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Veröffentlicht am 05.02.2026

Gutes Debüt mit deutlichen Schwächen

Nightweaver
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Am Anfang war ich begeistert: düster, atmosphärisch, abenteuerlich, mysteriös. Dieses Gefühl hielt auch eine ganze Weile an. Bis zu einem für mich zentralen Logikproblem bei der Entwicklung der ...

Am Anfang war ich begeistert: düster, atmosphärisch, abenteuerlich, mysteriös. Dieses Gefühl hielt auch eine ganze Weile an. Bis zu einem für mich zentralen Logikproblem bei der Entwicklung der gesamten Piratenfamilie zu Dienern. Für derart rebellische Figuren gab es mir schlicht zu wenig Widerstand. Da ich das Leben am Hof der Nightweaver jedoch zunächst sehr spannend fand, sah ich darüber hinweg.

Die Welt dieses Fantasy-Spektakels ist insgesamt extrem düster und brutal. Die Gewalt wird sehr explizit geschildert, ohne Umschreibungen oder Andeutungen. Das sollte man wissen, für empfindlichere Gemüter ist das definitiv nichts.


Problematisch wurde für mich vor allem der Mittelteil, der stellenweise fast soapig wirkte. Vermutlich der erwähnte "Downton-Abbey-Anteil". Da ich die Serie selbst nie gesehen habe, kann ich hier nur mutmaßen. Der erhoffte "Fluch-der-Karibik-Vibe" war leider nur am Anfang und zum Ende hin wirklich präsent. Das eigentliche Piratenleben wurde mir insgesamt zu wenig beleuchtet.

Aster als Hauptfigur gefiel mir nur durchschnittlich gut, was vor allem am Schreibstil lag. Statt ihre Gefährlichkeit und ihren Ruf über Handlungen und Szenen zu zeigen („show, don’t tell“), wird sehr häufig wiederholt, dass sie eine Piratin ist und eine Neigung zur Gewalt hat. Das wirkte auf mich eher behauptet als erlebbar. Allgemein fehlte mir Tiefe bei den Charakteren und ihren Entwicklungen. Es wirkte häufig eher konstruiert, als organisch durch die Handlung angetrieben.

Grundsätzlich ist das Buch stark erzählerisch angelegt. Das Worldbuilding gefiel mir dabei durchaus, auch wenn ich verstehen kann, dass genau das viele Leser:innen abschreckt. Es wird viel zur Lore der verschiedenen Wesen erklärt, ebenso wie zum politischen Aufbau der Welt. Von der Grausamkeit her fast ein Game of Thrones. Die Wesen in ihrer Vielfalt ein bunter Mix aus vampirähnlichen Kreaturen und einer Angels vs. Demons-Atmosphäre. Das System an sich fand ich spannend genug, um mich darauf einzulassen, allerdings erfordert es konzentriertes Lesen. Hinzu kommt eine große Anzahl an Figuren, von denen ich einige beim Lesen eher „ausgeblendet“ habe, was später zu kleineren Verständnisproblemen führte.

Insgesamt haben mir vor allem Anfang und Ende sehr gut gefallen. Auf den erzählerischen Stil, die explizite Gewalt und den soapigen Mittelteil muss man sich einlassen können. Als Neuinterpretation mythologischer Motive ist das Buch für mich durchaus gelungen. Wegen des sehr langatmigen Mittelteils (insbesondere der vielen oberflächlichen Beziehungsdynamiken, die mich persönlich eher langweilen) vergebe ich 3,5 Sterne. Aufgerundet auf 4.

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Veröffentlicht am 29.01.2026

Leben in Traumstädten

Der chinesische Kompass
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Am Anfang der Geschichte lernen wir Lai Fang kennen, die Teile ihrer Erinnerung verloren hat, sich jedoch noch an ihren Vater erinnert. Ihre Suche nach ihm bleibt zunächst ergebnislos. Schließlich nimmt ...

