Profilbild von smartie11

smartie11

Lesejury Star
offline

smartie11 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit smartie11 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.06.2026

Ein raffinierter Plot voller Twists und Überraschungen

Weil sie lügt
0

„Unser ganzes Leben wird auseinandergerissen, fortgeschwemmt, unwiederbringlich zerstört. Nur gibt es für meine Familie und mich keine Rettungsleine an einem Hubschrauber. Niemand wird kommen und uns retten. ...

„Unser ganzes Leben wird auseinandergerissen, fortgeschwemmt, unwiederbringlich zerstört. Nur gibt es für meine Familie und mich keine Rettungsleine an einem Hubschrauber. Niemand wird kommen und uns retten. Wir müssen uns aus eigener Kraft aus den Fluten ziehen, sonst ertrinken wir.“ (S. 137)

Meine Meinung:
Annas Familie ist von Grund auf zerstört, seit ihre große Schwester Juli vor anderthalb Jahren spurlos verschwunden ist. Ihr Vater sitzt deswegen in Untersuchungshaft, ihre Mutter leidet unter starken psychischen Problemen und ist kaum zurechnungsfähig. Anna muss stark sein. Für sich, für ihren kleinen Bruder, für ihre Eltern - und für Juli. Sie kann nicht an die Schuld ihres Vaters glauben und nimmt eigene Ermittlungen auf. Doch diese führen zu furchtbaren Geheimnissen und werden brandgefährlich…

Von der ersten Seite an fiebert man mit Anna mit, der so unglaublich starken und toughen Protagonistin dieses Thrillers. Der Fall selbst ist für uns Lesende genauso verworren und rätselhaft wie für Anna selbst. Je mehr Seiten dahinfliegen, desto mehr Fragen sammeln sich an. Obgleich der Kreis der Charaktere vergleichsweise überschaubar ist, scheint doch jeder hier seine ganz eigenen Geheimnisse zu haben. Schnell führt das beim Lesen dazu, dass man niemandem mehr vertraut, ja regelrecht paranoid allen Figuren hier misstraut. Wer ist Opfer, wer der Täter? Und welche Figur lügt? Das alles hat Caroline Seibt wirklich akribisch und sehr gekonnt konstruiert.

Durch die kurzen Kapitel, die abwechselnd aus der Sicht von Anna und der Ermittlerin Katharina geschrieben sind, bleibt das Tempo extrem hoch und es ergeben sich immer wieder kleine, aber fiese Cliff-Hanger an vielen Kapitelenden. So entwickelt diese Geschichte einen Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte. Gebannt bin ich der Story in kürzester Zeit bis zum Ende gefolgt. Und selbst rund 40 Seiten vor dem Ende hatte ich noch keine wirklich belastbare Idee, wie das hier alles zusammenhängen könnte. Am Ende serviert uns Caroline Seibt ein rasend spannendes und dramatisches Finale, das mit einer letzten, faustdicken Überraschung daherkommt und einen beim Lesen fast fassungslos zurücklässt. Doch am Ende sind tatsächlich die wichtigen Fragen, die sich während des Lesens turmhoch angehäuft haben, beantwortet worden und die Autorin hat es geschafft, ihren intelligenten Plot zu einem runden, und letztendlich in Teilen sogar versöhnlichen Ende zu bringen.

Die Hörbuchfassung hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Gerade da die Geschichte aus der Perspektive von Anna und Katharina erzählt wird, ist es toll, dass auch das Hörbuch von zwei Sprecherinnen gesprochen wird. Rebecca Veil und Elke Appelt haben beiden Figuren auf eine sehr einfühlsame und authentische Art „Leben eingehaucht“. Sprechtempo, Modulation und Betonung passten in meinen Augen stets perfekt. Eine sehr gute Hörbuchproduktion!

FAZIT:
Chapeau, ein ganz starker Thriller und für mich ein absolutes „Must-Read“!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.05.2026

Ein cooler Rätsel-Comic mit tollem Artwork und wohligem Gänsehaut-Faktor

Licht ins Dunkel
0

„Licht ins Dunkel“ ist ein Rätsel-Comic des mehrfach ausgezeichneten Illustrators und Autors Steffen Gumpert. Wir lernen hier die Familie Rumpelstil kennen, und insbesondere den Filius Rupert, der sehr ...

