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Veröffentlicht am 22.10.2020

Das Geheimnis der Schokoladenfabrik

Spukalarm in der Schokofabrik
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Inhalt: Da ihre Mutter eine neue Arbeitsstelle angenommen hat, muss Klara umziehen. Ihr neuer Wohnort ist die Schokoladensiedlung, eine umgebaute Schokoladenfabrik, die jetzt eine kleine Siedlung für sich ...

Inhalt: Da ihre Mutter eine neue Arbeitsstelle angenommen hat, muss Klara umziehen. Ihr neuer Wohnort ist die Schokoladensiedlung, eine umgebaute Schokoladenfabrik, die jetzt eine kleine Siedlung für sich bildet. Nach anfänglichen Schwierigkeiten freundet sie sich mit den Nachbarsjungen Matti und Theo an, die einen besonderen Plan haben: Ein Einbruch in das alte Fabrikgebäude, in dem es spuken soll.

Persönliche Meinung: „Spukalarm in der Schokofabrik“ wird aus der Perspektive von Klara erzählt, die mit ihrer Unzufriedenheit über den Umzug authentisch gezeichnet ist. Von den Figuren hat mir besonders der schräge Theo gefallen, der durch seine ulkige Art unfreiwillig für Komik sorgt (z.B. wenn er bei sengender Hitze in einem Ganzkörperkarnevalsköstum als Bär durch die Siedlung läuft, um sich vor Gammastrahlen der potentiellen Geister zu schützen). Der Handlungsort, die Schokosiedlung, ist schön gestaltet: Er hat eine besondere Vergangenheit, ist noch geprägt von seiner ehemaligen Nutzung und hat spezielle Bewohner. Ohne zu viel verraten zu wollen: Die phantastischen Wesen, die in der Schokofabrik wohnen, sind originell und drollig. Die Handlung dreht sich thematisch um Freundschaft, Abenteuer, Geheimnisse und (wie schon der Titel verrät :D) natürlich Schokolade. Sie ist stimmig und rund. Der Schreibstil lässt sich durch seinen eher leichten, umgangssprachlichen Ton sehr flüssig lesen. Abgerundet wird „Spukalarm in der Schokofabrik“ von zahlreichen schön bunten, cartoonähnlichen Zeichnungen aus der Feder von Monika Parciak, die im Stil des Covers gehalten sind. Insgesamt ist „Spukalarm in der Schokofabrik“ ein schönes Kinderbuch mit einem tollen Setting – nicht nur für kleine Leser*innen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.10.2020

Die Bedrohlichkeit der Bürokratie

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Inhalt: „2“ vereint zwei Kurzkrimis des japanischen Kriminalsautors Hideo Yokoyama. Die erste Geschichte „Zeit der Schatten“ ist knapp 80 Seiten lang. Shinji Futawatari ist als Inspektor in der Verwaltungsabteilung ...

Inhalt: „2“ vereint zwei Kurzkrimis des japanischen Kriminalsautors Hideo Yokoyama. Die erste Geschichte „Zeit der Schatten“ ist knapp 80 Seiten lang. Shinji Futawatari ist als Inspektor in der Verwaltungsabteilung für das „Ämterkarussell“ innerhalb der Polizei zuständig. Doch ein hochrangiger Kriminaldirektor weigert sich, seinen Posten zu räumen – ohne dafür Gründe zu nennen. Futawatari beginnt, dem Geheimnis des Kriminaldirektors auf die Spur zu kommen. Der zweite Kurzkrimi „Schwarze Linien“ ist ca. 55 Seiten lang. Tomoko Nanao, Gruppenleiterin in der Verwaltungsabteilung, erhält einen Anruf. Eine ihrer Schützlinge, eigentlich eine pflichtbewusste Polizistin, ist unentschuldigt nicht zum Dienst erschienen – der Start einer Vermisstensuche.

