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Veröffentlicht am 15.04.2019

Eine zu Herzen gehende ungewöhnliche Mensch-Tier-Beziehung

Ayla - meine ungewöhnliche Freundschaft mit einem jungen Fuchs
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Mit großartigen Fotos erzählt Leiv Magnus Grøtte in "Ayla - meine ungewöhnliche Freundschaft mit einem jungen Fuch" von der wunderbaren Freundschaft der Norwegerin Silje Elin Matnisdal mit ihrem Fuchsweibchen ...

Mit großartigen Fotos erzählt Leiv Magnus Grøtte in "Ayla - meine ungewöhnliche Freundschaft mit einem jungen Fuch" von der wunderbaren Freundschaft der Norwegerin Silje Elin Matnisdal mit ihrem Fuchsweibchen Ayla. Der Bildband erscheint im April 2019 Knaur Verlag.

Die Norwegerin Silje Elin Matnisdal kauft auf einer Pelztierfarm den fünf Wochen alten Fuchswelpen Ayla frei und lebt mit ihm auf ihrem abgelegenen Bauernhof. Füchse sind Wildtiere und keine Haustiere und so gibt es immer etwas zu erleben mit Ayla, mal versteckt sie Kleidung, mal klaut sie Lebensmittel. Auch für die Halterin Silje ist die Freundschaft nicht immer einfach, sie muss ihr Leben auf Ayla ausrichten.

"Wir lassen uns leicht von der Schönheit verführen. Sie kann vieles überstralen. Dass der Fuchs ein besonder schönes Tier ist, darauf können wir uns leicht einigen. Aber ob du auch mit dem Rest zurechtkommst? " Zitat Seite 53

Im Buch begleitet man Silje Elin Matnisdal mit ihrem Fuchs Ayla. Sie hat sich ihren Traum erfüllt und einen Fuchswelpen als Haustier bei sich aufgenommen. Es ist eine wahre Geschichte, die Füchsin war auf Social Media Kanälen ein Star. Ayla ist ist ein Goldfuchs, eine Mischung aus Silberfuchs und Rotfuchs.

Im wunderschön bebilderten Buch erfährt man viele Hintergründe und den Lebensalltag von Silje und Ayla. Gemeinsam unternehmen sie größere Wanderungen durch Norwegens unberührte und einsame Landschaften. Ayla freundet sich mit dem Hund Loke an und ist mit Silja mal verschmust wie ein Hund, mal bissig und wild wie Füchse von Natur aus sind.

Durch die Fotos erlebt man Ayla von ihrer Zeit als Welpe, bei den gemeinsamen Wanderungen mit Silje und mit dem Hund Loke. Die Bilder von Ayla als Welpen sind süß, doch die Aufnahmen als erwachsener Fuchs sind in Verbindung mit der einzigartigen Natur traumhaft.

Ein Wildtier als Haustier zu halten ist eine umstrittene Sache. Fakt ist, Silje hat diese Aufgabe mit allen Nachteilen (Gestank durch Markieren im gesamten Haus) und Gefahren (Füchse haben messerscharfe Zähne) auf sich genommen.

Ein Fuchs ist ein Wildtier, ein Einzelgänger und eher menschenscheu, doch wenn Füchse von klein auf bei Menschen leben, kann man sie durchaus an sich gewöhnen. Das beste Beispiel ist die Norwegerin Silje und ihr Fuchs Ayla. Den Welpen bekam sie von einer Nerzfarm und gewöhnte ihn liebevoll an sich und menschliche Nähe. Das ist schon eine sehr außergewöhnliche Freundschaft, bei der Silje aber auch auf einiges verzichten musste. Menschliche Kontakte pflegen ist zum Beispiel mit einem Fuchs, der aufs Sofa pinkelt und Einrichtungsgegenstände anknabbert nicht so einfach.
Doch Siljes Faszination und Liebe zu ihrer Ayla war ungebrochen, sodass sie sämtliche Einschränkungen und auch Bisse auf sich nahm. Diese Erlebnisse haben mich sehr gerührt.

Leiv Magnus Grøtte berichtet über die Besonderheiten im Umgang mit einem Fuchs, wie man ihn hält, ihn ernährt und pflegt und wie man mit ihm auch Ausflüge in die Natur unternehmen kann. Silje hat diese Zeit mit ihrem Fuchs genossen, sie hat die Natur mit anderen Augen gesehen, weil sie die Witterungen und Stimmungen von Ayla miterleben durfte.