„Licht ins Dunkel“ ist ein Rätsel-Comic des mehrfach ausgezeichneten Illustrators und Autors Steffen Gumpert. Wir lernen hier die Familie Rumpelstil kennen, und insbesondere den Filius Rupert, der sehr darunter leidet, dass sein Vater eines Tages spurlos verschwunden ist. Die ganze Familie scheint ein bisschen spooky zu sein und Rupert ist auch in der Schule der klassische Außenseiter, dem die merkwürdigsten Dinge nachgesagt werden.

Schnell wird klar, dass bei den Rumpelstils zu Hause, in der Modergasse 13, tatsächlich unerklärliche und mysteriöse Dinge passieren. Und der furchtlose Rupert schickt sich kurzerhand an, den Geheimnissen des Hauses und seiner Familie auf den Grund zu gehen.

Dabei gibt es jede Menge Rätsel zu lösen, genauer gesagt auf jeder Doppelseite eines. Das reicht von ganz einfachen Beobachtungsaufgaben, über Suchbilder und Labyrinthe bis hin zu einem kniffeligen Zahnrad-Rätsel. Dabei nutzt Steffen Gumpert sein großartiges Zeichentalent und das Comic-Format, um die Rätsel grafisch geschickt umzusetzen. Und wenn man einmal partout nicht auf die Lösung kommen will - kein Problem! Denn schon im ersten Panel der Folgeseite gibt es stets die Auflösung der Rätsel.

So begleiten wir Rupert nicht nur durch eine spannende Story mit wohligem Gänsehautfaktor, sondern können kniffeln & knobeln und uns auf jeder Doppelseite neu an dem wirklich tollen Artwork dieses Buches erfreuen. Mein persönlicher Liebling war dabei die kleine Lumpenpuppe Günther.

FAZIT:
Tolles Konzept, überraschende Story, Rätsel, die Spaß machen und tolle Bilder. Ganz nach meinem Geschmack!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.04.2026

Jede Menge Fernweh und Inspirationen zwischen zwei Buchdeckeln

LONELY PLANET Bildband Legendäre Küstenwanderungen in Europa
0

„Der Pfad bleibt schmal, ausgesetzt, aber gut gesichert: Geländer, Eisenanker. Trotzdem mahnen frische Steinschläge zur Vorsicht. Bei Regen oder Sturm wäre diese Passage ein Tanz mit der Gefahr. Schon ...

„Der Pfad bleibt schmal, ausgesetzt, aber gut gesichert: Geländer, Eisenanker. Trotzdem mahnen frische Steinschläge zur Vorsicht. Bei Regen oder Sturm wäre diese Passage ein Tanz mit der Gefahr. Schon heute fegt der Wind so heftig durch die Schluchten, dass er feinen Sandkornregen über den Weg wirbelt.“ (S. 112 / Madeira)

Meine Meinung:
Der Titel ist Programm! Der legendäre „Lonely Planet“ präsentiert in diesem Buch 40 ganz besondere Küstenwanderwege in ganz Europa. Jedem Ziel sind in diesem Ideenratgeber 6-8 knapp DIN A4-formatige Seiten gewidmet. Auf 2-3 Seiten wird der entsprechende Wanderweg (bzw. das Teilstück) redaktionell vorgestellt, mit kleiner Übersichtskarte, den wesentlichen Keyfacts (Länge, Höhenmeter, Anreise, Übernachtung, weiterführende Links etc.) und natürlich in einem persönlichen und stets sehr schön zu lesenden Erfahrungsbericht von Autorinnen und Autoren, die dieses Wege - so wie sie die Touren beschreiben - augenscheinlich schon selbst erwandert haben. Dazu gibt es je eine Seite mit ganz unterschiedlichen „Was noch“-Tipps, z.B. zu sich anbietenden Alternativen (etwa wenn der Trail sich auch für Biker eignet), wenn sich entlang der Strecke tolle Wassersport-Möglichkeiten ergeben oder einfach „nur“ besondere Informationen zu Sehenswürdigkeiten und / oder der Geschichte der Region. Was natürlich auch nicht fehlen darf sind Bilder, und diese sind ein ganz besonderes Highlight dieses Reiseführers. Von klein bis doppelseitig gibt es zu jedem Ziel großartige Ansichten, die beim Betrachten Fernweh pur wecken. Von Landschaften wie auf einem Gemälde (wie die Flysch-Steilküste in Spanien), über geometrische Naturwunder (wie der Giant´s Causeway in Irland), beeindruckende Tierfotos von Seeadlern und Orcas bis hin zu einladenden Buchten und Stränden ist alles dabei. Und auch für alle Erfahrungsstufen und Fitnesslevel finden sich hier Touren, allerdings schon mit dem klaren Fokus auf erfahrenere Wanderer.