Persönliche Meinung: Während die erste Geschichte aus der Perspektive von Futawatari verfasst ist, erzählt Nanao die zweite Geschichte. Beide Geschichten haben einen leicht kafkaesken Zug: Man erfährt außergewöhnlich viel über die bürokratische Seite der Polizei, die vergleichsweise korrupt ist. Besonders der Beginn von „Zeit der Schatten“ erinnert an Kafkas „Schloss“: Aufgaben werden delegiert, Vieles geschieht hinter verschlossenen Türen, der gesuchte Kriminaldirektor macht sich rar, die Verantwortung bleibt an einem (im Vergleich) niedriggestellten Beamten hängen. Spannend sind hierbei die ungeschriebenen Gesetze des Polizeiapparats, die ihn am Leben herhalten: Da sich gewöhnlich jeder an diese hält, bleibt die Maschine am Laufen, doch verweigert sich jemand, kann das System implodieren. „Schwarze Linien“ beleuchtet den von Männern dominierten Apparat aus einer weiblichen Perspektive. Dabei wird deutlich, wie herablassend die meisten männlichen Kollegen mit ihren Kolleginnen umgehen, die nicht ernst genommen und eher als hübsche Dekoration für das Büro angesehen werden. Das Bedrohliche ist in beiden Kurzkrimis gewissermaßen die Polizeibürokratie/das System selbst. Zuletzt besitzen auch beide Erzählungen ein überraschendes Ende. Der Erzählton von Hideo Yokoyama ist eher ruhig bis trocken, wodurch die Erzählungen an Realität gewinnen, ernster und bedrohlich wirken. Ich bin allerdings etwas unentschieden, inwiefern „Thriller“ der richtige Gattungsbegriff ist. Spannung ist vorhanden, auch die Bedrohlichkeit der Situation ist da. Der Erzählton ist allerdings eher gesetzt, die Handlung unblutig und insgesamt eher subtil schauderhaft. Ich würde die beiden Erzählungen daher eher als Kriminalgeschichten einordnen. Unabhängig davon, ob man nun von „Thriller“ oder „Krimi“: „2“ vereint zwei spannende und außergewöhnliche Erzählungen, die in Form des Erzähltons und der Thematisierung der Bürokratie eine ganz eigene Note mit sich führen, die den hiesigen Literaturmarkt bereichern.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.10.2020

Eine lebensverändernde Begegnung

Das Buch eines Sommers
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Inhalt: Eigentlich wollte Nicolas nach dem Abitur Schriftsteller werden. Doch aufgrund des Pflichtgefühls seinem Vater gegenüber beginnt er ein naturwissenschaftliches Studium und führt nun, nach dem Tod ...

Inhalt: Eigentlich wollte Nicolas nach dem Abitur Schriftsteller werden. Doch aufgrund des Pflichtgefühls seinem Vater gegenüber beginnt er ein naturwissenschaftliches Studium und führt nun, nach dem Tod seines Vaters, dessen Pharmaunternehmen weiter. Doch so richtig zufrieden ist Nicolas nicht. Er hat kaum Zeit für sich und seine Familie; seine Träume werden hintangestellt. Als plötzlich sein Onkel Valentin stirbt, kommt Nicolas ins Grübeln, inwiefern er etwas in seinem Leben ändern muss.

Persönliche Meinung: „Das Buch eines Sommers“ wird von Nicolas, der als Ich-Erzähler auftritt, erzählt. Inhaltlich werden einige philosophische Gedanken zur Endlichkeit und Sinn des Lebens und zur Frage, wie man aus dem Alltagstrott herauskommt, diskutiert. So behandelt „Das Buch eines Sommers“ indirekt auch Themen der Achtsamkeit oder Selbstsensibilität. Der Trott oder die Verpflichtungen, die einen immer wieder von den eigenen Wünschen zurückhalten, sind dabei sehr schön und bildhaft gezeichnet: Nicolas verrennt sich in eine Arbeit, die er eigentlich nur aus Pflichtbewusstsein angetreten hat, und vergisst dabei zu häufig, im Augenblick zu leben. In lichten Momenten fällt ihm dies auf, doch diese werden jäh von Gedanken an die Arbeit verdrängt, sodass der Alltag ihn wieder einfängt. Eingestreut werden dabei kluge Überlegungen zur Selbstbestimmtheit im eigenen Leben (Wie sehr haben wir Glaubenssätze von anderen unreflektiert übernommen?). Diese Thematiken werden allerdings nicht komplex geschildert, sondern sind ansprechend formuliert, sodass sich der Roman flüssig lesen lässt. „Das Buch des Sommer“ ist aber kein Ratgeber oder Selbsthilfebuch, das einem vorgefertigte Überlegungen vermitteln möchte, sondern ein Stück Gegenwartsliteratur, das Literatur auch auf der Metaebene diskutiert, weshalb sich viele verweise auf die „Literatur“ an sich finden: Nicolas möchte Schriftsteller werden, sein Onkel war selbst ein Schriftsteller, Nicolas trifft auf eine literarische Figur aus dem Werk seines Onkels, mehrmals erzählt Nicolas kleinere Binnengeschichten und der Roman endet mit einem literarischen Kniff, den ich jetzt nicht vorweg nehmen möchte. Es dreht sich somit viel um das Erzählen selbst. Insgesamt ist „Das Buch eines Sommers“ ein Roman, der einerseits wichtige und aktuelle Themen (Sinn des Lebens, das Glücklichsein) bespricht, andererseits aber auch literarisch schön geformt ist.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.10.2020

Ein spannender und schön formulierter Thriller

Rache, auf ewig
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Inhalt: Sylt. Gefesselt in einem Gewächshaus wird eine Leiche gefunden. Der Tote: Hugo Bellmer, einer der reichsten Menschen Deutschlands. Das Mordwerkzeug: Bambussprossen, die langsam aber stetig wuchsen ...

Inhalt: Sylt. Gefesselt in einem Gewächshaus wird eine Leiche gefunden. Der Tote: Hugo Bellmer, einer der reichsten Menschen Deutschlands. Das Mordwerkzeug: Bambussprossen, die langsam aber stetig wuchsen und Bellmer so bei lebendigen Leibe durchbohrten. Betraut mit dem Fall wird die Hauptkommissarin Anita Ichigawa, die die beiden Profiler Jan Grall und Rabea Wyler als Verstärkung mit ins Boot holt. Doch der Mord auf Sylt war erst der Anfang. Als die leitende Ermittlerin selbst in die Fänge des selbsternannten „Erlösers“ gerät, beginnt ein Spiel gegen die Zeit.

Persönliche Meinung: „Rache, auf ewig“ ist der dritte Band der Thriller-Reihe um die Ermittler Jan Grall und Rabea Wyler und kann auch ohne Kenntnis der Vorgänger gelesen werden. Für ein tieferes Verständnis der zwischenmenschlichen Beziehungen ist es aber sinnvoll, die Vorgängerbände zu lesen. Erzählt wird die Handlung hauptsächlich aus den Perspektiven von Grall und Wyler; teilweise wird allerdings auch die Perspektive anderer in den Fall involvierter Figuren eingenommen. Der Handlungsbogen startet, bedingt durch den Modus Operandi des Täters, rasant: Häufig wird der Ort gewechselt, sodass sich verschiedene Handlungsorte (hauptsächlich) in Deutschland und der Schweiz ergeben. Ab der Hälfte der Handlung wird stärker ein begrenzter Ort fokussiert. Das Motiv des Täters, das auf einem verqueren religiösen Verständnis beruht (mehr möchte ich nicht verraten :D) ist originell. Wie schon die ersten beiden Thriller von Lars Schütz lässt sich auch „Rache, auf ewig“ aufgrund des anschaulichen, humorvollen und abwechslungsreichen Schreibstils sehr flüssig lesen. Die beiden Hauptfiguren (Grall und Wyler) treten im Vergleich zu den vorherigen Bänden aufgrund der Perspektivierung anderer Figuren etwas zurück. Grall zeigt allerdings wieder seine gewohnt sarkastische Art; Wyler hat mit privaten Problemen zu kämpfen. Ergänzt wurde das Figurenrepertoire um Kolja Wiebusch, dem Kollegen von Ichigawa, der sympathisch gezeichnet und kalauernd unterwegs ist. Die Handlung ist durch die Taten des „Erlösers“ durchweg fesselnd; das Ende und die Täterfrage überraschend. Besonders spannend fand ich, dass sich am Ende Wahn und Wirklichkeit in der Psyche des Täters vermischen. In diesem Kontext hätte ich es aber noch interessant gefunden, etwas mehr über die Vergangenheit des Täters zu erfahren. Insgesamt ist „Rache, auf ewig“ ein spannender Thriller, der stilistisch sehr schön formuliert ist.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.10.2020

Die Zug-Odyssee

Was dir bleibt
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Inhalt: Kanada. Die 76-jährige Gladys wohnt schon fast ihr ganzes Leben lang in einer kleinen Siedlung an einer Bahnlinie, mitten im Nirgendwo. Eines Tages setzt sie sich in den Northlander-Zug und fährt ...

