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Veröffentlicht am 15.02.2021

Ein gelungener und gebührender Reihenabschluss

UNENDLICH
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Inhalt: Nach den Ereignissen von „Unendlich: Für ein Leben“ sind die Freunde wieder getrennt. Während Scarlett, Mason, Oliver und Ava einen Schicksalsschlag verarbeiten müssen, regt sich der finale Entwicklungsschub ...

Inhalt: Nach den Ereignissen von „Unendlich: Für ein Leben“ sind die Freunde wieder getrennt. Während Scarlett, Mason, Oliver und Ava einen Schicksalsschlag verarbeiten müssen, regt sich der finale Entwicklungsschub in Liam und Emma. Logan Grey arbeitet weiter an der Konsolidierung seiner Macht – und kann dabei auf prominente Hilfe setzen. Doch nicht jeder ist mit den Maßnahmen Greys einverstanden; im Volk formiert sich Widerstand. Wie wird die Zukunft der Freunde aussehen? Was wird mit den Zeichenlosen geschehen?

Persönliche Meinung: „Unendlich: Für einen Moment“ ist der finale Teil der Unendlich-Trilogie. Strukturell setzt sich der Roman aus mehreren Handlungssträngen zusammen, die jeweils aus verschiedenen Perspektiven geschrieben sind. Die einzelnen Handlungsstränge wechseln sich in einem schönen Tempo ab und enden häufig mit einem Cliffhanger, wodurch die Handlung durchweg spannend ist. Die Handlung hält zudem einige Überraschungen bereit. Einzelne Figuren zeigen in einem Twist, der kaum zu erahnen ist, ihr wahres Gesicht, von anderen Figuren müssen wir uns verabschieden, wieder andere treten erneut in Erscheinung. Der Roman endet mit einem actionreichen Showdown, wobei das Ende genau richtig ist: stellenweise tragisch und dadurch nicht vollends „happy“. Außerdem werden alle Fragen, die in den Vorgängerbänden aufgeworfen worden sind, beantwortet, sodass die Handlung reihenübergreifend stimmig und schlüssig ist. So erfahren wir beispielsweise, was mit der ursprünglichen Seele von Liam und Emma passiert ist (wie es dabei in den Köpfen von Liam und Emma aussieht, wird szenisch schön umgesetzt), was es generell mit den Zeichenlosen auf sich hat und was die genaue Bedeutung der Coverabbildungen ist (es gibt in „Unendlich: Für einen Moment“ eine Schlüsselszene, in der die Abbildungen der drei Cover von den Figuren interpretiert werden). Im Vergleich zu den anderen beiden Bänden treten im dritten Band verstärkt dystopische Elemente in den Fokus; aber auch die Gruppendynamik und die Freundschaft von Scarlett, Mason, Oliver, Liam und Emma spielt wieder eine große Rolle. Der Schreibstil ist flüssig zu lesen, rund und abwechslungsreich. „Unendlich: Für einen Moment“ ist insgesamt ein gelungener und gebührender Abschluss der Unendlich-Trilogie, der einen tollen Handlungsbogen aufweist und keine Fragen offenlässt. Für mich ist es der stärkste Teil.

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Veröffentlicht am 14.02.2021

Eine erfrischende Adaption des grimmschen Märchens

Ensel und Krete
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Inhalt: Ensel und Krete, zwei Fhernhachen-Geschwister, machen mit ihren Eltern im von Buntbären geleiteten Ferienpark "Bauming" Urlaub. Doch der Urlaub ist langweilig. Ensel hat keine Lust mehr, ständig ...

Inhalt: Ensel und Krete, zwei Fhernhachen-Geschwister, machen mit ihren Eltern im von Buntbären geleiteten Ferienpark "Bauming" Urlaub. Doch der Urlaub ist langweilig. Ensel hat keine Lust mehr, ständig Himbeeren zu sammeln. So überredet er kurzerhand seine Schwester Krete, die ausgeschilderten Pfade zu verlassen und sich tiefer in den Großen Wald zu begeben - was strengstens verboten ist. Die beiden verlaufen sich und merken schnell, dass sie nicht die einzigen Wesen im Wald sind.