Einige (wenige) dieser Trails habe ich selbst schon in Teilen erwandert (den South West Coast Path, den Corfu Trail oder auch den Hochuferweg auf Rügen) und kann bestätigen, dass diese Wanderrouten wirklich ganz besondere und einzigartige Naturerlebnisse bieten. Sehr positiv überrascht war ich, dass ich in diesem Buch zahlreiche Inspirationen zu Wanderzielen gefunden habe, die mir bislang so gar nicht bekannt waren, wie z.B. der Southern Coast Trail in Albanien oder auch der Calanques-Küstenweg in Südfrankreich. Mit dem Wattwanderweg zwischen Hallig Hooge und Norderoog gibt es sogar einen Tipp fast vor meiner Haustür, den ich noch nicht kannte. Großartig!

Man merkt also schnell: Dieses wunderbare Reisebuch bietet vierzig ganz verschiedene Inspirationsquellen für jeglichen Wandergeschmack und alle persönlichen klimatischen Vorlieben. Sehr schön ist auch, dass viele dieser teilweise sehr langen Küstenwanderwege problemlos in einzelne Etappen aufgeteilt oder auch nur in Teilstücken erwandert werden können.

Das Einzige, was mir ein bisschen fehlt, ist zu Beginn eine Übersichtskarte von Europa, auf der die einzelnen Spots markiert (und nummeriert) sind. Aber das ist ein unwesentlicher kleiner Abzug in der B-Note und ändert nichts daran, dass ich dieses Reisebuch allen Wanderfreunden voll und ganz empfehlen kann!

FAZIT:
Zeit zum Träumen - eine wunderschöne Zusammenstellung großartiger Wanderziele in ganz Europa.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.04.2026

Eine gelungene und mal wieder sehr humorvolle Fortsetzung

Mord ist die beste Beseitigung
0

„Vor dem Hintergrund der Industriebrache, deren brüchige Mauern wie ein verwunschenes Schloss in den Himmel ragten, balgten sich die Schatten dreier Menschen und stießen dabei fast tierische Laute aus.“ ...

„Vor dem Hintergrund der Industriebrache, deren brüchige Mauern wie ein verwunschenes Schloss in den Himmel ragten, balgten sich die Schatten dreier Menschen und stießen dabei fast tierische Laute aus.“ (S. 159)

Meine Meinung:
Nachdem in Band 1 unvermittelt ein Kind aufgetaucht war, ist nun in Band 2 eine Frau verschwunden. Naja, zumindest fast. Denn just als der Reiseruf (ja, sowas gibt es noch!) im Radio verkündet wird, sehen Svetlana und Tommi den blauen Audi der Gesuchten auf der Autobahn…

Einmal mehrt stolpert das dynamische Duo aus Svetlana, der gewitzten Putzfrau mit ausgeprägtem Detektiv-Trieb, und dem chaotisch aussehenden Berufsjugendlichen Tommi, dem Autor mit Ladehemmung und selbsternannten „Derrick himself“, mitten hinein in einen neuen Fall. Wie schon im ersten Band nimmt auch diesmal der Kriminalfall eher gemächlich an Fahrt auf, so wie Tommis altes Wohnmobil auf der Autobahn. Überhaupt steht hier nicht der Kriminalfall im Vordergrund, sondern die ganz wunderbaren und eigenen Charaktere. Nicht nur die beiden Protagonisten sind mir in Rekordtempo ans Herz gewachsen, sondern auch einige der Sidekicks, wie Tommis Vater Leo, der Pflegeheim-Bond mit Nummer 1007, oder auch die komplette, nicht ganz legale, aber dafür umso fidelere Rommé-Runde. Selbst Tommis Erzfeind aus Band 1, Ordnungshüter und -fanatiker Kleinschmidt, sammelt hier Sympathiepunkte.

