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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.10.2019

Toller Sprecher

Vespasian: Roms verlorener Sohn
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Bisher habe ich alle erschienenen Bände der Vespasian-Reihe angehört und es war echt schön, sich im Setting des alten Roms mit der Stimme von Erich Wittenberg wiederzufinden. Er hat eine besondere Art, ...

Bisher habe ich alle erschienenen Bände der Vespasian-Reihe angehört und es war echt schön, sich im Setting des alten Roms mit der Stimme von Erich Wittenberg wiederzufinden. Er hat eine besondere Art, die Charaktere zu sprechen, sodass man sie anhand der Stimmlage direkt zuordnen kann. Das hat mir sehr gut gefallen.

Roms Politik meint es in diesem Band nicht besonders gut mit Vespasian, obwohl er den britannischen Häuptling Caratacus erfolgreich besiegt hat. Nachdem Vespasians Karriere in Rom von Agrippina erfolgreich verhindert wird, bekommt er einen heiklen Auftrag, die ihn in die Provinzen führt. Doch auch dort herrscht Verrat und so findet sich Vespasian in einem Kerker wieder, den er lange Zeit nicht verlassen wird. Derweil zieht Agrippina sämtliche Register, um ihren leiblichen Sohn Nero auf den Thron zu verhelfen.

Wer auf historische Romane, die gut recherchiert sind, steht, der sollte hier zugreifen und ist mit der Vespasian-Reihe bestens bedient. Fabbris Schreibstil ist flüssig, locker und eingängig, sodass man sehr schnell in die Geschichte eintaucht.

Ich habe ja nun schon einige Schlachten, in denen Vespasian gekämpft hat, gehört, aber Fabbri schafft es immer wieder, die Schlachten facettenreich und aus verschiedenen Blickwinkeln zu schildern. Es wird nicht langweilig und es ist so anschaulich geschildert, dass man das Gefühl hat, direkt live dabei zu sein.

Ebenso hat er die Charaktere detailreich und emotional dargestellt. Vespasians Gemütszustand während der langen Gefangenschaft war absolut nachvollziehbar, authentisch und emotional beschrieben. Vespasian selber bekommt immer mehr Tiefe und ich finde es toll, dass auch nicht nur gute Seiten, sondern auch negative Seiten von Vespasian zu Tage kommen. Die Veränderung von Vespasians Persönlichkeit im Zusammenhang mit seinem Aufstieg hat Fabbri anschaulich geschildert. Überhaupt ist Vespasians Entwicklung während der sechs Bände beeindruckend dargestellt.

Die Story insgesamt ist recht kurzweilig. Sowohl die römische Innenpolitik als auch die Außenpolitik ist mit ihren Intrigen, dem Tagesgeschäft und den Verflechtungen der Politiker untereinander faszinierend und spannend. Das hat Fabbri unterhaltsam geschildert. Dazwischen wird einiges an Action geboten. Magnus' lockere Sprüche und die Differenzen mit seiner Ehefrau Flavia sorgen beim Hörer immer mal wieder für Erheiterung. Längen waren in diesem Band nicht zu finden.

Der Sprecher Erich Wittenberg macht hier einen tollen Job. Seine sonore, angenehme, und zugleich sehr variable Stimme passt einfach richtig gut in das von Fabbri entworfene Setting. Verfolgt man die Reihe schon länger, so kann man die sprechenden Personen bereits anhand der Stimmfärbung erkennen. Wie er den betrunkenen Claudius gesprochen hat, war einfach herrlich! Erich Wittenberg lässt auch bei epischen Längen wie hier in seiner Sprecherleistung nicht nach und fesselt den Zuhörer mit seiner mitreißenden Art bis zum letzten Satz. Leider kann man nur 5 Sterne vergeben, aber Herr Wittenberg hätte einen Zusatzstern verdient.

Fazit:
Ein unterhaltsamer, kurzweiliger und actionreicher Band, den ich in der Hörbuchversion jedem empfehlen kann!

