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Veröffentlicht am 12.03.2025

Wie aus dem eigenen Leben

Nicht falsch, nur neurodivergent
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Ich weiß gar nicht so recht wo ich anfangen soll. Dabei habe ich mit Rezensionen selten Probleme. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich mich auf vielen Seiten so exakt wiedergefunden habe wie in keinem ...

Ich weiß gar nicht so recht wo ich anfangen soll. Dabei habe ich mit Rezensionen selten Probleme. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich mich auf vielen Seiten so exakt wiedergefunden habe wie in keinem anderen Buch über Neurodivergenz. Sie bringt die Dinge ohne Umschweife auf den Punkt. Als Betroffene spürt man die Schwere hinter den Worten umso intensiver. Natürlich habe ich das Leben von Charlotte Suhr nicht gelebt, aber einige Seiten, Zeilen, Passagen trafen mich so direkt als wären sie von mir. Von mir - weil ich selbst mal so gedacht habe oder denke. Von mir - weil ich exakt ähnliche Ansichten durch mein Leben trage. Von mir - weil ich genau nachvollziehen kann wie es ist, wenn man sein Leben lang eine Maske trägt.

Der Schreibstil ist flüssig und gut strukturiert. Ich hatte es abends angefangen und am nächsten Nachmittag beendet. Ich habe bereits viele Bücher zum Thema Neurodivergenz gelesen, aber dieses ist definitiv eines der guten Werke. Wer sich selbst schon länger mit dem Thema beschäftigt, weiß wahrscheinlich was ich meine. Gute Bücher dazu werden langsam mehr, aber es gehört immer noch viel Geschick dazu keinen Schund zu erwischen. Vor allem als Frau. Für mich persönlich lesen sich zudem Bücher von Betroffenen viel besser als solche, die von neurotypischen Menschen zu Autismus und/oder ADHS geschrieben wurden. Neurodivergenz von neurotypischen Menschen erklärt zu bekommen ist in etwa so, als würde eine Gruppe die Aufgabe bekommen ein Buch zu lesen und anschließend eine Arbeit zu schreiben. Allerdings bist du die einzige, die es in einer Fremdsprache bekommt, die du schlecht beherrscht. Ich sehe es als unfassbare Erleichterung, dass es mittlerweile solche Erfahrungsberichte gibt. Schön wäre es gewesen diese Bücher mindestens 20 Jahre eher gehabt zu haben. Trotzdem gibt es etwas Hoffnung und Mut zu sehen, dass man nicht alleine ist und nicht die einzige ist, die so denkt und fühlt.

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Veröffentlicht am 12.03.2025

Mama muss perfekt sein

Institut für gute Mütter
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Die Geschichte beginnt damit, dass die Protagonistin ihr Kind für 2 Stunden alleine in ihrer Wohnung zurück lässt, um ein paar Kleinigkeiten zu erledigen. Natürlich nichts was man tun sollte. Was danach ...

Die Geschichte beginnt damit, dass die Protagonistin ihr Kind für 2 Stunden alleine in ihrer Wohnung zurück lässt, um ein paar Kleinigkeiten zu erledigen. Natürlich nichts was man tun sollte. Was danach passiert ist jedoch psychische Folter in extremster Form.

Sie muss sich vor Gericht verantworten und steht kurz davor ihr Sorgerecht zu verlieren. Ihre Tochter soll fortan bei ihrem Ex und dessen neuer Freundin bleiben. Jene Freundin, mit der ihr Ex sie betrogen hatte. Jene Frau, die fortan die Mami für ihre Kleine spielt. Das Gericht entscheidet, dass sie bei einem neuen Programm mitmachen soll. Ein Jahr soll sie zu einem Institut zusammen mit anderen gescheiterten Müttern und lernen eine gute Mutter zu sein. Dort bekommen sie KI-Kinder, die ihren leiblichen Kindern verblüffend ähnlich sehen. Die Prüfungen, die sie zu erfüllen haben sind höchste emotionale Folter. Sie werden jede Sekunde abgehört, gefilmt und ihre Emotionen werden ebenfalls gelesen. Ist man nicht zufrieden mit den Wertungen der Emotionen wird Ihnen Kälte oder sonstiges vorgehalten. Vielen wird psychische Labilität vorgeworfen oder andere gehaltlose Dinge. Es gibt viele Passagen, wo ich einfach nur den Kopf schütteln musste. Für wirklich alles wurde die Schuld bei der Mutter gesucht. Im Institut für gute Väter wiederum war es entspannter und human. Im Institut für gute Mutter musste jede Teilnehmerin stakatoartig immer wiederholen, dass sie eine Narzisstin sei und lernen müsse eine gute Mutter zu sein. Ihr Dasein sei nur für das Kind. Auch Dates wurden ihnen verboten und gleich als höchster Verstoß geahndet. Ich hatte das Buch in Rekordzeit durch, da ich einfach nicht aufhören konnte.

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Veröffentlicht am 12.03.2025

Bilder, so lebhaft wie Anne

MANHWA – Klassiker für Kids – Anne auf Green Gables
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Zunächst muss ich die Darstellung von Anne und die Illustrationen allgemein loben. Sie sind farbenfroh, detailliert und fröhlich. Damit spiegeln sie in jedem Aspekt das Temperament von Anne Shirley wieder. ...

Zunächst muss ich die Darstellung von Anne und die Illustrationen allgemein loben. Sie sind farbenfroh, detailliert und fröhlich. Damit spiegeln sie in jedem Aspekt das Temperament von Anne Shirley wieder.

Das Wichtigste der Handlung wird in kurzen Kapiteln abgehandelt, es gibt kleine Änderungen, die ich am pädagogischen Sinne für Kleinere begrüße. So wird an einigen Stellen etwas Dramaturgie des Originals raus genommen, die für kleine Kinder überfordernd sein könnten. Zum Beispiel wird der Punkt, das Anne wieder gehen soll nur kaum angeschnitten und sie wird schneller akzeptiert und aufgenommen. Der Tod von Matthew wird allerdings stark und emotional aufgegriffen. Kein Kritikpunkt, eher eine Anmerkung.

Ich finde den Manhwa durch und durch gelungen und bin froh ein Exemplar davon zuhause zu haben. Ich werde es in Ehren halten. Für Fans des Originals, aber auch Neulinge eine klare Empfehlung!

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Veröffentlicht am 12.03.2025

Erschreckende Wahrheit

Meine Flucht aus Nordkorea
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Über Nordkorea hat sicher jeder schon das eine oder andere aufgeschnappt. Einen autobiografischen Bericht über das wahre Leben dort zu lesen ist noch einmal etwas ganz anderes als die zusammengefassten ...

Über Nordkorea hat sicher jeder schon das eine oder andere aufgeschnappt. Einen autobiografischen Bericht über das wahre Leben dort zu lesen ist noch einmal etwas ganz anderes als die zusammengefassten Berichte im Fernsehen oder Zeitungen.

George Orwells "1984" als Sinnbild für Nordkorea zu nutzen könnte nicht passender sein. Yeonmi erklärt nachvollziehbar wie ihr Leben in Nordkorea aussah und auch warum manches außerhalb der Grenzen zunächst fremdartig und verzerrt wirkte. Ihr Leben als Flüchtling in China ist nahezu schlimmer als ihr Leben in Nordkorea. Menschenhandel und Vergewaltigungen stehen zur Tagesordnung. Diese Kapitel zu lesen empfand ich äußerst schmerzhaft. Wie leidvoll muss es für diejenigen sein, die es erlebt haben? Vorstellen kann man sich das wahrscheinlich gar nicht gänzlich. Yeonmi gerät von einer miesen Lage in die nächste. Trotzdem spricht sie von Glück im Unglück. Viele haben es schlimmer getroffen. Vermutlich hat sie recht, wenn man im einzelnen liest was in ihrer Lage noch hätte passieren können. Ihre Stärke es so zu sehen ist dennoch bewundernswert. Sie hat Dinge gesehen und erlebt, an denen andere zerbrechen. Sie selbst hat bis heute Alpträume, in denen sie alte Geschehnisse verfolgen.