Am Anfang der Geschichte lernen wir Lai Fang kennen, die Teile ihrer Erinnerung verloren hat, sich jedoch noch an ihren Vater erinnert. Ihre Suche nach ihm bleibt zunächst ergebnislos. Schließlich nimmt sie die Hilfe von Suresh in Anspruch, den sie über Online-Dating kennenlernt. Ab diesem Punkt wird es schwierig, ihre Beziehung spoilerfrei wiederzugeben, weshalb ich in der Handlung etwas vorspringe.

Der angekündigte Fantasyanteil entfaltet sich vor allem in der zweiten Hälfte des Romans. Um der Überbevölkerung der Welt entgegenzuwirken, haben die Chinesen einen Weg gefunden, sogenannte Traumstädte zu errichten und dort zu leben. In diesem Kontext stößt Lai schließlich auf eine heiße Spur, die sie ihrem Vater näherbringt.

Das Buch liest sich sehr schnell weg – die rund 200 Seiten hatte ich innerhalb eines Tages durch. Damit sind wir auch direkt bei den Stärken des Romans: Diese liegen eindeutig in seinen Ideen. Der entworfene fantasievolle Teil ist innovativ, spannend und eng mit politischen sowie gesellschaftlichen Problematiken verknüpft. Vieles wird durch eine Mischung aus Fantasie und Wissenschaft erklärt, was dem Worldbuilding eine gewisse Plastizität verleiht. Allerdings wird dieser Ansatz nicht konsequent durchgehalten.

Den Mittelteil habe ich als stimmig empfunden. Zum Ende hin wirkt die Handlung jedoch übereilt: Viele Aspekte werden nicht ausreichend erklärt oder zufriedenstellend zu Ende geführt. Es bleiben mehr Fragen als Antworten. Das kann zwar ein bewusstes Stilmittel sein, um zum eigenständigen Nachdenken anzuregen, geht hier jedoch leider auf Kosten von Story und Kontinuität.

Auch der Einstieg wirkt überhastet. Die Entwicklung der Beziehung zwischen Lai und Suresh erschien mir bereits auf den ersten Seiten fragwürdig. Ein ausführlicherer Beginn, der beide Figuren facettenreicher darstellt, hätte eine stärkere emotionale Bindung ermöglichen können. So bleibt beispielsweise unklar, warum Lai Drogen von Suresh annimmt, obwohl sie ihn kaum kennt. Die Beziehung wirkt wie eine flüchtige Bekanntschaft, der sie plötzlich vollkommen vertraut.

Insgesamt ist es eine Geschichte mit wirklich starken Ideen und großem Potenzial, dessen Umsetzung jedoch nicht durchgehend überzeugt. Weitere 100 bis 150 Seiten hätten der Story gutgetan und ihr mehr Tiefe, Details und erzählerische Ruhe verleihen können.

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Veröffentlicht am 28.01.2026

Wenn Fantasy Gesellschaft hinterfragt

How to Kill Fate (Fate Dilogie, Bd. 2)
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Ich habe bereits den ersten Teil sehr gerne gelesen, und auch dieser Band konnte die Geschichte für mich überzeugend abschließen.

Das Finale der Dilogie setzt nahtlos dort an, wo Band 1 endet. In der ...

Ich habe bereits den ersten Teil sehr gerne gelesen, und auch dieser Band konnte die Geschichte für mich überzeugend abschließen.

Das Finale der Dilogie setzt nahtlos dort an, wo Band 1 endet. In der Geschichte steckt dabei so viel, dass zwei Bände fast zu knapp wirken. Man findet philosophische Ansätze ebenso wie zahlreiche kleinere und größere Parallelen zu Geschichte und Politik. Gesellschaftskritik ist allgegenwärtig, ebenso Anspielungen auf das Patriarchat. Die Fülle an tiefsinnigen Dialogen und Gedanken macht einen Reread absolut lohnenswert. Allein schon, um sich in Ruhe Zitate zu notieren.

Ich lese selten mehr als ein Buch pro Autor*in, da ich mich meist thematisch orientiere. Saskia Louis gehört jedoch eindeutig zu den Ausnahmen. Von ihr habe ich bereits mehrere Bücher gelesen und wurde noch nie enttäuscht.