Neben den großartigen Charakteren ist Volker Klüpfels stets humorvoll-beschwingte Schreibweise die zweite große Stärke dieser Reihe. Svetlanas anscheinend unerschöpflicher Vorrat an unermüdlich umgetexteten Sprichwörtern („Wenn zwei sich streiten, freut sich Brigitte“ oder auch „Hätte, hätte, Kettensäge“) und Lebensweisheiten sorgten bei mir immer wieder für Grinser, Giggler und Lacher. Und Tommis oft unbeholfen wirkende Tollpatschigkeit sowie sein besonderes Talent, sich um Kopf und Kragen zu reden, bescheren dem Plot zahlreiche humorvolle Momente, die manchmal schon slapstickartig anmuten. Svetlana würde dazu wahrscheinlich sagen „Mögen man muss“ - ich mags´!

Selbstverständlich wird am Ende auch der Krimiplot aufgelöst und dem Autor ist es auf der Zielgraden auch noch gelungen, mich deutlich aufs Glatteis zu führen. So kommt das große Finale actionreich und in Teilen überraschend daher und schließt diesen Band entsprechend würdig ab.

Ich freue mich schon jetzt darauf, mehr von Svetlana und Tommi zu lesen!

FAZIT:
Humorvolle Leseunterhaltung, die durch ihre liebenswerten Figuren und viel Wortwitz besticht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.04.2026

Eine sommerlich leichte Liebesgeschichte vor toller Kulisse

Summer Tides
0

„Ich wende den Kopf, schließe die Augen und atme tief den frischen Seewind ein. Ich bin sowas von verloren.“

Meine Meinung:
„Summer Tides“ bietet genau das, was ich erwartet habe: eine sommerlich leichte ...

„Ich wende den Kopf, schließe die Augen und atme tief den frischen Seewind ein. Ich bin sowas von verloren.“

Meine Meinung:
„Summer Tides“ bietet genau das, was ich erwartet habe: eine sommerlich leichte Lektüre vor der wunderbaren Kulisse des kornischen Küstenörtchens St. Ives. Zur Handlung brauche ich nicht viel schreiben, denn die offizielle Kurzbeschreibung des Buches ist schon fast eine perfekte Zusammenfassung der gesamten Handlung.

Die Storyline folgt dem klassischen Muster und bietet dabei keine großen Überraschungen (mal abgesehen davon, dass kurzzeitig tatsächlich die Seegurken-Population im Weddellmeer thematisiert wird) oder eine besondere Tiefe. „Summer Tides“ ist ein Roman, der seinen Lesenden ein sommerliches Urlaubsfeeling, seichte Leseunterhaltung und eine knisternde Slow-Burn-Liebesgeschichte bietet. Denn gleich zu Beginn dürfte wohl jedem klar sein, dass es zwischen der Nebenjob-Aussteigerin Scarlett Green (die nebenbei noch eine toxische Nicht-Beziehung mit Exklusivität am Laufen hat) und dem Rettungsschwimmer Jonah Anderson, der so einige gar nicht mal so kleinen Jugendsünden auf dem Kerbholz hat, knistert und funkt.

Besonders gut gefallen hat mir das Setting in und um St. Ives, nebst kleinem Ausflug zum naturgewaltigen Landstrich „The Lizard“, dass Autorin Sarah Fulmar für meinen Geschmack gut und zutreffen portraitiert, auch wenn hier mehr die Charaktere als die Natur im Vordergrund stehen. Besonders die kleine und wunderbar verschworene Gemeinschaft, die Scarlett sofort in ihren Kreis aufnimmt, hat mir ebenfalls sehr gut gefallen und man merkt, dass hier die ein oder andere Figur mit dabei ist, die das Potenzial bietet, Protagonist*in in einen eigenen Roman zu werden.

Alles in allem hatte ich ein paar unterhaltsame, unaufgeregte und unbeschwerte Lesestunden, die mich sehr angenehm an meinen Sommer in Cornwall haben zurückdenken lassen. Dankeschön dafür!

FAZIT:
Seichte, sehr angenehme Wohlfühl-Unterhaltung mit Potenzial für weitere Bände.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere