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Veröffentlicht am 02.06.2025

Zwei unheimliche Geschichten

Im Tunnel. Unheimliche Geschichten
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„Im Tunnel“, erschienen im Reclam Verlag, beinhaltet zwei unheimliche Geschichten von Charles Dickens: „Im Tunnel“ und „Des Mordes angeklagt“. „Im Tunnel“ handelt von einem Bahnwärter, dem an einem Bahntunnel ...

„Im Tunnel“, erschienen im Reclam Verlag, beinhaltet zwei unheimliche Geschichten von Charles Dickens: „Im Tunnel“ und „Des Mordes angeklagt“. „Im Tunnel“ handelt von einem Bahnwärter, dem an einem Bahntunnel Übernatürliches begegnet. Nach jeder Sichtung geschieht ein Unglück. Diese Kurzgeschichte besticht durch zweierlei: Einerseits besitzt sie eine gewisse Doppelbödigkeit, wodurch sie rätselhaft wirkt. Als Lesender erfährt man die Sichtungen des Bahnwärters nicht aus erster Hand, sondern von einem Ich-Erzähler, der von Begegnungen mit dem Bahnwärter erzählt und eine Portion Skepsis gegenüber dessen Sichtungen mitbringt. Dadurch weiß man als Lesender bis zuletzt nicht genau, was wirklich vorgefallen ist. Andererseits ist die Geschichte sehr atmosphärisch, was sowohl an der greifbaren Beschreibung des Tunnels, der sich in einer düsteren Schlucht befindet, als auch an der verschrobenen Art des Bahnwärters liegt. Klassischer ist die zweite Kurzgeschichte „Des Mordes angeklagt“. Sie handelt von einem Mordopfer, das als Geist sicher gehen will, dass der Täter überführt wird. Diese Geschichte ist insgesamt linearer und weniger rätselhaft als „Im Tunnel“. Abgerundet wird die Ausgabe des Reclam Verlags von einer Nachbemerkung, in der die beiden Horrorgeschichten in das weitere Werk von Dickens eingeordnet werden.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Drei unheimliche Geschichten

Die Maske des Roten Todes. Unheimliche Geschichten
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„Die Maske des Roten Todes“, erschienen im Reclam Verlag, ist eine Anthologie von drei Kurzgeschichten Edgar Allan Poes. Den Auftakt macht die titelgebende Erzählung „Die Maske des Roten Todes“, eine Schauergeschichte ...

„Die Maske des Roten Todes“, erschienen im Reclam Verlag, ist eine Anthologie von drei Kurzgeschichten Edgar Allan Poes. Den Auftakt macht die titelgebende Erzählung „Die Maske des Roten Todes“, eine Schauergeschichte mit phantastischen Elementen: Sie handelt von Prinz Prospero, der mit seinem Gefolge rauschende Feste feiert, obwohl in seinem Reich die Pest grassiert. Diese Geschichte besticht insbesondere durch ihre atmosphärische Beschreibung der Festivitäten sowie des Handlungsortes (eine alte Abtei). Die zweite Geschichte „Die Tatsachen im Fall Waldemar“ ist eine eher klassische Horrorgeschichte, die stellenweise an „Frankenstein“ erinnert. Im Mittelpunkt steht ein Ich-Erzähler, der den Mesmerismus praktiziert. Getrieben von dem Drang, die dessen Grenzen auszuloten, hypnotisiert er einen Sterbenden. Die Handlung plätschert eher dahin; dennoch fand ich die Ausgangslage der Geschichte interessant. Den Abschluss bildet „Der entwendete Brief“, bei der es sich nach „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ und „Das Geheimnis der Marie Rogêt“ um die dritte Auguste Dupin-Geschichte (und damit um eine Detektivgeschichte) handelt. Die Geschichte dreht sich, wie der Titel schon sagt, um einen gestohlenen Brief, den Dupin auffindbar macht. Sie lässt sich in zwei Teile unterteilen: Im ersten Teil wird Dupin von dem Verschwinden des Briefes sowie erfolglose Wiederbeschaffungsversuche erzählt, im zweiten Teil berichtet Dupin, wie er den Brief aufgefunden hat. Insgesamt also keine übermäßig spannungsgeladene Handlung. Dennoch fand ich „Der entwendete Brief“ spannend zu lesen, da man hier Dupins deduktive Methode erlesen kann, die literarisches Vorbild für kommende Ermittlerfiguren werden sollte. Abgerundet wird „Die Maske des Roten Todes“ durch eine Nachbemerkung, die kurz die drei Geschichten literarisch einordnet.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Eine stimmungsvollen Lektüre

Ein Weihnachtsabend mit Theodor Storm
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„Ein Weihnachtsabend mit Theodor Storm“ ist eine Anthologie mit Weihnachtstexten von Storm. Gesammelt sind hier stimmungsvolle Gedichte (wie „Weihnachtslied“ oder „Weihnachtsabend“), weihnachtliche Erzählungen ...

„Ein Weihnachtsabend mit Theodor Storm“ ist eine Anthologie mit Weihnachtstexten von Storm. Gesammelt sind hier stimmungsvolle Gedichte (wie „Weihnachtslied“ oder „Weihnachtsabend“), weihnachtliche Erzählungen (z. B. „Unter dem Tannenbaum“ oder „Marthe und die Uhr“) sowie private Briefe. In den Briefen erzählt Storm, wie das Weihnachtsfest bei ihm gefeiert wurde, welches Essen geschmaust wurde, welche Geschenke die Kinder bekamen. Viele Briefe (u. a. einer an Gottfried Keller) besitzen einen wehmütigen Ton: Hier berichtet Storm von den Weihnachtsfesten der vergangenen Jahre, wobei auch eine Sehnsucht nach denjenigen aufkommt, die nicht mehr mitfeiern können. Die Briefe sind insgesamt auch aus historischer Sicht eine interessante Quelle für die Geschichte des Weihnachtsfestes. Von den Erzählungen möchte ich insbesondere „Marthe und die Uhr“ hervorheben. Melancholisch blickt hier eine Greisin auf frühere Weihnachtsfeste zurück, feiert in der Erinnerung diese Feste nach. Insgesamt ist „Ein Weihnachtsabend mit Theodor Storm“ eine abwechslungsreiche Anthologie, schön geeignet, um sich auf das Weihnachtsfest einzustimmen.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Ein humorvolles Drama

Die Physiker
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Inhalt: Ein Mord ist geschehen im Sanatorium „Les Cerisiers“. Das Opfer: Eine Krankenschwester. Der Täter: Ernst Heinrich Ernesti, der sich selbst für Einstein hält. Auf Drängen des Inspektors sichert ...

Inhalt: Ein Mord ist geschehen im Sanatorium „Les Cerisiers“. Das Opfer: Eine Krankenschwester. Der Täter: Ernst Heinrich Ernesti, der sich selbst für Einstein hält. Auf Drängen des Inspektors sichert die Leiterin Mathilde von Zahnd zu, das Konzept der Unterbringung der Patienten zu überdenken. Doch gerade als „Les Cerisiers“ wieder zur Ruhe kommt, geschieht der nächste Mord.