Ihre Fantasy-Romane besitzen stets eine große inhaltliche Tiefe und brechen bewusst mit klassischen Genre-Regeln. Auch hier stehen große Begriffe wie Schicksal, Glück, Zufall, Liebe und Krieg im Fokus. Allerdings ohne sie klischeehaft zu behandeln. Stattdessen werden diese Konzepte hinterfragt, ohne dass die Geschichte sich in rein philosophischen Diskussionen verliert. All das ist eng mit einer spannungsvollen Handlung verwoben.

Ein besonderes Lob gilt der Ausarbeitung des Charakters Nevin sowie den Gedanken und Gesprächen, die durch ihn entstehen. Die Art, wie er in die Handlung eingeflochten wird, wirkt dabei perfekt unperfekt. Vor allem liebe ich, dass durch ihn das Thema freundschaftliche Liebe beleuchtet und als gleichwertig zur romantischen Liebe dargestellt wird. Ist man erst etwas wert, wenn man einen „Seelenpartner“ an der Seite hat oder haben möchte? Nein – wir geben uns unseren Wert selbst. Eine wundervolle Hommage an die Mehrdimensionalität von Liebe, ohne dabei in Kitsch abzurutschen.

Alle, die genug von klischeehafter Romantasy haben, sollten hier definitiv einen Blick hineinwerfen. Diejenigen, die Band 1 gelesen haben und mochten sowieso.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.01.2026

Gute Geschichte, falscher Fokus

Hazel sagt Nein
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Der Roman ist gut zu lesen, wird seinem Thema jedoch nicht immer gerecht. Um zunächst irreführende Vermutungen zu entkräften, die durch Cover und Klappentext entstehen könnten: Hazel sagt Nein behandelt ...

Der Roman ist gut zu lesen, wird seinem Thema jedoch nicht immer gerecht. Um zunächst irreführende Vermutungen zu entkräften, die durch Cover und Klappentext entstehen könnten: Hazel sagt Nein behandelt sexuellen Missbrauch oder Gewalt nicht explizit. Auch der Machtmissbrauch des Schulleiters wird nicht bis ins Detail ausgearbeitet.

Worum geht es also stattdessen? Am ehesten lässt sich der Roman als eine ernstere, reifere Version von Gilmore Girls beschreiben. Im Mittelpunkt steht der Umzug der Familie Bloom aus der schillernden Großstadt in eine amerikanische Kleinstadt. Erzählt wird abwechselnd aus der Perspektive aller Familienmitglieder: der 18-jährigen Hazel, ihres 11-jährigen Bruders Wolf sowie der Eltern Claire und Gus. Letztere bleiben jedoch in Charakterzeichnung und Handlung auffallend blass. Ihre Passivität wirkt stellenweise überzeichnet, sodass man sie eher als Nebenfiguren hätte einsetzen können, um den Kindern mehr Raum zu geben.

Der Roman beginnt sehr stark, verliert jedoch in der Mitte an Spannung und kippt beinahe in eine märchenhafte Fügung. Hazel kommt insgesamt zu gut davon. Das kann Leser*innen Mut machen, selbst den Mund aufzumachen, blendet jedoch die Realität vieler Betroffener aus. Häufig fügt sich das Leben nach einem solchen „Nein“ eben nicht zum Guten, sondern entwickelt eine zerstörerische Dynamik. Diese Realität bleibt im Roman weitgehend unberührt.
Zwar überzeugt das Buch mit einigen gelungenen Dialogen und einer kritischen Auseinandersetzung mit Image, Wahrheit und öffentlicher Wahrnehmung. Der Schulleiter selbst verkommt jedoch zur Randfigur. Das kann man als bewusste Entscheidung verstehen, Tätern keine Bühne zu geben. Literarisch funktioniert dieser Ansatz jedoch nur bedingt, denn für Betroffene bleibt der Täter meist lange alles andere als eine Nebenfigur.

