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Veröffentlicht am 19.04.2018

Gemütlicher Krimi aus dem Bayerischen Wald, der an Pfarrer Braun erinnert.

Lammfromm
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Baltasar Senner ist als katholischer Priester in einer kleinen niederbayrischen Gemeinde zuhause. Er ist nicht nur geistlicher Beistand, sondern auch Hobbyermittler mit dem Blick für die Menschen und die ...

Baltasar Senner ist als katholischer Priester in einer kleinen niederbayrischen Gemeinde zuhause. Er ist nicht nur geistlicher Beistand, sondern auch Hobbyermittler mit dem Blick für die Menschen und die Wahrheit. Er ist ein genussfreudiger Mensch und seine spezielle Vorliebe gilt ganz besonderen Weihrauchmischungen.
Den Glauben legt er sehr weltoffen aus, er legt neben der himmlischen auch großen Wert auf die weltliche Gerechtigkeit. Deswegen geht er auch in "Lammfromm" zwischen die Pfronten von Bürgervertretern und Umweltaktivisten und gibt Demonstranten Kirchenasyl. Was dem Bischof natürlich absolut missfällt. Diese Streitereien zwischen Senner und dem Bistum zeigen kritische Blicke auf die katholische Kirche. Ob das Wolf Schreiner auch in seinen anderen Krimis so handhabt, kann ich nicht sagen. Ich könnte es mir allerdings gut vorstellen.


Der Autor zeichnet in diesem Krimi verschiedenste Charaktere, die von kauzig, zänkisch und verbissen bis sympathisch allerhand Merkmale zeigen, die für eine gute Unterhaltung sorgen und wie aus dem Leben gegriffen scheinen.
Mir hat Teresa, die polnische Haushälterin des Pfarrers gut gefallen, wobei ihre Kochkünste wohl Balasar nicht gefallen. Zu häufig begibt er sich zum Essen in die umliegenden Gasthöfe.
Doch bei der Gelegenheit hat er nicht nur für seine Schäfchen ein offenes Ohr, sondern erfährt auch zum besagten Mordfall allerlei Informationen.

Die Krimihandlung ist logisch aufgebaut und hat mir gut gefallen. Nach einem anfänglich humorvollen Erzählstil hatte ich zwar noch mehr amüsante Lektüre erwartet, aber es wurde ein gemütlicher Krimi, der flüssig und spannend zu lesen ist.
Lediglich um das Auffinden des Mörders rankt sich meiner Meinung nach ein wenig unglaubwürdiges Verhalten, aber das ist sicherlich Geschmacksache.

Der Lokalkolorit gefällt mir ausgesprochen gut, man erfährt Wissenswertes aus dem Bayerischen Wald und die Schauplätze zeigen blühende Wiesen, gehen dem Wald und seinen Bewohnern auf den Grund und führen bis auf die Hausberge der Gegend. Das macht neugierig und wer den bayerischen Wald noch nicht kennt, sollte mal einen Urlaub dort verbringen.

Diese Krimireihe zeigt einen ungewöhnlichen Priester mit einer Neigung für kriminale Ermittlungen, zeigt aber auch Niederbayern von seiner schönsten Seite. Mit dem Bau der Umgehungsstraße kommt auch ein immer wieder aktuelles Thema ins Buch, bei dem man über die Natur nachdenken sollte. Ich werde diese Krimireihe im Auge behalten.

Veröffentlicht am 19.04.2018

Ein witziger und sehr unterhaltsamer Roman zum Verschlingen!

Jeder Mann ein Treffer
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In "Jeder Mann ein Treffer" erlebt die Protagonistin Mara einen Neuanfang und lernt nach ihrem biederen Kleinstadtleben viele neue Leute und andere Lebensweisen kennen. Sie kommt mir manchmal vor, als ...

In "Jeder Mann ein Treffer" erlebt die Protagonistin Mara einen Neuanfang und lernt nach ihrem biederen Kleinstadtleben viele neue Leute und andere Lebensweisen kennen. Sie kommt mir manchmal vor, als wenn sie erst aus der Schule entlassen wäre, scheinbar waren die letzten 20 Jahre an ihr ohne große Erlebnisse vorbei gegangen. Die Enttäuschung, von ihrer Jugendliebe gegen eine jüngere Frau ausgetauscht zu werden, steckt ihr noch in den Knochen. Doch da ist sie in der turbulenten WG genau richtig. Sie bringen sie dazu, sich in das Großstadtleben zu werfen und von nun an wird kein Trübsal geblasen.
Sie macht einige Männerbekanntschaften, die soviel darf ich schon verraten, auch nicht gerade das Gelbe vom Ei sind. Sogar amoröse Abenteuer der besonderen Art erlebt sie und das ist für ihr gewohntes eintöniges Landei-Sexleben schon echt gewagt.

