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Veröffentlicht am 10.05.2020

Ein leichter Sommerroman

Dünenliebe
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Katja hat als Yoga-Lehrerin und Reise-Bloggerin viele Länder bereist, doch dann meldet sich ihr Heimweh. Sie fährt zurück nach Norderney und tritt eine Praktikantenstelle in der Seehundstation an. Der ...

Katja hat als Yoga-Lehrerin und Reise-Bloggerin viele Länder bereist, doch dann meldet sich ihr Heimweh. Sie fährt zurück nach Norderney und tritt eine Praktikantenstelle in der Seehundstation an. Der Naturschützer Malte ist ihr Chef, ihn kennt sie aus ihrer Schulzeit, er ist derjenige, der sie ständig gemobbt hat und weswegen sie auch Norderney verlassen hat. Ausgerechnet in ihn verliebt sie sich jetzt, denn er scheint doch ganz anders zu sein als sie immer dachte. Aber so ganz sicher ist sie sich nicht, denn einige Gewohnheiten hängen Malte immer noch an. Kann Katja ihm ganz vertrauen?

Dieser Inselroman erzählt von Katjas Rückkehr nach Norderney. In der Seehundstation findet sie eine erfüllende Aufgabe, aber die Sache hat auch einen Haken, sie arbeitet mit ihrem alten Widersacher Malte zusammen, der sie als Jugendlicher ständig gemobbt hat. Sie muss über ihren Schatten springen und plötzlich entdeckt sie eine ganz neue Seite an ihm. Endlich begreift Katja, dass Malte damals seine pubertätsgesteuerten Gefühle nicht im Griff hatte und für seine Gefühle keine passenden Worte fand. Beide nähern sich einander an und es entwickelt sich eine emotionale Geschichte, bei der auch ein anderer Fehler aus der Vergangenheit für Probleme sorgt und Malte noch immer in einem schlechten Licht darstehen lässt. Neben diesen Gefühlsduseleien werden einige wichtige Themen angesprochen, so geht es um sanften Inseltourismus, Korruption und auch um Naturschutz. Allerdings geht die Autorin dabei nicht sehr in die Tiefe und die Naturschönheiten der Insel werden auch nur am Rande gestreift.



Inhaltlich ist dies eine leichte, sommerliche Dünenliebe, die man gut im Liegestuhl weglesen kann. Wer mehr Inselflair und Tiefgang erwartet, wird hier vielleicht enttäuscht werden.

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Veröffentlicht am 09.05.2020

Ein schöner Sommerroman im antiken Pompeji

Dolce Vesuvio. Ein Italien-Roman.
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Carlotta, auch Lollo genannt, studiert in Freiburg Archäologie und bekommt ein sensationelles Angebot. Sie soll für drei Monate an Ausgrabungen in Pompeji teilnehmen und verzichtet dafür sogar auf den ...

Carlotta, auch Lollo genannt, studiert in Freiburg Archäologie und bekommt ein sensationelles Angebot. Sie soll für drei Monate an Ausgrabungen in Pompeji teilnehmen und verzichtet dafür sogar auf den geplanten Urlaub mit ihrem Freund. Wie alle Archäologen hofft auch Lollo auf einen grandiosen Fund. Aber stattdessen trifft sie in Italien auf ihren Konkurrenten Alessandro Mantegna und das Drama beginnt.


Astrida Wallats Roman vermittelt neben der emotionalen Geschichte um ihre Heldin Lollo auch reichlich Wissen rund um Archäologie und speziell um Pompeji. Sie lässt antike Literatur und die Schwierigkeiten von Ausgrabungsexkursionen in die Geschichte einfliessen, erklärt das Leben zur Zeit der alten Römer und stellt mit ihren lateinischen Kapitelüberschriften altbekannte Sprüche auf Latein vor, natürlich mit entsprechender Übersetzung. Dank Lollo ist man als Leser bei den Ausgrabungen dabei und erfährt viel wissenswertes aus dieser Zeit. In einem Kapitel geht es um Lollia, die Bewohnerin des antiken Pompeji war, sie erweckt das alte Pompeji zum Leben und lässt den Leser mit in die Vergangenheit reisen.

Astrida Wallat beschreibt die einzelnen Charaktere und die Beziehungen untereinander sehr lebendig und statt Lollo mit ihrer trotzigen und etwas chaotischen Art ist mir besonders Anna ans Herz gewachsen. Mit humorvollen Dialogen und romantischen Szenen erlebt man Lollos Leben sehr unterhaltsam mit. Der bildhaft beschreibende und flüssige Sprachstil lässt sich wunderbar lesen und transportiert sehr stimmungsvoll das italienische Flair auf den Leser.

Ganz nebenbei weckt die Autorin die Sehnsucht nach einem Urlaub am Golf von Neapel. Man möchte selbst gern die Zitronen sehen, die saftigen Tomaten schmecken, natürlich den Vesuv bestaunen und das italienische Lebensgefühl erleben.



Dieser Roman versprüht Lebensfreude, sorgt mit einigen Exkursionen auch für Wissensvermittlung und lässt sommerlich italienische Gefühle aufkommen. So läuft das Leben in Italien - heute und gestern!