Inhalt: Kanada. Die 76-jährige Gladys wohnt schon fast ihr ganzes Leben lang in einer kleinen Siedlung an einer Bahnlinie, mitten im Nirgendwo. Eines Tages setzt sie sich in den Northlander-Zug und fährt weg. Ihre Nachbarn und Freunde, die sie nicht darüber informiert hat, obwohl sie sich sonst alles erzählen, rätseln über Grund und Ziel der Fahrt – zumal sie ihre suizidale Tochter allein zurücklässt. Was treibt Gladys an?

Persönliche Meinung: Bei „Was dir bleibt“ handelt es sich um ein Stück Gegenwartsliteratur, das sich näheren Genrezuordnungen entzieht. Erzählt wird der Roman nicht, wie das Cover nahelegt, von Gladys selbst, sondern von einem namenlosen männlichen Ich-Erzähler, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, dem Verschwinden Gladys‘ nachzuspüren. Dabei versucht er, die Reise und die Motive von Gladys zu rekonstruieren, wird zum Spurensucher, der die Fühler in alle möglichen Richtungen ausstreckt. Der Erzähler tritt (bewusst) zurück; man erfährt kaum etwas persönliches über ihn. Er tritt eher als Chronist und Vermittler der Geschichte von Gladys auf, geht dabei aber gar nicht chronologisch vor, sondern verfolgt Spuren, die auch mal ins Leere führen. Besonders interessant dabei ist das assoziative Vorgehen der Erzählung: Der Bericht ist quasi eine (mal mehr, mal weniger) assoziative Addition der Spuren. Insofern ergeben sich viele kleine Nebengeschichten, in denen man sich – ähnlich wie der Erzähler – verirrt. Auch bemüht sich der Erzähler bewusst nicht um einen roten Faden, sondern bleibt unstrukturiert: Er gibt den Leserinnen letztlich Einblicke in den Schreib- und Nachforschungsprozess und bildet diesen ab. Dabei kommt es zu Sackgassen, Schleifen, kleinen Vorausdeutungen und Rücksprüngen. Die Erzählweise ist somit eher experimentell. Die Handlung ist aber – vom Ende her betrachtet – dennoch stimmig; Gladys‘ Reisegrund in einer bestimmten, ihr eigenen Logik nachvollziehbar. Der Erzählton ist eher gesetzt: nicht aufmerksamkeitsheischend, eher deskriptiv, vergleichsweise anspruchsvoll, zwischendurch auch melancholisch und nostalgisch, immer mal wieder abschweifend, insgesamt ruhig. Die Handlungsorte sind häufig die Züge und die kleinen Ortschaften längs der Eisenbahnlinie. In diesem Kontext wird ein besonderes Kapitel der kanadischen (Bildungs-)Geschichte angesprochen: die school trains. Waggons, die bis in die 1960er Jahre für einige Tage auf Nebenschienen in der Nähe von Ortschaften abgestellt wurden, damit auch die Schülerinnen in abgelegenen Orten eine zumindest rudimentäre Schulbildung erhalten. Dieser emotionale Bezug zum Komplex „Eisenbahn/Gleis“, der ja ungleich höher ist, wenn der Waggon nicht nur Transportmittel, sondern Ort des Lernens, der Freundschaften und des Heranwachsens ist, ist sehr plastisch gezeichnet. „Was dir bleibt“ besitzt eine gewisse experimentelle Andersartigkeit, ist eher ruhig erzählt und thematisch/bzgl. des Erfahrungshorizontes vielleicht etwas weit von uns entfernt, aber das zeichnet letztlich die Besonderheit des Romans aus.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere