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Veröffentlicht am 21.07.2025

Identitätsfindung ist keine Perfektion

Pinguine fliegen nur im Wasser
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Was passiert, wenn ein Mensch, der alles unter Kontrolle hat, plötzlich alles verliert – und im Chaos einer anderen Person Halt findet?

Der Roman „Pinguine fliegen nur im Wasser“ handelt von dem Unternehmensberater ...

Was passiert, wenn ein Mensch, der alles unter Kontrolle hat, plötzlich alles verliert – und im Chaos einer anderen Person Halt findet?

Der Roman „Pinguine fliegen nur im Wasser“ handelt von dem Unternehmensberater Vincent, der von einem Tag auf den anderen ohne Job und Wohnung dasteht. Nicht einmal Zeit zum Räumen bekommt er – ein Taxi, vollgepackt mit seinen Habseligkeiten, wartet bereits auf ihn.

Die Fahrerin, Greta, wirkt auf den kontrollierten Vincent wie eine Naturgewalt. Zunächst ist sie viel zu überwältigend für seine inneren Mauern. Als sie ihn bittet, ihr beim Renovieren ihres Hauses zu helfen, ist er innerlich völlig durcheinander. Immerhin hat er dadurch einen Platz zum Wohnen. Der Rest... fügt sich.



Zu Beginn hatte ich Schwierigkeiten, in den Roman hineinzufinden. Das legte sich jedoch abrupt nach den ersten hundert Seiten – und plötzlich war ich ganz in der Geschichte versunken.

Der Schreibstil ist locker und leicht. Viele kleine Details über die Figuren und über Gretas Haus werden eingeflochten. An vielen Stellen wirkt das liebevoll, an manchen etwas überfrachtet. Die Handlung tritt zugunsten dieser Details gelegentlich in den Hintergrund – im liebevollsten Sinne.

Man spürt deutlich, dass es der Autorin wichtig war, diese Geschichte zu erzählen. Hier liegt Bedeutung in den Zeilen. Es ist keine dieser Liebesgeschichten mit künstlich erzeugtem Drama. Vielmehr geht es um die Irrungen und Wirrungen des Lebens, um Identitätsfindung.

Es geht darum, wie man erkennt, was einem selbst wichtig ist – besonders, wenn das Elternhaus ganz andere Ideale vorgegeben hat. Es geht darum, sich Ängsten zu stellen, eigene Mauern einzureißen – und das auf leise, subtile Weise.



„Pinguine fliegen nur im Wasser“ ist kein lauter Roman – selbst wenn Protagonistin Greta und mancher Nebencharakter es manchmal sind. Die Worte tragen langsam, humorvoll, ohne Effekthascherei. Absolut cozy, trotz nachdenklicher Themen.



Das Buch hat Tiefe – ohne je zu schwer zu werden.

Ein stiller Roman, der lange nachklingt.

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Veröffentlicht am 12.07.2025

(K)ein zahmes Lamm

We Burn Daylight
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Das Thema Psychologie interessiert mich schon sehr lange. Dementsprechend auch Dynamiken, die sich durch manipulative und/oder gewalttätige Menschen ergeben. Sekten sind besonders anziehend - ...

Das Thema Psychologie interessiert mich schon sehr lange. Dementsprechend auch Dynamiken, die sich durch manipulative und/oder gewalttätige Menschen ergeben. Sekten sind besonders anziehend - thematisch. Ich hoffe nie in einer zu landen!