Ein weiterer Punkt, der das Lesen stellenweise schwierig machen kann, betrifft die Darstellung von Neurodivergenz. Wolf wird als Kind mit ADHS eingeführt, jedoch häufig lediglich als nervig oder anstrengend beschrieben, ohne dass dies im Text wirklich eingeordnet oder erklärt wird. Gerade für neurodivergente Leser/innen kann das schmerzhaft sein, da es ein sehr reales Erleben widerspiegelt: als störend oder seltsam wahrgenommen zu werden, ohne dass jemand die Hintergründe benennt oder vermittelt. Diese Perspektive bleibt im Roman leider unreflektiert und reproduziert damit genau jene Sprachlosigkeit, die viele ND-Menschen aus ihrem Alltag kennen.

Als Roman über sexuellen Missbrauch überzeugt Hazel sagt Nein daher nur eingeschränkt. Als Kleinstadtgeschichte über eine junge Frau, die trotz Zweifel und Verletzlichkeit für sich und ihren Standpunkt einsteht, funktioniert das Buch deutlich besser. Mit einem anderen Ausgangspunkt wäre die Geschichte für mich runder gewesen: kein Schulleiter, sondern etwa dessen Sohn, der glaubt, aufgrund von Beliebtheit und sozialer Stellung jedes „Nein“ übergehen zu können. Auch hier hätte Hazels Ablehnung Gewicht gehabt, ohne sexuellen Missbrauch zum zentralen Thema zu machen. Machtmissbrauch, Gerüchte, Image und Feminismus hätten ebenso verhandelt werden können, und der restliche Roman hätte mit kleinen Anpassungen hervorragend gepasst.
Denn letztlich erzählt das Buch von einer jungen Frau mit dem Wunsch, Schriftstellerin zu werden, die lernt, zu ihrem „Nein“ zu stehen und trotz Widrigkeiten ihren eigenen Weg zu gehen. Die Perspektiven der übrigen Familienmitglieder ergänzen dies durch kleinere und größere Alltagskonflikte. Insgesamt ist Hazel sagt Nein ein Roman der leisen Töne, der sich ein zu schweres Thema gewählt hat, dem er nicht vollständig gerecht wird. Wer darüber hinwegsehen kann, erhält eine gesellschaftskritische Kleinstadtgeschichte, die jedoch stellenweise zu sehr auf amerikanisierte, glückliche Fügungen setzt.

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Veröffentlicht am 10.01.2026

Andere zu heilen ist ihr Schicksal

Das Dreizehnte Kind
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Atmosphärisch dicht, berührend und auch etwas schaurig. Das ist "Das dreizehnte Kind". Die Geschichte hat mich direkt in den Bann gezogen und ich konnte kaum Pause machen, musste es aber zwischendurch.

Hazel ...

Atmosphärisch dicht, berührend und auch etwas schaurig. Das ist "Das dreizehnte Kind". Die Geschichte hat mich direkt in den Bann gezogen und ich konnte kaum Pause machen, musste es aber zwischendurch.

Hazel ist als dreizehntes Kind einem mächtigen Gott versprochen. Allerdings nicht auf die Art wie man nun denken mag. Dreizehnte Kinder gelten als besonders begabt und so lernt Hazel als junges Mädchen in der Zwischenwelt alles über Medizin und damit ums Heilen, was sie in Büchern finden kann. Exakt dies ist der Auftrag des Gottes, der den Tod repräsentiert.

Zurück auf die Erde gesandt soll sie andere heilen oder eben dabei helfen zu sterben. Eine Gabe ermöglicht es ihr zu sehen welche Mittel helfen könnten und ein Totenkopf symbolisiert ihr wann es zu spät ist. Am Königshof soll sie letztlich eine äußerst mysteriöse Krankheit heilen und erkennt, dass sie den Totenkopf besser nicht ignorieren sollte.

Toll geschrieben, eher langsam erzählt. Damit aber genau das Richtige für die langen Winterabende. Ein richtig schönes Gothic-Märchen. Toller Einzelband.

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