Veröffentlicht am 07.10.2019

Neuer Fall mit Toni Sanftleben

Stille Havel
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Mord im Park Sanssouci. Das Opfer: ein Kunstsachverständiger, zu dessen letzte Recherche eine gemaltes Bild und eine Villa an der Havel gehörten. Er interessierte sich für die portraitierte Person auf ...

Mord im Park Sanssouci. Das Opfer: ein Kunstsachverständiger, zu dessen letzte Recherche eine gemaltes Bild und eine Villa an der Havel gehörten. Er interessierte sich für die portraitierte Person auf dem Gemälde. Kommissar Toni Sanftleben beginnt zu ermitteln. Im Laufe seiner Ermittlungen stellt Toni Sanftleben fest, dass das Mordopfer auch in Sache Nazigold akribisch recherchierte.

Ich habe bereits zwei Fälle mit Toni Sanftleben gelesen und es war für mich wie nach Hause kommen, als ich Kommissar Toni Sanftleben in „Stille Havel“ wieder begegnet bin. Toni ist trotz oder gerade wegen diverser Probleme ein äußerst sympathischer Kommissar. Seine Kollegin Gesa dagegen verblasst ein bisserl, was dem Lesespaß aber keinen Abbruch tut. Das Trio wird von Phong vervollständigt, der irgendwie anders ist.

Der Schreibstil von Tim Pieper ist angenehm, flüssig, und gleichzeitig fesselnd. Die Story ist spannend, der Plot gut durchdacht und der geschichtliche Hintergrund ist sorgfältig recherchiert. Das hat mir besonders gut gefallen, erlebt man doch ein Stück weit deutsche Geschichte, wie ich sie zumindest bisher nicht kannte.

Der Krimi spielt in zwei Erzählsträngen auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen. Zum einen begleiten wir Toni Sanftleben bei seinen aktuellen Ermittlungen, wobei er sich neben dem Fall mit diversen Lebensstilen und Launen seiner Kollegen herumschlagen darf. Und Tonis Ermittlungen gestalten sich als nicht ganz einfach, da die Zeugen nicht unbedingt zur Mitarbeit bereit sind und der Fall doch etwas komplexer ist, als es zunächst den Anschein hatte.

Zum anderen wird die Geschichte von Lydia erzählt, aufgewachsen in armen Verhältnissen, gegen Kriegsende aufgestiegen zum Schauspielsternchen, die dann aus Deutschland flüchten musste. Auch erfahren wir über ihr Leben nach dem Krieg. Der Charakter Lydia ist vielschichtig vom Autor geschaffen und erhält Tiefe. Man durchlebt beim Lesen eine ganze Palette an Gefühlen.

Es wird abwechselnd von beiden Erzählsträngen berichtet, was sich kurzweilig lesen lässt. Auch versteht es der Autor geschickt, Spannung aufzubauen und diese bis zum fulminanten Ende hoch zu halten. Am Schluss wird ein Täter präsentiert, den ich so überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. Die Auflösung ist schlüssig und nachvollziehbar. Bravo, so macht Krimilesen Spaß! Ich hatte das Buch in zwei Tagen durch. Einmal angefangen, kann man es nicht mehr aus der Hand legen.

Fazit:
Ein interessanter, kurzweiliger und spannender Krimi mit geschichtlichem Hintergrund, der einfach Spaß macht zu lesen.

Veröffentlicht am 22.09.2019

Ein tolle Fantasy-Reihe, die süchtig macht!

Das Erbe der Macht - Die komplette Schattenchronik im Schuber
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Inhalt:
Ein Wall verbirgt die magische Welt, die Menschen ahnen nichts davon. Er garantiert Frieden, doch das nur oberflächlich, denn in den Schatten herrscht ein erbitterter Kampf um die Vorherrschaft. ...

