Identitätsfindung ist keine Perfektion
Pinguine fliegen nur im WasserWas passiert, wenn ein Mensch, der alles unter Kontrolle hat, plötzlich alles verliert – und im Chaos einer anderen Person Halt findet?
Der Roman „Pinguine fliegen nur im Wasser“ handelt von dem Unternehmensberater ...
Was passiert, wenn ein Mensch, der alles unter Kontrolle hat, plötzlich alles verliert – und im Chaos einer anderen Person Halt findet?
Der Roman „Pinguine fliegen nur im Wasser“ handelt von dem Unternehmensberater Vincent, der von einem Tag auf den anderen ohne Job und Wohnung dasteht. Nicht einmal Zeit zum Räumen bekommt er – ein Taxi, vollgepackt mit seinen Habseligkeiten, wartet bereits auf ihn.
Die Fahrerin, Greta, wirkt auf den kontrollierten Vincent wie eine Naturgewalt. Zunächst ist sie viel zu überwältigend für seine inneren Mauern. Als sie ihn bittet, ihr beim Renovieren ihres Hauses zu helfen, ist er innerlich völlig durcheinander. Immerhin hat er dadurch einen Platz zum Wohnen. Der Rest... fügt sich.
Zu Beginn hatte ich Schwierigkeiten, in den Roman hineinzufinden. Das legte sich jedoch abrupt nach den ersten hundert Seiten – und plötzlich war ich ganz in der Geschichte versunken.
Der Schreibstil ist locker und leicht. Viele kleine Details über die Figuren und über Gretas Haus werden eingeflochten. An vielen Stellen wirkt das liebevoll, an manchen etwas überfrachtet. Die Handlung tritt zugunsten dieser Details gelegentlich in den Hintergrund – im liebevollsten Sinne.
Man spürt deutlich, dass es der Autorin wichtig war, diese Geschichte zu erzählen. Hier liegt Bedeutung in den Zeilen. Es ist keine dieser Liebesgeschichten mit künstlich erzeugtem Drama. Vielmehr geht es um die Irrungen und Wirrungen des Lebens, um Identitätsfindung.
Es geht darum, wie man erkennt, was einem selbst wichtig ist – besonders, wenn das Elternhaus ganz andere Ideale vorgegeben hat. Es geht darum, sich Ängsten zu stellen, eigene Mauern einzureißen – und das auf leise, subtile Weise.
„Pinguine fliegen nur im Wasser“ ist kein lauter Roman – selbst wenn Protagonistin Greta und mancher Nebencharakter es manchmal sind. Die Worte tragen langsam, humorvoll, ohne Effekthascherei. Absolut cozy, trotz nachdenklicher Themen.
Das Buch hat Tiefe – ohne je zu schwer zu werden.
Ein stiller Roman, der lange nachklingt.