Profilbild von stefan182

stefan182

Lesejury Star
offline

stefan182 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit stefan182 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.11.2025

Ein wunderbar illustriertes Geschenkbuch

Poe: Unheimliche Geschichten
0

Der Band “Unheimliche Geschichten” versammelt drei Erzählungen von Edgar Allan Poe, die von Fjodor Dostojewski ausgewählt und von Kat Menschik illustriert worden sind. “Unheimliche Geschichten” ist der ...

Der Band “Unheimliche Geschichten” versammelt drei Erzählungen von Edgar Allan Poe, die von Fjodor Dostojewski ausgewählt und von Kat Menschik illustriert worden sind. “Unheimliche Geschichten” ist der 5. Band der Reihe “Illustrierte Lieblingsbücher” von Kat Menschik. Den Auftakt des Bandes macht mit “Das verräterische Herz” eine Kriminalerzählung, in der ein Ich-Erzähler von einer begangenen Mordtat erzählt. Poe gelingt es dabei, die wahnhaften Gedanken des Täters greifbar und eindrücklich darzulegen. Auch die zweite Erzählung, “Die schwarze Katze”, ist eine Kriminalgeschichte: Hier tritt ebenfalls ein Ich-Erzähler auf, der retrospektiv von einer begangenen Tat erzählt. Spannung entsteht hier besonders durch die analytische Erzählweise und den kleinen Twist am Ende. Eher unbekannter ist die Abschlussgeschichte “Der Teufel im Glockenturm”: Poe entführt uns hier in eine wunderlich beschriebene holländische Gemeinde, in der sich nicht minder seltsame Figuren tummeln. In dieser Gemeinde trug sich Verhängnisvolles zu - was genau, wird erst zum Schluss offenbart, sodass eine schöne Spannungskurve aufkommt. Abgerundet wird der Band durch ein kurzes Nachwort von Dostojewski, in dem er Poe als eigenwilligen, launenhaften Schriftsteller charakterisiert, der seine Figuren mit Vorliebe in Ausnahmesituationen bringt. Ein besonderes Highlight des Bandes sind die kontrastierend dunkellila/neonorange gehaltenen Illustrationen von Kat Menschik. Die Illustrationen flankieren die Texte sehr passend: Berichtet der Ich-Erzähler in “Das verräterische Herz” gerade von dem intensiven Blick seines Opfers, so starrt das Opfer die Lesenden auf der nächsten Seite an; werden in “Der Teufel im Glockenturm” die merkwürdigen Schnitzereien der Häuser beschrieben, so findet sich gegenüberliegend eine Verbildlichung dieser. Besonders haben mir die Illustrationen von “Die schwarze Katze” gefallen, da hier mehrmals kunstvoll mehrere Szenen in einem Bild verschmelzen. Schön fand ich auch, wie die Illustrationen den eigenen Lesehorizont erweitern: “Die schwarze Katze” und “Das verräterische Herz” waren mir bereits bekannt, durch Menschiks Illustrationen, die ja auch Interpretationen des Textes sind, wurde mein Blick aber noch auf weitere Schwerpunkte gerichtet, die ich beim vorherigen Lesen gar nicht auf dem Schirm hatte. Insgesamt ist “Unheimliche Geschichten” ein wunderbar und stimmig illustrierter Band, an dem Poe sicherlich seine Freude gehabt hätte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.11.2025

Ein spannender historischer Krimi

Sündflut 1784
0

Inhalt: Köln 1784. Nur wenige Tage sind nach der verheerenden Flutkatastrophe, die Köln und Umland zerstört hat, ins Land gezogen. Während Amtmann Henrik van Venray versucht, die Aufbaumaßnahmen zu koordinieren, ...

