist:innen gibt es immer noch viel zu wenige, obwohl sie so wichtig sind. Umso überraschter war ich demnach, als ich auf eine Leseprobe zu dieser ...
Erste Gedanken: Liebesgeschichten mit migrantischen Protagonist:innen gibt es immer noch viel zu wenige, obwohl sie so wichtig sind. Umso überraschter war ich demnach, als ich auf eine Leseprobe zu dieser Geschichte stieß und augenblicklich in den Roman gezogen wurde. Auch nach Beenden des Buches kann ich nicht aufhören an die Geschichte zurückzudenken.
Das Cover: Das Verweben von Schrift und Illustration finde ich sehr gelungen und habe ich so noch nicht oft gesehen. Nils und Zofia – die beiden Abgebildeten – wirken durch die innige Pose sehr vertraut miteinander und das Cover bietet dadurch bereits einen Hinweis auf die Verbindung der beiden. Die farbliche Trennung, die sich diagonal durch das Cover zieht und es in ein kühles Blau und in einen warmen Rotton einteilt, ist für mich entweder ein Hinweis auf die Grenzen, die zwischen ihnen bestehen oder auch die zwei Zeitstränge, die die Geschichte abwechselnd erzählen.
Die Handlung: Kaum hat Zofia es in ihren Wunschstudiengang geschafft, holt sie auf einer Uniparty ihre Vergangenheit ein: Nils. Zu Schulzeiten einst der wichtigste Mensch für sie – heute ist nur noch Enttäuschung und Ablehnung für ihn übrig. Erinnerungen, die Zofia in den letzten Jahren gut verdrängt hat, kommen wieder hoch und sie ist wieder mit der Zeit konfrontiert, in welcher sie aufgrund ihres polnischen Backgrounds in der Schule zur Außenseiterin wurde und selbst die Lehrkräfte nur zugeschaut haben. Nur Nils schaute damals genauer hin, sah Zofia und nicht nur ihre Herkunft, bis er alles mit einer einzigen Tat zwischen ihnen zerstörte. Noch hat sie die Ereignisse nicht verarbeitet und muss sich fragen, ob sie Nils jemals wieder in ihr Leben lassen kann, vor allem, wenn sie sich von nun an regelmäßig sehen müssen…
Meine Gedanken: Die Erzählweise mithilfe der Dual-Timeline hat viel Tiefe in die Geschichte gebracht. Zunächst begleiten die Lesenden Nessy, die in der Gegenwart ihren Namen (Zofia) abgelegt und ihrer Vergangenheit den Rücken gekehrt hat. In den Rückblenden kommen wir das erste Mal mit der Protagonistin in Deutschland an und erleben ihren herausfordernden Schulalltag mit. Dabei las ich die erste Hälfte beinahe in einem Rutsch. Zofias Geschichte hat mich unglaublich berührt und vor allem der Konflikt zwischen zwei Kulturen zu stehen und immer das Gefühl durch die Gesellschaft vermittelt zu bekommen, sich für eine entscheiden zu müssen, wurde sehr eindrücklich und schmerzhaft dargestellt. Tatsächlich baut sich die Geschichte unglaublich auf und auch die Liebesgeschichte entsteht in der Gegenwart erst sehr spät – was ich jedoch sehr begrüßte. Dennoch muss ich sagen, dass mir das Ende und vor allem die letzten Ereignisse doch ein wenig zu schnell vorangebracht wurden. Ich hätte gerne noch mehr schöne Momente zwischen Nils und Nessy gehabt, um die beiden zusammen auch in der Gegenwart noch besser kennenzulernen (und nicht nur in der Vergangenheit), aber das ist mein einziger Kritikpunkt.
Die Charaktere: Zofia/ Nessy habe ich unglaublich ins Herz geschlossen. Ich habe durchgehend bei ihr mitgefühlt und konnte mich unglaublich in ihren Charakter hineinfühlen. Mit Nils habe ich etwas länger gebraucht, doch auch seine Entwicklung und Einsicht am Ende haben mich von ihm überzeugt. Doch meine heimlichen Favorit:innen waren Matteo und Lena, die beide eng mit Zofia befreundet waren. Sie haben nicht nur ein bisschen Leichtigkeit in die Geschichte gestreut, wenn es etwas trauriger wurde, sondern waren einfach nur unendlich sympathisch.
Fazit: Eine berührende und zugleich wichtige Geschichte, die der deutsche Buchmarkt gebraucht hat! Ich bin mir sicher, dass einige Leser:innen, die sich sonst nicht in Geschichten repräsentiert sehen, sich hier aufgehoben fühlen. Eine Liebesgeschichte, die in die Tiefe geht und mich berühren konnte. Ich vergebe hier 4,5/5 Sternen und eine klare Leseempfehlung!