Inhalt:
Ein Wall verbirgt die magische Welt, die Menschen ahnen nichts davon. Er garantiert Frieden, doch das nur oberflächlich, denn in den Schatten herrscht ein erbitterter Kampf um die Vorherrschaft. Alexander Kent erwacht zu einem Erbe der Macht als ein anderer stirbt, und es liegt an Jennifer Danvers, ihn in die Welt der Magie einzuführen.
Die beiden ahnen nichts davon, dass das Böse bereits daran ist, den Wall zu zerstören.

Meine Meinung:
Der hier erschienene Schmuck-Schuber mit den ersten 4 Taschenbüchern der Reihe ist ein echter Hingucker! Der würde sich in einem Bücherregal echt gut machen.
Ich habe die Reihe auf meinem E-Book-Reader gelesen, was aber nicht weniger Spaß gemacht hat.
„Das Erbe der Macht – die komplette Schattenchronik“ beinhaltet 12 Kurzgeschichten, die vorab als eine E-Book-Reihe erschienen ist, und die es nun als Taschenbuchausgabe gibt.
Der Autor Andreas Suchanek hat einen flüssigen und fesselnden Schreibstil und er versteht es echt gut, seine Leser auf die Folter zu spannen. Man liest „Das Erbe der Macht“ nicht mal so nebenher, man inhaliert es. Der Autor ist ein Meister des Spannungsaufbaus und schafft es, dass der Leser sehr viele Fragen hat, die er dann auch beantwortet – aber halt irgendwann später, wenn man nicht mehr damit rechnet, aber auf gar keinen Fall sofort. Aber genau das hält die Spannung hoch. Über weite Strecken des Sammelbandes herrscht daher eine unterschwellige Spannung, die die Lektüre sehr kurzweilig macht.
Überhaupt ist Andreas Suchanek sehr fantasievoll und sehr kreativ, was die Charaktere, die Handlung, die Handlungsorte und magischen Gegenstände betrifft.
Ich bin mit Jennifer Danvers in die Welt der Magier eingetaucht und habe diese mit den Augen von Alexander Kent kennengelernt, ein sehr sympathischer Typ, der nicht auf den Mund gefallen ist. Es gibt neben der magischen Welt die Nimax – die Nichtmagier – die von der Existenz der anderen Welt nichts wissen, da ein Wall beide Welten voneinander trennt.
Alexander Kennt betritt die magische Welt, in der es Gut und Böse gibt. Auf der einen Seite stehen die Lichtkämpfer, zu denen Jen und Alex gehören, auf der anderen Seite gibt es die Schattenkämpfer. Und dann lernt der Leser noch einige Unsterbliche kennen, deren Namen nicht unbekannt sind: Johanna von Orleans, Leonardo da Vinci, Einstein und Cleopatra, um nur einige zu nennen.
Die Handlung fesselt, es gibt viele Intrigen, die man nicht unbedingt gleich als solche durchschaut. Manchmal herrschte bei mir dann aber schierer Unglauben, ob der Entwicklung der Dinge.
Und eines zieht sich durch die ganze Reihe: Das ist Andreas Suchaneks Sinn für Humor, der mir echt gut gefällt, weil er genau nach meinem Geschmack ist.
Es gibt mehrere Hauptprotagonisten und mehrere Handlungsstränge, die alle für sich schon sehr interessant sind und es ist nicht leicht, den Reader aus der Hand zu legen, wenn einen die Sucht gepackt hat. Es fällt außerdem nicht schwer, die Protagonisten ins Herz zu schließen. Und Stück für Stück enthüllt der Autor die Geschichte, die die Protagonisten zu dem gemacht haben was sie nun sind, wodurch sie mehr und mehr an Tiefe gewinnen. Und was sie erlebt haben, ist nicht immer einfach. Aber der Autor schafft es auch mit schwierigen Themen einfühlsam umzugehen.
Aber es geht nicht nur um Magie und Intrigen, es geht auch um Freundschaft und Teamgeist.
Eine tolle Urban-Fantasy-Reihe, die Lust auf mehr macht!
An dieser Stelle bedanke ich mich recht herzlich für das Rezensionsexemplar, das Greenlight Press und Netgalley zu Verfügung gestellt haben. Meine ehrliche Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