Persönliche Meinung: "Ensel und Krete" ist der zweite Band des Zamonien-Zyklus von Walter Moers. Wie der kurze Inhaltsteaser und die sprechenden Namen der beiden Hauptfiguren schon andeutet, handelt es sich um eine Neuadaption des grimmschen Märchens "Hänsel und Gretel", an dem sich das Handlungsgerüst von "Ensel und Krete" auch orientiert: Zwei Geschwister verirren sich in einem Wald und treffen dort auf eine (besondere) Hexe. Was "Ensel und Krete" allerdings von "Hänsel und Gretel" unterscheidet, ist, dass die moerschen Figuren auf eine Vielzahl unterschiedlicher zamonischer Wesen (aus Flora und Fauna) treffen. So begegnen sie einem Stollentroll, den Blaubären, einem Laubwolf (ein Hybridwesen aus Wolf und Pflanze) und einer Grasmuräne, die im Grassee lebt. Auch ist die Handlung komplexer als im grimmschen Märchen. Es gibt mehr (potentielle) Gegenspieler und unerartete Wendungen in der moerschen Adaption. Eine Besonderheit von "Ensel und Krete" ist, dass es mit der Autorschaft des Werkes spielt. Moers selbst gibt sich nur als Übersetzer des Märchens, das eigentlich der zamonische Dichterfürst Hildegunst von Mythenmetz geschrieben hat. Am Ende des Werkes findet sich sogar eine kurze (diesmal namentlich von Moers verfasste) Biografie Hildegunsts, sodass hier eine spannende Herausgeberfiktion entsteht. "Ensel und Krete" steht daher weniger in der Tradition der Volksmärchen (wie "Hänsel und Gretel"), sondern eher in der der Kunstmärchen, deren Urheberschaft - im Unterschied zu den Volksmärchen - immer einem Autor zugeschrieben werden kann. Aber Hildegunst begnügt sich nicht damit, als Autor zu fungieren. In Form des von ihm entwickelten Stilmittels der "Mythenmetzschen Abschweifungen" greift er direkt in den Text ein: So unterbricht er mehrmals die Handlung von "Ensel und Krete" und diskutiert in seinen Abschweifungen auf einer Metaebene Literatur (das Schriftstellerleben, der Umgang mit Kritikern, das Spiel mit den Leser*innenerwartungen). Hildegunst ist dabei auch gar nicht bescheiden, sondern teilt ordentlich aus und sieht sich als besten Schriftsteller, den es jemals gegeben hat, wodurch er auch karikatureske Züge annimmt. Besonders aufgrund dieses literarischen Stilmittels und der Herausgeberfiktion um Hildegunst ist "Ensel und Krete" eine interessante und innovative Lektüre.

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Veröffentlicht am 13.02.2021

Ein lustiges und spannendes Jugendbuch

Elfie – Einfach feenomenal
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Inhalt: Eigentlich ist Elfie ein ganz normales Mädchen (abgesehen davon, dass ihr richtiger Name „Elfrun“ ist, da ihr Vater ein Faible für germanische Namen hat. Ihre Brüder heißen übrigens Landogar und ...

Inhalt: Eigentlich ist Elfie ein ganz normales Mädchen (abgesehen davon, dass ihr richtiger Name „Elfrun“ ist, da ihr Vater ein Faible für germanische Namen hat. Ihre Brüder heißen übrigens Landogar und Tankred). Doch Elfies Leben ändert sich schlagartig, als sie bei einem Planetariumsbesuch in Ohnmacht fällt. Zwar legt sich das Ohnmachtsgefühl rasch, aber am nächsten Morgen erwartet sie ein neuer Schrecken: Sie wird – auf dem Schulklo – unsichtbar. Warum? Irgendwie hat ein magischer Strahl sie zur Fee gemacht, was heißt, dass Elfie – zusätzlich zur normalen Schule – auch noch die Feenschule besuchen muss.