Dieses emotionale Tierportrait zeigt, das eine große Freundschaft und Verbundenheit auch zwischen Mensch und einem Wildtier wie einem Fuchs möglich ist. Durch die entzückenden Fotos von Ayla vor der Norwegischen Naturkulisse kann man dieses Buch einfach nur genießen.

Für Tierfreunde ein ganz außergewöhnlich schöner Bildband zum Staunen und Genießen.

Veröffentlicht am 14.04.2019

Gefährliche Rache im Spiel ohne Grenzen sorgt für Nervenkitzel

Nemesis
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"Nemesis" ist Teil 4 der Cupido-Reihe von Jilliane Hoffman. Die deutsche Ausgabe erscheint im März 2019 im ROWOHLT Wunderlich Verlag.

Am Strand von Miami findet man eine grausam zugerichtete Frauenleiche ...

"Nemesis" ist Teil 4 der Cupido-Reihe von Jilliane Hoffman. Die deutsche Ausgabe erscheint im März 2019 im ROWOHLT Wunderlich Verlag.

Am Strand von Miami findet man eine grausam zugerichtete Frauenleiche ohne Kopf, sie trägt auf ihrer Schulter ein Branding. Für Staatsanwältin CJ Townsend ist das eindeutig die Handschrift des Snuff-Clubs, der vor einigen Jahren ganz Florida in Atem hielt. In diesem Club beobachten zahlende Mitglieder viel Geld, um per Live-Stream zu beobachten, wie Frauen brutal vergewaltigt und getötet werden. CJ kennt diese perverse Inszenierung der Morde, auch Cupido war dort aktiv und sie kennt die Namen der Mitglieder, zu einflussreich, um jemals von der Justiz belangt zu werden. Wenn sie weitere Morde verhindert will, muss CJ das Gesetz in die eigenen Hände nehmen. Dann verschwindet erneut eine junge Frau…


"Sie ist Nemesis, die Göttin des gerechten Zorn Und sie kommt, euch alle zu vernichten." Zitat Seite 417


Die ersten beiden Bänder der Thrillerreihe habe ich gespannt verfolgt, mit unterschiedlichem Ergebnis. Das soll hier aber keine Rolle spielen.


Achtung: Enthält Spoiler!


"Nemesis" sorgt schon von Anfang an für reichlich Spannung und kann diese auch bis auf einige Längen kontinuierlich hoch halten. Das Buch beginnt aus der Sicht eines der Opfer, dadurch ist man sofort an die Story gefesselt und steckt gebannt im Geschehen. Es geht auch in dieser Folge wieder mit einigen grausamen Vorgängen hart zur Sache, dieses Mal aus der Snuff-Video-Szene. Dieses Buch ist daher nichts für zartbesaitete Leser/innen. Unmenschliche Abscheulichkeiten der Snuff-Videos demonstrieren die krankhafte Gewalttätigkeit der Täter und man kann sich gut vorstellen, wie CJ Townsend die weiblichen Opfer als Nemesis rächen möchte. Das Gesetz wird die Täter niemals belangen, zu einflussreich sind sie mit ihrem Machenschaften in den oberen Kreisen verknüpft. Doch CJ kennt ihre Namen und lässt sie ihre Rache spüren. Denn das ist ihre Mission in diesem Buch.


Gleichzeitig schaut man in ihr Privatleben, sie ist mittlerweile 49 Jahre alt, plant mit ihrem Mann Dominick Falconetti die Adoption eines Meth-Babys und ist bereit, sämtliche Risiken dabei in Kauf zu nehmen.

Keine leichte Entscheidung und gerade deshalb freut man sich mit CJ. Andererseits ist es genau das, was ich ihr nicht ganz abnehmen kann. Denn wie passen Rachegöttin, regelkonforme Staatsanwältin und liebevolle Mutterrolle zusammen? In meinen Augen wirkt das sehr unglaubwürdig, denn ihr ist durchaus bewusst, dass sie für ihre Handlungen im Gefängnis landen könnte.


Sie will mit dieser Sache ein und für alle Mal abschliessen und das bezieht eben auch die Rache an den Tätern mit ein.


Die Autorin hat einen absolut flüssigen und mitnehmenden Schreibstil und baut nicht nur die grausamen Szenen vor dem geistigen Auge des Lesers emotional und bildhaft auf. Auch die privaten Vorgänge und besonders die Pläne der Adoption kann man gut nachempfinden.