Inhalt: Köln 1784. Nur wenige Tage sind nach der verheerenden Flutkatastrophe, die Köln und Umland zerstört hat, ins Land gezogen. Während Amtmann Henrik van Venray versucht, die Aufbaumaßnahmen zu koordinieren, bricht die Apothekerwitwe Anna-Maria nach Mülheim auf, um sich den Zustand ihres flutversehrten Hauses genauer anzuschauen. Dort angekommen trifft sie auf einen Mann, der felsenfest behauptet, das Haus gehöre ihm - und nicht ihr. Unverhofft findet Anna-Maria sich in einem Gewirr aus Intrigen wieder, aus dem sie nur mit Hilfe entkommen kann…

Persönliche Meinung: “Sündflut 1784” ist ein historischer Kriminalroman von Marco Hasenkopf, der in Köln spielt. Es handelt sich um den Nachfolger von “Eisflut 1784” (ein sehr empfehlenswerter Roman!). Die Handlung der beiden Krimis ist je in sich abgeschlossen, allerdings ist es sinnvoll, zuerst “Eisflut 1784” zu lesen, da hier die Basis für die Figurenbeziehungen gelegt wird. Erzählt wird die Handlung aus drei personalen Figurenperspektiven: der aufgeklärte Henrik van Venray, der als primäre Ermittlerfigur auftritt, Anna-Maria, die ein selbstbestimmtes Leben führen möchte, und die bis zur Auflösung anonym bleibende Täterfigur. Eine große Stärke des Romans ist die atmosphärische Darstellung des historischen Hintergrunds: Wir laufen mit den Protagonisten durch Kölner Gassen und Plätze, begeben uns auch in die verrufenen Ecken der Stadt und begegnen dem viel gerühmten Kölner Klüngel. Interessant ist auch die Darstellung des in “Sündflut” grassierenden Hexenwahns mit Hexenprozess (auch wenn dieser eher aus dramaturgischen denn historischen Gründen eingebaut worden ist). Die Handlung ist aufgrund der offenen Täteridentität durchweg spannend; zudem findet sich am Ende ein kleiner Twist. In den Sprachduktus des Krimis muss man sich zunächst erst einfinden: Marco Hasenkopf nutzt einen archaisierenden Stil, mit dem der Sprech um 1780 nachgebildet werden soll. Je weiter man in der Handlung des Romans voranschreitet, desto flüssiger lässt er sich aber lesen. Insgesamt ist “Sündflut 1784” ein spannender historischer Krimi, der atmosphärisch dicht in das Köln am Ende des 18. Jahrhunderts (ent)führt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.11.2025

16 spannende Weihnachtserzählungen, die man über einen längeren Zeitraum lesen sollte

Weich fällt der Schnee
0

“Weich fällt der Schnee” versammelt 16 weihnachtliche Kriminalgeschichten von Ragnar Jónasson. Die meisten dieser Geschichten spielen in Island, wobei - durch die isländischen Weihnachtstraditionen (wie ...

“Weich fällt der Schnee” versammelt 16 weihnachtliche Kriminalgeschichten von Ragnar Jónasson. Die meisten dieser Geschichten spielen in Island, wobei - durch die isländischen Weihnachtstraditionen (wie das Buchlesen am Heiligen Abend oder das Lauschen der Weihnachtsmette per Radio) sowie die schneereichen Landschaften - eine schön heimelige Atmosphäre erzeugt wird. Ein Highlight der Sammlung ist dabei insbesondere die Auftaktgeschichte “Ein Brief an den Weihnachtsmann”, die eine Familientragödie, dem spurlosen Verschwinden einer Tochter, erzählt; für Spannung sorgt dabei, dass der Charakter der Tragödie erst zuletzt offenbart wird. Sehr gefallen hat mir auch “Das Weihnachtsrätsel”: Eine Frau geht in einen Buchladen und lässt den Mitarbeiter ein Rätsel ihres verstorbenen Mannes lösen, das auf weihnachtliche Buchtitel verweist; das Lösungswort offenbart ein dramatisches Geheimnis. Daneben finden sich Geschichten, die sich um Entführungen drehen (“Keine Panik”, “Eine Weihnachtsgeschichte”, “4 mal 3,3”), Erzählungen, die sich mit traumatischen Kindheits-/Jugendepisoden beschäftigen (“Dinner for two”, oder emotional tiefergehend “Für diejenigen, die er nie in den Armen halten durfte”, “Tod einer Sonnenblume”) und kurze Texte, die Tragödien verschiedener Art behandeln (“Urlaubspost aus Island”, “Die Truhe” (ein Gespräch zwischen Freunden mit interessantem Twist), “Ein Augenblick am Meer” (sehr emotional!), “Meinen Agenten umbringen”, “Chet Baker in Reykjavík 1955, fast ausverkauft” (hier hatte ich das Gefühl, mir fehlt das nötige Hintergrundwissen zum Verständnis)). Zudem finden sich drei Kurzgeschichten, in denen mit Ari und Hulda bekannte Protagonisten aus anderen Krimis/Thrillern von Jónasson auftauchen: In “Weich fällt der Schnee” ermittelt Ari in einem seltsamen Fall: Eine ältere Frau erhält Briefe von ihrem Ehemann, der allerdings vor dreißig Jahren gestorben ist. “Es wird schön, wenn die Sonne aufgeht” ist zwar nicht direkt ein Kriminalfall, bietet aber interessante Einblicke in das Seelenleben von Ari. Zudem findet sich mit “Die Tochter” eine Hulda-Geschichte, in der die Protagonistin mit einer Vater-Tochter-Beziehung konfrontiert wird, die ihr zu denken gibt. Alle in der Sammlung vertretenen Geschichten sind aufgrund ihres analytischen Stils spannend erzählt; mehrfach laufen sie auf ein (mehr oder weniger) überraschendes Ereignis zu. Da man das analytische Muster allerdings so häufig liest, nutzt es sich mit der Zeit ab: Die intendierte Überraschung am Ende verpufft - je weiter man liest - mehr und mehr (was sehr schade ist, da die Geschichten für sich betrachtet wirklich ein großes Potential haben). Insgesamt kann ich die Anthologie besonders Island-Fans sowie Liebhaber*innen von spannenden Geschichten ans Herz legen - bedacht werden sollte allerdings, dass die Geschichten besser wirken, wenn man sie nicht allzu rasch hintereinander liest.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.11.2025

Ein unterhaltsamer Thriller, der allerdings z. T. zu vorhersehbar ist

Racheherbst
0

Inhalt: Durch Zufall wird die Leiche einer jungen Frau unterhalb einer Leipziger Brücke entdeckt. Zwar hat die Leipziger Polizei erste Anhaltspunkte, die in das lokale Drogenmilieu führen, doch die Spur ...

Inhalt: Durch Zufall wird die Leiche einer jungen Frau unterhalb einer Leipziger Brücke entdeckt. Zwar hat die Leipziger Polizei erste Anhaltspunkte, die in das lokale Drogenmilieu führen, doch die Spur verläuft schnell im Sande. Ein Umstand, den Walter Pulaski nicht hinnehmen will, sodass er in seiner Freizeit Ermittlungen anstellt. Schnell wird dabei klar: Pulaski jagt einem Serienmörder nach. In Wien übernimmt die mittlerweile in einer eigenen Kanzlei agierende Anwältin Evelyn Meyers einen neuen Fall - ohne zu wissen, dass dieser ihr Leben auf den Kopf stellen wird...

Persönliche Meinung: "Racheherbst" ist ein Thriller von Andreas Gruber. Es ist der zweite Band um die beiden Ermittlerfiguren Walter Pulaski und Evelyn Meyers. Da der Fall in sich abgeschlossen ist und auch die Figurenbeziehungen, wie sie sich im ersten Band entwickelt haben, skizziert werden, kann man "Racheherbst" auch ohne Kenntnis des Vorgängers lesen. Erzählt wird die Handlung aus mehreren personalen Perspektiven: Neben Pulaski und Meyers finden sich u. a. die Perspektive von Mikaela, die auf eigene Faust ermittelnde Mutter des Opfers, sowie die Täterperspektive. Leider hat mich "Racheherbst" zwiegespalten zurückgelassen. Grandios ist der Schreibstil, der sich flüssig und anschaulich lesen lässt; die Handlungsorte - u. a. Leipzig, Wien und Prag - werden atmosphärisch in Szene gesetzt. Auch die anomale Vorgehensweise des Täters ist ein Pluspunkt, da ich sie bisher in der Form noch nicht gelesen habe. Zudem gibt es einige wirklich kaum erwartbare Wendungen, die immer mal wieder für Spannung sorgen. In diesen Wendungen liegt allerdings zugleich ein Wermutstropfen: Insbesondere eine Wendung - ich bleibe hier bewusst vage - hat drastische Konsequenzen für eine handelnde Figur, die aber leider nicht wirklich aufgearbeitet werden. Auch die Täteridentität ist nicht so überraschend wie von Gruber gewohnt (am Ende habe ich mich ein bisschen gefragt, warum ich auf diese Auflösung 500 Seiten gewartet habe). Stellenweise fand ich außerdem Mikaela, die ermittelnde Mutter des Opfers, anstregend: Sie greift mehrfach auf die Ermittlungsergebnisse Pulaskis zurück, der hier sympathischer und menschlicher erscheint als in "Rachesommer", lässt Pulaski dann aber häufig - wortwörtlich - sitzen und begeht Alleingänge, die nicht unbedingt förderlich sind. Unter dem Strich ist "Racheherbst" aber kein schlechter Thriller. Über weite Strecken hat er mich gut unterhaltend; dennoch kommt er für mich nicht ganz an den ersten Band der Reihe heran.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.10.2025