Ich habe schon viele Dokus über Sekten gesehen und auch diverse Bücher gelesen. Meistens eher von Betroffenen wie Leah Remini, die aus Scientology ausgestiegen ist. Ich glaube das gefällt mir auch ein wenig besser, weil es sehr authentisch ist. Dennoch will ich nicht außer Acht lassen wie schwer es für einen Autor sein muss dieses komplexe Thema außenstehend in Worte zu fassen. C.H. Beck schafft das recht gut, auch wenn ich mich an den Schreibstil etwas gewöhnen musste. Die Podcasts-Einblicke fand ich anfangs verwirrend.
Lässt man sich drauf ein, ergibt sich ein sehr detaillierter Roman über Sekten-Dynamiken und wie ein einziger Mensch das Leben vieler zerstören kann. An manchen Stellen war es etwas langatmig. Auch hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht. Es liest sich an manchen Stellen mehr wie eine Nacherzählung. Als wäre man als Leser nicht ganz dazu eingeladen sich ins Geschehen ziehen zu lassen. Dennoch lesenswert und ein gutes Buch. Allerdings absolut nichts für mal eben zwischendurch.

Was hörte ich mal für einen Satz in einer Sekten-Doku? Wenn du denkst dir könnte das nicht passieren, bist du potenziell der beste Kandidat, um genau in die Fänge dieser Leute zu geraten.

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Tiefgang, der sanft trägt

Das Multiversum der Menschlichkeit
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Vorweg: Ich liebe alles an diesem Buch – aber der Reihe nach.



Schon beim Auspacken war ich positiv überrascht: Die Haptik und das Layout des Buches sind außergewöhnlich hochwertig. Die Rillenstruktur ...

Vorweg: Ich liebe alles an diesem Buch – aber der Reihe nach.



Schon beim Auspacken war ich positiv überrascht: Die Haptik und das Layout des Buches sind außergewöhnlich hochwertig. Die Rillenstruktur der Broschur gefällt mir besonders gut – sie liegt nicht nur angenehm in der Hand, sondern lädt regelrecht dazu ein, öfter darüber zu streichen. Auch das Inhaltsverzeichnis und die gesamte Struktur wirken durchdacht und übersichtlich. Türkisfarbene Akzente schaffen eine klare visuelle Trennung zwischen den Themen.



Das Buch umfasst zehn Kapitel, eine Einleitung und einen Epilog. Was mich sofort gepackt hat, war der herausragende Schreibstil und die kluge Metaphorik: Menschliches Empfinden und Handeln wird mit universellen Prinzipien verknüpft – bildhaft, tiefgründig und zugleich leicht zugänglich.



Die Kapitel widmen sich Themen wie Liebe, Selbstfürsorge, Wut, Mut, Vergebung, Empathie, Hoffnung, Geduld, Dankbarkeit und Authentizität – allem, was den Menschen als Mikrokosmos ausmacht. Jedes dieser Themen wird durch Phänomene aus dem Universum oder der Physik erklärt. Dabei bleibt alles verständlich und einprägsam – auch für Leser*innen ohne naturwissenschaftliche Vorkenntnisse.



Besonders gefallen hat mir, dass jedes Kapitel durch kurze Geschichten ergänzt wird, die ein Gefühl von Optimismus und Mitgefühl wecken – ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Am Ende jedes Abschnitts wird der Inhalt noch einmal „auf den Punkt gebracht“, was das Nachschlagen besonders leicht macht.



Das Buch lässt sich sowohl kapitelweise als auch am Stück lesen – ich selbst habe es in einem Rutsch verschlungen. Doch ich werde es definitiv noch einmal lesen – diesmal mit Notizen zu den schönsten Stellen.



Was ich erst im Nachgang realisiert habe: Dieses Buch hat mich auf einer tieferen Ebene berührt. Ich selbst schreibe an einer Dystopie und steckte zuletzt in einer kreativen Sackgasse. Das Multiversum der Menschlichkeit hat mir geholfen zu erkennen, worüber ich eigentlich schreiben will – nicht nur inhaltlich, sondern auch in der Haltung. Es hat etwas in mir geklärt, das vorher diffus war. Und allein dafür bin ich sehr dankbar.

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Veröffentlicht am 16.05.2025

Stay Lost in this Moment forever

Gestern waren wir unendlich
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Das Cover und der Buchschnitt sind wundervoll gestaltet. Das helle türkis harmoniert wundervoll mit dem pastelligen lila. Die Golden Gate Bridge, die man beim Erwerb beider Bücher im Farbschnitt ...

Das Cover und der Buchschnitt sind wundervoll gestaltet. Das helle türkis harmoniert wundervoll mit dem pastelligen lila. Die Golden Gate Bridge, die man beim Erwerb beider Bücher im Farbschnitt sehen kann, finde ich ebenfalls wundervoll. Ich liebe die Golden Gate Bridge. Umso trauriger ist es darum, dass ich es nicht komplettieren werde. Die Geschichte fand ich nur Durchschnitt und nur wegen der Optik werde ich mir den zweiten Band nicht zulegen.

Kommen wir zur Geschichte. Ich kam gut in die Handlung hinein und obwohl ich mit Urlaubsvorbereitungen beschäftigt war, war es unproblematisch der Geschichte zu folgen. Es eignet sich allgemein also gut als leichtere Kost für nebenbei. Der Schreibstil ist gut und flüssig. Zunächst gefiel mir, dass es die Personen recht realitätsnah beschrieben wurden. Allerdings hatte ich gehofft die Charaktere mit der Zeit mehr ins Herz zu schließen. Dies blieb irgendwie aus. Es gab zwar einige Rückblenden, die versuchten Henry, Louis und auch Nebencharaktere näher zu bringen, aber ich konnte nicht so darin eintauchen. Zeitschleifen sind der Inbegriff repetativer Geschehnisse. Hier war es mir aber zu viel und die Ereignisse innerhalb der Zeitschleifen immer uninnovativer. Mir fehlte die ganze Zeit das besondere Etwas. Am Ende fügte sich alles stimmig zusammen, aber es hinterließ keinen bleibenden Eindruck für mich.

Es hatte eine Prise Rendezvous mit Joe Black, einen Hauch Butterfly Effect und einen kleinen Teil Final Destination, ohne ins Horror-Genre zu gehen. Es blieb cozy, aber leider ein bisschen zu unaufgeregt.

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Veröffentlicht am 02.05.2025

Solide Romantasy

Heartless Hunter. Der rote Nachtfalter, Band 1
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Das Cover und der Farbschnitt sind eindrucksvoll. Der rote Nachtfalter zieht einen völlig in seinem Bann. Dazu das satte Grün im Hintergund machen es zu einem wahren Eyecatcher.

Klappentext ...

Das Cover und der Farbschnitt sind eindrucksvoll. Der rote Nachtfalter zieht einen völlig in seinem Bann. Dazu das satte Grün im Hintergund machen es zu einem wahren Eyecatcher.

Klappentext und auch Leseprobe konnten mich direkt begeistern und als das Buch kam, las ich mit großer Freude weiter. Allerdings hatte ich wohl eine andere Erwartung an das Buch. Zunächst fand ich es zumindest positiv, dass es Romantasy ohne Spice ist. Somit wird die Handlung nicht mit unnötigen Sexszenen gestreckt. Trotzdem geht es meiner Meinung nach seitens des Hexenjägers Gideon ein wenig zu sehr darum Runes' Hexennarben zu untersuchen. Um diese zu sehen bekommt er den Auftrag ihr Nahe zu kommen und schließlich mit ihr zu schlafen. Ich hätte mir gewünscht, dass es mehr um die anderen Hexen geht, die Rune in Sicherheit bringt. Stattdessen liegt der Fokus klar auf der Liebesgeschichte, die auf mich nicht gerade glaubwürdig wirkte.

Das World Building ist an sich nicht schlecht, wirkt aber an vielen Stellen unausgegorren. Das Ende hat mich aber zumindest neugierig auf den zweiten Teil gemacht. Ich könnte mir vorstellen, dass dort etwas andere Töne angeschlagen werden. Weiter lesen werde ich also, aber ich bin noch unschlüssig was ich von dem Ganzen halte.

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