Persönliche Meinung: „Elfie – einfach FEEnomenal“ ist ein Fantasybuch für Kinder und Jugendliche, das mit einem humorvollen Schreibstil auftrumpft. Mehrmals kommt es zu Slapstick-Einlagen, viele Figuren sind liebenswert verpeilt und Elfie, die die Handlung aus der Ich-Perspektive erzählt, hat den ein oder anderen flapsigen Spruch und Gedanken auf Lager. Interessant ist auch der Aufbau des Buches: Nach jedem Kapitel findet sich ein Textausschnitt (z.B. Tagebucheinträge, Rezepte, Zitate oder Briefe), der auf die Handlung des jeweils folgenden Kapitels vorausdeutet, sodass man gespannt weiterliest, wie sich der Inhalt des Ausschnittes im Kontext des Kapitels entfaltet. Die Elfenschule birgt einige innovative Fantasyelemente: Die Feen-in-Ausbildung können sich spezialisieren (z.B. zur Zahn- oder Kuchenfee) oder man hängt ein Jahr dran und wird Universalfee; die Feengemeinschaft besitzt eigene institutionelle Strukturen (ein Zirkel sollte z.B. nur 12 Mitglieder haben; Elfie ist das 13., wodurch Spannungen innerhalb des Zirkels auftreten); es gibt spezielle Prüfungen zum Ablegen des ersten Feenjahres). Daneben dreht sich „Elfie“ um Freundschaft, Familie und die erste große Liebe. Zum Ende der Handlung, als ein für den Feenzirkel wichtiger Gegenstand verschwindet, nimmt „Elfie“ zudem Züge eines Krimis an, der zusätzlich für Spannung sorgt und mit einer schönen Aufdeckungen auftrumpft. Aufgrund des luftig-lockeren Erzählstils kommt man auch sehr schnell in die Handlung hinein. Insgesamt ist „Elfie – einfach FEEnomenal“ ein lustiges und spannendes Kinder- und Jugendbuch, an dem auch erwachsene Leser*innen Freude haben werden.

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Veröffentlicht am 10.02.2021

Drei dunkle Geschichten

Versteckt
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„Versteckt“ ist eine Sammlung von drei Kurzgeschichten, verfasst von Simon Beckett. Die erste Geschichte „Der Eckpfeiler“ (70 Seiten), handelt von Alex (aus dessen Perspektive auch erzählt wird), der nach ...

„Versteckt“ ist eine Sammlung von drei Kurzgeschichten, verfasst von Simon Beckett. Die erste Geschichte „Der Eckpfeiler“ (70 Seiten), handelt von Alex (aus dessen Perspektive auch erzählt wird), der nach Jahren wieder in seine Geburtsstadt reist, um der Beerdigung seiner Jugendfreundin Kelly beizuwohnen, die Selbstmord begangen hat. Obwohl sich Alex und Kelly seit Jahren nicht mehr gesehen haben, vermacht Kelly ihm eine Geldkassette, die den Schlüssel zum Grund des Selbstmordes beinhaltet. Diese Handlung rahmt den eigentlichen Kern der Erzählung: ein Flashback in die Zeit, als Alex, Kelly und zwei weitere Freunde auf dem Grat zwischen Kindheit und Pubertät wandeln. Diese Binnenerzählung erinnert dabei an S. Kings „Die Leiche“ bzw. den auf Kings Novelle basierenden Film „Stand by Me“. Auch in „Der Eckpfeiler“ gibt es einen Schrottplatz, ein Sommergeheimnis, gewalttätige Halbstarke und eine Leiche. In Becketts Erzählung werden diese Zutaten aber anders gemischt – und zu einem tragischeren Ende geführt. Über die zweite Kurzgeschichte (eher: Kürzestgeschichte) „Ein kurzer Bericht“, die 3,5 Seiten umfasst, möchte ich gar nicht so viel sagen, da zu viele Worte ihren Effekt schmälern würden. Nur so viel: In einem berichtartigen Schreibstil verfasst, thematisiert die Kurzgeschichte die Vergänglichkeit des Lebens und wie die Mitmenschen damit umgehen. Die letzte Erzählung „Mutter Gans“ (knapp 60 Seiten) ist ein kleiner Thriller: Ein Junge verläuft sich in einem Wald und findet sich plötzlich auf einem baufälligen Bauernhof wieder, wo er von der Betreiberin herzlich willkommen geheißen wird. Das Setting erinnert zwar an Becketts „Der Hof“, allerdings geht „Mutter Gans“ eigene Wege, indem es eine moderne Adaption eines Grimmschen Märchens ist (welches das genau ist, verrate ich nicht :D). Während „Der Eckpfeiler“ also eher auf „Stand by Me“-Vibes (Geheimnis/Coming of Age) setzt, ist „Ein kurzer Bericht“ gerade aufgrund seiner Kürze und Lakonik effektvoll. „Mutter Gans“ ist eher in der Gattung „Thriller“ beheimatet, wobei sie Spannung erzeugt und mit Märchenmustern spielt.