Persönliche Meinung: „Die Physiker“ ist eine Komödie in zwei Akten von Friedrich Dürrenmatt. Ich will ehrlich sein: Als ich „Die Physiker“ damals in der 11. Klasse lesen musste, konnte ich mit dem Drama nichts anfangen. Das Thema interessierte mich nicht, die Handlung schien mir zu schlicht – woran auch der Plottwist nichts ändern konnte –, und die Sprache empfand ich als wenig reizvoll, zu alltäglich und trocken. Jetzt, einige Jahre nach der schulischen Pflichtlektüre – und mit ein paar Jahren mehr Leseerfahrung –, habe ich „Die Physiker“ nochmal gelesen – und muss das Urteil meines 16-jährigen Ichs revidieren: Die Handlung ist – mit ihrem historischen Hintergrund und ihrer moralischen Tiefe – vielschichtig; strukturelle Wiederholungen, die mir damals als redundant/langweilig erschienen, sorgten bei meinem erwachsenen Ich für Schmunzler (generell habe ich erst jetzt, beim zweiten Lesen, erkannt, wie humoresk und slapstickartig „Die Physiker“ ist). Auch den Plottwist, der sorgsam aufgebaut wird, konnte ich nun mehr würdigen (Mein 16-jähriges Ich hat da wohl nicht so gründlich gelesen). Kurz: „Die Physiker“ hat mich beim zweiten Lesen ungemein gut unterhalten – sowohl hinsichtlich der Ernsthaftigkeit des Themas als auch in Bezug auf die humorvollen Akzente.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Eine eher ernste Mumingeschichte

Die Mumins (6). Winter im Mumintal
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Inhalt: Der Winter hat im Mumintal Einzug gehalten. Eigentlich die Zeit, in der die Muminfamilie ihren Winterschlaf hält. Doch plötzlich wacht Mumin als erster Mumintroll in der Geschichte der Mumintrolle ...

Inhalt: Der Winter hat im Mumintal Einzug gehalten. Eigentlich die Zeit, in der die Muminfamilie ihren Winterschlaf hält. Doch plötzlich wacht Mumin als erster Mumintroll in der Geschichte der Mumintrolle aus seinem Winterschlaf auf. Seine Familie schläft weiter, lässt sich nicht wecken, sodass Mumin eigenständig die winterliche Welt vor der Haustür erkundet…

Persönliche Meinung: „Winter im Mumintal“ ist ein Kinder- und Jugendbuch von Tove Jansson. Es handelt sich um den 6. Mumin-Band. Man muss nicht zwangsläufig alle vorherigen Mumin-Bände gelesen haben, um der Handlung folgen zu können, allerdings ist ein Grundverständnis der Mumin-Welt Voraussetzung, um „Winter im Mumintal“ einordnen zu können. Denn: Die Stimmung des 6. Bandes ist eine andere als in vorherigen. Mumin wandelt hier nicht durch ein Winterwunderland, in dem er spaßige Abenteuer erlebt. Im Gegenteil: „Winter im Mumintal“ fällt insofern ein Stück weit aus der Reihe, als dass die Handlung eher düster ist. Die Welt ist kalt und still, die Morra durchstreift das Mumintal, Mumin ist melancholisch und in sich gekehrt, die wenigen auftretenden Figuren sind eher verhuschte Eigenbrötler (Kontrapunkt ist hier lediglich die kleine Mü, die gewohnt ausgelassen durch den Schnee tollt). Einsamkeit ist ein Leitmotiv der Geschichte: Mumin ist auf sich alleingestellt, weiß nicht wirklich, was er mit sich anzufangen hat. Allein die Gespräche mit Too-ticki, die sich häufig um Mumins Melancholie drehen, bieten eine Perspektive. „Winter im Mumintal“ ist außerdem der erste Mumin-Band, in dem Mumin mit dem Tod konfrontiert wird: Ein Eichhörnchen erfriert, was Mumin zu denken gibt. Zum Ende der Handlung – analog zum aufkeimenden Frühling – kehrt aber immer mehr die Hoffnung zurück: Mumin hilft den verhuschten Winterwesen, nimmt sie in Muminhaus auf, sodass sich einzelne dieser Wesen anfreunden können. Letztlich erwacht auch die Mumin-Familie und der Schnupferich kehrt zurück, sodass das Leben wieder seinen gewohnten Gang gehen kann. Der Erzählstil von Tove Jansson ist in diesem Band – passend zum Inhalt – nachdenklicher, aber dennoch flüssig zu lesen. Insgesamt ist „Winter im Mumintal“ ein eher düsterer Teil der Reihe – und gerade deshalb lesenswert.

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