Es wäre kein echter Thriller, wenn es nicht am Ende auch einen fesselnden Showdown geben würde.



Nemesis ist ein echter und sehr schockierender Thriller, der mich abgestossen und auch gefesselt hat. Dennoch stören mich einige Unglaubwürdigkeiten, für mich ein Grund, diesem Buch 4 Sterne zu geben.

Veröffentlicht am 13.04.2019

Ein wunderschöner Roman rund um die Liebe und Rosen

Der Rosengarten am Meer
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Nele Jacobsen schreibt Romane, die an der Ostsee spielen, so auch ihr neues Werk "Der Rosengarten am Meer" aus dem Aufbau Verlag.


Die Landschaftsarchitektin Isabel Huber wird von ihrem Mann verlassen ...

Nele Jacobsen schreibt Romane, die an der Ostsee spielen, so auch ihr neues Werk "Der Rosengarten am Meer" aus dem Aufbau Verlag.


Die Landschaftsarchitektin Isabel Huber wird von ihrem Mann verlassen und startet einen Neuanfang. Von Wien zieht sie an die Ostsee, in die Mecklenburgische Schweiz in eine Künstler-WG, um dort bei der Rekonstruktion eines Rosengartens nach historischem Vorbild mitzuarbeiten.

Dieser Garten birgt ein Geheimnis, denn er scheint eine Kopie des legendären Rosariums von der Rosengräfin Marie Henriette Chotek zu sein, die im 19. Jahrhundert im heutigen Tschechien am Rand der Karpaten lebte. Ihre Spurensuche führt Isabel weit weg und damit dieser besonderen Frau aus der Vergangenheit immer näher. Während sie eine die Zeiten überdauernde Liebe entdeckt, kommt sie auch ihrem eigenen Glück ein ganzes Stück näher.


Um es vorwegzunehmen, ich lese die Romane von Nele Jacobsen sehr gern und nach "Unser Haus am Meer" und "Ein Sommer im Rosenhaus" war auch dieses Buch wieder eine große Lesefreude.


Wie auch im zweiten Buch säumen hier die schönsten Blumen der Welt, die Rosen, die Handlung malerisch ein.

Nachdem ihre Ehe in die Brüche gegangen ist, startet die Protagonistin Isabel Huber einen Neuanfang. Dank ihrer Fähigkeiten als Landschaftsarchitektin bekommt sie ein Angebot in Mecklenburg-Vorpommern zum Wiederaufbau eines historischen Rosengartens. Als sie vor Ort ankommt, sind die Gegebenheiten ziemlich entmutigend, das Areal ist riesengroß, von einem Garten ist noch nicht viel zu sehen und Rosen gibt es bisher noch keine einzinge. Doch Isabel nimmt diese Herausforderung an und wird, je mehr sie sich mit der historischen Figur der Rosengräfin Marie Henriette Chotek beschäftigt, immer mehr in die Geschichte und ihre persönliche Aufgabe hineingezogen. Nach einer Recherchereise zum Schloßpark Dolma-Krupa geht sie energisch und mit viel Herzblut und körperlichem Einsatz an die Rekonstruktion des Rosengartens.



Durch einen Rosengarten wird hier der Bogen geschlagen zwischen einer tragischen Liebe und einem hoffnungsvollen Neuanfang. Der Roman zeigt neben einer aktuellen Liebesgeschichte auch eine große, bittere Liebe in der Vergangenheit und wechselt zwischen zwei Handlungsperspektiven, die der Gegenwart mit Isabel und Alex und die der Rosengräfin in der Vergangenheit ab 1886 in Österreich-Ungarn, im heutigen Tschechien. Das Buch schlägt durch die Einbindung der Sophie Chotek auch den Bogen zum Kriegsausbruch nach dem Attentat auf Franz Ferdinand. Doch diese Szenerie wird mehr oder weniger nur gestreift.

Durch die relativ schnellen Perspektivwechsel wird die Geschichte nicht nur aufgelockert, kleine Cliffhanger sorgen zusätzlich für Spannungsaufbau und ich war unweigerlich tief in die Handlung eingetaucht. Der lebendige und einnehmende Schreibstil lässt sich wunderbar lesen und die bildhaften Beschreibungen der herrlichen Rosen lassen mich in zauberhafter Blütenpracht nur so schwelgen.


Selten habe ich einen Roman so schnell durchgelesen und das lag auch an den authentisch dargestellten Figuren und ihren nachfühlbaren Emotionen und Lebensträumen. Die Rosengräfin wird als eine Frau dargestellt, die ihre persönliche Freiheit, ihre Naturverbundenheit und ihre Liebe zu den Rosen unbedingt vor eine standesgemäße Heirat gestellt hat und sich als unverheiratete Frau in der Rosenzucht einen Namen gemacht hat. Auch wenn diese Person von der Autorin fiktiv verändert und ausgeschmückt wurde, so hat sie mich gerade diese Figur sehr fasziniert und gefesselt.


Die vielen duftenden Rosen und Liebesgefühle verleihen dem Buch eine Prise Romantik, etwas Tragik bringen einige Vorgänge aus der Vergangenheit mit sich und insgesamt ist damit die Grundlage gelegt für eine unterhaltsame und wunderbare Geschichte, die die Herzen der Leserinnen perfekt berührt und die Sehnsucht nach Rosenduft weckt.


Veröffentlicht am 11.04.2019

Echter Nervenkitzel durch gefährliche Tauchszenen machen dieses Buch einzigartig

Korsische Gezeiten
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"Korsische Gezeiten" ist der zweite Titel der Krimireihe von Vitu Falconi, alias Thomas Thiemeier, aus dem Knaur Verlag. Die Krimireihe dreht sich um den Pariser Schriftsteller Eric Marchand, der auf Korsika ...

"Korsische Gezeiten" ist der zweite Titel der Krimireihe von Vitu Falconi, alias Thomas Thiemeier, aus dem Knaur Verlag. Die Krimireihe dreht sich um den Pariser Schriftsteller Eric Marchand, der auf Korsika lebt.

In den Tiefen des Meeres vor Korsika stoßen Taucher auf römische Goldmünzen vom sagenhaften "Schatz von Lava". Dieser spektakuläre Fund löst auf der Insel eine Welle von Habgier und Abenteuerlust aus. Rein rechtlich gehört der Schatz dem französischen Staat, doch die Korsen bergen und verkaufen an gutzahlende Sammler. Durch ein Erdbeben wird ein Taucher getötet und das Wrack verschüttet. Nur wendigen Apnoetauchern ist es möglich, sich ohne störende Sauerstoffflaschen durch die Spalten zu zwängen und Sprengladungen an den Felsen anzubringen. Die Wahl fällt auf Laurine, sie ist die Freundin von Eric Marchand, der gegen diesen lebensgefährlichen Einsatz ist. Doch nicht nur der Tauchgang ist ein Risiko, auch von Seiten der kriminellen korsischen Familien droht Gefahr.

Obwohl ich den Vorgängerband noch nicht kenne, konnte ich diesem Band ohne Verständnisprobleme folgen.

Der Autor stellt seine Figuren so deutlich vor, dass man sie gut kennenlernen kann und das gilt auch für die besonderen korsischen Eigenarten wie ihrem Nationalstolz und ihr Verständnis von Ehre.

Gleichzeitig sieht man die verschiedenen Schauplätze auf Korsika bildhaft genau beschrieben, man erlebt die eindrucksvollen Berge, die malerischen kleinen Ortschaften und das Alltagsleben vor dem geistigen Auge realistisch mit. Das korsische Flair wird auch kulinarisch spürbar.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, Falconi schreibt sehr flüssig, präzise und klar und dennoch bildhaft ausführlich, sodass man ihm gerne folgt.

Die Protagonisten Eric und Laurin sind die Helden des Buches. Eric ist recht sympathisch, er sorgt sich um Laurine, was natürlich durch seine Gefühle für sie noch stärker ausgeprägt ist.

Laurine ist erfahrene Apnoetaucherin und wir dürfen sie bei ihren Vorbereitungen und Tauchgängen begleiten. Dadurch erfährt man viel Wissenswertes und Aufklärendes über diese gefährliche Sportart, die nur wenige Menschen beherrschen. Das Erdbeben stellt Laurine vor die schwierige Entscheidung, ob sie das Risiko eines weiteres Tauchgangs mit Sprengstoff wagen soll. Immerhin hat sie hellseherische Fähigkeiten, die ihr helfen könnten.


Nach dem Erdbeben geht das Gerücht über den Fund von Goldmünzen um. Der Kumpel des verschütteten Tauchers wird von der einflussreichen Familie Santini nach dem Fundort ausgefragt und ermordet. Chefinspektor Mahmoud Clément kennt die Verbindungen innerhalb der korsischen Mafia und untersucht den Fall. Auch Erics Ex-Freundin Monique taucht auf, was bei Laurine nicht gut ankommt.