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Veröffentlicht am 06.02.2021

Ein Klassiker der Phantastik-Literatur

Die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär
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Inhalt: Käpt’n Blaubär schreibt seine Memoiren – aber nur die ersten 13 ½ der siebenundzwanzig Blaubärleben. Doch auch die erste Hälfte seines Lebens hat es bereits in sich: Käpt´n Blaubär wird von Zwergpiraten ...

Inhalt: Käpt’n Blaubär schreibt seine Memoiren – aber nur die ersten 13 ½ der siebenundzwanzig Blaubärleben. Doch auch die erste Hälfte seines Lebens hat es bereits in sich: Käpt´n Blaubär wird von Zwergpiraten großgezogen und wohnt kurzzeitig in einem Tornado; er besucht Prof. Nachtigallers Nachtschule und lernt das Lügen in Atlantis, zudem fällt er in die 2364. Dimension und verdient sein Geld als Pizzabäcker - um nur einige seiner Stationen zu nennen…

Persönliche Meinung: „Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär“ von Walter Moers, ein Klassiker der phantastischen Literatur, ist der erste Teil des Zamonien-Zyklus. Der Roman sprüht nur so vor phantastischen und originellen Ideen. Zamonien, der Kontinent, auf dem sich die 13 ½ Leben des Blaubären abspielen, ist mit den absonderlichsten Orten gespickt. So durchquert Blaubär eine Wüste aus Zuckersand, die sog. „Süße Wüste“, durch die die nomadisierenden Gimpel auf der Suche nach der legendären Stadt Anagrom Ataf ziehen. Kurzzeitig lebt er auch im Auge des Ewigen Tornados, in dem sich eine Stadt befindet, wo die Zeit nahezu stillsteht. Atlantis, die größte Stadt Zamoniens, ist gewissermaßen ein kultureller Schmelztiegel, in dem sich unterschiedlichste Bewohner*innen Zamoniens treffen (z.B. Stollentrolle, Dämonen, Wolpertinger oder Blutschinken). Einige dieser Wesen lernt Blaubär auch auf seiner Reise: Ein Leben verbringt Blaubär mit einem Rettungssaurier, mit dem sprechenden Namen Deus X. Machina: Aufgabe der Rettungssaurier ist es, Personen in letzter Sekunde das Leben zu retten. In einem anderen Leben trifft Blaubär im Großen Kopf schlechte Ideen und den Wahnsinn. Zudem herrschen in Zamonien eigene Wissenschaften und Naturgesetze (um Prof. Nachtigaller zu zitieren: „Wissen ist Nacht!“). Ob Blaubär dabei immer zuverlässig erzählt? Fraglich. Denn der Ich-Erzähler Blaubär, der chronologisch über seine 13 ½ Leben spricht, ist hochgradig unzuverlässig. So diskutiert der „Lügengladiator“ Blaubär in einem kleinen Exkurs, wie das Flunkern funktioniert: Man müsse nur Lüge und Wahrheit richtig vermengen, damit Unwahrheiten wahr werden würden. Was Blaubär tatsächlich erlebt hat, bleibt daher offen. Jedes seiner 13 ½ Leben spielt an einem anderen Handlungsort, wo er immer wieder neue Figuren trifft. Die Struktur des Werkes nimmt daher Züge einer Odyssee an. Interessant bei diesem eher episodischen Erzählstil ist, dass Blaubär immer mal wieder auf Figuren trifft, die er bereits in früheren Leben getroffen hat – teilweise in den skurrilsten Situationen. Dadurch werden schöne Querverweise innerhalb der Handlung eingebaut und einzelne Handlungsfäden aus der Retrospektive motiviert. Trotz seiner Länge (etwas mehr als 700 Seiten) geht „Die 13 ½ Leben des Käpt`n Blaubär“ nie die Luft aus. Dies liegt einerseits an der abwechslungsreichen Handlung, die teilweise schon wahnwitzige Züge annimmt. Andererseits aber auch an dem leichten und flüssigen Erzählstil, der durch Wortwitz besticht. Außerdem wird der Text durch zahlreiche Zeichnungen Moers‘, typographische Besonderheiten und Einschüben aus dem „Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene Zamoniens und Umgebung“, aus der Feder Prof. Dr. Abdul Nachtigallers, aufgelockert. Insgesamt ist „Die 13 ½ Leben des Käpt`n Blaubär“ ein abwechslungsreicher, innovativer und schön geschriebener Phantastik-Roman.

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