Fazit:
Für Fantasy-Fans ist die Reihe absolut empfehlenswert. Eine tolle Mischung aus Magie, Action, Humor, Spannung und Unvorhersehbarkeit. Das Ganze wurde ideenreich und fesselnd geschrieben und mit einem Schuss Humor verfeinert. Aber Vorsicht: Die Reihe macht süchtig!

Veröffentlicht am 20.09.2019

Ein komplexer Fall, der die grauen Zellen fordert

Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle
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Inhalt:
Auf dem Anwesen Blackheath der Familie Hardcastle wird ein Maskenball veranstaltet. Doch am Ende soll Evelyn, die Tochter des Hauses sterben. Und dann gibt es da diejenigen, die den Mord an Evelyn ...

Inhalt:
Auf dem Anwesen Blackheath der Familie Hardcastle wird ein Maskenball veranstaltet. Doch am Ende soll Evelyn, die Tochter des Hauses sterben. Und dann gibt es da diejenigen, die den Mord an Evelyn aufklären sollen, denn Evelyn stirbt jeden Abend, solange bis der Mörder gefasst wird. Und das dauert ein paar Tage….

Meine Meinung:
Stuart Turton hat hier einen faszinierenden und nicht alltäglichen Krimi abgeliefert. Sein Schreibstil ist flüssig und detailreich, der Plot ist komplex und verwoben, macht aber Spaß, wenn man sich darauf einlassen kann. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht einer Person, die es nach Blackheath verschlagen hat. Durch diese Perspektive nimmt der Leser oder Hörer sehr viele Details auf.
Und damit komme ich schon zu einem Problem mit meiner Rezension, denn es ist echt schwierig, etwas über das Buch zu schreiben, ohne zu spoilern.

Familie Hardcastle hat anlässlich eines traurigen Jahrestages zum Maskenball eingeladen – und zwar alle Gäste, die damals auch dabei waren. Aiden Bishop hat eine seltsame Nachricht erhalten: „Heute Abend wird jemand ermordet werden. Es wird nicht wie ein Mord aussehen, und man wird den Mörder daher nicht fassen. Bereinigen Sie dieses Unrecht, und ich zeige Ihnen den Weg hinaus.“ Es dauert eine Weile, bis Aiden begreift, dass der Mord an der Tochter des Hauses aufgeklärt werden soll. Auf die Sprünge hilft ihm ein geheimnisvoller und unheimlicher Pestdoktor, doch die Ermittlungen muss er alleine stemmen.

Eines vorneweg: Dies ist einer der Krimis, die man nicht nebenher lesen oder hören kann. Man muss gedanklich dabei bleiben und das die ganze Zeit, denn schon die kleinste Unaufmerksamkeit kann das Fehlen eines wichtigen Puzzlestücks zur Folge haben.

Der Anfang war zweifellos spannend, doch im Anschluss habe ich tatsächlich etwas gebraucht, um in die Geschichte zu kommen. Und irgendwann hat sie mich dann richtig gefesselt. Der Leser oder Hörer wird bei diesem Krimi richtig gefordert und man rätselt automatisch mit, wer Evelyns Mörder ist. Leider oder zum Glück tappte ich viel zu lange im Dunkeln und als ich dann den ein oder anderen Verdacht hatte, hat es der Autor geschafft, mir innerhalb kürzester Zeit meine Theorie zu widerlegen. Meine gedanklichen Mörder waren irgendwie allesamt selber Opfer. Und das Ganze zog sich bis zum Ende durch – ich bin tatsächlich nicht auf die Lösung gekommen.