Auf alle Fälle lebt Mara richtig auf, wird unternehmungslustig, wagt alle möglichen Dinge und macht Mut, nach einer Trennung nicht die Flinte ins Korn zu werfen, sondern lebenslustig durchzustarten. Egal, was da kommt, oder in diesem Fall wer da ihr alles in den Weg tritt.



Der typische trockene Humor Tatjana Kruses sorgt auf jeder Seite für lustige Episoden aus Maras neuem Leben und damit folgt ein Lachknaller dem nächsten. Sie ist manchmal herrlich unbeholfen, hat das Herz auf dem rechten Fleck und findet auf einmal wieder richtig Spaß am Leben. Sie wird selbstsicher, weiß auf einmal was sie will und wird ihren weiteren Weg schon erfolgreich machen.
Auch wenn ihre Männerbekanntschaften hier eher Nieten waren, hat mir das Buch gefallen.


Wer sich gut von einem Frauenroman gut unterhalten lassen möchte, dem kann ich dieses Buch gern empfehlen. Ich geniesse den bissigen Humor der Autorin immer sehr!

Veröffentlicht am 19.04.2018

Einfach nur schön geschrieben

Die Glasbläserin
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Die Lebensgeschichte der Schwestern wird spannend und unterhaltsam erzählt. Man erfährt viel über das Glasbläserhandwerk und die Arbeitsbedingungen der damaligen Zeit und erkennt auch die untergeordnete ...

Die Lebensgeschichte der Schwestern wird spannend und unterhaltsam erzählt. Man erfährt viel über das Glasbläserhandwerk und die Arbeitsbedingungen der damaligen Zeit und erkennt auch die untergeordnete Rolle, die Frauen damals zuteil wurde.

Die Autorin hat den Roman 2002 geschrieben und damit eine neue Welle von historischen Büchern angeschoben, in denen es mal nicht um Kampf, Kriege und Machtspiel im politischen Sinne ging. Es war schon etwas Neuland, dass sie betreten hat und die Familiengeschichte wird so wunderbar erzählt, dass man die Nachfolgebände kaum erwarten kann.

Besonders die bildhaften Beschreibungen der Arbeit einer Glasbläserin versetzen mich in Erstaunen. Bislang konnte Marie dieses Handwerk nur beobachten, es war für Frauen nicht zugängig. Doch sie bringt sich die Arbeit selbst bei und ihre Kunstfertigkeit ist von Talent gekrönt. Ihre Schwestern haben erst eigene Interessen und Lebensziele, die jedoch scheitern und so wenden sie sich ebenfalls der Werkstatt zu und erledigen die Geschäfte und Organisation.

Dieser Roman vermag zu fesseln und die gezeigten Arbeitsgänge im Glasbläserhandwerk ebenso. Doch es ist viel mehr als das, es ist die Entstehung der Emanzipation, das historisch belegte Leben in Deutschland und die Durchsetzung persönlicher Lebensziele von Frauen, entgegen den geltenden Gebräuchen.

Der Erzählstil ist glaubwürdig klar und mitreißend und führt in einen Lesesog.

Dieser historische Roman führt in eine nicht heile Welt, auch wenn die Christbaumkugeln dies assoziieren können und dennoch ist man wie im Rausch beim Lesen und mag kaum enden.

Veröffentlicht am 19.04.2018

Geschickte Verknüpfung mehrerer Krimifälle macht dieses Buch so fesselnd.

Fränkische Vergeltung
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Jacqueline Lochmüller begibt sich mit ihrem Krimi "Fränkische Vergeltung" nach Bayreuth.
Ihre Protagonistin Benita Luengo ist ein interessanter, wenn auch nicht wirklich sympathischer Charakter. Sie wirkt ...

Jacqueline Lochmüller begibt sich mit ihrem Krimi "Fränkische Vergeltung" nach Bayreuth.
Ihre Protagonistin Benita Luengo ist ein interessanter, wenn auch nicht wirklich sympathischer Charakter. Sie wirkt äußerlich recht tough und selbstbewusst, ist eine tolle Ermittlerin, hat beruflichen Erfolg, aber privat hat sie so ihre Probleme. Denn nach Feierabend wirft sie sich in Schale, um sich Männer für ein sexuelles Abenteuer zu suchen. Das wirkt auf mich schon regelrecht nymphomanisch. Im Verlauf des Buches erkennt man die Gründe, die in ihrer schwierigen Jugend liegen. Deshalb hat sie auch ein angespanntes Verhältnis zu ihrer Schwester und Mutter. Man kann sagen, dass die Autorin auf Benitas Privatleben ein Hauptaugenmerk gelegt hat. Gut gefällt mir ihr Kollege Julius, der locker und umgänglich ist und Benita mit viel Einsatzkraft geschickt zur Seite steht.

Zu Beginn des Krimis wird man förmlich in eine äußerst spannende Situation geworfen. Daraus ergeben sich dann die Recherchearbeit der Mordkommission Bayreuth, die man mit wachsender Spannung verfolgt. Denn hier kommt schnell eins zum andern. Recht unverhofft kommt jede Menge krimineller Energie ans Licht.
Die Spurensuche gestaltet sich schwierig und verbindet sich mit den geschilderten privaten Einzelheiten der Kommissare zu einer unterhaltsamen Lektüre, die man wie im Lesesog verschlingt.

Die Autorin charakterisiert ihre Personen sehr genau und man bekommt ein klares Bild der verschiedenen Charaktere, ob es der Geige spielende und damit nervende Nachbar Müggemann ist oder die trauernde alte Else Reichert. Auch die schwierigen Gespräche zwischen Benita und ihrer Mutter bzw. Schwester spielen eine wichtige Rolle, um Benitas Probleme näher zu erläutern.

Der Schreibstil ist locker und flüssig, eingestreute Straßennamen und Örtlichkeiten von Bayreuth sowie kleine Gespräche im Dialekt zeigen den regionalen Charakter auf.
Mich interessieren die ineinander verflochtenen Fälle auf besondere Weise. Den Täter kristallisiert sich langsam heraus, die verschiedenen Beweggründe sind sehr unerwartet und speziell ausgearbeitet. Mich hat bei diesem Krimi besonders die außergewöhnliche Art der Tötung erstaunt.

Ein Krimi, der mit ungewöhnlichen Morden erstaunt und mit einem bunten Privatleben der Kommissarin unterhält. Für Bayreuth-Liebhaber mal ein ganz anderes, kriminelles Bild dieser Stadt!

Veröffentlicht am 19.04.2018

Habe ich als Buch geliebt und als Theaterstück noch mehr!

Der kaukasische Kreidekreis
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Brecht ist ein begnadeter Autor, der seine Leser oder das Theaterpublikum durch seine erzählenden Stücke zum Nachdenken bringen wollte. Er hat eine überaus einnehmende Erzählkunst, die menschliche Fehler ...

Brecht ist ein begnadeter Autor, der seine Leser oder das Theaterpublikum durch seine erzählenden Stücke zum Nachdenken bringen wollte. Er hat eine überaus einnehmende Erzählkunst, die menschliche Fehler aufzeigt, den Eigennutz und die Selbstsucht anprangert und dennoch ein großartiges Stück Literaturgeschichte ist, dem man inhaltlich verfällt.

Die fremd klingenden Eigennamen sind anfangs schwer zu fassen, man gewöhnt sich jedoch schnell daran und wird mit ihnen bekannt. Der einzigartigen Erzählung kann man sich nicht entziehen, sie ist das Herzstück dieses gelungenen Theaterstückes, das Emotionen weckt, aufwühlt und die Tragweite der menschlichen Art erkennen lässt.
Die Charaktere stellen sich als Beispiele der menschlichen Gesellschaft dar, den Zuschauern wird regelrecht der Spiegel vorgehalten.
In der Rahmenhandlung versteckt sich ebenfalls die Geschichte des Richters Azdak.

Brecht bringt in diesem Stück seinen Wunsch zum Ausdruck, humanes Verhalten zur gesellschaftlichen Realität werden zu lassen. Wer wirklich liebt, verzichtet auf eigene Vorteile und gibt der geliebten Person Freiraum und auch Schutz.


Ein Theaterstück, welches durch seine epische Form typisch für Brecht ist und mich immer wieder begeistert.