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Veröffentlicht am 07.05.2020

Eine überzeugende Frauenfigur vor dem Hintergrund einer interessanten Zeitdarstellung

Die Fotografin - Die Welt von morgen
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"Die Fotografin - Die Welt von morgen" ist der dritte von vier Bänden der Reihe von Petra Durst-Benning, die im Blanvalet Verlag erscheint.

1911: Mimi und Anton haben beide das Weber-Dorf Laichingen verlassen, ...

"Die Fotografin - Die Welt von morgen" ist der dritte von vier Bänden der Reihe von Petra Durst-Benning, die im Blanvalet Verlag erscheint.

1911: Mimi und Anton haben beide das Weber-Dorf Laichingen verlassen, Anton findet als Kellner in vielen Gaststätten einen Job und Mimi lebt ihre kreative Ader als Wanderfotografin aus. Es ergeben sich immer neue Möglichkeiten und Angebote, die ihr ermöglichen, sich künstlerisch auch weiter zu entwickeln.

Alexander studiert Kunst in Stuttgart, er hat einen Förderer in Mylo, den er auch braucht, denn er hat es unter seinen Kommilitonen und auch bei den Professoren nicht leicht. Auf der Schwäbischen Alb treffen wir auch Bernadette Furtwängler auf ihrer Schaffarm wieder, dort könnten schon bald die Hochzeitsglocken klingeln.

Auch nach einer längeren Pause seit dem zweiten Band konnte ich mich hier schnell einfinden, die Figuren waren mir in den ersten Büchern schon ans Herz gewachsen und ich habe sie hier wieder gern begleitet. Bucheinsteiger sollten zwar die Reihe vorn beginnen, dennoch werden die Personen immer gut eingeführt, sodaß kaum Wissenslücken vorhanden sein werden.

Die Zeiten sind für Wanderfotografen nicht unbedingt rosig, aber Mimi und Anton finden immer neue Ideen und Anstellungen und schlagen sich durch. Mit ihrem Postkartenhandel und dank der inovativen Lithografie ermöglichen sich völlig neue Beschäftigungsmöglichkeiten. Zur damaligen Zeit war dieses Berufsfeld für eine Frau eine mutige Aktion, denn Gleichberechtigung war noch ein unbekanntes Fremdwort, dem sich die Männer ständig in den Weg stellten. Doch Mimi findet Mitstreiterinnen, andere Unternehmerinnen, die sich gemeinsam ihren Weg erkämpfen.


Petra Durst-Benning hat einen einnehmenden Schreibstil, der bildhaft beschreibend, aber auch erzählerisch abwechslungsreich die Leser unterhält. Die Charaktere entwickeln sich weiter, die Beziehungen ebenfalls und so rundet dieser Band die vorhergehenden wunderbar ab.

Mit situationsbeschreibenden Hintergrundinformationen verdeutlicht die Autorin das Zeitgeschehen. Die Schilderung der Gepflogenheiten im Schwarzwald und der drohende Aufstand der Weber werden authentisch in die Handlung einbezogen, so erlebt man die Charaktere vor realistischer Kulisse.

Dieser historische Roman hat einen unterhaltsamen Charakter und zeigt das Erstarken von Frauen in dieser Zeit. Es wird hier sehr gut dargestellt, wie sich Frauen ihren Platz in der Berufsweld erobern mussten. Wir dürfen gespannt sein auf den vierten Band dieser Reihe!

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Veröffentlicht am 05.05.2020

Eine zauberhaft erzählte Geschichte um Liebe und Vergebung

Wie uns die Liebe fand
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Im Droemer Verlag erscheint der Debütroman "Wie uns die Liebe fand" von Clair Stihlé.

Madame Nanon ist 92 Jahre alt, wohnt mit ihren vier Töchtern in dem kleinen französischen Dorf Bois-de-Val. Dieses ...

Im Droemer Verlag erscheint der Debütroman "Wie uns die Liebe fand" von Clair Stihlé.

Madame Nanon ist 92 Jahre alt, wohnt mit ihren vier Töchtern in dem kleinen französischen Dorf Bois-de-Val. Dieses Dorf war wie so viele im Elsass dem Machtwechsel der französischen und deutschen Interessen unterworfen. Die Geschichte handelt von einem kleinen Laden, einem Monsieur Boberschram und von der Erfindung von Liebesbomben, die das Dorf mit einem Liebeszauber verändern. Sogar auf die nicht daran glaubende Madame Nanon scheint der Zauber zu wirken.

Lassen sie sich beflügeln! Verleihen sie ihrer Liebe Flügel! Zitat Seite 249

Die charmante alte Madame Nan hat vier eigenwillige Töchter, die sie "Kröten" nennt und einen kleinen Laden, das "Chez Malou". Dort kommen die Bewohner zusammen und tauschen sich über die alltäglichen Belange aus.