Im Mittelteil der Geschichte lernen wir unheimlich viele Charaktere kennen, die sehr gut ausgearbeitet wurden und die sehr detailliert gezeichnet wurden. Sie haben nicht nur gute, sondern auch einige schlechte Charakterzüge. Durch den Blickwinkel einer einzigen Person, die in diese unterschiedlichen Charaktere springt, ist es ganz witzig, die Gefühle und Handlungen in einem völlig anderen Körper zu sehen und zu beschreiben. Das hat mir echt gut gefallen und hier war der Autor schonungslos. Auch wirft der Blick auf ein und dasselbe Ereignis aus der Sicht verschiedener Personen interessante Fakten und Details auf, die man als Leser nach und nach wahrnimmt und tunlichst nicht aus den Augen verlieren sollte. Ich habe selten ein Buch gelesen, das mit so vielen überraschenden Wendungen aufgewartet hat. Immer, wenn man meint, dem Mörder auf die Schliche gekommen zu sein, wird man eines besseren belehrt. Und hier musste man aufpassen, dass einem nicht der Kopf schwirrt und man nicht den Anschluss verliert – wie gesagt kein Krimi zum nebenher hören.

Das Ende der hat mir sehr gut gefallen. Ich fand es klasse, wie der Autor alles aufgelöst hat. Das war nicht einfach, denn der Krimi ist echt komplex und verwoben und am Ende werden alle Verstrickungen gelöst. Und wie bei einer Zwiebel kommt eine Schicht nach der anderen zum Vorschein und man ist als Leser ein ums andere Mal überrascht. Rückblickend betrachtet, war jedes noch so kleine Puzzleteil wichtig.

Fazit:
Ich habe selten einen so komplexen und verwobenen Krimi gelesen, bei dessen Ende man sich dachte: Das habe ich so nicht erwartet. Es werden sehr viele Puzzleteile benötigt, um das große Ganze zu sehen, aber das sieht man erst direkt am Schluss. Chapeau! Ein origineller Krimi, der den Leser fordert.

Veröffentlicht am 20.09.2019

Ein komplexes Hörbuch, hervorragend gelesen

Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle
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Inhalt:
Auf dem Anwesen Blackheath der Familie Hardcastle wird ein Maskenball veranstaltet. Doch am Ende soll Evelyn, die Tochter des Hauses sterben. Und dann gibt es da diejenigen, die den Mord an Evelyn ...

Inhalt:
Auf dem Anwesen Blackheath der Familie Hardcastle wird ein Maskenball veranstaltet. Doch am Ende soll Evelyn, die Tochter des Hauses sterben. Und dann gibt es da diejenigen, die den Mord an Evelyn aufklären sollen, denn Evelyn stirbt jeden Abend, solange bis der Mörder gefasst wird. Und das dauert ein paar Tage….

Meine Meinung:
Stuart Turton hat hier einen faszinierenden und nicht alltäglichen Krimi abgeliefert. Sein Schreibstil ist flüssig und detailreich, der Plot ist komplex und verwoben, macht aber Spaß, wenn man sich darauf einlassen kann. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht einer Person, die es nach Blackheath verschlagen hat. Durch diese Perspektive nimmt der Leser oder Hörer sehr viele Details auf.
Und damit komme ich schon zu einem Problem mit meiner Rezension, denn es ist echt schwierig, etwas über das Buch zu schreiben, ohne zu spoilern.

Familie Hardcastle hat anlässlich eines traurigen Jahrestages zum Maskenball eingeladen – und zwar alle Gäste, die damals auch dabei waren. Aiden Bishop hat eine seltsame Nachricht erhalten: „Heute Abend wird jemand ermordet werden. Es wird nicht wie ein Mord aussehen, und man wird den Mörder daher nicht fassen. Bereinigen Sie dieses Unrecht, und ich zeige Ihnen den Weg hinaus.“ Es dauert eine Weile, bis Aiden begreift, dass der Mord an der Tochter des Hauses aufgeklärt werden soll. Auf die Sprünge hilft ihm ein geheimnisvoller und unheimlicher Pestdoktor, doch die Ermittlungen muss er alleine stemmen.