Ein vielversprechender Reihenauftakt

Über die Toten nur Gutes
0

Inhalt: Unverhofft erreicht den Trauerredner Mads Madsen eine tragische Nachricht: Patrick, sein bester Freund aus Kindheitstagen, zu dem er aber seit mehreren Jahren keinen Kontakt mehr hatte, ist bei ...

Inhalt: Unverhofft erreicht den Trauerredner Mads Madsen eine tragische Nachricht: Patrick, sein bester Freund aus Kindheitstagen, zu dem er aber seit mehreren Jahren keinen Kontakt mehr hatte, ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Patricks letzter Wunsch: Mads soll seine Trauerrede halten. Daher beginnt Mads über die jüngste Vergangenheit seines ehemals besten Freundes zu recherchieren - doch in Patricks Freundeskreis stößt Mads mit seinen Nachfragen auf Schweigen, Abweisung und Aggression. Und plötzlich hat Mads ganz andere Sorgen, als eine Trauerrede zu schreiben…

Persönliche Meinung: “Über die Toten nur Gutes” ist ein Kriminalroman von Andreas Izquierdo. Es handelt sich um den Auftakt einer neuen Krimireihe, in deren Mittelpunkt der Trauerredner Mads Madsen steht. Mads ist eine sympathisch gestaltete Figur: Er ist ein bisschen naiv und verpeilt, gleichzeitig aber auch empathisch und warmherzig. Die Handlung des Krimis beginnt behutsam: Ehe es mit dem eigentlichen Fall losgeht, werden die Figuren in einer witzigen Exposition, die die Lesenden außerdem schön aufs Glatteis führt, vorgestellt. Danach entwickelt sich die Handlung zu einer spannenden Kriminalgeschichte, die sich um das Mysterium “Patrick” dreht. Was hat er in den letzten Jahren getrieben? In welchem Umfeld bewegte er sich? Warum weigern sich seine Freunde, über ihn zu reden? Für weitere Spannung (und Tragik) sorgt dabei, dass eins von Patricks Geheimnissen eng mit der Freundschaft zu Mads verbunden ist. Die Rätselhaftigkeiten um Patrick werden in einem stimmigen Tempo und mit überraschenden Wendungen nach und nach offenbart - bis zum fulminanten Finale. Wie man dem Bisherigen schon indirekt entnehmen konnte, ist der thematische Hintergrund des Krimis nicht unbedingt einfach: Die handelnden Figuren arbeiten in der Bestattungsbranche, Tod und Trauer spielen eine wichtige Rolle, Friedhof und Bestattungsinstitut sind Handlungsorte. Dennoch gelingt es Andreas Izquierdo, eine leichtfüßige Geschichte zu erzählen, was einerseits an dem sehr flüssigen Stil liegt, andererseits mit dem Humor zusammenhängt, der sich im Krimi findet: Viele der Figuren, insbesondere Mads Vater, sind skurril und eigen, wodurch es zu mehreren humorvollen Szenen kommt. Insgesamt ist “Über die Toten nur Gutes” ein spannender wie lustiger Reihenauftakt mit einer unkonventionellen Ermittlerfigur.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere