Krass!!!
Liebe ist gewaltigClaudia Schumachers Liebe ist gewaltig hat mich vor drei Jahren tief berührt und tut es bis heute. Der Roman erzählt die Geschichte von Juli, die in einer scheinbar perfekten Familie aufwächst, hinter ...
Claudia Schumachers Liebe ist gewaltig hat mich vor drei Jahren tief berührt und tut es bis heute. Der Roman erzählt die Geschichte von Juli, die in einer scheinbar perfekten Familie aufwächst, hinter deren Fassade sich Gewalt, Kontrolle und patriarchale Machtstrukturen verbergen. Der Vater, der seine Macht als Liebe tarnt, und die schweigende Mutter, gefangen in Anpassung und Selbstverleugnung, zeigen, wie Gewalt oft im Verborgenen wirkt und Frauen darin systematisch zum Schweigen gebracht werden.
Schumacher gelingt es meisterhaft, die psychologische Komplexität von Gewalt und Unterdrückung zu erfassen, ohne in ein einfaches Täter-Opfer-Schema zu verfallen. Julis Kampf um Selbstbestimmung und die Deutungshoheit über ihr eigenes Leben wird zu einem feministischen Akt. Sprache wird zur Waffe, Erinnerung zur Befreiung, und jede Form von Widerstand ist zugleich ein Schritt in Richtung eigener Identität.
Die Stärke des Romans liegt in seiner ungeschönten, sprachlich präzisen Darstellung. Heilung ist hier kein linearer Prozess, sondern eine zähe, widersprüchliche Arbeit. Schumacher zeigt, dass Befreiung bedeutet, die Narrative anderer zu hinterfragen und die eigene Wahrheit zu leben. Liebe ist gewaltig ist ein kraftvoller, schonungsloser Roman über Gewalt, Macht, Mut und Selbstermächtigung. Es ist ein feministisches Meisterwerk, das lange nachwirkt.