Eines vorneweg: Dies ist einer der Krimis, die man nicht nebenher lesen oder hören kann. Man muss gedanklich dabei bleiben und das die ganze Zeit, denn schon die kleinste Unaufmerksamkeit kann das Fehlen eines wichtigen Puzzlestücks zur Folge haben.

Der Anfang war zweifellos spannend, doch im Anschluss habe ich tatsächlich etwas gebraucht, um in die Geschichte zu kommen. Und irgendwann hat sie mich dann richtig gefesselt. Der Leser oder Hörer wird bei diesem Krimi richtig gefordert und man rätselt automatisch mit, wer Evelyns Mörder ist. Leider oder zum Glück tappte ich viel zu lange im Dunkeln und als ich dann den ein oder anderen Verdacht hatte, hat es der Autor geschafft, mir innerhalb kürzester Zeit meine Theorie zu widerlegen. Meine gedanklichen Mörder waren irgendwie allesamt selber Opfer. Und das Ganze zog sich bis zum Ende durch – ich bin tatsächlich nicht auf die Lösung gekommen.

Im Mittelteil der Geschichte lernen wir unheimlich viele Charaktere kennen, die sehr gut ausgearbeitet wurden und die sehr detailliert gezeichnet wurden. Sie haben nicht nur gute, sondern auch einige schlechte Charakterzüge. Durch den Blickwinkel einer einzigen Person, die in diese unterschiedlichen Charaktere springt, ist es ganz witzig, die Gefühle und Handlungen in einem völlig anderen Körper zu sehen und zu beschreiben. Das hat mir echt gut gefallen und hier war der Autor schonungslos. Auch wirft der Blick auf ein und dasselbe Ereignis aus der Sicht verschiedener Personen interessante Fakten und Details auf, die man als Leser nach und nach wahrnimmt und tunlichst nicht aus den Augen verlieren sollte. Ich habe selten ein Buch gelesen, das mit so vielen überraschenden Wendungen aufgewartet hat. Immer, wenn man meint, dem Mörder auf die Schliche gekommen zu sein, wird man eines besseren belehrt. Und hier musste man aufpassen, dass einem nicht der Kopf schwirrt und man nicht den Anschluss verliert – wie gesagt kein Krimi zum nebenher hören.

Das Ende der hat mir sehr gut gefallen. Ich fand es klasse, wie der Autor alles aufgelöst hat. Das war nicht einfach, denn der Krimi ist echt komplex und verwoben und am Ende werden alle Verstrickungen gelöst. Und wie bei einer Zwiebel kommt eine Schicht nach der anderen zum Vorschein und man ist als Leser ein ums andere Mal überrascht. Rückblickend betrachtet, war jedes noch so kleine Puzzleteil wichtig.

Der Sprecher:
Frank Stieren liest das Hörbuch ausgezeichnet. Er kann diese düsterte Stimmung, die auf Blackheath herrscht sehr gut transportieren. Zudem finde ich, dass seine Betonungen und sein Sprachtempo super passen. Sein Sprachtempo ist nicht zu schnell, und das ist wichtig, denn dadurch läuft man nicht in Gefahr, etwas wichtiges zu überhören – es sei denn man schweift gedanklich ab. Und schaurige Szenen kann er echt noch einen Tick schauriger Lesen. Und seine Stimme passt perfekt in das alte englische Herrenhaus.

Fazit:
Ich habe selten einen so komplexen und verwobenen Krimi gelesen, bei dessen Ende man sich dachte: Das habe ich so nicht erwartet. Es werden sehr viele Puzzleteile benötigt, um das große Ganze zu sehen, aber das sieht man erst direkt am Schluss. Chapeau! Ein origineller Krimi, der den Leser fordert.