Wie aus dem eigenen Leben
Nicht falsch, nur neurodivergentIch weiß gar nicht so recht wo ich anfangen soll. Dabei habe ich mit Rezensionen selten Probleme. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich mich auf vielen Seiten so exakt wiedergefunden habe wie in keinem ...
Ich weiß gar nicht so recht wo ich anfangen soll. Dabei habe ich mit Rezensionen selten Probleme. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich mich auf vielen Seiten so exakt wiedergefunden habe wie in keinem anderen Buch über Neurodivergenz. Sie bringt die Dinge ohne Umschweife auf den Punkt. Als Betroffene spürt man die Schwere hinter den Worten umso intensiver. Natürlich habe ich das Leben von Charlotte Suhr nicht gelebt, aber einige Seiten, Zeilen, Passagen trafen mich so direkt als wären sie von mir. Von mir - weil ich selbst mal so gedacht habe oder denke. Von mir - weil ich exakt ähnliche Ansichten durch mein Leben trage. Von mir - weil ich genau nachvollziehen kann wie es ist, wenn man sein Leben lang eine Maske trägt.
Der Schreibstil ist flüssig und gut strukturiert. Ich hatte es abends angefangen und am nächsten Nachmittag beendet. Ich habe bereits viele Bücher zum Thema Neurodivergenz gelesen, aber dieses ist definitiv eines der guten Werke. Wer sich selbst schon länger mit dem Thema beschäftigt, weiß wahrscheinlich was ich meine. Gute Bücher dazu werden langsam mehr, aber es gehört immer noch viel Geschick dazu keinen Schund zu erwischen. Vor allem als Frau. Für mich persönlich lesen sich zudem Bücher von Betroffenen viel besser als solche, die von neurotypischen Menschen zu Autismus und/oder ADHS geschrieben wurden. Neurodivergenz von neurotypischen Menschen erklärt zu bekommen ist in etwa so, als würde eine Gruppe die Aufgabe bekommen ein Buch zu lesen und anschließend eine Arbeit zu schreiben. Allerdings bist du die einzige, die es in einer Fremdsprache bekommt, die du schlecht beherrscht. Ich sehe es als unfassbare Erleichterung, dass es mittlerweile solche Erfahrungsberichte gibt. Schön wäre es gewesen diese Bücher mindestens 20 Jahre eher gehabt zu haben. Trotzdem gibt es etwas Hoffnung und Mut zu sehen, dass man nicht alleine ist und nicht die einzige ist, die so denkt und fühlt.