Es ist kein Roman, bei dem eine vordergründige Spannung den Leser mitreißt, sondern einfach eine zauberhaft dargebrachte Erzählung, die vom Zauber der Liebe erzählt und ein warmes Gefühl zaubert. Durch Nanon werden die Charaktere mit Leben gefüllt, man erlebt, welche Auswirkungen die Veränderungen im Laufe der Zeit auf die Figuren hatten und wie sich Menschen entfremdeten. Das ändert sich durch die Erfindung von Maries Liebeskugeln.

Bei diesem Buch hat man das Gefühl, einen Tag im Elsass zu verbringen und bei Madame Nan am Tisch bei einem ihrer fantastischen Gerichte zu sitzen und ihrer persönlichen Geschichte zu lauschen. Die alte Dame wirkt trotz ihres Alter geistig sehr lebendig und sorgt für tiefe Einblicke in die politische und zwischenmenschliche Beziehung der Dorfbwohner. Die Lage zwischen Deutschland und Frankreisch machte das Elsass und seine Bewohner zum politischen Spielball der Länder. Auch in dieser Geschichte geht es um die politische Vergangenheit, die den Menschen zu schaffen machte.

Dem Erzählten scheint manchmal der rote Faden zu fehlen, die Beschreibung der Figuren nimmt einen großen Raum ein und es geht häufig um das Geschmackerlebnis von Gerichten und Wein, typisch für die gute Küche der Gegend. Doch zu Madame Nanon passt dieser blumige, ausschweifende Erzählstil ganz wunderbar. Man muss schon etwas Geduld aufbringen, um ihrer Geschichte zu folgen, dann wird immer wieder vom Zauber der Geschichte eingefangen und möchte das Geheimnis dahinter lüften. Denn hinter dem Erzählten wartet die geheimnisvolle Verbindung von Monsieur Boberschram und Nanon auf ihre Enthüllung.



Dieser Roman hat eine magische Erzählweise, bei dem Lebensfreude in Form von fliegenden Schmetterlingen sichtbar gemacht wird und der Leser in diesen Zauber eintauchen darf. Eine wunderschöne, verzaubernde Geschichte, die von Liebeszauber und Vergeben handelt.

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Veröffentlicht am 02.05.2020

Wunderbar beschwingter Frauenroman mit Hochzeitsflair und ernsten Lebensfragen

Die Mitte ist ein guter Anfang
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Franka Blooms Roman "Die Mitte ist ein guter Anfang" erscheint im Rowohlt Verlag.

Eva und Arne sind seit über 20 Jahren ein Paar, sie haben eine gemeinsame Tochter und führen auch unverheiratet eine ...

Franka Blooms Roman "Die Mitte ist ein guter Anfang" erscheint im Rowohlt Verlag.

Eva und Arne sind seit über 20 Jahren ein Paar, sie haben eine gemeinsame Tochter und führen auch unverheiratet eine glückliche Beziehung. Als Arne Eva einen Heiratsantrag macht, fragt sie sich nach dem plötzlichen Sinneswandel, steckt etwa eine Affäre dahinter? Und warum sollte sie jetzt mit fast 50 noch heiraten, nur für einen schicken Ring? Sie beginnt ihr ganzes Leben zu hinterfragen. Was will sie wirklich?



Dieser Roman führt uns sehr lebendig und realistisch das Leben von Mittvierzigerinnen vor Augen, er umfasst all die Problemen von Menopause, Beziehungsstress, Trennungen. Liebesfragen und Sorgen um Kinder und Eltern. Die liebenswürdige Protagonistin Eva nimmt uns mit in ihr Leben und in einen wahren Organisationswahnsinn einer Hochzeit, ja, sie nimmt den Antrag von Arne an. Und um die Kompliziertheit der Situation zu verdeutlichen, sie sagt auch wieder ab. Wie es am Ende des Buches um den Beziehungsstand steht, verrate ich mal lieber nicht.



Auf alle Fälle bringt Franka Bloom mit ihrem flotten Erzählstil und lebensnahen Figuren frischen Wind und jede Menge Trubel und Widrigkeiten in ihre Geschichte, die sich als wunderbare Unterhaltung leicht und beschwingt wegliest. Ich habe die zahlreichen Ausflüge in die Brautsalons genossen, habe die Planung der Feier miterlebt und konnte mitfühlen, wie die Sorgen um die Eltern Eva umtreiben und habe verstanden, warum sie sich so unsicher in dieser Ehefrage ist.

Das Buch regt mich dazu an, auch mein Leben mit seinen Facetten zu überdenken. Was braucht man wirklich im Leben, welche Ziele gilt es zu hinterfragen und wie findet man zu sich selbst? Franka Bloom gibt mit ihren lebensnah geschilderten Charakteren einige Beispiele an die Hand und man erkennt dabei auch die Erwartungen, die diese Personen an Eva stellen oder aber ihre Unterstützung in manchen Lebensfragen. Dies ist eine abwechslungsreiche Story, in der Eva einiges Unvorhergesehene erlebt, ausprobiert und sich über ihre Gefühle klar wird. Wenn man auch nach langer Partnerschaft noch heiraten will, warum nicht? Es muss nur passen.


Neben einem eindeutigen Unterhaltungswert zeigt der Roman auch Frauenthemen auf, die tiefer gehen und damit spricht die Autorin vielen Frauen über 40 aus der Seele.

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