Auch ihr Leben in Südkorea war nicht der sofortige Lichtblick. Mag man sich als westlicher Mensch kaum vorstellen, aber für Yeonmi war es eine große Herausforderung zu lernen selbst zu denken, eine eigene Individualität mit Vorlieben, Abneigungen und Hobbys zu entwickeln. Anfangs verwirrten sie Fragen in Südkorea, die sie nach ihrer Lieblingsfarbe oder anderen Dingen fragten, die sie selbst ausmachten. Es brauchte Jahre zu lernen, dass sie eine eigene Persönlichkeit entwickeln kann, die nicht nur dazu existiert zu überleben oder andere zu beschützen. Es ist erschütternd und traurig zu lesen. Auch der Schlussteil ließ mich nur mit dem Kopf schütteln. Die nordkoreanische Regierung versucht sie zu deformieren und als unglaubwürdig darzustellen. Als wären Teile ihrer Geschichte erfunden. Ich wüsste nicht welchen Sinn es hätte eine derart tragische Geschichte aufzuschreiben, wenn man sie nicht erlebt hat. Nach dem Buch war ich einfach nur froh und glücklich zu lesen, dass sie nach 7 Jahren auch endlich ihre Schwester in Südkorea wiedergefunden hat und kann der Familie nicht anders als alles Gute zu wünschen. Man begibt sich mit einer derartigen Geschichte über ein Regime wie Nordkorea mehr in Gefahr, als das es Nutzen hat. Was zur Hölle hätte die Frau davon? Ein sehr lesenswertes Buch.

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Veröffentlicht am 01.03.2025

Nostalgie meets Tragik

Klapper
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Das Cover gefällt mir ganz gut uns passt auch gut zu der Geschichte. An einer Stelle wird etwas erwähnt, das sich mit dem Cover in Verbindung bringen lässt.

Der Schreibstil ist locker und einfach ...

Das Cover gefällt mir ganz gut uns passt auch gut zu der Geschichte. An einer Stelle wird etwas erwähnt, das sich mit dem Cover in Verbindung bringen lässt.

Der Schreibstil ist locker und einfach zu verstehen, jedoch wenig temporeich. Man kommt gut in die Geschichte rein, jedoch plätscherte für mich alles viel zu sehr dahin. Die Charaktere wirkten für mich stellenweise auch etwas unglaubhaft. Ich kann nicht mal genau fassen was mich störte, aber es fühlte sich einfach nicht rund an. Irgendwie hatte ich eher das Gefühl einen ersten Entwurf eines Romanes zu lesen, dem noch der Feinschliff fehlt. So war es an allen Ecken Irgendwie zu wenig für mich, um daraus eine für mich wirklich gute Story zu machen. Bär war mir nicht wirklich sympa. Weshalb ich bei der Geschichte auch nur passiv rein kam. Allgemein fühlte ich mich nicht wirklich in die Handlung hineingezogen. Es war eher düster, doch auch Melancholie kam nicht rüber. Alles in allem habe ich nicht wirklich verstanden wohin der Roman eigentlich genau wollte und was die Aussage sein soll. Teilweise hatte ich das Gefühl es war nur wichtig möglichst viel Nerdkultur der 2010er unterzubringen. Selbst das hätte aber charmanter gelöst werden können. Da ich mir aber so ganz unschlüssig bin wie ich das Buch einordnen soll, bekommt es 3 Sterne. Es war einfach kein Buch für mich. Vielleicht für jemand anderen, der dem Stil mehr abgewinnen kann.

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