Im Grunde habe ich das Buch weniger als Krimihandlung angesehen. Für mich waren es diese abenteuerliche Schatz- und Personenjagd und auch die bedrohliche Lage durch die Seebeben, die mich in ihren Bann zogen.

Die Tauchgänge werden auch für Laien gut und ausführlich erklärt und durch die Gefahr beim Apnoetauchen bleibt die Geschichte besonders spannend.

Es gibt ein aufklärendes Ende, keines, dass einem Cliffhanger nahe kommt. Doch ich kann mir weitere Bände durchaus vorstellen.


Ein Buch mit dem Nervenkitzel von Tauchsport und der Unterhaltung durch interessante Charaktere und die spezielle Inselromantik von Korsika mit Land und Leuten.


Veröffentlicht am 11.04.2019

Ein toller Krimiauftakt mit viel schwarzem Humor und ungewöhnlichen Figuren

Die Alpen sehen und sterben
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Isabella Archans Krimi "Die Alpen sehen und sterben" erscheint im März 2019 im Emons Verlag.

Maria Konstanze Schlager, genannt Mitzi, macht Urlaub im malerischen Kufstein. Auf einer Brücke beobachtet ...

Isabella Archans Krimi "Die Alpen sehen und sterben" erscheint im März 2019 im Emons Verlag.

Maria Konstanze Schlager, genannt Mitzi, macht Urlaub im malerischen Kufstein. Auf einer Brücke beobachtet sie in der Nacht einen Mord, der Mörder flieht, hat aber Mitzi ebenfalls gesehen. Eine gruselige Tatsache, die aber auf Mitzi auch eine merkwürdige Faszination ausübt. Mitzi wird als Zeugin verhört, die Ermittlung übernimmt Inspektorin Agnes Kirschnagel. Doch von Mitzi ist keine subjektive Aussage zu bekommen, dafür ist sie viel zu verträumt, naiv und irgendwie anders. Die Mordreihe bricht nicht ab, gleichzeitig kommen sich Mitzi und der Mörder immer näher…

Dieser Krimi ist kein Krimi zum Mitraten, hier kennt man den Täter von Anfang an. Das Besondere sind die speziellen Charaktere, der enthaltene schwarzen Humor und welches ungewöhnliche Täterprofil sich hier präsentiert. Die Hauptfigur Mitzi ist jedoch das I-Tüpfelchen auf dieser Krimi-Sahne. Sie ist eine schräge Figur, grundehrlich, naiv und zutraulich. Dadurch verbindet sie auch eine besondere Beziehung zum Täter, der Hüte trägt und Sam genannt wird. Außerdem leidet sie an einem Kindheits-Trauma, welches im Verlauf der Geschichte auch offenbahrt wird. Fakt ist: Mitzi und Sam gehen eine anziehend-abstoßende Freundschaft ein. Wenn es ein Stockholm-Syndrom auch bei Mordzeugen gibt, hier ist es. Mitzi fühlt schon etwas Angst, wenn sich Sam ihr nähert, doch sie genießt es gleichzeitig und auch Sam bringt sich durch die Nähe zu Mitzi immer wieder in Gefahr.

Sam bleibt eine unheimliche Figur, er mordet auf Bestellung, lebt von dieser Tätigkeit und reagiert in Mitzis Nähe anders als sonst, dadurch bleibt die Spannung auch gewahrt.

Vom Schreibstil her hat Isabella Archan mit anschaulichen Orts- und Vorgangsbeschreibungen eine runde Geschichte erzählt, der man bis zum Ende fasziniert folgt.

Das Ermittlerteam von Agnes Kirchschnagel und Kommissar Heinz Baldur ist länderübergreifend tätig und ein spezielles Paar, denn Heinz ist dienstuntauglich und hat psychische Probleme. Er vermutet den Mord in Kufstein mit einer ungelösten Mord-Serie in Frankfurt in Verbindung bringen zu können.
Es kommt zu einem ungewöhnlichen Katz und Maus Spiel, bei dem sich Mitzi in Gefahr begibt und man als Leser mit ihr bangt.


"Die Alpen sehen und sterben" hat mich mit seiner Andersartigkeit überrascht und gut und spannend unterhalten. Der Humor, die Charaktere und auch die Österreichische Kulisse sorgen für den gewissen unvergleichlichen Anstrich, der mich hier in Atem gehalten hat.